Archiv für die Kategorie ‘Wüsten & Oasen’

Love and Noise mitenand!

Grazia Pergoletti am Mittwoch den 14. November 2007

Oliver Augst

Heute Abend in der Dampfzentrale also das erste Konzert der allerletzten Taktlos-Konzertreihe in Bern. Arbeit nennt sich das Trio, bestehend aus Oliver Augst (voice), Marcel Daemgen (electronics) und Bernhard Reiss (drums), laut Stuttgarter Zeitung «Eine Kreuzung zwischen Udo Jürgens, Iron Maiden und Christoph Schlingensief».

Man darf also gespannt sein. Auch auf das Wochenende mit Konzerten und Lesungen vom 22.-25. November, in dessen Rahmen die Vernissage des Taktlos Musiklesebuchs stattfindet, das übrigens wunderschön geworden ist, mit Texten von so illustren Autorinnen und Autoren, wie z.B. Elfriede Jelinek, Judith Hermann, Wolfgang Hilbig oder Klaus Theweleit. Ein herzliches, lautes «Love and Noise!» an Hans Ruprecht, Ruedi Wyss und Peter Kraut, auch für die vergangenen, aufregenden Taktlos-Jahre.

Das Taktlos-Programm wird inhaltlich weitergeführt, in der Dampfzentrale. Zum Glück, sage ich, als Fan der ersten Stunde dieser Veranstaltung des verschrobenen Intellektuellen-Glamours.

Spontan kommen mir zwei Lieblingstaktlosmomente in den Sinn: 1. als «Negativland» einen defekten Toaster als Rauchmaschine einsetzten, worauf das Publikum im Schweizerbund beinahe erstickte, 2. als nach einem hübschen, aber etwas tantenhaften Konzert von Fred Frith «Steamboat Switzerland» mit Oxbow-Sänger Eugene Robinson auftraten, und die doch allerhand gewöhnte Klientel erschreckt in Scharen weglief vor diesem «bösen schwarzen Mann».

Haben Sie auch einen Lieblingstaktlosmoment?

Stadtberner Alltagskultur III

Daniel Gaberell am Sonntag den 30. September 2007

Obacht!

Immer dann, wenn im Herbst die Regenzeit in Bern ihren Anfang nimmt, gewinnen die Lauben in der Berner Altstadt deutlich an Wichtigkeit. Während man im oberen Teil der Stadt – der Spital- und Marktgasse – sich vor lauter Gedränge zwar dann halt doch lieber den Passatwinden und dem Regen aussetzt, erfreut sich der Fussgänger im unteren Teil der Stadt, in der Gerechtigkeits- und Kramgasse, an genügend Platz entlang der regengeschützten Schaufenstern.

Aber Obacht! Mit der Regenzeit wechselt auch die Sportabteilung in die Lauben. Die Skateboarder – und zwar nicht jene mit den weiten Hosen in den Kniekehlen, sondern die anderen, die lautlosen, pfeilschnellen Longboard- und Slalomboardfahrer – sind es, die den Laubenspaziergang zum Abenteuer machen.

Vom Zytglogge bis anfangs Nydeggstalden donnern sie auf dem feinen Belag den Abhang hinunter (oft wechseln sie in der Hälfte der Strecke in die Junkerngasse, weil die ist treppenfrei). Und am Ziel angekommen – der wache Leser vermutet richtig – besteigen sie den 12er-Bus bis zur Haltstelle Zytglogge und wiederholen die Abfahrt. Einmal, viele Male. Das Busbillett kostet Fr. 2.60 für «Langstrecke». Jetzt werden Sie sagen, «Kurzstrecke» für Fr. 1.90 würde doch reichen. Da haben Sie natürlich recht; «Kurzstrecke» aber ist nur eine halbe Stunde gültig, «Langstrecke» hingegen eine volle Stunde.

Chop R.I.P.

Benedikt Sartorius am Donnerstag den 13. September 2007

Chop-LogoBern verliert mit dem Chop Records Ende Oktober seinen vielleicht markantesten Plattenladen. Direkt am Waisenhausplatz gelegen, lästerte ich oft im Vorübergehen über die Hinz-und-Kunz Schaufensterauslagen, verstand die Welt nicht, wenn heisserwartete Platten nicht am Erscheinungstag in den Regalen standen und der Verkäufer den Kunden als Alien musterte. Da geh ich eben zu den Discountern oder bestelle aus den Online-Läden oder: Mache Ausflüge in die Thuner-Provinz oder nach Zürich und bleibe vor lauter Ehrfurcht vor den dortigen Mekkas der Schweizer Plattenläden stehen, denn: Ich habe Angst vor der geballten Kompetenz, die hier und hier haust.

Der Chop, nehmen Sies nicht übel, war im Vergleich mehr ein guter Witz. Ein Laden, der die Abteilung «Retro-Rock» führt, der Lieblingsbands unter «Deutsch-Rock» versteckt, kann ich den ernst nehmen? Eigentlich nicht. Natürlich wird er mir aber schrecklich fehlen, denn nicht überteuerte CDs in einem unabhängigen Laden zu kaufen, ist was überaus Schönes.

Sommerferientipp Nr. 6 für Daheimgebliebene

Grazia Pergoletti am Donnerstag den 2. August 2007

Bademeister Philippe Zesiger

Auf dem Bild sehen Sie Bademeister Philippe Zesiger bei seiner Arbeit im Lorrainebad, der so freundlich war, für mich zu posieren, obwohl ich wieder nur mein Handy dabei hatte, um das Foto zu schiessen.

Das Becken im Bädli ist kühl und mit Pflanzen durchwachsen und die Fische fühlen sich nach wie vor wohl zwischen den Sonnencrème absondernden Badenden, was ich als positives Zeichen deute. Die BesucherInnen sind relaxt und die ganze Anlage charmant wie eh und je.

Und: Im Lorrainebad gibt es absolut exquisite Hamburger, und das für etwas mehr als sechs Franken! Von allem hat es viel darin und jedes einzelne Element schmeckt so, wie es soll. Bei einem ersten romantischen Date würde ich dieses Menü nicht wählen, weil es besser genossen werden kann, wenn einem niemand dabei zusieht. Aber es ist köstlich! Also nicht verpassen, so lange dauert der Sommer auch nicht mehr…

KulturStattBern fordert Baustopp am Bahnhofsplatz

christian pauli am Freitag den 13. Juli 2007

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Vergesst den Baldachin, vergesst die Kunst am Bau: KulturStattBern fordert den sofortigen Baustopp am Bahnhofsplatz. Und zwar heute, am Freitag, 13. Juli, Punkt 12 Uhr.

Bauarbeiter, lasst die Maschinen ruhn. Kehrt zu euren Familien heim und geniesst den freien Nachmittag. Architekten und Beamte, werft alle Pläne in die Ecke, schnauft tief durch und freut euch auf die unerwartete Pause in eurem Leben.

Bernerinnen und Berner, reisst die Gitter nieder und nehmt Besitz von diesem gigantischen Kunstwerk, das euch die Stadtoberen mitten ins Herz eurer Stadt gepflanzt haben. Und am Abend, sagen wir ab 20 Uhr, steigt hier die beste Fete, die Bern je erlebt hat. Ganz spontan, versprochen.

Uns ist das Geld egal, dass hier Geld verlocht oder in die Lüfte gehängt werden soll. KulturStattBern ist ganz einfach für spektakuläre Kunst und urbane Freiräume.Was am Bahnhofsplatz jetzt ist, mutet visionär an: Eine Performance zeitgenössischer Urbanität, festgehalten in einem winzigen Moment für alle Zeit.

Stellen Sie sich vor, welcher einzigartige Marketing-Effekt diese eingefrorene Baustelle weltweit auslösen würde. Stellt euch vor, der Privatverkehr würde sich hier niemehr durchquälen. Stellen Sie sich vor, der tägliche Transit durch das Herz der Hauptstadt Bern würde zum ewigen Abenteuer.

Stellen Sie sich vor, in dieser muffigen Kleinstadt könnte man grossräumig atmen. Stellen Sie sich vor, in den Baulöchern würden Menschen und Tiere hausen.

Sie zweifeln? Stellen Sie sich an den Loeb-Egge und blicken Sie ein paar Minuten Richtung Bubenbergplatz. Dann werden Sie sich der Forderung von KulturStattBern anschliessen.

Sommerferientipp Nr. 2 für Daheimgebliebene

Daniel Gaberell am Dienstag den 10. Juli 2007

Ferien in der Länggasse (Foto: Dani Gaberell)

Balkonien, oder besser gesagt: Geniessen Sie gemütliche Sommerferien auf dem Hauseingangsdächlein Ihres Wohnblocks. Zugegeben, wenn die fünfköpfige Familie sich für diese Ferienvariante entscheidet, spart sie zwar mächtig Geld, zuweilen könnte es aber schon etwas eng werden auf den schätzungsweise fünf Quadratmetern.

Aber trotzdem, es muss nicht immer Rimini oder Nizza sein, das beweist dieser junge, total braun gebrannte und attraktive Herr in der Berner Länggasse. Unweit seiner Erholungszone befindet sich übrigens die quartiereigene Bibliothek, eine historische Kirche und das Migros-Restaurant – was will man mehr?

Wir wünschen Ihnen schöne Ferien.

Sommerferientipp Nr. 1 für Daheimgebliebene

Daniel Gaberell am Freitag den 6. Juli 2007

RosengartenDer Rosengarten

Bevor Sie sich in die Blechlawine Richtung Süden einreihen, um am Ferienziel den Frotteetüechli-Kampf am viel zu kleinen Badestrand zu verlieren, überlegen Sie sich doch, dieses Jahr die zwei Wochen Sommerferien zu Hause, hier in Bern, zum Beispiel im schmucken Rosengarten, zu verbringen.

Der Rosengarten bietet das volle Programm: Zuerst einmal blühen hier Rosen im Garten – und zwar nicht wenige. Es gibt weiter drei öffentliche Toilettenanlagen (inkl. jene im Restaurant), und keine davon ist eine Stehtoilette, wie sie öfters im Süden anzutreffen sind.

Die Verköstigung: Das direkt zum Rosengarten gehörende Restaurant geniesst einen ausgezeichneten Ruf und ausserdem ist auch ständig dieser Mann mit seinem Bauchladen – wohl illegal aber trotzdem mit feinen Süssigkeiten – unterwegs. Für die Kleinen gibt es eine lustige Badeanstalt in Form eines grossen Brunnens und ebenfalls sehr kinderfreundlich: der Spielplatz unter den Schatten spendenden Laubbäumen.

Für die Jugendlichen steht eine grosse Spielwiese zur Verfügung. Allerdings entging mir nicht, dass diese Altersgruppe (meist mit freiem Oberkörper) in letzter Zeit im Rosengarten öfters Haschisch und Spirituosen konsumierte, anstatt Boule und Frisbee zu spielen. Für die älteren Semester bietet die fantastische Aussicht Sujet genug, um nach dem Schachspiel endlich wieder einmal den Aquarellblock zu zücken.

Gehen Sie hin, aber reissen Sie keine Blumen ab! KSB wünscht schöne Ferien.

Aufruf zu Augenweiden

Frau Götti am Mittwoch den 30. Mai 2007

Ich gebe es ja zu: Der Bahnhofplatz hat schon jetzt durchaus seinen Reiz, einen etwas kruden vielleicht, mehr Richtung Art Brut.

Aber diese Gitter allüberall. Sie symbolisieren für mich versperrtes Denken und verschlossene Gemüter. Ich frage mich deshalb: Ergeben sich hier nicht Möglichkeiten zur Verschönerung des Geländes, zum Beginn einer neuen Herzlichkeit in Bern, zum Spiel mit Farben und Formen? Wenn Sie wissen, was ich meine.

In der Aarbergerstrasse jedenfalls finden sich bereits Ansätze zu Augenweiden:

Wir schweigen

Manuel Gnos am Dienstag den 29. Mai 2007

In einer Medienmitteilung lässt das Kunstmuseum Bern heute folgendes verlauten: «Der Stiftungsrat GegenwART hat im Einvernehmen mit seinem Mäzen, Herrn Dr. Hansjörg Wyss, eine vertrauensvolle Basis geschaffen, die dem Stiftungsrat des Kunstmuseums Bern die Inangriffnahme des geplanten Anbaues für die Gegenwartskunst ermöglicht.»

Das freut uns natürlich sehr, denn was wollen wir mehr, als die unverfängliche Erweiterung namens «Scala»? Gut, vielleicht hätten wir lieber den wagemutigeren Entwurf «an_gebaut» weiterverfolgt, aber wichtig ist jetzt ja in erster Linie, dass das Geld von Wyss nach Bern fliesst.

Scala, der Erweiterungsbau des Kunstmuseums Bern. (Bild zvg)

Irritiert nehmen wir zudem zur Kenntnis, dass die Leute vom Kunstmuseum nicht mehr mit uns reden wollen: «Diese Medienmitteilung ist bis auf weiteres abschliessend, es werden zur Zeit keine zusätzlichen Auskünfte erteilt.»

Das ist natürlich gar nicht lieb von denen. Deshalb hat die KSB-Redaktion beschlossen, in den Schweigestreik zu treten und kein Wort mehr über diese Schose zu verlieren. Also, übernehmen Sie, liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs!

Sympathische Kulturförderer

Daniel Gaberell am Mittwoch den 9. Mai 2007

BlumenKulturbüroGenau heute vor sieben Jahren nahm an der Rathausgasse das Kulturbüro seine Dienste auf. Wie doch die Zeit vergeht…

Und ich will hier und jetzt einen grossen Strauss fein duftender Blumen an die sympathischen Betreiberinnen und Betreiber überreichen. Allen voran an Michaela, die die Geschicke dieses Ladens seit ihren Anfängen mit viel Bravour leitet.

Dann natürlich auch ein grosses Merci an die Herren Oli und Alfred, die stets mit einem Gemisch von kompetenter Beratung und freundschaftlichem Geplauder auf uns Kunden zukommen. Und nicht zu vergessen sind auch Mapi und Katrin, die zwei Ehemaligen und all die andern, die ich jetzt hier vergessen habe.

Es ist weissgott keine Selbstverständlichkeit, dass ein Ort wie dieser eine derartige Persönlichkeit ausstrahlt. Das Kulturbüro bietet auch gäbige Dienste an, ohne Zweifel, für mich aber liegt die Qualität dieses Örtchens viel mehr in der Menschlichkeit.

Als betrete ich ein kleines Flecklein Heimat, so kommt es mir jedes Mal vor, wenn ich die zwei Stufen runtersteige in das Kulturbüro. Oder mit Max Frischs Worten: «Unsere Heimat ist der Mensch; ihm vor allem gehört unsere Treue».

Vielen, vielen Dank! Und ich hoffe auf mindestens weitere sieben Jahre.