Archiv für die Kategorie ‘Wüsten & Oasen’

Kunst, Kitsch und Schöne Sachen

Daniel Gaberell am Mittwoch den 2. Mai 2007

LogoYama

KulturStadtBern ist kein Werbefenster für den Detailhandel. Und obwohl jetzt Yamatuti noch grösser, schöner, neuer und dadurch noch mehr detailhandliger ist, machen wir hier eine Ausnahme. Denn Yamatuti geht meiner Meinung nach voll durch als Berner Kultur – und der neue Laden sowieso. Aber Sie müssen schon selber schauen gehen.

Herzstück des neuen Ladens ist unter anderem eine Shopping-Galerie. Konkret können hier auserwählte Berner Künstlerinnen und Künstler ihre Kunst aufhängen und – ganz simpel – zum Verkauf anbieten.

Von der Berner Fotoszene sind vertreten: Monika Flückiger, Rolf Siegenthaler, Marco Zanoni. Künstlerinnen und Künstler: Andrea Nyffeler, Caroline Elsässer, Raphael Jundt, Kaspar Bucher, Martin Fivian, Reto Meichtry und Alois Aufschläger. Weitere werde noch folgen. Am 23. Juni von 16 bis 18 Uhr findet die Vernissage der Shopping-Galerie statt.

Endlich: Kunst macht sich bezahlt!

Aarbergergasse 16/18, 3011 Bern, offen seit gestern zu den üblichen Ladenöffnungszeiten.

Noppen her

christian pauli am Samstag den 28. April 2007

Längst ist das Stück Wankdorfrasen, das Sie im Sommer 2001 nach Hause getragen haben, im allgemeinen Gewucher Ihres Gartens aufgegangen. Morgen Sonntag ist der Tag, an dem Sie sich erneut ein Stück eines legendären Bodens sichern können – und erst noch eines, das garantiert länger hält.

Bild: Johannes Wartenweiler

Ab Montag nämlich ist sie zu, die Christoffelunterführung im Berner Bahnhof. Und damit verschwindet auch der legendäre Noppenboden, der Generationen von Bernerinnen und Berner getragen hat. Kellerkinder dieser Stadt des Abfalls, der Alkoholiker und Autonomen sind in Trauer. Sie scheuen das kunstvolle Lichtdesign und die harten Granitplatten, die sich dieser Höhle bemächtigen werden.

Schnappen Sie sich also ein Japanmesser und schneiden Sie sich – bevor es zu spät ist – ein fettes Stück aus dieser Stadtberner Identitätsmatte!

Nordquartier ohne Autos!

christian pauli am Dienstag den 24. April 2007

Breitenrainplatz anno 1925

Die rot-grüne Regierung der Stadt Bern glaubt nicht, dass vier autofreie Sonntage möglich sind, aber zwei seien schon in Ordnung. Die Bürgerlichen finden es sowieso eine Zwängerei. Mich interessiert diese verkrampfte Diskussion überhaupt nicht. Was ich aber weiss: Früher hatten wir mehr Platz.

Autos verstopfen unseren Lebensraum. Man hat sich einfach daran gewöhnt. Dass es mal anders war, zeigt die Ausstellung «Streiflichter durch die Geschichte des Nordquartiers» im Wylerhuus und im benachbarten Alters-Domizil im Berner Nordquartier. Schon allein dieses leicht bizarr wirkende Quartierzentrum an der Wylerringstrasse 58 & 60 ist ein Besuch wert – ethnologisch gesehen, meine ich (noch bis am 5. Mai).

Die Fotos dann, die vom rührigen Alt-FDP-Stadtrat Hansueli Suter zusammengestellt worden sind, öffnen einem die Augen: Ihr Leute vom Nordquartier, für diese Stadt war mal eine andere Bestimmung vorgesehen als die Abwicklung von Privatverkehr! Seht her, der Breitschplatz, was für ein Bijou! Lasst auf den Strassen Feste feiern, Blockaden bauen, Bäume pflanzen, Würste braten und Kinder spielen. Denn die Plätze und Strassen gehörten eigentlich uns.

Montags-Shopping

Daniel Gaberell am Dienstag den 3. April 2007

MontagslädeliHeute ist Dienstag. Und damit Sie nächste Woche nicht wieder zu spät sind, hier ein Hinweis für den Montag: das EMMAUS Montagslädeli. An einer der attraktivsten fünfzig Meter in der Berner Altstadt (zwischen der Käserei Heugel «Sie suchen einen kräftigen Käse? Wir haben ihn!» und dem Restaurant Pyrénées), führt eine Treppe steil hoch zu den älteren Damen in ihren weissen Schürzen.

Ihr Warenangebot, wenn auch nicht übertrieben exklusive, lässt sich durchaus sehen. Hauptsächlich praktische Dinge für den Haushalt zählen zu den Stärken des Sortiments. Und vor allem: alles ist blitz blank sauber und nicht – wie oftmals in Brockis üblich – siffig.

Und lassen Sie sich bitte nicht irritieren, wenn die Geschäftsleitung des Montagslädelis Sie auf Französisch anspricht, denn hier ist die Berner Stadtkultur eben noch immer zweisprachig.

Botanischer Garten muss bleiben!

Daniel Gaberell am Samstag den 31. März 2007

Ich zügle gerne. Muss ich auch, denn ab 15 Grad und bei strahlendem Sonnenschein fällt es mir unglaublich schwer, weiterhin in meinem Büro – welches, wohlverstanden, hell und ebenfalls sonnig ist – also dort weiterhin im Bürosessel und hinter dem Bildschirm zu sitzen. Ich muss nach draussen!

Meine bevorzugte Büro-Filiale: der Botanische Garten. Und zwar nicht, weil er so nah vom Headquarter liegt, sondern weil es dort einfach wunderschön ist. In Mitten der Stadt Bern liegt diese Insel der Natur, der Ruhe und der guten Luft. Eichhörnchen huschen von Baum zu Baum, das heimische Entenpaar turtelt im Teich, die Vögel singen, die Bienen summen und natürlich verzaubern einem die Blumen, Bäume und Sträucher mit ihrem Charme von Farben und Düften.

Doch trotz mediterranem Klima, ziehen seit längerem dunkle Wolken über den Botanischen Garten. Die Zukunft des Gartens ist ungewiss und natürlich dreht sich alles ums Geld. Nun prüft die Burgergemeinde ein gewichtiges Engagement. Die Bernburger haben sich eingeschaltet, das gibt natürlich Anlass zur Hoffnung.

Wir wollen hier die Geschichte, über die in Medien weissgott breit genug berichtet wurde, nicht nochmals diskutieren. Denn im Grunde gibt es ja auch nichts zu diskutieren; der Garten muss bleiben, so einfach ist das.
Wenn nun auf KulturStattBern sinnvolle Kommentare verfasst werden, so garantiere ich hier und jetzt, dass ich diese der zuständigen Kommission der Burgergemeinde zustellen werde damit das Geld bald fliessen wird.

Also bitte: kommentieren Sie, und zwar viel und voller Leidenschaft! Danke.

Krokusse

Jetzt wirds finster

Grazia Pergoletti am Dienstag den 27. März 2007

Lula und Grazia auf der Blinden InselWenn wir schon grade mal im kulinarischen Bereich verweilen: Am Sonntag besuchte ich mit meiner Tochter endlich die Blinde Insel in der grossen Halle der Reitschule. Auf dem Foto sehen Sie meine Tochter und mich nicht, wie wir in grösstem Einvernehmen einander zuprosten.

Die ersten zehn Minuten sind schon ziemlich eigenartig. Man fühlt sich in der vollkommenen Dunkelheit erst mal sehr unsicher; ich fand es richtig bedrohlich. Nach und nach gewöhnt man sich jedoch an die Umstände und kann sich entspannen. Von da an macht es richtig Spass!

Unser vegetarischer 3-Gänger war ein Gedicht und obwohl wir vorher keinen Blick auf die Speisekarte geworfen hatten, fiel es uns recht leicht, sämtliche Speisen zu erraten. Lustig ist auch, sich die verschiedenen Nachbarn anhand der Stimmen vorzustellen. Ausserdem vergisst man die Zeit: Wir sassen geschlagene 2 Stunden im Dunkeln, wobei es uns wesentlich kürzer vorkam.

Die Blinde Insel musste vor kurzem zum ersten Mal ein paar Tage zulassen: Mangels Kundschaft. Wie alle in der Reitschule haben auch sie mit der Situation auf dem Vorplatz zu kämpfen. Seltsam finde ich, dass in den Medien fast nie erwähnt wird, dass die Stadt mit ihrer Entscheidung, die Drogenanlaufstelle vis-à-vis der Reitschule zu plazieren, diese Situation selbst provoziert hat. Ein Schritt, der langsam einer Zermürbung des Kulturzentrums gleichkommt. Und die Folgen waren von Anfang an absehbar.

Freie Bühne noch freier

Grazia Pergoletti am Mittwoch den 17. Januar 2007

Das stylische Klo im f. und b. (Bild Grazia Pergoletti)Trotz eher bescheidenem Getränkeangebot und dicker Luft bis zur sofortigen Ohnmacht: Die «Freie Bühne» im Keller an der Kramgasse 68 war ja mein absoluter Favorit unter den Kleinclubs. Irgendwann wurde es unserem Kammerdiener Pjotr und seinen Freunden aber zuviel der Party und des sinnlosen Besäufnisses, und sie machten den Laden dicht.

Jetzt ist der Ort wieder offen, und zwar buchstäblich als Laden: «f. und b. laden und raum für zeitgenössisches sein… f. und b. ist ein kollektiv von mindestens zwei zusammenarbeitenden einzelkämfpern. sie verwirklichen ihre projekte und haben gäste, die eigene ideen umsetzen», heisst es unter anderem am Eingang.

Was etwas hochtrabend klingt, ist in Wirklichkeit äusserst sympathisch und hat echt Stil! Offen ist der Laden von Donnerstag bis Samstag zwischen 15 Uhr und 19 Uhr.

Die gemütliche Sitzecke im f. und b. (Bild Grazia Pergoletti)In dieser Zeit kann man im hauseigenen Kurzfilmkino Filme anschauen, man kann das Nähatelier brauchen, man kann einen Kaffee trinken. Und man kann alles, was sich in dem Laden befindet, kaufen. Jeweils am Donnerstagabend finden Performances und Theater statt, auch Livebands und DJs treten auf.

Gestern spielte anlässlich einer privaten Bye-Bye-Party das Duo Bonjour Madame aus Luzern mit ihren Chansons auf. Entzückend!! «Lenzburg wartet» anstatt «London Calling». Und weiter: «…doch die Kavallerie will nicht kommen, höchstens zu Fuss.»

Lob aus dem Feuilleton

christian pauli am Samstag den 16. Dezember 2006

Es kommt ja selten genug vor, dass unsere kleine Stadt in den hehren Feuilletons dies- und jenseits der Schwabengrenze Erwähnung findet. Deshalb machte gestern Freitag eine knappe Notiz im deutschen Internetdienst Perlentaucher neugierg: «Marco Rossi findet den Umgang der Stadt Bern mit ihrem Bauerbe vorbildlichStadt Bern. Zürich oder Berlin, das schreibt sich ohne Attribut, aber Bern? Könnte ja sein, dass die Feuilleton-Klientel des Perlentauchers auf Anhieb nicht gerade wüsste…

Wer aber nun schüttet Lob über die Schweizer Hauptstadt aus? Die gute alte Tante von der Falkenstrasse in Little Big Town. «Zusammenspiel von Alt und Neu – Die Stadt Bern pflegt mit ihrem grossen Bauerbe einen vorbildlichen Umgang» titelt also die NZZ. Der Artikel steigt ein mit der hier leidlich bekannten Diskussion um den Baldachin, das nun zu bauende Stadttor am Bahnhof. Aber eigentlich ist der NZZ-Text eine Hommage an den abtretenden Berner Denkmalpfleger Bernhard Furrer («beschritt wiederholt neue Wege»).

Wir wollen das hier nicht beurteilen. Als Nachbar habe ich mich einfach darüber amüsiert, dass in der NZZ der gute alte Quartierhof, bekannt als Q-Hof, seine feuilletonistische Weihe abbekommt: «Exemplarisch» und «neu für die Schweiz» sei dessen Erhalt, schreibt Marco Rossi. Q-Hof? Ist das nicht diese ehemalige – und einst durchaus bemerkenswerte – Arbeitersiedlung, von der dank einem hartnäckigen Widerspruch aus der Besetzerszene wenigstens ein kleiner Rest vom Baggerzahn verschont worden ist?

Der Q-Hof sei zwar «nicht ,schön’, aber ein wichtiges soziales Zeugnis», zitiert Rossi Furrer. Mag sein. Als Zeugnis steht der Q-Hof heute aber vielmehr für die Berner Squatter-Szene der Achtziger Jahre, die mittlerweile mächtig in die Jahre gekommen ist. So muss das wohl sein mit der Denkmalpflege: Immer locker 100 Jahre hintendrein.

Ir Isebahn

Frau Götti am Mittwoch den 6. Dezember 2006

Waren Sie schon einmal in Rorschach? Ich noch nie, und das ist doch ein Grund, da mal hin zu fahren.

Ja, lieber Mani, selbstverständlich mit der Tschutschu-Eisenbahn.

Schliesslich möchte ich ja nicht verpassen, wie sich die Leute mit Schirmen aufs Dach geben.

Denn das machen sie heute wie zu Deiner Zeit, Mani.

Nur der Grund ist heute ein anderer.

Heute behauptet niemand mehr, so wie er’s gseht sigs richtig. Nein, man schweigt in der Bahn 2000. Man hat ja auch zu wenig Zeit für eine Meinung. 20 Minuten, das reicht nicht.

Die Stille wird trotzdem durchbrochen, gzzh, gzzh, gzzh, dum dum dum, so zischt und wummert es allberall.

Giftige Hihats und bedrohliche Bässe, aus Kopfhörern auf gehörgeschädigten Ohren. Von Menschen, die vor sich hin starren, dumpf wie ihre eigenen Bässe.

Was meinst du, Mani, soll ich einen Schirm mitnehmen auf die Zugsfahrt? Oder soll ich einfach zähneknirschend warten, bis der Kondüktör endlich kommt und sagt: “S’isch Rorschach“?

Alle Jahre wieder

Frau Götti am Mittwoch den 29. November 2006

Eigentlich ist das einzig Sympathische an Weihnachtsbeleuchtung die Leute, die sie montieren.

In aller Stille und Bescheidenheit arbeiten sie fleissig, Tag und Nacht.

Und sind dabei auch immer zu haben für einen kleinen Schwatz. Über Beleuchtungstechnik und so. Darüber weiss man ja viel zu wenig. Und darüber, dass viele Weihnachtsbeleuchtungsanlagen noch gar nicht in Betrieb sind. Weil man nämlich noch bis morgen, dem 1. Dezember, wartet.

Morgen ist dann aber fertig luschtig. Dann wird alles illuminiert sein, in gewohnt geschmackloser Manier. Wir kennen das ja aus früheren Jahren. Einen kleinen Vorgeschmack gibt in Bern der Zytglogge-Kiosk:

Zytglogge

Meine Frage an Menschen aus der GZA: Dort versucht man sich ja in avantgardistischer Beleuchtung. Ist das schöner?