Pränatale Medizin: Fluch oder Segen?

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Was darf, was soll, was muss man tun als Schwangere? Die pränatale Forschung liefert Antworten, setzt damit aber auch unter Druck.

«Als ich damals schwanger war, wusste man davon noch nichts», sagte meine Mutter überrascht, als ich ihr vor der Geburt meiner Tochter erzählte, dass ich keinen Rohmilchkäse mehr essen dürfe. Klar, auf Alkohol und Zigaretten hat eine werdende Mutter auch in den Siebzigern schon verzichtet, von Toxoplasmose, Listeriose und Co. ahnte sie damals hingegen noch nichts.

Ganz anders heute: Zeigt das Teststäbchen zwei Striche an, gilt es, diverse Gewohnheiten für die nächsten neun Monate über Bord zu werfen. Rohmilchprodukte, abgepackte Salate und rohes Fleisch sind für Schwangere verboten, da sich der Listeriose- beziehungsweise Toxoplasmose-Erreger darin verstecken könnte. Beide Krankheiten gefährden die Gesundheit des ungeborenen Babys. Allzu schweisstreibenden Sport und Saunabesuche sollte man zumindest in den ersten Wochen ebenfalls meiden, da diese den Körper zu stark erhitzen. Und das Katzenklo muss ab sofort der Ehemann putzen, denn auch dort lauert die Toxoplasmosegefahr.

Hat man die unzähligen Regeln erst mal abgespeichert, sind sie relativ einfach umzusetzen. Und für die Gesundheit ihres Kindes nimmt die Mama in spe gerne ein paar Einschränkungen auf sich. So weit, so gut. Oder doch nicht?

Verschiedene neue Studien zeigen, dass es mit der Ernährung und dem Delegieren des Katzenklo-Jobs alleine nicht getan ist. So verkündeten Forscher einer europäischen Langzeituntersuchung diesen Frühling, dass Schwangere der Gesundheit ihres Babys zuliebe öfter mal einen Besuch auf dem Bauernhof einplanen sollten. Denn Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft Kontakt mit Kühen, Schweinen oder Katzen hatten, bekamen in den ersten zwei Lebensjahren seltener Neurodermitis als Babys von Müttern ohne Umgang mit Tieren. Was den Effekt genau auslöst, können die Forscher allerdings noch nicht sagen.

Auch Stress während der Schwangerschaft soll die Gesundheit des Ungeborenen beeinträchtigen. Ja eine aktuelle amerikanische Studie belegt gar, dass ein extrem belastendes Ereignis, das bis zu elf Monate vor der Empfängnis stattgefunden hat, noch Auswirkungen auf das Baby haben kann: Musste eine Frau fast ein Jahr vor der Zeugung des Kindes eine Scheidung oder den Tod einer nahestehenden Person durchleben, so hat ihr Baby ein um 42 Prozent erhöhtes Risiko, irgendwann wegen einer schweren Infektionskrankheit hospitalisiert zu werden.

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Die pränatale Medizin schreibt immer mehr vor: Schwangere mit Pillen.

Die Wissenschaft beschäftigt sich immer häufiger mit möglichen Auswirkungen des mütterlichen Verhaltens auf das Baby während der pränatalen Phase. Das ist einerseits gut, weil schliesslich jede Schwangere wissen will, was ihrem ungeborenen Kind gut tut und was nicht. Andererseits setzt es die werdende Mutter aber auch unter enormen Druck. Denn wenn jede Erkrankung, jede Störung auf die Zeit im Mutterleib zurückgeführt wird, wird der Mutter die alleinige Verantwortung dafür, ja die Schuld daran zugeschrieben. Was irgendwann dazu führt, dass die Frau mit wachsendem Kugelbauch bereits ihr ganzes Leben auf das kleine Wesen im Bauch ausrichtet, anstatt die verbleibende Zeit für sich selbst zu geniessen oder sich nochmals besonders intensiv dem älteren Geschwister zu widmen. Man kann die Expertenratschläge natürlich auch ignorieren – aber was, wenn das Baby nach der Geburt tatsächlich häufiger krank ist oder an einer Allergie leidet? Kann man das dann als Zufall abtun, oder macht man sich insgeheim doch Vorwürfe, weil man während der Schwangerschaft nicht alles Menschenmögliche für das Kleine getan hat?

Wie sehen Sie das? Sind die neuen Erkenntnisse Fluch oder Segen? Und könnten Sie als werdende Mutter diese einfach ausblenden, oder würden Sie aus lauter Sorge jedes Wochenende auf den nächsten Bauernhof rennen, anstatt die traute Zweisamkeit auf einem romantischen Städtetrip nochmals richtig zu geniessen?

68 Kommentare zu «Pränatale Medizin: Fluch oder Segen?»

  • Hannah sagt:

    Kaum zu glauben, haargenau dasselbe habe ich vor ein paar Tagen auch gedacht und kommentiert (ohne von Ihrem Eintrag zu wissen) – allerdings nicht so gut geschrieben wie Sie. Stimme Ihnen jedenfalls in jedem Punkt zu!
    Bei Interesse:
    http://kindundkarriere.blogspot.com/2011/08/verzicht-und-perfektion.html

  • Rahel sagt:

    Ich glaube vieles hängt von der eigenen Einstellung ab. Klar, mit Essen habe ich aufgepasst, Stress konnte ich leider aufgrund äusserer Umstände nicht vermeiden aber ansonsten habe ich habe versucht diese Zeit auszunutzen und nochmals „alleine“ Dinge unternommen. So auch im 9. Monat einen Trip nach Paris und nochmals Ausgang bis um 4 Uhr früh :-). Ob es unsrer 4 monatigen Tochter geschadet hat wird sich vielleicht noch zeigen, aber bis jetzt scheint es nicht so… Lasst Euer Gefühl entscheiden!

  • Lydia Feh sagt:

    Ich versuche gerade Schwanger zu werden, und sobald ich den Eisprung hatte, Esse ich keinen Rohmilchkäse mehr- bis die Menstruation wieder kommt, dann darf ich wieder 2 Wochen jeden Käse essen. Es ist ein Fluch!

    • heidi reiff sagt:

      Vertrauen Sie Ihrer eigenen Intuition, Sie selbst allein wissen was gut ist für ihr eigenes Wohlbefinden, die Flöhe, die man mir ins Ohr gesetzt hat, habe ich entsorgt, Schritt für Schritt . Als erwachsene Menschen haben wir die Möglichkeit, mal andere Entscheidungen zu treffen, Waslawitch hat ein aufschlussreiches Buch geschrieben, „Eine Anleitung zum Unglücklich sein“ das Wort „Glück “ ist einfach relativ und echt abgefakt, in der Not frisst scheints der Homo Cornuto Fliegen…….., hoffe der Himmel weint mal wieder , die Erde braucht Wasser und keine dummen Sprüche und Heilsversprechungen.

  • heidi reiff sagt:

    Die normale Menschenwürde inkl. Empathie wird leider in fanatischen Ländern Kriegsländern nach wie vor mit Füssen getreten, Herrscher wie Mao tse Tung, Hitler, Stalin werden leider nach wie vor idealisiert, Gehorsam ist angesagt, der Gehorsam von Adolf Hitler wurde ihm von seinem Vater eingeprügelt, nach dem fanatischen Motto, wer sein Kind liebt züchtigt es, extremer Religionsfanatismus. Zuckerbrot und Peitsche, nein Danke. Religion ist Opium für das Volk, hat schon Karl Marx gesagt.

  • Maria sagt:

    Nun, was natuerlich nie gesagt wird: Pränatal-Medizin und Praevention sind big business und „fear sells“. Man sieht das nur schon am Angebot der Nestle Produkte. Ich denke als Arzt will ich auch Schwangere, die sich alle 5 Minuten fragen, ob sie ihr Kind gefaehrden. Die haette ich dann alle zwei Wochen in der Klinik. Wie gesagt, big business.

  • Erich Baltisser sagt:

    Worum geht es denn eigentlich? Doch wohl um unseren schwindenden Mut, das Leben auch mit Risiken zu akzeptieren. Wir schränken unser Leben und unsere Freiheit immer drastischer ein, in der Hoffnung, ein Leben mit Null Prozent Risiko führen zu können. Wer von Euch glaubt, dass das gelingt?

  • Astrid sagt:

    Olivia, ist ja alles schön und gut. In meiner ersten Schwangerschaft war mir drei Monate lang so k…übel, dass ich weder Obst, Gemüse, geschweige denn Milch bei mir behalten konnte. Statt zuzunehmen, nahm ich ab. Danach hatte ich Heisshungerattacken auf indisches Essen, auf alles, was scharf gewürzt war.
    In meiner zweiten Schwangerschaft ass ich alles, was mir unter die Finger kam. Nicht die Spur von Uebelkeit. Von allen drei Schwangerschaften die entspannteste und schönste. Ach ja: alle Kinder waren gesund und munter.
    Was ich damit sagen will: ein Fall macht keine Statistik.

    • Astrid sagt:

      /2 Das Gefühl, selber zu wissen, was gut für uns und unser Baby ist, scheint vielen abhanden gekommen zu sein. Wir lassen uns Aengste und Schuldgefühle einreden, nur um die Angst zu mildern. Verständlich, aber eben auch nachdenkenswert. Erstaunlicherweise scheinen diese Aengste, je besser die Vorsorge- und Pränatal-Medizin geworden ist, eher noch zu wachsen. Wenn Ihnen Ihre Ernährung, Olivia, gut tut – wunderbar. Wenn Sie aber handbuchartig etwas nachbeten, was von einem sogenannten Experten erfunden wurde, nicht so toll. Wir Frauen können uns (meistens) auf unser Bauchgefühl verlassen.

  • Olivia sagt:

    Seit ich schwanger bin habe ich den Eindruck ich gehöre einer strengen Religion an, die alle möglichen seltsamen Regeln zur Ernährung befolgen muss. Mein Entschluss war, dass ich mich nur noch wie ein Primate ernähre und verhalte: Obst, Gemüse, Nüsse, wenig Kohlehydrate (wenn dann grobkörniges Brot), Milch, Geflügel (grilliert) und das täglich über 18 Std verteilt. Dazu normale Arbeit und viel Bewegung. Ich trinke auch nur Wasser oder Saft. Als Resultat hatte ich kaum Schwangerschaftsübelkeit und musste mich nicht einmal übergeben (bin jetzt im 4. Monat). Wir sind halt doch nur Affen!

    • Tststs sagt:

      Der beste Ernährungstipp, den ich je gehört habe (egal ob als Diät oder grundsätzliche Ernährung), lautet schlicht: Ich esse nur, was meine Oma schon kannte (kam von einem 35jährigen)…

    • Ups sagt:

      Tja, mir wars dauernd übel… ausser: wenn ich Zwiback und Konsorten futterte…Und mit dauernd meine ich dauernd.

  • Rahel sagt:

    Wir haben uns bei unseren Kindern bewusst gegen diese Art von Untersuchen entschieden, da wir einfach unvoreingenommen das kleine Wesen in Empfang nehmen wollten und auch im vornherein wussten, dass wir es wollen, ob gesund oder behindert!

  • Cara Mia sagt:

    Ich glaube, man kann das nicht allgemein beantworten. Die eine Frau wird schon hysterisch, wenn sie nur irgendwo liest, zuviel Salz könnte Gestose machen und sie hat gerade einen Salzstängel gegessen, und die andere ist in der Lage, sich ruhig zu informieren und sachlich selber zu entscheiden, wo sie es für richtig hält, aufzupassen, und wo es übertrieben ist. Das trifft im Übrigen im Leben allgemein zu. Es ist doch verrückt, was wir dauernd alles erfahren, was schaden könnte, und war man tun oder lassen soll. Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss, sollte man sich zuweilen sagen.

    • Bionic Hobbit sagt:

      Ich frage mich auch, was für Ärzte hier alle haben. Die sollten doch eigentlich zwischen echten Studien und Panikmache unterscheiden können. Ich konnte damals meinen Gynäkologen immer fragen, was er von diesem oder jenem hielt und er meinte meistens, das sei alles halb so wild. Er hat seine Untersuchungen gemacht und mit alles erklärt, was ich wissen wollte. Da war nie Panik und nie Unsicherheit meinerseits.

  • heidi reiff sagt:

    @ alle dies interessiert

    Bekannt ist ja der Contergan-Skandal, viele Kinder kamen verkrüppelt zur Welt, ohne Arme ohne Beine etc. Ich finde eine gewisse Vorsicht gehört auch zum Leben. Leboyer plädiert für die sanfte Geburt. In alten Zeiten waren Heimgeburten meist üblich, Frauen die ihre Kinder im Meer gebären, es gibt nichts was es nicht gibt….. viele Fortschritte auch, Frauen die ein uneheliges Kind gebären, haben die Freiheit, das Kind allein aufzuziehen, früher wurden diese Kinder den Müttern weggenommen, eine unverheiratet ist nicht fähig, eine gute Mutter zu sein, so das Credo.

  • shusha sagt:

    Gegen Toxoplasmose kann man immun sein, das wird routinemässig bei der Ärztin getestet. Meine Ärztin hat auch gemeint, dass ich schon Sushi essen darf, aber einfach nur da wo ich sicher bin, dass es einwandfreie Qualität ist. Und zu den Pränataluntersuchungen kann man ja auch mal sagen – ok, bitte machen Sie diesen Nackenfaltentest, aber alle Resultate ausser hochgradig alarmierend will ich gar nicht wissen. Das beruhigt ungemein, und meine Ärztin hat das auch verstanden und respektiert. Auf jeden Fall ist eine Überdosierung Information nicht empfehlenswert.

  • StefanB sagt:

    Das Problem bei diesen statistischen Erhebungen ist, dass sie keine Ursache-Wirkung-Beziehung zeigen, da kein Wirkmechanismus aufgezeigt wird – der müsste erst erforscht werden, aber da es dafür wohl kaum Geld gibt, wird es bei dieser Studie bleiben. Vor allem aber wird keine Güterabwägung getroffen: Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr? Wie hoch die Gefahr, dass dies Auswirkung auf das Kind hat? Und was, wenn die Vermeidung des einen Risikos andere Risiken erhöht?
    Bei Toxoplasmose wäre dies: Wie gross ist eigentlich die Durchseuchung bei Katzen mit dem Erreger? Wie wahrscheinlich …

    • StefanB sagt:

      — ist die Ansteckung eines Menschen an einer infizierten Katze? Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Erkrankung der Mutter schädliche Auswirkungen auf das Kind hat? Welche Auswirkungen hat es zum Beispiel auf die Psyche der werdenden Mutter, wenn sie das geliebte Haustier bloss aus der Angst vor Ansteckung weggibt?
      Ein Haustier zu halten, hat erwiesenermassen positive Aspekte. Wie sind die Auswirkungen auf Mutter, das werdenden Kind und nicht zu vergessen den Partner oder bereits vorhandene Kinder, wenn diese wegfallen? Und was ist mit dem Tier selbst?

  • A.Tschannen sagt:

    Ein paar Monate auf Sushi zu verzichten ist wirklich kein Stress. Was ich in der Schwangerschaft stressvoll fand, waren die endlosen Tests. Vor allem der „Triple Test“ der oft negative ist wenn man über 35 Jahre alt ist, hat mir die letzten Schwangerschafts Monate Stress gemacht. Ich hatte mich gegen eine Fruchtwasseruntersuchung entschlossen da ich das Risiko nicht eingehen wollte und die Ultraschall Untersuchung gut verlaufen war. Dennoch ist man sich bis zum Schluss nicht sicher ob alles in Ordnung ist. Ich denke früher hatte man diesen Stress nicht.

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Doch, den Stress hatte frau auch, sie wusste nämlich gar nichts, nicht einmal, ob das Kind alle Extremitäten hat, niemand konnte ‚reinschauen‘. Der Wunsch nach einem gesunden Kind ist so alt wie die Menschheit. Deshalb suchten sich die Weibchen auch schon immer solche Männchen aus, die solchen zu garantieren schienen.

      • A.Tschannen sagt:

        Das stimmt auch wieder…

      • Bionic Hobbit sagt:

        Ja, meine Tante hatte vor fast 50 Jahren den Stress NACH der Geburt, als sie wieder aus ihrer Ohnmacht aufwachte, und dann die Hebamme UND der Arzt jeweils ein Baby im Arm hielten…..
        bin schon froh, dass ich etwas früher wusste, dass es Zwillinge werden, so konnte ich mich ein bisschen vorbereiten.

  • Ups sagt:

    Kein Segen für mich war eindeutig das Internet mit den einschlägigen Foren, wo allerelei Horrorstorries kursierten inkl. Kommentaren. Nach einigen grauslichen Berichten punkto Schwangerschaftsgebresten und Geburten liess ich das bleiben. Es hätte meiner Seele nicht gut getan;-) Aber für andere funktioniert das wohl besser…

    • tststs sagt:

      Bekannt und auch bewiesen: Wenn in einer beliebten TV-Serie ein Darsteller zB an einem Hirntumor erkrankt, steigt an den Folgetagen die Anzahl Patienten, die sich genau darauf hin untersuchen lassen will…

      • StefanB sagt:

        @tststs: Gilt das nur für den „Helden“ der Geschichte und seine Entourage, oder auch für die Gegenspieler/Bösewichter?

    • Astrid sagt:

      Nach dem Motto ‚ich bastle mir eine Krankheit’…. Nein, es funktioniert bei den meisten Menschen nicht anders. Deshalb wäre es schön, wenn es sich bald einmal herumgesprochen hätte, dass Einbildung und Angst ein schlechter Ratgeber sind. Und das, was uns das Internet bietet, sind oft genug keine Informationen, sondern Spielchen mit der Angst. Cui bono…. (bzw. malo).

  • tststs sagt:

    Ist es nicht sogar so, dass bei allzuviel Vorsicht (also wie gesagt nicht bei Dingen wie Folsäure) eher ein gegenteiliger Effekt entsteht?
    Die zunehmende „Verweichlichung“ des menschlichen Immunsystems (zB Zunahme von Allergikern) hängt – ok, im Moment vermutet man es noch – mit dieser Übervorsicht zusammen! Kinder (und Mütter) sollten von Zeit zu Zeit auch ein bisschen Dreck fressen…
    Wenn ich jeweils die Sagrotan-Werbung im TV sehe, bekomme ich das K****

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Das ist eben die Herausforderung: Zu unterscheiden, ob etwas in die Kategorie ‚Folsäure‘ oder doch eher in die Kategorie ‚Heilslehre‘ gehört. Es ist nicht immer so einfach wie im ‚Emil-Sketch‘, wo der werdende Vater erklärt, seine Frau habe besonders viele blaue Trauben gegessen, damit das Kind blaue Augen bekommt……

    • StefanB sagt:

      Ich erinnere mich immer wieder an die Werbung, in der die Hand eines „Experten“ eine halbe Flasche eines Desinfektionsmittels in ein mit blau gefärbtem Wasser gefüllten Aquarium schüttete. Da hab ich mir immer gedacht: Und nachher kommt die Chemiewehr und entsorgt den Inhalt in der Sondermülldeponie.

      • Bitta sagt:

        Sagrotan geht mir auch dermassen auf den Zeiger. Mein Baby isst mit Hochgenuss im Sandkasten Sand, soll er, sein grosser Bruder tat dasselbe und dem geht’s tiptop. Krank wird, wer zu Hause steril lebt und dann draussen das kleinste Käferli aufliest.. Sauberkeit ja, Sterilität nein

      • Heidi Merz sagt:

        Zitat tststs: „…sollten von Zeit zu Zeitauch ein bisschen Dreck fressen…“. Ich glaube, genau das ist es, was mit dem Besuch auf dem Bauernhof gemeint ist. Wenn dem so ist, also wenn es um die Vermutung geht, dass übertriebenes Hygieneverhalten Allergien begünstigt, dann ist das eine sehr alte Theorie und braucht uns (den Schwangeren) heute nicht als neu verkauft zu werden.

  • tststs sagt:

    Das Problem ist, es gibt einige (wenige) wirklich erwiesene Zusammenhänge zwischen Mutterverhalten und Erkrankungen; zB Folsäure, Contergan (im Sinne einer 99% „Chance“ wenn dasunddas, dann dasunddas). Aber in den meisten Fällen (wie zB dieser Kühe-Humbug) handelt es sich nicht um 100%gesichertes Wissen (eher im Sinne von „es wäre möglich“). Einmal mehr wird die genetische Vorbestimmung einfach ignoriert; dabei wird immer deutlicher wieviel mehr Einfluss die Gene haben…
    Dem Stichwort „Panikmache“ kann ich mich nur anschliessen…

    • Astrid sagt:

      Sehe ich auch so. Diese idiotischen Studien hätten höchstwahrscheinlich auch nachweisen können, dass Frauen, die auf einem Bauernhof schnuppern, der mit roten Traktoren arbeitet, entspanntere Schwangerschaften haben. Es gibt in diesen sogenannten Studien nie Vergleichsgruppen, nie langfristige Forschung. Gesunder Menschenverstand ist schon noch erlaubt.
      Das heisst ja nicht, dass schulmedizinische Ratschläge wie Folsäure vor der Schwangerschaft, Fruchtwasseruntersuchung (nach reiflicher Ueberlegung) oder Gentests nicht mehr stattfinden sollen. Aber Gelassenheit tut dem Baby mit Sicherheit gut.

      • Bitta sagt:

        na das wäre ja super, dann kann ich mir gleich zu Hause „de chlii rot Traktor“ anschauen und wär dann entspannter.

      • Astrid sagt:

        Oh nein, die Herren ‚Wissenschaftler‘ könnten sicher darlegen, dass der Traktor auf einem Bauernhof stehen muss! So einfach machen die es uns leider nicht………… Aber ist schon erstaunlich, was für Korrelationen man sich zusammenreimen kann, wenn man will – ich meine jetzt die Studienerheber.

  • xyxyxy sagt:

    2/ Fazit: Wer sich einen Kopf machen will, Unsicherheit und latente Schuldgefühle vor sich her schieben will, der findet genügend Gründe in allen möglichen Studien (ganz egal ob jetzt das „eher krank“ im jeweiligen Bericht signifikant ist oder nicht).
    Wer entspannt ist und selbständig denken kann, wird sich von solchen Dingen nicht gross beeinflussen lassen.
    Heute sind es nicht verifizierbare „Studien“, früher waren das die Überlieferungen der Gesellschaft gemeinhin „Altweibergeschichten“, welche junge und werdende Mütter mit z.T. abstrusen Verhaltenskodexen zupflasterten.

    • Astrid sagt:

      Finde ich einen guten Gedanken, xyxyxy, diesen Ersatz der ‚Altweibergeschichten‘ durch irgendwelche hanebüchenen Studien. Beide spielen mit Aengsten, latenten Schuldgefühlen und Unsicherheiten. Das kennt wahrscheinlich jede (werdende) Mutter, die Einzigartigkeit und die Verwunderung über das, was alles mit einem geschieht, dass der Körper in eine Babycreationsfabrik umgewandelt wird. Und natürlich kennen wir alle die Aengste um das Ungeborene. Mir hat es immer geholfen, dass ich mir klargemacht habe, dass Millionen von Frauen dasselbe ‚durchmachen‘ – das relativiert doch schon einiges.

    • kaya sagt:

      Stimmt schon, das früher Schwangere mit „Altweibergeschichten“ eingedeckt wurden, doch heute werden sie damit förmlich überflutet und weil eine werdene Mutter nur das Beste für ihr Kind will, löst dies Verunsicherung aus und lässt den gesunden Menschenverstand in den Hintergrund treten. Dazu kommt, das viele Schwangere gar nicht die Möglichkeit haben, all die ach so wichtigen Ratschläge zu befolgen, was wiederum Angst und ein schlechtes Gewissen verursachen kann.

      • xyxyxy sagt:

        als Mann kann ich das natürlich nicht nachvollziehen, was auf der emotionalen Ebene hormonbedingt abgeht.

        Andererseits geht die Geschichte nach der Geburt ja weiter und da sieht man schon Unterschiede. Es gibt Menschen, die ständig auf andere hören, weil sie grundsätzlich so verunsichert sind, bzw. solche die einen Hang haben irgendwelchen Heilslehren anzuhängen, weil sie das brauchen um sich besser zu fühlen, besser als die Anderen, welche ihre Heilslehren eben nicht ernst nehmen.

      • xyxyxy sagt:

        und dann wäre da noch die Sehnsucht nach Kontrolle. Mit irgendwelchen Ritualen möchte man den Unwägbarkeiten des Lebens ein Schnippchen schlagen. Dafür diente Jahrtausendelang Religion, heute sind es dann halt klatschwissenschaftliche Studien, esoterische Erkenntnisse oder Weisheiten aus uns unbekannten Kulturen.

  • xyxyxy sagt:

    Ich frage mich (einmal mehr) ob hier nicht wieder eine Übertreibung vorliegt. Wer ständig alles liest, hört natürlich ungemein vieles. Aber die Sst meiner Frau ist noch nicht soviele Jahre her und das einzige, war das mit der Folsäure. Dass man evt. etwas vorsichtig ist mit Haustieren, ist EIN Ratschlag, mehr nicht.
    Dass eine gesunde, seelisch Ausgeglichene Lebensweise prinzipiell gut für den NAchwuchs ist, ist nur logisch. WEnn jetzt Forscher das noch mit einer Studie belegen können, ändert das auch nichts.

  • Pippi Langstrumpf sagt:

    Ich kenne eine Frau, sie sich immer Vorwürfe machen wird, dass sie nicht besser darüber informiert war, wie wichtig es ist, VOR der Schwangerschaft einen ausreichend hohen Folsäurespiegel zu haben.

    Es ist doch gut, dass wir endlich mehr und mehr Zusammenhänge von Lebensstil und Erkrankungen sehen, ich würde jedenfalls alles machen, das mir einleuchtet, um dem Kind einen guten Start zu ermöglichen. Was sind schon 9 Mt. Rücksicht, wenn es um ein ganzes Leben geht? Städtereisen kann ich immer noch machen, Fliegen in der Schwangerschaft ist auch nicht unbedingt empfehlenswert.

    • Maria sagt:

      Ja und vor ein paar Jahren hiess es noch viel Milch drinken, weil sehr gesund. Inzwischen wissen wir, dass es deswegen mehr Allergien gibt. Bei Wein ist es umgekehrt. Alkohol ist des Teufels. Das heisst, bis Resveratrol interessant wurde. Jetzt darf man wieder ein Glas Rotwein drinken. Uebrigens gibt es keine Studien, die beweisen dass Alkohol und Fliegen in Massen ein Risiko waehrend der Schwangerschaft sind. Dies sind Volksmeinungen wie „Milch ist gesund“.

  • Bionic Hobbit sagt:

    Es ist vor allem wichtig, solche Studien richtig zu interpretieren. Man müsste jetzt prospektiv tausende von Schwangeren mit Kühen und Schweinen in Konktakt bringen, und nochmal tausende davor total isolieren und dann noch Jahre warten, um zu sehen, wie das ist mit der Allergie. Das wird aber nie geschehen, weil nicht durchführbar/wer bezahlt’s.

    Präventivmedizin ist ein No-Win-Job, hat man was vorgebeugt, war es ja eh nichts, ist es doch eingetreten ist man wieder ein Looser.

  • kaya sagt:

    Für mich grenzen solche Studien an Panikmache, denn die meisten Frauen werden sich aus Angst, ihrem ungeborenen Kind könnte etwas passieren, kaum davon distanzieren können. Meine Tochter ist im 8 Monat schwanger, isst brav ihre Vitamine, regelmässige Untersuche/ Ultraschall beim Frauenarzt und hält sich strikt an das was der Doc sagt und das sind nicht wenige Anweisungen.
    Wieviel unkomplizierter war es noch in meiner Zeit, als man von alldem nichts wusste und der Arzt einfach nur sagte „dann kommen sie in 3 Monaten wieder und wenn was sein sollte, telefonieren sie“.

    • Bionic Hobbit sagt:

      Und dann war das Baby blind als es geboren wurde…

      • kaya sagt:

        @ Bionci Hobbit: Genau mit solchen Aussagen wie die ihre, meine ich Panikmache!

      • Ups sagt:

        Bionic, aber auch heute kann ein Kind geboren werden, das nicht zu 100% als gesund gilt oder wie man das auch immer nennen will… Und wenn ich schaue, so kenne ich vieler Mütter Kinder, die so geboren wurden und blind ist niemand und auch nicht behindert..

    • StefanB sagt:

      Heute is es so, dass jedes Kind, das irgendwie auffällig sein oder werden könnte, als krank bezeichnet wird. Ich frage mich nur, wie lange es geht, bis (wieder einmal) linkshändige Kinder, brünette Mädchen oder intelligente Knaben „aussortiert“ werden, da sie „nicht der Norm entsprechen“, also als abnormal einzustufen sind.
      Und ja, es ist so: kein Arzt verdient sich an Gesunden eine „goldene Nase“. Da hätte er besser eine Krankenkasse gegründet.

  • Katharina sagt:

    Es ist die Rückkehr zur Unschuld. Unschuld im wahren Sinn des Wortes: fehlen von Schuld und falscher Scham.
    Oft halte ich Schuld als durch Gruppendruck und durch Organisationen (z. B. organisierte Religionen) verhängte Gefühle. Sich dieser Muster zu entledigen und sich davon zu distanzieren ist ein Akt der Selbstbefreiung.

    • E.H.Roth sagt:

      hm, das geht nur, wenn man auch sein Hirn gebraucht also selber Entscheidungen treffen und nicht auf Forscher hören. Wir wollen doch gesunde und starke und keine degenerierten schwachen Kinder.

    • Katharina sagt:

      Genau. deshalb sollten Sie wissen, dass Leute, die selber denken, sich informieren, aber nicht dem einflössen von Schuldgefühlen durch Peer Pressure und Mediengesox nachgeben. Die Autorin laesst eben oft durchschimmern, dass sie von solchen Schuldgefühlen und eingetrichterten annabelle Bedenken getrieben ist.
      frau kann sehr wohl denken und entscheiden, dazu braucht es nicht den vatterlichen Ton eines Tripoden.

      • Jeanette Kuster sagt:

        Liebe Katharina, ich staune, was Sie in meinem Text alles durchschimmern sehen. Ich denke bloss über das Thema nach – das bedeutet nicht, dass ich «von Schuldgefühlen getrieben» bin.
        Ich persönlich würde wegen dieser Studie nicht plötzlich Kühe streicheln gehen. Auf potentiell gefährliche Lebensmittel habe ich allerdings während meiner Schwangerschaft damals verzichtet und ich habe auch keine streunenden Katzen mehr geknuddelt, da ich Toxoplasmose-negativ war. Das läuft für mich jedoch unter Verantwortungsbewusstsein, nicht Angst oder Schuldgefühl.

  • heidi reiff sagt:

    Ratschläge sind auch Schläge, ist ja altbekannt. Vor lauter Bäume sehen wir den Wald nicht mehr oder umgekehrt. Die Grosskonzerne Chemie mischeln da tüchtig mit. Mit diesen Ratschlägen sind doch die meisten Menschen überfordert, die Werbelobby boomt, die eigene persönliche Vernunft gehört ja auch noch zum Homo Sapiens. Ich paffe Zigaretten, hatte lange so ein Etui, damit ich die Todesanzeigen nicht immer anschauen musste auf der Verpackung – Rauchen ist tödlich – andererseits gibt es Studien, die behaupten, Nichtraucher seien mehr gefährdet betr. Lungenkrebs als Raucher, etc. etc.

    • Simon und Furunkel sagt:

      Heidi Du bist ein Schnorri….

    • Sibelius sagt:

      So einfach ist das nicht. Natürlich mischen die Pharmakonzerne (und nicht die Chemiekonzerne) tüchtig mit, aber nach Ihrer Logik müssten sie ja eigentlich gewisse Krankheiten (z. Bsp. Toxoplasmose) verharmlosen, damit sie nachher ihre Medikamente verkaufen können. Ja, es gibt sie, die neutralen und nicht pahrmakonzerngebundenen Studien, und die sollte man auch nicht blind ignorieren. Es ist ja nicht verboten, klüger zu werden dank neuen Forschungsresultaten.

      • heidi reiff sagt:

        Ich verbiete nichts, ich hatte vor vielen Jahren 2 Katzen, ein Männchen und ein Weibchen, Tiegerchen, hab die gratis bekommen von einer Nachbarin, deren Schwester einen Bauernhof hatte, ich wollte keine Katzenzucht, also war der Veterinär Ansprechspartner, Fakt ist, dass es keine Krankenkasse gibt, die Kastrierungen bezahlt, Veterinäre verdienen sich eine goldene Nase, auch Schönheitschirugen, ein Mensch der durch einen Unfall entstellt ist durch äussere Umstände Crash, Motorrad, Autounfall, da bewundere ich Gesichtschirurgen. Elefanten im Porzellanladen mag ich nicht, lieber die im Zoo……

    • Pat sagt:

      Frau Reiff, manchmal sind Ihre surrealen Kommentare lustig, weil harmlos. Wenn Sie aber verbreiten, es gebe „Studien, die behaupten, Nichtraucher seien gefährdeter bezüglich Lungenkrebs als Raucher“, legen Sie gefälligst Ihre Quellen und deren Urheber vor. Das Thema ist zu traurig für Unsinn dieser Art. – Abgesehen davon geht es nicht um Sie, sondern um ungeborene Kinder.

      • heidi reiff sagt:

        Diese Information habe ich von meinem Hausarzt bekommen betr. Nichtraucher – Raucher.

      • tststs sagt:

        Wahrscheinlich hat Ihr Arzt sowas in die Richtung gesagt wie: „Es ist entscheidender welche genetische Veranlagung sie mitbringen, als wie viele Päckli sie am Tag rauchen…“ Und keine generelle Aussage…

    • Francesca C. sagt:

      Es sind nicht Nichtraucher, die stärker von Lungenkrebs betroffen sind als Raucher, sondern Passivraucher. Denn diese atmen die Feinpartikel ein, welche die Raucher ausatmen. Aber oft versteht man nur das was man verstehen will.

  • Patricia sagt:

    Da haben sie recht. Man kann es auch übertreiben.

  • Maria sagt:

    Ich persoenlich wuerde diese Studien alle einfach ignorieren. Dies sind alles Wohlstandsprobleme. Heute scheint niemand mehr gesunden Menschenverstand zu haben. Anonsten am besten keine Kinder mehr haben, dann ist das Problem geloest.

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