Herbstzeit – Kinozeit

Daniel Gaberell am Mittwoch, den 27. September 2006 um 17:15 Uhr

Alle reden vom Hoch der Schweizer Kinofilme, aber irgendwie habe ich das Trittbrett noch nicht gefunden, welches mich in die hochgelobte Schweizer Filmwelt mitnehmen würde…

Hingegen lobe ich die deutschen Filme! «Das Leben der anderen» war ein Genuss wie schon seit langem nicht mehr. Zuerst dachte ich: och nein, bitte nicht schon wieder so Nazi-Zeugs. Dann aber entwickelte sich diese rührende Geschichte zum ersten Herbst-Highlight dieses Jahres.

Emmas Glück

«Emmas Glück» war dann schon eher etwas gar seicht. Nicht unbedingt schlecht, vor allem die zwei Hauptdarsteller gefielen mir sehr gut, aber doch eine Klasse unter «Das Leben der andern».

Bleibt noch «Sehnsucht» und dann natürlich «Das Parfum». Wer Empfehlungen oder Warnungen zu diesen zwei Streifen abgeben möchte, der kommentiere doch nachstehend als kleiner Service für die Besucherinnen und Besucher von KulturStattBern.

Vielen Dank.

Schöner WochenausKlang

Daniel Gaberell am Montag, den 25. September 2006 um 21:46 Uhr

mh Das Bild täuscht: Matthew Herbert war bei seinem sonntäglichen Gastspiel im Progr nicht so cool wie auf diesem Foto. Zum Glück nicht, denn er und seine sechs Mitmusikanten – allesamt in Bademäntel (oder so ähnlich) – wirkten freundlich, zugänglich und sehr sympathisch.

Er gilt als einer der ganz Grossen in der elektronischen Musikwelt. Sogar Björk und Moloko engagierten den Engländer für ihre eigenen Produktionen. Dies war dann auch der Grund, dass sich Berns Musikgrössen die Ehre gaben (wenn auch etwas zurückhaltend und eher im Schatten stehend) um diesen Matthew Herbert endlich mal live zu sehen und zu hören.

Mir persönlich waren die Klänge etwas gar digital – allerdings war dieser Auftritt auch gleichzeitig der Start der Bee-Flat Konzertreihe, was mich wiederum sehr froh stimmt. Denn das ist ja das gute bei Bee-Flat: man geht hin ohne genau zu wissen, was einem erwartet. Und hie und da steht dann sogar eine Perle auf der Bühne.

Neu übrigens jeden Sonntagabend. Mehr Infos gibt es hier.

Asylgesetz auf Abwegen

Daniel Gaberell am Sonntag, den 24. September 2006 um 19:43 Uhr

Nach Langenthal, Olten, Grenchen, Lyss und Worb, ging heute Sonntag im Alten Spital in Solothurn die letzte der diesjährigen Integrationsolympiaden über die Bühne. Es trafen sich jeweils um die 70 Menschen unterschiedlicher Kulturen und demonstrierten eine für ihr Land typische Sportart oder Freizeitbeschäftigung. So kam es zum Beispiel zur Begegnung der Hornusser mit dem tamilischen Cricketteam. Oder die Tanzgruppe der Pro Senectute lernte einen kurdischen Volkstanz und Thais zeigten ihren typischen Tanz den Pfadfindern. Und natürlich konnten die Gegenüber sich immer in den entsprechenden Diziplinen versuchen.

KulturStadtBern ist kaum der Ort, um Integrationsfragen zu thematisieren. Aber: als Organisator dieser «Integrationsolympiaden» kehrte ich soeben von Solothurn zurück – noch mit kurdischen, indischen und thailändischen Klängen in den Ohren – und lese als erstes, dass in der Schweiz das Asylgesetz nun doch verschärft wird.

Es schmerzt, diese Niederlage zu akzeptieren, denn hinter mir liegt ein erfüllter, weitsichtiger und vor allem sehr menschlicher Nachmittag.

AltesSpital

Die Berner Kulturkeiferei

Manuel Gnos am Freitag, den 22. September 2006 um 9:49 Uhr

Es scheint in Bern gerade Mode zu sein, Konflikte öffentlich auszutragen. Unsere KollegInnen vom Schwesterblog «Zum Runden Leder» können davon ein Lied singen. In der hiesigen Kulturszene tut dies grad Dorothe Freiburghaus, Präsidentin des Vereins Berner Kulturagenda, mit einem «Offenen Brief» als Antwort auf ein Editorial von Ensuite-Gründer Lukas Vogelsang.

In beiden Texten geht es vorerst einmal um die Kulturstrategie der Stadt Bern. Das ist wichtig und nötig, denn ein solch zentrales Papier muss ausführlich diskutiert werden. Nun wird man aber – vor allem beim Lesen des «Offenen Briefes» – den Verdacht nicht los, dass hier die Beteiligten gründlich aneinander vorbei reden. Und dass erhebliche gegenseitige Empfindlichkeiten bestehen.

Wie dem auch sei, eine in dieser Art öffentlich geführte Debatte hat etwas Groteskes: Wir Leserinnen und Leser werden als Resonanzkörper der jeweiligen Botschaft gebraucht (missbraucht?), doch was der eigentliche Inhalt dieser Botschaften ist, können wir nur erahnen.

Deshalb habe ich Lukas Vogelsang dazu eingeladen, hier in KulturStattBern auf den «Offenen Brief» von Dorothe Freiburghaus zu antworten – auf dass für uns die eine oder andere Frage geklärt werde. Er hat zugesagt, braucht allerdings noch etwas Zeit.

Wir jedenfalls warten gespannt auf die nächste Runde in dieser Debatte.

Sympathische Schlaumeier

Grazia Pergoletti am Donnerstag, den 21. September 2006 um 12:53 Uhr

Schauplätzler im SüdenDie Künstlergruppe «Schauplatz International» ist an die «blutigen Strände der Zivilisation» im Süden Spaniens gereist. Dort haben sie, wenn man so will, ein Remake von «King Kong» gedreht, inklusive blonder Frau und grosser Angst. Die Blonde Frau ist Europa, einigt man sich, und Angst hat man nicht nur vor den Einwanderern, die mit ihren Booten aus Afrika kommen, sondern vor dem Fremden im Allgemeinen. King Kong ist das Fremde.

Damit der Zuschauer und die Zuschauerin nicht vor Angst vergehen, erhalten wir vor dem Film einen kleinen Angst-Crash-Kurs. Das ist nur einer von vielen verspielten Momenten, wo einem das Herz aufgeht, weil man mit derart einfachen Mitteln und viel Phantasie klug unterhalten wird. Ich würde den Abend nicht als Theateraufführung in dem Sinne, sondern vielleicht als gemeinsames Nachdenken über bestimmte Themenkreise bezeichnen.

«Schauplatz International» sind sympathische Schlaumeier, die sich substanzieller Themen annehmen. Dass ihre Aufführungen immer etwas charmant Besserwisserisches haben, mag an ihrer Gewissheit liegen, moralisch hundert Prozent auf der richtigen Seite zu stehen.

Zum Schluss gibt es noch den Tanz um die schwarze Tomate und die genialste Schiesserei, die ich je im Theater gesehen habe. Danach macht man sich über den Hof aus der Reitschule durch etliche Dealer auf den Weg nach Hause. Vielleicht mit etwas weniger Angst als sonst?

Hingehen: noch Freitag und Samstag, jeweils 20.30 Uhr im Tojo Theater!

Drei CDs, ein Einkauf

Manuel Gnos am Mittwoch, den 20. September 2006 um 9:30 Uhr

Drei CD-Covers, ein Einkauf.Als ich vergangenen Donnerstag vom CD-Shopping kam und mein Velo aufschloss, habe ich aus dem Gespräch zweier Teenieknaben einen kleinen Fetzen aufgeschnappt: «Das war, als ich noch HipHopper war.»

Was war, als er noch HipHopper war, habe ich nicht mehr mitgekriegt. An seinem entnervten Tonfall allerdings habe ich entnommen, dass ihm sein Begleiter etwas gar Unvorstellbares unterstellt hatte: Etwa dass er auf das Kätti, das immer so stark geschminkt sei, stehe; oder dass er doch letztes Jahr noch vollkommen auf die Schuhe der Marke Vans abgefahren sei. Etwas ganz Weltbewegendes halt.

Ich aber fragte mich, wann ich zum letzten Mal sagen konnte, dass ich eindeutig verortbar einer Szene zugehörig war. Eine Antwort darauf konnte ich auf Anhieb nicht finden. Auch ein Blick in meinen Beutel half mir nicht weiter, denn da fanden sich meine drei neu erstandenen Alben: «Elephant» von The White Stripes, «Return to Cookie Mountain» von TV On The Radio und der Soundtrack zum Coen-Gebrüder-Film «O Brother, Where Art Thou?».

Natürlich, auch ich hatte Phasen, in denen ich mich einer Szene zugehörig fühlte. Angefangen hatte es mit der Modern-Talking-Fraktion (die sich vor allem als Anti-Sandra-Guerilla verstand). Damals waren die 80er, ich war dreizehn und es war wichtig, eindeutige Präferenzen zu haben. Dann kam die Pet-Shop-Boys-Phase, von der ich dann gleich ins Schwermetallerlager wechselte, wo ich auch etliche Jahre hängen blieb – und eigentlich heute noch ein bisschen dazu gehöre.

In all diesen Grüppchen und Szenen war ich aber immer auch ein Fremdling: Ein Metaller, der Prince vergöttert, ein Rocker, der klassische Musik macht (und mag!), ein AC/DC-Fan, der Elvis hört, ein Junge mit einem grossen Metallica-Aufnäher auf der Jeansjacke und einer Depeche-Mode-Platte im Büchergestell.

Vielleicht hatte das damit zu tun, was mein Jugendfreund Dave an einem Kreator-Konzert sagte, als sich gerade ein paar Unverbesserliche gegenseitig auf die Rübe hauten: «Jede Szene hat mit der Dummheit ihrer Basis zu kämpfen.»

King Kong ist überall

Grazia Pergoletti am Montag, den 18. September 2006 um 0:25 Uhr

Das Vreni von Kämpf/Debatin/Urweider/Lenz ist noch nicht besprochen. Ich werde nächste Woche hingehen und ich bin sicher, es ist grandios. Wie alles zuvor von dieser Clique!

Aber generell, diese «neue Folklore», dieses Bern-ist-überall-Ding… Ich weiss nicht. Setzen Sie sich mal eine Stunde lang auf den Kornhausplatz, und sehen Sie, wer Bern ist: Schwarzafrikaner, Araber, Italiener, Türken, Spanier etc. Warum sehen wir auf den Bühnen (ausser wenn Meret Matter inszeniert!) niemanden dieser Menschen vertreten? Die Durchmischung ist doch das brennendste gesellschaftliche Thema zurzeit! Warum kommt es nicht vor?

Deshalb: Tipp von der Pergolette für kommende Woche: Schauplatz International, ab Mittwoch im Tojo Theater mit King Kong an den blutigen Stränden der Zivilisation, jeweils um 20.30 Uhr.

Ich hoffe auf Goldt

Daniel Gaberell am Freitag, den 15. September 2006 um 13:13 Uhr

Mein Chef sagt: Nur Veranstaltungshinweise verbloggen, wenn’s auch eine Geschichte drum gibt.

Also stieg ich gestern Abend in den Keller und kramte in der alten Bücherkiste mit dem Ziel, «Bis bald» von Markus Werner zu finden. Stattdessen aber entdeckte ich diesen Titel:

CoverGoldt

Ich blätterte den gelben Zettelchen entlang und fand, der Max Goldt ist Meister in Alltags-Beobachtungen. Zum Beispiel fragt er sich, warum bei einer TV-Werbung für Damenbinden beim Beweisen der extremen Saugfähigkeit – jemand kippt aus einem Becher blaue Flüssigkeit darauf – das Wort «Ersatzflüssigkeit» eingeblendet wird.

Auch sucht er nach einer Definition für das Ding, mit welchem die Kundin und der Kunde jeweils die eingekaufte Ware auf dem Kassen-Fliessband trennen damit die Kassiererin weiss, wann sie auf den Total-Knopf zu drücken hat.

Vor Jahren las Goldt im Schlachthaus und die Vorfreude war riesig. Ebenso gross war dann allerdings die Enttäuschung – die Genialität kam irgendwie nicht rüber.

Vielleicht wird morgen alles besser. Gut so Chef?

Max Goldt liest morgen Samstag im Stadttheater Bern (19.30 Uhr).

Herr Pwei war vor Ort

Manuel Gnos am Donnerstag, den 14. September 2006 um 22:53 Uhr

Pearl Jam in Bern. (Bild: pweipress)

Der KSB-Leser Herr Pwei hat uns verdankenswerterweise ein Foto des Pearl-Jam-Konzerts im Berner Eishockeystadion zur Verfügung gestellt. Das bewahrt die Redaktion vor der Peinlichkeit, einzugestehen, dass niemand hier von diesem Konzert gewusst hat – und das, obwohl unser Leser Passiver Attacker die ganze Stadt mit Plakaten eingedeckt hatte.

Zum Konzert gibt es nicht viel zu sagen. Den Leuten, die vor Ort waren, hat es laut Zeugenaussagen gefallen (hier und hier). Sehr sogar. Einzig die acht Herren direkt vor der Bühne scheinen mit der Musikk ihre liebe Mühe gehabt zu haben (oder es handelt sich um die SCB-Nachwuchstorhüter beim Straftraining).

So, damit wäre auch dieses für Bern so grossartige Ereignis hier in KulturStattBern dokumentiert. Ich wünsche Ihnen allen einen wunderbaren Freitag.

Stimmungshochhalter in echt

Grazia Pergoletti am Mittwoch, den 13. September 2006 um 1:58 Uhr

School of Zuversicht. (Bild: Grazia Pergoletti)Als ich heute einen Freund fragte, ob er mit mir zum Bad Bonn an das Konzert der Goldenen Zitronen fährt, meinte er: «Ne, ich bin ja nicht so der Spasspunker.» Und ich darauf: «Was, Spass? Das ist harte Arbeit! Inhalte ohne Ende!» Beides stimmt, Spass hat’s gemacht und richtig richtig gut war’s.

Als Vorband spielte handsom DJ Patex mit ihrem neuen Projekt School of Zuversicht auf, mit den Herren Knarf am Bass und Mense Reents (toller Name, oder?) als Gastschlagzeuger. Innerlicher Samba, wie Patex es nennt. Super Tanzmusik, sage ich, auch äusserlich.

Dann die Goldies, so gut, wie noch nie, und ich muss es ja wissen. Als ob der Schwerpunkt tiefer gerutscht wäre, etwas weniger grell, etwas weniger nervig auch, was mir sehr entgegenkam. Und sehr kraftvoll. Nach einem theatralen Auftritt schon gleich “Problem! Problem!” mit der Technik, doch Schorsch Kamerun hilft mit seiner Ansage so unterhaltsam darüber hinweg, dass man sich bald wünschte, es gäbe noch mehr Pannen. Aber nichts davon.

Die Goldenen Zitronen im Bad Bonn. (Bild: Grazia Pergoletti)Momentenweise dachte ich: «Die Red Hot Chilli Peppers in charmanter Ausführung!» (Auch wenn mir diese Formulierung wohl einige Schelte der Zitronenmänner einbringen wird.) Und die Texte! «Der verdiente Independentmusiker am Hof des Königs des unbeugsamen Theaters. Und ich und ich und ich.» Da werden selbstironisch Widersprüche wie Du und Ich verarbeitet.

Dazwischen musikalische Leckerbissen von DJ Dottter aus Fribourg. Und zum Schluss ein Schulterklopfen von Sandra Küenzi, mit dem Kommentar: «Sehr gut für Euer Alter!» Sehr gut, sage ich!