Das industrielle Erbe in unseren Köpfen

Eine Carte Blanche von Mamablog-Leser Marcel Zufferey, Fachblogger mit Schwergewicht Arbeitsmarkt, Geschlechter- und Gesellschaftsfragen.

Der Working Class Hero wird zunehmend weiblich - angekommen ist das in den Köpfen allerdings noch kaum.

Der Working Class Hero wird zunehmend weiblich – angekommen ist das in den Köpfen allerdings noch kaum.

«Nichts in der menschlichen Geschichte bereitete die Menschheit oder die Erde wirklich auf das vor, was nach 1800 geschah.» Dies schreibt der bekannte US-amerikanische Entwicklungsökonom Jeffrey D. Sachs im Rückblick auf die Industrialisierung. Mit dem Einsetzen der industriellen Revolution wurde der Mensch jäh aus seiner bis dahin vergleichsweise langsam verlaufenen Entwicklung gerissen und beschritt kurz nach der Erfindung der Dampfmaschine den steinigen Weg in die Moderne. Der ungarische Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftstheoretiker Karl Polany (1886-1964) spricht in diesem Zusammenhang vom grössten Transformationsprozess, dem die Menschheit je ausgesetzt war. Doch mit den gewaltigen Fortschritten auf dem Gebiet der Informationsverarbeitung sowie den Kommunikations- und Fertigungstechnologien hat mittlerweile ein ganz anderes und neues Zeitalter begonnen, das unser Leben voraussichtlich ähnlich stark verändern wird, wie seinerzeit die industrielle Revolution. Genauso wie sich die Maschine verwandelt, wird sich auch unsere Gesellschaft verändern.

«In der Wirtschaft ersetzen Dienstleistungen immer mehr die Güterproduktion als Quelle des Wohlstandes. Der typische Arbeitnehmer in der Informationsgesellschaft arbeitet nicht in einer Stahlfabrik oder einem Automobilwerk, sondern in einer Bank, einer Softwareschmiede, einem Restaurant, in einer Universität oder bei einer Sozialbehörde», schreibt der amerikanische Politologe Francis Fukuyama in seinem 2000 erstmals auf Deutsch erschienen Buch «Der grosse Aufbruch». «Im Laufe der letzten fünfzig Jahre haben die Vereinigten Staaten und andere ökonomisch hochentwickelte Länder schrittweise den Übergang in die sogenannte Informationsgesellschaft oder ins postindustrielle Zeitalter vollzogen.» Diesem tiefgreifenden Strukturwandel sind in den letzten Jahrzehnten in Europa Millionen von Arbeitsplätzen zum Opfer gefallen, viele davon in klassischen Männerdomänen. Alleine in der Schweiz sind in den vergangenen dreissig Jahren über 60 Prozent aller Industriearbeitsplätze verloren gegangen.

Ein kennzeichnendes Merkmal des Dienstleistungszeitalters ist der Wandel in der Arbeitswelt: Der Working Class Hero wird zunehmend weiblich. Das bedeutet nicht, dass der männliche dabei verschwindet, wie häufig postuliert – und mitunter auch fieberhaft herbei phantasiert wird. Seine Rolle wird sich allerdings nur schon deshalb verändern, weil die postindustrielle Gesellschaft den Frauen insgesamt mehr Möglichkeiten eröffnet, als das gesamte, männlich geprägte Industriezeitalter. Damit gestalten sich zwangsläufig auch die vielschichtigen Beziehungen zwischen Männern und Frauen neu – mit weitreichenden Konsequenzen. Das im Verlaufe der Industrialisierung gewachsene Modell der bürgerlichen Kleinfamilie, bestehend aus einem Ernährer, einer Hausfrau und Kindern, löst sich zusehends auf und macht anderen, wenn auch nicht unbedingt neuen Formen des Zusammenlebens Platz: Familie ist dort, wo Kinder sind, lässt sich zusammenfassend sagen. Doch diese Entwicklungen wären ohne das sozialstaatliche Sicherungsnetz bislang kaum denkbar gewesen. Dass der moderne Wohlfahrtsstaat letztendlich auch ein Produkt der Industrialisierung ist – genauso wie die 42-Stunden Woche, das Lechz und Rinks in der Politik (Ernst Jandl) oder die scharf gezogene Trennlinie zwischen Erwerbs- und Familienarbeit in unseren Haushalten, wird dabei gerne vergessen. Es gibt keinen Bereich in unserem Leben, den die industrielle Epoche verschont hat. Sogar Gott soll auf dem Altar des mechanischen Fortschritts gestorben sein…

«Die wichtigsten Elemente der Sozialstruktur, die sich im Verlaufe des 19. Jahrhunderts entfalteten, sind auch heute noch von grundlegender Bedeutung», schreibt der renommierte deutsche Soziologe Rainer Geissler. Doch aus dem tayloristischen Fliessband ist mittlerweile längst ein weltumspannendes Datenflussnetz geworden. Trotzdem denken und handeln wir immer noch im Rahmen weitgehend industriell geprägter, sozialer Strukturen. «Die Welt des 21. Jahrhunderts kann nicht mit den Instrumenten des 20. Jahrhunderts organisiert werden», hat der französische Ministerpäsident Nicolas Sarkozy einmal gesagt. Also sollten wir auch langsam damit beginnen, die Weichen für die Zukunft zu stellen und uns vom industriellen Erbe in unseren Köpfen verabschieden!

Wir danken Marcel Zufferey für diesen Beitrag..

287 Kommentare zu «Das industrielle Erbe in unseren Köpfen»

  • Frank Baum sagt:

    Zu der umfassenden Theorie des Postindustriellen Zeitalters waren doch noch die Folgen 2 – 4 angekündigt? Sind die noch in Planung?

  • Katharina sagt:

    aich hier wartet etwas.

  • Katharina sagt:

    dies ist ein platzhalter fuer diverse gedanken von mir. leider scheint es so zu sein, dass die unterhaltung darin zu besteht. leute abwechselnd mehr oder weniger gehaltvolle beitraege zuzulassen und zu schauen wie sie reagieren. Dies um der eigenen verblendung zu gefallen, das intellektuelle schwergewicht zu sein und den tatsaechlichen mangel an tiefgang zu verbergen.

  • Adrian sagt:

    Irgendwie vermisse ich in diesem Artikel das Fleisch. Ausser „Alles wird Anders“ finde ich weder greifbare Aussage noch anderen Nennwert. Schade.

  • Orlando S. sagt:

    Lieber Fachblogger Zufferey

    Ich habs ehrlich versucht, aber ich mag nicht mehr: ihr Denken wirft interessante Analysen und darausfolgernd alternative Theorien über Aspekte der Gegenwart auf, ihr Überbau mit der Industrialisierung greift aber für das Thema viel zu kurz, erscheint altbacken marxistisch.

    Und dann unterschlagen sie auch noch ihre Schlussfolgerungen. Zufferey, denken sie doch bitte zuerst mal selber zu Ende, bevor sie sich selber kirre machen mit ihren radikalen Umbaugelüsten gegen gewachsenen Strukturen (Familie, Eigentum, Staat, Ordnung etc.) – vielleicht schaffen sie es dann auch, einen Text zu schreiben, der als Diskussionsgrundlage dienen kann und der sich nicht in Name-Dropping und vagen Anspielungen erschöpft.

    Ausserdem arbeiten sie intellektuell unredlich wenn sie ihre labyrinthischen Gedankengebäude errichten: Der Wunsch ist Vater der Gedanken. Ihr Wunsch: die bürgerliche Familie (ein „Modell“, das sie nach eigenen Angaben selber leben) sei kulturhistorisch, weltweit, moralisch und wirtschaftlich am Ende. Eine Sackgasse, Eine Chimäre, die es auszurotten gilt.

    Also sie definieren als „bürgerlich“:
    – ein Einkommen, in der Regel des Mannes
    – Arbeitsteilung Haushaltsorganisation-Einkommenserwirtschaftung
    – Heimbetreuung der Kinder im Vorschulalter

    Ein reichlich verstaubter Begriff von „bürgerlich“, nicht? Das verrät die modern-urbane Kleinkariertheit von Leuten, die sich bereits als „unbürgerlich“ bezeichnen, weil die Frau auch ein bisschen arbeiten geht, die Kinder zwei Tage in der Krippe sind und die Hausarbeit aufgeteilt wird. Tatsache ist, dass die Organisationsformen so unterschiedlich sind, wie es eben den individuellen Familien zupass kommt. Im Gegenteil hat die Gleichberechtigung der Frauen innerhalb der Struktur das „Modell“ bürgerliche (oder lassen sie „bürgerlich“ weg, wenn es sie so stört) Kleinfamilie gerade gestärkt!

    Familie als ANTHROPOLOGISCHE KONSTANTE = Zweierkiste zwischen Mann und Frau auf der Grundlage von Liebe und monogamem Sex, daraus hervorgehend gemeinsame Kinder, die gemeinsam und i.d.R. arbeitsteilig aufgezogen werden.

    Zeigen sie mir in der Geschichte Beispiele, wo eine Gesellschaft oder Zivilisation erfolgreich gewesen wäre oder nur schon überlebt hat, die nicht auf der Familie wie oben beschrieben fusste! Und dann erklären sie bitte auch noch wie ihr Utopia konkret aussieht.

    • Orlando S. sagt:

      Sie machen’s eigentlich wie die Klimapropheten, auch insofern sie zuerst eine Hypothese formulieren („die Krise ist da, der Kollaps steht bevor, die Zukunft steht auf dem Spiel!“) und erst dann nach Belegen suchen, die ihre These stützen.
      Und dann kommt dann noch ein posauntes. Wir werden alle untergehen, WENN WIR NICHT..(und hier kommen dann ihre verschrobenen Ideen zur Umgestaltung der Gesellschaft mit Zwang und Ideologie).

      Die Angst vor der Zukunft ist so alt, wie der Mensch. Majestix ist der Himmel auch nie auf den Kopf gefallen! 🙂

      Schönen Sonntag allerseits!

    • Ronaldo, meine Antworten auf Ihre Ein- und Auswürfe finden Sie in den jeweiligen Threads.

      Was ich Ihnen ans Hertz legen möchte, auch und vor allem weil ich Sie als differenzierten Diskutanten (Kombatanten) mitunter eigentlich ganz gut mag, ist Folgendes:

      Öffen Sie die Augen, gehen Sie für einmal weg vom wärmenden Cheminėfeuer, legen Sie das Glas Gebrannten beiseite, und gehen Sie hinunter in die Stadt, um mit den Menschen darüber zu sprechen, was Sie bedrückt. Sie können dabei gerne auch einen Stumpen anzünden, wenn es Ihnen beliebt.

      Sie werden staunen!

    • Globetrotterin sagt:

      @Orlando:
      Ein solcher Unsinn kann nur von Jemandem stammen, der in einem gläsernen Turm lebt!

    • Noch ein Artikel über eine Familienform, die es so in dieser Art zweifellos noch nie zuvor gegeben hat:

      http://www.zeit.de/2011/09/Familie-Lesbische-Eltern

      Ob diese Paare monogam leben oder nicht, lässt sich natürlich nicht sagen…

  • Katharina sagt:

    „Die Zivilgesellschaft muss sich neu ordnen.“

    Einverstanden. Nur stellt sich eben die Frage, was das Ordnungsprinzip sein kann. Die uns zur Verfügung stehenden Prinzipien, so wie die Geschichte diese uns zeigt, haben sich als untauglich erwiesen, um den derzeitigen Wandel geordnet ablaufen zu lassen. Ich finde übrigens, dass der Wandel tiefgreifender ist als der vor 150 Jahren. Ich sehe den Zeitpunkt eher ähnlich der Renaissance.

    Dein Artikel widerspiegelt eigentlich genau diese Situation. Alle wissen der Wandel geschieht. Alle wünschen einen geordneten Ablauf und niemand kann den Weg weisen. Diejenigen, die das tun, verweisen auf die althergebrachten Konzepte und alle wissen dass sie nicht anwendbar sind.

    • Lina sagt:

      Die Exponenten morgiger Systeme können nicht befragt werden, aber wir können uns befragen:

      1. Wie gehen wir mit dem, was wir n i c h t wissen um?

      2. Was wissen wir über Zufälle?

      Ein möglicher Ausgangspunkt zur ersten Frage: Die wissenschaftliche Ansätze zum Umgang mit dem Nichtwissen, z.B. im Zusammenhang mit Experimentalsystemen. Im Rahmen dieser Diskussion muss es um die sog. „epistemischen Dinge“ gehen.

      Ein möglicher Ausgangspunkt zur zweiten Frage: Das vor dem Ballarina-Horror-Filmchen bekannt gewordene Phänomen des „Schwarzen Schwans“ (Nassim Taleb).

      • Katharina sagt:

        Wir denken in linearen begriffen, wenn es um Zeit geht. Das ist eine Hilfskonstruktion unserer Instrumente der Wahrnehmung. Ohne diese würden wir wahrscheinlich wahnsinnig erden.

        Somit ist noch nicht wissen nur eine von vielen möglichen Varianten. Nämlich diejenige in unserer Zeitlinie. Wissen ist eine Funktion von erkennen, welches eine Funktion von wahrnehmen ist. je nachdem, welche Personen und welche Ereignisse in einer Zeitlinie eine gewisse Nähe zueinander haben, ergeben sich andere Wahrnehmungen und konsequenterweise anderes Wissen.

        Wenn wir eine Methode finden, statt der statistischen Korrelation von Messgrössen die Varianten der Zeitabläufe funktional abzubilden, dann besteht die Möglichkeit, die für den weiteren Verlauf günstigste Zeitlinie und deren Menge an Erkenntnissen zu wählen.

      • Katharina sagt:

        hier wartet eine Antwort.

      • Lina sagt:

        Die zeitgenössische Kunst vermag zuweilen, Linearität zu sprengen, Drogen, das Rauscherleben, Sexualität (= Anarchie). Die Poesie. Und der Raum neben der Poesie: die Religion. Synästhetisch oder medial, wahrnehmungshochbegabt veranlagte Menschen halten mit ihrem „Wissen“ gegen die Norm, scheiternd. Es sind wenige. Sie erkennen sich. Aber: Gibt es eine Bewegung?

        Linearität als Garant für Sicherheit, Klarheit, Kontrolle, auch Repression. Insofern mögen andere, abweichende, häretische Sichtweisen, Experimente, Diskurse, haarsträubende Unwisschenschaftlichkeiten vor dem Herrn allenfalls aus unbewussten Motiven, die in menschlichen Urängsten gründen (sogar Naturwissenschafter sind betroffen, wer hätte das gedacht?), unterdrückt werden.

      • Lina sagt:

        Meine Antwort ist verschwunden.

        Im Vertrauen auf ihr baldiges Aufscheinen grüsst: Lina

      • mila sagt:

        @lina: was sind die grenzen des denk- und sagbaren? wer je einen bestimmten französischen philosophen gelesen hat, der weiss, dass selbst so real empfundene phänomene wie der wahnsinn zunächst einmal eine zuschreibungskategorie sind. dasselbe gilt für weitaus abstraktere konzepte wie die wissenschaft. die hegemonialmacht des diskurses bestimmt, was in einem bestimmten rahmen als wissenschaftlich gilt – und was davon ausgeschlossen wird; es sind also immer die prinzipien der in- wie exklusion am werk. ein anderer denker sprach in ähnlicher weise von forschungsleitenden paradigmen. die entscheidende frage aber ist: wie kommt unter solchen (voraus-)setzungen zu nachhaltigen veränderungen in der menschlichen sicht- und denkweise, ja in der gesellschaftlichen wahrnehmung? in welchem verhältnis steht das subjekt mit den es reglementierenden (aber nicht determinierenden) diskursen?

        der franzose sah übrigens auch eine wichtige rolle in der poesie, die für ihn das ‚andere‘ verkörperte. aber das weisst du wahrscheinlich bereits.

    • Orlando S. sagt:

      „Renaissance“ – das ist niedlich. Es ist ja gut und recht, dem eigenen Zeitalter etwas Sinn abzugewinnen, aber diese Eitelkeit ist dann doch etwas masslos. Weil wir einige Gerätchen haben, mit denen wir etwas schneller kommunizieren können, heisst dies noch lange nicht dass wir es auch besser können (oder gar, dass wir neue Inhalte komunizierten. Das kann nur einem pantoffelbewehrten spätpubertierenden Pyjama-Bl0gger in der wirren virtuelle Welt in den Sinn kommen, die er behaust.

      Kann mir mal jemand erklären, woraus die Notwendigkeit einer „Neuordnung“ erwächst?

      • Cesc sagt:

        Orlando, da muss ich Ihnen mal zustimmen. Ich bin auch der Meinung, dass man automatisch (qualitativ) besser kommunizieren kann, wenn die Kommunikationstechnologie Fortschritte macht. Das müssen wir noch lernen.

        Eine Notwendigkeit der „Neuordnung“ erwächst aus dem Naturell der Gesellschaft. Sie ist ständig im Umbruch und braucht daher auch ständig eine neue „Ordnung“. In diesem Sinne ist es auch müssig, generell eine „Neuordnung“ zu fordern, da sie so oder so stattfindet. Wie diese aussehen soll, darüber lässt sich hingegen streiten (soll auch vorkommen).

      • mila sagt:

        ich weiss nicht. die einführung des buchdrucks hat nachweislich veränderungen in der kommunikation der frühen neuzeit nach sich gezogen, wenngleich nicht von beginn weg und (zunächst) auch nicht derart umfassend, wie elizabeth eisenstein es beschrieben hat. multiplizierung und standardisierung von text sind dennoch wichtige stichworte, und gerade im wissensdiskurs des 16. und 17. jahrhunderts zeitigte diese entwicklung weitreichende konsequenzen. am ende stand schliesslich nicht bloss eine quantitative vermehrung und qualitative verbesserung der kommunizierten inhalte, sondern ein grundlegender wandel innerhalb der wissensorganisation: von einem enzyklopädisch-synthetischen zu einem disziplinär-analytischen denken.

        fazit: wir stecken derzeit noch viel zu sehr in den veränderungen des internetzeitalters mit drin, um ihre potentielle tragweite abschätzen zu können. ich schliesse mich katharinas position an.

      • Lina sagt:

        Nicht nur Bloggerinnen, sondern vor allem Historiker, Soziologen und Philosophinnen brauchen A b s t a n d, um eine Epoche (immer wieder und mit veränderten Schwerpunkten) inhaltlich und strukturell einordnen zu können. Die sog. „Postmoderne“ (wackliger Schwabbel-Begriff), die im Zusammenhang mit der Internet-Nutzung von Minister Guttenberg „postoriginelles Zeitalter“ (NZZ) genannt wurde, läuft (wacklig und schwabblig, seltsam, schnell und langsam – wie alle Epochen auf ihre Art). Es gibt allerdings einige, frappante Prallelen zur der Zeit um 1900 (Philipp Blom: Der taumelnde Kontinent. Europa 1900-1914. 2009).

      • Lina, herzlichen Dank für den Buchtipp- ist bereits bestellt!

      • mila sagt:

        lina, weshalb wohl erfährt die mediengeschichte im allgemeinen und die buchgeschichte im besonderen seit mitte des 20. jahrhunderts und verstärkt ab ende der 1980er jahre einen bemerkenswerten auftrieb? weil eben historiker, soziologen und philosophen das phänomen des heutigen wandels fassen wollen. 🙂

        so gefällst du mir intellektuell.

      • Lina sagt:

        Sehr gern geschehen, Marcel. – Hab du vielen Dank für deinen obigen Beitrag, der diese Diskussionen ermöglicht.

        Einen schönen Sonntagabend wünscht: Lina

      • Katharina sagt:

        ich wäre auch gerne intellektuell. leider erlaubt mir das sytem nicht, dies zeitnah zu formulieren. die protagonisten wuenschen wohl, dass ich nur kurze sachen schreibe.
        Ist es absicht oder ein technischer fehler? Ich denke das erstere. Vielen dank.

      • Lina sagt:

        Ich bin keine Intellektuelle, pfui Teufel! – Wahrscheinlich kommen meine Beiträge deshalb durch…

      • mila sagt:

        aber letzthin versprachst du uns doch intellektuelle redlichkeit – soll ich dich etwa nicht beim wort nehmen?

      • mila sagt:

        es ist wirklich mühsam, wenn man sich nicht direkt austauschen kann. so warte ich mit spannung auf katharinas replik und hoffe, sie kommt schnellstmöglich durch.

      • Lina sagt:

        Ja, schade, dass es nicht alle Beiträge schaffen. – Ich muss mich leider ausklinken, die Arbeit ruft.

      • Katharina sagt:

        sie haben aber einige interessante anregungen geschrieben weiter oben, l. ihre reaktion hier erstaunt mich nun etwas.

      • Patrick Tigri sagt:

        Ich bin ein nichtintellektueller technoider Naivling, ein Inschenör, wo es schon eine Leistung ist, dass er gradaus schreiben kann.

        Allerdings habe ich bei höherem Intellektuellengeschwurbel das unbestimmte Gefühl, hier einer mutiellen Masturbationssession beizuwohnen… gönn ich Euch ja, nur, ich messe das halt an der Genesung der Welt, und die geschieht mit diesem Geschwurbel eher nicht… Wobei Ihr das Wort Geschwurbel bitte nicht persönlich nehmen solltet…

    • Ronaldo, wie alt sind Sie eigentlich? So wie Sie hier herumposaunen, wohl über Fünfzig. Haben Sie noch nicht begriffen, dass wir in einer ganz anderen Zeit leben, als noch vor wenigen Jahrzehnten? Noch nicht begriffen, dass die Vollzeitstelle bis ans Lebensende ein Auslaufmodell ist? Noch nicht begriffen, dass der ökonomische Wandel dem sozialen immer voraus geht? Noch nicht begriffen, dass man atypische Beschäftigungsformen nicht einfach so mir nichts, dir nichts, einführen kann, ohne dass das Konsequenzen in der Lebensweise; in Denken und Handeln der Menschen hinterlässt? Immer noch nicht begriffen, dass der „Prozess der schöpferischen Zerstörung“- und nein, das hat jetzt nichts mit Ihrem geliebten Kosmos zu tun- den Menschen, die direkt davon betroffen (oder zumindest davon bedroht) sind, auch Ängste auslösen kann? Noch nicht begriffen, dass sich das wirtschaftliche gleichgewicht vom Westen weg bewegt? Noch nicht begriffen, dass die Dampfmaschine des 21. Jahrhunderts der Mikroprozessor ist? Immer noch nicht begriffen, dass Konservatice in Zeiten allseits spürbaren Wandels denkbar schlechte Karten in der Hand haben, auch wenn es sich um „reflektierte“ Exemplare handelt, wie Sie selbst von sich sagen?

      • Orlando S. sagt:

        Zufferey, lieber Zufferey, SIE SIND EIN PANIKER: Ich habe Jg. 71, machen sie sich doch nicht irre (und besser nicht in die Hosen!). Was sie nicht verstehen wollen, ist das alle Technologie erstens und vor allem ein Instrument in unseren Händen ist und wir es nicht intelligenter nutzen können, als wir in unserer Gesamtheit eben selber sind.

        Ich sehe keinen Grund für Panik! Auch bzgl. der sozialen Themen, die sie ansprechen, all die Dinge, die sie erwähnen sind erst seit ca. 1950 überhaupt im Repertoire unserer Begrifflichkeiten und daher auch relativ jung als Existenzängste. Und noch können wir die sozialen Sicherungssysteme so umbauen, dass sie uns in 30 oder 40 Jahren auch noch funktionieren.

        Die Angst kommt mit allem Neuen, die Zeitgenossen hatten jeweils Angst vor der Französischen Revolution, vorm Heimwebstuhl, vor der effizienten Landwirtschaft, vor der Dampfmaschine, der Chemie und vor der Atombombe. Die Reihe lässt sich beliebig ins Heute fortsetzen: vor Gentechnologie, vor der virtuellen Welt, vor der Globalisierung, vor dem angeblichen Klimawandel etc. etc. Kurz, der Mensch ist vor der Zukunft nie mutiger, als die Zeit, in der er lebt, es erlaubt. Oder wieso glauben sie, hat Orwell sein Buch im Jahre 1948 geschrieben, als ein Dritter Weltkrieg klare Sache war?

        Ob ein Wandel tiefgreifend war, zeigt sich immer erst viel später. Und ob präemptive Massnahmen sinnvoll waren, genauso. Zwar ist Fasnachtssaison, aber lassen wir uns doch bitteschön nicht narren von wilden Hirngespinsten. Carpe Diem!

    • Cesc sagt:

      Ich meine natürlich, dass man NICHT automatisch besser kommunizieren kann… sorry für den Tippfehler.

    • Chris M. sagt:

      Renaissance? Eher nicht.

      Die Renaissance stand zwar am Anfang einer Umwälzung und Neuorientierung und dem Ende des Mittelalters. Aber es war doch zuerst eine Besinnung auf alte Werte, die Werke der griechischen und römischen Kultur, inbegriffen einer Ablösung der Scholastik und des Jenseitsdenkens durch eine Diesseitsorientierung und klassische griechische Philosophie (Antike), usw.

      Heute sehe ich noch gar nichts von einer Rückbesinnung, eher eine Auflösung alter Werte und Muster, die noch nicht durch neue allgemein anerkannte Werte und Muster ersetzt werden konnten. Wenigstens wenn man zügelloser Egoismus und Rücksichtslosigkeit (jeder schaut für sich selbst! Gewinnmaximierung um jeden Preis) als neue Werte anerkennen will und alles der Deutungshoheit der neoliberalen Ökonomie unterstellen will.

      .

      Neuordnung?
      Wie die neue Ordnung aussehen wird, ist noch nicht bekannt.

      Aber es sind die Voraussetzungen und Kräfte bekannt, die eine Neuordnung erzwingen werden.

      Die Erde ist begrenzt und wir werden diese Grenzen nicht überschreiten können (wenigstens nicht in einem genügenden Ausmass, z.B. um neuen Lebensraum zu gewinnen). Die zur Verfügung stehenden Ressource sind damit auch endlich mit Ausnahme der Sonnenenergie. Unseren Resourcenhunger werden wir einschränken müssen, weil auch andere Länder ihren Teil haben wollen (China, Indien).
      Stichworte hierzu sind z.B. Peak Oil, Klimaveränderung, Überfischte Meere, Artensterben, usw.

      Die Schwergewichte von Politik und Wirtschaft verschieben sich nach Asien, Europa und Amerika werden an Einfluss und Einkommen verlieren. Auch die Schweiz kann sich von der weltweiten Entwicklung nicht abkoppeln, obwohl das einige „Propheten“ verkünden.
      Wieviel Einfluss der „europäischen Kultur“ bleibt noch übrig auf Dauer?
      Technologie & Wissenschaft – ja
      Menschenrechte – vielleicht verändert
      Demokratie – die Hoffnungen sind wieder gestiegen mit der Entwicklung im arabischen Raum
      ….?

      Die gesellschaftlichen Veränderung verlaufen zum Teil auch vorprogrammiert: je reicher und „entwickelter“ ein Land ist, desto älter ist die Bevölkerung. Zuerst einmal eine positive Entwicklung durch den Rückgang der Sterblichkeit der Kinder und Jugendlichen, dann aber eine Frage des neuen Lastenausgleichs unter den Generationen. Wie schaffen wir den Übergang von einer jungen Gesellschaft in eine alte? Kommt es zum Krieg der Generationen? (Die Alten sind reicher, die jungen sollen keine Krankenkassenprämien bezahlen! Die alten haben ein Leben lang bezahlt und sollen jetzt auch die Leistungen erhalten! usw. usw.) Wie werden die Vermögen verteilt: schreitet die Konzentration der Vermögen auf einige wenige weiter und der Rest wird bei jeder „Kleinigkeit“ (Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter,….) vom Staat abhängig, weil keine persönlichen Reserven mehr da sind?

      Die Produktion von Gütern nimmt immer weniger menschliche Arbeitszeit in Anspruch. Wie verteilen wir die Arbeitszeit neu? Einige Arbeitende zu 200% und viele Arbeitslose? Zählen wir nur Lohnarbeit oder auch freiwillige Arbeit? Wie bewerten und bezahlen wir soziale Dienste?

      Diese Aufzählung ist noch nicht vollständig, zeigt aber mindestens ein Richtung, in die weiter zu denken wäre.

      • mila sagt:

        sie kennen nur die eine hälfte der renaissance, chris. wahrscheinlich sind sie der rhetorik der ’scientific revolution‘ auf den leim gegangen, die sich selbst wiederum – mit ihrem klassisch-linearen narrativ, inklusive der bekannten kühlerfiguren kepler, galileo und newton – derzeit endgültig aus dem forschungsdiskurs verabschiedet. newton betrachtete sich übrigens mehr als alchemist denn als physiker – wussten sie das? und viel wichtiger noch: was lernen wir daraus?

      • Chris M. sagt:

        Ich kenne schon noch etwas mehr (Leonardo, Dante, Boccaccio, Medici & Fugger, etc.), aber in dieser Zusammenhang liegt doch das Schwergewicht eher bei den Denkweisen (Philosophie) als bei den Bildhauern und Maler.
        Andererseits zeigt der Aufstieg von Fugger & Medici doch eine gewisse Ähnlichkeit in der Macht des Geldes über die Politik. Mit Geld kann man Regierungen kaufen!

      • mila sagt:

        ich dachte eigentlich nicht an die bildhauer und die maler, sondern an die alchemisten, kabbalisten und magi. die medici waren grosse förderer des florentinischen kreises der neoplatoniker – diese wiederum haben eine bewegung in gang gesetzt, die der renaissance ein völlig anderes gesicht verpasste als das, was wir heute als unter dem begriff der ‚wiedergeburt antiken gedankenguts‘ kennen. hermes ist das stichwort.

      • @mila: Die Wiedergeburt antiken Gedankenguts- darüber habe ich kürzlich gerade etwas in einem Essay gelesen. Könnten Sie mir bitte etwas mehr darüber erzählen?

        Das intwressiwrt mich nämlich brennend. Allerdings müssen Sie bei mir damit rechnen, dass ich nicht gerade viel zum Thema beitragen kann, weil ich mich nie damit befasst habe. Aber was man noch nicht kenn…

      • mila sagt:

        einen süffigen einstieg bietet sicherlich das im wikipedia-artikel zitierte werk von peter burke, die europäische renaissance. mit wikipedia wäre ich vorsichtig. die artikel sind nicht immer qualitativ schlecht, aber gerade für jemanden, der sich im thema nicht auskennt, schwierig einzuordnen. zur erwähnten wiedergeburt gehört neben klassischen griechischen und lateinischen texten auch das sogenannte Corpus Hermeticum, dessen zeitgenössischer einfluss immens war, von dem heute aber kaum mehr jemand mehr spricht (eine übersetzung platos wurde zugunsten einer übersetzung der Corpus-texte zurückgestellt, am hof von urbino, unter anweisung des cosimo de medici – ein schönes beispiel). was sich am ende nicht durchsetzt, landet im historischen abseits – auch wenn es die damalige entwicklung mitgeprägt hat.

        zur übergreifenden thematik der wissenschaftlichen revolution gibt es einen exzellenten kurzen einstiegstext von katherine park und lorraine daston (introduction: the age of the new) in der von ihnen herausgegebenen cambridge history of science, band 3: early modern science. gibts in jeder grösseren bibliothek, kostenpflichtig auch unter: http://histories.cambridge.org/extract?id=chol9780521572446_CHOL9780521572446A002.

      • @Chris & Mila: Vielen Dank für die Tips- ich werde mich da mal rein lesen!

  • max sagt:

    Leider, leider besteht diese „Dienstleistungsgesellschaft“ in unserer Schweiz zur Hauptsache aus Menschen, die schauen, dass anderswo auf der Welt andere Menschen schauen, dass gearbeitet wird. Der „working class hero“ ist nicht weiblich, sondern chinesisch.

    Unsere „Dienstleistungsgesellschaft“ besteht auch aus Überflüssigkeiten wie zum Beispiel man schickt junge Fräuleins auf ad hoc Universitäten, bildet sie dort zu Bachelor in Kinderhütewissenschafte aus und lässt sie dann jung und unbedarft in einer Kinderkrippe die von den Müttern deponierten Bälger beaufsichtigen. Besagte Mütter haben dann einen Job in der Dienstleistungsgesellschaft, wo sie wiederum etwas überflüssiges tun oder schauen, dass anderswo jemand anders schaut, dass gearbeitet wird.

    Und dann gibt es noch die Mitglieder dieser „Dienstleistungsgesellschaft“ die Facebooks App schreiben, zum Thema, wie man nüchtern mit der Nina ins Bett kommt (auf meinen Namen klicken).

    • Blume sagt:

      Ich habe manchmal auch das Gefühl, wir drehen uns alle in einem riesigen Hamsterrad. Es sind aber auch Väter, die die Kinder in KiTas „deponieren“, und sie (Väter und Mütter) tun das, weil sie Batzeli brauchen, um sich und die Kinder zu füttern.

  • fufi sagt:

    Tja, eine Working Class gibt’s in der Schweiz wohl seit bald 50 Jahren nicht mehr.
    Das war nämlich so ungefähr der Zeitpunkt, als die Arbeiter und die Gewerkschaften und die Partei, die sich früher mal für die Anliegen der ArbeiterInnen eingesetzt hat (jaja, das war damals die SP), ihre Grundsatz-Forderungen nach anständigen Löhnen und Arbeitszeiten haben durchsetzen und gesetzlich festschreiben können.

    Und dann haben die Arbeiter Lunte gerochen sozusagen (-Innen hatten damals ja eh nichts zu sagen), anyway: Und die Arbeiter haben sparen können und ihren Kindern sollte es ja sowieso sooo viiel besser gehen und dann, ja dann haben die Arbeiter vergessen, wo sie hergekommen sind und wer ihnen geholfen hat, ihre Arbeiter-Situation zu verbessern.
    Zunächst war’s ein „Kreidler Florett“, dann ein „DKW“ und Ferien in Spanien, und schliesslich das Hüsli im Grünen.
    Und – schwuppdiwupp – gab’s keine Arbeiter mehr! Jedenfalls keine, die merkten, dass sie eben gerade das noch immer waren!
    Gelobt sei das Wirtschaftswunder – aber ich sage euch: DIESES Wunder ist NICHT von Gott gekommen!

    Denn heute sind sie keine Arbeiter und Arbeiterinnen mehr. Sondern Angestellte. Im Detailhandel, zum Beispiel. Oder in der Gastronomie. Oder wo auch immer. Und es geht ihnen (fast) genauso verschissen wie damals den ArbeiterInnen in der Industrie, gemessen an den heutigen „Standards“.
    Hire and fire. Arbeit auf Abruf – aber gefälligst zu jeder Tages- und Nachtzeit!
    S’ist doch heute noch genauso wie damals: wer die Leistung nicht bringt, hat verloren. Punto e basta! Was, Du magst nicht mehr? Nullo Poblemo: Es warten 20 weitere auf DEINEN Job.

    Und dennoch träumen sie alle noch immer den Traum von schön und reich zu sein. Obwohl sie beides NIE werden werden!
    Aber sie wählen DIE PARTEI, die ihnen diesen Traum als kommende Wahrheit verspricht.
    Z.B. hat sich DIE PARTEI gegen eine Erhöhung der MwSt um 0.4% gewehrt. Ergibt bei einem Jahreskonsum von 40’000.00 Fr. Mehrausgaben von Fr. 160.00 – also 2 mal Ausgang – oder 2 Tankfüllungen!
    Dass DIE PARTEI sich aber für die Kürzung der ALV-Taggelder und rigorose Sparmassnahmen bei der Sozialhilfe stark macht – was den Betroffenen denn nämlich viel viel mehr weh tut, DAS bleibt ausgeblendet.
    Klaro: S’trifft ja eh nur die Anderen, die Versager!

    Also:
    Working Class? Sich wehren für die eigenen Rechte? DAS war gestern!
    Heute schauen wir vorwärts! Nix wie los ins Verderben!
    L

    Working class hero? -> klicken Sie hier!
    http://www.youtube.com/watch?v=3N_rNz2oAGA

    • Fufi, auch wenn ich Dir nicht überall recht geben kann- aber im Grossen und Ganzen hast Du’s erfasst: Ob der arbeitende Mensch nun einen Schraubenschlüssel in der Hand hält oder einen Laptop, ist einerlei. Nur dass Ersterer noch so etwas wie Klassenbewusstsein gehabt hat- und Zweiterer nach wie vor noch daran glaubt, was ihm die übergeordnete Motivationsmaschine vorgaukelt.

      Kennst Du den Film „die Axt“ von Costa-Gavras? Der beschreibt genau das Dilemma, in dem sich immer mehr Menschen befinden:

      http://www.arte.tv/de/film/kino-auf-ARTE/Kino-auf-Arte/3405684,CmC=3364492.html

      • fufi sagt:

        @Marcel

        Nein, kenne den Film nicht. Bin cineastisch eigentlich völlig desinteressiert. Heisst: Mag KEINE Problemfilme, mit Problemen jedweder Art bin ich medial eh schon bis zur Uebersäuerung konfrontiert. Also lieber Trash-Horror oder Slapstick oder so was extrem „light“es!
        😀

        Was die „Motivationsmaschine“ betrifft:
        Denke, s’geht nicht um Motivation sondern um Beruhigung, Sedierung, Ruhigstellung! Und zwar mit GELD!
        Gebt ihnen gerade so viel GELD haben, dass sie sich was zu leisten – wie klein das auch sein mag – und sind sie zufrieden und träumen davon, sich MEHR leisten zu können. Und dann noch mehr. Und dann noch viel mehr. Träumen sie!
        Schlaft gut, aber hütet euch vor dem Erwachen!
        🙁

        Wie lange diese Verarschung noch aufgehen mag?
        Immerhin hat’s ja scheint’s der olle Mouammar Gh. auch probiert, SEIN(?) Volk mit GELD kaltzumachen.
        Hat bis jetzt glaub noch nicht funktioniert. Zum Glück.

        panem et circenses?

      • Orlando S. sagt:

        Wann ist sie eigentlich bei ihnen vorbei, gescheiterter Pfaff, die Pubertät meine ich?

      • fufi sagt:

        @Monsieur O

        Auf welchen Abschnitt meines Beitrags mögen Sie sich beziehen?

    • Widerspenstige sagt:

      Gehe völlig mit fufi einig und bin ebenso krass erstaunt, dass diese Zusammenhänge den Betroffenen nicht im Ansatz bekannt zu sein scheinen Und wenn sie es noch wüssten, sich nicht gegen ihre versteckten ‚Despoten‘ hier in der Schweiz – verantwortungslose Hire-and-Fire-Manager statt verantwortungsbewusste Unternehmer mit Tradition und einem gewissen Familienethos innerhalb einer Firma – wehren.

      Nein, sie gehen ein Bier trinken am Stammtisch und lammentieren über die schlechte Bezahlung etc. Ist ja auch viel einfacher sich ewig als Opfer eines Systems zu sehen als das eigene Konsumverhalten in Frage zu stellen. Und zu viele Frauen haben stillschweigend als Working-Poor die Doppelbelastung übernommen statt zu streiken. Gerechtigkeit für alle ArbeitnehmerInnen wie es die SP einst auf ihre kämpferische Fahne geschrieben hatte? Wem soll man seine Stimme geben, wenn jeden Monat Ebbe auf dem Konto herrscht?? Natürlich DER PARTEI, die KEINE Veränderungen verspricht und jaaa nicht sich dem ‚Moloch EU‘ anschliessen möchte. Dort ist ja noch alles viieel schllimmer als hier in der tiefgekühlten Schweiz.

      Ist dem wirklich so? Kann es für einen Working-Poor noch krasser werden? Was wäre wenn es mehr Familienvergünstigungen geben würde was Wohnen, Mobilität, Nahrung, Gesundheitswesen, Freizeit anbelangt – monatlich und spürbar umgesetzt??

      • Orlando S. sagt:

        Jaja, der gute Staat sollte von der pöhsen Wirtschaft alles Geld einsammeln und den Leuten Sackgeld und Gratisdienstleistungen zur Verfügung stellen, von der Wiege bis zur Bahre.

        Ihre behaupteten „Working Poor“ sind die mittelständischen Idioten im Umzug, weil die nicht frech, dumm, ausländisch oder nicht faul genug sind, beim Sozialamt vorstellig zu werden und sich berenten zu lassen. Vielleicht weil sie noch einen Resten Stolz haben?

      • Widerspenstige sagt:

        Sind Sie mit dem linken Fuss aufgestanden, verehrter Orlando S.? Wir wollen doch lösungsorientiert diskutieren hier und sachbezogen, ok? Es sind übrigens auf beiden Seiten Sozialfälle zu finden und auch Arbeitslose – AusländerInnen wie auch SchweizerInnen. Nur werden ausländische Arbeitskräfte von der Wirtschaft ins Land geholt um hier die Drecksarbeit zu erledigen – schon vergessen wer für den Ausländeranteil hauptverantwortlich ist? Von Ihnen erwarte ich ein wenig mehr analytisches Denken, dankeschön.

        P.S. Ich habe Sie übrigens zitiert für Ihren Beitrag bei NoPorn in meiner Antwort an mila letzte Nacht – im positiven Sinn (ja, es geschehen noch Zeichen und Wunder diesbezüglich). 😉

      • Widerspenstige sagt:

        Meine Antwort an Orlando S. wartet aufs Losgelassen-werden hier irgendwo im Off..Geduld ist angesagt, was denn sonst.

      • Orlando S. sagt:

        Mich stören Ausländer kein bisschen, bin selber ein halber. Mich stören die Faulen und die Frechen, die sich Leistungen erschleichen, für die der von ihnen erwähnte „Working Poor“ schuften geht jeden morgen, während sich jene noch einmal gemütlich in Bett umdrehen.

      • fufi sagt:

        @Monsieur O

        Zu Abschnitt 1: NEIN, der Staat soll und darf nicht zu einer Umverteilungsmaschine verkommen. DER STAAT soll weiterhin die Intressen derjenigen wahrnehmen, die als STAATSBUERGER/INNEN ebendiesen Staat erst konstituieren.
        Bloss soll der STAAT bei der Sorge um seine BUERGER/INNEN das numerische Verhältnis zwischen den Nicht-Reichen, den Reichen und den SUPER-Reichen in der Gesetzgebung und deren Anwendung berücksichtigen. (Irgend so was ähnliches hat doch schon euer Obervater Adam Smith gemeint, wenn ich mich nicht täusche?)

        Zu Abschnitt 2:
        Dieser ist an bösartigstem Zynismus ja kaum mehr zu überbieten!
        Kannst du dir vorstellen, was das heissen mag, trotz voller Arbeitsleistung nicht mal das „Existenzminimum“ zu verdienen?
        1 Wienerli muss für 3 Personen reichen, und bitte beim Senf sparen!
        🙁
        Es gibt ein verfassungsmässiges Recht, dass Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – aus eigener Arbeit NICHT das festgelegte finanzielle Existenzminimum verdienen können, staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen dürfen.
        Absolut pervers wird’s eben genau DANN, wenn ARBEITGEBER für die Arbeitsleistung nicht mal das bezahlen wollen.
        Aber hast ja recht, dann müssten die Dividenden und Boni um rund 0.00000001% gekürzt werden. Und DAS wollen wir den armen, armen CEO’s ja schon nicht zumuten- es gibt scheint’s ja eh schon zuviele Sozialhilfebezüger!

        Aber bitte, appelieren wir doch mal an den STOLZ, keine staatlichen Unterstützungen in Anspruch nehmen zu wollen, auch wenn sie „uns“ zustehen möchten.
        ALSO:
        KEINE AHV/IV für Multimillionäre und so.
        KEINE ALV für ehemalige Top-Manager und Star-Fussballtrainer
        KEINE Subventionen für ergiesparende Umbauten in gewissen Villen.
        KEINE SUbventionen für Multimillionäre und so, die sich eine Alp gekauft haben und dort ihre Schafe weiden lassen.
        Und so weiter und etcetera!
        Ach ja, ist zwar nicht subventioniert, aber dennoch: Wie wär’s, wenn solche, die ihre Arzt/Spitalrechnungen locker aus der Portokasse bezahlen können, auf die Leistungen der KK verzichten würden?

        Und zum Schluss noch dies:
        Die ARMUTSGRENZE beträgt (Berechnung aus dem Jahr 2007) für eine Alleinstehende Person rund Fr. 2000.-
        (http://www.vimentis.ch/d/lexikon/108/Armutsgrenze.html)
        EBEN! Oder auch gerade nicht!

      • Widerspenstige sagt:

        Aber Orlando S., Sie regen sich auf über diese kleinen Schmarotzer der Gesellschaft, die weder männlich noch weiblich noch nationenbezogen in der Statistik einen mageren Prozentsatz ausmachen? Und wieso regen Sie sich nicht auf über die grösseren bis gigantischen Abzocker in den höchsten Etagen??! Wo ist denn eigentlich ihr Gerechtigkeitsdenken angesiedelt? Im Übrigen hat es wenig mit gebrochenem Stolz zu tun, auf dem Sozialamt vorstellig zu werden, wenn man sich als Mitglied einer Gesellschaft wahrnimmt und nicht als egoistisches Individuum. Die Perspektive des eigenen Denkens hat sehr wohl mit dem Solidaritätsprinzip zu tun. Sie fühlen sich demnach als Einzelgänger sehr wohl, das ist doch ok. Dann kaufen Sie sich doch demnächst ihre eigene Strasse, eigene Polizei, eigene Firma, eigene Luft, eigene Farm, eigene…..!

      • fufi sagt:

        @Widerspenstige am 27. Februar 2011 um 10:18

        First: KLAR kann’s für Working-poor noch krasser werden. Leider! Es geht nämlich um Kostenoptimierung! – und die letzten gehen vor die Hunde!
        🙁
        Habe da aber noch einige Vorbehalte zu:
        „Was wäre wenn es mehr Familienvergünstigungen geben würde was Wohnen, Mobilität, Nahrung, Gesundheitswesen, Freizeit“ anbelangt.
        Stichworte:
        „Nahrung“ – solchige ist im Verhältis zum Gesamt-Familienbudget seit Jahrzenten immer billiger geworden! Zu billig? – von wegen gewisser Produktionsmethoden?
        „Mobilität“ – Weiss nicht recht, gehört für mich weder zu den Menschenrechten noch zum Grundbedarf – ausser natürlich, wenn’s um geldverdienende Notwendigkeiten geht.
        „Freizeit“ – weiss auch nicht recht? Konsum? Ok, schon klar: EU-Park Rust oder bloss Kino kostet, und draussen bleiben macht einsam. Oh je, ich weiss, da bisle ich wohl gegen den Sturm!
        „Gesundheitswesen“ und „Wohnen“ – wie sollte denn gerade ICH diese Probleme lösen können?

        Nun zu „Familienvergünstigungen“ – da bin ich nämli etwas allergisch, weil:
        Erstens gibt’s das nämlich schon in vielen Bereichen (v.a. Freizeit und Mobilität, ja sogar bei den Steuerabzügen!)
        Zweitens: Wir sind manche Jahre finanziell ziemlich bös unten durch – aber „EHEpaar-Vergünstigungen“ gab’s auch keine.
        Sollte einfach NICHT pauschal sein, da bezahlen nämlich – via Steuergelder oder höhere Eintritte oder so – am Schluss doch wieder „die Armen“ einen Teil für diejenigen, die sich’s eigentlich locker auch anders leisten könnten!

      • Globetrotterin sagt:

        Fufi, ich bewundere Sie wirklich! Erhalten Sie durch Ihren direkten Draht nach „oben“ Ihre Engelsgeduld für Ihren unermüdlichen Einsatz? Ich muss zugeben, ich habe manchmal so „die Schnauze voll“ von diesem „orlandischen“ Gedankengut, dass ich immer wieder eine längere Verschnaufpause brauche.

      • fufi sagt:

        @Globe

        Du machst mich schon fast sprachlos!
        Vielen, vielen lieben Dank!
        😛

      • Widerspenstige sagt:

        Meine Antwort an Orlando S. vom Mittag wartet irgendwo im Off – was ist eigentlich los mit der IT dieses Blogs?!

      • Globetrotterin sagt:

        @fufi:
        Hier habe ich keinen Dank verdient. Der gebührt alleine Ihnen!

    • Globetrotterin sagt:

      fufi, Sie sprechen mir aus der Seele. Manchmal bin ich am Verzweifeln und denke, ich wäre mit meiner Einstellung allein auf weiter Flur. Zu sehen, dass dem nicht so ist, tut gut. Gerade jetzt, während der arabischen Revolution, habe ich oft gedacht, dass es bei uns gar nicht so viel anders ist. Die Restriktionen sind andere, aber das Prinzip ist das gleiche.

      • Widerspenstige sagt:

        Sehr richtig, das Prinzip IST das gleiche – nur, wer sieht es und geht auf die Strasse?!

      • Orlando S. sagt:

        Sie nicht, sie bloggen lieber dagegen an, gegen „das Prinzip“. *sich an den Grind läng*

      • fufi sagt:

        @Globe

        You’ll never walk alone!
        😛

      • fufi sagt:

        @Globe und Widerspenstige

        Klaro geht HIERzulande NIEMAND auf die Strasse.
        Wir wollen doch das bitzeli, das sie uns gnädigst überlassen, nicht auch noch verlieren?
        🙁

      • Globetrotterin sagt:

        @Widerspenstige:
        Der Leidensdruck bei uns ist (noch) nicht gross genug. Subtil wird darauf geachtet, dass der Dampfkochtopf immer gerade noch unter der Explosionsmarke gehalten wird. Und, warum wohl haben Leute wie Orlando bei der kürzlichen Abstimmung wohl darauf bestanden, ihre Waffen nicht abgeben zu müssen?

      • fufi sagt:

        @Globe

        Schön gesagt mit dem Kochtopf!

      • fufi sagt:

        @Globe zum 2.ten

        Und wenn dann schon mal so richtig Dampf abgelassen werden muss, gibt’s ja immer noch die Anti-Ausläder-Initiativen DER PARTEI!
        🙁

      • Widerspenstige sagt:

        Die sie selber ins Land geholt haben, fufi. Genau die oberen Führer DER PARTEI in ihre Firmen mit dem Lockruf ‚Kommt ins Paradies in der schönen Schweiz und wir sorgen für Euch und geben Arbeit!“ Dieses heuchlerische am ganzen System schreit doch einfach zum Himmel.

      • fufi sagt:

        Und wär’s schon Irrsinn
        so hat’s dennoch Methode!
        🙁

    • Chris M. sagt:

      Viele meinen, sie könnten auch reich werden (Traum von der Tellerwäscher-Karriere). Darum stimmen viele ab, wie wenn sie schon reich wären (optimistisches Verhalten).

      Diese Mechanismen sind bekannt. Logisch, dass sich so viele gegen ihre eigenen Interessen verhalten. Logisch, dass so die Demokratie sich zu Gunsten der Reichen auswirkt.

      Dies wird unterstützt durch die PR der Reichen, die sich Zeitungen und Parteien und Abstimmungen kaufen können (Weltwoche, BAZ, usw.).

      Fazit: die Nicht-Reichen sind selber schuld, da sie stimmenmässig die Macht hätten und sie nicht nutzen.

      • Cesc sagt:

        So traurig es auch klingen mag: Sie haben leider recht 🙁

      • fufi sagt:

        Naja, möchte die Schuldfrage so eigentlich nicht gestellt haben.
        Wer möchte es ihnen denn verübeln, wenn sie aus ihrer Scheisse rauskommen möchten?
        Aexgüsi – aber es braucht auch ein bisschen Bildung und so, um die heutigen Verhältnisse durchschauen zu können.
        (jaja, könnt mich mal wiedser elitär schimpfen?)
        Aber sobald DIE PARTEI ihre Vorstellungen von „SCHULE“ dann durchgeboxt hat, sind die Nicht-Reichen wirklich nicht mehr selbst schuld. Wo hätten sie denn Denken lernen können sollen?
        Eben!
        🙁

      • Widerspenstige sagt:

        Deshalb ist Bildung nicht nur in der Schweiz für ALLE so eminent wichtig. Wenn wir weiterhin nur zusehen wollen, wie das Bildungsbudget zusammen gestrichen wird und dafür Steuergeschenke gemacht werden – also Umverteilung im negativen Sinn – dann ist den WählerInnen in diesem Land wahrlich nicht mehr zu helfen. Dann sind sie für ihre Situation selber verantwortlich, ja!

      • fufi sagt:

        Irgendwo steht glaub geschrieben, dass bildung ein Menscherecht sei?

      • Cesc sagt:

        Fufi, das ist ja der Clou. DIE PARTEI ist auf ein tiefes Bildungsniveau angewiesen, damit ihre Parolen greifen. Wenn das Volk zu gut informiert ist und differenzieren kann, ist es auch in der Lage, die Einfachheit und Kurzsichtigkeit der Lösungen der PARTEI zu durchschauen, was diese eben mit allen Mitteln verhindern möchte.
        Sie sind daher höchstens in den Augen der PARTEI elitär, denn die PARTEI beschimpft alle Leute, die ihre billige Masche schon lange durchschaut haben, als elitär.

      • fufi sagt:

        Hach, WEM sagst du das?
        😉

      • Widerspenstige sagt:

        Das Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht gemäß Art. 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948 und wurde im Sinne eines kulturellen Menschenrechtes gemäß Artikel 13 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (IPwskR) noch erweitert.

        Das Recht auf Bildung gilt als eigenständiges kulturelles Menschenrecht und ist ein zentrales Instrument, um die Verwirklichung anderer Menschenrechte zu fördern. Es thematisiert den menschlichen Anspruch auf freien Zugang zu Bildung, Chancengleichheit und das Schulrecht.

        Bildung ist wichtig für die Fähigkeit des Menschen, sich für die eigenen Rechte einzusetzen und sich im solidarischen Einsatz grundlegender Rechte anderer zu engagieren.

        Das gilt gleichermaßen gemäß für alle diskriminierungsfrei (Artikel 2.2 IPwskR), insbesondere hinsichtlich der Rasse, der Hautfarbe, des Geschlechts, der Sprache, der Religion, der politischen Anschauungen, des Vermögens, der nationalen und sozialen Herkunft.

        Der Pakt wurde am 19. Dezember 1966 von der UN-Generalversammlung einstimmig verabschiedet und ist ein multilateraler (mehrseitiger) völkerrechtlicher Vertrag, der die Einhaltung wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Menschenrechte garantieren soll.

        Dieses Menschenrecht ist ein zentrales Instrument, um die Verwirklichung anderer Menschenrechte zu fördern. Es thematisiert den menschlichen Anspruch auf freien Zugang zu Bildung, Chancengleichheit und Schulrecht. Bildung ist hierbei die Voraussetzung für die Fähigkeit des Menschen, sich für die eigenen Rechte einzusetzen und sich im solidarischen Einsatz grundlegender Rechte anderer zu engagieren.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Recht_auf_Bildung

      • fufi sagt:

        Das Problem ist ja, dass „Wissen“ nicht gleich „Bildung“ ist, und „Wissen“ keinesfalls vor „Blödung“ schützt, und dass das, was „Gebildete“ unter „Bildung“ verstehen, vielleicht eben auch nicht das ist, was unter „Wissen“ eigentlich gewusst werden könnte.

        Irgendwie geht’s hier doch ums Denken.
        Und da ists halt leider und zK eben schon so, dass
        viele nachdenken
        was andere ihnen vor-gedacht haben!

        HEILIGE SCHEISSE!

      • Orlando S. sagt:

        Haha, Chris M., ja die Reichen besitzen alle Zeitungen in der Schweiz, die meisten Journalisten tun sich durch permanenten Rechtsdrall hervor und vor allem das staatliche Bundesratsfernsehen und die grossen SVP-Tageszeitungen vom Westen bis Osten im Land – insbesondere in den bürgerlich beherrschten Metropolen. Oder leben sie in einem anderen Land, dessen ach so fragile Pressefreiheit durch einen Murdoch bedroht ist?

        @Widersinnige und Pfaffy: sagen sie’s doch einfach offen und ehrlich, sie möchten einen Versorgerstaat wie in Skandinavien, der dem einfältigen Bürger die Mühseligkeiten des Lebens abnimmt und ihn von Geburt an bis zum Ableben wie ein Baby durchfüttert. Diejenigen die Leistung erbringen wollen sind selber blöd – und potenzielle Abzocker, die man am besten schröpft, sie gleich platt walzt und einmittet wie die Faulen, Dummen, Schwachen und Frechen, die am Staatstropf hängen.
        Euch linken Idioten dämmert langsam, dass sich keine normale Gesellschaft je für eure Rezepte begeistern konnte. Und falls doch, dass der Mist immer daneben ging und Generationen von brutal verarschten Menschen zurückliess. Darum müsst ihr jetzt alles kleinreden, was mit Leistung, Risiko, Fleiss, Unternehmertum, Privateigentum, Familie, Tradition und Eigenverantwortung zu tun hat.

        Der Vasella nimmt niemandem etwas weg. Nicht einmal aus Sicht eines orthodoxen Umverteiler-Freaks. Der Faule oder Freche in Trainerhose aber (egal aus welchem Land er stammt), der sich für seine missratene Brut vom Sozialamt 5000 oder 6000 Franken im Monat überweisen lässt und in Ruhe schwarz arbeiten geht (so er denn mag) bescheisst die Gesellschaft, sich selbst und seine Kinder.

        Ganz zu schweigen davon, dass der aufgeblähte Sozialstaat nur einer Gruppe nützt: jenen, die für ihn arbeiten und sich fürstlich von ihm entlöhnen lassen. Pfui Teufel!

      • fufi sagt:

        Tja, wie gesagt:
        Alles Wissen und alle Bildung dieser Welt schützen nicht vor Ignoranz und ideologischer Verblendung!

        Nicht wahr, Monsieur 0! am 27.2.11, 21:58
        Und wenn Sie ernsthaft glauben sollten, die Arbeitsleistung gewisser Menschen sei rund 500mal MehrGeldWert als diejenige anderer Menschen – bloss aufgrund der Bildung, der (sozialen) Herkunft oder gar des Geschlechts – …….
        Und wenn Sie denn ernsthaft glauben wollten, es sei KEINE LEISTUNG, mit dem Mindestlohn im Detailhandel oder im Gastrogewerbe eine 4köpfige Familie durchzubringen – das git’s nämli! – …….
        Und wenn Sie denn ernsthaft glauben möchten, dass ich und andere in diesem Blog Sozialbetrug und ähnlichen Beschiss auch nur ansatzweise gutheissen täten – ……

        DANN, ja dann macht IHR Glaube wohl nicht selig, auch wenn Sie geistig arm sein sollten!
        🙁

        Und was DIESE, IHRE Schreibe betrifft:
        „Der Vasella nimmt niemandem etwas weg. Nicht einmal aus Sicht eines orthodoxen Umverteiler-Freaks. Der Faule oder Freche in Trainerhose aber (egal aus welchem Land er stammt), der sich für seine missratene Brut vom Sozialamt 5000 oder 6000 Franken im Monat überweisen lässt und in Ruhe schwarz arbeiten geht (so er denn mag) bescheisst die Gesellschaft, sich selbst und seine Kinder.

        Ganz zu schweigen davon, dass der aufgeblähte Sozialstaat nur einer Gruppe nützt: jenen, die für ihn arbeiten und sich fürstlich von ihm entlöhnen lassen. Pfui Teufel!“
        Möchte ich raten, Ihren Sabber und Geifer VOR dessen Veröffentluchung mit einem Chüderlatz abzuwischen.
        Oder, wie einer meiner Lehrer zu sagen pflegte: Es gibt welche (sunt qui), die Ihre Fäkalien in Buchform veröffentlichen!

        Pfui Teufel!

      • Chris M. sagt:

        @Orlando
        Sie schreiben: Der Vasella nimmt niemandem etwas weg.
        Bei Vasella weiss ich es nicht so genau und es wäre nachzurechnen. Bei der UBS hat die Nationalbank nachrechnet und festgestellt, das in den letzten 10 Jahren die Aktionäre, dh. die Eigentümer der UBS nichts verdient haben. Auf Deutsch: die Manager und Boni-Jäger haben den Eigentümern den Gewinn vorenthalten oder anders formuliert: Ospel & CO. haben den den Eingentümern ihre Gewinnbeteiligung genommen.

        Das ist nur eine Art, wie man die Rechnung machen kann.

        Die andere Art der Rechnung:
        Man schaut, wo sich das Geld sammelt! Man schaut, wei das Verhältnis zwischen tiefstem und höchsten Lohn ist. In der goldenen Zeit der westeuropäischen Wirtschaft, der Hochkonjunktur nach dem 2. Weltkrieg war dieses Verhältnis etwa 1:50, heute ist es 1 zu vielen Tausend. Diese Entwicklung ist auf Dauer ungesund.

        .

        Ich habe nie gesagt, die Reichen besitzen alle Zeitungen. Ich habe nur gesagt, dass einige sich neben anderem Zeitungen kaufen können und damit politischen Einfluss.

        Zudem ist es bezeichnend, welche Parteien sich wehren, ihre Einnahmen und Spenden offen zu legen, wie das in guten Demokratien allgemein üblich ist. Die Stimmbürger könnten dann ja sehen, welche Millionäre und Milliardäre und welche Firmen und Lobbyisten die Parteien finanzieren – und sie könnten sich dann an das Sprichwort erinnern: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!“

      • Orlando S. sagt:

        Erst, wenn Journalisten ihre Gesinnung „offenlegen“ müssen!
        Vielleicht bewegen wir uns ja zurück in jene Zeit, als jedes Blatt zum Sprachrohr entweder seiner Besitzer oder aber seiner Belegschaft wird (oder wollen sie behaupten, die Weltwoche-Autoren würden gezwungen, das zu schreiben, was sie schreiben?). Zimmermann hat das erst kürzlich prophezeiht, der Allerwelts/Wischiwaschi/Boulevardangehauchte-Journalismus der es alles Recht machen will, ist tot. Die Zukunft gehört der pointierten Meinung, dem Willen, sich einzuschalten und die geballte publizistische Macht für einen gesunden Diskurs einzusetzen. Das Versagen liegt in jenem Forums-Gedanken, man wollte ein bisschen für alle da sein und verlor jegliches Profil vor dem Leser. Der will Meinung, hart auf hart, keine Scheuklappen und political correctness.

        Sind sie UBS-Aktionär? Wenn nicht, kann es ihnen ja egal sein, wieviel oder wiewenig die verloren oder gewonnen haben mit ihrem Investment aus freien Stücken…

        Wieso ermitteln wir nicht auch die durchschnittliche Fellfarbe von allen Schafen und definieren einen Mindestfarbquotienten als Differenzgrösse zu Blütenweiss? Dann werden wir genau sehen, welches die wirklichen schwarzen Schafe sind! 😀

  • Franz Oettli sagt:

    Ja heute haben wir schon ein leichtes Leben. Samstags und Sonntags frei, unglaublich. Wenn ich zurückdenke mit wieviel Schinderei das verbunden war. Estimieren sollten wir es! Morgens begann der Tag schon vor fünf mit Holzholen und am Abend dann die Hausaufgaben. Wir hatten nur Radio und da war ja auch noch der Göbbel im Krieg mit seinen Hasstiraden, das war keine leichte Zeit. Drüben brannten Ludwigshafen nicht nur die Dornier Werke, bei uns war alles verdunkelt. Fielen teitzdem einige Bomben oder ganze Flugzeuge runter. Ja heute haben wir es schon viel einfacher.

  • E.H. Roth sagt:

    ebenfalls ihrer Meinung Frau h.r. Wertschätzung jeder Tätigkeit.

  • kaj sagt:

    Es wäre schön, wenn wir in der postindustriellen Ära leben würden. Dem ist leider nicht so, heute wird konsumiert, wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.
    Der Unterschied zum 20. Jahrhundert ist, das die Produktion nach Osten und Asien ausgelagert wurde.
    Je mehr die Schwellenländer aufsteigen umso weniger werden sie produzieren.
    Früher oder später kommt ein Teil der Produktion von Asien nach Europa zurück.
    Dass die Asiaten und Araber in den Krisenjahren, grosse Teile der europäischen Industrie aufgekauft haben, wird in Europa nicht ohne Folgen bleiben.
    Langfristig wird ein Teil der Forschung und Verwaltung nach Asien verlagert werden. Der Abfluss des industriellen Kapitals nach Osten wird auch im Dienstleistungs- und Forschungssektor tiefe Spuren hinterlassen.
    Frauenberufe sind typische Verwaltungs- und Erziehungsberufe.
    Grosse Teile der staatlichen und industriellen Verwaltung sind aufgeblasen, und wenn in den nächsten zehn Jahren die Luft aus der Blase entweicht, werden die Frauen die Leidtragenden sein.
    Die Mär von der Wissensgesellschaft wird nicht mehr länger zu tragen sein.
    Überlebenswichtig sind Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände. Also Dinge, die typischerweise von Männern hergestellt werden.
    Die Frauen, die das Rückgrat der Wissensgesellschaft sind, werden, wenn die Zeiten härter werden, ohne Arbeit und Auskommen dastehen.
    Zuerst wird im Sozial- und Gesundheitswesen und dann in der Verwaltung und erst zuletzt in der Güter- und Urproduktion gespart werden.
    Das herbeigeredete Problem von Familie und Arbeit wird sich von selber lösen.
    Auch hier gilt: Jeder Kartoffel gehen spätestens die Augen auf, wenn sie im Dreck liegt.

    • „Grosse Teile der staatlichen und industriellen Verwaltung sind aufgeblasen, und wenn in den nächsten zehn Jahren die Luft aus der Blase entweicht, werden die Frauen die Leidtragenden sein.“

      In den USA hat man im Verlaufe der Finanzkrise auch von einer sogenannten He-cession gesprochen, weil mehr Männer die Stelle verloren haben, als Frauen. Und jetzt, wo beim Staatshaushalt auf Teufel komm raus gespart wird, kommt es genauso heraus, wie Sie schreiben: Auch die Frauen haben zunehmend das Nachsehen.

      Insgesamt befinden wir uns also in einer zunehmend desolaten Lage: Arbeit ist nicht mehr gleich Arbeit, was sich auch im Sprachgebrauch wiederspiegelt- man spricht nur noch von Beschäftigung oder Jobs. Die ganz optimistischen sprechen weder von Jobs, noch Beschäftigung noch von Arbeit- sondern nur noch von Karriere.

      Die moderne, perfekt durchflexibilisierte Leistungs- und Arbeitsgesellschaft, deren Prägung auf das industrielle Zeitalter zurückzuführen ist, wie Sie vieleicht aus zahlreichen meiner Antworten in diesem Thread herauslesen konnten, gerät zunehmend in eine schwere Krise.

      Ausser wir schaffen es, die von mir ins Feld geführten Strukturen ebenfalls zu modernisieren.

      • Katharina sagt:

        Die Zeit ist nun aber so, dass die Leute auf die Strasse gehen – auch bei uns – und sagen: genug ist genug. Riechen sie den Modergeruch der Erschossenen auch schon?

      • Chris M. sagt:

        Im industrielle Zeitalter in Europa war das Ideal immer noch die Lebensstelle.

        Das hat sich erst in den letzten 2-3 Jahrzehnten geändert mit der Verlagerung in die Dienstleistungen und der Flexibilisierung der Arbeit: spätestens alle 5 Jahre die Stelle wechseln. Kein Solidarität zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern mehr, jeder schaut für sich.
        Das führt zunehmend zu Problemen bei allen Einrichtungen, die noch an den Arbeitgeber gekoppelt sind (z.B. Pensionskasse).
        Das führt auch zu grösseren Pendlerdistanzen, weil die Flexibilität bezüglich Arbeitsplatz grösser ist als beim Wohnort: Verlust an Kraft und Familienzeit und ökologische Folgen.

      • Ich würde es mal so ausdrücken, Chris: Das industrielle Zeitalter, d. h. die zweite Phase der Industrialisierung -> also die Wirtschaftswunderjahre, haben in den westlichen Industrienationen zu einer noch nie gekannten, wirtschaftlichen, politischen und sozialen Stabilität geführt.

        Diese Stabilität ist stark gefährdet.

        Die Zivilgesellschaft befindet sich in einer ähnlichen Situation, wie schon vor gut 150 Jahren: Sie muss sich neu ordnen.

        Sonst gibt es in Zukunft nur noch den Markt, das Individuum…

        …und das Nichts.

        Die von Friedrich August von Hayek aufgeworfene spontane Ordnung ist eine Utopie.

      • Katharina sagt:

        „Die Zivilgesellschaft muss sich neu ordnen.“

        Einverstanden. Nur stellt sich eben die Frage, was das Ordnungsprinzip sein kann.

      • Katharina sagt:

        Und gleichzeitig ist der wartende beitrag beweis, dass die laenge eines beitrages eine rolle spielt. er ist kuerzer als obiger, auf den er sich bezieht.

      • Die Frage nach dem neuen Ordungsrahmen, Katharina, ist die wohl grösste Herausforderung unsere Gesellschaften seit mindestens einem halben Jahrhundert.

        Mindestens.

        Fangen wir einmal damit an, was heute unter dem Begriff Arbeit alles verstanden werden muss. Am einen Ende der Skala haben wir die Erwerbsarbeit, am anderen die freie Zeit. Nach gängiger Lehrmeinung setzt sich die volkswirtschaftliche Leistung lediglich aus dem zusammen, was (im Rahmen der bezahlten Erwerbsarbeit) in Geldwerten messbar ist. Alles andere wird offenbar nicht zu den Leistungen gezählt, die für eine Volkswirtschaft relevant ist.

        Um überhaupt eine messbare Leistung erbringen zu können, muss aber ebenfalls gearbeitet werden- im allgemeinen vor der bezahlten Erwerbsarbeit, als auch danach. Wieviel genau das in Stunden aufgerechnet ist, will die NZZ neulich herausgefunden haben, obwohl sie dabei leider nicht sagt, was alles genau zu der sagenhaften Summe von

        8’015’400’000 Stunden jährlich geleisteter „Gratisarbeit“ (bewusst in Klammern gesetzt)

        in der Schweiz führt.

        Oder versuche ich gerade, am falschen Ort anzusetzen?

      • Katharina sagt:

        he das ist unfair. ich habe einen laengeren beitrag dazu, der irgendwo rumhaengt. habe auch darauf nich hingewiesen. also. warte oder tu was dass der erscheint. und noch was, dein beitrag ist laenger und steht sofort da. seht ihr nun endlich was ich meine?

        das ist diskriminierung.

        so, f u 2.

      • Orlando S. sagt:

        „Spontane Ordnung“ bei Hayek („kosmos“) umschreibt etwas ganz anderes. Bitte hören sie auf mit dem Name-Dropping, Zufferey! Es bekommt ihnen nicht.

      • Die spontane Ordung bei Hayek beschreibt ganz genau eine wirtschaftliche Ordnung, in der der jegliches Regulativ überwiegend aus dem Markt selbst hervorgeht, Ronaldo- und nicht, wie Sie hier, einmal mehr ins Blaue hinaus behaupten, irgend etwqs mit dem Kosmos!

        Sie sind mir ein schöner Himmelsgucker, bleiben Sie bei der Filosofie, die bekommt Ihnen besser! Jemand, der allen ernstes die Wirtschaftswunderjahre mit den Achzigern, den späten Neunzigern und der letzten wirtschaftlichen Aufschwungphase vergleicht, hat definitv nicht sehr viel Ahnung von der Materie, Ronaldo! Da ändert auch die Rumbrüllerei nichts!

      • Zur spontanen Ordnung, schnell mal rum gegoogelt, hier ein auf den ersten Blick interessanter Link:

        http://www.hayek.de/virtuelle-bibliothek/16-die-ungeplante-gesellschaft-friedrich-von-hayeks-theorie-der-evolution-spontaner-ordnungen-und-selbstorganisierender-systeme

        Von Kosmos ist da, wenn überhaupt, nur am Rande und als Vergleichsgrösse die Rede.

        Wohlwissend, dass dieser Kommentar ewig lange warten wird, bis er erscheint, wende ich mich jetzt anderen Dingen zu.

      • Was sind die Konsequenzen der von Hayek aufgeworfenen „spontanen Ordung“, was ergibt sich sozusagen als gesellschaftliches Ideal daraus? Ganz einfach, immerhin handelt es sich bei Hayek um einen Ökonomen, der in der Tradition der Chicagoer Schule steht:

        Die konsequente Ausweitung ökonomischer Formen auf das Soziale bis hin zur individuellen Lebensführung und der Beziehung des Einzelnen zu sich selbst, eine Art Unternehmensgesellschaft also. Die Konkurrenz wird zum allgemeingültigen Prinzip institutionalisiert und der Markt als universales Modell der Vergesellschaftung etabliert. Die enzige ordnende Kraft innerhalb einer Gesellschaft soll also der Markt sein.

        Der Kosmos bleibt da aussen vor, ich weiss nicht, wie Sie auf den Kosmos kommen, beim besten Willen nicht. Sprechen Sie vieleicht von einem anderen Hayek, Ronaldo? Oder haben Sie einfach schnell gegoogelt? In diesem Falle wären wir nämlich tatsächlich schnell beim Kosmos, auf Google einer der ersten zehn Treffer.

      • Orlando S. sagt:

        Sie kennens eben nur vom Hörensagen, Zufferey. Hier nun der gesamte Zusammenhang (exklusiv von Orlando für sie recherchiert und zusammengefasst aus auf Internet verfügbaren Quellen):

        Hayek unterscheidet – im Gegensatz zu Zuffy – Ordnung von Organisation:

        1. Eine spontane ORDNUNG („kosmos“), in der die Individuen ihre Ziele mit eigenen Mitteln verfolgen. Sie benötigt nach Hayek allein abstrakte Regeln, die in Form von Verboten formuliert sind und allgemeingültig sein müssen, also keinerlei Privilegien zulassen (wie etwa die 10 Gebote). In dieses Kapitel gehört übrigens auch die vielzitierte „unsichtbare Hand des Marktes“ (die wiederum einiger Vorbedingungen benötigt).

        2. Eine ORGANISATION („taxis“) nennt Hayek dagegen das Resultat bewussten Entwurfes. Hier existieren konkrete Regeln, die in Form von Geboten formuliert sind. Die Verfolgung von individuellen Zielen mit eigenen Mitteln wird hier eingeschränkt, und oft gibt es eine vertikale Hierarchie, Umverteilung, Ineffizienz, unvernünftige Entscheidungen etc. Planwirtschaften, aber auch etwa Unternehmen, Verwaltungen oder das Militär sind solche „Entwürfe“.

        Laut Hayek liegt in allen Gesellschaften beides vor. Aber: die abstrakten Regeln haben sich über Generationen bewährt. Diejenigen Gruppen, die abstrakte Regeln einführten, seien erfolgreicher und produktiver als andere. Andere Gruppen seien dann verdrängt worden oder hätten die erfolgreichen Regeln übernommen. Die besten Regeln hätten sich so immer wieder durch natürliche Evolution durchgesetzt.

        Im Wunsch nach umfassenden sozialen Geboten und Vorgaben, im Rufen nach einer „gerechten“ staatlichen ORGANISATION – im schlimmsten Fall nach neuzeitlich-hegelianischen Geschichtsverständnis – sieht Hayek eine der größten Gefahren für die Freiheit.

        Siehe dann dazu auch Popper und die „Feinde der offenen Gesellschaft“.

      • Hm, im Internet recherchiert… nicht in den entsprechend Büchern, Orlando..? Guet, lömmer foifi grad sschtaa..

        Ich dachte, Sie sprechen hier einzig vom Kosmos, Kosmologie, Chaos-Theorie etc. und habe mich auch darauf fixiert.

        Die „spontane Ordnung“ besteht aus den von Ihnen erwähnten Elementen, das ist richtig. Sie haben aber nur und aussschliesslich den „Kosmos“ erwähnt. Doch damit sind wir wieder bei dem, was Hayek alles unter dem Begriff der spontanen, volkswirtschaftlichen Ordnung versteht, deren ordnendes Element, das wichtigste Regulativ also- bis auf den Staat irgendwo im marginalen Bereich- praktisch einzig und alleine die Marktkräfte sind.

        Und diese Gesellschaftsordnung ist und bleibt eine Utopie, werther Ronaldo. Wobei ich noch einwerfen will, dass der Weg zur Knechtschaft vielerlei Abkürzungen und Umwege kennt, nicht nur den Staat.

      • Orlando S. sagt:

        und ich muss mich ein wenig entschuldigen, Zufferey. Ich hatte ihre Hayek-Erwähnung falsch zugeordnet, in dem Kontext, wo sie das brachten, war das natürlich richtig.

        Nein ich habe keine Hayek-Gesamtausgabe zuhause, wo ich an einem Sonntag rasch nachschlagen könnte.

        Und ja: Vom Weg der Knechtschaft zu den Verführungen der Unfreiheit und des Totalitarismus ist es nur kurz…

      • Betrachtet man noch den historischen Rahmen, in dem die Schriften von Hayek, Friedman erschienen sind (die entscheidenden Werke, bei Friedman dann u. a.“Kapitalismus und Freiheit“), dann hätte ich Ihnen, vorausgetzt, der sureale Sozialismus würde immer noch existieren und sein Unwesen treiben, unumwunden in allen von Ihnen aufgeworfenen Punkten recht gegeben, sind doch diese Werke auch und vor allem als Kontrapunkt zur sowjetischen Planwirtschaft zu verstehen. Da der Weg zur Knechtschaft jedoch abprupt abgebrochen worden ist- und mit ihm auch die Feinde der Gesellschaft verschwunden sind, zumindest die seinerzeit ins Feld geführten (heute sind es neue, in neuem Gewand), haben sich die neoliberalen oder meinetwegen neoklassischen Thworien sozusagen selbst überlebt und fristen nun ein einsames Dasein.

  • heidi reiff sagt:

    Zum Glück reagieren wir noch als menschliche Wesen und sind nicht zu Steinsäulen erstarrt.

    Für die Bauarbeiten wurden in der CH Italiener importiert, die sog. Tschinggen, für die Drecksarbeiten wurden Ausländer angeworben, Fakt ist einfach, es können nicht alle Manager mit Aktenköfferchen sein, da gehe ich mit Chris einig. Wir sind angewiesen auf andere Menschen. In den Läden fällt mir auf, dass ein gutes Teamwork besteht unter den MitarbeiterInnen, das zählt doch auch oder nicht.

  • Gabi sagt:

    nach mehrmaligem Durchlesen und dem ernsthaften Versuch, den darin ausgemachten Aussagen irgend etwas Substantielles abzugewinnen; irgend einen Hinweis auf eine konkrete Richtung eines Gedankens auszumachen, komme ich zum Schluss, dass es ein Schreibfehler sein muss.

    Es heisst wahrscheinlich „Flachblogger“.

  • Sam Garlic sagt:

    „Working Class Hero wird zunehmend weiblich“ – das mag wohl sein, wobei es gerade die Weiber sind die die Familien vernichten. Die Opfer dieser Heros sind aber die Kinder – etwas was die Behörden und Justiz bis heut noch nicht kapiert hat.
    http://www.schickenstei.ch oder der vev.ch oder kidnerohnerechte.ch gibt genügend Beispiele!?

  • Globetrotterin sagt:

    Hier eine kleine Geschichte, die ich kürzlich im Internet gefunden habe:

    „Die UNO hat eine weltweite Umfrage durchgeführt. Die Aufforderung lautete: „Geben Sie uns bitte Ihre ehrliche Meinung zur Lösung der Nahrungsmittel-Knappheit im Rest der Welt ab.“ Die Umfrage stellte sich, nicht unerwartet, als Riesenflop heraus, denn

    – In Afrika wussten die Teilnehmer nicht, was „Nahrungsmittel“ sind,
    – Osteuropa wusste nicht, was „ehrlich“ heisst,
    – Westeuropa kannte das Wort „Knappheit“ nicht,
    – die Chinesen wussten nicht, was „Meinung“ bedeutet,
    – Südamerika kannte den Sinn des Wortes „bitte“ nicht,
    – und in den USA wusste niemand, was „der Rest der Welt“ sein soll.“

    • mila sagt:

      und da soll jemand behaupten, sie hätten keinen (zweckgebundenen) humor, globetrotterin. gefällt mir.

    • Cesc sagt:

      *grins* Der Witz ist zwar alt, aber immer wieder lustig
      😉

    • Orlando S. sagt:

      Der ist gut. Und er beschreibt sehr genau die Vorgänge im Turm zu Babel. Fazit: schafft die UNO ab!
      Was UNICEF, UNHCR usw. leisten, können private Organisationen (wie IKRK, WWF etc.) viel besser.

    • Widerspenstige sagt:

      Genau so funktioniert die Welt und wenn die UNO nicht wäre, könnten wir alle einpacken. Dann reden sie nicht mal mehr miteinander sondern pulvern mal los. Danke Globetrotterin für diese Realsatire! 😉

      • Globetrotterin sagt:

        In meiner Aufzählung habe ich den Nahen Osten vergessen. Die Menschen dort fragten nämlich nach, was denn „Lösung“ bedeute.

      • 1993: Bill Clinton besucht den Basar von Bagdad. Er findet eine schöne Öllampe, die ein paar Flecken hat, wischt sie ab und wuuuusch kommt ein blauer Genie aus der Flasche.

        Genie sagt: „Bill! Du hast einen Wunsch frei!“

        Bill studiert und sagt dann: „Ich wünsche mir Weltfrieden.“

        Genie studiert und meint dann etwas kleinlaut: „Naja, ist leider zu gross, der Wunsch, das geht nicht. Geht es nicht ein Nümmerchen kleiner?“

        Bill studiert wieder, holt eine Nahostkarte hervor und sagt: „Hier, hier im nahen Osten ist seit Jahrtausenden nur Krieg. Bring bitte endlich Frieden in diese Region.“

        Genie studiert wieder und meint dann noch kleinlauter: „Nein, das geht leiiiider auch nicht, das ist ja fast so schwierig wie das vorher. Bitte noch ein Spürchen kleiner, der Wunsch.“

        Bill studiert und studiert und hat dann eine Idee: „Meine Frau ist ja brutal unbeliebt, niemand will sie, alle hassen sie, bitte bring ihr Image in Ordnung.“

        Genie studiert wieder, und studiert, und studiert und sagt dann: „Komm, zeig mir nochmals diese Karte.“

  • heidi reiff sagt:

    @ Partrick Tigri

    Sind Sie so bombensicher, dass Pornografie alle anzieht, ich mag die Basler Schnitzelbänke mehr – Menschen die auf die Schippe genommen werden auf humorvolle Art, ohne Zynismus ………

    I bi der Schorsch vom Hafebecki 2 ( freut mich, dass Frauen auch zugelassen werden in einer Clique zum Trommeln) oder die Lieder von Hannes Wader, – Völker aller LÄNDER EINIGT EUCH UND IHR SEID FREI -.

    Sex ist Privatsache wenn es um Erwachsene Menschen geht, in jeder Interaktion sind wir beteiligt, jeder Mensch hat doch das Recht, seinen eigenen Interessen nachzugehen, ich mag einfach Perversionen nicht, theoretisch bin ich gut informiert was Thema Sex betrifft. Wiederholungstäter resp. Sexmonster müssen verwahrt werden zum SCHUTZ von Menschen. Ob die therapierbar sind entzieht sich meinen Kenntnissen, da gehen die Meinungen auseinander. Die Mutter Natur ist neutral.

    • Katharina sagt:

      ich denke das ist am falschen ort.

      • Ja, sogar beim falschen Artikel…

        Wie auch immer, heidi, ich habe in Bezug auf Pornografie in den letzten Monaten ein recht differenziertes Bild entwickelt. Sie zieht natürlich nicht alle an, aber viele, sehr viele, und darum ist sie relevant. Was man an der lebendigen PorNo-Diskussion über den Text von gestern sehen kann, der zehn Mal mehr Reaktionen verursachte als jener von heute.

  • Monsieur de Hummel sagt:

    Eigentlich verabscheue ich diesen Ausdruck ja, weil er so inflationär verwendet wird. Aber dieser Beitrag ist einfach pseudo-intellektuell. Soll möglichst schlau klingen und sagt dennoch einfach praktisch nichts aus.

    Bei einer carte blanche sollte es m.E. nicht darum gehen, möglichst den Eindruck zu erwecken, intellektuell in anderen Sphären als der Ottonormalverbraucher zu wandeln. Das Resultat ist dann genau ein Text wie der vorliegende.
    Vermutllich wollte es der Autor ja einfach zu gut machen und bei seiner vielleicht einmaligen Chancen beweisen, dass er ein helles Köpfchen ist. Da eignet sich eine vermeintlich fundierte Gesellschaftskritik natürlich besser als ein Text über „Mami, wie geht ficken?“…

  • Katharina sagt:

    WO IST MEIN BEITRAG?

  • Globetrotterin sagt:

    @Redaktion:
    Weshalb dauert es jedesmal Stunden – wenn nicht Tage – bis meine Kommentare online stehen?

  • Katharina sagt:

    eine Diskussion ist sinnlos hier. dazu müsste differenziert geantwortet werden können. nur geht das nicht in kleinen Sätzchen.

    • Katharina sagt:

      aber eben. die Kurzversion meines Beitrages ist, dass ich den Artikel schwach finde.

    • Chris M. sagt:

      Einverstanden.
      Aber zu einzelnen Argumenten/Betrachtungen in 20 Sätzen müsste es doch reichen, oder? 🙂

      • Katharina sagt:

        ich schrieb dazu eine Annahme, dass die Länge eines Beitrages einen Einfluss darauf hat ob er direkt durch kommt oder nicht. anscheinend ist eine solche Diskussion unerwünscht, denn der Beitrag wurde entfernt. es gibt nirgends einen Hinweis, ob es dazu eine Regel gibt oder nicht. ich kann verstehen, dass eine Grenze gesetzt wird. nur sollte diese kommuniziert werden. das ist eben die Schwäche hier. eine Plattform, deren Geschäft im Grunde genommen Kommunikation ist, versagt gerade in diesem Punkt. Das hat nur zum Resultat, dass die Glaubwürdigkeit und Relevanz entsprechend klein betrachtet wird.

      • mila sagt:

        es gibt leute, die sich sorgen um diese plattform machen. nur können auch sie offenbar nicht alles auf einmal regeln. wir schweigen in zukunft demütig, und warten auf weitere instruktionen.

      • Chris M. sagt:

        Katharina
        ich habe den Einwand verstanden. Nur sind meine Beiträge hier weit über der durchschnittlichen Länge und von einer Beschränkung habe ich bisher noch nichts bemerkt. Ich kann dazu also keine negative Aussage machen – vielleicht bin einfach noch nicht lange genug hier beteiligt.

      • mila sagt:

        sie sind auch ein gutmensch, chris m. sie zählen nicht.

      • Katharina sagt:

        „weit über der durchschnittlichen Länge“ eben.

        mussten sie auf deren veroeffentlichung warten?

        sie koennne heute abend sehen, dass einige lange sofort durchkommen und andere kuerzere nicht, obwohl keine woerter verwendet wurden, die problematisch waeren.

      • Chris M. sagt:

        @mila (27. Februar 2011 um 00:30)

        Ein Gutmensch? Beim MAMAblog hätte ich erwartet, dass die MAMAs Vortritt haben! 🙂

      • Widerspenstige sagt:

        Bitte erwähnt dieses unsägliche Wort Gutmensch nicht mehr. Es stammt von der rechtsradiaklen Nörgelifraktion und soll das selbstlose Aufopfern und ehrenamtliche Leisten für die Gemeinschaft in den Schmutz ziehen. Ebenso soll der Sozialstaat perfid mit solchen Unwörtern in den Dreck gezogen werden. GUTE MENSCHEN WAREN NOCH NIE NEGATIV ZU WERTEN. Himmeltraurige Wortspielerei, die mir gehörig auf den Nerv geht.

      • Chris M. sagt:

        @Widerspenstige

        Gute Einwand: das Wort Gutmensch kommt aus dem falschen Vokabular.

      • mila sagt:

        ich muss schon in meinem berufsalltag andauernd auf den potentiell ideologischen gehalt der von mir verwendeten begrifflichkeiten achten. in meiner freizeit möchte ich manchmal einfach nur politisch unkorrekt sein. ich glaube kaum, dass ich deswegen einen ruf als SVP-stammwählerin erlangen werde.

      • Ich stelle dem negativ verwendeten Wort „Gutmensch“ das Wort „Schlechtmensch“ gegenüber, das ja demzufolge etwas Positives bezeichnen soll. Und dann wird der Widersinn schnell deutlich.

  • Katharina sagt:

    Eine Sammlung von geschickt verknüpften Zitaten. Ein Beispiel der neuen Art akademischer ,Verdienste’. Diese wurden neulich bei einem Abgänger einer deutschen Universität.

    Da ist Fachkenntnis doch etwas hoch gegriffen.

    Der zentrale Satz scheint dieser zu sein: „Doch diese Entwicklungen wären ohne das sozialstaatliche Sicherungsnetz bislang kaum denkbar gewesen“.

    Das ist Falsch. Die zwei Länder, die die Industrialisierung angeführt haben sind, Grossbritannien und dann vermehrt Amerika. Dieses ist genau das Land, das ein sozialstaatliches Sicherungsnetz immer und auch heute noch ablehnt. Der Erfolg dieses Landes spricht für sich.

    Der Artikel zeigt keine Vision auf. Die damit ausgedrückte Perspektivlosigkeit lässt den Kernsatz als leise Hoffnung interpretieren.

    Die Realität aber wird eher so sein, dass die Gesellschaft sich teilt. In wenige alles Habende, deren Güter- und Dienstleistungsbedarf dank der hohen Produktivität durch wenige gedeckt werden kann.

    Die grosse Masse ausserhalb wird so leben, wie das in den gerühmten neuen Wachstums-Ländern Asiens betrachtet werden kann. Als unterste Kaste. Entmenschlicht.

    • Hm, dieser Text ist lediglich einer von insgesamt vier Teilen, aus denen sich dann ein Gesamtbild ergibt. Das hiwr ist lediglich der Erste. Enden würde dann das Gesamte mit der Arbeitswelt der Zukunft, eingebunden in neue Lebensformen.

      Nur kann und will ich nicht alles gratis hergeben. Den Vergleich mit dem Deutschen finde ich unpassend.

    • Nein, eben nicht, mila. Das „Profil“ umfasst mittlerweile 150 fertige- und an die 300 Seiten Notizen.

      Das dürfte hier wohl kaum Platz haben…

      😉

      • mila sagt:

        kniffliche frage: wie bricht man einen solchen seitenumfang auf vier artikel runter… keine leichte angelegenheit, aber ein bisschen mehr anecken wird sicher drin liegen. :;

      • Die Frage ist gar nicht so knifflig, Mila: Frauen und Emanzipation machen zusammen gezählt 15 Seiten aus. Daraus vier zu destillieren, die zwar vieles, aber noch lange nicht alles Wesentliche enthalten, ist gar nicht so schwer. Der ganze Rest, der Wandel vom industriellen- zum Dienstleistungszeitalter zu beschreiben, ist erheblich schwerer. Vieles, was aus dem Zeitalter der Dampfmaschine stammt, erscheint uns heute so selbstverständlich, als ob es immer schon da gewesen wäre. Arbeit, die hat man einfach, keine Frage. In Rente gehen zu dürfen- keine Frage, völlig selbstverständlich. Fast Food, gerne manchmal. Die Wohnung heizen per Knopfdruck- ist dpch super, oder? Mit dem Auto noch schnell irgendwohin- kein Problem, etc. etc.

        Das alles spielt sich- selbstverständlich- praktisch alles zwischen Arbeit und Freizeit ab: Hier Arbeit (bezahlt), dort Freizeit (unbezahlt). Und zwischendurch steht noch der Sozialstaat, der, wie selbstverständlich, diese Strukturen noch zusätzlich festigt, weil er ja ebenfalls auf dieser industriellen Alltagsstruktur aufgebaut ist- und wie selbstverständlich davon ausgeht, dass das auch immer so bleiben wird.

        Nur ist das immer weniger der Fall, weder aus Perspektive des Arbeitsmarktes, noch aus Perspektive der Freizeit. Trotzdem tun alle so, als ob die 42-Stunden Woche in Stein gemeisselt wäre, genauso wie die 5-Tage Woche auch. Und wenn wir schon beim Thema Frauen und Emanzipation sind: Bei Scheidungen tobt im allgemeinen ein ewiger Kampf, wer jetzt mehr fürs Kind da gewesen ist- natürlich nicht der, der einer Erwerbstätigkeit nach gegangen ist, um die Familie zu ernähren, ergo zischt die Frau dann auch samt Kind und Haushalt- und nicht selten auch mit dem Geld des Mannes- ab, mit richterlichem Segen, versteht sich.

        Weil ja klar ist, dass die Erwerbsttätigkeit und der Haushalt offenbar zwei völlig verschiedene Grössen sind, die miteinander nichts mehr zu tun zu haben scheinen.

        Kurz: Es gibt offenbar nur Arbeit oder Freizeit. Das eine wird bezahlt, das andere nicht.

        Das Industriezeitalter war gleichzeitig die Geburtsstunde der modernen Arbeitsgesellschaft. Es wird langsam Zeit, dieses Gesellschaftsmodell grundlegend zu revidieren. Das bedingungslose Grundeinkommen wäre zum Beispiel ein möglicher Weg, die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit aufzulösen. Dass diese Grenzen sowieso wieder zunehmend fliessend werden, zeigt sich nur schon anahand der Tatsache, dass immer mehr Menschen mit ihren mobilen Kommunikationsgeräten von jedem beliebigen Punkt aus arbeiten können, Stichwort Digitale Bohėme. Kannst ja mal das Buch „Wir nennen es Arbeit“ von Sascha Lobo und Holm Friebe lesen:

        http://wirnennenesarbeit.de/index.html?nr=20060928113212

        Das ist ein guter Einstieg in die Welt von morgen!

      • mila sagt:

        das hat mir jetzt wesentlich besser gefallen, marcel. vor allem, da sarkozy (den ich persönlich einfach nicht ernst nehmen kann) als referenzgrösse fehlt. spannender wäre für mich allerdings die frage, wie du es mit der säkularisierung und dem modernen verwissenschaftlichungsprozess hältst – aber wir werden sicherlich bei gelegenheit darauf zurückkommen.

        bei der ‚unsichtbaren hand‘ stimme ich dir übrigens vollends zu. sie ist nämlich ein eben solches säkularisat, dass am ende nicht aufgeht.

      • mila sagt:

        das. immer dieses s zuviel.

  • Erich sagt:

    Zugegeben, der heutige Text kommt mir etwas trocken herüber und ich weiss nicht recht, was ich damit anfangen soll. Interessant finde ich aber, dass die Post abgeht bei einem völlig emotionalisierten Quatsch (es ging eigentlich nie wirklich um M. Binswangers Text, s. gestriges Thema). Und hier, wo’s eigentlich um tieferschürfende Überlegungen ginge, herrscht Flaute.

    • Tja, Porno zieht alle an. Das hat mit Marcels Text nichts zu tun.

    • Chris M. sagt:

      Warum soll das überraschen?

      Den Emotionen freien Lauf lassen war doch schon immer einfacher und billiger als nachdenken. Zudem kommen hier die reflexartigen Sticheleien mit den ewiggleichen Leerformeln nicht zum Zuge und schon fällt 2/3 des Verkehrs weg.

    • mila sagt:

      also, ich persönlich finde, männer sollen von zeit zu zeit völlig ungestört unter sich diskutieren können, so ganz ohne unnötige emotionalisierungen und so… und dann beklagen sie sich über das fehlende publikum – wie passt das denn zusammen? o mei o mei.

      der text ist zu glatt poliert, um geballten diskussionsstoff zu bieten – sorry, marcel.

  • Greatsheep sagt:

    Die De-Industralisierung hier im „Westen“ gab und gibt es nur solange die Produktion + Transport von einem anderen Ort günstiger ist. China und andere Länder werden nicht ewig billigst produzieren können (Umweltschäden, steigender Wohlstand, Ausbau der Infrastruktur etc.). Und der Transport (Globalisierung/Arbeitsteilung) blüht und blühte solange das Fass zu $5 – 10 zu haben war. Auch das fällt über kurz oder lang eher auf den Bauch und die „Industrie“ kommt zwangsläufig wieder näher zum Verbraucher.
    Was Frau oder Mann damit zu tun hat bleibt mir schleierhaft. Auf die Knöpfe im Stahlwerk zu drücken oder einen haushohen Bauxit-Laster mit Servo-Lenkung zu steuern braucht es keine Muskelpakete mehr.

    • Orlando S. sagt:

      Interessante Gedanken. Die Industrie kommt um Verbraucher zurück. Srukturrückwandel.

    • Chris M. sagt:

      Ist es wirklich so einfach?

      Klar, steigende Transportkosten begünstigen lokale Produktion. Kein Zweifel.

      Aber beachten wir doch den tiefergehenden Wandel. Die Schwerpunkte der Entwicklung, die Machtzentren haben sich in der Geschichte immer wieder verschoben (vereinfachte, unvollständige Aufzählung: von Agypten nach Griechenland, nach Rom, nach Arabien, nach Spanien, nach England, nach USA, …). Im Augenblick ist eine weitere Verschiebung nach China und Indien im Gange. Solche Verschiebungen haben mit dem wirtschaftlichen Gewicht und dem Wohlstand zu tun. Wir werden die Folgen davon noch zu spüren bekommen (oder besser: es wird unsere Kinder treffen, die vielleicht mal Chinesisch statt Englisch lernen werden).

      Damit die Produktion in grossem Umfang wieder zurückkommen kann, braucht es entsprechenden grossen Konsum. Durch die Verlagerung des wirtschaftlichen Geschehens in den Osten, ist aber bei uns das verfügare Einkommen dafür vielleicht nicht mehr so gross. Vergleich: vor hundert Jahren war England bzw. UK eine Weltmacht, heute spart sich die Regierung zu Tode. Und wohin gehen die Einkommen? Nach unten. Und wohin ging die Währung? (Ich habe in der Schule noch mit einem Kurs von 12-13 Franken für ein Pfund Währungsumrechnungen geübt!)

      Früher war die Schweiz ein armes Land (Zu Zeiten Pestalozzis wurden Kinder auf die Wiesen geführt um Gras zu essen und man versuchte Brot zu backen mit Zutaten wie Baumrinde, um 1870 herum hat der Zar von Russland Getride gespendet um ein Hungersnot in der Schweiz zu bekämpfen, usw.). Unser „Hauptexportprodukt“ waren Menschen (Söldner und Käser/Melker).
      Ohne natürlichen Reichtum (Bodenschätze) müssen wir uns ganz schön anstrengen, wenn wir nicht wieder dort landen wollen.

      • Frank Baum sagt:

        @Greatsheep: Dass die Industrie im grossen Masse zurück kommt, bezweifle ich – unabhängig von den Transportkosten. Ich denke eher, dass der Anteil der Industrie an der wirtschaftlichen Leistung weltweit abnehmen wird. Das gleiche ist ja mit der Landwirtschaft geschehen. Wir werden in Zukunft einen grösseren Teil unseres Einkommens für Dienstleistungen ausgeben als für industriel vrarbeitete Güter – selbst wenn der Wohlstand der Chinsesen und Inder sich an unseren Standard eingleichen wird. Es kann zwar durchaus sein, dass unser Anteil an der gesamten Industrieproduktion weltweit wegen höheren Löhnen in den Schwellenländern und höheren Transportkosten wieder etwas ansteigt. Wir werden aber trotzdem bestenfalls ein grösseres Stück von einem kleineren Kuchen erhalten.

        @Chris M.: Das wirtschaftliche Geschen verlagert sich dort hin, wo das Wachstum erwartet wird. Momentan verlagert es sich nach Cina und Indien, weil eben Nachholbedarf und Bevölkerungswachstum besteht. In unseren Kreisen besteht weder ein Nachholbedarf und erst recht kein Bevölkerungswachstum. Im Gegenteil: wir stergen ja aus und zwar schneller als die Bevölkerung von sonst einem Erdteil. Dieses Schrumpfen wird auf lange Zeit hinaus ein schmerzhafter Prozess – so ähnlich, wie er jetzt in England bereits eingesetzt hat. Ich halte die Wirtschaftspolitik Cameron’s zwar für falsch, aber mittelfristig werden wir uns mit Sparen und Sanieren als Dauerthema anfreunden müssen. Ich bin allerdings nicht so pessimistisch, was unsere Aussichtlich hinsichtlich unseres Pro-Kopf-Einkommens im weltweiten Vergleich angeht. Das wird wahrscheinlich auf absehbare Zeit hin im weltweiten Vergleich sehr hoch bleiben.

  • Cesc sagt:

    Herr Zufferey, Ihr Artikel sagt in meinen Augen eigentlich nichts wirklich falsches aus, aber auch nichts wirklich neues. Dass wir uns in einem Wandel befinden, ist klar. Aber die Gesellschaft befindet sich immer im Wandel. Die Rezepte von gestern gelten heute nicht mehr, das ist richtig, ja, aber es war schon immer so.
    Und ob dieser Wandel tatsächlich so schnell stattfinden, wie sie sagen, bezweifle ich. Denn für den gesellschaftlichen Wandel sind trotz aller Technologie immer noch die Menschen zuständig. Leider ist es so, dass jeweils nur eine Minderheit der Menschen fähig ist, innovativ zu denken und neue Wege zu versuchen. Der grosse Rest bleibt dagegen stehen oder orientiert sich rückwärts.

  • Orlando S. sagt:

    Ja, klar, Herr „Fachblogger“, wir sollten für alle Fälle schon mal sämtliche Familien. und soziale Strukturen auflösen und alternative, möglichst unbürgerliche, Lebensformen einrichten, damit wir für eine wie auch immer geartete postmoderne Zukunft dann auch gewappnet sind…?

    Dass ihr Begriff „bürgerliche Kleinfamilie“ unsauber ist (weshalb Sie ihn auch nicht herleiten in ihrem histörlichen Text), habe ich Ihnen schon früher gesagt. Das ist die Schwachstelle. Vater, Mutter, 2 Kinder diese Form hat sich erst sehr spät durchgesetzt (Geburtenkontrolle) und auch nur in der ersten Welt. Man könnte auch argumentieren: die Familiengrösse pendelt sich dort ein, wo ein mittelständisches Gehalt das „Projekt“ finanzieren kann.

    Welche anderen Formen meinen sie denn?

    – die Sippe, der Clan
    – der mittelalterliche Herd und Hof mitsamt allen Knechten und Mägden
    – die Biedermeier-Grossfamilie (die ich favorisieren würde!)
    – etwas utopisches, wie etwa in Huxleys „Brave New World“

    Muss ich jetzt wieder anmerken, dass die Familie basierend auf einer Ehe zwischen einem Mann und einer Frau und mit einer variablen Anzahl gemeinsamer Kinder eine ANTHROPOLOGISCHE und zivilisatorische KONSTANTE darstellt und zwar in sämtlichen Kulturen und Erdkreisen.

    Es hat nichts mit Traditionalismus oder Konservatismus zu tun: selbst im modernen, „aufgeklärten“, individualistischen, digitalen, Dienstleistungszeitalter wählt die überwiegende Mehrheit dieses Modell.

      • Orlando S. sagt:

        Haben sie noch was anderes drauf als Marx&Engels un dann noch via Wikipedia?

      • Cesc sagt:

        Netter Versuch, aber obwohl ich Ihnen teilweise Recht geben würde, gehe ich davon aus, dass Orlando kaum eine Klassifikation Engels‘ als Argument akzeptieren wird 😉

      • Monato Roddenberry sagt:

        Engels hin oder her, lesen wird er schon können.

      • Frank Baum sagt:

        @Roddenberry: Sie stochern da auf der Müllhalde der Geschichte herum. Für das 21. Jahrhundert auf jeden Fall nicht geeignet.

      • Katharina sagt:

        ddr nostalgie.

      • Chris M. sagt:

        @Frank Baum:
        andere argumentieren erfolgreich mit Adam Smith (Markttheorie) und der ist noch viel älter! Alter ist kein Qualitätskriterium.

      • Frank Baum sagt:

        „Diese von Smith abgeleiteten Theorien wurden doch zum Schlagwort verdichtet “Der Markt regelt alles!”. und das wiederum wurde zum Vorwand für den Frontalangriff auf den Staat genommen. Neoliberalismus lässt grüssen.“

        Das stimmt nur teilweise. Es ist richtig, dass der liberitäre Ansatz in der Ökonomie (also: „Der Markt regelt alles“) sich oft auf Adam Smith beruft, auch wenn man diese Aussagen nicht aus den Theorien von Adam Smith ableiten kann. Der springende Punkt ist: Adam Smith hat Bedingungen genannt, unter denen diese „invisible Hand“ im Allgemaininterese eingreift und diese Bedingungen werden von liberitären Ökonomen unterschlagen. Im Gegensatz dazu hat sich dei Forderung nach der Verstaatlichung der Produktionsmittel unabhängig aller aller Rahmenbedingungen erledigt.

        Wie in meiner Antwort an Zufferey erläutert, ist es eine Frage, ob man für gewisse Problemstellungen die Aussagen der Macroökonomie heranzieht oder eben versucht, Aussagen aus der Micorökonomie zu verwenden. Ein entscheidender Punkt hier ist die Einstellung gegenüber der Effizienz der Märkte und der Möglichkeit, dass eben Preisblasen entstehen können oder nicht (sie entstehen, ist die kurze Antwort).

        Ein anderer Punkt behandelt die Frage der ungleichen Verteilung der Güter (oder EInkommensgerechtigkeit). Die Revolution von Reagan (und als Revolutiuon kann man es durchaus bezeichnen) hat ja zur Behauptung geführt, dass Einkommensverteilung nicht wichtig ist, da ja eine steigende Flut alle Boote erfasst. Diese „raising tide“ hat zwar alle Boote erfasst, aber dies halt in einem derart ungleichen Ausmass, dass es doch nicht akzeptabel ist. Obwohl der Gini-Faktor (der die EInkommensverteilung erfasst) weltweit in den letzten 20 Jahren gesunken ist, ist er z.B. in den USA gestiegen (aber in Brasilien interessanter Weise gesunken). Der Economist hatte zu diesem Thema vor 2..3 Wochen eine interessante Sonderausgabe.

        In einem Punkt bin ich aber ganz Ihrer Meinung: Die Konsequenzen, die wir wirtschaftspolitisch aus der Finanzkrise ziehen – und die insbesondere die USA aus der Krise ziehen – sind sehr bescheiden. Die „great Depression“ vor 70 Jahren hat zu wesentlcih weitreichenderen Reformen geführt und damit die Grundlage für eine stabile wirtschafliche Entwicklung nach dem 2. WW gelegt. Die Massnahmen, die heute ergriffen werden, greifen deutlich zu kurz. Wir riskieren, nochamls in einer vergleichbare Krise zu stolpern, die evt. noch weitere Kreise ziehen könnte, als die Krise, die wir eben überstanden haben.

        Auch diese Aussagen lassen sich mit den gänigen volkswirtschaftlichen Modellen machen, ohne die Microökonomie oder Adam Smith zu verwerfen.

    • Ich wusste, dass Du mit diesem Absatz Familie Mühe haben wirst. Nichtsdestotrotz: Die von mir umschriebene bürgerliche Kleinfamilie, d. h. die Familie

      – in der einer, der Mann im allgemeinen, für das Familieneinkommen zuständig ist

      – und der andere Part für den Haushalt,

      – die Kinder alleine von der Mutter (oder den Verwandten) gepflegt wird,

      ist de facto am Aussterben. Doch das ist noch nicht alles. Die Familie,

      – die ein Leben lang hält, weil sie

      – mit kirchlichem Segen geschlossen wurde

      stirbt auch zweifellos aus. Und die Familie, in der beide Partner zum ersten Mal verheiratet sind (waren), gehört ebenfalls der Vergangneheit an, Ehen werden von vielen Menschen mittlerweile mehrfach, d. h. nach einer Scheidung gleich noch einmal (mit einem neuen Partner, versteht sich) geschlossen, womit wir bei der von Dir so viel verachteten Patchworkfamilie sind. Nach der Scheidung ist vor der Scheidung, liesse sich hier zynisch einwenden.

      Die von der Kirche abgesegnete Ehe gibt es in dieser Verbreitung auch noch nicht lange: Grosse Teile der Menschen unterlagen bis weit ins 19. Jahrundert hinein dem Heiratsverbot, auch und vor allem auf dem Gebiet Preussens beispielsweise.

      So, und nun können wir uns lediglich noch über die Ausgestaltung der von Dir immer wieder ins Feld geführten, „anthropologischen Konstante“ streiten. Eine klare Definition derselben von Dir fehlt mir bislang noch, Orlando. Meine Definition hingegen dürfte mit dieser Antwort einigermassen vollständig sein. Was ich vieleicht noch vergessen habe: Heterosexualität als Norm für die Gründung einer Familie entfällt auch zusehends- doch das ist ja für Dich etwas „Gruusiges“, was ein insgesamt äusserst bemerkenswerter Standpunkt ist, cor allem aus Sicht der Toleranz…

    • Orlando S. sagt:

      Haha, und sie liefern sich selber ihre Gegenargumente! Haben sie den Text nicht gelesen, gell?

      The social revolution which Engels believed was about to happen would eliminate class differences, and therefore also the need for prostitution and the enslavement of women. If men needed only to be concerned with sex-love and no longer with property and inheritance, then monogamy would come naturally.

      Die Revolution des Proletariats führt geradewegs in die monogame Zweierkiste auf der Basis von Liebe und Sex.
      Das erinnert doch stark an unsere Zeit, nicht?

      Noch fragen? 😀

      • Frank Baum sagt:

        @Chris M.: Ich geb Ihnen Recht, dass das Alter einer Theorie noch nichts über deren inhaltlichen Wert aussagt. (Das habe ich ja auch weiter oben zum BIP als ökonomisches Mass gesagt). Die Arbeiten von Adam Smith sind zwar älter als die Arbeiten von Engels und MArx. Adam Smith bildet aber auch heute noch die Basis der Micorökonomie. Die Arbeiten von Marx und Engels werden aber von keinem seriösen Ökonomen in Betracht gezogen. Der Kommunismus ist im 20.Jahrhundert ebenso gescheitert wie der Nationalsozialismus und hat dabei noch mehr Tod und Elend über die Menschen gebracht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass eben in den Abeiten von Marx und Engels schwerwiegende Fehler sind. Die Menschen ticken ganz anders als sich das Engels und Marx vorgestellt haben.

        Es gibt aber ewiggestrige Altkommunisten, die immer noch daran festhalten – und Roddenberry scheint so einer zu sein. Der stochert dann eben auf dem Müllhaufen der Geschichte herum.

      • Globetrotterin sagt:

        Warum muss denn immer die Ökonomie das Mass aller Dinge sein?

      • Chris M. sagt:

        @Frank Baum

        Den gescheiteren unter den Ökonomen dämmert’s langsam, dass ihre Theorien auf fundamentalen Irrtümern beruhen, schon seit mindestens 200 Jahren. Ausdruck dieser Irrtümer sind nicht zuletzt die letzten Krisen und die damit zusammenhängenden „Prognosen“ der Ökonomen.

        Eigentlich müssten sämtliche Freidenker und Agnostiker unter den Ökonomen mit ihrem Irrglauben an die „unsichtbare Hand“ vor Scham erröten. 🙂

      • Cesc sagt:

        Frank Baum: Ihnen ist aber wohl bewusst, dass Adam Smith genauso wenig wie Marx / Engels die alleinige Wahrheit in der Mikroökonomie ist, schliesslich lebt jeder Disziplin vom Disput zwischen den einzelnen Strömungen, und die Smith’sche ist nur eine von vielen.
        Zudem sind im Kontext von M. Zuffereys Artikel eher Fragen der Makro- als der Mikroökonomie zu beachten.

      • mila sagt:

        weil es halt eben so ist, globetrotterin. das wissen sie doch. dürfen wir uns übrigens duzen?

      • Frank Baum sagt:

        @Globetrotterin: Die Ökonomie muss nicht das Mass aller Dinge zu sein. Kein Ahnung, wie Sie darauf kommen. Es ist aber ein Mass. Man kann meinetwegen auch andere Masstäbe heranführen. Sie müssten dann aber auch nachvollziehbar sein, wenn sie für eine seriöse Diskussion etwas taugen sollen.

      • Orlando S. sagt:

        Was denn sonst, Globetrottel? Östrogen?

      • Frank Baum sagt:

        @Cesc: Der Ausgagngspunkt des Diskussion um Adam Smith war ja Chris M.’s Statement, dass Adam Smith’s Arbeiten älter sind als die von Marx / Engels. Das ist unbestritten so, will aber nichts über die Aussagekraft der jeweiligen Theorien sagen.

        Adam Smith ist nicht die einzige Grundlage der Microökonomie aber doch ein bedeutender Beitrag. Insbesondere – und das war mein springender Punkt zu Adam Smith – sind seine wesentlichen Aussagen auch heute noch gültig in der Microökonomie (wohingegen Engels/Marx weder in der Micro- noch in der Macroökonomie mehr Beachtung finden).

        Adam Smith wird sehr oft von liberitären Ökonomen (also Vertreter der österreichischen Schule um Schumpeter und von Mises) bemüht. Von diesen Leuten wird er meistens nur unvollständig wieder gegeben: Adam Smith hat nicht nur von „the invisible hand“ gesprochen sondern auch von Bedingungen, die gegeben sein müssen, damit die „invisible hand“ eingreift bzw. damit die „invisible hand“ in einer Art und Weise eingreift, die im Sinne des allgemeinen Wohlstandes ist. Diese Bedingungen werden von den heutigen Anhängern der östrreichischen Schule meistens unterschlagen.

        Herrn Zufferey’s Artikel bezieht sich hauptsächlich auf Makroökonomische Themen (so z.B. auf die Frage der Definition des BIP’s). Mir ging es um eine Auseinandersetzung mit Marx / Engels.

      • Die unsichtbare Hand ist wahrscheinlich nur deshalb unsichtbar, weil es sie gar nicht gibt, Herr Baum. Und das ausgeprochen theoretische Konstrukt des Homo Oeconomicus ist nicht viel mehr, als eine Fata Morgana, die von ein paar Rationalisten unter dem Eindruck der Dampfmaschine hervorgerufen worden ist, frei nach dem Motto: Dampf, Zahnräder und Transmission- damals noch mit Lederriemen- das ist ein Funktionsprinzip, dass sich nahtlos auf das menschliche Verhalten übertragen lässt.

        Was nachweislich ein Irrtum gewesen ist. Davon auszugehen, der Mensch sei lediglich ein nutzenoptimierendes Tier, ist ganz schön vermessen. Wenn wir schon auf dem Müllhaufen der Historie herum grübeln wollen.

      • Frank Baum sagt:

        @Chris M.: Gerade die jetztige Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass es sehr wohl eine Volkswirtschaftslehre gibt, der wir unseren Wohlstand verdanken. Immerhin konnte dank dem Eingreifen der Institutionen Schlimmeres vermieden werden. Die Ökonomie ist sicherlich keine Wissenschaft, die Prognosen erlaubt, sowie man mit der Mechanik das Schwingen eines Pendels berechnen kann. Man kann aber Aussagen zu wirtschaftsplotischen Fragen machen und das geschieht ja auch in unserm politischen Betrieb sowie in der Handhabung unserer Geldpolitik. Weil wir dies tun und weil wir dies mit den Erkenntnissen der Volkswirtschaftslehre tun können wir in Stabilität und Wohlstand leben. Es erlaubt uns auch, Erfahrungen über vergangene Entscheide und deren Auswirkungen zu sammeln und daraus Schlüsse zu ziehen. Nur ein Narr würde darauf verzichten.

        @Zufferey: Ihr Spruch zur unsichtbaren Hand kommt von Stieglitz. Sie sollten dabei nicht vergessen, wieso er diesen Satz geprägt hat und gegen wen er sich richtet. Steiglitz und Krugman sind ja im Spektrum der Ökonomen wehemente Verfechter der Lehre von Keynes. Sie stellen sich damit vor allem gegen die Lehren der „österreichischen Schule“, also den liberitären Ansatz. Das Statement richtet sich somit eher gegen den Versuch, die Microökonomie auf Fragen anzuwenden, die mit der Macroökonomie zu beantworten sind. Beide würden Ihnen aber versichern, dass Marx und Engels auf der Müllhalde der Geschichte gelandet sind und „die unsichtbare Hand des Marktes“ aber nicht. Immerhin regelt sie grosse Teile unserer wirtschaftlichen Interaktionen sehr effizient. Alle andere Methoden, den Austausch von Gütern und Dienstleistungen zu regeln, haben jedenfalls wesentlich schlechtere Resultate gezeitigt.

        Ebenso verhält es sich im Übrigen mit dem Model des Homo Öconomicus als Grundlage der Microökonomie. Niemand hat je behauptet, die Menschen mit dieser Vereinfachung treffend zu beschreiben. Es ist aber eine Beschreibung, die erstaunlich gute Resultate liefert, wenn man das Verhalten beim Austausch von Gütern und Dienstleistungen untersuchen will. Bevor man sich über ein Model lächerlich macht, muss man sich vor Augen halten, was es denn eigentlich erklären soll. Das ist die Grundlage für alle wissenschaftlichen Fragestellungen. Das Model des Homo Öconomicus soll des Verhlaten beim Austausch von Gütern und Dienstleistungen beschrieben und nicht das Verhalten von Leuten in allen erdenklichen Lebenslagen.

        Das grösste Manko dieses Modelles ist im Übrigen nicht so sehr die Behauptung, dass Menschen ihre „Utility“ optimieren. Das tun sie im grossen und ganzen sehr zuverlässig – jeder auf seine Art. Das Model des Homo Öconomicus unterschlägt aber die Interaktion der Menschen beim Austausch von Gütern und Dienstleistungen. Insiderwissen und vor allem Herdenverhalten werden nicht berücksichtigt. Dieser Fehler in der Modellierung kann aber graviernde Auswirkungen haben, da es die Möglichkeit von Preisblasen unterschlägt. All das ist bekannt und wird in der Macroökonomie behandelt – und jetzt streiten sich eben Keynesianer und Verfechter des liberitären Ansatzes. Diese Diskussion schränkt die Verwendung des Modelles des Homo Öconomicus ein aber nicht aus.

        Man kann gerne behaupten, dass wir in eine neue Zeit schreiten, die auch neue ökonomische Ansätze oder Antworten fordert. Ich bin überzeugt, dass wir weitere Fortschritte machen können und freue mich über jede neue Idee. Wenn man das will, sollte man aber auch mit belastbaren und nachvollziehbaren Ansätzen kommen, bevor man die bestehenden Modelle verwirft. Das hatten wir ja schon bei der Definition des BIP. Der Club of Rome hat schon vor 40 Jahren die Grenzen aufgezeigt (andere auch) und händeringend nach einer Alternative gesucht. Herausgekommen ist nichts.

        Es wird uns also nichts andere übrig bleiben, als wirtschaftliche Fragen mit bisherigen Methoden zu durchleuchten. Natrülich können wir auch hingehen und solche Fragen gar nicht mehr durchleuchten. Die Chancen sind dann aber gross, dass wir einfach unsere Fehler wiederholen. Wenn wir uns das im 21. Jahrhundert wirklich erlauben, weden wir es kaum überstehen.

      • Chris M. sagt:

        @Frank Baum

        Diese von Smith abgeleiteten Theorien wurden doch zum Schlagwort verdichtet „Der Markt regelt alles!“. und das wiederum wurde zum Vorwand für den Frontalangriff auf den Staat genommen. Neoliberalismus lässt grüssen.

        Beginnen mit Reagan wurden dann allerhand Schranken und Regeln aufgehoben – das Resultat versuchen wir immer noch irgend wie zu verarbeiten: Gier, Exzesse, faule Papiere, marode Banken, Staaten die durch Hilfe an marode Banken am Abgrund stehen (Irland, Island), usw. Dazu wird die soziale Kluft wieder zunehmend grösser: working poor, Mittelstand unter Druck und abnehmend, eine kleine Minderheit in Saus und Braus. Vielleicht kommt es wieder zum Konflikt zwischen dem neuen Proletariat und den Boni-Abzocker? (Dann wären wir gar nicht mehr weit von Marx/Engels). Die Chancen dafür steigen, wenn die Schere immer weiter aufgeht – allzu grosse Ungleichheiten sind gefährlich für die Gesellschaft und die Demokratie.

        Auf alle Fälle waren diese Neoliberalen und Marktanhänger vor 2 Jahren ganz froh um die Hilfe vom Staat – und kaum hat der Staat den Schlamassel übernommen, wollen sie vom Staat nichts mehr wissen. Unter „lernfähig“ verstehe ich etwas anderes.

      • Monato Roddenberry sagt:

        „Die Arbeiten von Marx und Engels werden aber von keinem seriösen Ökonomen in Betracht gezogen“

        Wenn sie erkennen warum sie sich mit dem Satz über ihre eigene Urteileskraft lustig machen lade ich sie auf ein Bier ein.

  • Monato Roddenberry sagt:

    Soso die 42 Stunden Woche und der Sozialstaat ist „auch ein Produkt von Industrialisierung“. Mit dem Produktbegriff erschlägt man keine Kuh mehr.. Ursache ist damit in die andere Richtung nicht mehr gemeint. Ich wollte sie gerade schelten, dass sie die sozialen Verbesserung in Totalabstraktion vom Klassenkampf als immanenten Fortschritt der Arbeitsproduktivität beschreiben, aber dann ist mir aufgefallen, dass sie mit „auch Produkt von“ eigentlich ziemlich gar nichts mehr behaupten.

  • Chris M. sagt:

    @Pippi & ELA
    Aus der Feststellung, dass tausende von Industriearbeitsplätzen veloren gingen, folgt nicht, dass es keine Industrie mehr braucht!

    Folgern könnte man, dass Industrien verlagert wurden in Gegenden mit tieferen Löhnen. Was geschieht, wenn in jenen Gebieten die Löhne auch steigen (wie z.B. heute in China)? Was bedeutet das für das BIP der Schweiz, wenn in der Schweiz immer weniger real produziert wird? wenn nach den Industrien auch die Dienstleistungen verlagert werden (Informatik nach Indien, Banken nach Singapur und Honkong – es hat schon begonnen)?

    Folgern könnte man, dass dadurch die Anforderungen an Arbeitnehmer geändert haben. Die Rolle der Körperkraft nimmt ab, andere Fähigkeiten werden wichtiger. Was geschieht mit Menschen, deren Fähigkeiten nicht mehr gefragt sind?

    Damit gab es auch andere Änderungen: Haushalt ist keine Vollzeitstelle mehr: es sind nicht mehr 8-12 Kinder da, Wäsche muss frau nicht mehr kochen, einseifen, schruppen, winden, aufhängen,…. Kartoffeln muss frau nicht mehr pflanzen, giessen, ernten, lagern, waschen, schälen, schneiden, kochen, …. vieles wird als Fertigprodukt geliefert, von Maschinen erledigt, usw. Daraus folgt, dass bei den Hausfrauen Kapazitäten frei wurden. Wie werden die Lasten neu verteilt? Auch dieser Prozess ist schon seit einiger Zeit im Gange.

    .

    Die Schlussfolgerungen müssen offenbleiben, da Patentrezepte fehlen. Es gibt höchsten Anstösse, woran wir denken sollen, wenn wir von der Entwicklung nicht überrannt werden wollen. Wohin es letztlich geht? – solche Prognosen sind weit weniger zuverlässig als jene der Meteorologen – würfeln ist gerade so gut!

    Eine Richtung wäre unsere Stärken zu pflegen. Dazu gehören Bildung (noch) und Infrastruktur, soziale Errungenschaften wie sozialer Frieden, Willen zum Ausgleich, Kompromissbereitschaft. Leider sind alle diese Stärken in Gefahr weil wir nicht mehr die nötigen Mehrheiten aufbringen um sie zu pflegen (das würde Steuergelder kosten und Steuern müssen gesenkt werden um jeden Preis, sagt man).

    • Cesc sagt:

      „Eine Richtung wäre unsere Stärken zu pflegen. Dazu gehören Bildung (noch) und Infrastruktur, soziale Errungenschaften wie sozialer Frieden, Willen zum Ausgleich, Kompromissbereitschaft. Leider sind alle diese Stärken in Gefahr weil wir nicht mehr die nötigen Mehrheiten aufbringen um sie zu pflegen (das würde Steuergelder kosten und Steuern müssen gesenkt werden um jeden Preis, sagt man).“

      So ist es! Sie werden mir immer sympathischer, Chris.

    • E.H. Roth sagt:

      wir haben nicht mehr die grossen Produktions-floors stimmt. Vieles wurde mit nach Asien ausgelagert. Wir sollten aber nicht vergessen, dass unser KMU ( ca. 80% der CH-Unternehmungen) gerade in der Spezialfertigung von Industriegüter eine spitzen Position in der Welt einnimmt und dies in allen Branchen. Wir sind da Top.

      • Chris M. sagt:

        Es gab in Europa KMUs, die waren Weltspitze in Solartechnik und Windkraftwerken. Die lieferten sogar nach China und begannen in China Fabriken aufzubauen. Jetzt haben sie die Weltspitze an China verloren.

        Was machen wir, damit es uns nicht gleich ergeht? Die grossen Volumen werden in Zukunft in China und Indien produziert und konsumiert. Europa und der Schweiz bleiben (eventuell) Nischen und dazu Teile der Produktion für den kleinen lokalen Bedarf. Sind wir in der Lage, diese Nischen zu halten?

        Vergessen wir nicht, hier kämpfen wir mit einem Mangeln an Ingenieuren, weil unser Jungen es cool finden Politologie, Psychologie und Soziologie zu studieren, während in China und Indien Heerscharen von Ingenieuren und Technikern ausgebildet werden. Können wir in Zukunft die Produkte der Politologen, Soziologen und Psychologen verkaufen? Wer ist Abnehmer?

      • mila sagt:

        china und indien. weil ihnen eben früher oder später diese fachleute fehlen. auch wenn man heute glaubt, generell auf geistes- und sozialwissenschaftler verzichten zu können, ist dem nicht so.

      • Lina sagt:

        Ja, Katharina. Klar. Die Unschärferelation…

        Hier in der „ursprünglichen Fassung“, herrlich heiter gemacht:

        http://www.youtube.com/watch?v=k3iiYpc57LE

      • Lina sagt:

        Wo bin ich jetzt gelandet? Staun. – Egal.

    • Ihre Kommentare gehen in die Richtung, die ich ursprünglich beabsichtigt habe.

      Wir müssen uns angesichts des fortlaufend schrumpfenden Arbeitsangebots in den westlichen Industrienationen auch langsam fragen, was wir in Zukunft alles unter dem Begriff Arbeit zusammenfassen- und wie wir Arbeit, auch und vor allem die sog. „Gratisarbeit“, honorieren wollen. Die Aufteilung in eine Produktiv- und in eine Reproduktionsspähre wird angesichts der zu erwartenden Entwicklungen immer schwieriger fortzuführen sein. In den BIP-Statiken wird zum Beispiel nur der Teil aller Arbeiten und Tätigkeiten in einer Volkswirzschaft erfasst, die in Geldwerten messbar sind. Alles, was sich ausserhalb der Produktionssphähre abspielt, spielt bis dato offenbar keine Rolle. Man darf nicht vergessen, dass BIP-Statistiken auch eine okonometrische Methode sind, die im Verlaufe der Industrialisierung entwickelt wurden. Doch diese Betrachtungsweise greift im allgemeinen zu kurz.

      • Orlando S. sagt:

        Das ist einfach zu schwammig, Zufferey!
        Was ist ihre Schlussfolgerung?
        Worauf wollen sie ganz konkret hinaus?

        Schreiben sie es sich doch einfach von der Leber! Nägel mit Köpfen! Frisch gewagt ist halb gewonnen!

      • Frank Baum sagt:

        Die BIP-Statistiken haben einen Vorteil: sie sind messbar. Deswegen werden sie auch genutzt. Die Grenzen sind hinreichend bekannt. Die 68er haben ja schon vor einer Generation versucht, alternative Messmethoden für wirtschaftlcihe Leistungen („External Cost“, etc.) zu definieren und einzubringen. Gelungen ist es leider nicht. Es ist auch kein seriöser Ansatz sichtbar. Egal wie alt die Messgrösse ist, wird man sich wohl auf absehbare Zeit hin damit zu Frieden geben müssen.

        Wieso die Monetarisierung von Eigenleistungen in Anbetracht unserer Alterspyramide einen Vorteil bringen soll, ist alles andere als klar. Sie geschieht aber dann von alleine, wenn man diese Leitungen durch Dritte erbringen lässt, was in Zukunft wahrscheinlich von alleine geschehen wird. Ansonsten ist wohl nur mit einem massiven bürokratischen Aufwand zu haben.

      • Orlando, da die Kommentare hier neuerdings nach Belieben frei geschaltet werden, was eine zeitnahe Diskussion völlig verunmöglicht, da man Gefahr zu laufen droht, von den eigenen Antworten bei der gerade eingegebenen überholt zu werden, nur so viel:

        Dieser Text ist einer von insgesamt Vieren. Dieser ist lediglich der Erste, der im Grundsatz nur zum Ziel hat, die industriell geprägten Strukturen im 21. Jahrhundert zu hinterfragen, rudimentär natürlich, was halt eben so Platz in einem solchen Beitrag, der nicht mehr als zwei geschriebene A4 Seiten umfassen sollte. Was alles ist eine Folge der industriellen Epoche? Kürzer wäre es zu fragen, was alles nicht der Zeit der industriellen Revolution entsprungen ist, was unsere Lebens- und Arbeitsverhältnisse anbelangt. In der Zeit der industriellen Revolution haben sich u. a.

        – der heutige Eigentumsbegriff,
        – die kategorische Trennung von Arbeits- und Wohnstätte,
        – die Arbeitsteilung als Kernelement der industriellen Produktionsweise
        – die von mir weiter unten haarscharf definierte, bürgerliche Kleinfamilie,
        – die sozialen Sicherungssysteme (deren wichtigste Elemente noch von Bismarck stammen),
        – die Säkularisierung oder der Sieg der Naturwissenschaften,
        – das von mir bereits erwähnte Rechts und Links in der Politik,
        – die Herausbildung gänzlich neuer Gesellschaftsschichten,
        – das Staatswesen als politisches Gebilde und Regulativ,
        – etc. etc. etc.

        herausgebildet. Die Liste liesse sich übrigens beliebig erweitern, wenn nötig bis hin zur Verrichtung der Notdurft, die sich in den letzten 150 Jahren ebenfalls verändert hat- ausser man beliebt, immer noch mit dem Topf zu Bett zu gehen.

        Was natürlich für einen „reflektierten Konservativen“ durchaus einen gewissen Reiz haben dürfte, nicht?

      • mila sagt:

        bei den bezeichnungen säkularisierung und wissenschaftliche revolution wäre ich an deiner stelle sehr, sehr vorsichtig. nicht umsonst werden sie in der neuesten forschungsliteratur vorwiegend als kampfbegriffe gewertet – und nicht etwa als beschreibungskategorien.

      • Cesc sagt:

        Mila:
        Kampfbegriffe? Für welchen Kampf?

      • mila sagt:

        soll ich es plastisch ausdrücken, cesc? die entzauberung der welt. kein wissenschafts- oder religionshistoriker geht heute noch unbedarft mit diesen beiden begriffen um.

      • Frank Baum sagt:

        @Zufferey Marcel: Ihre Liste von Entwicklungen mögen in etwa zeitgleich mit der Industriellen Revolution statt gefunden haben, das bedeutet aber nicht, dass es sich um Entwicklungen handelt, die der industriellen Revolution geschuldet wären oder dass diese Entwicklungen hinfällig werden, wenn sich jetzt die Dienstleistungsgesellschaft entwickelt.

        Eigentumsbegriff, Arbeitsteilung und Entlöhnung von Arbeit ausserhalb des eigenen Haushaltes gab es schon vor der Industrialisierung, wenn auch zugegebener Massen in deutlich geringerem Umfang. Die Arbeitsteilung und die Geldwirtschaft gab es ja schon seit der Broncezeit (ebenso die Familie als soziale Struktur). Aber es ist richtig: die Industrialisierung hat den Grad der Arbeitsteilung und somit die Entlöhnung gesteigert.

        Den Durchbruch der Wissenschaften und den Nationalstaat haben wir der Aufklärung zu verdanken. Wenn überhaupt, dann ist die Industrialisierung ein Resultat der Aufklärung und der damit verbundenen Entwicklung der Wissenschaften und sicher nicht anders herum. Die Bürokratie und somit besoldete Beamte gab es schon zu Zeiten von Maria Theresia und Friedrich des Ersten, wenn wir in Europa bleiben. In anderen Kulturkreisen gab es das schon viel früher (z.B. China oder auch das alte Ägypten).

        Die Industrialisierung hat aber zu einer Trennung von Wohnstätte und Arbeitsstätte in weiten Kreisen geführt und vor allem zu einer Urbanisierung. ausserdem hat es einen noch nie dagewesenen Wohlstandssprung ermöglicht, dem man letztlich auch die bürgerliche Kleinfamilie zu verdanken hat.

        All das ist aber weder neu noch irgendwie speziell. Die Frage ist eher, welche dieser Errungenschaften tatsächlich der Industrialisierung ALLEINE geschuldet sind, im Gegensatz zu Aufklärung oder Wohlstandsmehrung. Das wäre ja die Grundlage, um dan zu diskutieren, was sich ändern wird, wenn der Anteil der Dienstleistungen an der wirtschaftlichen Gesamtleistung sich erhöht. Einen wesentlich grösseren Einfluss hat demnach die technologische Entwicklung in der Kommunikationstechnologie und der Informatik.

        Vielleicht greife ich mit dieser Frage Ihren weiteren Artikeln zu dem Thema voraus, aber ich sehe von den Punkten, die sie in obiger Liste erwähnen, keinen, der mit dieser Entwicklung obsolet werden sollte.

      • Cesc sagt:

        Mila, vielleicht müssen Sie es plastischer Ausdrücken, womöglich bin ich wirklich gerade schwer von Begriff, aber ich verstehe immer noch nicht, worauf Sie hinauswollen. Die „Entzauberung der Welt“ durch die Wissenschaft hat doch schon längst stattgefunden, da braucht es keinen Kampf mehr.

      • mila sagt:

        genau in diesem punkt liegen sie falsch. oder wie erklären sie sich beispielsweise den religiösen backlash in europa -esoterische publikationen (’new age‘ etc.) finden einen reissenden absatzmarkt, auch wenn die offizielle kirche nicht mehr zieht – respektive die tatsache, dass glaube in den USA immer eine wichtige rolle spielte, entzauberung und aufklärung hin oder her. die bekanntesten werke zur wissenschaftsgeschichte sprechen sich inzwischen vehement dagegen aus, dass es so etwas wie eine wissenschaftliche revolution, wie butterfield und andere sie darstellten, je gegeben hat. bei der säkularisierung fragt man sich ebenfalls, ob man den begriff nicht ganz aufgeben sollte. wenn man sie aufrecht erhält, dann unter veränderten prämissen und mit zahlreichen einschränkungen.

      • mila sagt:

        cesc, ich habe geantwortet, aber der kommentar wartet seit gestern 23.13 h auf freischaltung. andere fassung: die sichtweise, die von konzepten wie der wissenschaftlichen revolution und der säkularisierung transportiert wird, ist eine der aufkärung und somit bis zu einem gewissen grad ideologisch geprägt (also keineswegs neutral). dessen ist man sich in der forschungsdiskussion seit längerem bewusst. die frage, die derzeit diskutiert wird, ist die, ob man mit diesen begrifffen überhaupt noch arbeiten kann (ich finde schon), und falls ja, unter welchen vorzeichen. mit einem naiven oder unvorbelasteten verständnis kann man definitiv nicht mehr an sie heran gehen.

      • Cesc sagt:

        Ok, Mila, jetzt verstehe ich, was Sie sagen wollen. Aber Ihre Ansicht scheint mir doch etwas zu pessimistisch zu sein. Natürlich haben es weder die allermeisten wissenschaftlichen Erkenntnisse, noch die Säkularisierung und nicht einmal die Aufklärung bis in den hintersten Winkel der westlichen Welt geschafft. Ich frage mich aber, ob das überhaupt nötig ist. Wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe, bin ich der Meinung, dass in einer Gesellschaft nur ein kleiner Teil fähig ist, fortschrittlich zu denken und neue Wege zu riskieren. Der Rest bleibt an Ort und Stelle oder geht gar einen Schritt zurück.
        Wichtig für das Weiterkommen der gesamten Gesellschaft, ist, dass dieser fortschrittliche Teil weiterhin den Mut hat, alleine aus eigener Kraft vorwärts zu gehen und den ganzen Rest mitzuziehen.
        Um auf Ihre Aussage zurück zu kommen: Ich bin nicht blind. Ich sehe den ganzen Wahn mit Quacksalberei, Esoterik, Freikirchen etc. und denke mir dabei: „Sollen die nur, es behindert mich nicht im geringsten.“ Auch in den USA werden die führenden wissenschaftlichen Forschungsinstitute weiterhin zuverlässig neue Erkenntnisse liefern, welche über kürzerer oder längerer Frist der ganzen Menschheit nutzen bringen werden. Da können meinetwegen noch so viele Provinzunis „Intelligent Design“ als alternative (pseudo)wissenschaftliche Lehre anbieten, die Vernunft wird siegen, da bin ich nun mal so optimistisch!

      • Cesc sagt:

        Zu Ihrem zweiten Kommentar, den ich erst jetzt sehe:
        Da haben Sie den Gedanken der Aufklärung missverstanden. Die Erkenntnisse der Wissenschaft sind nun mal neutral.
        Es geht daher auch nicht um eine Wertediskussion, und ob man vorbelastet ist, oder nicht. Es geht nicht darum, was man glaubt oder nicht glaubt, sondern um wissenschaftliche Tatsachen. Der Glauben kann meinetwegen dort einsetzen, wo die empirische Forschung (noch) keine Resultate geliefert hat.

      • mila sagt:

        ihr zweiter beitrag zeigt mir deutlich, dass sie weder wissenschaftsgeschichtlich noch erkenntnisphilosophisch auf dem neuesten stand sind. neutralität und objektivität sind postulate, an denen man sich auch heute noch als wissenschaftlerIn orientieren sollte; sie sind jedoch aufgrund diverser faktoren nie in reinform einholbar. die gründe dafür erkläre ich ihnen jetzt nicht, das ginge viel zu lange. soviel nur: was die allgemeinheit unter wissenschaftlichen prinzipien versteht, und wie die (reflektierte) wissenschaft sie definiert, sind zwei paar schuhe.

      • Cesc sagt:

        „dass sie weder wissenschaftsgeschichtlich noch erkenntnisphilosophisch auf dem neuesten stand sind.“
        Gut möglich. Gemäss Ihren eigenen Aussagen gibt Ihnen der neuste Stand auch nicht die Sicherheit, dass Sie im Recht sind, oder? Schliesslich sind es ja auch nur „Erkenntnisse“, und als solche bereits nicht neutral sondern vorbelastet. Oder was habe ich jetzt wieder falsch verstanden?

        „neutralität und objektivität sind postulate, an denen man sich auch heute noch als wissenschaftlerIn orientieren sollte; sie sind jedoch aufgrund diverser faktoren nie in reinform einholbar.“
        Was wollen Sie mir damit sagen? Dass sich wissenschaftliche Aussagen nie mit 100%-iger Sicherheit treffen lassen (Falsifizierbarkeit)? Wäre mir auch bewusst. Aber an irgendwelchen Anhaltspunkte muss man sich ja halten.

        „die gründe dafür erkläre ich ihnen jetzt nicht, das ginge viel zu lange.“ Schade eigentlich, das hätte mich besonders interessiert. Denn was Sie in Ihrem nächsten Satz sagen, ist für mich nichts neues.

      • Katharina sagt:

        Es geht darum, dass der Betrachter das zu Betrachtende und dessen Wahrnehmung beeinflusst.

      • mila sagt:

        das mit der falsifizierbarkeit haben sie wiederum gut verinnerlicht, cesc. aber es macht im rahmen dieses blogs wirklich keinen sinn, epistemologische grundfragen der letzten jahrzehnte zu wälzen oder darüber zu streiten, wie aufgeklärt die aufklärung am ende wirklich war (ich weiss, dass sie solche diskussionen mögen, aber ich habe dafür im moment wirklich nicht die zeit, und hierfür müsste man einige tiefenbohrungen vornehmen). ein mögliches stichwort, mit dem sie erkenntnistheoretisch weiterkommen, ist ‚intersubjektive realitätskonstruktion‘.

      • mila sagt:

        elegante kurzformel, katharina.

      • Cesc sagt:

        @Katharina und mila:
        Ok, das lasse ich gelten, was bspw. die empirische Sozialforschung angeht. Aber obwohl ich selber aus der sozialwissenschaftlichen Ecke komme, meinte ich mit neutralen wissenschaftlichen Tatsachen vor allem Erkenntnisse aus den Naturwissenschaften, insbesondere aus der Physik, der Chemie oder der Medizin.

      • mila sagt:

        dann musst du es mit bruno latour und seiner ANT-theorie versuchen.

      • @Frank Baum: Sie haben natürlich recht, dass das, was ich unter der industriellen Epoche alles zusammenfasse, nur das zu wiederspiegeln vermag, was aus dieser Zeit alles hervorgegangen ist, obwohl die Voraussetzungen dazu bereits schon früher- nämlich im Rahmen der Aufklärung und der Franz. Revolution- erschaffen worden sind. Es gibt Ökonomen, die allen ernstes behaupten, die Demokratisierung der Geselschaft sei eine direkte Folge der Industrialisierung, was natürlich grundverkehrt ist. Die Industrialisierung hat den Demokratisierungsprozess lediglich beschleunigt, weil sie die dazu notwendigen Voraussetzungen insgesamt begünstigt hat.

        Welche Entwicklungen der Industrialisierung alleine geschuldet sind? Nun, ich glaube, es gibt keine Entwicklung, die innerhalb eines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gefüges isoliert stattfindet. Alles ist über Kurz oder Lang miteinander verzahnt. Kennen Sie den von mir im Text erwähnten Okonomen Karl Polynyi und sein für mich immer noch wegweisendes Werk „The Great Transformation“, in dem der Autor die industrielle Revolution sowohl aus sozialer, politischer als auch wirtschaftlicher Sicht betrachtet und die Zusammenhänge offen legt? Das Buch wurde übrigens von Joseph Stieglitz neu aufgelegt und überarbeitet, wie ich gehört habe- Sie haben übrigens recht: Die Unsichtbarkeit der unsichtbaren Hand darauf zurückzuführen, dass es sie gar nicht gibt, habe ich tatsächlich von Stieglitz- er hat das in „Die Chancen der Globalisierung“ gesagt, wenn’s mir recht ist 😉

        Hier noch der Link zu Polanyis Great Transformation- es ist vor allem aus heutiger Sicht wieder brandaktuell:

        http://www.amazon.com/Great-Transformation-Karl-Polanyi/dp/080705643X

      • mila sagt:

        @cesc: übrigens, was katharina und ich angemerkt haben, gilt für alle formen wissenschaftlicher tätigkeit. aber bruno latour hilft vielleicht zu verstehen, warum es so ist.

      • Cesc sagt:

        @Mila:
        Danke für den Hinweis mit der AN-Theorie von Latour. Ich muss zugeben, die habe ich bisher tatsächlich nicht gekannt und muss mich daher erst mal etwas einlesen. Aber es ist schön, dass man täglich neues lernen kann.

        Grundsätzlich habe ich Mühe zu verstehen, wie ich als Betrachter die Wahrnehmung des zu betrachtenden beeinflussen kann, wenn das zu betrachtende über gar keine Wahrnehmung verfügt. Aber vermutlich hilft mir ja der von Ihnen empfohlene Ansatz weiter, daher: ab ins Lesezimmer mit mir…

      • mila sagt:

        na ja, mit ANT wird es noch komplizierter, denn da wirkt beispielsweise plötzlich die milchsäure auf ihren eigenen erforschungsprozess ein, sie wird also selbst zu einer historischen, handelnden entität. der forscher als solcher ist nun bekanntlich ebenfalls ein historisches, handelndes wesen – menschen und dinge beeinflussen sich demnach gegenseitig, und das, was dabei herauskommt, ist zunächst einmal ein forschungsresultat. ist dieses aber schon per se ein bruchstück von ‚realität‘? das ist eine völlig andere frage… die latour übrigens nicht sauber beantworten kann (auf jeden fall hängt im ein leicht anrüchiger ruf des neopositivisten an).

  • Frank Baum sagt:

    „Ein kennzeichnendes Merkmal des Dienstleistungszeitalters ist der Wandel in der Arbeitswelt: Der Working Class Hero wird zunehmend weiblich.“ – Woher stammt diese Behauptung und mit welcher Begründung? Die Dienstleistungsgesellschaft bietet nicht unbedingt mehr Frauenberufe als die Industriegesellschaft. Es gibtr ja nicht nur Stahl- und Automobilindustrie sondern genauso Textilien, Spielwaren, Schuhe und Unterhaltungselektronik. Alles Bereiche, wo sehr oft Frauen zum Einsatz kamen. Die Jobs sind ebenso verschwunden, wie die Jobs der Stahlindustrie. Andererseits bestehen die Dienstleistungen nicht nur aus Coiffeuren und Restaruants sondern vor allem auch aus Finanz- und Informatik-Geschäften, wo Frauen genauso untervertreten sind, wie sie es in den schweren Industrien waren.

    Ich denke, dass hier zwei Phänomene zusammengebracht werden, die miteinander nicht direkt etwas zu tun haben: Die Entwicklung von einer Industrie- zu einer Dienstleistungsgesellschaft und die Teilnahme der Frauen im Arbeitsmarkt.

    Letztlich ist das Zitat von Sarkozy nichts weiter als ein leerer Slogan von einem Politiker. Dem kann man wunderbar zustimmen, ohne etwas gesagt zu haben. Spannend ist ja die Frage, wie die Instrumente des 21. Jahrhunderts aussehen sollen. Darauf gibt Herr Zfferey weder einen Hinweis noch eine Antwort.

    • lara sagt:

      sie sehen die zusammenhänge nicht?

      in der dienstleistungsgesellschaft ist der perfekte arbeitnehmer einer der sprachlich begabt ist (kommunikation ist ja das zauberwort… in jedem handwerksbetrieb müssen heute berichte geschrieben werden), fremdsprachen beherrscht (globalisation lässt grüssen), stundenlange ruhige und sitzende tätigkeiten ausführt usw. tönen diese eigenschaften nach typischen ‚männlichen‘ attributen? eben. daher ist der moderne working class hero weiblich.

      • Frank Baum sagt:

        @lara: Ich teile ja in der Regel nicht Ihre Meinung, aber Ihre Argumente hier haben Hand und Fuss. Sprachliche Begabung und Kommunikation insgesamt sind tatsächlich Fähigkeiten, die Frauen eher besser liegen als Männern (was wiederum aufzeigt, dass das vom Tagi hochgelobte Buch der Australischen Feministin Quatsch ist…). Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, das diese Fähigkeiten an Bedeutung gewinnen je höher der Grad der Globalisierung und Kommunikationstechnologien ist. Das kann man als Begründung für den weiblichen Working Class Hero stehen lassen.

      • mila sagt:

        frank baum, rücken sie damit raus: was sind sie von beruf?

    • Abramelin sagt:

      Antworten?

      – allgegenwärte, globale Kommunikationskanäle.
      – Systeme wie WikiLeaks welche ständig Kriminelle Machenschaften bedrohen, sie auf den globalen Kommunikationskanälen enttarnen
      – Informations- und Propaganda-Schlachten, zusätzlich und öfters als physikalische oder die häufigen wirtschaftlichen Kriege wie bisher
      – Nicht die Verfügbarkeit von Informationen ist das Problem (wie früher), sondern deren Auswertung, Filterung, und Zusammenfassung.
      – mehr Bedrohung der Privatsphäre durch die allgegenwärtigen Kommunikationskanäle, durch Soziale Netze, Streetview und ähnliches. Dies wird sich aber nicht verhindern lassen sondern im Gegenteil langfristig wohl eher zu einem vernünftigeren und toleranteren Umgang mit Mitmenschen führen, da sich immer weniger verstecken lassen wird
      – mehr Überwachungsstaat. (suche z.B. nach INDECT). Der aber langfristig nicht funktionieren wird, da die gleichen Mittel die ihn erlauben auch gegen ihn wirken.
      – Kurzfristig mehr und mehr Einfluss von Firmen und Internationen Konzernen in allen Bereichen des Lebens
      – Langfristig und quälend wird die uralte und urmenschliche Gesellschaftsstruktur von „Command & Control“ sterben, das Kommandieren und Kontrollieren, durch Fürsten, Diktatoren, abgekapselte Regierungskreise wird nach einer langen und schwierigen Übergangsphase verschwinden bzw. extrem unwichtiger und unwirksamer werden. Dies ist ein Wandel der in dieser Form und vor allem dieser Grösse wohl noch nie in der Geschichte der Menschheit passierte.
      – weitergehende Technologische Entwicklung
      – Kompletter Wandel unserer (global vernetzten) Wirtschaftssystemen. Für die Grundressourcen werden immer weniger Arbeitsplätze erforderlich werden bzw. irgendwann so wenig Arbeitsplätze und soviele Arbeitslosen geben dass Arbeit, einen Job haben, zu einer optionalen Angelegenheit wird. Einige Leute werden gar nicht mehr arbeiten, die meisten werden aber dann in den Bereichen arbeiten die sie interessieren und wo sie talentiert sind. Dies wird die menschliche Evolution weiter beschleunigen.
      – im Zuge dieser krassen Veränderungen wird es zu umwelttechnischen, wirtschaftlichen und sozialen Katastrophen kommen.
      – wir Leben in einer interessanten Zeit

      • Cesc sagt:

        @Abramelin:
        Ihre „Antworten“ sind nichts anderes als die Zuspitzung von Konstellationen wie wir sie jetzt schon vorfinden. Diese Prognose ist nicht schwierig und auch nicht besonders gewagt. Allerdings greift sie auch viel zu kurz. Ihren letzten Punkt können Sie getrost weglassen, mehr als eine leere Floskel ist das nicht (welche Zeit war / ist schon nicht interessant, erst recht aus der subjektiven Betrachtung der darin lebenden Leute?). Hingegen stimme ich Ihrer Aussage zu, dass der Eingriff in unsere Privatsphäre auch eine Chance ist, toleranter miteinander umzugehen.

      • Abramelin sagt:

        @Cesc:
        Danke. Ja Sie haben recht 😉

      • Frank Baum sagt:

        @Abramelin: Den Sinn dieser Aufzählung habe ich nicht verstanden.

      • Ich stimme Ihnen und cesc hier zu, auch mir ist der Punkt mit der Privatsphäre aufgefallen. Ich konnte schon lang die Probleme, die hier aufgezählt werden, lange nicht alle nachvollziehen, und ich sehe hier auch grosse Chancen.

  • Ariadne sagt:

    Ich frage mich auch, was eigentlich die Kernaussage dieses Artikels sein soll.

    • Hermann sagt:

      Die Aussage ist wohl, dass eine Dienstleistungsgesellschaft anders aussieht als eine Industriegesellschaft. In unserer Firma, in der entwickelt und poduziert wird, wird gekrampft. Gehe ich auf ein Amt, auf die Bank, oder zum Anwalt, wird herumgesessen, geplaudert, Kaffe getrunken, geblogt. Nicht allzuhart, den Unterschied zu sehen. Esoterik kaum notwendig.

      • Monato Roddenberry sagt:

        Die Dienstleistungsgesellschaft ist noch jung. Nur keine Angst, auch die Proletarier im Dienstleistungssektor werden noch rangenommen werden, man ist eben erst in der Entwicklungsphase von Kontrollsystemen und die Messung der Arbeitsproduktivität sucht sich noch ihre Datengrundlage und Masstäbe. Machen Sie sich aber nichts vor: Auch Dienstleistungskapitalisten schmeissen freiwillig kein Geld zum Fenster raus, schon gar nicht für unproduktive Arbeiter, wäre ja noch schöner. Aber die freie Konkurrenz, die den Industriearbeiterlohn und Tätigkeit auf das hochproduktive Niveau gesenkt hat, das wir heute kenne, die wird auch im Dienstleistungssektor noch wüten und tausende Unternehmensleichen hinter sich lassen, die sich um eine Produktivitätssteigerung drücken.

      • Hermann sagt:

        Ich hoffe, das wird nicht nur auf die „Proletarier“ des Dienstleistungsektors begrenzt sein. Weiter oben waere es oft noch noetiger….

      • @Monato R.: Natürlich hält das Dienstleistungszeitalter, dass sich (voerest noch) vor allem durch eine schrumpfende Nachfrage nach Arbeit auszeichnet, allerhand negative Überraschungen für uns bereit halten- aber nur, solange wir uns nicht dagegen wehren!

  • Pippi Langstrumpf sagt:

    Konkret?

    Wir produzieren nicht mehr, wir erbringen nur noch Dienstleistungen? Das greift viel zu kurz. Ein paar klingende Namen aneinander zu reihen reicht nicht für einen guten Artikel, ich vermisse die klare Aussage und die Schlussfolgerung.

    • Jimknopf sagt:

      Hab ich auch so empfunden. Gelesen und mich nachher gefragt was ich überhaupt gelesen habe 🙂 …

      • Cesc sagt:

        Ich auch…

      • E.H. Roth sagt:

        wenn es nur so einfach wäre müsste die Welt doch heute anders aussehen. Schon nur nach dem die Cäsaren versagten hätte der Mensch lernen müssen und weitere Kriege, Gier nach Macht und Reichtum wären passe gewesen. Es gibt leider keine Anleitung und alles sind nur Meinungen und vielleicht wäre eine klare Aussage einfach nur Arogant. Der Mensch ist was er ist. Es ist schön zu sehen, dass wir CH-Bürger uns mit Thmen befassen wie Elektroautos usw. nur ich sehe keine, nur Audie’s Porsche’s SUV’s. Wir sollten nicht vergessen, da draussen auf der Welt wollen hunderte Millionen Menschen auch mal so leben wie wir es konnten und noch können. Ich sage nur Gier und Macht oder ist einer von Euch bereit auf sein Luxus zu verzichten und sagt, 4000.-/Mt. reicht? Denke nicht, denn ihr legitimiert das mehr haben mit „ich habe Ausbildung blablabla…

      • Ariadne sagt:

        @E.H.Roth
        Ja, ich habe mich entschlossen, auf Luxus zu verzichten. Ich war eines schönen Tages nicht mehr bereit, mich für Armani, Cartier, Versacce & Co. oder für Versicherungen, Kampfjets und Luxusautos oder was frau sonst noch nicht braucht, versklaven zu lassen. Ich bin ausgestiegen aus der Hamsterrad-Gesellschaft und lebe seit 6 Jahren auf einer nicht ganz einsamen Insel mit Euro 1’000.–/Monat inkl. Internet, Krankenkasse und Haftpflichtversicherung.

    • lara sagt:

      vielleicht, dass eben doch nicht der böse feminismus an allem schuld ist sondern sich vor allem die rahmenbedingungen für männer, frauen und familien geändert haben.

  • ELA sagt:

    Ich gebe Herrn Zufferey recht, dass sich Gesellschaft und damit auch Arbeitsplätze, Familien, Politik, usw. im Wandel befinden. Aber ich würde nicht gleich die ganze produzierende Industrie bei der Zukunftsprognose vernachlässigen. Der Stuhl auf dem wir sitzen, egal ob der Zuhause, im Büro oder im Restaurant steht, ist irgendwie produziert worden. Wie auch der PC, die Kaffetasse, die Schere der Coiffeuse und die Waren die die Verkäuferin ins Regal stellt. Ich denke nicht, dass das die Chinesen in alle Ewigkeit für uns produzieren werden. Entsprechend wird sich die Gesellschaft auch weiterhin auf neue Arbeitsrealitäten einstellen müssen.

  • René sagt:

    Welches Erbe soll entsorgt werden? Aufgrund veränderter Rahmenbedingungen werden sich Hypotheken aus der Vergangenheit abbauen (bspw. Unmöglichkeit zur Teilzeitarbeit), aber auch neue auftun (bspw. die Arbeitsplatz- und damit Planungsunsicherheit).

    Ich bin mir nicht ganz so sicher, ob die derzeit umfassende Digitalisierung uns den Blick nicht etwas vernebelt, grundlegende wirtschaftliche und soziale Gegebenheiten zu übersehen. – Wirtschaftlich: Der ganze Produktions- und Distributionsprozess wird voraussichtlich immer analog bleiben, auch wenn dort Programme und Roboter Einzug halten; verkürzt: Der Verkäufer, der Gestelle auffüllt, wird sich noch eine Weile halten. Sozial: Wir sind und bleiben Menschen, die Digitalisierung potenziert allenfalls unsere guten und schlechten Aspekte (s. gestern).

    Unser Denken und Handeln muss sich zweifellos den Veränderungen anpassen und sie nutzen, aber wieweit das Erbe (dazu gehören auch z.B. Erfahrungen, was funktioniert hat oder gut war) gleich entsorgt werden soll? Ich vermute eher, dass aufgrund ökologischer Veränderungen wir uns ganz anderen, auch gesellschaftlichen Herausforderungen gegenübersehen werden, aber das wäre ein ganz anderes Thema.

    • Chris M. sagt:

      Bezüglich der Verkäuferinnen bin ich nicht so optimistisch.

      Heute schon gibt es Läden, bei denen die Waren auf Paletten in die Verkaufräume gestellt werden, die Kunden bedienen sich und die leeren Palette werden ausgetauscht. Die Waren sind mit RFID-Tags versehen, das Bezahlen erfolgt bargeldlos, pro 20 Kassen braucht es nur noch 2 Aufpasser, damit niemand ohne Bezahlung abhaut. Der Bedarf an Verkäuferinnen geht so um mindestens einen Faktor 5 zurück.

  • Chris M. sagt:

    Ein guter Beitrag!

    In manchen Bereichen lösen wir uns faktisch von den alten Formen. Die Familien lösn sich mehr und mehr auf. Waren früher Wohn- und Arbeitsort identisch, werden heute die Pendlerdistanzen immer grösser – mit den entsprechenden ökologischen Folgen. Lebten früher 3-4 oder mehr Personen auf 60 Quadratmeter Wohnraum, so reicht heute derselbe Platz für einen Single. War früher der Berufsverkehr domonieren, ist heute der Freizeitverkehr umfangreicher. Wurde früher eine Lebensstellung gesucht (von der Lehre bis zur Pensionierung in derselben Firma) floriert heute das Jobhopping. Sorgten früher Firmenpatriarchen (im guten Sinn gemeint) für ihre Arbeiter mit Arbeitersiedlungen, Kantinen, usw. für die Werktätigen, sind heute Arbeitnehmer vor allem Kostenfaktoren und die Arbeit wird an den billigsten Ort verschoben. Diese Aufzählung könnte weitergeführt werden.

    Andererseits sind wir noch nciht einmal ganz im Industriezeitalter angekommen. Die einen Politiker feiern den Klassenkampf, die andern halten Idealbilder von Anker, Gotthelf und Pestalozzi hoch und immer höher. Wirtschaftsführer verlangen nach dem Faustrecht („freie Bahn dem Stärkeren“). Viele träumen im Zeitalter von Internet und Globalisierung von der heilen Welt und einer autarken Schweiz (obwohl klar ist, dass selbst in der Landwirtschaft beinahe nichts mehr funktioniert, wenn die Grenzen zu sind und Treibstoffe, Düngemittel, Futtermittel, Saatgut, usw. nicht mehr importiert werden können). 70% leben in städtischen Gebieten, die Mehrheit wählt und stimmt aber immer noch wie wenn sie in der Landwirtschaft leben würden.

    Kollektiver Realitätsverlust?

    Was tun?

    Z.B. Mit der Glorifizierung der Vergangenheit aufhören.
    Schulen waren früher nicht besser, nur weil damals 40 Schüler in einer Klasse waren. Heute lernen Schüler mehr als wir damals.
    Das Bankgeheimnis diente schon immer der Steuerflucht, der Schutz jüdischer Vermögen vor Hitler war schon damals ein Vorwand, an dem die Banken gut verdienten. Erkenntnis der Realitäten ist keine Nestbeschmutzung (z.B. Bericht zu nachrischtenlosen Vermögen).
    Die Schweiz hat von Kriegen profitiert und profitiert immer noch. Im 19. Jahrhundert war die Schweiz das Armenhaus Europas und Auswandererland. Kriegsprofite und die unversehrte Infrastruktur nach den Weltkriegen waren unser Vorteil, nicht unser Verdienst.
    Die Ausländer kamen zum grössten Teil, weil wir sie holten! Zuerst die Italiener für den Eisenbahnbau, dann Italiener, Spanier, Portugiesen für die Industrie, dann Kosovaren, heute Ukrainer, Polen, usw. als billige Landarbeiter.

    Wenn wir die Vergangenheit realistischer sehen, werden wir freier für die Gestaltung von Gegenwartund Zukunft.

  • Crusader sagt:

    Fachblogger? lol

  • Teilzeitpapi sagt:

    Trotzdem denken und handeln wir immer noch im Rahmen weitgehend industriell geprägter, sozialer Strukturen.

    Wie sieht denn dieses Denken und Handeln aus? Ich sehe ganz viele Menschen, die in der individualisierten Gesellschaft unterschiedlich denken und handeln.

    «Die Welt des 21. Jahrhunderts kann nicht mit den Instrumenten des 20. Jahrhunderts organisiert werden», hat der französische Ministerpäsident Nicolas Sarkozy einmal gesagt.

    Eine Demonstration von Belesenheit? Oder ein bisschen grössenwahnsinniges Gefasel in der abgetretenen Grande Nation? Die Welt wurde organisiert? Welche Teile der Welt? Welche Instrumente? Seehr allgemeine Aussage oder der Kontext fehlt. Ausserdem kaum so allgemein gültig. Das Instrument Markt wird in der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts immer noch bedeutend sein. Ebenfalls das Instrument Militär bei der Sicherheit, usw.

    Also sollten wir auch langsam damit beginnen, die Weichen für die Zukunft zu stellen und uns vom industriellen Erbe in unseren Köpfen verabschieden!

    Wie soll denn die Zukunft aussehen? Auf jeden Fall ganz anders, wie es scheint. Jawohl, weg mit dem industriellen Erbe, also weg mit dem Materialismus. Doch wenn ich mich so umschaue sieht es nicht danach aus. An Materialien hängender Status wird eifrig gesammelt, von links bis rechts. Neuestes Handy, neues Auto, usw.

    So deindustrialisiert sind wir nicht, die Produktion wurde einfach ausgelagert, doch die Produkte der Industrie beziehen wir nach wie vor.

    Was ein Working Class Hero ist hätte ich auch gerne gewusst. Ein luftiger Artikel.

    Und die Formen des Zusammenlebens scheinen mir neu zu sein. Die überforderte Kleinfamilie gab es früher so nicht. Und die Schönwetter-Kinder-sind-gesund-Krippen werden die Grosseltern/Grossfamilie nicht ersetzen können. Die Zeitbombe tickt, wenn Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiterhin meistens „Elternrolle-ist-im-Beruf-nicht-spürbar“ bedeutet und eine Generation älter wird, die selbst Kinderbetreuung durch die Grosseltern geniessen durfte und dies ihren Kindern später als Grosseltern vermutlich nicht mehr bieten wird. So in 5-10 Jahren werden die demografischen Auswirkungen spürbarer werden.

      • Cesc sagt:

        Danke für den Link. Sehr gutes Interview, Simon Teuscher ist eine wahre Kapazität. Vielleicht öffnet das manchem Ewiggestrigen etwas die Augen…

      • lara sagt:

        danke! ich hoffe es!

      • Orlando S. sagt:

        Bitte richtig lesen. Teuscher sagt: „Die moderne Gesellschaft will nicht zugeben, wie stark sie selber noch von Verwandtschaft abhängig ist. Dabei hat auch heute noch Erfolg sehr viel mit Herkunft und familiären Ressourcen zu tun. Sei es Geld während des Studiums. Oder denken Sie an die vielen Grosseltern, die ihre Enkel hüten. Wir neigen zur Behauptung, das alles gehöre in eine alte, vergangene Zeit.“

        Ewiggestrig?

        „Es wurde behauptet, schon die Zünfte seien entstanden, weil die Familie nicht mehr funktionierte. Ebenso die Vereine im 19. Jahrhundert, weil sich die Menschen in ihrer Familie angeblich nicht mehr unterhalten konnten. Und auch der Sozialstaat soll entstanden sein, weil die Familie nicht mehr funktionierte. Würde das alles stimmen, wäre die Familie schon vor Jahrhunderten ausgestorben. Doch sie ist quicklebendig.“

      • lara sagt:

        @orlando.

        wo sehen sie den widerspruch?

      • mila sagt:

        lara, nein.

      • Chris M. sagt:

        Das Interview bezieht ich auf das Spätmittelalter. Für die Ehe galt damals „bis der Tod scheidet“. Die vielen Zweit- und Dritt-Ehen kamen durch Todesfälle zustande. Viele Frauen starben bei Geburten oder kurz danach (z.B. wegen Kindbettfieber). Danach gab es Seuchenzüge (Pest), die 30-50% einer Bevölkerung ausrotten konnten.
        So ganz vergleichbar mit dem heutigen fröhlichen, kunterbunten Zusammensetzspiel der Patchworkfamilie war es damals denn doch nicht. Vor allem die Gründe für die kurzen Ehedauern waren komplet anders.

        Auch die Gründe für die Eheschliessung waren meist nicht dieselben wie heute. Liebe war kaum das Motiv, sondern vor allem wirtschaftliche Gründe (beim Adel auch politische Gründe).

      • mila sagt:

        beim adel ausschliesslich politische gründe. die ‚minne‘ ist ein system, das unabhängig von der ehe ihr platonisches dasein fristete.

      • Globetrotterin sagt:

        @Chris M.:
        Genau das, was Sie hier sagen, habe ich Orlando schon vor Monaten in einem anderen Thema zu erklären versucht. Er kapiert’s nicht und will es nicht kapieren.

      • …und was vieleicht noch beim „bis das der Tod euch scheidet“ dazu kommt: Aufgrund der drastisch gestiegenen Lebenserwartung dauert eine Ehe heute praktisch doppelt solange, wie noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

    • @Teilzeitpapi: Danke für die ausführliche Antwort.

      Der „Working Class Hero“ war ursprünglich ein Song von John Lennon, mittlerweile erneut brilliant gecovert von Greenday. Damit ist im metaphorischen Sinne der Held der Arbeit; der kämpfende Arbeiter gemeint, der Proletarier im wahrsten Sinn des Wortes.

      Was ich mit den Strukturen in unseren Köpfen gemeint habe? Nun, Sie sehen da ganz viele Individuen, die ganz unterschiedlich denken und handeln, wie sie sagen. Aber vor allem innerhalb der Strukturen, die sich im Verlaufe der Industrialisierung herausgebildet haben: Sie arbeiten (=Einkommen), besorgen den Haushalt, gehen alljährlich in die Ferien, besuchen dann und wann einmal eine Veranstaltung (=Freizeit oder freie Zeit; Freizeitkultur, Hedonismus) und gehen im Alter in Rente, werden also pensioniert. Diese Menschen gehen davon aus, dass die Erwerbsarbeit logischerweise etwas ganz anderes ist, als die Hausarbeit, zwei Kategorien also, die es getrennt zu betrachten gilt. So denken und handeln sie auch: Innerhalb von Arbeit, Haushalt und Freizeit. Dass die vorindustrielle Wirtschaft überwiegend Familienwirtschaft war, in der es weder eine Trennung von Haushalt und Arbeit- und schon gar keine Freizeit(kultur) gab, vergessen sie dabei gerne. Und wenn sie arbeitslos werden, dann ist da ja noch die schützende Hand der Sozialwerke da- zum Glück, muss man sagen! Doch auch der Sozialstaat ist eine Einrichtung, die erst in der Folge der Industrialisierung entstanden ist.

      Wo waren Sie heute Mittagessen? Ich schaute aus Zeitgründen noch schnell bei McDo’s vorbei- das Essen ist zum Glück schnell und billig dort… Mögen Sie Fast Food, Teilzeitpapi? Manchmal schon, nicht wahr? Die Industrialisierung der Nahrung begann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Fast Food. Mc Donalds, Burgerking und Co. haben die ganze Nahrungsmittelproduktion sozusagen auf den Kopf gestellt. Schnell und billig- so billig, wie heute- konnte der Mensch noch nie zuvor essen!

      Dass wir alle eines Tages in Rente gehen können, ist ebenfalls eine Selbstverständlichkeit.. ja natürlich: Darauf haben wir alle ein Recht: Schliesslich haben wir dafür ein Leben lang geschuftet, nicht wahr? Ach, der Lebensabend, mit dem müssen wir uns frühzeitig beschäftigen- die Geldmittel werden schliesslich immer knapper…

      …doch was wäre wenn… das alles plötzlich gar nicht mehr so selbstverständlich wäre..?

      Dann müssten wir plötzlich umdenken, nicht wahr?

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