Schule-Spezial: Mehr Freiheiten, weniger Reformitis!

Die Sommerferien sind vorbei, auf den Trottoirs tragen ABC-Schützen stolz ihre neuen Theks in die Schule, die Grossen wechseln in die Oberstufe, einige fahren zum ersten Mal mit dem Zug ans Gymi. Jeder hat eigene Erinnerungen an die Schulzeit, gute und schlechte. Die Volksschule geht uns alle an. Nicht zuletzt, weil sie derzeit reformiert und umgebaut wird. Der Mamablog begleitet deshalb den Schulstart mit einer Expertenwoche zur Volksschule. Das Schule-Spezial lässt Lehrer, Künstler, Politikerinnen, Psychologen und Wissenschaftler zu Wort kommen. Der Auftakt der Expertenwoche stammt aus der Feder von Urs Moser, Spezialist für Evaluationsforschung im Bildungsbereich und Mitglied der nationalen Projektleitung PISA 2009.

SCHWEIZ LYCEUM ALPINUM ZUOZ UNTERRICHT

Die Bildungsforschung hat längst nachgewiesen, dass der Lernerfolg weder auf Schulmodelle noch auf Unterrichtsmethoden zurückgeführt werden kann: Unterstufen-Schulzimmer. (Bild: Keystone)

Wer auf dem Internet sucht, findet zur Genüge die Zuversicht, dass jedes Kind lesen, rechnen und schreiben lernen kann. Die optimistischen Aussagen beruhen nicht etwa auf der Tatsache, dass sich der Mensch infolge der Evolution zu einem besonders lernfähigen Wesen entwickelt hat. Vielmehr handelt es sich um Titel von Ratgebern, die gerade deshalb befolgt werden sollen, weil die Schule noch nicht das erreicht, was möglich wäre. Höchste Zeit also, in der Schule endlich die richtigen Methoden anzuwenden.

Dass bei Weitem nicht alle Kinder in der Schule genügend lesen, rechnen und schreiben lernen, wird auch vom Wirtschaftsverband Economiesuisse bemängelt. Die Volksschule soll deshalb den Fokus wieder auf das Wesentliche richten, heisst es in einer kürzlich erschienenen Empfehlung, weil sonst der Wettbewerbsvorteil der Schweizer Wirtschaft gefährdet sei. Wie die Schule dabei vorzugehen hat, bleibt allerdings offen; kein Wort über die richtige Methode. Und dies ist auch richtig so, denn verschiedene Wege führen zum Ziel.

Die Bildungsforschung hat längst nachgewiesen, dass der Lernerfolg weder auf Schulmodelle noch auf Unterrichtsmethoden zurückgeführt werden kann. Kinder sind neugierig und motiviert zu lernen. Damit sie rechnen, lesen und schreiben lernen, brauchen sie kognitiv anregende Lernumgebungen und Lehrkräfte, deren Erwartungshaltung gleich optimistisch ist wie die Titel der Ratgeber. Wie die Schule organisiert ist, kümmert die Kinder hingegen herzlich wenig. Lehrkräfte können zudem auf sehr verschiedene Weise gut oder schlecht unterrichten und gleiches Vorgehen im Unterricht kann unter verschiedenen Bedingungen völlig unterschiedliche Wirkungen haben. Daher ist die von Lehrkräften hoch geschätzte Methodenfreiheit pädagogisch äusserst sinnvoll.

Trotz dieser klaren Aussagen der Bildungsforschung werden endlose politische Debatten über das pädagogisch beste Schulmodell und die erfolgreichsten Unterrichtsmethoden geführt. In der Praxis sind es dann längst nicht immer pädagogische Überlegungen, die zu Neuerungen führen, sondern pragmatische Gründe. Wenn beispielsweise in einer Schule zu wenige Kinder für das Führen von Jahrgangsklassen vorhanden sind, überzeugen die angeblichen Vorteile des altersdurchmischten Lernens, und Reformen werden plötzlich mehrheitsfähig. Betroffene Eltern fühlen sich aufgrund solcher Entwicklungen bisweilen verunsichert, was angesichts der angespannten Diskussionen verständlich ist. Das Erziehungsverhalten der Eltern ist für das Wohl des Kindes und den Lernerfolg allerdings weit bedeutsamer als Reformen in der Schule.

Etwas mehr Gelassenheit würde der Diskussion pädagogischer Themen nicht schaden. Schulen entwickeln sich. Sie müssen sich demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen. Dazu brauchen sie weder populäre Ratgeber noch allzu rigide Vorgaben darüber, wie sie die Ziele zu erreichen haben. Viel wichtiger sind eine kritische Reflexion des Unterrichtserfolgs und die Zuversicht, dass jedes Kind rechnen, lesen und schreiben lernen kann. Wenn Schulen dafür die Verantwortung übernehmen, sollten sie mit einer liberalen Haltung bei der Wahl von Schulmodellen und Unterrichtsmethoden belohnt werden.

MAMABLOG-MOSERUrs Moser studierte Sonderpädagogik, Pädagogik und Pädagogische Psychologie an der Uni Freiburg. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Amt für Bildungsforschung der Erziehungsdirektion des Kantons Bern (1990 bis 1998), wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pädagogik der Uni Bern (1996 bis 1999). Seit 1999 ist Moser Mitglied der Geschäftsleitung des Instituts für Bildungsevaluation.

Zum Abschluss der Expertenserie wird die Zürcher Regierungsrätin und Bildungsdirektorin Regine Aeppli Fragen und Diskussionspunkte von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in einem Blogbeitrag beantworten. Fragen und Anliegen können Sie während der ganzen Woche direkt in einem Kommentar zum jeweiligen Tagesthema mit dem Vermerk @Aeppli formulieren. Die Redaktion wird die Fragen sichten, auswählen und der Regierungsrätin vorlegen.

92 Kommentare zu «Schule-Spezial: Mehr Freiheiten, weniger Reformitis!»

  • Regula sagt:

    Lasst die Lehrer doch einfach ihre Arbeit tun. Das würden sie nämlich gerne.

  • heidi reiff sagt:

    Das Konzept der Rudolf Steiner Schule schätze ich, Rechnen, Schreiben, Lesen wird den Kids spielerisch vermittelt. Im Fach Handarbeit lernen Buben auch stricken. Engagierte Lehrerinnen und Lehrer bringen den Kids zum Glück die Natur auch
    näher nicht nur theoretisch sondern auch praktisch. Autoritäre LehrerInnen haben an Schulen nichts zu suchen, da wäre ein
    Berufswechsel empfehlenswert.

    • Regula sagt:

      Engagierte Lehrer und Lehrerinnen gibt es auch in der Vokschule. Stricken lernen die Buben auch. Und spielerische Lehrformen sind nichts unbekanntes.

      Und für die „autoritären LehrerInnen“, die du in deinem Beitrag vermutlich meinst, ist auch in der Volksschule ein Berufswechsel empfehlenswert.

      Also muss der Unterschied anderswo liegen …

  • Diana Maurer sagt:

    Und was genau ist die Aufgabe der Eltern? Die Schule ist ja keine Universaleinrichtung oder?

    • Katharina sagt:

      du auch? drag queen? wiso denn dass? Diana ist allerdings als name recht treffend. muss wohl mein einwurf ueber die hormone vom discovery kanal gewesen sein….

      Ist die schule eine staette ideologischer indoktrination, dann wird sie zu einer art Universaleinrichtung , nicht?

  • Eremit sagt:

    @ Lieber Herr Moser

    „Die optimistischen Aussagen beruhen nicht etwa auf der Tatsache, dass sich der Mensch infolge der Evolution zu einem besonders lernfähigen Wesen entwickelt hat.“
    Haben wir das? Ich bezweifle wenn man z.B. die sich öffnende Lohnschere, Harz IV oder Aussagen wie „Sozialhilfeempfänger sollten keine zehn Kinder haben“ betrachtet.

    „Wenn beispielsweise in einer Schule zu wenige Kinder für das Führen von Jahrgangsklassen vorhanden sind, überzeugen die angeblichen Vorteile des altersdurchmischten Lernens, und Reformen werden plötzlich mehrheitsfähig.“
    Willkommen in der Egogesellschaft, in der für den „Vorteil“ einzelner andere in den sauren Apfel beissen müssen, frei nach Freud „es ist gut egoistisch zu sein“. Die Folgen davon hat Freud wahrscheinlich nicht betrachtet.

    @ Lieber Herr Moser & Liebe Frau Aeppli

    „Höchste Zeit also, in der Schule endlich die richtigen Methoden anzuwenden.“
    Die wären?

    Was nützt es richtig lesen, schreiben und rechnen zu können, wenn man das was man liest, schreibt oder berechnet nicht versteht, bzw. verstanden hat?
    Und etwas ketzerisch hinterfragend; wozu sollte man heute lesen, schreiben und rechnen können?

    Etwa um von der Gesellschaft, bzw. einzelne Teile davon bei Verträgen nicht übers Ohr gehauen zu werden? Dann müsste man in den Schulunterricht auch Themen hineinpacken wie „was sind meine Rechte und was sind meine Pflichten“, ebenso „wie verklage ich jemanden richtig, z.B. meinen Arbeitgeber, Ehemann, Ehefrau“ usw.

    Oder sollte man heute lesen, schreiben und rechnen können um einen Beitrag zur Erhalt der Wirtschaftskraft zu leisten?
    Dazu müsste aber zuerst die Wirtschaft die Gesamtlohnschere verkleinern auf 1:10 damit kaum jemand frustriert wird um „für die ohnehin gutbetuchten zu schuften“. Ebenso müsste man dann das Konzept des gewinnabhängigen Topmanagementbonus beerdigen.

    Oder sollte man heute lesen, schreiben und rechnen können um mehr Lebensqualität zu erhalten?
    Dann müssten Schulen rigoroser gegen destruktive Gruppendynamik, sprich Mobbing, vorgehen und Aufklären warum dies schlecht ist, vermehrt Schulreisen z.B. zu Seilparks durch führen und Kindern mehr freie Nachmittages einräumen. Harmos geht bei letzterem gerade in die andere Richtung.

    „Das Erziehungsverhalten der Eltern ist für das Wohl des Kindes und den Lernerfolg allerdings weit bedeutsamer als Reformen in der Schule.“
    Wie sollte das Erziehungsverhalten der Eltern einen grossen Einfluss auf den Lernerfolg der Kinder haben, wenn die Kinder mehr Zeit mit ihren Schulkollegen gemeinsam verbringen als mit ihren Eltern? Oder im Falle einzelner Fälle mit Tagesschulen, wo ein Kind im Wachzustand mehr Zeit mit der Lehrerin verbringt als mit der Mutter oder Vater?

  • Isabella Mordasini sagt:

    Noch vergessen: Hauswirtschaftsunterricht und Handwerk, damit die jungen Erwachsenen sich zu helfen wissen und nicht in die Armutsfallen unserer Konsumglitzerwelt geraten.

    Pippi auf den Schwanz getreten? Autsch, autsch.

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Wieso? Finde ich gut, die praktischen Fähigkeiten zu schulen, einfach bitte geschlechtsneutral. Auch Jungs sind froh, wenn sie nicht verhungern müssen, wenn sie mal ausgezogen sind, und Mädchen, wenn sie die Lampen in den neuen Wohnung selber aufhängen können.

      Ich bin übrigens die Letzte, die auf männliche Hilfe in handwerklichen Sachen angewiesen ist, meine Jungs fanden das so lustig, dass sie mich „Frou Schaftzämesetz“ nannten, wenn ich mal wieder die Wohnung um- und neumöblierte.

      • Eremit sagt:

        Naja, die Kochlehrerin, welche dem Schüler mal im Weg war und von ihm darauf hin auf die Seite geschubst wurde, zumal sie ihm miit ihrer Art auf die Nerven ging, und der Schüler selbst, welcher darauf hin eine Ohrfeige bekam fanden dieses Konzept nicht so toll.

      • Katharina sagt:

        „geschlechtsneutral“…oder eben wie durch ein wunder gender rekombiniert wie isa bella. man stelle sich das in der nicht-virtuellen welt vor. ein richtiger mann geht den weg einer drag queen, damit er sich in der schule gehoer verschaffen kann.
        zumindest kann ihm zugehalten werden, dass ihm die sache wichtiger ist als sein stolz.

  • BigMac sagt:

    Meines Erachtens leistet ein Bildungssystem im über eine Grundausbildung in Sprache, Naturwissenschaften und Kultur hinausgehenden Bereich nur einen kleinen Beitrag zum Potential eines Menschen resp. dem, was er daraus macht. Einige werden sich – unabhängig von ihrer Herkunft – in ihrem Schul- und Berufsleben durchsetzen, andere nicht. Ich bin überzeugt, dass das unabhängig vom Schulsystem in etwa dieselben sein werden. Ein guter Schwimmer schwimmt auch im warmen Wasser besser, als ein schlechter – obwohl es notabene für beide angenehmer ist als im Kalten. Aus diesem Grund betrachte ich die Diskussion um „Bildung“ und die ständigen Forderungen nach mehr Geld für die Bildungsindustrie als einzige „Rettung“ für die Zukunft als zumindest Fragwürdig. Nicht einfach „mehr Bildung“ nach dem Giesskannenprinzip – ein Bachelor für jeden – ist der richtige Weg.

    Im internationalen Vergleich sind unsere (Hoch-)Schulen – theoretisch – immer noch sehr gut. Trotzdem werden wir wohl je länger je mehr ins Hintertreffen geraten. Nicht weil wir dümmer wären als andere oder das Schulsystem zu schlecht sondern weil wir einerseits „satt“ sind und weil andererseits ausserordentliche Leistung in unserer heutigen Gesellschaft nur Neid statt Bewunderung weckt (Es sei denn, man ist Spitzensportler – nur leider schafft der meist nicht unbedingt Arbeitsplätze). Hier werden wir den Kampf um die Zukunft verlieren – nicht in den Klassenzimmern.

    • Isabella Mordasini sagt:

      Einverstanden, ausser der Ausnahme, dass auch Sportler den Neid erwecken. Die müssten schon von Anfang an an der Spitze sein.
      Ich nehme an, das sei der Grund, warum man soviele Schütteler einkaufen und einbürgern muss.

      Ich denke auch, dass die Schule nicht so einen grossen Unterschied macht, wer sich im Beruf durchsetzt. Die Schule gibt die Grundlagen. Für alles andere ist der einzelne, sein Temperament, sein Persönlichkeit, seine Interessen verantwortlich.

      In dem Sinn sollten sich die Schulen konzentrieren, die Minimalanforderungen zu erreichen: Lesen, Schreiben, Rechnen.

  • sportpapi sagt:

    @Isabella Mordasini: Das Problem ist nur, dass in eine Klasse immer nur die anderen Kinder stören. Die eigenen sind – im schlimmsten Fall – höchstens hochbegabt…

    • Raffaele Merminod sagt:

      @sportpapi:
      Erklären Sie doch mal warum Hochbegabte in Privatschulen nicht stören?

      • adlerauge sagt:

        wer zahlt, befiehlt?

      • sportpapi sagt:

        Meiner Meinung nach sollten Kinder sehr wohl auch mal auffallen dürfen – negativ wie positiv, das gehört zum Erwachsen werden. Und ein guter Lehrer weiss sehr wohl damit umzugehen. Aber er ist dann auch auf die Zusammenarbeit mit den Eltern angewiesen, um gewisse unerwünschte Verhaltensweisen wieder etwas zu kanalisieren. Deshalb ist es entscheidend, dass man sich über die Problemlage und die nötigen Schritte einig wird. Leider ist das – aus meiner Erfahrung – zunehmend schwieriger, da viele Eltern bei den eigenen Kindern Probleme nicht sehen wollen und zunehmend Druck auf die Lehrpersonen und die Schule als Institution ausüben, um eine Sonderbehandlung der eigenen Kinder zu erhalten. Natürlich gibt es aber auch Lehrer/innen, die nicht einsichtig sind. Wie gesagt, eigentlich sollte man sich einigen können.

      • Raffaele Merminod sagt:

        @sportpapi
        Absolut richtig. In unserem Fall war es auch so das die (hervorragende-) Lehrerin gleicher Meinung war wie wir Eltern und den 3 Fachberichte bzw. Abklärungsresultaten. Sie war auch der Meinung, es sei besser, wenn unser Sohn in eine private Schule wechselt, da die Volksschule ihm nicht bieten kann, was er braucht. Es war der Schulleiter und die Schulpflege die nach der Sitzung (ja erst hintenrum) damit nicht einverstanden waren. Die Schulinspektorin rügte die Lehrerin danach, weil sie die Privatschule erwähnt hat.
        Hier ging es also schlussendlich nicht mehr um das Kind. Deswegen blieb uns nur ein einziger Weg mehr offen, der der Privatschule und den damit verbundenen Kosten.
        Ich bin sicher, dass Eltern oft „schwierig“ sind, aber das schliesst nicht aus, dass auf Seite Schule auch einige unfähige Leute sitzen!

    • Brunhild Steiner sagt:

      @sportpapi: ich mag Ihre Posts in der Regel, aber dieser halb an die Adresse von RM gerichtet, welche über eine dreimalige (3!!!) Abklärung ihres Kindes berichtet hat, diesen definitiv nicht!
      Können Sie nachvollziehen was so ein Abklärungsmarathon eigentlich bedeutet? Dass ist längst nicht mit einer Sitzung erledigt! Und die Diagnose erklärt dann wenigstens die Schwierigkeiten, aber besonders glücklich ist mit so einer Diagnose nur eine Minderheit…

      • Brunhild Steiner sagt:

        …das sollte wohl „welcher“ und „sein“ Kind heissen, entschuldigung Raffaele Merminod…

      • sportpapi sagt:

        Ich zweifle nicht an der festgestellten (Teil-)Hochbegabung, weder im von RM beschriebenen Fall (auf den ich eigentlich nicht Bezug nahm), noch generell. Hingegen verstehe ich nicht, wieso Hochbegabung schlechtes Verhalten in der Schule entschuldigen soll. Und natürlich geht es den Kindern in einer Schule mit kleineren Klassen und intensiverer Betreuung besser – das git aber wohl für alle Kinder. Aber nicht alle können es sich leisten.

      • Raffaele Merminod sagt:

        @sportpapi:
        Vielleicht sollten Sie sich mal mit dem Thema Hochbegabung auseinandersetzte, bevor sie solche Sprüche klopfen?
        Unterforderte Kinder haben eben mehr Zeit, um herumzublödeln. Da wir ebenfalls ein ADHS-Kind haben, dachten wir zunächst auch an ADHS. Die Abklärung aber zeigte sehr schnell in die andere Richtung, nämlich Hochbegabung.
        Es geht ja nicht um Entschuldigungen, es geht ums verstehen und um das richtige Reagieren darauf. Mit Vernunft kommt man bei einem Erst- und Zweitklässler nicht weit. Mit Strafen noch weniger.
        Ich denke, dass man heute durchaus verlangen kann, dass die Volksschule auch Hochbegabten gerecht wird. Leider wird das an den Volksschulen auf der Unterstufe überhaupt nicht gefördert. Das ist nun mal die Tatsache.
        Und Leisten können wir uns die Privatschule auch nur, weil wir nun den Gürtel enorm eng schnallen müssen und dabei hoffen, dass in den nächsten Jahren, finanziell nichts grosses auf uns zukommen wird. Aber 2 Jahre lang wurde unser Kind kaputt gemacht (wag ich zu schreiben) und ein weiteres Jahr wollten wir nicht ausprobieren.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @sportpapi: ich finde schon dass Sie über eine Kurve darauf Bezug nahmen,
        denn Sie haben sich an Isabella gewandt, welche ihrerseits Raffaele zu dieser Privatschulentscheidung gratuliert hat, und in diesem Zusammenhang haben Sie gesagt, „Die eigenen sind – im schlimmsten Fall – höchstens hochbegabt“, in diesem Zusammenhang sollte Ihnen schon bewusst sein dass es als Hinterfragung von RM’s Erlebenissen gelesen werden kann.
        Desweiteren scheint mir ebenfalls dass Sie das Thema Hochbegabung oder Teilhochbegabung und ihre Auswirkungen nicht allzustark im Detail kennen, wie RM bemerkt geht es nicht um Entschuldigungen, sondern darum dass gehandelt werden muss!

    • Raffaele Merminod sagt:

      @adlerauge:
      Befiehlt was?
      Der Unterschied besteht darin, dass die Lehrer in einer Privatschule mehr Zeit für den einzelnen Schüler haben. Mehr Zeit, um individuell auf ihn einzugehen. Sie machen schlussendlich das, was eigentlich uns der Staat, mit den Integrativen Schulen verspricht, mangels Ressourcen aber nicht einhalten kann.

      ***Sorry mein Kommentar ging an den falschen Ort***

      • sportpapi sagt:

        @ Brunhilde Steiner: Stimmt, mit Hochbegabung kenne ich mich vor allem im Sport aus. Dort gehören Einstellung und Verhalten genauso dazu wie die körperlichen Voraussetzungen, ja sind sogar noch wichtiger. Also, klären Sie mich auf: Wieso stört ein Kind mit (Teil-)Hochbegabung im Unterricht? Weshalb kann es mit der offensichtlichen Unterforderung im einen oder anderen Fach (kommt ja auch bei anderen vor) nicht normal umgehen und allenfalls sich bei der Lehrperson zusätzliche Aufgaben abholen? Und ich meine das nicht polemisch! Gerne bitte auch einen Link/Text, so dass ich mich einlesen kann.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @sportpapi: meinen Sie sportliche Hochbegabung mit der Sie sich auskennen?
        Da kann ich nicht mitreden, ausser dass ich mal Einblick in die speziell geschaffene Berufslehre für Sportler hatte, welche es so ja schon wieder nicht mehr gibt.
        Folgendes ist salopp formuliert und soll keine Entschuldigung für „ungebührliches Verhalten“ sein!
        Die kognitiv teilweis bis ganz Hochbegabten kriegen ihre Hochbegabung manchmal nicht auf die Reihe. Es gibt solche, die finden von sich aus selber Beschäftigungsmöglichkeiten um sich im Unterricht nicht zu langweilen/ihre Energien quasi abzuarbeiten, oder werden von den Lehrern entsprechend „gefüttert“.
        Andere werden unruhig, fühlen sich minderwertig, können ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen, werden dadurch unausgefüllt, suchen nach Futter bekommen aber keines- mit entsprechenden Folgen.
        Handelt es sich um einen lernschwachen Schüler ist für alle sehr schnell klar, dass sein Verhalten, neben anderen (wechselwiirkenden) Faktoren aus seinem Frust kommt. Und ein breites Unterstützungsnetz steht bereit.
        Beim Schüler der immer so gute Noten hat ist das nicht so schnell klar.
        Der sollte sich doch zu benehmen wissen und nicht so mühsam tun.
        Unterstützung erhält er nur wenn die Lehrperson dies von sich aus bemerkt und handelt,
        oder die Eltern dann mit Abklärungsberichten vor der Tür stehen- und nicht mal das nützt immer wie das Beispiel gezeigt hat. Links hab ich keine.

      • Raffaele Merminod sagt:

        @sportpapi:
        Kurz gegoogelt: http://www.ads-kurse.de/verkannte_genies.htm

      • sportpapi sagt:

        @Raffaele Merminod: Danke für den Link. habe auf die Schnelle auch noch einiges Zusätzliches gelesen. Insgesamt hat sich meine Haltung nur bestätigt. Die offenbar häufige Reduktion von Hochbegabung auf IQ ist für mich extrem fragwürdig, aber wird je nachdem auch kritisiert. Im Sport kommen da tatächlich viele andere Sachen dazu, insbesondere Belastbarkeit, Fleiss und Leistungsbereitschaft… Als hochbegabt werden offenbar 2-3 Prozent der Kinder gesehen, an anderen Stellen aber auch 15-20 Prozent… Zusammenfassend ist klar, dass die Kinder nicht dauernd unterfordert werden dürfen, ob hochbegabt oder nicht (wahrscheinlich ist das sowieso vom Schulfach abhängig). Aber auch das Kind sollte es aushalten können, wenn es mal nicht immer top spannend ist.

      • Raffaele Merminod sagt:

        @spotpapi
        Ihre Aussage: „Aber auch das Kind sollte es aushalten können, wenn es mal nicht immer top spannend ist.“ ist eben in solchen Fällen einfach nur wischi waschi. Worte ohne Inhalt.
        Tatsache ist, es funktioniert nicht, man weiss warum und man weiss was man dagegen tun kann. Man macht aber nichts dagegen, weil es an Ressourcen fehlt. Pech für diese Kind?
        Das ist nicht akzeptabel!

      • sportpapi sagt:

        Jedes Kind würde es verdienen, in einer kleineren Klasse intensiv und individuell geschult zu werden. Wieviel sind wir denn bereit, dafür auszugeben? Irgendwie geht es immer ja auch um einen Verteilkampf um knappe Ressourcen. Und ich bin auch sehr dafür, begabte Kinder genauso zu fördern wie schwächere – und wie die vielen Kinder dazwischen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @sportpapi: ich glaub hier wird irgendwas verwechselt.
        Das eine ist dass alle Kinder logischerweise eigentlich den bestmöglichen Unterricht erhalten sollten, wahrgenommen werden usw etc.
        Aber hier geht es nicht um diese Kinder, sondern Kinder, welche aufgrund von Auffälligkeiten die das Übliche sprengen, abgeklärt werden!
        Und bei diesem Segment ist es nun mal so, dass die Verhaltensauffällligen aufgrund einer Hochbegabung (oder hohen Fähigkeiten im kognitiven Bereich) bis anhin eher die schlechteren Karten haben wenn es um unterstützende Massnahmen geht.
        Also wenn es schon zuhauf Deutschkurse für Fremdsprachige, Stützunterricht etc gibt, dann sollte ausreichend Geld vorhanden sein um diesen Kindern ebenfalls die nötige Unterstützung zu verschaffen. Mir scheint Sie möchten die Problematik kleinreden, schade. Wie schon erwähnt, Eltern die wissen was das bedeutet reissen sich in der Regel nicht um das Label „Hochbegabung“!

      • Sportpapi sagt:

        @Brunhild Steiner. Ich habe mich sehr intensiv mit Talentselektion im Sport beschäftigt und weiss, dass dies mit zunehmender Distanz zum Hochleistungsalter immer schwieriger bis unmöglich wird. Und noch mehr, wenn nur wenige Faktoren abgeklärt werden. Wenn wir nun die 2% hochbegabter Schüler aufgrund IQ selektionieren und fördern, machen wir wohl etwas Gutes, ohne jedoch wahrscheinlich die künftigen Genies zu erfassen – zumal es zudem kaum Allround-Talente gibt. Inhaltlich müsste aber vor allem an der Arbeitshaltung gefeilt werden, so dass die Talente tatächlich in die Lage kommen, ihr Potential auszuschöpfen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @sportpapi: Verstehen Sie unter „Selektion“ quasi das Entfernen aus dem Klassenverband? Darum ist es ja gar nie gegangen, sondern eben darum, dass es bei diesen Hochbegabten einen Anteil hat, welcher Unterstützung braucht um zu der von Ihnen postulierten „Arbeitshaltung“ zu kommen. Und an dieser Unterstützung hapert es eben, was Eltern dazu bringt ihre Kinder in Privatschulen zu schicken, wo das Stresslevel schon rein durch die Klassengrösse fürs betroffene Kind kleiner wird, von anderen Faktoren gar nicht zu sprechen.
        Und Unterstützungsmassnahmen meinen in diesem Zusammenhang nicht irgendeinen körperlichen oder mentalen Drill, um es mal ein bisschen provokant zu formulieren. I
        ch finde nicht dass Sie Sporthochbegabung inklusive der Massnahmen welche Sie da jeweils ergreifen, mit dem anderen vergleichen können, jedenfalls niemals 1 zu 1.

  • Gabri sagt:

    So, der erste Schultag der Jüngsten war heute. 20 Erstklässler haben zwei Lehrerinnen, eine pensionierte Frau als Unterstützung, eine Deutschlehrerinn für fremdsprachige Kinder, eine Lehrerin für Musikgrundschule oder so und einen Schwimmlehrer. Dazu gibt es bestimmt noch viel mehr Fachpersonal falls nötig das dann nicht in die Klasse kommt.
    Ich bin ja froh, dass es eine eher kleine Klasse ist und zwei engagierte und erfahrene Lehrerinnen sind, aber irgend wie finde ich es seltsam, dass bereits für Erstklässler so viele verschiedene Leute gebraucht werden. Kein Wunder braucht es da viel Administrationsaufwand.
    Grob geschätzt gehe ich mal davon aus, dass etwa die Hälfte der Kinder schweizer sind oder fliessend schweizerdeutsch sprechende Eltern haben. Da bin ich dann wieder froh, dass es bereits im Kindergarten regelmässig Deutschunterricht gab und die Deutschlehrerin ist bestimmt auch eine sinnvolle investition.
    Nun ja, die Zeiten ändern sich und was daraus wird werde ich dann später sehen.

    • Yves sagt:

      Deckt sich mit meinen Erlebnissen.

      • Raffaele Merminod sagt:

        Befiehlt was?
        Der Unterschied besteht darin, dass die Lehrer in einer Privatschule mehr Zeit für den einzelnen Schüler haben. Mehr Zeit, um individuell auf ihn einzugehen. Sie machen schlussendlich das, was eigentlich uns der Staat, mit den Integrativen Schulen verspricht, mangels Ressourcen aber nicht einhalten kann.

      • Raffaele Merminod sagt:

        ***Sorry mein Kommentar ging an den falschen Ort***

  • ich sagt:

    netter ansatz, aber wer erklärt dann dieser stelle, was vorgefallen ist, wenn nicht der lehrer? und pro klasse hast du immer 2-3 kinder, die den unterricht mit der heutigen verhätschlungspolitik verunmöglichen also müsste man für jede(!) klasse eine weitere person einstellen 😉 ok, das kommt ja mit den freiwilligen senioren, die in den klassenzimmern sitzen? ..die zukunft sieht aber anders aus. da wird es 4 gruppen geben: reiche/arme und lernwillige/unlernwillige. dumm ist’s nur für lernwillige arme, die sich den aufpreis für die privatisierte schule nicht leisten können, denn nur noch dort wird es möglich sein zu lernen, denn diese privatisierten schulen können störende schüler abweisen.

  • Rolf Schumacher sagt:

    @ich. das sehe ich genauso. die Lehrer sollten wieder sehr viel mehr Kompetenzen haben. Ein Kind welches notorisch stört sollte aus dem Unterricht ausgeschlossen werden können. Ich gehe sogar soweit, wer nicht lernen will, soll nicht lernen müssen. Er wird später sich bewusst werden, was er verpasst hat. Und es gibt immer wieder Möglichkeiten, wenn man willig ist, Versäumtes nachzuholen.
    Man sollte den Eltern und den Kindern nicht alles geben was sie sich wünschen, das entspricht der realen Welt überhaupt nicht. Im Unterricht braucht es klare Regeln und die Lehrperson muss als Autorität akzeptiert werden. Lehrer als Kumpel, das geht genau so schief wie der Lehrmeister als Kumpel. Denn Ausbildung ist manchmal hart und tut weh, man muss seine Grenzen kennen lernen. Der Lehrer muss die Kinder an diese Grenzen führen. ER muss die Kompetenz haben Strafen zu verteilen, welche nicht hinterfragt werden.

    Wir leben in einer Zeit, in der jedes Kind gleichzeitig einen akdemischen Titel und sportlich musische Höchstleistungen erbringen soll. Wenn 50% aller Kinder ein Abitur machen, dann stimmt vieles nicht mehr. Dann ist die Qualität der Ausbildung sowieso schlecht.

    Schule ist nicht ein Lustwandenln in einem Supermarkt, in welchem man am Ende mit Diplomen seiner Wahl durch die Kassen gewunken wird. So nicht.

    A propos Eltern. Viele Eltern wollen sich heute selber verwiklichen, sie haben das Geld und die Zeit dazu. Die Kindern stehen da oft im Weg. Kinder werden oft von einem zum andern Elternteil geschoben. Und die Eltern wechseln ihre Partner je nach Saison. Wenn da noch ein normales harmonisches Fundament vorhanden sein soll, dann heisse ich Beniamin Blümchen.

    • Nemo sagt:

      @Beniamin Blümchen, Ich Frage mich schon woran es liegen mag, dass ein Kind notorisch den Unterricht störrt. Ein Kind will nicht einfach nicht lernen und ihm ist auch nicht bewusst, was dies jetzt genau bedeutet. Dass es nicht Aufgabe der Lehrer ist, auch noch dieses Problem zu lösen, da sind wir uns einig. Aber er/sie kann die nötigen Instanzen avisieren und diese haben dann die Eltern in die Pflicht zu nehmen. Anyway wir haben in der Schweiz die Schulpflicht, was ein Schulrecht impliziert.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Doch, genau das ist es, das Problem des Lehrers. Wenn ein Kind (nicht Jugendlicher, das ist wieder ein anderes Thema) gar nicht lernen will und nur stört, gibt es Gründe. Hier sind die Sonderpädagogen gefordert, die diesen Knoten innerhalb der Klasse lösen können und nicht schulzimmerferne Spezialisten, die gar nicht sehen, was abgeht. Im Übrigen ist das Aussortieren der „Mühsamen“ keine Lösung, vergessen wir nicht, es sind Kinder, sie bedürfen unserer Fürsorge und Hingabe. Wer sich hier überfordert fühlt, ist am falschen Platz. Es kann doch nicht sein, dass ein Kind einer erwachsenen Fachperson, die eine qualifizierte Ausbildung hinter sich hat, einfach so den Wind aus den Segeln nimmt, da gibt es immer Lösungen, ja Lösungen, nicht Vermeidungsstrategien wie aussortieren. Für mich kein Zufall, dass die Montessorilehrerin, wie im obigen Beispiel geschildert, mit den Schwierigen zugange kam.

      • Yves sagt:

        Nun ja. Die Mühsamen auf Kosten der anderen Schüler um jeden Preis in der Klasse belassen ist aber auch nicht fair. In der Klasse meines Jungen gibt es zwei Schüler, die den Unterreicht massiv gestört haben. Laut schreien, rumrennen, Stühle verwefen. Das ganze Programm. Nach der ersten Klasse haben wir Eltern uns zusammen getan und haben erwirkt, dass diese beiden Schüler aus der Klasse genommen werden. Es kann doch nicht sein, dass sich die Mehrheit einer Minderheit beugen muss! Klar können die armen Kinder nichts dafür. blabla. Aber was ist mit den anderen Kindern? Die können noch weniger was dafür und müssen es einfach hin nehmen, dass die Lehrer die meiste Zeit für „schwierige“ Fälle aufwenden müssen?

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Nun ja. Später im „richtigen Leben“ müssen wir uns auch mit den verschiedensten Figuren auseinander setzen. Es ist ein Zeichen der Ohnmacht, wenn Kinder einfach aussortiert werden, bevor nicht alles andere versucht wurde. Vor allem ist es ganz schlecht für die Zukunft der Aussortierten, wer nie wirklich eine Chance bekam und vor allem abgelehnt wurde, findet Mittel und Wege, sich anderweitig Bestätigung zu holen, z.B. später als Anführer einer Jugendgang oder als Erwachsener, der ständig ein bisschen delinquiert und mit einem Bein im Gefängnis ist. Wir ernten, was wir säen. Es ist die Aufgabe der Erwachsenen, die Kinder zu sozialisieren, manchmal eine grosse Herausforderung, sogar eine Kunst, aber Aufgeben gilt nicht, Pädagogik ist kein Gebiet für Weicheier. Ich hatte Gelegenheit, verschiedene solche Lebenswege zu beobachten, die Gesellschaft tut sich einen grossen Gefallen, wenn sie rechtzeitig das Richtige tut. Beispielhaft in diesem Zusammenhang sind für mich immer wieder die Steiner Schulen. Kinder wollen angenommen sein, dann lassen sie sich auch lenken. Ein Lehrer allein kann das nicht bewerkstelligen, da braucht es das ganze Kollegium, das sich unterstützt, deshalb funktioniert das auch mit den „Schwierigen“ in den Reformschulen. Sie verlieren ihren Sonderstatus und können sich einfügen, sie bekommen Aufmerksamkeit, ohne schwierig sein zu müssen.

      • Yves sagt:

        Du kannst natürlich auch an meinen Argumenten vorbei reden. Und das du dich so für diese Kinder einsetzt spricht für dich. Aber wo ist die Grenze? Bei mir ist die Grenze da erreicht, wo andere in der Freiheit eingeschränkt werden. Da geht es nicht darum, dass lernschwache oder ADHS-Kinder im Unterricht sind. Sondern Schüler, die den Unterricht stören. Andere Kinder massiv bedrohen und zusammenschlagen. So dass diese nicht mehr gerne in die Schule gehen. Da hört bei mir die Akzeptanz und hätscheln auf. Müssen meine Kinder es ertragen und ausbaden, wenn Eltern von gewissen Kindern versagt haben? Integration ist gut. Aber alles hat Grenzen.

      • Raffaele Merminod sagt:

        Wir haben ein ähnliches Problem mit unserem Sohn gehabt. Er störte den Unterricht. Die Abklärung beim Kinderpsychiater ergab, dass er eine Teilhochbegabung hat und mehr gefördert werden muss. Die Schule versuchte in Absprache mit uns verschiedene Lösungsmöglichkeiten, allerdings nur widerwillig und nur für kurze Zeit. Sie zweifelten an der Abklärung ohne dies aber direkt zu sagen und ohne eine weitere Abklärung zu verlangen. Auf unser bestreben hin, folgten 2 weiter Abklärungen, mit dem jeweils gleichen Resultat. Die Letzte sogar vom schulpsychologischen Dienst. Die Schulleitung und Schulpflege ist aber immer noch der Meinung, es liege ein anderes Problem vor, bietet aber keinen Lösungsansatz und widerspricht den 3 Fachberichte.
        Heute geht unser Sohn in eine Privatschule und macht dort keine Probleme. Im Gegenteil, er fällt nur positiv auf auch im Umgang mit den anderen Schülern und ist sehr hilfsbereit.
        Es gibt Fälle, da werden Eltern völlig auf sich alleine Gelassen und da kommt schon eine gewisse Wut auf, wenn hier andere Schreiben, dass Eltern mehr Verantwortung übernehmen sollen. Wir haben die Verantwortung nun ganz übernommen und dementsprechend auch die Finanzielle Last.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Nein Yves, kein Kind muss es ertragen, dass es in der Schule geplagt wird. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass das Mittel des Ausschlusses gar nicht zum Tragen kommen muss, wenn die Schule rechtzeitig und richtig eingreift, ein solches Verhalten darf sich auf keinen Fall etablieren, auf keinen Fall! Deshalb sagte ich, dass die Pädagogik kein Tummelfeld für Weicheier ist. Ein Time out bewirkt oft viel, dazu braucht es aber auch die richtigen Auffangstellen, das Kind einfach sich selbst überlassen ist auf keinen Fall eine Lösung, da kommen sie erst recht auf dumme Ideen. Auch die Klasse muss entsprechend aufgeklärt werden, der Übeltäter darf nicht stigmatisiert werden für den Rest der Schulzeit, er muss sich ändern, aber er wird auch wieder aufgenommen, das ist Erziehung, Werte vorleben. Nur wenn alles nichts gebracht hat, darf man zum Mittel des endgültigen Ausschlusses greifen, aber ich denke, dass das nur Kinder betrifft, die ernsthaft psychisch krank sind, die brauchen dann auch eine andere Umgebung, die adäquat reagieren kann. Ich weiss, dass es sie gibt, die kleinen Psychopathen, die schon im Kindesalter Freude am Quälen haben, aber sie sind doch sehr selten, nicht wahr?

      • Isabella Mordasini sagt:

        @Raffaele Merminod

        Bravo, haben Sie gut gemacht. Sie sind zu Ihrem Buben gestanden und die Besserwisser von der Gemeinde müssen selber schauen.

        Wenn der Staat sich weigert, sind immer wieder wir privaten selber gefragt. Das ist ein wesentlicher Grund, warum man die Steuern senken muss: Damit die Bürger ihre private Verantwortung wieder bezahlen können.

        Man merke: Chancengleichheit ist, wenn alle gleich schlechte Chancen haben. Darum ist es nötig, störende Schüler in der Schulklasse zu lassen.

    • Nemo sagt:

      @Yves vielleicht liegt es an meiner mathematischen Fähigkeit aber ich kapiere Ihre Voten nicht mehr. Zuerst schreiben Sie, dass in der 3. Klase ihres Jungen, 2-3 Jungs Probleme machen (scheinbar seit der 1. Klasse). Dann schreiben Sie, dass es in der ersten Klasse 2 waren, die Sie und andere Eltern entfernen liessen. Das macht nach Adam Riese, 4 – 5 Jungs in der 1. Klasse die Zoff machten. 4 – 5 Jungs von 25 SchülerInnen macht 20 % wow. Und dann ging aus ihren Beiträgen hervor, dass die Lehrerin das ganze erste Jahr nichts dagegen unternommen habe. Sorry aber das klingt nicht plausibel, beim besten Willen nicht.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Nemo: Sie würden sich noch wundern wenn Sie wüssten wo überall nichts wirklich Wirksames unternommen wird.
        Ich nehme mal an im betreffenden Fall wurde geredet, geredet, geredet…, dann zwecks in sich gehen und nachdenken durften die Buben im Schulleiterbüro ein paar mal Mosaike legen, dann wurde über das Nachgedachte geredet-
        und schon ist ein ganzes Jahr verstrichen und eben nichts wirklich Wirksames passiert…

      • Nemo sagt:

        Frau Steiner schon klar und so naiv bin ich auch nicht. Aber in der Anonymität des Netzes wird doch das eine oder andere Mal auch, sagen wir es diplomatisch, leicht übertrieben. Stellen Sie sich vor, 5 Jungs machen nur Blödsin, wie schnell geht das bis sich die anderen Jungs anstecken lassen? Bei 5 regelmässig störrenden Kids, spielt über kurz oder lang mindestens die halbe Klasse mit. Yves hat zudem erwähnt, dass regelmässig Stühle herum geworfen wurden. Stellen Sie sich vor, 5 Jungs werfen mit Stühlen um sich, da geht sicherlich was in die Brüche, wenn nicht gar andere Kinder veletzt wurden. Und in einem solchen Fall gibt es nur eine „Gsprüsch mi“-Lektion durch die Schulleitung? Bei aller Kritik an der Volksschule, dies dünkt mich einfach nicht plausibel.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Nemo: da haben Sie Recht, ich hab das mit den Stühlen auch mehr als „heftig herumschieben“ interpretiert.
        Aber leider hab ich für meinen Geschmack auch schon zu oft genausolche Geschichten miterleben müssen,
        als Direktbetroffene wäre es wohl nicht lange gegangen, und ich wär im Klassenzimmer aufgetaucht.
        Diesbezüglich ist meine Kompromiss/Duldungsbereitschaft ziemlich gesunken.
        Da gefällt mir Yves Geschichte zugegeben sehr… .

      • Yves sagt:

        Wo Problem: 2 Jungs sind jetzt weg. Die anderen beiden sind noch da, aber die lassen soweit die anderen Kinder in Ruhe.

        Das Ganz ist sehr kompliziert und langwierig. Die Jungs wurden zuerst abgeklärt. Danach spezielle Förderung, Mediation durch Vormundschaftsbehörden mit den Eltern. Klassen-Wechsel. Gespräche der Schulleitung, Vormundschaftsbehörden und Elternrat. Das ganze Programm. Nach dem ersten Jahr haben wir es dann geschafft, dass wenigstens die beiden Auffälligsten die Schule in Richtung spezialisierte Institution verlassen durften. Die Lehrer und vorallem die Behörden waren heillos überfordert.

        Die beiden Jungen, die jetzt noch in der Klasse verbleiben, werden durch spezielle Förderung gestützt. Und das geht auch soweit gut, dass die anderen Schüler wenigstens wieder gerne in die Schule gehen und sich auf die Arbeit konzentrieren können. Ich gehe mal davon aus, dass das eher die Mitläufer waren und somit sich die Sache weiter beruhigen wird.

        Mir ist es bis heute schleierhaft, warum die Behörden so lange gewartet haben. Diese beiden Buben sind schon im Kindergarten durch entpsprechend agressives und gestörtes Verhalten aufgefallen. Mit der Einschulung hat man niemandem einen Gefallen getan. Am wenigsten den beiden Jungen.

        Weiter kann nicht sein, dass fast durchs Band eine ganze Klasse nicht mehr in die Schule möchte wegen zwei Kinder, die nicht in das Gefüge passen.

  • Yves sagt:

    Definieren wir doch einfach, dass jeder Lehrer nur 20% seiner Arbeitszeit für andere Tätigkeiten (ausser dem Unterrichten und der Unterrichtsvorbereitungen) verwenden darf?

    • ich sagt:

      haha, der witz ist gut. fügen wir weitere 30% hinzu können junge lehrer gerade mal ihre lektionen vorbereiten. bei lehrer, die etwas mehr routine haben, könnten 20% für die vorbereitung vielleicht knapp aufgehen.

      • ich sagt:

        oops, sehe gerade, dass du „ausser unterrichtsvorbereitung“ geschrieben hast. naja, 20% für z.b. prüfungen korrigieren könnte vielleicht noch knapp hinkommen…

      • Yves sagt:

        Ist ja nur ein Ansatz… Ich denke einfach, dass mehr als 60% der Arbeit eines Lehrer der Unterricht sein müssen. Dazu kommen noch Vorbereitung, Korrekturen etc. alles andere kann auch durch eine Administrative stelle organisiert werden.

        Warum nicht einfach eine Stelle schaffen, die bei Problemen mit Kindern das Eltern-Management übernimmt und den Lehrer von lässtigen Telefonaten, Gesprächen etc. fern hält? Diese Person könnte dann auch gelegentlich in die Klassen sitzen, um zu sehen, wie sich die Kinder verhalten und könnte entsprechende Massnahmen einleiten.

      • ich sagt:

        mein beitrag hierzu hat’s zu unteren beitrag verschneit.. sorry

      • Yves sagt:

        hab’s gesehen. lol. ist mir auch schon passiert…

        Ich dachte eher an eine Person, die bei bedarf zusätzlich in die Klasse kommen kann und die entsprechenden Kandidaten zu beobachten. Ich war am College in den USA und bei einer Verfehlung wurde der Schüler zum Rektor geschickt und der hat dann die Massnahme/Straffe erlassen und auch mit den Eltern etc geredet.

      • ich sagt:

        ja das wäre was. das hätte auch den vorteil, dass nicht der lehrer immer der „böse“ ist sondern der rektor. und der widerum bekäme automatisch auch respekt.

  • ich sagt:

    ich komme aus einer lehrerfamilie: eltern und geschwister (inkl. derer angeheiratete ehepartner) sind lehrer, ich weiss also, wovon ich spreche. ich bin als einziger nicht lehrer: warum? lehrer sein und wissen vermitteln, schüler helfen in allerlei belangen tönt gut und täte ich auch gerne. die realität sieht leider anders aus: heute können lehrer nicht mehr wissen vermitteln, weil die zeit und energie dafür nicht mehr reicht, denn die wird gebraucht vor allem um zu erziehen, sich am feierabend ständig gegenüber behörden und eltern zu rechtfertigen, sich (ebenfalls in der freizeit) weiterbildungen was sowieso fast nichts bringet und hunterte sitzungen ausserhalb der schulstunden usw. und so fort. ich sage dazu nein danke, ich gehe lieber einer angenehmeren arbeit nach. heute kommen schüler in die schule, denen man beibringen muss, dass man die füsse nicht auf dem tisch parkiert und während der stunde nicht sms schreibt – lehrer müssen heute mehr erziehen als sie ihrem beruf nachgehen können. daher meine meinung: die schule braucht lehrer, die lehrer sein können. …allerdings, wer bringt dann unseren kindern anstand, wertschätzung der mitmenschen usw bei? denn 80%(?) der heutigen eltern tun dies nicht mehr ausreichend (das sind übrigens auch die selben eltern, die sich dann in ihre erziehung nicht reinreden lassen und sich die lehrer ihnen gengenüber in einem 30min-telefongespräch rechtfertigen müssen, warum sie z.b. eine strafe verhängten).

    • Raffaele Merminod sagt:

      Wenn die Lehrer weniger Schüler hätten, hätten sie mehr Zeit für die Rechtfertigungen am Telefon gegenüber Eltern. Viel wahrscheinlicher ist es aber, das sie prozentual gesehen auch weniger solche Fälle hätten, weil sie mehr Zeit hätten, um auf die Schüler einzugehen und um deren Sozialverhalten rechtzeitig zu beeinflussen.

      • Yves sagt:

        Mein Sohn geht jetzt in die 3. Klasse. In seinem Alter gibt es 2-3 Jungs, die lassen sich von der Lehrerin nichts sagen und stören massiv den Unterricht. Und das schon seit der 1. Klasse. Wenn die grundlegenden sozialen Dinge fehlen, kann der Lehrer kaum mehr eingreiffen. Dazu bräuchte es schon fast einen 1:1 Unterricht.

        Komischer Weise hat der Musiklehrer die Jungs im Griff. Liegt es daran, dass er Mann ist? (Leider der einige an dieser Schule und Stuffe…)

      • Raffaele Merminod sagt:

        @Yves:
        Komischerweise hatte bei uns die Lehrerin die schwierigen Schüler in der Hand und der Lehrer nicht. Und interessanterweise ist die Lehrerin Jung und hat eine Montessori Ausbildung und der Lehrer einiges älter aber unterrichtet immer noch im Altmodischen styl.
        Liegt also nicht am Geschlecht!

    • Yves sagt:

      Sehe ich genaus so. Ganz schlimm finde ich die Zustände in den Klassen 1-9. Gymi sieht da wieder besser aus, da hier ja auch nur „lernwillige“ Schüler anzutreffen sind.

      In einem früheren Post habe ich ja genau das Gleiche festgestellt. Die Schule sollte wieder zurück zum ursprünglichen Auftrag: Vermittlung von Wissen. Aber wie geht das? Hier sollten die Lehrer wieder mit mehr Kompetenzen und Rechten versehen werden, die Ihnen auch explizit das Bestrafen oder die Sanktion von Kindern erlaubt. Weiter sollten Kinder, die den Unterricht stören, schneller von der Schule gewiesen werden. Hier wird auf Rücksicht genommen auf ein paar wenige zu Lasten der Mehrheit. Das geht einfach nicht.

      • ich sagt:

        @Yves: ich gebe dir recht. aber unsere kultur ist noch nicht so weit, dass die mehrheit/gesellschaft mehr zählt als das individuum, denn fast überall büsst die mehrheit für ein paar wenige. angefangen bei ein paar abfallsünder die man nicht per video überwachen darf bis zur verhätschlung von straftäter – in der schule lernen heute die kinder, wie’s geht. und der erfolg gibt ihnen recht.

  • Yves sagt:

    Leider muss ich sagen, dass die Schule nicht das einzige Problem ist. Lesen, rechnen und schreiben lernt das Kind nicht nur in der Schule, sondern auch Zuhause im Alltag. Die Eltern tragen einen wichtigen Teil dazu bei, dem Kind die Welt zu öffnen. Hier der Schule alles abzuschieben geht einfach nicht!

    Eltern sollen mit den Kinder lesen, schreiben, musizieren, rumrennen etc.

    • Isabella Mordasini sagt:

      @Yves

      Die Sozialisten und die Ökofaschisten in der stadtbernischen Regierung und ihre Parteigenossen sehen das anders:
      Chancengleichheit herrscht dann, wenn alle gleichwenig Chancen haben. Darum sollen Hausaufgaben verboten werden.

      So wird dieser alte Brauch, bei dem Kinder auch von ihren Eltern etwas lernen, wirkungsvoll unterbunden.

      • Yves sagt:

        Das ist natürlich Quatsch. Und Chancengleichheit ist leider eine Utopie.

        Warum schicken wir eigentlich nicht einfach die Eltern nochmals in die Schule. Damit die lernen, was die Kinder in der Schulzeit brauchen?

  • Isabella Mordasini sagt:

    Was Urs Moser sorgfältig verschweigt:
    In der ersten PISA Studie korrelierte schlechter Schulerfolg signifikant mit dem Anteil an bildungsfernen Ausländerkindern.

    Dann kommt über diesen Artikel die Foto, wo Schweizerkinder in der Unterstufe in den Hintergrund gedrängt sind. Mit solchen Fotos kann man trefflich von einem der Hauptprobleme in der Volksschule ablenken. So funktioniert Medienmanipulation: Nebenbei, unterschwellig, aber konstant und beharrlich.

  • sportpapi sagt:

    Urs Moser könnte noch deutlicher werden: Viele Reformen kosten mehr Geld. Eine Investition, die sich zumindest in Bezug auf bessere Schulleistungen in der Regel nicht lohnt. Und: wir brauchen zwar Modell- und Methodenfreiheit, dafür aber auch eine regelmässige, transparente Messung des Lernerfolges (Output).

  • Nemo sagt:

    @Aeppli warum ist die Maturitätsquote in der romanischen Schweiz höher als in der Deutschschweiz?

    • azazu sagt:

      weil, lieber Nemo, es in der Westschweiz keine Aufnahmeprüfung braucht.

      Und weil, fällt man bei der Prüfung durch, das Zeugnis sowieso erhält.

      So geschehen in Yverdon vor 2 Jahren. Da fielen 22 Schüler durch die Maturprüfung durch, doch weil diese Quote der Leitung zu hoch war, wurde einfach der Schnitt nach unten korrigiert.

      Also ist die Quote nicht höher, weil die Welschen durchschnittlich besser gebildet sind, sondern weil die Maturität teils verschenkt wird.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Auch in Basel Stadt wird die Matura teilweise verschenkt. Pech für die Kinder, die in den prüfungsharten Kantonen leben.

      • Walter sagt:

        Naja, ob eine „geschenkte“ Prüfung wirklich ein Geschenk ist sei dahingestellt. Früher oder später werden die Defizite doch aufgedeckt und je später das geschieht umso härter sind die Konsequenzen.

      • Regula sagt:

        Warum ist es eigentlich erstrebenswert, eine möglichst hohe Maturitätsquote zu haben?
        Was die Akademisierung der Berufsbildung bewirkt, kann ja nicht zuletzt in der Lehrerausbildung und im Schulwesen gesehen werden.

  • Raffaele Merminod sagt:

    Ein Bauer der seinen Ertrag steigern will oder muss und kann sicherlich einiges, wo auch immer, optimieren und erfolge erzielen. Aber irgendwann ist eine Grenze erreicht, wo es ohne mehr Land keine Steigerung gibt.
    Wir haben das genau gleiche Problem in den Volksschulen. Optimierung hin oder her, ohne mehr Ressourcen geht es nicht.
    Wir müssen mehr Zeit in die einzelnen Schüler investieren und das bedeutet mehr Lehrer und mehr Geld.
    Vergesst bei aller Methodenfreiheit für Lehrer bitte nicht das Schüler auch Individuen sind. Schüler sind nicht eine homogene formbare Masse!

    • Isabella Mordasini sagt:

      @Merminod

      Recht haben Sie. Dazu ist nicht mehr Geld nötig, sondern der gezielte Einsatz des vorhandenen Geldes.

      Mehr Lehrer, weniger Bürokraten. Der Wasserkopf in der Erziehungsdirektion des Kantonsbern umfasst 800 Vollzeitstellen verteilt auf 1000 Angestellte. Man muss sich das vorstellen: Hier verwalten 1000 Leute 14’000 Lehrer!!!!!!

      Kein Wunder, dass die Sesselfurzer ihre Existenz mit immer neuen Reformen rechtfertigen müssen.

      • Yves sagt:

        1000 zu 14’000 das ist eigentlich kein schlechtes Verhältnis. Auch wenn wir hier die 800 auf 400 runterkriegen, haben wir nur 400 mehr Lehrer. Bringt immer noch nix.

        Das Problem ist doch eigentlich, dass die Schule immer mehr machen muss in der gleichen Zeit, mit gleichvielen Lehrern. Das geht nun mal nicht auf. Vor 20 Jahren gab es noch keinen Elternrat, Integrationsunterricht, Logopädie, Früh-Englisch, Elterncoaching, Lehrer-Teilzeits-Arbeits-Wut, ständig wechselnde Unterrichtsmaterial etc. Wenn wir diese zusätzlichen Dienste der Schule aufbürden, müssen wir mehr Lehrer haben.

      • Isabella Mordasini sagt:

        … und Sexualkunde und Umweltunterricht, und Sensibilisierung dies und Erfahrung das für die Schüler.

        Ja, die Koordination von Teilzeitpensen verschlingt extrem viel Arbeitszeit.
        Ja, all diese Zusatzaufgaben sind der häufigste Grund, warum in meinem Freundeskreis der Lehrerberuf aufgegeben wird.
        Am häufigsten nennen meine Freunde der bürokratische Aufwand, alle die Formulare und die Sitzungen mit Lehrerkollegien und Behörden als Grund für den Ausstieg aus dem Lehrerberuf.
        Am zweithäufigsten kommt was Urs Moser beschreibt, dass man von Behördenseite den Lehrern dauernd beim Unterrichten dreinredet.
        Dass Eltern beim Unterricht dreinreden kommt erst an dritter Stelle als Grund.
        Trotz aller Probleme ist übrigens die mangelnde Disziplin in der Schulklasse eher selten der Grund für den Ausstieg aus dem Lehrerberuf. Es kommt allerdings vor, dass mir 50-jährige Lehrer sagen, solches Ungfehl hätten sie nicht nötig. Sie wollten unterrichten und nicht Schüler nacherziehen.

        Leider haben Sie insofern unrecht, als dass mehr Geld nicht zu mehr Lehrern führt. Es sind nämlich massenhaft Lehrerstellen entweder nicht besetzt oder von ungelerntem [!!!] Personal. Der Lehrerberuf wird zum Jekami.

      • Yves sagt:

        „Leider haben Sie insofern unrecht, als dass mehr Geld nicht zu mehr Lehrern führt. “

        So alleine stimmt das natürlich nicht. Aber wenn wir zugleich den Lehrberuf wieder zu dem machen, was er eigentilch sein sollte, wird es automatisch wieder mehr Lehrer geben. Dazu könnten gewisse Aufgaben auch durch andere Stellen übernommen werden.

      • Isabella Mordasini sagt:

        @Yves

        Vergass noch festzustellen: Wenn in der Berner Erziehungsdirektion nur noch 400 Bürokraten statt 800 schaffen, dann bezahlt man damit zwar nur 400 zusätzliche Arbeitsstellen für Leher.

        ABER: Es sind gleichzeitig 400 Sesselfurzer weniger, die die 14’000 ehrlich und hart arbeitenden Lehrer drangsalieren und sie von ihren eigentlichen Aufgaben abhalten.

      • Yves sagt:

        Sprichst du eigentlich von 14’000 Lehrerstellen oder Leherer? Da die meisten Lehrer Teilzeit arbeiten…

  • Isabella Mordasini sagt:

    Meine Erinnerung an die Schulzeit in Steffisburg war, dass die authentischen Lehrer am erfolgreichsten waren auch bei den beinharten Buben, die nicht folgen wollten und ständig Blödsinn im Gring hatten.

    Authentisch heisst: Lehrer, die sich in ihrem Fachgebiet auskannten, die eine Vorstellung hatten, was sie im Beruf erreichen wollten und vor allem anderen, die ihre eigenen Methoden entwickelt hatten und über Jahre einschleifen und verbessern konnten. Persönlich erfolgreiche Lehrmethoden halten sich nur in groben Zügen an die Vorgaben der Bürokratie.

    Unter den Schülern gab es eine Tradition von Wissen über die Marotten dieser Lehrer, über Anpassungsstrategien, darüber, wie man bei dem sich verhalten, bei jenem die Hausaufgaben machen musste. Man wusste, mit wem man es zu tun bekam, wenn man beim Minder Rechnen lernte, bei der Küpfer französisch…

    Jede Schulreform hindert den Lehrer sich in seiner persönlichen Unterrichtsweise weiterzuentwickeln und jede Schulreform beschädigt die Schülertraditionen.

    Eltern haben in alledem sowieso nur etwas zu suchen, wenn die Erziehungsbürokraten überborden und zur reinen Birnenwixerei verkommene Reformitis betreiben. Dann müssen Eltern auf der politischen Ebene durchgreifen und die Wiedereinführung eines geordneten Unterrichtes erzwingen. Solange der Betrieb läuft, haben sich Eltern nicht einzumischen. Schule ist zwischen Lehrern und Schülern.

    Die Reformitis dient der totalitären staatlichen Kontrolle über die Lehrer. Wenn ein Schulsystem einige Jahre seinen eigenen Weg läuft, dann kennen die Beteiligten die Regeln, wissen, woran sie sich halten müssen und was weniger wichtig ist. Die Kantonshauptstadt (Bern bei uns) ist auf einmal weit weg.

    Wenn ständig neue Reformen eingeführt werden, dann führt das zu ständig neuem Stress im Lehrerzimmer. Keiner weiss, woran er wirklich ist. Jeder beobachtet jeden. Man observiert, intrigiert, verpfeift. In diesem Klima der Unsicherheit hat die Erziehungsbürokratie die Oberhand, kann die Untertanen nach Belieben herausplfücken und vorknöpefn.

    Der eigentliche Zweck der ständig neuen Bildungsreformen ist es also, die Daseinsberechtigung und die Machtposition der fetten Sesselfurzer in den Erziehungsdirektionen zu festigen.

    Jeden Schulreform hat unmittelbar eine Welle von Frühpensionierungen und Stellenwechseln zur Folge. Die Lehrer haben solchen Mist nicht nötig. So gehen den Schulen die authentischen Lehrer verloren.

    • Isabella Mordasini sagt:

      Unvergessen

      Christian Gurzeler, Steffisburg.
      Deutsch- und Französischlehrer.
      Killed in action.
      Bei seinem vierten Herzinfarkt auf der Türschwelle zum Schulhaus zusammengebrochen und verstorben.

      Der beste, den wir hatten, streng und voller Hingabe an die Sprache und an die Schüler.
      Unnachgiebig, jähzornig, scheute nicht vor Prügeln zurück
      und wir schonten ihn, waren rücksichtsvoll, weil wir ihn nicht bei einem weiteren Infarkt verlieren wollten.

      Ohne ihn wäre mein sprachliches Können ohne den ganzen technischen Unterbau und ohne Leidenschaft.

    • Yves sagt:

      Dem lässt sich nichts mehr anfügen – full ack.

    • Rückeroberer sagt:

      @Isabella Mordasini:

      Mit allem was Sie sagen könnte ich nicht mehr einverstanden sein! Auch Urs Moser zielt ja schon in die Richtung: Es geht nicht um Systeme oder Strukturen, sondern darum, dass die Lehrer (ja ja, auch -innen) die Freiheit brauchen, wirklich das umzusetzen was sie zunächst gelernt und dann durch Erfahrung weiter entwickelt haben. Weiter gedacht: Lehrer wirken im Team, also müssten auch die Schulen als Ganze sehr viel mehr Autonomie geniessen, wo Kollegien gemeinsam Verantwortung tragen müssen und können. Selbstverständlich hiesse das auch, dass die Schulteams und die Schuleltern eine frei gewählte Partnerschaft eingehen und nicht durch Zwangseinweisung zueinander finden. So weit so gut.

      Aber warum geht die Entwicklung genau in die entgegengesetzte Richtung? Z.B. unter dem Titel „Harmonisierung“ soll ja in Zukunft der „Schulgott“ vom eh schon fernen Kantonshauptort noch wesentlich „höher“ gesetzt werden – unerreichbar im normalen Schulalltag!

      Antwort: Es sind nicht nur die vielgescholtenen Schulbehörden und Bürokraten (die natürlich auch!), sondern nicht zuletzt auch „das Volk“: Warum sonst wurden die Initiativen zur freien Schulwahl bisher so haushoch abgelehnt? Ich kann das nur so verstehen: Die Leute, die Eltern, wer auch immer, will „die Kontrolle behalten“, die man durch eine stramm durchorganisierte, möglichst zentralistische („harmonisierte“) Organisationsstruktur des Schulsystems sich erhofft: Leistungskontrolle, Tests, Input/Output etc. – alles „im Griff“. Schulabgänger als standardisierte „Produkte“, samt „Qualitätskontrolle“ und allem was eine gute Industrieproduktion ausmacht. Unmittelbar einsetzbares Rohmaterial für die Wirtschaft. Als ob Schule wirklich mit den Mitteln einer rationellen Industrieproduktion „optimiert“ werden könnte…!

      Wir wissen es besser – und tun trotzdem das Gegenteil davon!

      • Isabella Mordasini sagt:

        @Rückeroberer

        Bei der Einführung von HarmoS im Kanton Bern habe ich mich gefragt, ob die Mehrheit der Befürworter tatsächlich Kinder im Schulalter hat.
        Leider wird ausgerechnet diese wichtige Frage von den Abstimmungs-Politikforschern nicht untersucht.

        Dasselbe gilt für Initiativen zur freien Schulwahl.

      • sportpapi sagt:

        Natürlich brauchen Lehrer ihre Freiheiten. Die hat allerdings Grenzen. Ich glaube, es ist unbestritten, dass Stoffprogramm und Lernziele vorgegeben werden müssen – über Stundentafel könnte man dann schon streiten. Und die Methodenfreiheit ist natürlich nur sinnvoll, wenn am Schluss mit einem Test gemessen werden kann, ob die Schulziele erreicht werden. Betreffend Harmos: sicher ist es sinnvoll, wenn in der kleinen Schweiz die Schülerinnen und Schüler in der Schule alle etwa das gleiche lernen, oder? Weniger sinnvoll erscheint es mir hingegen im Moment, die Macht der Eltern gegenüber Lehrer/innen und Schulen noch mehr auszubauen, wie dies etwa mit der Freien Schulwahl angedacht ist. Wechselt man dann die Schule (wie heute bereits in die Privatschule), wenn die Noten nicht den Wünschen der Eltern entsprechen? Und organisatorisch: ist dann immer noch jede Gemeinde verpflichtet, Schulen für alle Jahrgänge anzubieten. Würde mir das als Gemeinde noch eimmal überlegen, neue Schulen zu bauen, nur wegen der steigenden Schülerzahlen – die haben dann halt einfach keinen Platz.

      • Rückeroberer sagt:

        @sportpapi:

        Ich weiss, freie Schulwahl löst Ängste aus – nicht zuletzt was ich schon geschrieben habe: Die Angst, die Kontrolle zu verlieren: „Die könnten dann ja einfach tun was sie wollen!“ Nun, es ist gewiss nicht falsch, Ziele zu setzen und in einem gewissen Mass auch zu testen. Nur: Die Illusion vom wirklich allgemein vergleichbaren Endtest ist ja auch wirklich eine solche! Jeder weiss dass eine 5.3 in einem Maturitätszeugnis am Ort A und am Ort B nicht wirklich das gleiche bedeutet. Also will man heute neue, bessere, „wissenschaftlichere“ Tests, die dasselbe dann doch noch erreichen… Aber braucht es das wirklich?

        Ich weiss auch dass Eltern für die Lehrerschaft oft die schwierigeren „Kunden“ sind als die Kinder! Würden aber diejenigen Eltern, die immer was „zu meckern“ haben, einfach mal eine andere Schule ausprobieren können, dann könnte man ihnen auch jederzeit mit dem Argument „kontern“: Aber ihr habt diese Schule selber gewählt! So wie es jetzt ist ist die Eltern/Lehrer-Beziehung oft wie eine misslungene Ehe, die aber nicht geschieden werden darf; statt dessen wird gekämpft… Was ja bekanntlich nicht heisst, dass Partner A oder Partner B absolut schlechte Menschen wären! Eltern + Lehrer solten ein Team sein, beide am gleichen Strick ziehen. Das lässt sich aber nicht staatlich verordnen! Nicht ohne Grund sind wir heute ja auch von den arrangierten Ehen abgekommen!

        @Isabella Mordasini:

        Nein, nicht alle haben Kinder in der Schule (selber habe ich bisher drei, bald fünfe dort…). Aber alle waren selber einmal Kinder und in der Schule! Nur leider haben viel zu viele Erwachsene das inzwischen vergessen… 😉

      • Regula sagt:

        „unmittelbar einsetzbares Material für die Wirtschaft“

        Warum beklagen sich denn immer mehr Lehrmeister, dass man die Schulabgänger nicht mehr brauchen kann?

    • Eremit sagt:

      @Isabella Mordasini
      1tens: Wären sie so gütig und würden in Zukunft keine Gassenausdrücke mehr verwenden? Danke.

      2tens: Solange es in den Schulen nur um Wissensvermittlung geht, kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass Eltern sich nicht in den Schulunterricht einmischen dürfen. Hingegen, wenn wie beim Komunismus in den Schulen eine Ideologievermittlung statt findet, dann ist es m.E. eine Pflicht der Eltern ein zu schreiten. Da heute darüber diskutiert wird, ob SchülerInnen mit Kopfbedeckung den Unterricht besuchen dürfen, muss man sich fragen, welche Ideologie in den heutigen Schulen vermittelt wird. Etwas „an etwas glauben und dies ausdrücken“ (Religion) = schlecht?
      Auf der anderen Seite stellt sich die Frage wie eine Lehrerin sich kleiden darf/muss: Etwas in klassischen Businesskleider bis Oben zugeknöpft, oder „traditionell“ in einem Dirndl (http://www.gastrotrachten.de/images/Dirndl74358.jpg), oder in Hotpants, bauchfrei und Top (http://www.gb-mail.de/shop/bilder//128/1280000901_b.jpg)? Werteneutral?

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