Jugo- und anderes Deutsch

Bereits als ich zur Schule ging, war der sprachliche Einfluss der Immigrantenkinder ein Thema. Insbesondere in der Realschule sprachen auch die Schweizer Kinder mit spitzem Mund und rollendem R, ganz so, wie es die Jugoslawen (damals gab es das Land noch), die Türken oder Italiener vorsprachen. Diese umgekehrte Assimilation findet heute noch genauso statt wie damals, nur dass der italienische Einfluss kaum mehr eine Rolle spielt. Auffallend sind nebst der Aussprache auch die vielen Fall- und Satzbaufehler. Der Ausspruch «Ds beschte wos je het gits» hat es zu Ruhm gebracht, andere alltägliche Fehler wie fehlende Artikel werden schon kaum mehr wahrgenommen. «Hey, gömmer Migros!», sagen die Jugendlichen im Quartier, anstatt «Gömmer id Migros!».

Bedeutet dies eine Verstümmelung oder eine Weiterentwicklung der Sprache? Als junger Journalist unterhielt ich mich einst mit dem mittlerweile verstorbenen Schriftsteller Hugo Loetscher über die Sprachentwicklung, und ich war schwer beeindruckt, mit welcher Neugier und gleichzeitig Gelassenheit der grosse alte Mann mitverfolgte, wie die Jungen sprechen. Nicht einmal ansatzweise waren kritische oder mahnende Worte zu vernehmen, im Gegenteil. Er fands spannend, wie Jugendliche mit der Sprache umgehen, wie sie sie den neuen Kommunikationsmitteln anpassten und wie viel besser die Kinder heute Hochdeutsch sprechen als früher. Voller Hochachtung lauschte ich Loetschers Worten. Selbst im hohen Alter so offen zu sein für Veränderungen, ohne gleich in Kulturpessimismus oder die «früher war alles besser»-Leier zu verfallen, das hielt ich für höchst erstrebenswert – und halte es noch immer.


«S beschte wos je hets gits» – Jugendslang macht auf Youtube Karriere und wird sogenannter Kult.

Doch Hugo Loetscher hatte keine Kinder und so konnte ihm auch nicht widerfahren, dass plötzlich seine fünf- und sechsjährigen Töchter frischfröhlich mit Wörtern und Sätzen um sich werfen, die sie so bestimmt nicht von den Eltern aufgeschnappt haben, wie dies bei uns seit einiger Zeit der Fall ist. Wie hätte Loetscher darauf reagiert? Da im Umfeld unserer Kinder zurzeit weniger albanische und türkischen Kinder verkehren, dafür mehr deutsche, macht sich dies in der Sprache bemerkbar. «Das isch schmutzig», sagte die ältere Tochter gerade erst gestern. «Das heisst dräckig, nöd schmutzig», korrigierte ich sie, so wie ich sie fast immer korrigiere, wenn sie Wörter und Ausdrücke verwendet, die es so im Dialekt nicht gibt. Bin ich jetzt ein Spiesser, ein Kulturpessimist? Genau das, was ich bei Hugo Loetscher bewunderte, dass er es nicht ist? Andere Wörter, die sich einschleichen, sind «klinglä» statt «lüütä», «arbeitä» statt «schaffä» und noch viele mehr. Das aus meiner Sicht Schlimmste: «Po» statt «Füdli». Wie kann man nur ein solch hässliches Wort dem wunderbaren Füdli vorziehen?

Nicht nur der Sprachgebrauch der eigenen Kinder ist interessant zu verfolgen, sondern auch jener ihrer Freundinnen und Freunde. Erstaunlich sind die riesigen Unterschiede, wie sich die meist in der Schweiz geborenen Kinder deutscher Eltern das Schweizerdeutsche aneignen, obwohl oder gerade weil ihre Muttersprache mit der hiesigen Sprache eng verwandt ist. Ein paar wenige reden selbst beim Schuleintritt kein Wort Schweizerdeutsch, einige einen Mischmasch aus Schweizer- und Hochdeutsch, andere fast perfektes Züridütsch, selbst wenn es ab und zu klinglät statt lüütet. Das ist auch kein Problem – solange in unserer Familie das Füdli ein Füdli bleibt.

Wie sehen Sie das? Gehört der Einfluss fremdsprachiger Kinder auf den Sprachgebrauch zur normalen Weiterentwicklung der Sprache? Soll man die Kinder korrigieren, wenn sie zu Hause plötzlich «jugodeutsche»- oder andere Ausdrücke verwenden?

Bandle_Rico_2406Rico Bandle leitet das Ressort Kultur und Gesellschaft von Newsnetz. Er ist Vater zweier Töchter und lebt mit seiner Familie in Zürich.

176 Kommentare zu «Jugo- und anderes Deutsch»

  • Leopold Bloom sagt:

    Ich liebe diese sprachlichen Veränderungen der Jugend! Sprachlicher Konservatismus schien mir immer „so tot“, d.h., die Sprache ist eine Art statisches Gefängnis, in welches man die eigenen Ideen und Witze einquetschen muss. Das ist so unnatürlich-Veränderungen in der Sprache sind doch so spannend; . zB. man kann experimentieren, wie weit man gehen kann,um immer noch verstanden zu werden, aber zB. Ironie ausdrücken kann, mit der Sprache spielen kann,.. Das hat ja auch viel mit Humor zu tun. man denke nur an Cockney oder den Cockney rhyming slang¨.Allerdings, kann ich Neuschöpfungen wie etwa „Brangelina“ nicht ertragen… , aber kreative Veränderungen in der Sprache, mit Ausnahme von Spielereien mit Namen von Berühmtheiten (ich weiss auch nicht wieso), sind doch eine grosse Bereicherung.

  • Nacktmull sagt:

    Ebbe, versteh i ou nöd. Ausserdem ist das ganze letztendlich als sozio-linguistische Angelegenheit zu sehen über die es bereits Studien und Schriften gibt, genauso wie das akzentfreie Schwyzerdütsch *kicherz*

  • Jeremy Glauser sagt:

    Hey man, ich verschtahn voll nöd wiso ihr alli so blöd dönd, nur will di junge hützutags halt nöd so reded wie ihr woner no sind jung gsi.
    Ich mäin, es isch doch en frächhäit wemmer ois vorwirft, dasmer nöd richtig düütsch chönnet. Ihr vergässet wohl, dass hützutags so vil gschribe wird wie no sälte. SMS schriibe häisst nöd nu schlächt schriibe sondern au churz und kreativ. Usserdäm isch doch eh egal was füren dialäkt as mer redet, wemmer trotzdäm äinigermasse hochdütsch chan. Genau das söttet sich au die politiker hinter d’ohre schriibe wo unbedingt de dialäkt im chindergaarte und i de schule bibhalte wänd aber sälber chum en grade satz uf hochdüütsch uf d räihe bringed. MANN!!!

  • Ulindo Bubikoner sagt:

    Mein Gott, fehlende Artikel??? Das heisst richtig wäre „Gömmer dä Migros“ ??

  • Ralf sagt:

    Der Artikel übersieht eine recht einflussreiche Quelle für die aktuell stattfindende Veränderung der Mundart: die Schule! Zumindest im Kanton Zürich MUSS in der Schule non-stop Hochdeutsch gesprochen werden, vom Kindergarten bis in die Sek. Auch in der Pause und im Turnen. Die Kinder können zwar deswegen leider nicht besser Deutsch, wie die neuen Lernstandserhebungen zeigen, aber sie verlernen das Schweizerdeutsch zusehends. „Arbeite“ statt „schaffe“ oder „Chnote“ statt „Chnopf“ sind Ergebnisse dieser verfehlten Politik.
    Eigentlich stört uns doch am sog. Kanakisch (der Fachbegriff für das Balkan-Deutsch), dass es das verwischt, was uns vertraut ist. So bekommen wir das Gefühl, ein Stück Identität zu verlieren. Aber wahrscheinlich ging das unseren Eltern gleich, als wir plötzlich alles „läss“ und „cool“ fanden… 😉

  • Es ist erstaunlich: Da nahm ich doch über Mittag grad ein Nickerchen unter den Linden, da vernahm ich überraschend astreines Züritüütsch! Ich war nicht einmal darauf vorbereitet- aber ich könnte mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal in meinem Leben so reines Züritüütsch gehört habe!

    Es waren vier schwarzafrikanische Mädchen, die zwischen 16 und 18 Jahren alt waren!! So astrein, wie die Züritüütsch gesprochen haben, haben nicht einmal wir damals d’Zürischnorre gschwunge!

    Schön, oder?

  • M. Munz sagt:

    Wenn man in alten Texten liest, z.B. aus dem 18. Jh. hat es Formulierungen und Ausdrücke, die man kaum mehr versteht.
    Daran merkt man, wie sich die Sprache ändert, weiter entwickelt, und das wird immer so sein.
    Trotzdem: Hey Mann, ächt krass, supergeil usw. hat mit dem Yugo-Deutsch zu tun, wobei bei den jungen Leuten vor allem auch der Tonfall auffällt.
    Po oder Füdli? Füdli hat mir NIE gefallen, möchten Sie lieber Gsäss??
    Nun noch etwas ganz anderes: als „Sprachmensch“, der Sie ja sicher sind, Herr Bandle, der auch dem Schwizerdütsch etwas abgewinnen kann, sind Sie gestolpert: denn es heisst nicht „das heisst“, sondern das „gheisst“!
    Und noch etwas: Endsilben schreibt man nicht mit ä, sondern mit e. Also klingle, oder eben lüüte, schaffe. Richtig ist das ä angewendet in dräckig.

    • Hotel Papa sagt:

      ‚es heisst nicht “das heisst”, sondern das “gheisst”!‘

      In welchem Dialekt? in meinem definitiv nicht.

  • René sagt:

    @ terlot (25. Juni 2010 um 10:20)
    @ TVWebungHasser (26. Juni 2010 um 16:16)
    Ich unterstütze diese Aussagen des „billigen Umsprechens vom Hoch- zum Schweizerdeutschen“ in aller Form.
    Schrecklich! Beispiel? Wer hat schon mal ein „Chaubobooo“ im Mund gehabt? Wow, ist Schweizerdeutsch schön!

  • Clemens sagt:

    Wenn Jugendliche das Deutsch der Albaner nachmachen, dann ist das ein Spiel mit der Sprache. In Situationen in denen es nicht um ein Spiel geht, sprechen auch die meisten Ausländerkinder ganz normales Deutsch bzw. Dialekt. Sie würden sich ja selber ins Knie schiessen, wenn sie bei einer Stellenbewerbung gleich als Albaner zu erkennen wären bzw. ein Schweizer Jugendlicher für einen Albaner gehalten würde.

    Die Beschwerde „oh wie falsch und schlecht die jungen Leute heute reden“ gab es schon bei den alten Griechen. Und trotzdem ist die menschliche Sprache noch nicht untergegangen. In der Sprachwissenschaft gibt es ausserdem überhaupt keinen Nachweis dafür, dass die Jugendsprache tatsächlich einen grossen Einfluss auf die Erwachsenensprache hat. Viel wichtiger ist die Dynamik und die Normen innerhalb der Erwachsenensprache. Es ist ja nicht so, dass Menschen ihr ganzes Leben lang so reden wie mit 17 und sich dann nichts mehr entwickelt.

    • StefanB sagt:

      Stimmt, die menschliche Sprache ist nicht untergegangen. Aber wer sich heute mit der Sprache von Homer, Sokrates oder Platon unterhalten wollte, würde auch in Athen schief angesehen und nicht verstanden werden – die Sprache hat sich nun mal verändert, nicht nur, aber ich denke durchaus auch wegen des jugendlichen Slangs.

      Interessant ist, dass jedes noch so „primitive“ Volk immer eine voll entwickelte Sprache besitzt – die „Vereinfachungen“ entstehen immer nur im Verkehr mit denen, die diese Sprache nicht sprechen. So entstanden die kreolischen Dialekte in der Karibik oder auch das Pidgin-englisch.

  • Patrick Tigri sagt:

    Also bis die Jugos unsere Sprache zur Unkenntlichkeit verballhornen geht es noch sehr sehr lange. Gemach, Schneider.

    Die Sprache ist für die meisten Leute zur Verständigung da, und dafür tuts es auch eine sehr primitive. Leute, welche sie aber beruflich benutzen, sollen sich Mühe geben. Journalisten, Werber, Lehrer, Autoren.

  • Eremit sagt:

    Sofern die „Jugokinder“ hier bleiben und ihren alten Pass abgeben und den CH-Pass wollen, ist die Durchmischung der Sprache nichts schlechtes, sondern eher was positives.

    Tendenziell ist das Hochdeutsch eher eine Sprache der Muse als der Arbeit und des täglichen Umgangs, bzw. sie ist nicht effizient wenn man die Stolperfallen mit den Fällen (Kasussystem), Pronomen und Artikeln betachtet. Des Englisch scheint da eher in die richtige Richtung zu gehen, auch wenn dabei einige Substantive fehlen, d.h. man verwendet ein Substantiv das keine eindeutige, sondern eine mehrdeutige Bedeutung haben kann.
    Der grosse Pluspunkt für das Hochdeutsch ist die Flexibilität des Satzbaus.

    Sehr schade ist es, wenn die Sprache zu einem politischen Instrument wird wie z.B. Italienisch vs. Spanisch vs. Portugisisch vs. Brasilianisch.

    • Markus Schneider sagt:

      Aber bitte – wenn die von Ihnen so genannten „Jugokinder“ hierbleiben, so sollen sie gefälligst Deutsch lernen. Ganz egal ob das nun Hoch- oder Schweizerdeutsch ist, jede Sprache hat nunmal Regeln, die es erst möglich machen, dass man den anderen verstehen kann. Eine Durchmischung der Sprache führt genauso wie in jedem Fall der Durchmischung bloss zu Minderwertigkeit beider gemischten Teile.

      • Eremit sagt:

        Welches sind die Regeln vom Schweizerdeutsch?
        Was definiert den Wert einer Sprache?

      • Patrick Tigri sagt:

        Ein Jugokind, das dereinst einen Job finden will, muss gut Deutsch können. Wenn es kein Deutsch kann (in der Deutschschweiz, meine ich, des Chauvinismus will ich mich nicht bezichtigen lassen), wird es nicht arbeiten können hier und alsbald dem Prekariat zugehörig sein. Oder auswandern müssen (und dann im Ursprungsland dem Prekariat angehören).

        Zu den Regeln im Schweizerdeutschen: Die sind wirklich sehr flexibel. Immerhin haben wir hierzulande wohl ein Dutzend wirklich unterschiedlicher Dialekte, mit den ganzen Mischformen gibt es wohl Hunderttausende unterschiedliche Arten, zu reden. Und das ist absolut legal, legitim und gewollt so. Das Jugodeutsch ist, genauso wie das Deutsch der Italienischsecondi vor vierzig Jahren, halt einfach eine Art, sich auszudrücken, gültig, richtig, anwendbar. Richtig? Tja, wer sagt, was richtig isch? Du???? Heee, wotsch mir aafigge, Monn???

    • Shlomo sagt:

      Was ist das für eine krude Logik? Nur wer den Schweizer Pass will darf die Sprache durchmischen… Fakt ist doch, das wir hier nicht in Deutschland sind. Fragen sie mal einen Wiener was er von dieser Diskussion hält. Die Sprechen ja auch nicht wie jemand aus Bayern oder Sachsen.

      Vielleicht müssten die Deutsch-Lehrer, wie der Franz-Lehrer, auf einen anständigen Akzent schauen. Ich persönlich habe nur einen erlebt, der ein schönes Hochdeutsch spricht. Er war Schauspieler und hatte das richtig gelernt.

      • Eremit sagt:

        Tut mir leid, wenn es krude wirkt. Es ist m.E. das logische Ergebnis wenn man das Verhäktnis von Rechte und Pflichen betrachtet mit dem Zeitfaktor „in guten und schlechten Zeiten“. Angenommen hier würde selbstverursacht eine grosse Armut und in Indien grosser Reichtum herrschen. Wenn sie einen indischen Pass hätten, würden sie dann nicht nach Indien auswandern? Diejenigen, welche keinen zweiten Pass haben, besitzen keine guten Chancen woanders hin auszuwandern. Es ist knapp hundert Jahre her, wo die Schweiz das Armenhaus von Europa war.

        Früher gab es mal dne Spruch „niemand kann zwei Herren zugleich dienen“. Bzw. heuten müsste man schreiben „niemand kann zwei Herrinnen zugleich dienen“. Warum sollte dies heute keine Gültigkeit mehr haben? Deutschland war dies bezüglich von mir aus gesehen vernünftig, solange es keinen Schengenpass gibt, mit dem jeder sich überall niederlassen und Sozialhilfe beziehen kann.

  • Theo sagt:

    Ich bin Auslandsschweizer, habe Dialekt hier in Zürich mit 25 Jahren gelernt. Es war nicht besonders einfach, da die Sprache ja keine geschriebene Sprache ist und die Schweizer selber haben sich nie auf einer einheitlichen Mundartschriftsprache einigen können, obwohl es z.B. die Rhätoromanen geschafft haben. Eine Sprache, die im Schrift einigermassen geankert ist, ändert sich langsamer als eine, die keine hat, denke ich, und ich find’s besonders lustig, dass der Autor sich über Hochdeutsche Ausdrücke aufregen kann, aber höchstwahrscheinlich selber nicht mehr „richtige“ Mundart-Wörter wie Anke usw. benutzt.

    Als ich in die Schweiz gekommen bin, habe ich nur Hochdeutsch gesprochen, ich würde häufig mit einem Deutschen verwechselt und es würde mir als solches ziemlich schnell klar gemacht, dass „wir“ hier nicht Willkommen wären. Als ich Englisch gesprochen habe, meine Muttersprache, sind die Schweizer fast über ihren eigenen Füssen gestolpert in ihren Hast mir zu zeigen wie super die meine Sprache reden können.

    Heute rede ich Züridüütsch seit 20 Jahren, finde nach wie vor den Berner Dialekt der einziger, der eigentlich schön ist und diese alberne Xenophobie der Schweizer gegenüber Fremden fast so dumm wie Toni Brunners Idee Luxusspuren auf den Autobahnen zu bauen.

    Noch was: Eine Mentalität, die nur bis zur nächsten Hügelkette reicht, ist verdammt nie darüber hinaus zu wachsen.

  • Ich denke, wir sollten, was die Sprache betrifft, offen und flexibel bleiben, vor allem, wenn wir Kinder haben. Sprache ist im Wandel, und was die Kinder so reden, ist nicht zwangsläufig Gradmesser für ihre Sprachkompetenz. Kinder können sehr wohl unterscheiden zwischen dem, was grammatisch richtig ist, und dem, was im Umfeld angesagt ist, sofern sie sprachlich einigermassen kompetent sind. Auf das, was Kinder und Jugendliche untereinander reden, haben wir als Eltern sowieso keinen Einfluss. Und alles, was wir bekämpfen, machen wir stärker.
    Mein Sohn (neun Jahre alt) geht auf dem Land zur Schule. Dort gibt es zwar nur wenige Kinder aus anderen Kulturen, aber die Kinder entwickeln trotzdem ihren eigenen „Slang“. Wenn er mit etwas kommt, das mir sprachlich fremd vorkommt, frage ich ihn, woher er das hat und was es bedeutet. Und später, wenn er im Bett ist, lese ich ihm etwas vor – in reinem Hochdeutsch. Ich erkläre ihm die Bedeutung von Wörtern und die Synonyme, die sie haben. Ich versuche, ihm ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie vielfältig Sprache ist.
    Und was den Po betrifft: Ich selber bin mit einem (hoch-)deutschen Vater aufgewachsen. Der „Po“ ist für mich selbstverständlich. Meine Mutter, eine Aargauerin, sagte dazu „das Hinder“. Ihre Mutter wiederum, meine Oma, war Schwäbin und sagte „das Füdli“. Als ich im Kindergarten war, zogen wir ins Bernbiet, und hier reden alle vom „Füdli“.
    Sie haben in Ihrem Beitrag gefragt, ob man die Kinder korrigieren soll, wenn sie zu Hause andere als deutsche Ausdrücke verwenden. Ich finde: Nein. Fragen Sie Ihre Kinder, welche Ausdrücke sie sonst noch kennen für diesen einen, lesen Sie Ihren Kindern Hochdeutsches vor und vertrauen Sie darauf, dass Vielfalt kein Nachteil ist. Ganz im Gegenteil. Gehen Sie locker mit dem Thema um – Ihre Kinder tun es auch.

  • Shlomo sagt:

    und wann lernen Zürcher endlich Deutsch?

  • borderstreetbully sagt:

    Dass sich Sprache wandelt ist ja sonnenklar.. aber es ist m.E. ein Unterschied zwischen der Entwicklung Sprache als Gesamtes (Deutsch.. ob jetzt in D, CH oder Ö), wo halt – Zeitgeist und so – neue Ausdrücke, Redewendungen hinzukommen (zB Anglizismen..) oder ob die Sprache von einem „Schippi-Schleier“ überzogen wird..

    Schweizerdeutsch ist eine ausschliesslich gesprochene Sprache, es gibt keine „Rechtsprecheregeln“ wie bei der Schriftsprache, umso wichtiger, dass das „reine“ Schweizerdeutsch konserviert wird. Darum sollte man die Entwicklung zum „Schippi-Deutsch“ wirklich kritisch betrachten.

    Mich stören hier nicht in erster Linie einzelne Ausdrücke („Bescht wo’s je hets gits“ oder „das chas gits“ brauche ich auch), sondern der Akzent bzw. der Tonfall.
    Wenn ich im Bus Kantischülern zuhöre, die sich fast schon radebrechend unterhalten, krieg ich einen Stich ins Herz.

    Von der Vorstellung, dass „Schippi-Deutsch“ in 20 Jahren Standard-Dialekt ist kriege ich Dünnpfiff

  • Jule sagt:

    Ich finde es schon etwas merkwürdig, wenn man bei seinem Kind etwas verbessert, was gar nicht falsch ist. Meine Güte, dann hat es halt ein paar „hochdeutsche“ Wörter im Sprachrepertoire. Ist es denn wirklich so, dass man im Schweizer Deutsch immer nur ein Wort für etwas bestimmtes benutzen darf? Ist es nicht viel schöner, wenn man sich vielfältig und abwechslungsreich ausdrücken kann?

  • Pascal Disler sagt:

    Klar ist, dass die Sprache im ständigen Wandel ist. Dies nur schon, weil man in der heutigen Zeit ständig mit neuen Fremdwörtern konfrontiert wird, sei es jetzt im Informatikbereich oder in der Sozialforschung. Die englische Sprache ist da besonders dominierend. Sie ist es auch, die unsere Sprache am stärksten prägen wird in nächster Zeit. Dies hat mit Wörtern wie „shoppen“ oder „einchecken“ begonnen und wird noch viel weiter gehen. Durch das Internet wird der internationale Diskurs in Foren immer grösser und da ist nun mal die Hauptsprache Englisch. Oder der Fakt das die meisten TV-Serien in den USA schon ein halbes Jahr früher ausgestrahlt werden, bringt viele Fans dazu, diese kurz nach Erscheinungsdatum auf Englisch anzuschauen oder runterzuladen (natürlich alles im Internet). Dies bewirkt, dass der Sprachgebrauch des Englischen von Jugendlichen stark zunimmt und da viele Eltern die Sprache nicht so gut können, wird sie sich vorerst auch als Geheimsprache unter Geschwister durchsetzen können.
    Etwas dagegen tun, kann man realistisch gesehen nicht, da man sonst aktiv Internetseiten zensurieren müsste….Ich finde es im Gegenteil spannend und habe auch das Gefühl, dass das alte Schweizerdeutsch dringend ein „Makeover“ braucht, denn viele Gebräuchlichkeiten sind Übertrieben oder der jungen Generation fremd. Wie bspw. die Eltern in dritter Person zu erwähnen (in derer Präsenz) war früher ein kleines Verbrechen. Zur Zeit kann das immer noch ein Fettnäpfchen sein….hoffentlich nicht mehr lange….

    • Leserin sagt:

      „Die Eltern in dritter Person zu erwähnen (in derer Präsenz)“ Können Sie dafür ein Beispiel bringen. Ich kann mir da nichts darunter vorstellen.

  • Georg sagt:

    Eltern sollten die Kinder korrigieren. Nicht um zu erreichen, dass die Kinder ausschliesslich schönes Mundart reden sondern um zu vermitteln, dass der Slang nicht überall angebracht ist.
    Wer bekommt eine KV-Lehrstelle wenn er nicht merkt, dass Mundart oder gar Hochdeutsch Standard sind? Auf Kunden lässt man jemanden mit ausschliesslichem Jugo-Deutsch in aller Regel nicht los.

    Die Rechtschreibung lässt aber generell zu wünschen übrig (jetzt hat’s in meinem Post sicher auch einen Fehler, anyway). Schon nur Blick am Abend – grausig, haben die keine Lektoren?

    • Auguste sagt:

      hmm…, blick am abend lesen und sich über fehlende lektoren aufregen, ist wie bundesrat sein und sich über fehlende kollegialität erhitzen – realitätsfern!

    • stef sagt:

      Ausser bei der Cabelcom und in Handyshops

  • terlot sagt:

    richtig nervig ist der sprachmix für mich in erster linie in der (tv-)werbung. wie oft hört man deutlich heraus dass der spottext einfach vom hoch- ins ch-deutsch ‚umgesprochen‘ wurde. mit dem resultat, das wunderprächtig falsche fälle und ch-deutsch ausgesprochene hochdeutsche worte das sprachgefühl quälen.

    im privaten umgang seh ich das ein wenig anders: sprache ist immer auch ein mittel zur integration / abgrenzung. mit diesem bewusstsein lässt sich vieles lockerer nehmen – oder eben entsprechend korrigieren. das gilt für mich auch bei sms oder e-mails: wenns zu mühsam wird beim ‚verstehen probieren‘ dann lass ich es einfach sein und frage zurück ‚was?‘

    • TVWebungHasser sagt:

      Endlich sagt es mal jemand. Die schlecht und billig umgesprochenen Werbungen sind das wesentlich grössere Problem als Jugodeutsch.

      • brasser sagt:

        Danke für diesen Kommentar.
        TV-Werbung ist ja grundsätzlich schon unangenehm. Bei den vom Hochdeutschen in Mundart übersetzten Werbesprüchen kommt mir aber fast die Galle hoch…
        Wenns aus mangelnder Fähigkeit nicht übersetzt werden kann, so spielt den Spot doch einfach in Hochdeutsch ab!

  • Markus Schneider sagt:

    Dass die Jugos Sprachprobleme haben, verwundert mich nicht weiter. Mich ärgern vielmehr die unsäglichen Grammatik- und Rechtschreibefehler in den Tagesanzeiger-Online-Inhalten. Teilweise werden nicht mal Sätze richtig beendet oder Worte kommen doppelt vor. Vom Inhalt gar nicht zu reden. Das geht weit über Schludrigkeit hinaus. Ich zweifle an der Sprachkompetenz der zuständigen Redaktoren. Wie bitte soll ich die von ihnen geäusserte Meinung so ernstnehmen, wenn sie noch nichtmal geradeaus schreiben können? Dazu kommt, dass die Mehrzahl der Artikel ohnehin Agenturmeldungen sind, die bloss zusätzlich verpfuscht werden.

    • Jule sagt:

      Dafür, dass man kostenlos schnelle und aktuelle Meldungen vom Tagesanzeiger-Online erhält, sollte man auch mal über ein paar Rechtschreib-und Grammatikfehler hinwegsehen können 😉

      • Patrick Tigri sagt:

        Nein, Jule. Sorgfalt ist ein Wert, auf den ich nicht verzichte. Wer formal nicht sorgfältig ist, und das kann ich feststellen, ist es vielleicht auch nicht inhaltlich, was ich viel schwerer feststellen kann.

        Mir geht es übrigens ebenso wie Markus Schneider. Mich stören ohne Subjekt. Und: Mich Sätze ohne Verb. Sind doch echt unlesbar die beiden Sätze, oder? Warum also stehen sie im Newsnetz? Verlorene Arbeitszeit.

        Ich stelle aber fest, dass gerade Artikel, wo Meinungen formuliert werden, viel sorgfältiger geschrieben werden. Die Mamablog-Sachen sind gut, Kommentare auch sonst sowieso (wollte schon „eh“ schreiben).

  • Cara Mia sagt:

    Die Jugend grenzt sich ab und sucht eine eigene Sprache, das war schon immer so und dies kann nicht mit allgemeinen Sprachbelangen wie Helvetismen, Deutschland-Deutsch etc. verglichen werden. Sobald die Oma auch „cool“ sagt, benutzt die Jugend ein neues Wort. Bevorzugt werden Wörter, die die älteren Semester, also die über 30, in die Sätze bringen, etwa falsche Anglizismen, Ausdrücke, die einen einst rot werden liessen („geil“) und dergleichen. Natürlich auch hochdeutsche Ausdrücke dort, wo die Eltern gerne Schweizerdeutsch hätten und Migrantenslang. Wobei vieles auch mit der Szene zu tun hat, in welcher die Jugend verkehrt. Zwischen den Szenen bestehen grosse Unterschiede und auch da grenzt man sich ab. Migrantenslang etwa ist im Gymnasium kein Thema, dort verhochdeutscht man eher den Dialekt. Ich habe auch schon mitgekriegt, dass man sich da über den Migrantenslang ausgesprochen lustig macht. „Hey Monn, sog nur drey Wort: Bass uff [überlegt, zählt an den Fingern]…..Monn.“ Wird also auch mit „beschränkt“ gleichgesetzt.

    Gelassenheit ist angesagt.

    • Gabriel sagt:

      Die Frage ist, von wem sie sich abgrenzen wollen.
      Gegenüber den in ihren augen zu engstirnigen und konservativen Eltern genügt es, einige fehler in die Satzstellung einzubauen oder einfach die den Eltern nicht gelegene Sprache der „Aussländer-Kinder“ zu kopieren um sich von ihnen zu distanzieren.
      Sollten sie jedoch sich von gleichaltrigen jungen leuten unterscheiden lassen wollen wird es kompliziert.
      Da ist der einfachste weg aus dem System die anwendung dieses System. Ob das die alten Begriffe auf mundart sind oder eine korreckte Fall anwendung (oder die benuzung des Genitivs) auf Hochdeutsch spielt keine rolle.

      Sollten kinder oder Jugentliche mit einer Jugo-Deutsch angehauchter sprache nach hause kommen, sehe ich entweder eine integration an die Schulische umgebung, oder ein abgrenzungsversuch von zu hause. Beide wege absolut in ortnung, solange die Kinder oder Jugentlichen sich dessen halbwegs bewust sind.
      Ich selber bin froh, wenn meine Eltern mich korrigieren falls ich nicht „apsolut“ korrecktes Deutsch spreche.
      (beide sind Lehrer)
      Auch wenn ich erklähren muss, was das bedeutet was ich sage. Z.B.“hei die hend anderst omegstöpslet“
      Aber auch wenn einem Freunde sagen, dass man sich ihrer ansicht nach zu unklar ausdrückt. Auch wenn man versucht hat sich mit der Möglichkeit der Sprache so klar wie möglich auszudrücken, verstehen in einem anderen Umfeld die Leute ein x bedeutendes selbst gebasteltes Verb und Adjektiv wie „stöpsel(stöpseln/verstöpselt) einfach besser.

      Falls sie sich nicht wenigstens halbwegs bewusst sind, oder sich darüber gedanken machen wollen, sprecht sie darauf an und fragt unbedingt nach wenn ihr etwas nicht versteht was sie sagen.

      • Patrick Tigri sagt:

        Nicht, dass ich was gegen orthographisch Herausgeforderte hätte, bewahre, ich finde nur die anscheinend um sich greifende sprachliche Unsorgfalt (derer ich Sie natürlich nicht bezichtige) ärgerlich.

        Dass Sie aber ausgerechnet Ihre (bedenkenswerten) Kommentar zum Thema Sprache mit einer suboptimalen Rechtschreibung ausstatten, finde ich schon… amüsant… nichts für ungut, gell.

  • Mike Müller sagt:

    Also ich finde es schlimm dass diese Entwicklung der Sprache wieder mal auf fremdsprachige Kinder abgeschoben wird. Vielleicht ist Ihnen schon mal aufgefallen dass diese eine (aggressive) Putzmittel-Werbung, gezielt Schmutz statt Dräck sagt. Ich glaube Ihre Tochter hat sich das eher dort „abgeschaut“, Sie sagen ja indirekt selber dass Sie bei Ihren Kindern den Umgang mit fremdsprachigen Kindern nicht so gerne sehen.
    Schon mal einen Schweizer sagen hören, auch wenn er täglich mit Ausländern zu tun hat, gömmer Migros? Oder mir tuet de Po weh?? Wohl kaum. Und wenni nochli Arbet han, mueni halt arbeite, ist doch ein uuraltes schweizerdeutsches Wort.

    Jedoch sage ich z.B. auch immer wieder mal, das isch schmutzig, habe aber selten mit Deutschen zu tun. Hmm, ist wohl einfach eine Weiterentwicklung der Sprache. Vielleicht mehr auf Loetschers Worte hören, nicht nur sagen man hält es für erstrebenswert, sondern auch mal selber Erstreben! Der Text wimmelt nur so von «früher war die Sprache besser» Anekdoten.

    Und dann gibt es Wörter die langsam einfach out sind, Chätschgummi statt Kaugummi, ich glaube jeder Erwachsene Mensch sagt halt einfach Chaugummi, irgendwie klingen manche Wörter einfach seltsam in Schweizerdeutsch.

    Tschäse…

  • Chaiber Uusländer sagt:

    Mir scheint es gut, wenn man Kinder für Konsistenz inder Sprache sensibilisiert:
    Wenn du schweizerdeutsch sprichst, dann heisst es Füdli-lüüte-dräckig, aber du darfst gerne auch hochdeutsch sprechen und Po-klingeln-schmutzig sagen…

    Dasselbe für Jugo-deutsch: Auf deutsch heisst es sowieso, aber wenn du Serbokroatisch sprichst, darft du gerne auf die Artikel verzichten…

    • Cara Mia sagt:

      Ganz genau. Und wir Schweizer bringen das Geld auf DIE Bank und setzen uns auf DEN Bank. Die Hosen sind im Plural schön, auch ein einziges Stück, wohingegen auf Hauchdeutsch beide Röhren zusammengefasst werden und die Hose eine schöne ist. Aber mach das mal einem weis unter zwanzig… Übrigens finde ich, dass wir Schweizer durchaus ein unterschiedliches Deutsch schreiben dürfen und nicht nach Deutschland in die Lehre müssen. Das tun die Österreicher ja auch. Wenn bei uns Deutsche anfangen, müssen sie umlernen, ich bin da ganz böse. Ich schreibe zum Beispiel aus Prinzip nie „… möchten wir Ihnen mitteilen“ und so Quark, denn wenn ich etwas möchte, tue ich es auch. Also „teilen wir Ihnen gerne mit…“ und so weiter und so fort. Stil und Kultur sind in den beiden Ländern halt unterschiedlich, was nicht wertend gemeint ist.

  • Erich Hofstetter sagt:

    Es ist nun gewiss kein Grund zu „Kulturpessimismus“, wenn „Füdli“ durch „Po“ ersetzt wird, im Gegenteil. Mir gefällt „Po“ allemal besser. Aber das ist wohl Geschmackssache. Und so kann man doch einfach bei seiner Sprache bleiben. Und den Kindern kann man ihre Sprache lassen. Die Kinder wissen nämlich sehr wohl, dass es „Po“ heisst und sie haben recht damit. Wo soll hier eigentlich das Problem sein?

    • Cara Mia sagt:

      Oh nein, der Po ist ein Fluss in Norditalien, also bitte. Womöglich noch Popo, grässlich. Jedenfalls auf Schweizerdeutsch.

  • StefanB sagt:

    Hm, und wenn wir nach Osten blicken, dann sehen wir im ORF gelegentlich Berichte aus Vorarlberg, in denen die Einheimischen Mundart sprechen. Ich denke kaum, dass ein Wiener das Montafonische versteht, aber die Aussagen werden selten untertitelt. Wenn dann aber ein Bericht aus der Schweiz in 3sat läuft, wird gelegentlich synchronisiert, öfters aber untertitelt. Der ORF macht das in seinen Berichten aber selten.

    Und ganz komisch wird mir zumute, wenn ein schweizerdeutsch gedrehter Film läuft. Untertiteln geht noch, aber wenn ich dann sehe, wie ein Schweizer Komiker seinen eigenen Text auf (Mundart-)Hochdeutsch radebricht… brrr!

  • Marko sagt:

    Tschutte isch au en änglischs Lehnwort, übrigens. Chiem au niemerem in Sinn, dass es us em Englische chunnt.

  • Pippi Langstrumpf sagt:

    Ich finde es immer wieder interessant, eine neue Sprache zu hören. Den Film „The Passion of Christ“ z.B. habe ich mir nur angetan (fürchterliche Folterszenen, kaum auszuhalten), weil ich Aramäisch hören wollte.

    • adlerauge sagt:

      the smashing of the christ… ehrlich gesagt, die folterszenen ware nicht das schlimmste am film…

      ist mel gibson inzwischen eigentlich wieder entlassen worden aus der geschlossenen anstalt?

    • StefanB sagt:

      Hab den Film nicht gesehen… da müssten eigentlich die „Römer“ latein gesprochen haben…

      BTW. da fällt mir immer ein, was ein Schüler in einem Aufsatz schrieb: Die romanischen Sprachen entstanden, als die Römer mit ihrem Latein am Ende waren.

  • Pippi Langstrumpf sagt:

    Was mich viel mehr nervt als Deutsche, die unseren Dialekt nie lernen, sind Zürcher oder Aargauer, auch Kommentatoren in Radio und TV, die den a konsequent als ä aussprechen, also „wir haben äuch“ etc., tönt dermassen bekloppt! Der TV-Korrespondent für Deutschland, Reinhard, ist ganz besonders schlimm, provinzieller geht’s nicht mehr……

    • Cara Mia sagt:

      Ach lass sie doch, man versteht es ja. Hast Du den Film Bienvenue chez les Ch’tis gesehen? Sagt eigentlich alles…

      • StefanB sagt:

        Cara Mia, hab ich. Wobei ich jedem empfehle, den Film mal (wenn wieder mal ein regnerisches Wochenende ist) Sequenz für Sequenz mal auf Französisch, dann auf Deutsch zu sehen. Manchmal recht eigenartig, wie versucht wurde, den Wortwitz des Originals ins Deutsche zu übersetzen.

        Ach hätten die doch damals nicht diesen blöden Turm bauen wollen in Babel.. wobei, dann gäbs auch den Babbelfisch nicht!

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Den hab ich gleich zweimal gesehen, nun habe ich ihn noch auf Video, unglaublich, die ganze Situationskomik. Der Film war nicht vergebens Nr. 1 vor zwei Jahren…… Wer wieder mal richtig lachen will, sollte ihn nicht verpassen.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Ich wollte natürlich sagen „auf DVD“. Mein Sohn lacht mich immer aus, wenn ich von Video spreche: „Mam, kein Mensch schaut Video, wo lebst du“…..

      • StefanB sagt:

        Ach, Pippi, ich hab noch mehrere Videos zuhause.

        Ist eigentlich schon jemandem aufgefallen, dass just dann, wenn die eigene Filmsammlung anfängt, gross zu werden, jemand ein neues Format erfindet, man wenig später alles neu kaufen darf, da die alten Abspielgäret nicht mehr erhältlich sind, und wenn alles schön da ist (in neuen Liebhaber-Editionen), fängt das Ganze von vorne an 🙁

        Ganz abgesehen davon, dass Hollywood gerade alle Filme recycelt und Re-Re-(re beliebig oft wiederholen!)-makes gedreht hat. 🙂 🙁
        >-)

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Ja StefanB, das ist mir eben auch schon aufgefallen, ich fühle mich dann abgezockt und steige aus lauter Sturheit lange nicht auf das neue Format um.

  • StefanB sagt:

    aber en schprach isch immer im wandel: was hani gschtuunet, womer i de primar en gschicht gläse händ, und es isch det öppis gstande vo „go kommisione mache“. mir sind zu dere ziit „go poschte“, und hüt goht me „go iichaufe“. debi isch s letschte klar ibürgered worde.

    • Peter sagt:

      Auch Sie sind gemeint, StefanB, mit dem Hinweis auf unverständliches Gebrabbel. Mundartgeschreibsel ist eine Zumutung. Zweck der Sprache ist u.a., sich verständlich zu machen. Mundarttexte sind den meisten unverständlich oder schwer verständlich. Warum machen Sie es Ihren Mitmenschen schwer?

      • Auguste sagt:

        @ peter

        hmm…, sprache ist leichter zu korrigieren als humorlosigkeit.

      • StefanB sagt:

        Lieber Peter,
        Mundartgeschreibsel ist eine Zumutung? würd ich nicht sagen, ich schreib mit meiner Freundin alle sms und emails in mundart. zugegeben, ist gibt keine festgelegte orthografie (wohl mit ein Grund, weshalb bei uns Standarddeutsch Schriftdeutsch genannt wird), aber da schreib ich halt phonetisch, und zugegeben das gleiche Wort manchmal in unterschiedlichen schreibweisen.

        Und was sollen denn unsere Mundart-Dichter machen? Ihre Texte auf Schriftdeutsch schreiben und simultan ins schwizertüütsch übersetzen??

        und für die, die meinen obenstehenden Text immer noch nicht verstanden haben, hier eine Schriftdeutsche Übersetzung:

        Aber die Sprache ist immer im Wandel: Ich habe sehr gestaunt, als wir in der Primarschule eine Geschichte gelesen haben, in der etwas stand von „Kommissione mache“. Zu dieser Zeit sind wir jeweils „go poschte“, und heute geht man „iichaufe“ (einkaufen). Dabei ist das letzte klar aus dem Deutschen übernommen worden.

  • Peter sagt:

    Einzelne neue Wörter sind unter Umständen eine Bereicherung der Sprache – wenn sie zum Beispiel nicht herabwürdigend sind – und können aufgenommen werden. Es kommt immer auch drauf an, wo und wann sie eingesetzt werden.

    Eine andere Sache sind Fehler.

    Würde man als höflicher Mensch einen britischen oder schwedischen oder russischen Arbeitskollegen auf einen Fehler aufmerksam machen, den er begeht, während er sich bemüht, korrekt Deutsch spricht? Ja, man würde.

    Wenn also Jugendliche untereinander Jugodeutsch brabbeln, sollen sie das tun, wenn sie es spannend finden. Das stört niemanden und ist wohl eine Art Spass – aber eben nur, wenn sie untereinander sind. Sobald höhere Ansprüche an den Umgangston gestellt werden, gehören Fehler korrigiert.

  • Lia sagt:

    wie sollen die Kids denn anständiges Deutsch lernen, wenn die 30jährigen den Jugoslang übernehmen?

    @ Eva Heller: meine Güte sind Sie borniert.. lassen Sie Ihr Kind doch Sack sagen, wenn es will, es weiss ja, wie es richtig heisst!!

    • Cara Mia sagt:

      Hey Du, gäll, es heisst im Fall „Gugge“, nit „Sagg“!

    • Peter sagt:

      Meine Güte, Lia, sind Sie ignorant! Ein Sack ist auf Deutsch etwas Anderes als eine Tüte, und wenn das eigene Kind in dieser Minute eine Sprache spricht, in der das Wort in der beabsichtigten Form nicht vorkommt, solll die Mama den Fehler gefälligst korrigieren. SIe sind genau die Sorte Mutter, die mir auf den Sack geht – jetzt haben Sie ein Beispiel für eine korrekte, wenn auch nicht nette Anwendung des Wortes Sack – mit dieser „ach-mein-Kindchen-weiss-schon-was-richtig-ist“-Fehleinschätzung. Es reicht nicht, dass der Goof weiss, was er meint, er muss sich beim Brabbeln auch verständlich machen, und wenn sein Gegenüber nicht weiss, was er brabbelt, kann er sich nicht verständlich machen.

      • Cara Mia sagt:

        Und dann noch die Sack-Musik, äh Guggenmusik, die Gugge schlagen und den Esel meinen… tscha…

      • Hedon Zwiefel sagt:

        Mir wurde das in Deutschland schon derber zurückgeworfen. Als ich nach dem „Plasticksack“ verlangt habe, kam retour: „Wenn ich einen Plastiksack habe, was hast den Du für einen Sack“ (…zwischen den Beinen)

  • Cara Mia sagt:

    @Eva Heller: Ja, und trotz aller Mühe, die Sie sich geben: wenn Sie dann einmal die Verwandtschaft in Deutschland besuchen, heisst es, Ihre Kinder seien Schweizer und könnten kein richtiges Hochdeutsch… 😉 Man kann sich halt dem Einfluss nicht entziehen. Gut finde ich, dass Ihre Kinder Schweizerdeutsch reden, denn Hochdeutsch kommt leider, wie Sie auch erfahren haben, nicht so gut an. Noch besser, wenn auch Sie es, *trotz allem* versuchen würden… Stichwort: Integration. Wichtig für Schweizer ist, dass man die Bemühung merkt, die Landessprache zu sprechen und vom Schweizer nicht verlangt, dass der die Sprache des Einwanderers spricht. Es wird nie korrekt sein, aber die Bemühung zählt.

    • Hotel Papa sagt:

      Das ist ein Kulturproblem. In Deutschland ist der Dialekt in Alltagssituationen sozial tabu. Was heute dazu führt, dass die Mundart je länger je weniger gesprochen wird, weil man die Kinder schon zu Hause auf korrektes Hochdeutsch trimmt. Daraus können die meisten Deutschen auch bei uns nicht heraus, wo der Dialekt in jeder Situation akzeptiert ist. (Ausser man nehme Rücksicht auf anwesende Fremdsprachler.)

      Das wird hier dann als Kulturimperialismus verstanden. (Und ich kenne einige Deutsche, die das, zumindest haltungsmässig, auch so vertreten. Nach dem Motto: Ihr mit eurer primitiven Sprechweise, lernt erst mal richtig Deutsch! Das Problem teilen wir aber mit den Alemannen jenseits des Rheins.)

      • StefanB sagt:

        Diesen Kulturpessimismus gabs auch mal in der Schweiz, vor vielen Jahrzehnten! Es ist noch nicht lange her (bis zum zweiten Weltkrieg), da glaubten auch in der Schweiz die „besseren Kreise“, dass Schwizertütsch die Sprache der Bauern, Handwerker und Arbeiter sei.

        Nun, die „Geistige Landesverteidigung“ hat dann damit aufgeräumt, und alle Menschen sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Denn wer die Sprache „des Feindes“ spricht, macht sich nun mal verdächtig. Wer vor dreissig Jahren russisch lernte, kriegte ja auch einen Ficheneintrag. 🙁

      • Eva Heller sagt:

        Da stimme ich zu und füge an: (1) Auch die Bajuwaren ticken so. Und (2) Die Kunst ist es, dass einem (oder einer) beides souverän über die Lippen kommt. Und dieses Ziel ist erreichbar. Denn ich kenne viele Leute, denen das gelingt.

    • Eva Heller sagt:

      Die Frage ist aber, ob ich trotz Integrations-Schweizerdeutsch mit meinen Kindern Schweizerdeutsch sprechen soll. Denn es bleibt, wie Sie sagen, immer beim Versuch. Perfekt kann ich das nie… Und meinen Kindern das Geschenk der „Muttersprache“ vorenthalten?

      • Cara Mia sagt:

        Nein, ich finde richtig, dass Sie mit Ihren Kindern bei Ihrer Muttersprache bleiben! Aber im Gespräch mit Schweizern wird es geschätzt, wenn man versucht, Schweizerdeutsch zu sprechen, auch wenn es nie 100% sein wird. Ist unser Hochdeutsch ja auch nicht. Andernfalls „verlangen“ Sie, dass wir uns mit unserem holprigen Akzent ihrer geschniegelten Sprache anpassen, so kommt das rüber. Das meinen Sie natürlich nie so, aber die Schweizer ticken häufig so. Nicht immer, hier in Basel, Grenzstadt, kennt man die gegenseitigen Empfindlichkeiten etwas besser … 😉

      • Cara Mia sagt:

        P.S.: kürzlich erzählte mir eine Kollegin mit deutschen Eltern, dass sie sich immer geschämt hätte, wenn ihre Eltern versucht hätten, Schweizerdeutsch zu reden. Als ich ihr dann die Schweizer Sicht der Dinge schilderte, wurde sie ganz nachdenklich.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Ich finde es schrecklich, wenn Deutsche versuchen, Schweizerdeutsch zu sprechen, das schmerzt in meinen Ohren. Sprecht einfach Hochdeutsch, mir gefällt die Sprache, ich höre sie gern, genauso, wie ich auch gern Dialekte oder Französisch, Englisch, Italienisch etc. höre. Auch Sprachen, die ich nicht verstehe, gefallen mir zum Teil sehr, z.B. Portugiesisch oder Serbisch, sehr schöne Sprachen.

      • Laura TI sagt:

        @Eva Heller
        ich finde das Geschenk der Muttersprache müssen Sie Ihren Kindern auf jeden Fall mitgeben.
        Ich spreche mit meinen Kindern auch konsequent Schweizerdeutsch auch aus dem Grund, weil ich mich in Italienisch einfach nicht so fein und präzise ausdrücken kann und ich mir wünsche, dass meine Kinder ihre Muttersprache wirklich gut können. Sobald italienischsprechende dabei sind, wechseln wir auf Italienisch, damit alle an der Konversation teilnehmen können, auch wenn ich da benachteiligt bin, weil es für mich halt immer eine Fremdsprache bleiben wird, die ich nie total beherrschen werd, dazu fehlt mir genau das damit aufwachsen, selber entwickeln der Sprache.

      • Hedon Zwiefel sagt:

        @Cara Mia
        Kenne es genau umgekehrt. Ich habe mich in Deutschland als Teenager für das stark CH-gefärbte Deutsch meine Mutter geschämt.

      • Hotel Papa sagt:

        Bei den Kindern selbstverständlich beim HD bleiben. Eine bessere Chance, das anständig zu lernen kreigen sie nie.

        Mir persönlich sind Deutsche lieber, die beim Hochdeutsch (oder noch lieber ihrer Mundart) bleiben, aber einem (wenn es denn so ist) zu verstehen geben, dass sie SD verstehen. Wir haben das bei uns im Betrieb lange so gehandhabt, dass die Grenzgänger eine Karenzfrist von 1..2 Monaten bekamen, danach sollten sie sich soweit eingelebt haben, dass sie SD verstehen. Inzwischen haben wir aber zu viele Nordlichter, denen fällt das deutlich schwerer.

        Ein andere Sache sind Ausnahmetalente, die SD wirklich korrekt beherrschen. Hut ab vor Euch. Auch der einzelne SD Begriff im HD ist willkommen.

        Der SD-Akzent im HD ist übrigens eine Sozialisierungssache. Kinder vor der Einschulung sprechen normalerweise aus den Medien ein fast akzentfreies HD. In der Schule kommt dann aber der Druck: So geschliffen reden wir im Fall nicht!

    • Cara Mia sagt:

      Genau. Aber die Deutschen müssen das wissen, sonst verstehen sie die Reaktionen nicht und sind betupft. In der Schweiz ist es (für Schweizer) wichtig, den Dialekt „richtig“ zu sprechen und das wird in den besseren Kreisen genau so gehandhabt, wie sonst. Es wird in der Erziehung ganz klar unterschieden zwischen Schriftdeutsch und Dialekt, und wehe ein Kind verwendet schriftdeutsche Bezeichnungen im Dialekt, siehe oben, „Po“ statt „Füdle“ (oder bei uns „Fudi“), oder „Klo“ statt „Toilette“ etc..

      Ein Einwanderer der einfach stur seine Muttersprache auch hier weiterspricht, kommt nicht gut an.

      • Hedon Zwiefel sagt:

        Da wär ich mir nicht ganz so sicher. So weit ich weiss war es in der Schweiz vor den extrem patriotischen Kulturwellen (Landi, Anbauschlacht, etc.) auch üblich sich mit Hochdeutsch vom Pöbel abzuheben. Bis die Mundart zur Abgrenzung gegenüber den Deutschsprachigen Nachbarn schon fast bewusst eingesetzt wurde.
        Es geschieht heute noch. Gab es a nicht grad letztlich eine „patriotische“ Kampagne gegen hochdeutsch in Kindergärten?

      • Cara Mia sagt:

        Das stimmt klar nicht. Schweizerdeutsch war immer wichtig, um die Herkunft zu signalisieren. Hat nichts mit „gegen“ irgendwen zu tun, sondern mit Idendität.

    • Hedon Zwiefel sagt:

      @Cara Mia: „wenn Sie dann einmal die Verwandtschaft in Deutschland besuchen, heisst es, Ihre Kinder seien Schweizer und könnten kein richtiges Hochdeutsch…“

      Einspruch:
      Als Auslandschweizer, aufgewachsen in einem binationalen Haushalt, hatte die Schweizer Verwandschft nie etwas an der Muttersprache auszusetzen. Bei der Vatersprache hingegen wird die Männerwelt krass diskriminiert. Vatersprache wird nicht so oft weitergegeben wie Muttersprache. Man merkt es ja nur schon daran, dass es den Begriff Vatersprache gar nicht gibt.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Dafür heisst es „Vaterland“, das ist der Ausgleich….

      • StefanB sagt:

        ja, die Muttersprache sprechend fürs Vaterland sterben 🙂

      • Auguste sagt:

        @ pippi

        hmm…, aber das mutterland des fussballs ist und bleibt: England

        ich verstehe nicht, wie sie sich nie für dieses wunderbare spiel interessieren konnten.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Auguste, dann werden Sie jetzt gleich staunen: Ich habe beide Spiele der Deutschen in voller Länge gesehen und mich keinen Augenblick gelangweilt. Und das, obwohl Ballack gar nicht spielt…… Also mein Desinteresse wandelt sich wohl ein bisschen, ich habe mich sogar dabei ertappt, wie ich emotional mitgegangen bin, man weiss nie….

      • StefanB sagt:

        @Auguste: den Begriff Mutterland gibt es, hat aber eine andere Bedeutung. Das Vaterland ist die Heimat, die man(n) verteidigt, das Mutterland ist die Gegend, aus der etwas/jemand stammt und sich über andere Länder verbreitet hat.

        England ist das Mutterland des Fussballs, aber da die FIFA ihren Sitz auf dem Zürichberg hat, ist die Schweiz die Heimat.
        England war das Mutterland der meisten US-Amerikaner, diese mussten aber ihr Vaterland mindestens zweimal gegen England verteidigen. Die Ironie der Geschichte: die Amerikaner haben 130 Jahre später auch England verteidigt 🙂

      • Widerspenstige sagt:

        Und zu guter Letzt, will doch jeder Mensch – egal welche Sprache er spricht und wie er sich ausdrückt – vom Gegenüber einfach respektiert und verstanden wissen. Wie ich in den Wald rufe, so kommt es halt retour. Sonst kann ich ja auf einer Insel leben und mit den Tieren und den Pflanzen Gespräche führen… 😉

      • Auguste sagt:

        @ stefanb

        hmm…, prima erklärt – tusch!

        den satz mit der fifa sollten sie dem sepp blatter zukommen lassen. er hätte eine chance gerahmt zu werden im walhalla der ballspiele – der satz natürlich, am denkmal des andern wird gerüchteweise schon länger in den ehemaligen zeppelin-hallen gearbeitet.

  • Eva Heller sagt:

    Hier mal ein Kommentar von der anderen Seite des Diskussions-Tresens: von einer Deutschen, die seit knapp zwei Jahrzehnten in Zürich wohnt. Und hier inzwischen zwei Kinder hat. Zuhause sprechen wir Hochdeutsch. Als mein Sohn gerade sprechen lernte, kam meine Tochter mit Schweizerdeutsch aus der Krippe. Mein Sohn brachte alles durcheinander. Ich habe wegen des Spracherwerbs dann die klare Regel rausgegeben: zuhause Hochdeutsch, in der Krippe, jetzt Schule und Kindergarten, gerne Schweizerdeutsch. Das klappt prima. Meine Kinder können beides sehr gut. Und sie können es perfekt unterscheiden und je nach Adressat binnen Sekunden umschalten. Mir war und ist es wichtig, dass sie jede der beiden Sprachen für sich korrekt lernen und nicht dauernd im Satz wechseln. Das finde ich nämlich an vielen Migranten (wie wir ja auch welche sind) sooo schlimm: Sie sprechen nicht mehr Italienisch/Spanisch/Portugisisch… sondern sie wechseln auch mit Gesprächspartnern der eigenen Nationalität bzw. Sprache mitten im Satz von der „eigenen“ Sprache ins Schweizerdeutsche. Hin und her und rundherum. Die wenigsten Personen mit italienischen Wurzeln (um ein Beispiel zu wählen), können wirklich noch längere und vor allem komplexere Inhalte auf Italienisch ausdrücken. Und auf Schweizerdeutsch (geschweige denn Hochdeutsch) können sie es auch nicht. Also lautet meine Regel eben: Klare Trennung. Na und da stehe ich neulich an der Migros-Kasse und rufe meinem Sohn zu: „Das heisst im Hochdeutschen ‚Einkaufstüte‘ und nicht ‚Sack‘!“ Die Gesichter der beiden schweizerischen Damen im fortgeschrittenen Alter hinter mir in der Schlange wurden eisig. Puhhhh, ihre Blicke durchbohrten mich. Ich habe die Flucht ergriffen mit meiner Einkaufstüte. Mein Fazit: Sprache muss lebendig sein. Aber nur, wenn es ein Ausdruck von Bereicherung ist und nicht, wenn die Sprachveränderung nur geschieht, weil die Leute die ursprüngliche Sprache gar nicht mehr richtig erworben haben und unfähig sind, sich ihrer korrekt zu bedienen. Und so schleicht sich bei uns gerne mal ein „Rübli“ ein, statt einer Karotte, Möhre oder „Gelberübe“. Weil das „Rübli“ so schön klingt!

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Ja, und im französischen heisst es Cornet. Als Kind im Welschland in den Ferien, wurde ich von der Verkäuferin in der Bäckerei gefragt, ob ich ein Cornet wolle, als ich verschiedene Sachen eingekauft habe. Wie war ich enttäuscht, als ich anstatt des Glacés eine Einkaufstüte bekam.

      Meine Stiefgrossmutter, eine Appenzellerin, fragte mich mal, ob ich ein Zeltli wolle, ich freute mich schon, dass ich nun auch ein Zelt bekomme, so wie mein Bruder, der kurz zuvor ein Indianerzelt bekam. Hocherfreut bejahte ich und bekam „es Täfeli“, ein Bonbon – welch ein Frust.

      • StefanB sagt:

        Übrigens, Pippi,

        mir ist es umgekehrt gegangen, als ich in Basel von Verwanten erstmals gefragt wurde: Wettsch au es dääfeli? dachte ich in meiner jugendlichen zentralschweizerischen Unschuld an ein Stückchen Schokolade und sagte begeistert ja. damals war ich viel zu schüchtern, um das gereichte (und ziemlich saure) Zitronenbonbon wieder abzulehnen, und sagte danke

    • Hotel Papa sagt:

      „Mein Sohn brachte alles durcheinander.“

      Da muss man nicht pessimistisch sein. Meist lernen es die Zweisprachigen sehr schnell, was wohin gehört. In der allerersten Spracherwerbsphase natürlich noch nicht, da kommt Kauderwelsch, aber sobald mit Sprache bewusster umgegangen wird, lernen sie das.

      Kinder reden mit ihren Eltern anders als mit den Schulkameraden, aber auch anders als mit den Lehrern. Das kommt.

      Was ein Problem sein kann, wie Du das von den italienischen Migranten beschreibst: Weil sie gewissen Lebensbereichen in ihrer ausländischen Muttersprache nicht ausgesetzt sind, fehlt ihnen der Wortschatz. Im Fall von Italienisch, wenn sie nicht entsprechende Literatur lesen, wohl auch die förmliche Grammatik. Dann werden sie eben „Codeswitchen“. Mit Hochdeutsch wird das aber kaum ein Problem sein. Dem ist man als „Schriftdeutsch“ und in den Deutschen Medien in der Schweiz ja ständig ausgesetzt.

      • Cara Mia sagt:

        @Hotel Papa: es kommt auch aufs Kind an. Ich wurde als Kind gleich mit drei Sprachen konfrontiert, Hochdeutsch noch nicht mal inbegriffen, und wechselte problemlos hin und her. Mein Bruder hingegen bekam keine Sprache so richtig hin, ausser Schweizerdeutsch. Dafür ist er im Zahlenbeigen besser wie ich.

      • Eva Heller sagt:

        Auch wenn das jetzt grausam überheblich klingt: Meine Erfahrung ist, dass nicht alle Schweizerinnen und Schweizer in der Lage sind (jung oder alt macht keinen Unterschied) das Schriftdeutsch selbst korrekt anzuwenden. Es kommt ganz entscheidend darauf an, in welchem Umfang man die Sprache aktiv gebraucht und nicht nur (passiv) konsumiert. Übung macht da bekanntlich den Meister. Daher sehe ich sehr wohl den Vorteil, meinen Kindern die hochdeutsche Muttersprache gratis mitzugeben. Wäre ich Italienerin, wäre das ja auch völlig ausser Diskussion 🙂

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Es soll schon Deutsche gegeben haben, die gemeint hätten, dass Dialekt gesprochen würde, als Schweizer Hochdeutsch sprachen……

      • Auguste sagt:

        @ cara mia

        hmm…, „besser als ich“

      • Hotel Papa sagt:

        @Eva: „Meine Erfahrung ist, dass nicht alle Schweizerinnen und Schweizer in der Lage sind (jung oder alt macht keinen Unterschied) das Schriftdeutsch selbst korrekt anzuwenden.“

        Ja natürlich. Die hatten aber keine Gelegenheit, das zu Hause akzent- und fehlerfrei zu lernen. Und natürlich gibt es Begabungsunterschiede, Menschen die nie in der Lage sein werden, zwei Sprachen fehlerfrei auseinanderzuhalten. Da stehst Du aber Deinen Kindern gegenüber auf verlorenem Posten. Wenn ihre Sozialisierung primär schweizerisch ist, wird Schweizerdeutsch ihre primäre Sprache sein.

      • *sigh* sagt:

        @Eva Heller: Wie wahr wie wahr.. Aber „deutsche Sprache schwere Sprache“ hat halt schon was wahres, daher hören die meisten dann auch damit auf, sich weiter zu verbessern wenn mal ein mässiges Niveau erreicht wurde. Überlastete Schulen seien hier auch noch kurz erwähnt nicht wahr.
        Kleiner Tipp am Rande: Comics LESEN bringt mehr als man gemeinhin so denkt..

        Und: Na hoffentlich lässt du deine Kinder an diesem „Vorteil“ teilhaben!

      • Andrea Strahm sagt:

        „Besser wie ich“: eben doch. Ich liebe und pflege Helvetismen. Absicht, volle. Ausser, wenn ich nicht darf.

    • Auguste sagt:

      hmm…, wenn man hierzulande nicht gut mundart sprechen kann, bleibt einem zur not immer noch die ausrede, man komme aus dem st. galler rheintal – da ändert der dialekt manchmal fast schon von dorf zu dorf.

    • Cybot sagt:

      Abwarten, da schleicht sich immer mehr Schweizerdeutsch ein, wirst schon sehen. Ich kenne einige Deutsche, die nach einigen Jahren in der Schweiz in der Heimat ausgelacht werden, weil sie so seltsame Ausdrücke und Redewendungen benutzen. Zum Lernen für die Kinder ist die Trennung sicher sinnvoll, aber lückenlos durchhalten kann das kein Mensch.

      Das gilt eben auch für Italiener. Die meisten von denen, die so einen Sprach-Mischmasch machen, können aber trotzdem sehr gut zwischen den Sprachen unterscheiden und auch wechseln – die sprechen ja nur untereinander so. Wenn man in einem deutschsprachigen Land lebt, sind seltener benutzte Ausdrücke halt nicht mehr so schnell verfügbar. Statt lang zu überlegen, nehmen sie dann halt einfach das deutsche Wort. Daraus zu schliessen, dass sie die Sprachen nicht auch richtig könnten, ist aber ein Trugschluss. Meiner Erfahrung nach können die sehr wohl die beiden Sprachen trennen, nur wenn man die eine Sprache halt nicht so oft braucht, fällt es halt schwerer, die Worte zu finden. Das geht jedem so, wenn er eine Sprache mal länger nicht braucht.

    • FAM sagt:

      Dieser Sprachenwechsel bei Secondos, Code-Switching, wird heute in der Sprachwissenschaft nicht mehr als Versagen, als sprachliche Unfähigkeit verstanden immer mehr als etwas Eigenständiges gesehen, eine neue Sprachform einer neuen und sehr eigenständigen sozialen Gruppe. Denn wie die Söhne, die sich sofort auf ihre Gesprächspartner einrichten, tun dies auch die Secondos, die diesen Kode nur unter sich verwenden.

      Dass die Menschen die Sprache nicht mehr können, ist übrigens eine Jeremiade, die man/frau sich in jeder Generation anhören musste.

    • Was soll das denn? sagt:

      Werte Landsfrau

      selten hab ich so einen Quatsch gelesen. Die klare Trennung zwischen Schriftdeutsch und Mundart lernen die Kinder nicht dadurch, dass sie in der Migros zurechtgewiesen werden. Die kommt altersgemäss ganz automatisch, durch sozialen Druck und situationsgerechte Kommunikation.
      Zu meiner Schulzeit wurde eine Regierungerklärung von Helmut Kohl in Jungendslang übersetzt und beschäftigte eine ganze Weile die Presse. Für mich war es kaum vorstellbar, dass die Erwachsenen diese Übersetzung nur mit Mühe verstehen konnten. Schliesslich war es ein Leichtes für uns Schüler vom Jungendslang ins Schuldeutsch zu wechseln und zurück. Die meisten sprachen zu Hause dann noch eine andere Variante der deutschen Sprache – inklusive der Grammatikfehler, welche in der Schule tunlichst vermieden wurden.
      Auch Ihre Kinder (und meine, die gerade erst Sprechen lernen), werden situationdsgerechte Kommunikation erlernen und je nach Situation Mundart oder die bei Ihnen zu Hause gesprochene Deutschvariante verwenden.
      Ich habe eine Schweizer Kollegin, die mit mir quasi aktenzfrei Hochdeutsch redet, sobald ein Schweizer Kollege hinzukommt, schaltet sie auf Schweizer Hochdeutsch um. Normalerweise spricht sie einfach Mundart.
      Freundliche Grüsse

      • borderstreetbully sagt:

        -Zu meiner Schulzeit wurde eine Regierungerklärung von Helmut Kohl in Jungendslang übersetzt und beschäftigte eine ganze Weile die Presse. Für mich war es kaum vorstellbar, dass die Erwachsenen diese Übersetzung nur mit Mühe verstehen konnten. –

        Herrlich.. unsere 55+ jährige Deutsch-Lehrerin hat uns auch mal Rotkäppchen in „Jugendsprache“ übersetzen lassen.. mit dem Ergebnis, dass die Hälfte rot unterstrichen war, weil sie den Ausdruck nicht kannte .. (zB Da Wolf für den bösen Wolf)

    • Eremit sagt:

      „Zuhause sprechen wir Hochdeutsch.“
      Warum dies? Gerade das Beispiel mit … „Die wenigsten Personen mit italienischen Wurzeln (um ein Beispiel zu wählen), können wirklich noch längere und vor allem komplexere Inhalte auf Italienisch ausdrücken“ sollte zudenken geben. Bei meinen italienischen Schulkollegen wurde dahei auch nur italienisch gesprochen und sie mussten wöchentlich in die Italienischschule. Nun sind sie gerade in dieser Pattsituation, die Frau Heller nicht will.
      Entweder man passt sich an, spricht auch zuhause die lokale Sprache und erleichtert den Kindern dadurch den Erwerb des Bürgerrechts, oder man betrachtet sich hier als temporärer Gast, der sich nicht anpassen muss und verkneift sich dadurch auch jegliche Kritik an der Gesellschaft, Wirtschaft, Schulsystem usw.
      Leider ist die Schweiz auf Grund der Geburtenquote auf Zuwanderung angewiesen und diejenigen welche in die Schweiz kommen dürfen sich dadurch auch mehr erlauben.

      „Na und da stehe ich neulich an der Migros-Kasse und rufe meinem Sohn zu: “Das heisst im Hochdeutschen ‘Einkaufstüte’ und nicht ‘Sack’!” Die Gesichter der beiden schweizerischen Damen im fortgeschrittenen Alter hinter mir in der Schlange wurden eisig.“
      Das ist kein Einzelfall, bzw. das habe ich schon in einem anderen Land öfters erlebt wie Touristen sich nicht der lokalen Sprache anpassten, sondern unüberhörbar ihre Mutterspreche verwendeten und so die Abneigung seitens Einheimische ernteten. Das wirkt auf Einheimische abweisend, da ihnen dadurch die Chance genommen wird auf eine einfache Weise in ein Gespräch ein zu stegen. Des weitern wirkt dies bei manchen wie „meine Sprache ist die bessere/überlegenere Sprache als die deine“. Sich anpassen? Assimilieren?

  • StefanB sagt:

    Naja, was ist besser: s beschte z’ha, wos je hets gits, man? oder doch „BXXXmeds beschti zahnpaschta aller ziite“? Jugodeutsch oder verschweizerdeutschtes Hochdeutsch?

    Jugendliche werden immer eine andere Sprache sprechen, als die Erwachsenen – zum einen, weil sie gegen die Erwachsenen rebellieren wollen, zum anderen durchaus auch, weil sie noch nicht so gewandt sind, zu wenig Erfahrung haben.

    Bedenklich wird es aber, wenn im Zuge des allgemeinen Jugendlichkeitswahns diese Jugendsprache glorifiziert wird. Es ist an uns Erwachsenen, die Jugendlichen zu „korrektem“ Deutsch anzuhalten. Wenn ich sehe, welche Texte manchmal abgeliefert werden, wenn ein „offizieller“ Brief geschrieben werden sollte – da sträuben sich mir nicht nur die Nackenhaare!

  • xyxyxy sagt:

    Jugendslang darf man nciht so ernst nehmen – wir waren ja auch mal Teenies.
    allerdings sollte man sicher nicht Sprache „lernen“ von Leuten, welche die Sprache nicht können.

    Ich denke, es fehlt den Schweizern an Selbstbewusstsein, wenn sie anfangen Ausländer nachzuahmen in ihrer Unkenntnis. Das ist eine verkehrte Welt.

    Sprache ist auch ein Ausdruck einer Denkweise. Diesbezüglich wurde über Sexismus, Gewalt und Machokultur schon einiges gesagt. Dass man diesen Neo-Primitivismus bekämpfen soll und in den Schandeck stellen soll, wo er hin gehört, sollte Selbstverständlich sein.

    Ansonsten bin ich kein Dialektnostalgiker. Dann würden wir ja immer noch reden wie im Mittelalter und das versteht ja heute kein Mensch mehr.

  • Andrea Strahm sagt:

    hmmm, ja, das „unaussprechliche“… wenn meine Grossmutter mal musste, dann ging sie „an e Eeertli“. Mein erster Freund, 68-er-Anti-Held, sagte „i gang go schisse“. Und heute? „muess ufs klo“. Irgendwie finde ich das letzte das letzte…

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Niemand will wissen, was du am „Eertli“ machst, also ist es korrekt, nur den Ort zu erwähnen. In gewissen Kreisen nennt man diesen Ort nicht mal beim Namen, man sagt, dass man ins Bad geht, oder sich frisch machen.

      • Hotel Papa sagt:

        Yep. Mit der Konsequenz, dass z.B. Englisch in praktisch jeder Generation einen neuen Euphemismus braucht, weil der alte tabu geworden ist. So kam u.a. das four letter word ‚crap‘ in den englischen Wortschatz…

        Da lobe ich mir die umgekehrte Entwicklung bei „Geil“. Dass ein negatives Wort positive Konnotationen bekommt ist selten, und kommt eigentlich immer aus der Jugendsprache, die ihre Eltern schocken will. „Toll“ z.B. oder in unserer Generation „grausam“. Wie hiess nochmal die Marionette in der Kinderstunde, die das popularisiert hat?

  • Schmunzel. Die Sprache ist anarchisch. Der Kreativere gewinnt. Die Einsicht aus der Rekrutenschule, wo der Befehl von der träfen Widerrede im urchigen Dialäkt unterlaufen wurde. Vielleicht ist dass der Mutterwitz. Luther wusste das: dem Volk aufs Maul schauen. Aber Gesellschaftlich zentrale Institutionen müssen bleiben: „Meh dräck!“ nicht „Meh Schmutz!“ wie das „Abschlussbetreffnis“ die „Erwahrung“ und das „Vernehmlassungsverfahren“. Sobald der Jugo tscheckt, was die bedeuten, wird er gern die Wörter anwenden und auch auf dem Feld der Ehre dafür sterben. Wo Sprache rituell mit Macht verbunden ist, da bleibt sie am längsten: „Hochgeachteter Landamman, hochvertraute Mitlandleute …. Das Wort ischt fry“.
    Jeder hat so seine „Hot spots“ der persönlichen Swissness. Mir ist die „Uerte“ lieb, dem rico Bandle das „Füdli“. Ist er nun darum ein Füdlibürger?
    Lieber Bandle, sollte dich deine Elterschaft weiter der sprachlichen Coolness der katholischen Schwuchtel Loetscher entfremden, solltest ganz ein Bünzli werden und nicht mehr zum „Spaghetti-Plausch“ (Mas Küng) in er Tagi-Mensa zugelassen werden: in der „Willensnation“ werde ich gern ein plätzli für einen ausgenüchterten Zeitgeist-Surfer offen halten. Aberschosicher.

  • Pippi Langstrumpf sagt:

    Wir kannten als Kind nur das Wort Derierli (von le derrière), Füdli zu sagen war verpönt, im Kindergarten wurden wir dafür ausgelacht.

  • v for vietcong sagt:

    sprache ist etwas, das ständig und immer schon in bewegung ist und war. durch mannigfalige einflüsse aus kultur, aus ethnischer durchmischung, historisch gewachsen, medial verändert, oder einfach durch die freude an der sprache und deren möglichkeiten. aufhalten kann man sowas eh nicht. wir leben in einem land wo mehrere sprachen landessprachen sind und unzählige dialekte von jeder einzelnen existieren. kultur heisst wandel und veränderung. in allen bereichen. das ist doch was schönes! natürlich kann man seinem kind ohne sorgen bestimmte wörter an- oder abgewöhnen, nur sollte man nicht denken, das hätte auch nur den geringsten einfluss auf die veränderung der sprache im allgemeinen 🙂

  • Lea sagt:

    Sprache kann zur Abgrenzung von anderen gesellschaftsschichten benutzt werden….

    Hoert euch an, wie etwa eine Mmme De Meuron sprach.

    Sprache kann tueren oeffenen…oder eben zuschletzen.

  • Jotoxo sagt:

    Mich erstaunt, dass in diesem Artikel Sprachveränderung einseitig an den Sprachschwierigkeiten von Ausländern festgemacht wird. Wenn ich (als Auslandschweizerin) Schweizer Zeitungen lese bzw. in die CH reise, entsetze ich mich regelmässig über die Menge von englischen Wörtern, die laufend neu eingedeutscht bzw. eingeschweizert werden obwohl eine Vielzahl von deutschen Wörtern bereitstünden und ohne dass sich jemand daran zu stören scheint. Jede Sprache übernimmt Wörter aus andern Sprachen, das ist normal und gehört zu ihrem kreativen Potential, die Wirklichkeiten auszudrücken (Das Spanenglisch ist ein Extrem davon). Das Überhandnehmen von englischen Ausdrücken in der Schweiz hat aber weniger mit kreativer Wirkllichkeitsbewältigung zu tun als mit dem Vortäuschen von Weltläufigkeit, Lässigkeit oder Klasse ohne die man in der Schweiz eine 0 ist.
    Aber keine Angst für Mundartverteidiger und Deutschpuristen – das Pendel schlägt bestimmt zurück. Wie mehr wir unsere Sprache vergammeln lassen, umso heftiger werden wir sie einst verteidigen, wenn wiedermal der richtige Wind weht!

  • Hotel Papa sagt:

    Als Kulturnostalgiker tut es mir weh, wenn immer mehr Standarddeutsch ins Schweizerdeutsch eindringt. Leutschenbachspeak ist dafür ein übles Beispiel. Mir stellt es jeweils die Nackenhaare auf, wenn so ein „Kommunikationsprofi“ seinen Hauchdeutsch vorgeschriebenen Sermon nicht simultan ins SD übersetzt bekommt. „Lerne“ statt „lehre“(was in den meisten SD-Dialekten korrekt wäre; die unterscheiden nicht zwischen ‚lehren‘ und ‚lernen‘), und die ganzen anderen Beispeile wie sie hier schon zu Hauf genannt wurden. So geht Identität verloren. Wo ich aufwuchs, konnte man die Sprecher anhand ihres Dialekts jedem Dorf zuordnen. Vorbei. Die Mobilität hat solcher Individualität den Graus gemacht.

    Nur: Sprache lebt, und gegen den Strom schwimmen macht nur müde. Vorwärts kommt man damit nicht. Also sitze ich am Ufer und schaue dem Schwemmgut des Hochwassers zu, das vorbeitreibt.

    Was den Jugo-Slang angeht: Es ist ein grosser Unterschied, ob das als spielerische Erweiterung der Möglichkeiten mit ins Arsenal gehört, oder ob aus Mangel an korrekter Sprachkenntnis/-fähigkeiten so gesprochen wird. Ein Paradebeispiel in diesem Zusammenhang ist das genannte „‚S bescht wo ’s je hets gits!“ Der Schöpfer dieses Ausspruches ist ausgesprochen Sprachgewandt und hat aus dieser Gewandtheit heraus diese spielerische Variante geprägt. So etwas finde ich bewundernswert und da höre ich gerne zu.
    Den Jungen zuzuhören, wie sie auf dieser Klaviatur spielen, macht Freude.

    Zum ‚fudi‘ und ‚füdli“: Vielen Verteidigern dieses einzig korrekten Terminus‘ würde wohl die Schamesröte ins Gesicht steigen, würden sie die Verwandschaft dieses Ausdrucks zu den Wurzeln zurückverfolgen…

    • Stef sagt:

      Informier mich, lerne gerne dazu.
      Als Mensch, dessen Sprachgefühl sich stark über Bücher entwickelt hat, hab ich die Schweizergrammatik nie bekommen, viele Satzstellungen kommen mir falsch vor.

  • Hedon Zwiefel sagt:

    Seid doch nicht so verklemmt und spiessig. Betrachtet doch die Sprache als Kommunikationswerkzeug, welches dauernd Veränderungen unterzogen ist.
    Mit der Sprache grenzen sich Kinder von den Eltern ab. Mit dem kreativen Sprachumgang erwirbt man sich auch die Sprachkompetenz. Und gewinnt spielend eine Beherrschung der Sprachstruktur. Ich bin mehrsprachig aufgewachsen und habe schon von klein auf damit gespielt. Und konnte die richtige Sprache auch immer situationsgerecht einsetzen.
    Mit 8 hatten wir mit Nachbarskindern sprachen wir mit Nachbarskindern einen Mix aus Niederländisch und und Schweizerdeutsch, der von niemandem ausser uns verstanden wurde.
    Die Mutter haben wir die Wände hochgetrieben indem wir das Schweizerdeutsch verhunzten. Dazu haben wir Schweizerdeutsch mit der Satzstellungen, Grammatik und Redewendungen aus westafrikanischem Pidgin-Englisch gesprochen.
    Abgrenzung durch Sprache gibt es auch bei Erwachsenen: Sprache unter Studenten, Fachjargon, Anglizismen um cool zu sein, Französisch im Baseldeutsch um Snob zu sein. usw. Und troztdem können die meisten das alles sofort ablegen und „normal“ reden.

    • Hotel Papa sagt:

      Jep. Das ist genau der Punkt: Ist diese Gewandtheit da, in der situationsgerechten Sprache zu sprechen oder nicht.

  • markus sagt:

    Es ist auch witzig das viel Leute Wörter aus dem Slang benutzen und gar nicht wissen was Sie heissen, z.B Schippi weiss jemand was das bedeutet ? Würde mich wunder nehmen ob das hier jemand weiss. Bei uns war es z.B Geil, alle fanden alles Geil aber die wenigsten wussten/wissen was es bedeutet.Tschecksch de Pög ? Auch so eine Ausdrucksweise die nur wenige verstehen.

    • Franzl Lang sagt:

      Würde mal sagen, das kommt von Skipetar (Shqiptar)…

      • markus sagt:

        Bravo, viele wissen das aber nicht, ich selber wusste es auch nicht und war überrascht da die nicht Skiptis dies als Fluchwort ansehen.

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Gerade das Wort „Geil“ sei im Mittelhochdeutschen ähnlich eingesetzt worden wie heute, es habe keinen körperlichen Zustand beschrieben.

  • Hugo Schweizer sagt:

    Hmmmm…. „mit welcher Neugier und gleichzeitig Gelassenheit“… ist der Autor dieses Artikels auch bereits dem Jugodeutsch verfallen? 😉

  • Beatrix sagt:

    jetzt weiß ich endlich, was ein Füdli ist 😉

    Familiensprache kann so spannend sein, bei uns gibt es vermischte Ausdrücke aus dem Berlin-Brandenburgischen (meine Mutter), dem Sächsischen (mein Vater) und inzwischen aus dem Finnischen (angeheiratete Verwandtschaft meiner Schwester). Ich finde, dass es durchaus ein kreativer Umgang mit Sprache ist.

  • Danielle sagt:

    Auch ich habe mir eine Zeit lang Sorgen gemacht, ob meine 14-jährige Tochter mit ihrem Jugosläng die Schule abschliessen und irgenwann mal einen Job finden wird. Bis ich dann ihre Aufsätze, E-Mails und sogar SMS gelesen habe. Alles in perfektem Deutsch! Da war mir klar, dass ich die Aussprache nicht so ernst bzw. als Modeerscheinung ansehen muss.
    Was mich persönlich mehr nervt als die Sprache der Jugend ist wie dei Radio- und TV-Journis immer öfters hochdeutsche Ausdrücke verwenden. „Männer“ sind schon lange gängiger als „Manne“, genauso wie „Früehstück“ statt „Zmorge“ oder „Mofa“ statt „Töffli“. Das ist doch total schade, oder nicht?

  • Jean Lenaux sagt:

    Mich stört ein Dialekt oder ein „falscher“ Dialekt nicht. Basler und Berner Dialekte sind noh durch den Züri-Dialekt „bedroht“. Was mih wirklich stört, sind primitive, rassistiche und sexistiche Ausdrücke jeder Art. Und davon strotzt das „Jugo-Deutsch“ und der Rapper-Slang. Das ist kein „Stil“, das ist eine Lebenshaltung.

  • Frank Thorsten sagt:

    Wenn man mal davon ausgeht, das Schweizerdeutsch ein Dialekt und keine eigene Sprache ist (die zugrundeliegende Sprache ist Deutsch) und sich dieser Dialekt von Ort zu Ort zum Teil gravierend unterscheidet, kann es sicher nicht so ein grosses Problem sein, wenn sich das Ganze dann weiter entwickelt und verändert. Das heisst natürlich noch nicht, dass jeder Einfluss „von aussen“ gleich übernommen werden muss, zumal wenn er die Grammatik verändert oder die Verständlichkeit herabsetzt.
    Grundsätzlich sollte man da aber nicht zu grosse Identitätsängste aufkommen lassen: „Sprache ist lebendig, im Fall!“

  • „Soll man die Kinder korrigieren, wenn sie zu Hause plötzlich «jugodeutsche»- oder andere Ausdrücke verwenden?“

    Ja sichär. Fooll Mann! Wenn meine Tochter jeweils in den Slang verfällt, quittiere ich ihre Aussagen mit genau diesem Satz: „Ja. Fooll Mann!“

    Es wirkt. Nur habe ich mittlerweile mehr Freude an diesem Slang als sie- sehr zum Leidwesen meiner Frau.

  • mensch sagt:

    wer isst gerne denn gerne eine berner platte mit deutschen curry-würsten

    oder im tessin ein risotto, vorab salat mit französicher sauce

    oder eine walliser röschti mit adriatischem käse anstelle des raclettes….

    nur so gedanken

    darum meine ich: c’est le goût qui fait le menu

  • *sigh* sagt:

    Alles gar kein Problem, bloss ein weiteres Stück Kulturveränderung/entwicklung, allerdings dann doch mit einem kleinen „aber“: Die Kinder sollten sich bewusst sein, dass im Kollegenkreis wohl jeder wissen mag, welche Aussage mit einem Satz gemeint ist, bei einem Fremden dann aber, der sich auf das gesagte Wort in seiner Urform verlässt (des aktuellen Cliquen-Slangs nicht mächtig ist), eine ganz andere Aussage daraus resultieren kann. Besonders wenn die non-verbale Kommunikation ganz wegfällt ist das übelst gefährlich.

    Was mir allerdings nicht passt ist die tendenzielle „Respektlosigkeit“ im gegenseitigen Umgang die mit dem Schippi-Deutsch Einzug hält. Das hat schon öfters zu gewalttätigen Konflikten geführt bloss weil ein „zu agressives“ Slang-Wort statt dem eigentlich angebrachten verwendet wurde.
    Zudem: Sprache wirkt auch erziehend (Jajaja, Bern hatte ja schon recht, trotzdem ist der Zebrastreifen echt nur doof!), da macht mir der „fehlende Respekt“ schon etwas Sorgen..

    • so what? sagt:

      Diesem Unbehagen kann ich mich auch nicht ganz entziehen. Mangelnden Respekt allerdings nur mit „Schippi-Deutsch“ in Verbindung zu bringen, finde ich gefährlich. Sprache prägt Denken und Handeln. Die Grobheit, die diese Art des Sprechens aber beinhaltet, ist oft Ausdruck von Rebellion. Jugendliche wollen sich abgrenzen und provozieren, was ihnen offensichtlich gelingt.

      • *sigh* sagt:

        NUR habe ich nicht gesagt. Auch sehe ich den Grund für die Respektlosigkeit im generellen Umgang nicht in dieser Art der Sprache, aber das Schippi-Deutsch ist doch ein Ausdruck davon und verstärkt es bisweilen sogar.

        Fallbeispiel:
        Antworte auf eine Pöbelei auf Schippi-Deutsch und die Schlägerei ist nahezu garantiert, mit CH-Deutsch hingegen erhälst du zwar den „Opfer“-Status ala „der kann sich nicht richtig (im Gangster-Slang) zur Wehr setzen“ aber bist dank der „weniger aggresiven Wortwahl“ eher nicht in Gewalttaten verwickelt. Eigene Erfahrung.

      • so what? sagt:

        Das kann ich mir gut vorstellen. Woher kommt dann aber die Brutaliserung der Sprache in Film, TV und Musik (v.a. Rap)? Dort wird doch weder Hochdeutsch, noch Schweizerdeutsch oder „Schippi-Deutsch“ gesprochen? Diese Verherrlichung des Unterprivilegierten, das Unmanierliche, Brutale, Grobe, Ungehobelte, Respektlose, woher kommt das?

      • *sigh* sagt:

        Gute Frage. Die Antwort wird je nach politischer Gesinnung des Betrachters irgendwo zwischen „Das liegt in den Genen bestimmter Etnien“ und „Fehlende, bzw. falsche Vorbilder erziehen die Menschen halt zu sowas – die können auch nichts dafür“ liegen.

        Ich masse mir nicht an, hier eine abschliessende Antwort zu geben…

      • *sigh* sagt:

        Nachtrag:
        Hat einer der etwas älteren Erdenbürger der sich an sowas stört, sich schon mal Gedanken dazu gemacht wie der heutzutage normale, permanente, globale Informationsfluss auf die Kids (und auch Erwachsenen, die können aber meist(!) differenzieren) hier bei uns wirkt? Heute ist es absolut normal zu wissen, bzw. immer und immer wieder am TV zu sehen, dass in jeder Sekunde in X Teilen der Welt Menschen abgeschlachtet werden und es keinen interessiert bzw. keiner etwas dagegen unternimmt.
        Mit dieser Prägung dann in unserem Teil der Welt andere, bessere Moralvorstellungen und Verhaltensweisen aufrechtzuerhalten, bzw. als „normal“ zu leben ist echt nicht einfach. Vielleicht ist es machen auch zu scheinheilig um da mitzumachen..

      • *sigh* sagt:

        *manchen auch zu scheinheilig um da mitzumachen..

  • so what? sagt:

    Ach ja: Was bedeutet „normale“ Weiterentwicklung der Sprache?

    • Auguste sagt:

      hmm…, vom mittelalterlichen hochdeutsch zur neuen deutschen rechtschreibung, zum beispiel. auch wenn letzteres von nicht wenigen als nicht normal eingestuft wird.

      • so what? sagt:

        Dann sollten wir uns beruhigt in den Sessel lehnen und den Dingen ihren Lauf lassen: Wenn die ersten nachreformatorischen Lese- und Schreiblehren mit den heutigen verglichen werden, diese Entwicklung also die Norm bedeutet, so dürfen wir sprachlich gerne noch etwas kreativer werden 😉

      • Auguste sagt:

        hmm…, das sehe ich genauso.

  • Auguste sagt:

    hmm…, die perfekte verknüpfung des gestrigen mit dem heutigen thema:

    youtube: sekschuelschliere

    mahlzeit.

    • Widerspenstige sagt:

      Ich lasse mich zurückbeamen und geh wieder zur Schule – also bei einem Komiker hätte ich 10x mehr gelernt, aber schon ehrenwort, mann…. 🙂

  • Tim sagt:

    Integration ist halt keine Einbahnstrasse.
    Bei der Sprache fällt es halt sehr gut auf. Allerdings bezweifle ich, dass die Sprache das Einzige ist, wo eine Anpassung stattfindet.

  • pipistrella sagt:

    meine beiden töchter wohnen in st. gallen und basel.. ich werde wohl nicht darum herum kommen, diese schrecklichen sprachen, bzw. dialekte in meinem haus zu hören.
    oder war im artikel nicht das damit gemeint 😉

    • Stef sagt:

      Ich bin Exil- Basler und halte in Basel den Dialekt kaum mehr aus, vorallem in Bäckereien sprechen sie so schrecklich. Brrrr
      Ich muss gestehen, auch wenn ich in Bern wohne, das ZH- Deutsch ist mir am liebsten.

  • Auguste sagt:

    hmm…, an der mundart herum zu korrigieren, ist wie zwei weitere striche auf ein kandinsky gemälde zu malen und es für eine verbesserung zu halten. das machen nur ausgewachsene „arschbürger“.

    • Widerspenstige sagt:

      Wow, Auguste, da haben Sie wieder mal der Wahrheit den richtigen Anstrich verpasst. Wer’s kann, kann’s einfach. Noch schlimmer für mich wäre allerdings ein Pinselstrich zuviel auf einem Gustav Klimt Bild ;-

      • Auguste sagt:

        hmm…, zweifellos liess klimt etwas weniger raum, der in versuchung hätte führen können. so gott, die g’spänli und unser schulsystem will, wird auch rico bandle bei seinen töchtern über die jahre weniger raum für sein steckenpferd vorfinden.

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Schön gesagt, Auguste!

      Mir dreht es jeweils fast den Magen um, wenn ich diesen Schweiz/Albanien-Slang höre. Es ist eine Schichtfrage: Meine Freundin, die ich seit der 1. Klasse kenne, kommt ursprünglich aus Belgrad, sie lernte innerhalb eines Jahres! ein astreines Berndeutsch, ihre Schwester auch. Die Eltern, beide Akademiker, sprachen Hochdeutsch.

  • Steffi sagt:

    oh ja, auch ich bin zutiefst schockiert, dass Sohnemann und Tochterfrau plötzlich „nööd“ sagen – wir sind doch Aargauer!!! Aber hier darf ich wohl der Fremdbetreuung und nicht den ausländischen Mitschülern schuld geben ;-).

    Ansonsten kann ich „so what?“ nur beipflichten. Die Kinder und Jugendlichen sprechen unter sich anders, benutzen „coole“ Wörter und verfallen in Slangs. Das ist für mich in Ordnung – solange sie unterscheiden können, wo man so redet und wo nicht, bzw mit wem. Und ich denke, dass wenn Kinder „normal“ aufwachsen, mit Gesprächen am Familientisch, Lesen, etc., erwerben sie sicheine Kompetenz, die diesen Switch auch zulässt.

    Auch ich musste meine Sprache oder eher Ausdrucksweise anpassen, sobald meine Kinder sprechen lernten – erst dann ist mir aufgefallen, wie rüde ich teilwese rede.

  • Markus sagt:

    Hey yo mama, chasch im fall min dialäkt nöd afigge, das hani da in schuel glernt man. Muesch sicher nöd min dehei als bispiel ne, mini lehrer da in schwäme hät im fall voll studiert und isch voll fett! Also bivor mini dialäkt afigsch luegsch emale wer mir das bibringt hät. Warum söli überhaupt richtig dütsch lerne? De Dragan chan nöd emale schriebe und hät de voll krassi BMW im fall nöd so es smartli wie du. Es heisst au nöd Jugoslawie sonder Bosnie-Herzigoofina und Serbie man!
    Also Du Jurnalie, bevor wieder e so en seich schriebsch frögsch mich gäll schuscht chumi mit em Berim und em Tarkan verbii und zeige dir wer da chef isch. Schwäme for life! Bashim Hood Crew Gangstas
    Übersetzung:
    Sehr geehrte Frau Biswanger
    Ihre Ausführungen betreffend der sprachlichen verunglimpfung in der heutigen Zeit sind so nicht richtig. Die Kinder in der Aglomeration lernen dies heutzutage in der Schule obwohl die Lehrer über Akademischen Titel verfügen. Bevor Sie die schuld den Jugendlichen in die Schuhe schieben, sollte man eine Studie machen um zu verifizieren warum das so ist. Warum soll ich richtig Deutsch lernen wenn mein Nachbar der Dragan auch ohne schreiben zu können sich eine BMW leisten kann und nicht wie Sie nur einen Smart? Es heisst richtigerweise auch Bosnien Herzigowina oder Serbien und nicht mehr Jugoslawien. Also verehrte Kollegin Biswanger, Sie können mich zu diesem Thema jederzeit kontaktieren falls sie fragen haben, sollten sie dies in Zukunft unterlassen so sehe ich mich leider gezwungen rechtliche massnahmen zu ergreifen.

    • Raphi sagt:

      Fail. Immer schön auf Autor des Mamablog-Beitrages schauen, dann kommts gut 😉

    • Cara Mia sagt:

      Also Markus, Schande, erstens heisst sie BiNswanger und zweitens hat sie das gar nicht geschrieben. Und er, der das geschrieben hat, schrieb selber, es sei DAMALS noch Jugoland gewesen. Also, was ist bloss mit Dir? Und verschon uns Gott vor weiteren Studien.

      Zum Thema: ich leide zuweilen auch. „Nackt“ statt „blutt“, war kürzlich. Aber langsam ändert es sich auch und sie fragen, wie dies oder jenes auf Altbaseldeutsch hiess. Da muss ich dann lachen.

      • Markus sagt:

        Man luegsch de föteli de gshet us wie de Binswanger im fall, muesch mi gar nöd blöd afigge 😉

        Etwas spass muss sein, finde es morgens immer lustig wenn ich im Bus Schweizerinnen sehe die so reden. Wobei wir auch so geredet haben damals, aber nicht mit Jugo sondern Italo slang. „ma weisch am Giorgio sini fragolla isch mega bella“ oder so;-)
        Deutsch ist auch eine sehr schwere Sprache und bin froh dies früh gelernt zu haben. Secondos die spät Deutsch lernen müssen haben da sicher sehr grosse Schwierigkeiten. Es ist doch auch schön dass wir in einem 5 sprachigen Land leben und mit der Sprache spielen könne. Im Ausland beneiden uns viele darum.

    • Widerspenstige sagt:

      @Markus – S beschte wos je hets gits! 🙂 Aber Rico Bandle ist heute der Gastjournalist, gell.
      Darüber kann ich mich köstlich amüsieren und Tränen lachen – so guet! Und das, obwohl ich sehr viel Wert auf ein einigermassen gutes Deutsch bei meinen Kids lege – die wissen das aber dürfen diese ‚Wortspielereien‘ von ihrem Umfeld ausserhalb der Familienatmosphäre gebrauchen. Denn darin sehe ich weniger eine Entwertung der deutschen Sprache, sondern eine kulturelle Bereicherung und Sensibilisierung dafür. Ein Widerspruch in sich? Aber woher denn: genau wenn ich über solche Wortfragmente und Wortspiele – denn nichts anderes sind es mMn – stolpere und mich vielleicht auch dann und wann aufrege, befasse ich mich unbewusst mit der Sprache und geben dem weisen und unvergesslichen Menschenkenner Hugo Lötscher – er Ruhe in Frieden! – Recht. Sprache soll Spass machen im täglichen Umgang und das Handy mit seinen SMS und Internet mit seinen Kurz-E-mails haben diese Zeitepoche eingeleitet. Ich habe mich damit irgendwann irgendwie arrangiert und lebe immer noch – ha! 😉

      • Markus sagt:

        @wiederspenstige, sehe ich auch so, finde es auch lustig wenn Wörter in einer anderen Sprache eine völlig andere bedeutung haben. Wichtig ist aber das man Spiel und Wirklichkeit unterscheidet, leider gibt es Leute die wirklich so komisch reden und dies seit Jahrzehnten. Bei den Wallisern sogar seit Jahrhunderten.
        @Rico, hey sorry man, han di nöd welle afigge, han gemeint de Binswanger hät gschriebe. Würkli sorry man, wänn mal häsch problem chasch mi jedezit schriebe, chume verbi man, ich schwör mir sind Brüeder!

      • Lea sagt:

        traurig dabei ist, dass dann die englischen ausdruecke, die in die schweizer dialekte fliessen, aus dem ghetto stammen.

        „hey sorry man“ ist JIVE talk, nicht englisch und aboslut uncool, auch wenn der ober blingy Coolio Bro solche sprueche reisst. genau genomme ist es ein Kiffer indiz.

        lustig auch der trend, dass der Stadtzuercher dialket offizial charakter erhaelt. lustig wenn die anderen lokalsender bei einem interview den zuri-tuestch nachahmen.

      • v for vietcong sagt:

        wer het da öppis gäge kiffer seit?! ich stieg jetzt denn grad us mim töffli us und chume zu dir, ich weiss nämli wo dini adrässe wohnt und denn chlüb der en gingg is aug und mach der e schlägerei im gsicht!

      • Lea sagt:

        Ich sagte Kiffer Indiz. wertfrei.

        wo ich lebe, ist der einsatz von ‚deadly force‘ zur verteidiung des heimes erlaubt. also watch out.

        ih dachte toeffli sind zweiraeder. aussteigen geht da nur aus dem tank. benzinsniffing?

    • Shlomo sagt:

      Guet rede mer zBärn ke Züridütsch. :-))

  • so what? sagt:

    „Füdli“ war in unserer Familie verpönt (Fudi war genehm), auch „Lämpe mache“ oder „verreise“, im Sinn von abhauen. Die Liste wäre lang, würde ich all die Dialektausdrücke aufzählen, die auf unserer internen schwarzen Liste standen. Jede Familie hat ihre eigene Sprache und diese verändert sich, vor allem, wenn man selber Kinder hat. Als Patchworkerin (für mich unangenehmer Ausdruck) sehe ich, wie sich die Familiensprache laufend entwickelt, je nach Alter der Kinder, Wohnort oder Partner. An gewissen Ausdrücken, Vorlieben und Abneigungen halte ich fest, andere werfe ich über Bord, mal bewusst, mal unbewusst. Mich ärgert eigentlich nur die „Herusforderig“ , von der im Radio oft die Rede ist, weil das schlicht falsch ist. „Klinglä“ oder „Ball“ (anstelle von „Bölle“) wird aber auch im grenznahen Schaffhausen gebraucht und ist für mich in Ordnung. Bewusst falsche Ausdrücke wie im gezeigten Video mögen einen gewissen Unterhaltungswert haben, ich dulde es allerdings nicht, wenn die Kinder sie zu Hause regelmässig brauchen. Ich bemühe mich um eine gepflegte, nuancierte Sprache, schränke die Computerzeit ein, animiere zum Lesen. Das funktioniert ganz gut, allerdings stelle ich fest, dass sich die Söhne, vier an der Zahl, nach Eintritt in die Oberstufe und Pubertät, deutlich undifferenzierter und undeutlicher ausdrücken als zuvor. Gespannt warte ich nun darauf, wie sich das bei den Töchtern entwickelt. Es gilt auch zu unterscheiden zwischen sprachlicher Verarmung und Veränderung: Ich habe aber den Eindruck, dass das Diskutieren mit den Kindern über sprachliche Veränderungen einer Sprachverarmung entgegenwirkt. Denn Sprache bedeutet auch spielen und experimentieren.

  • Raphi sagt:

    Ich habe leider noch keine Kinder, aber eine österreichische Frau.
    Sie spricht mittlerweile ziemlich gut Schweizerdeutsch aber hat immernoch sterreichische Redearten und Wörter drin.

    es gaht sich uus -> es langet na
    uusraschte -> entspanne
    um 17 Fr -> für 17 Fr
    ich hans am chaschte ta -> ich hans uf de chaschte ta

    Und selbst bei mir schlecht sich das langsam aber sicher ein.
    Ich nehme es mit Humor 🙂

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