Beiträge mit dem Schlagwort ‘Ruedi Widmer’

Freche Beobachter des Weltgeschehens

Gisela Feuz am Dienstag den 5. Juni 2018

Da haben sich zwei gefunden. Kritische, freche und genaue Beobachter des Weltgeschehens sind sie beide, wenn auch die eine der getreuen Recherche und faktischen Wiedergabe verpflichtet ist und der andere die Fantasie walten lassen darf. Die Rede ist von der Wochenzeitung WOZ und von Ruedi Widmer, seines Zeichens begnadeter Cartoonist, der regelmässig für mehrere Print- und Onlinemedien zeichnet, so auch für die Geizkrägen unsere Tamedia-Chefs in Züri oben. WOZ und Widmer sind einander freundschaftlich verbunden – letzterer schreibt und zeichnet seit 15 Jahren für erstere –  und beide sind sie mit neuen Büchern auf gemeinsamer Lesetour.

Als die WOZ 1981 erstmals erschien, war Ruedi Widmer gerade mal achtjährig und dürfte sich noch herzlich wenig um den selbstverwalteten Alternativbetrieb ohne ChefInnen mit Einheitslohn geschert haben. Sowieso glaubte damals niemand so recht daran, dass sich die bekennend linke Wochenzeitung so lange würde halten können. Dies und mehr berichtet Stefan Howald in seinem neuen Buch Links und bündig, in welchem er die Geschichte der WOZ aufarbeitet und journalistische Erfolgsgeschichten noch einmal aufgreift.

Als Erfolgsgeschichte können auch die Kolumnen und Cartoons des Ruedi Widmer bezeichnet werden, der einst beim Satire-Magazin Titanic in die Humor-Lehre ging. In seinem fünften Buch Widmers Weltausstellung versammelt der gebürtige Winterthurer Kolumnen aus den letzten acht Jahren, in denen er Themen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aufs Korn nimmt. So bekommen Nationalstölzler ebenso ihr Fett weg wie Carl Hirschmann (was macht der eigentlich?!), fantasielose Werber oder «heterosexuelle, weisse Mannesmänner». Vor allem aber besticht Widmers Weltausstellung durch die unverkennbaren Zeichnungen, in denen der Cartoonist pointiert bis bitterbös gesellschaftliche Phänomene und Entwicklungen aufgreift und dabei einer offensichtlichen Vorliebe fürs Absurde und Lächerliche frönt.

Liebe WOZ, lieber Ruedi Widmer, danke, dass ihr uns hintersinnig immer wieder den Spiegel vorhaltet. Auf dass wir noch viel von euch lesen und sehen werden!

Live zu sehen gibts Stefan Howald und Ruedi Widmer heute Abend im Kairo, beide präsentieren sie dort ihre Bücher Links und bündig sowie Widmers Weltausstellung.