Guerilla-Erziehung

PETA Guevara Granddaughter

Ihre Kinder nerven? Dann gehen Sie in den Untergrund und leisten Widerstand: Che Guevaras Enkelin Lydia kämpft für mehr Gemüse. (Bild: Keystone)

Wissen ist heutzutage billig zu haben und so sind Eltern in der Regel bestens darüber informiert, was man in Sachen Kindererziehung tun und was man lassen sollte. Theoretisch. Praktisch sieht die Sache natürlich ganz anders aus. Da scheitern die guten Vorsätze oft an der Komplexität der Materie, manchmal auch am Trägheitsgesetz und allzu oft fehlt einfach das Feuer des Glaubens, beziehungsweise wird dieses Feuer bald erstickt von der alltäglichen Routine.

Aber auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Manchmal wird einem etwas vermittelt, das im komplizierten Geschäft der Erziehung wirklich hilft. So ging es mir neulich. Im Zuge einer Recherche sprach ich mit einem Kinderpsychologen und Paartherapeuten darüber, welchen Stellenwert Naturerfahrungen für Kinder haben und plötzlich sagte mir der Psychologe: «Wissen Sie, die Kinder heute leiden eigentlich am meisten darunter, dass die Eltern ihnen alle Steine aus dem Weg räumen. Es ist die Aufgabe der Eltern, Widerstand zu leisten und die Aufgabe der Kinder, sich an diesem Widerständen zu reiben und sich Freiräume zu erkämpfen.»

Ein Kind zu erziehen heisst nach meiner bescheidenen Erfahrung alles falsch zu machen. Nicht, dass man nicht mit den besten Vorsätzen in das «Abenteuer Elternschaft» gestartet wäre. Man denkt von sich gerne als Streiterin für Recht und Ordnung, als souveräne Mutter aller Prinzipien, eine heilige Jeanne d‘Arc von Triple-Ps Gnaden. Aber die Schlacht stellt sich als verdammter Zermürbungskrieg heraus, der Gegner ist listig und durchtrieben und verfügt über eine Allzweckwaffe: Liebe. Man versucht also, mit den bescheidenen Mitteln, die man hat, zurechtzukommen. Es irgendwie richtig zu machen. Also nicht eine Stunde nach dem Essen schon wieder einen Snack reichen, nicht immer nachgeben, stur sein. Aber weil man dauernd ein schlechtes Gewissen hat, nicht zu genügen, schon so vieles falsch gemacht zu haben, gibt man dann eben doch nach. Macht man dann alles noch falscher. Deshalb trafen mich die Worte des Psychologen wie eine Erkenntnis. Ich hätte ihm die Füsse küssen mögen.

Widerstand – das evoziert Bilder von bärtigen Rebellen, die in den Kampf ziehen für Menschen, an die sie glauben, die den Geruch von Schweiss ebenso lieben wie die Peitsche des Adrenalins. Die sich abends im Dschungel um ein Feuer versammeln und ohne Sarkasmus über Freiheit und Gerechtigkeit reden. Mehr noch, die das Prinzip des Widerstandes zum dominierenden Gestaltungsprinzip des eigenen Lebens gemacht haben, im Namen der Wahrheit. Es geht gar nicht um richtig oder falsch. Es gibt gar kein höheres Gesetz, dem ich mich Kraft meiner Elternschaft zu entsprechen versuchen muss. Was Kinder brauchen ist Widerstand. Na, wenn es weiter nichts ist.

Das ist Guerilla-Erziehung. Eine Stunde nach dem Essen bereits wieder Hunger? Widerstand. Mit dem Postauto fahren, anstatt eineinhalb Stunden wandern? Widerstand. Das Kind mault, weil es sich selber die Zähne putzen soll? Widerstand. Und selbst wenn der Mann mal wieder für einen Überraschungsangriff von hinter seinem Schreibtisch auftaucht, um irgendwelche obskuren und nach eigener Ansicht vielleicht längst überholten Erziehungsgrundsätze in Stellung zu bringen, kann man seine Sorgen um eine traumatisierende Wirkung dieses Vorgehens getrost über Bord werfen. Er kämpft für die richtige Sache. Er kämpft auf der richtigen Seite. Widerstand! Das bildet den Charakter.

Denn wo sollen die lieben Kleinen sonst lernen, den Mächtigen dereinst in den Hintern zu treten? Es lebe die Revolution!

83 Kommentare zu «Guerilla-Erziehung»

  • Jürgen Clausen sagt:

    Den ganze Pädagogen – oder Psychologenscheiß kannst Du getrost in die Tonne treten. Warum? Jeder Mensch ist anders, jede Situation ist anders. Vielleicht gibt es einige gute Regeln für gelungene Kommunikation unter Menschen, dann sollte man diese anwenden (das versuchen wir mit den meisten Menschen täglich). Wenn ein „Wissenschaftler“ etwas sagt, mag es noch aktuell und für gewisse Situationen richtig sein. Wenn es geschrieben ist, ist es bereits veraltet. Die Welt hat sich weiter gedreht, das ist das Problem. Mein Kind ist nicht Dein Kind. alle sind verschieden und immer wieder neu.

  • Chantal sagt:

    Liebvoll stur – das ist meine Devise !
    Mein Sohn (9) testet JEDE Grenze. Ich habe ihn im Glauben erzogen, Diskussionsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen seien wichtig. Sind sie auch, aber nicht immer und überall. Die Diskussionen „aber Mami“ sind nur kraftraubend und nervenaufreibend. Da wo’s drauf ankommt, lasse ich nicht verhandeln. Ich ging „back-to-the-roots“ : einmalige Ansage der Aufgabe, dann Konsequenz ! Kein Drohen „wenn-dann“. Tripple-P hat Recht. (Danke RIMA). Bei anderen Sachen dafür die W/Quahl lassen. Ein Balance-Akt der gesunden Menschenverstand fordert. Manchen fordert das !

  • heidi reiff sagt:

    In der Tierwelt gibt es ja auch Drohnen , die stechen nicht, es sind die Bienen die einen Stachel haben, die liefern auch Honig, ich mag einfach die Natur, wer sie erschaffen hat lass ich mal, ich weiss es nicht.

  • Kutuitdroging sagt:

    @Katharina
    Nehmen sie sich einmal ein paar Tage frei …wirkt Wunder !

    • Reto sagt:

      @Kutuitdroging

      Diese Frau sieht glaube ich Rüben wo sie nicht hingehören…

      • Kutuitdroging sagt:

        @Libelle

        na na na …dumme Ratschläge würde ich jetzt nicht unbedingt sagen…

        @Pippi Langstrumpf
        Haben sie schon gehört von Arnold Schwarzenegger, hat seine Nany geschwängert !? Sowas können doch nur Männer …

    • Katharina sagt:

      so… schnell den anderen loeschen und dann sowas schreiben. fies sowas. echt fies. ist das nun diese ‚zermuerbungstaktitk‘? ihr seit schweine.

      • Kutuitdroging sagt:

        @Katharina
        Es tut mir ja leid für sie, aber wollen sie sich nicht von jemanden helfen lassen ?
        Eine Vertrauenperson oder ein Arzt vielleicht .

      • Kutuitdroging sagt:

        @Liebe Katharina
        Beruhigen sie sich doch.
        Sie können womöglich auch mit warmen Sitzbäder besser werden !

      • Kutuitdroging sagt:

        @Katharina
        Ich lese gerade, dass in einem solchen Fall Schröpfen auch helfen kann. Ich nehme an sie kennen dieses Therapieverfahren.
        Bei Rücken und Brust ansetzten.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Kutuitdroging, gegen Bösartigkeit hilft gar nichts. Was soll diese einfältige Anmache von Katharina? Ist das nun ein Mamiblog oder ein Frauen-Stalking-Blog??

      • Libelle sagt:

        @Pippi Langstrumpf

        Begreife nun wirklich nicht warum du diese dummen *Ratschläge* von * Kutuitdroging* sooo ärnscht niiimsch.. rieelääx ä Bitzli !!!

      • Morgan sagt:

        Ich dachte immer, dass hier sei ein Blog von Eltern für (künftige) Eltern – das Thema würde mich nämlich interessieren. Meine letzte Freundin hat mich verlassen, weil ich noch keine Kinder haben wollte, und ich muss gestehen, das wurmt mich. Vielleicht muss ich umdenken.

        Aber offensichtlich ist das ein Blog, in dem sich Psychopathen, die einen heftigen Beziehungsschaden erlitten haben und deshalb nun pauschal auf Frauen losgehen, die Klinke in die Hand geben. Mamablog – soll das ein Witz sein? Und die Redaktion sieht unbekümmert zu, denn die Psychopathen bringen offensichtlich Quoten.

      • Kutuitdroging sagt:

        @Morgan
        Es gibt übrigens eine Elternberatungsstelle für zukünftige Eltern in Zürich.

  • heidi reiff sagt:

    Kinder brauchen einfach liebevolle Begleitung ins Erwachsenenleben, Schritt für Schritt, Kinder sind keine Barbypuppen und keine Vorzeigemuster, Kinder haben das Recht zu weinen . TRAENEN LUEGEN NICHT. Kinder brauchen auch Kuscheltiere zum Einschlafen oder ein Nuggi, ein Baby das schreit einfach zu ignorieren ist MORD, pfui Teufel, ja ja die armen ueberforderderten Mütter, es gibt Menschen, die sich im Leben auch gut zurecht finden ohne Mutter oder Vater zu sein sind das Menschen von 2. Klasse , haben die keine Lebensberechtigung ? Wer zahlt befiehlt,,,,,,,, brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr

  • Katharina sagt:

    Ach ja die alte Che-alter-abgelaufener Gervais-Käse Romantik des Widerstandes um des Widerstandes Willen. ‚Im Namen der Wahrheit‘. Der Geisskäse fressende Stinkbart hat die Wahrheit ja gepachtet. genau. Drohne, peng, fertig.

    Wer seine Familie als Kampfzone wahrnimmt sollte vielleicht zuerst mal über die eigene Wahrnehmung reflektieren und vor allem nicht jede Handlung berechnen. dann vielleicht sich überlegen, ob diese Widerständler einfach nie über die Trotzphase hinausgekommen sind und dann eben ihresgleichen (=trotzende Schmollfratzen) aufziehen.

    • Katharina sagt:

      „kämpft auf der richtigen Seite“ … das alte Us and Them. Sich über das ausgrenzen und feindbildnerische definieren. Funktioniert nicht.

  • Lea sagt:

    Kindern alle Steine aus dem Weg räumen würde ich als Überbehütung bezeichnen, nicht als fehlenden Widerstand. Nach meinem Sprachverständnis richtet sich Widerstand immer gegen die Obrigkeit. Eltern sollten es nicht nötig haben, sich gegen ihre Kinder aufzulehnen, sondern sie sollten ein Auflehnen der Kinder aushalten können.
    Gute Eltern zeichnen sich meiner Meinung nach aus, indem sie weder immer Stur belieben noch beim kleinsten Widerstand nachgeben und selber entscheiden, wann ein Widerstand erfolgreich sein soll. Z.b. Stur bleiben beim Heulen, aber (teil)nachgeben bei endlos Diskussionen.

    • Rima sagt:

      Schaut doch bei den Tieren…Eltern sollen/müssen Grenzen setzen. Die sollten so gesetzt sein, dass innerhalb dieser Grenzen dem Kind immer noch die Wahl gelassen werden kann. z.B. kann es wählen, zwischen bis acht draussen bleiben und dann direkt ins Bett oder um halb acht reinkommen und dann eine Gutenachtgeschichteerzählt bekommen aber um acht ist Schlafen angesagt. Ausnahmen dürfen sein, sollten aber nicht die Regel werden. UND: erziehen ist immer auch Selbsterziehung. Wer dauernd ein schl.Gewissen hat, ist unsicher und kann auch nicht sicher erziehen. Wurde allenfalls selber so erzogen.

      • Peter Spelt sagt:

        @Rima
        Eigentlich ist es gar nicht so schwer, aber meistens scheitert es an der Bequemlichkeit (de Eltern notabene) und der fehlenden Konsequenz. Mal einen Tag lang im Zoo Menschenaffen beobachten ist keine schlechte Idee, dort kann man sehen wie zärtliche und aufopferungsvolle Eltern unsere nächsten Verwandten sind, aber auch wie schnell und konsequent abgestraft wird im Fall dass die Kleinen nicht parieren. Back to the Roots! Meine Frau kann es nicht so gut mit unserer Tochter, sie meint sie sei auf mich fixiert und nur deshalb pariere sie bei mir. Ich bin aber nur konsequent, nicht mehr!

  • heidi reiff sagt:

    Und nonemol, ich hatte meine KRISEN , war 100 pro sicher ich sei 100 pro schizophren hab das damals auch meiner sog. Therapeutin mitgeteilt, ihre Antwort war, du kannst nicht autoritär sein (es war vor 22 Jahren diese Therapie) . War einfach für die Füchse, ich kann einfach nicht autoritär sein und möchte diesen destruktiven Quatsch nicht lernen, Heil Hitler, Heil Mao, Heil Stalin, Heil Mutter Thersa , Heil das Buch von dieser Chuang aus Japan oder Chinaecke. Kinder wollen einfach akzeptiert werden, wir waren doch alle mal hilflose Kinder, ich kam da nicht als Fertigprodukt auf die Welt.

  • A.Tschannen sagt:

    Nun muss man sich überlegen wie sich ein Kind mit taeglichem Widerstand entwickelt…

  • A.Tschannen sagt:

    If a child lives with praise , he learns to be appreciative . . .
    If a child lives with acceptance, he learns to love . . .
    If a child lives with honesty, he learns what truth is . . .
    If a child lives with fairness, he learns justice . . .
    If a child lives with security, he learns to have faith in himself and those about him . . .
    If a child lives with friendliness (sic), he learns the world is a nice place in which to live . . .

    WITH WHAT IS YOUR CHILD LIVING?

    Dorothy L. Law

    • Düti sagt:

      Find ich einen super Spruch. Und von wem lernen die Kinder das? Genau, von uns Eltern.
      Bleibt authentisch und lebt den Kindern Eurde Werte vor. Man kann nicht etwas verlangen das man selbst nicht vorlebt.

  • A.Tschannen sagt:

    Children Learn What They Live (Version 1959)

    If a child lives with criticism, he learns to condemn. . .
    If a child lives with hostility, he learns to fight . . .
    If a child lives with fear, he learns to be apprehensive . . .
    If a child lives with pity, he learns to feel sorry for himself . . .
    If a child lives with ridicule, he learns to be shy . . .
    If a child lives with jealousy, he learns to feel guilt . . .

    BUT

    If a child lives with tolerance, he learns to be patient . . .
    If a child lives with encouragement, he learns to be confident . . .
    If a child lives with , he l

  • heidi reiff sagt:

    Ich freue mich immer wieder, wenn ich mit meiner Tochter scherzen kann wenn ich mal bei ihr auf Besuch bin und gemeinsam Essen, auch meine Enkelkinder sind beteiligt und intergriert, ab und zu erzählen sie Witze, Kinder sind einfach spontan und natürlich, meine Kinder waren keine Tyrannen „Das Buch von Melanie Klein – das tyrannische Kind – ist nicht das Gelbe vom Ei „. Ich habe meine Kinder antiautoritär sozialisiert bevor ich die Bücher von A. Miller gelesen habe. Die Welt gehört den Jungen, hab einfach einen guten Draht zu Kindern, die spüren das, Kinder und Narren sagen die Wahrheit.

  • Fredi sagt:

    …….da sang doch mal einer: gebt den Kinder das Kommando, denn Kinder berechnen nicht was sie tun……..der hatte wohl nie Kinder!!!!!

    • Hanspeter Lechner sagt:

      Ja Fredi, das war Herbert Grönemeier … – und der Name des Liedes ist: „Kinder an die Macht“.
      Allerdings, wer sich etwas näher mit Grönemeier beschäftigt hat, konnte unschwer erkennen, dass dieser Lied-Text extrem überspitzt war; eine Satire gweissermassen – aber mit einem wahren Kern.
      Vielleicht gehört das jetzt nicht unbedingt zum heutigen Thema – aber Kinder (oder Jugendliche, die schon etwas rationaler denken können) würden wohl manchen Blödsinn, den (alte) Politiker – so nach dem Motto „Nach uns die Sintflut!“ – durchzienen, wohl nicht machen – denn SIE baden es ja letztlich dann aus!

  • Gion Saram sagt:

    Diese ständige Sorge ob man jetzt als Mutter wirklich alles richtig gemacht hat und nicht vielleicht doch zu streng und zu wenig empathisch gewesen war, ist wirklich typisch für Frauen. Männern fehlt dieses ständige sich Hinterfragen und sich selber quälen. Im Vergleich zu meiner Mutter war für mich mein Vater immer ein Hort von emotionaler Stabilität, man wusste bei ihm woran man war und was ihn nervte und was ihn erfreute. Als Kind war ich vorallem froh um eine gewisse Kontinuität in der Erziehungspraxis und eine gewisse Stabilitä, jedes Anliegen neu auszuhandeln war mir echt zu dämlich.

  • xyxyxy sagt:

    @Cara Mia 9:56
    sehr gut beobachtet und genau darum müssen wir den Spiess umdrehen – unsere Kinder werden uns für diese kompetente Führung dankbar sein.

  • Cara Mia sagt:

    Well… aufgepasst. Machtkämpfe können ins Auge gehen… Widerstand kommt immer von unten, aus einer Position der Schwäche. In die sollte man als Eltern gar nicht erst geraten. Was man auch nicht tut, wenn man Grenzen setzt. Rechtzeitig, wohlverstanden.

    • Cybot sagt:

      Wenn man den Kindern so viel Widerstand entgegensetzt, dass sie sich machtlos fühlen, war es wahrscheinlich einfach zu viel. Es soll ja nur etwas Widerstand sein, nicht völlige Unterdrückung. Ab und zu muss das Kind den Widerstand schon durchbrechen können, sonst funktioniert das natürlich nicht.

    • xyxyxy sagt:

      richtig Cara Mia – Prinzip Widerstand ist falsch und führt eben zu Rebellion.
      Prinzip Erziehung ist richtig. Man zieht auf ein Ziel hin und lässt das Kind erkennen, dass es um ein guten Ziel geht. Durch Liebe schaft man Vertrauen, dass das Kind auch dann wenn es den Sinn nicht erkennt, nicht entfremdet und so zum (selbst)zerstörerischen Rebellen wird.
      Aber ich denke das sind alte Weisheiten. Aber die sind meistens Besser, als wenn man jmd meint, er müsse das Rad neu Erfinden und alles in neue, dafür aber unpassende Worte kleiden.

    • Astrid sagt:

      Eltern können Grenzen setzen, bis die Kühe nach Hause kommen – wenn sie sie dann immer wieder brechen bzw. sich überschnurre lassen, nützen sie gar nichts. Grenzen ziehen und konsequente Durchsetzung (beider Elternteile, so vorhanden) ist die einzige Möglichkeit, Erziehung nicht zum Guerilla-Krieg ausarten zu lassen. Mit zunehmendem Alter darf man dann aber gute Argumente zum Anlass nehmen, die Grenzen zu erweitern. Auf dem Boden liegen und täubele oder die Sätze:‘ Ihr seid so gemein‘ oder ‚Soundso darf das schon längstens‘ gehören nicht zu den guten Argumenten!

      • lisa sagt:

        genau, astrid! und die saublöde gegenfrage, ob man dann also zu soundsos ziehen möchte, wirkt bei uns auch…

  • Auguste sagt:

    hmm…, heisse „carrot and stick“ illustration da oben. ans „zuckerbrot und peitsche“ bild mag ich gar nicht denken – oder vielleicht doch?

  • Hausi Meier sagt:

    Ja, ja und ja. Gilt übrigens nicht nur für das Zuhause, sondern auch für die Schule, die Vereine, … Wichtig finde ich, dass der Widerstand begründet und sinnvoll (auch wenn für die Kids nicht zwingend nachvollziehbar) ist.

    • Auguste sagt:

      hmm…, einige synonyme für unbegründeten, sinnlosen widerstand:

      – dreijährige
      – grübel und villiger
      – al qaida
      – fdp
      – heidi klum
      – kmu-kreditsachbearbeiter
      – gadaffi und assad
      – widmer-schlumpf verräter legende
      – pharma-lobby
      – trainer des fc sion

  • xyxyxy sagt:

    Unglaublich, dass man die Herde mit Wortklaubereien mal von diesem, dann wieder vom Gegenteil überzeugen kann. Man muss es nur richtig verpacken. Widerstand – Autoritäre Führung eigentlich ein und dasselbe.
    Mir hat das jemand mal so erklärt: Baby und Kleinstkinder brauchen einen Diktator – Kinder, einen Lehrer – Jugendliche einen Coach, und Erwachsene einen Freund.
    Das scheint mir ein sinnvoller Rat und hilfreicher als manches Erziehungsbuch.

    • Sportpapi sagt:

      Gut!

    • Auguste sagt:

      hmm…, meine version würde etwas anders aussehen:

      babies und kleinkinder brauchen viel liebe und fürsorge
      kinder brauchen spielkameraden
      jugendliche brauchen vernünftige aufklärung und leitplanken
      erwachsene brauchen geld

      • xyxyxy sagt:

        @August – beachten Sie bitte das Thema des Blogs – es geht um Widerstand in der Erziehung
        und was wir Eltern – in dieser Hinsicht! – unseren Kindern sein sollen

        Liebe braucht der Mensch von der Wiege bis zur Baare
        Und Geld brauchen wir als Erwachsene, aber bitte nicht von Mami und Papi, so wie der Carli H.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Auguste 🙂

      • fufi sagt:

        Und vor allem brauchen kinder und Jugendliche Vorbilder, vorteilhaterweise „gute“ Vorbilder!

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Nein, falsch! Ein Baby braucht keinen Diktator, sondern einen Menschen, der fähig ist, empathisch auf seine Bedürfnisse einzugehen, ebenso das Kleinkind. Keine Mutter würde den Diktatorspruch unterschreiben, sowas kommt nur Männern in den Sinn.

      Jean Liedloff: „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“, für mich immer noch einer der wichtigsten Ratgeber im Bezug auf Babys und Kleinkinder, die Autorin arbeitete lange bei den Yequana-Indianern in Südamerika. Indianerbabys weinen so gut wie nie…..

      • Cara Mia sagt:

        … eigentlich könnte man es auch umkehren… Babies sind Diktatoren, so ein Geschrei macht einem ja Beine wie nix sonst, Kinder zuweilen unglaublich belehrend, Jugendliche coachen gerne, vor allem wenn dem Mammeli der PC mal wieder abstürzt. Und auf eine freundschaftliche Erwachsenenbeziehung kann man auch als Mutter hoffen…

      • xyxyxy sagt:

        kommt von einer Mutter Pippi und natürlich braucht man dazu ein wenig Horizont um es richtig zu verstehen.
        Mit dem Baby wird nicht diskutiert ob es jetzt die Windeln wechseln will oder nicht. Es wird nicht des langen und breiten diskutiert, sondern Ja/ Nein und warum? weil ich es sage und es weiss –
        je älter das Kind wird, umso mehr muss man diesen diktatorischen Ansatz zurückfahren –

        was sie sagen mit Liebe und Empathie etc. hat damit überhaupt nichts zu tun. das ist natürlcih die Grundlage von allem, ABER DAS WAR JA NICHT DAS THEMA HEUTE

      • Sportpapi sagt:

        Wir mussten heute schon wieder selber entscheiden, was wir tun möchten… Richtig ist: wir müssen Kleinkinder nicht mit Fragen überfordern, die sie weder verstehen, noch wirklich entscheiden können.

    • Cybot sagt:

      Das muss überhaupt nicht autoritär sein, das passt auch sehr gut zu einer (richtig verstandenen!) antiautoritären Erziehung. Man muss dem Kind die Grenzen ja nicht als Regeln diktieren, man kann sie ab einem gewissen Alter auch durchaus verhandeln (und zwar früher als viele denken). Gegen den erwähnten Widerstand kann das Kind dann nicht nur durch das Missachten von Verboten angehen, sondern auch mit Argumenten und Kompromissen. Aber das ist halt aufwendiger für die Eltern, deshalb versuchen es viele wahrscheinlich erst gar nicht.

      • xyxyxy sagt:

        wortklaubereien – man diktiert nicht als Regel, aber man diktiert …
        – ach und dass man mit Kindern verhandelt, darauf würde man ja NIE kommen, das tun wir eh alle…
        Hat der Kaiser jetzt Kleider oder nicht?

    • Simone sagt:

      Ich würde es eher so sagen: Babies und Kleinstkinder brauchen einen Unterhalter , Kinder einen aufmerksamen Beobachter, Jugendliche einen Dikator aus dem Hintergrund und Erwachsene brauchen Kinder! Und das alles immer mit ganz viiiiiel Liebe und deutlichen Grenzen verbunden 🙂
      Ausserdem hier kurz der Hinweis: antiautoritär Erziehung heisst nicht, dass die Kinder alles machen düfren, was sie wollen, sondern nur, dass die Erwachsenen nicht per se recht haben (nur weil sie erwachsene sind) und deshalb die Kinder „unterdrücken“ dürfen…

      • xyxyxy sagt:

        tja Simone – da stimme ich nicht überein, ich bin lieber am Anfang der Diktator und nicht wenn sie Teenies sind, das ist m.E ein folgenschwerer Fehler.

        Wer glaubt denn heute noch, dass Erwachsene per se recht haben? Also ich ganz und gar nicht.
        Nach dieser Definition bin ich der Ober-ober Antiautoritäre Erzieher. Solche Rechthaber/Unterdrücker-Eltern sind für mich einfach Loser oder Charakterä*****

      • Simone sagt:

        Natürlich meine ich nicht, dass erst im Teenageralter Regeln eingeführt und dikatorisch durchgesetzt werden sollen, das wäre dann wirklich für die Katz…
        Aber: wenn mein Kind mal quengelt, dann kann ich eisenhart/disziplinert/diktatorisch sein und es ausquengeln lassen, oder ich nehme es in den Arm und „schätzele“ es ein wenig… Ich muss hier als Mutter nicht meinen Kopf durchsetzen!
        Wenn ich aber mit meinem Teenagerkind um zB ein neues Handy streite, dann solte ich bei meinen Standpunkt bleiben, auch wenn der liebe Teenie noch so quengelt 🙂
        I

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Besser könnte ich es auch nicht sagen, Simone. Meine Kinder werfen mit heute noch vor, wie stur ich jeweils war, wenn sie etwas unbedingt wollten und ich unbedingt nicht. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass meine Einwände berechtigt waren, weil es in erster Linie um Playstation, Markenturnschuhe und solche Sachen ging. Und ja, mich reute auch das Geld für den Europapark, weil ich fand, diese billige Unterhaltung bräuchten sie nicht. Da wäre ich heute wohl nicht mehr so stur. D.h. sie konnten damals gehen, mit Freunden, aber ich wollte da nicht hin.

      • Simone sagt:

        Meine Güte, wie ich manchmal mit meiner Mutter gehadert habe (sie war/ist halt ein bisschen streng ), aber mittlerweilen würde ich (fast) alles genauso machen… 🙂

      • xyxyxy sagt:

        @Simone – na also
        Was Hänschen nicht lernt…. dazu muss man nicht Psychologe sein. Hat der Teenie von Kindesbeinen gelernt, dass Eltern seine Unterhalter sind und quengeln zum Ziel führt, ja dann….
        Klare Führung von Anfang an und schrittweise den Raum und die Eigenverantwortung für den Hinwachsenden erweitern.

      • Simone sagt:

        Eigentlich bin ich Ihrer Meinung xyxyxy, aber (und ich finde der Ansatz hat was) ein Baby oder Kleinkind kann ich im Prinzip nicht erziehen; es ist schlicht und einfach zu jung dafür! Oder anderst gesagt: es hört nicht mit dem quengeln auf, weil es einsieht, dass es falsch ist, sondern weil es Ablenkung gefunden hat/gewickelt oder gefüttert wurde…
        Und ich meinte ja nicht „täubele“ um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, manchmal schreiben Babies einfach gerne (Lungentraining…)

      • Simone sagt:

        hmmmhh, räuser, ähh ja, natürlich schreien Babies (und schreiBen keine Blogeinträge)….
        Dieser Blog braucht unbedingt eine Editier-Funktion… 🙂

      • xyxyxy sagt:

        @Simone 12:44
        ja sehen sie, genau das glaube ich nicht. Ich glaube, dass man auch Kleinkinder und Babys schon erziehen kann, natürlich nicht mit „logischen Argumenten und Diskussionen“.
        Ich glaube das nicht nur, wir haben das auch gemacht und immer wieder festgestellt, dass der Mensch extrem intelligent und „gemerkig“ ist, selbst wenn er noch nicht mal reden kann.
        Oft habe ich beobachtet, dass Eltern ihren Kindern erst ab 3-4 Jahren Erziehung zumuten – das gab oft sehr unschöne Crashs und Kinder und Eltern taten mir leid.

      • Simone sagt:

        Ich finde eben folgenden Ansatz völlig stimmig: Wie sie ja selber sagen, kann ein Baby/Kleinkind Logik nicht nachvollziehen und wird deshalb ein Verhalten, dass man ihm verbietet, nicht deshalb lassen, weil es zur Einsicht gekommen ist, dass die Eltern recht haben und es besser wäre sich daran zu halten. Es gibt nur einen Grund weshalb, es dies unterlässt: den Eltern „zuliebe“. D.h. es will es sich mit der Liebe der Eltern nicht verscherzen! Dies klingt zuerst grausam, ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass man dazu das Baby zuerst mit Liebe überschütten muss 🙂

  • Thomas Jordi sagt:

    Ähm, gibt es denn Eltern, die Kindern keine Grenzen setzen? *verwirrt bin*

    • Hausi Meier sagt:

      :-)) Es gibt kaum Eltern, die keine Grenzen setzen wollen. Oft misslingt dies aber, und zwar gründlich. Die Gründe sind sehr vielfältig: Auf-gut-Kolleg-mit-eigenem-Kind, sich-selber-disziplinieren, Angst-vor-Ausgestelltsein-vor-anderen-Eltern, nicht-konfliktfähig, …

    • Cybot sagt:

      Oh doch, die gibt es! Das sind dann die verwöhnten Bengel, die von ihren Eltern jeden Mist bekommen, „weil er es halt soo sehr haben wollte“. Oder deren Eltern für hunderte Franken einkaufen gehen, nur im auch ja alle Nanos zu bekommen oder was sonst grad gesammelt wird…

      • Katharina, die zweite sagt:

        Kürzlich habe ich ein solches Exemplar an der Ladenkasse bewundern dürfen. Das Kind hat alle Einkäufe auf dem Band „angetöpelt“, unter anderem auch meine. Also habe ich die Kleine sanft (!) am Handgelenk gefasst und ihren Arm von meinem frischen Essen weg bugsiert. Das Kind war wie vom Donner gerührt! Huch? Es gibt Grenzen?? Die Mutter wollte mich mit ihren Blicken töten. Natürlich hat das Kind wieder angefangen, worauf die Mutter mit spitzer Stimme sagte: „Hör auf damit, die Frau mag das nicht.“ Grenzen setzen heisst auch, die soziale Verantwortung anderen gegenüber wahr zu nehmen.

  • „Und selbst wenn der Mann mal wieder für einen Überraschungsangriff von hinter seinem Schreibtisch auftaucht, um irgendwelche obskuren und nach eigener Ansicht vielleicht längst überholten Erziehungsgrundsätze in Stellung zu bringen, dann kann man seine Sorgen um eine traumatisierende Wirkung dieses Vorgehens getrost über Bord werfen. Er kämpft für die richtige Sache.“ Danke Frau Binswanger: endlich haben Sie mich bärtigen, schweissigen Macho verstanden. Ich würde nun gerne schreiben: Für diesen Text küsse ich Ihnen die Füsse. Geht aber aus verschiedenen Gründen nicht. So ist das Leben!

  • Pippi Langstrumpf sagt:

    Ja, Widerstand, auf dass die Kinder stark werden!

    Es ist aber auch eine Frage des Naturells, wer als Rebell geboren wurde, wird nie ein braves Schaf und umgekehrt. Mit Erziehung kann vieles verstärkt werden, aber die grundlegenden Charaktereigenschaften sind gegeben. Was es schwierig machen kann: Ehemals rebellische Eltern kriegen auch oft solche Kinder, dann ist was los im Karton. Also bei uns war es nie langweilig…… 😉

    • Cmuell sagt:

      Oh und wie ich das kenne…und wenn dann meine mutter noch fibdet: tja sie ist genau wie du…zur beruhigung sagt sie dann noch…nur noch etwas schlimmer 🙂

    • Sah sagt:

      Mir wurden zwar Grenzen gesetzt, aber ich merkte irgendwann, dass diese allgemeingültigen Regeln ausserhalb der Familie keinerlei Gültigkeit hatten.
      Meine Eltern versuchten nach Kräften die Probleme aus dem Weg zu räumen, schufen dadurch aber nur neue.
      Sie beschrieben Lösungen, die eine echte Auseinandersetzung mit den Problemen jedoch verhinderte.

      Das Recht meine Probleme selber zu lösen, musste ich erkämpfen. Dass dabei der Respekt zeitweise auf der Stecke blieb und manche Lösungen vom Bekannten abwichen, mein Einstieg ins Berufsleben zur Odyssee wurde, waren Nebenwirkungen.

  • Tschannen Werner sagt:

    unglaublich wie neu man altes verkaufen kann!

  • Sportpapi sagt:

    Der Aufruf zu mehr Widerstand in der Erziehung, Grenzen setzen, ist doch nur ein Vorzeichenwechsel und zudem, glaube ich, heute wieder voll im Trend. Insbesondere weil man Regeln ja vor allem durchsetzen will, um schlimme und schlimmste Folgen von den Kindern fernzuhalten (Übergewicht, schlechte Zähne, Unfälle, …). Ich plädiere in diesen Fällen für mehr Gelassenheit. Geben wir den Kindern – bei allen Grenzen – doch auch den Freiraum, den sie für ihre Entwicklung dringend benötigen.

    • Cybot sagt:

      Da widerspricht der Artikel doch gar nicht. Es geht ja nicht um eiserne Regeln, sondern um Widerstand, den die Kinder durchaus auch mal durchbrechen können. Dann kriegen sie auch mal was, was vielleicht nicht der Regel entspricht – aber sie sollen eben dafür „kämpfen“ müssen, und nicht alles einfach bekommen, was sie wollen.

  • Thinkabout sagt:

    die erziehung ist wohl nicht immer einfach und JA, es erfordert wiederstand. tochter und söhne zuhause ziehen auch täglich alle register der psychologischen „kriegsführung“ um ihren kopf durchzusetzten. ich schmunzle dabei sehr häufig da es mir zeigt, wie schnell kinder erfassen und alternativen bedenken wie sie ans ziel kommen. für mich eine gute erkenntnis und für die kinder sicher eine gute lektion sich zu entwickeln.

  • heidi reiff sagt:

    Eine alte Binsenwahrheit ist, dass Kinder einfach Grenzen ausprobieren, das gehört doch zum Prozess Erwachsenwerden. Die Debatte Antiautoritär – Autoritär läuft nach wie vor auf Hochtouren. Ich kenne nur meine eigene Geschichte – gib schöns Händli – so nach dem Motto – allen Leuten recht getan – die Bücher von Alice Miller waren für mich recht reflektierend und aufschlussreich – das letzte Buch von ihr ist – Dein gerettetes Leben – Wege zur Befreiung – Alice Miller hat Pionierarbeit geleistet was Kindsmisshandlung betrifft – nach ihren Möglichkeiten ist kaum zu vergleichen mit Jeanne d’arc .

    • Auguste sagt:

      hmm…, heidi reiff, ich nicht alles von alice miller gelesen, aber dies hier sogar live in denver gehört:

      youtube: the walk – sawyer brown

  • Papa sagt:

    Einer der besten Mamablogbeiträge seit langem!

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