Beiträge mit dem Schlagwort ‘Dampfzentrale’

Postkarte aus Chur

Gisela Feuz am Samstag den 14. April 2018

Die Wo-ist-Walter-Bücher sind sehr beliebt bei Eltern, weil der Goof dann zumindest für einen Moment mal ruhig ist, wenn er sich in die Wimmelbilder des Briten Martin Handford vertieft, um den jungen Mann mit der Flaschenbodenbrille, Pudelmütze und dem rot-weiss gestreiften Shirt zu finden. Die grossformatigen, detailreichen Bilder wurden zum ersten Mal vor 31 Jahren in Grossbritannien veröffentlicht, seitdem gibts die Bücher mit Weltenbummler Walter in insgesamt 33 Länder in 22 Sprachen zu kaufen.

Walter heisst aber nicht überall Walter. Im Englischen Original wurde das Kerlchen auf den Namen Wally getauft, in Norwegen nennt man ihn Willy, die Spanier und Italienier Walter Wally, in Nordamerika heisst er Waldo, in Frankreich Charlie und in Dänemark Holger. Seit neustem gibt es nun auch eine berndeutsche Version und die heisst Julian. Die Testphase ist gerade im Bündernland angelaufen, offenbar hat man aber vergessen, Julian über die entsprechende Garderobenpflicht zu informieren. Finden Sie ihn trotzdem?

Wer das gestrige Konzert von Julian Sartorius mit Bruno Spoerri bei BeJazz verpasst hat, gehe am 21.4.2018 in die Dampfzentrale. Dort trifft Schlagzeuggott Sartorius auf den New Yorker Multiinstrumentalisten Shahzad Ismaily. Im Anschluss dann Peter Kember, ja genau, narkotisch-psychedelisch-repetitiv-Spaceman 3-Kerner mit seinem Projekt Spectrum.

Der Film über das Bild auf dem Mond

Gisela Feuz am Donnerstag den 22. März 2018

Er habe sich doch eigentlich eine Auszeit nehmen wollen und dann sei er im Naturhistorischen Museum in New York über dieses Bild gestolpert, sagt Rob Lewis. Der in Bern beheimatete Lewis ist selber Fotograf und hat zuletzt mit seinen Porträts von demenzkranken Menschen für Aufsehen gesorgt. Nun hat der 37-Jährige innerhalb kürzester Zeit den Film «Lunar Tribut» aus dem Boden gestampft. Im Zentrum des Films: Das Bild einer Fotografie, die seit über 40 Jahren auf dem Mond liegt. Und das kam so:

1972 landete Apollo 16 auf dem Mond, mit an Bord war ein Herr namens Charles «Charlie» Duke. Besagter Charlie Duke hatte zwei kleine Söhne und ein schlechtes Gewissen, weil er berufshalber nur wenig Zeit für seine Buben hatte. Deswegen habe er sich überlegt, wie er seine Familie in irgendeiner Form involvieren und auf den Mond mitnehmen könnte, sagt Duke. So kam es, dass er ein Familienporträt auf dem Mond platzierte, das mangels Feuchtigkeit und Erosion heute immer noch dort oben liegt.

Ihn habe das Bild mit dieser Fotografie auf Anhieb fasziniert, sagt Rob Lewis, weswegen er beim ehemaligen Astronauten Charlie Duke für ein Interview angeklopft habe. Ausserdem holte sich Lewis Jazz-Schlagzeuger Jojo Mayer ins Boot und drehte mit diesen beiden Protagonisten seinen ersten Film. Herausgekommen ist Lunar Tribut, eine rund 40-minütige Mischung aus Interview und Schlagzeugperformance.

In Lunar Tribut vertont Mayer mit seinem Schlagzeug einige der Gefühle und Zustände, welche Astronaut Charlie Duke während seiner Reise zum Mond erlebte, so etwa den Übertritt in die Schwerelosigkeit, die Landung auf dem Mond oder die Dunkelheit des Weltalls. Er habe bewusst den Fokus auf das Emotionale gelegt und intuitiv gearbeitet, sagt Lewis: «Den Kopf ausgeschaltet und den Bauch walten lassen.»

Lunar Tribut ist dort am stärksten, wo Mayers Improvisation und Dukes Erzählung stimmig miteinander verwoben werden. Imposant sind auch die echten Mondbilder (geschossen von Lroc) die im Hintergrund die Reise illustrieren. Und: man hört ihm gerne zu, diesem Charlie Duke, wenn er mit tiefer, sonorer Stimme in die Vergangenheit abtaucht beziehungsweise mit seiner Familie zum Mond fliegt.

Lunar Tribut wird am Samstag 31. März in der Dampfzentrale gezeigt in Kombination mit einem Konzert von Jojo Mayer & Nerve

Ho ho ho! Schöne Bescherung: Teil 2

Anna Papst am Dienstag den 12. Dezember 2017

Seit 50 Jahren mit dem Liebsten verheiratet und keine Ahnung mehr, was man ihm noch unter den Christbaum legen könnte? Ihr Chef ist ein Schafseckel eine führungsstarke Persönlichkeit, die bereits alles besitzt? Ihre Schwiegermutter hasst sie und ihre neue grosse Liebe weiss noch nichts von ihrem Glück? Alle Jahre wieder entpuppt es sich als hochkomplexe Angelegenheit, für jede*n das passende Weihnachtsgeschenk zu finden. Aber keine Sorge, KSB lässt sie nicht hängen. In unserer Bescherungs-Serie wird Ihnen geholfen. Wir treffen für Sie die Vorauswahl, sie gewinnen. Einfacher gehts nicht. Heute zum Beispiel Tickets für einen “Tatort” mit einer Wasserleiche.

Hat Flipper wirklich Selbstmord begangen? Das zumindest behauptet sein Trainer Richard O’Barry. Oder vielmehr ihr Trainer. Flipper, “der Freund aller Kinder”, wurde nämlich von fünf verschiedenen Delfinweibchen verkörpert. (Warum Hollywood aus fünf Meeressäugerinnen einen Tümmlerkerl gemacht hat, darf gewerweisst werden.)

Erkennen sie den Serienstar der 60er? Peter Cripps Clark ist “Flipper”.

Eines der fünf Tiere starb in den Armen ihres Dompteurs O’Barry. Er wandelte sich daraufhin zum Tierbefreiungsaktivist und Oscarverleihungsstörenfried und gerät seither regelmässig mit dem Gesetz in Konflikt. Ist er also auf gut englisch ein reliable witness, wenn es darum geht, die mysteriösen Umstände von Flipper-Darstellerin Cathy zu klären?
Allein für die Anlage, die krude Aussage von O’Barry als Ausgangspunkt einer detektivischen Untersuchung zu nehmen, muss man Unplush schon auf die Schulter(n) klopfen. Dass die junge Berner Compagnie den Krimi aber nicht nur spielt sondern tanzt, dafür möchte man ihnen die Füsse küssen.

Am Donnerstag 14. Dezember feiert “Flipper” von Unplush Première in der Dampfzentrale. Für die Vorstellung und die anschliessende Party können sie 2 Tickets gewinnen! Schicken Sie eine Mail mit Stichwort “Cathy” bis Mittwoch, 13.Dezember 12:00 Uhr an diese Adresse.
Weitere Vorstellung: Samstag, 16. Dezember.

Techno zum Foto und Mandala Malbücher

Gisela Feuz am Mittwoch den 22. November 2017

Mandala-Malbücher sind ja offenbar total im Trend. Auch bei Erwachsenen. Nicht selten dürfte da beim meditativen Ausmalen auch Musik gehört werden, soll ja gut sein für Kreativität und Hirnwindungen. Bei «Techno zum Foto» wurde der Spiess umgedreht. Hier hat sich nicht ein Kreativer von Musik beeinflussen lassen, sondern andersrum. Das soll jetzt nicht heissen, dass Technoproduzent*innen nicht kreativ seien, ganz im Gegenteil. Das zeigen auch die acht Tracks, welche alle zum gleichen Foto von Nicola Schmid entstanden sind (über welchen Rockboy Schwab hier schon eine Lobeshymne verfasst hat). Hier das Foti in question:

Und? Wie klingt das für Sie? Kommt Ihnen spontan auch ein ratternder Zug in den Sinn? Was die acht Produzent*innen klanglich mit dem Bild assoziieren, können sie dem Zusammenschnitt unten entnehmen. Malen Sie dazu doch ein Mandala und posten sie es in die Kommentarspalte. Die KSB-Produzenten-Crew vertont es dann wiederum für Sie. Wir können aber nur Happy Trance oder Gabber.

Das interdisziplinäre Projekt Techno zu Foto, bzw. die Kompositionen, welche entstanden sind, werden am Samstag in der Dampfzentrale getauft. ab 21 Uhr stehen Marco Repetto, olan (der weiss garantiert, wie Mandala geht, bei der Homepage!), Rafael Kasma und die Tiefgang DJs an den Reglern und Knöpfen.

Bern auf Probe: Huere krassi Müetere

Anna Papst am Dienstag den 10. Oktober 2017

«Der Titel gibt immer noch zu reden», sagt Emma Ribbing. Die Mitglieder der Gruppe em-R sitzen im Studio 1 der Dampfzentrale im Kreis, es ist der Auftakt zu den Intensivproben, denen Recherchen und Vorproben von über einem Jahr vorangegangen sind. «Für mich geht es darum, einen patriarchalisch besetzen Begriff neu zu deuten, ihn in gewisser Weise zurückzuerobern», schaltet Emma Murray sich ein. «Wir nehmen die rohe Energie, die von ihm ausgeht, verhandeln aber die Frage nach mütterlicher Fürsorge.»

Gib’s zu, auch Du schaust länger hin, wenn eine nackte Brust zu sehen ist: Bühnenmodell und Plakat von «Mother*Fuckers»

Die Dramaturgin Johanna Hilari ergänzt: «Wir haben fuck in diesem Zusammenhang mit Spielen gleichgesetzt; to fuck around, to play around. Wie spielen auch mit dem Begriff, indem wir ihn zweiteilen, so dass man einerseits die Mütter rauslesen kann, andererseits aber eben auch die Taugenichtse, die herumalbern und Blödsinn machen.» Der Titel, der so viel zu diskutieren gibt, gehört zum neusten Tanzstück von Emma Murray und lautet «Mother*Fuckers». Diesen Beitrag weiterlesen »