Abyssinia Social Club

Urs Rihs am Mittwoch, den 14. November 2018 um 13:02 Uhr

Dort beim Beaumont-Kreisel, fast am Ende der Tramlinie Nummer 3, vor dem Weissenbühl –
und dahinter beginnt die Prärie.
Der Abyssinia Social Club, ein urbaner Aussenposten, aber problemlos in zehn Minuten vom Hauptbahnhof her zu erreichen.
Ein offener Ort zum Sitzen, zum Lauschen – am bodenständigen, sicher drei daumenbreiten Tresen. Büezerbeiz früher, ist es jetzt eine Bar, wo neben dem Alltag auch Kunstwelten Platz haben sollen. Musik natürlich, DJs vor allem – and beyond.
Ein kleines Laboratorium für Experimentelles und nichts weniger als ein Treffpunkt,
für echte Menschen: Das ist der Abyssinia Social Club.

 

Klingt nach Werbung im Blog? Ist es auch! Für solche Örtchen immer.

Kulturbeutel 46/18

Mirko Schwab am Montag, den 12. November 2018 um 5:55 Uhr

Schwab empfiehlt:
Die Friends Of Gas aus München. Der Feuilleton jubelt und wir fragen: ist das noch Punk? Hoffentlich nicht. Stuttgarter Schule sagt das Feuilleton in solchen Fällen gerne, mein Freund R. findet Stuttgart («Stuggi») mies – wie alle Deutschen, selbst die Stuttgarter. Aber diese Friends Of Gas sind ja aus München. Naja. Hin da, ins Ross am Donnerstag. Spalier stehen die Tessiner Viruuunga, ebenfalls sehr empfehlenswert.

Der Urs empfiehlt:
King Champion Sounds, sieben Köpfe machen Indie, da bleibt auf Tour im Schnitt wahrscheinlich knapp ein Hunni pro Kopp und Konzert. Schon nur dafür empfohlen – müssen Vollbeknackte sein und dann klingen sie noch wie ein luzider Fiebertraum unterlegt von Morricone, The Fall und Sun Ra.
Am Samstag im Bonn, aber Achtung: Ich geh früh, die spielen nämlich das Opening für die Japos von Kikagaku Moyo, Psychkraut aus Tokyo, kann man sich dann ruhig auch noch gönnen.

Fischer empfiehlt:
Zweimal HKB, einmal Stadt, einmal Land: Am Mittwoch ist Jonas Lüscher zu einem (etwas esoterisch anmutenden) Gespräch über Digitalität geladen (man will «zuhören und Fragen stellen und so zu gemeinsamen Erkenntnissen gelangen, welche die künstlerische, gestalterische und vermittelnde Entwicklung der einzelnen Persönlichkeit zu begleiten vermag»), Freitag bis Sonntag dann wird die Sache geerdet, in Burgdorf – in historischen Eisenbahnen, auf Baustellen und beim Holztrommeln.

JJ empfiehlt:
Heute Abend im Kairo liest Michelle Steinbeck aus «Eingesperrte Vögel singen mehr». Am Donnerstag spielen Dave Eleanor, Rotkeller und Skepson anlässlich eines Remix-Projektes von Anouk & Henrys neuer Platte in der Dampfzentrale. Und am Freitag ist Wiedereröffnungsfest in der Zoobar, mit REA.

 

Rauchfrei am Konzert

Ilona Steiger am Sonntag, den 11. November 2018 um 16:03 Uhr

Für KulturStattBern zeichnet Ilona Steiger aka rauchfrei93 als Gastillustratorin sonntäglich Shortstorys aus dem urbanen Untergrund und von der Sandsteinoberfläche. 

Prozente, Prozente!

Roland Fischer am Samstag, den 10. November 2018 um 14:57 Uhr

Eigentlich müsste man an dieser Stelle ein Hohelied singen. Wo wäre die Schweizer Kulturförderung ohne dieses 1 Prozent des Migrosumsatzes, das in Bildung, Soziales und Kultur fliesst – über hundert Millionen Franken allein letztes Jahr? Und, hmm, unverschämter Gedanke: Wo könnte sie sein, wenn alle grossen Firmen so einen Umsatzobolus zuhanden der Gesellschaft entrichten würden (vernünftig Steuern zahlen wäre im Prinzip auch schon ok)? Man stelle sich mal vor, es gäbe so etwas wie ein Nestlé-Kulturprozent. Oder, geben wir uns ein wenig bescheidener: ein Promille – würde auch schon reichen, um den Migros-Ausgaben Konkurrenz zu machen. Vor ein paar Tagen wurde kommuniziert, dass jetzt auch noch die Online-Umsätze in das Kulturprozent einbezogen werden. Alles auf Kurs also. Oder?

Nein, leider. Das wird kein Hohe-, es wird ein Klagelied. Ende Oktober nämlich war schon eine Kultur-Medienmitteilung rausgegangen, die eigentlich nicht viel Wesentliches vermeldete. Corporate Communication-Speak halt, interessiert hat das kaum jemanden:

Um Raum für Neues zu schaffen und den sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen, wurden die in der Direktion konzipierten und realisierten kulturellen Aktivitäten und Projekte systematisch hinterfragt. Das Popmusikfestival m4music, die Konzertreihe Migros-Kulturprozent-Classics, das alle zwei Jahre stattfindende Migros-Kulturprozent Tanzfestival Steps sowie das Migros Museum für Gegenwartskunst werden weitergeführt. Zusätzlich werden neue Projekte entwickelt [blablabla].

Hedy Graber, seit 2004 Leiterin der Direktion Kultur und Soziales des Migros-Genossenschafts-Bundes, hält fest: «Wir richten unsere Kulturförderung so aus, dass wir [blablabla]. Wir sind überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit Kultur positive Auswirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes hat und wir mit dem Kulturprozent einen wichtigen Beitrag leisten können.»

Was sich hinter der Mitteilung verbarg wurde erst zwei Wochen später klar: Das Hinterfragen traf ein paar Initiativen ganz direkt, insbesondere die wunderbare Arc Artist Residency in Romainmôtier, in der auch unzählige Berner Künstler an Projekten gefeilt haben oder auf neue Ideen gekommen sind. Noch vor kurzem gab es Aufrufe, neue Ideen und Projekte für massgeschneiderte Aufenthalte einzureichen. Nun das Fallbeil:

Mit Bedauern informieren wir sie, dass Arc artist residency seine Türen schliesst Ende 2018. Wir beenden all unsere Aktivitäten und bieten ab 2019 keine Residenzen oder andere Projekte mehr an.

Weg. Zu. Ersatzlos gestrichen. Für obsolet befunden. Wow, Migros. Hier ist in langen Jahren etwas Tolles – und ja, eher Stilles – aufgebaut worden. Nein, das Arc ist kein Crowdpleaser. Aber das muss Kultur ja nicht immer sein, «um positive Auswirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes» zu haben. Vielleicht sind es ja gerade diese Initiativen, die forschen, ausprobieren, diskutieren – ja, die selbst gern hinterfragen -, die am nachhaltigsten wirken. Die national ebenso funktionieren wie international, die sich nicht besonders für Genres interessieren, die Kultur also nicht in Schubladen stecken. Aber in Zeiten der Niederschwelligkeit, der Kennzahlen und des Wachstumsparadigmas (neue Publika müssen erreicht werden! mehr Leute an die Kultur herangeführt! als wäre ihr Seelenrettendes zu eigen und die Kulturvermittler wären Missionare) hat es für solche ergebnisoffenen und mit Liebe und Sorgfalt wie mit Ernst und langem Atem betriebenen Initiativen offenbar immer weniger Platz. Ein Entscheid, der ratlos macht und ehrlich gesagt ein wenig seltsam riecht – mehr nach McKinsey als nach umsichtiger Kulturförderung.

Heitere Fahne und das schon fünf Jahre!

Urs Rihs am Donnerstag, den 8. November 2018 um 11:10 Uhr

«Each one teach one» so die Losung, die dieser Kulturoase, dieser «Idealistenkiste» am Fusse des Hausbergs, am nächsten kommt.
Gib weiter, was anderen vergönnt war und mach es nicht mit dem Dirigierstock, sondern mit gereichten Händen. Auf dass soziale Unterschiede nivelliert gehören und dafür, dass individuelle Besonderheiten von einem Spitzlicht gestreift werden und somit als Eigenheiten zum Leuchten kommen.

Eigenheiten, welche sich im Gesellschaftsdiskurs sonst mindestens als Hemmnisse manifestieren, als Störfaktoren, als starke Widerstände bezüglich des Mitbestimmungsrechts der eigenen Bedürfnisse. Diesem Mitbestimmungsrecht, welches so zentral liegt, um das eigene Freiheitsgefühl entfalten zu können.

Das aktuelle Programm zu den Festivitäten, welche diesen Freitag und Samstag vonstattengehen werden, findest du hier.

Andere, hinter dem Wald, sprechen noch immer von Behinderungen, physischen, psychischen oder geistigen Charakters. In der Heitere Fahne heissen Leute, die darunter leiden – sind wir das nicht alle? – aber längst Menschen mit Besonderheiten. Und genau diese sollen in das Projekt so sehr als möglich und bereichernd eingebunden werden, beim Kochen, Organisieren – beim Erschaffen im wortwörtlich «übertragenen» Sinne. Each one teach one.
Mit dieser Haltung und mittels multi- bisweilen interdisziplinären Programms zwischen Theater, Musik, Tanz, Cabaret und Gastronomie, giesst dieses Kollektiv von plus ou moins 60 Seelen einen integrativen Sockel in die Kulturlandschaft, welcher eine Leuchtturmfunktion einnimmt, am Fusse des Hausbergs.

Nirgends sonst in der Stadt wird mit ähnlicher Strahlkraft und Aussenwirkung das Mantra der Niederschwelligkeit gelebt und geliebt, ohne dabei vom Korsett des Dogmas eingeschnürt zu werden – dieser Schraubzwinge des Eifers. Vielmehr regiert das Lustprinzip die Heitere Fahne und darum ist es ein Ort des Wohlbefindens, des Schön-sein-dürfens; aber unter Aussparung des liebeszersetzenden normativen Blicks, welcher der Hauptstrom, mit seinem Schlepptau an Gräuel, sonst in unsere Gehirnrinden meisselt.
Hier hat man begriffen, dass Zugänglichkeit nicht bloss von ökonomischen Faktoren wie Preisen abhängt, sondern viel mehr auch von diesem diffusen Begriff des Bildungskapitals, welcher verbandelt ist mit Herkunft, Kinderstube und all diesen soziökonomischen Faktoren.

Long story short: Ultra progressive Sache und willkommen sind alle – am Fusse des Hausbergs – draussen bleiben muss nur der Zynismus.

Dafür und dass diese vereinsbasierte Institution seit nunmehr fünf Jahren – welche gefühlt im Flug vorbeigegangen sind – besteht, dafür heisst es jetzt die Tassen zu heben, zu klatschen, zu umarmen, zu küssen und zu hoffen, dass die Idealistenkiste genauso weiterrumpelt, fünf weitere Jahre mindestens oder warum nicht gerade bis zum bitteren Ende.

Die Heitere Fahne – ein utopischer Ort und die Utopie dem Eskapismus bekanntlich artverwandt, das einzige Problem ergo: Sich darin zu verlieren und den Realitätsbruch gänzlich herbeizusehnen, nichts mehr mit der bösen Welt am Hut haben zu wollen. Weiterdampfen auf der Terrasse und gar nicht mehr hervorlugen mögen, hinter der trügerisch konkordant wirkenden Fassade des alten Brauereiwirtshauses – am Fusse des Hausbergs.

 

Ich frage mich, «Und was genau wäre so schlimm daran?»

(S)hush Hush

Clemens Kuratle am Mittwoch, den 7. November 2018 um 17:16 Uhr

“Speak easy-Konzert” nennt sich die Konzertreihe, zu deren geladenen Gästen der Autor sich letzten Montag zählen durfte. Anthony d’Amato war zu Gast. Man dankt und résumiert.

Ein Blick durch den Spiegel ins Dachgebälk.

 

Erklärtes Ziel der Veranstaltung ist, der herbstlichen Kälte soul-warming music entgegenzuhalten.  “BYOP” (Bring your own pillow). Irgendwo im Mattenhof, Hintereingang, die Treppe rauf bis zum Dachgebälk, überhaupt tönt alles recht gemütlich. Die Anzahl Wollpullover, die sich in ominösem Estrich zusammengefunden hat, ist entsprechend hoch. Nur ein grossgewachsener Herr, häufiger Gast an verschiedensten alternativen Kulturveranstaltungen, bleibt auch hier seinem Anzug treu. Stilistisch und  altersmässig durchmischt ist die Gesellschaft also schon mal.

Die Gastgeberin grüsst freundlich und fordert ebenso herzhaft zur Rücksicht auf die Nachbarn auf. Nun warten wir auf Anthony D’Amato, Songwriter von ennet dem Teich, welcher sich der Zusammenarbeit mit verschiedensten Helden von drüben rühmt. Gute zehn Minuten nach der Ansage legt er auch bereits los. Man merkt schnell: Um den Herrn mit Gitarre braucht man sich keine Sorgen zu machen. Tourgestählt präsentiert er seine Songs, ohne viel Klamauk, mit den nötigen Finessen in Arrangement und Gitarrenspiel und dem unwiderstehlichen Drive der American Folk Music.  Gewährleistet wären sie also, die Zutaten, die einen Songwriterabend von einem Abend am Lagerfeuer unterscheiden. Amato reizt die dynamische Bandbreite seiner Gitarre aus und schafft’s so die Spannung aufrecht zu erhalten.
Zwei kurzweilige Sets später ist der Gig vorbei, sind zwei Zugaben zum Besten gegeben und auch das obligate Dylan-Cover gespielt. Die eigenen Songs vermochten nicht immer restlos zu überzeugen. Teils vorhersehbar in Struktur und Material, zu nahe an bereits Bekanntem sind die Stücke, auch wenn sie lyrisch immer wieder mit Humor auftrumpfen. Schwächen, die aber durch die starke Performance grösstenteils kompensiert wurden.

Der Abend als Ganzes geht mehr als in Ordnung. Der heiss geliebte Wohnzimmervibe, in Dreieinigkeit mit Gastgebern die wissen was wichtig ist und einer Kollektenkultur die den Namen verdient machen, dass hier niemand zu kurz kommt. Man spürt, hier kann Musik passieren, die das Bewusstsein der Hörer umpflügt. Und so wankt der Autor nach einem zu starken Absackerli nach Hause. Unbeackert zwar, aber im Frieden mit sich und der Welt. Und den Frieden wünscht man sich an einem Montag doch am meisten.

Weil die Dinge hier in Ordnung sind

Mirko Schwab am Mittwoch, den 7. November 2018 um 5:55 Uhr

Mani Matter. Und auch mir ist kürzlich ein halbes Loblied auf die Schweizer Demokratie entfahren. Hat sich angefühlt wie ein Furz. Wie einer, den man zuerst nicht riecht, der dann aber lange in der Zimmerluft stehen bleibt.

Bin über die Bundesterasse gestolpert. Über den Bundesplatz hinein, dem Bundespalast entgegen. Helvetia. Du kolossaler Gugelhopf mit grünem Zuckerguss. Dich fresse ich zum Frühstück auf, bist so süss. Niemand da, nur Du und ich. Nur Du, Demokratie und ich, ein Taugenichts aus dem Leben. Bist so süss, ich fass dich an. Das kann ich, niemand da, keine Polizei, nein, keine Armee, nein. Ich fress dich auf, weil ich dich liebe. Lässt mich ran, ganz nahe ran. Niemand da, dich zu bewachen, nackt und süss bist du da und ich fass dich an, beiss von dir ab, lass dich mir schmecken. Grünspan auf der Zunge – nein, kein Grünspan, sagt das Internet, Kupferhydroxide bzw. Kupfercarbonate – auch gut, ich komm dir nah, ich fass dich an, ich ficke dich, Demokratie, ganz lieb will ich dich ficken jetzt. Und keiner da, keine Polizei, nein, keine Armee, nein.

Der Bundespalast wird nicht, wie in anderen Nationalstaaten üblich, von der Öffentlichkeit abgeschirmt, d.h. von den Taugenichtsen aus dem Leben. Weil die Dinge hier in Ordnung sind. Weil die freiwilligen und ordentlichen Mannli und Froueli, Toggeli, aus dem ganzen Land mit dem Zug anreisen und zu Fuss durch die von schönen Geranien gesäumte Obere Altstadt toggeln. Toggeln dann hin zum Bundespalast, der Haus heisst, weil liebe und ordentliche Leute halt in Häusern wohnen. Und im Bundeshaus drin gehen sie dann schauen, dass die Dinge hier in Ordnung bleiben. Ordentliche und friedliebende Leute sind das hier halt. Das ist schön, das ist schön.

Darum brauchts auch keine Waffen. Blöder Zufall, schlecht gelaufen, kann passieren, wenn die halt dann Waffen bauen, die lieben Leute im Land, kann passieren. Zum Beispiel in Neuhausen am Rheinfall. Aber da gehts ja nicht um Waffen, sicher nicht in erster Linie, da gehts um Präzision und Perfektion und Zuverlässigkeit. Um die Ordnung, der wir schauen müssen.

Aber hier brauchts eben keine Waffen. Blöder Zufall, wie gesagt, dass die lieben Leute dann trotzdem immer wieder Waffen bauen, können es nicht lassen, Lausbuben. Aber schon mit Talent, das muss man sagen, Präzision und Perfektion und Zuverlässigkeit. Und dann wäre es ja schade – da muss man sich nicht unter seinem Wert – also die Waffen – die kann man ja immernoch verkaufen. Irgendwohin, wo die Leute nicht so gut sind in Präzision und Perfektion und Zuverlässigkeit. Das ist schon in Ordnung, sollen dann einfach keinen Seich machen damit.

Im Jemen. In Syrien. In Lybien.
Mani Matter? Money Matters.

Ich ficke dich, Helvetia. Ganz langsam. Fick dich schneller. Ich ficke alles, was du gelten lassen willst.

Bevor ich dich auffresse und dich nicht verdauen kann. Dann halt stinkts. Aber eben so, dass man es zuerst nicht riecht. Was einmal reingeht, muss wieder rauskommen. Was einmal raufgeht, muss wieder runterkommen.

Schuldig im Sinne der Anlage

Roland Fischer am Dienstag, den 6. November 2018 um 13:24 Uhr

Ein guter Schauspieler kann Segen, kann aber auch Fluch eines Films sein. Ein gutes Drehnbuch ebenso. Auf den ersten Blick scheint dann nämlich alles in allerbester Ordnung, das heisst bei einem kleinen feinen Psychdrama aus Dänemark: Man ist geneigt, «The Guilty» für ein weiteres Juwel aus der ja sowieso gut bestückten Schatzkammer skandinavischen Kinos zu halten.

Und dann wird es kompliziert. Erstens spoilert man bei diesem Film allzu leicht (also lieber gar nichts mehr sagen) und zweitens kann es passieren, dass er, fasst man ihn mal richtig an, einfach aus dem Leim fällt. Und man plötzlich ein Durcheinander an schönen Einzelteilen vor sich liegen hat, die ganz und gar nicht mehr zusammenpassen.

Was man allerdings sagen kann: Was für ein Wunderwerk, eine vertrackte Geschichte allein aus der Perspektive einer Notrufzentrale zu erzählen. Und sie spannend zu halten bis zum Schluss. Ein psychologisches Kammerspiel im besten Wortsinn, das verlangt einem einiges an Bewunderung ab. Und eben da liegt der Fluch: Beim Rekapitulieren merkt man nämlich, wie konstruiert das alles war, mit wie viel Kunstfertigkeit und Aufwand das Drehbuch die Fäden zusammenhalten muss. Und wie grandios all die Unplausibilitäten überspielt worden sind von Jakob Cedergren (und dem restlichen Ensemble). Manchmal denkt man: Der Schweiss auf seiner Stirn – das ist wohl der Stress, der ihm die überstrapazierte Geschichte verursacht.

Kulturbeutel 45/18

Mirko Schwab am Montag, den 5. November 2018 um 5:55 Uhr

Schwab empfiehlt:
Diese Melodie
. Seit dem Ostf*** will sie nicht mehr aus meinem Kopf. Und also habe ich entschieden, dass sie bleiben darf. Urheber ist Balduin, der mit seinen psychoaktiven und bandgesättigten Popstücken … nun ja, der Typ sollte eigentlich berühmt sein. Mit ihm eine schöne Band aus Freund_innen,  diesen Mittwoch im Ross. Ich geh hin mit Lucy.

JJ empfiehlt:
Dem vom heteronormativen Blick auf die Welt geschundenen Auge Erleichterung verschaffen am LGBTI-Filmfestival QUEERSICHT. Am Donnerstag gehts los mit mit breitem Programm: Kurz-, Porno- und Spielfilme in verschiedenen Kinos der Stadt, dazu und daneben Diskussion, Lesung, Netzwerk. Am Samstag zum Beispiel liest Lou Meili queere Literatur im PROGR und am Sonntag: Podiumsgespräch Frauen schaffen Film im Kino Cinématte.

Der Urs empfiehlt:
Machts französisch, weil das so schön ist und fast schöner noch, wenn das Schöne daran imaginiert wird, von ausserhalb, als Liebeserklärung ans Fremde quasi.
So wie bei den vier nach einem Film der Nouvelle Vague benannten Psych-Rockern von «Sundays & Cybele». Eigentlich aus Hokkaido, Japan – mais ils chantent comme nous! Am Samstag in der Spinnerei.

Fischer empfiehlt:
In der Reflector Galerie gibt’s am Freitag Nachholunterricht in Sachen Digitalkunst: Sabine Himmelsbach, Direktorin des Basler HeK, führt in das Werk der US-Künstlerin, Hackerin und Cyber-Aktivistin Addie Wagenknecht ein.

Kuratle empfiehlt:
Einen Gang in die WIM Zentral. Progr 013. Die Werkstatt für Improvisierte Musik is alive and kickin’ und wartet heute mit dem international besetzten Quartett des Trompeters Peter Evans auf. Davor ein elektro-akkustisches Duo der Herren Schuler/Rutzen. Später die Woche dann das Minifestival in der Bernau zu Wabern.

Rauchfrei seit 1993

Ilona Steiger am Sonntag, den 4. November 2018 um 14:50 Uhr

Für KulturStattBern zeichnet Ilona Steiger aka rauchfrei93 als Gastillustratorin sonntäglich Shortstorys aus dem urbanen Untergrund und von der Sandsteinoberfläche.