Archiv für die Kategorie ‘Rock & Pop’

#BernNotBrooklyn

Gisela Feuz am Sonntag den 8. Oktober 2017

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, zum Beispiel wenn am Samstagabend ein Wiener, ein St. Galler, ein Berner und ein gebürtiger Amerikaner, der im deutschen Münster lebt, zusammen in die Saiten greifen bzw. auf die Trommel hauen. So geschehen bei Joe McMahon and the Dockineers im sympathisch gastfreundlichen Planetspade in der doch eigentlich so ungastlichen Wankdorffeld-Industrie-Öde. Im Vorprogramm? Ein Schotte namens Billy Liar mit blauen Haaren. Cosmopolitan as fuck, dieses Bern.

 

Post aus Zwischen

Mirko Schwab am Samstag den 7. Oktober 2017

O. Protokoll aus dem Bandbus, wo einem schlecht wird beim Tippen.

Meta weil rundherum nichts ist. (Das Rauchen wird uns dereinst töten.)

Liebes,

Windräder überschlagen sich. Aufgehört sie zu zählen, machen Räder in eine Luft, die es eilig hatte die Tage. Xaver. (Es seien Menschen gestorben, weiss ich dank Hotspot und auch Flamingos im Berliner Zoo.) Wir fahren auf dem grauen Teppichband durch ein flaches Land. Auf 1 Liter Dalmayr aus der Grossstadt heraus, auf engstem Raum durch weites Niemandsland. Vom alternativen Hausprojekt weg und einmal quer durchs Alternative für Deutschland-Land. Zur nächsten Insel. Vöner nennen sie den veganen Schnellimbiss, dort, wo wir uns alle einig sind. Hoffnung, dass auch heute Abend jemand seine Freude hat an einer Dreiviertelstunde behaupteter Bedeutung. Wir sind I Made You A Tape aus Bern, Schweiz.

XOXO und
à bald,
mrk

Himmel und Hölle, alles dasselbe

Milena Krstic am Freitag den 6. Oktober 2017

Wie lässt sich ein solch sensibles Thema wie Suizid künstlerisch verhandeln? Die Berner Schauspielerin Martina Momo Kunz hat gestern im Schlachthaus Theater eine mögliche Form gezeigt – und damit das Publikum begeistert.

Der Wahnsinn: Martina Momo Kunz ist zur einen Hälfte Biest, zur anderen die suizidale Hélène.

Suizid, also Selbsttötung, da sind wir uns einig, ist eines der heikleren Themen. Wer darüber ein Theaterstück schreiben will, muss sich noch mit ganz anderen Dingen beschäftigen als Dramaturgie und Outfits. Martina Momo Kunz hat für ihr Stück «Les mémoires d’Hélène: The Beast in You» die Zusatzarbeit getan, sich durch Diskussionen im Netz gelesen und mit der Präventionsstelle Rücksprache gehalten. Wenn sie also als die suizidale Hélène auf die Bühne tritt, ist sie sich ihrer Verantwortung bewusst. Das zeigt ihre Aussage, die sie im Interview mit dem «Bund» gemacht hat:

«Suizid ist sehr ansteckend. Das zeigt sich etwa, wenn es nach dem Freitod einer bekannten Person zu Suizidwellen kommt. Und deshalb sprechen die SBB auch von Personenunfällen. Oder im Journalismus gibt es den Kodex, dass man einen Suizid nicht zu genau beschreiben sollte wegen des Nachahmungseffekts.»

Von Verantwortungsbewusstsein war auf der Bühne gestern Abend – zum Glück –  nichts mehr zu spüren. Jedenfalls nicht während des Stücks. Da beschrieb die überspannt  glückselige Hélène verschiedene Arten des Freitods, genüsslich, im Detail, während sie ihren Tee und den ihres imaginären Gegenübers süsste. Bassist Flo Götte (unter anderem bekannt aus der Band von Evelinn Trouble) spielte dazu eine Tonspur in den Färbungen Metal, Doom und creepy Horrorfilmmusik. Das war laut, das war gruselig und mindestens so einnehmend wie ein Blockbuster. Dessen Ästhetik hat sich Kunz nämlich bedient. Sie übersteigert mit einfachsten Mitteln, was wir sonst aus dem Film kennen: Stimmeffekte, die sie mühelos von der Rolle des Biests in die der Hélène gleiten lässt, Joker-Frazen-Schminke und ja, eben, diese donnernde Musik.

Auf ihrem Weg in den Wahnsinn singt sie uns eine eigene Version von Michael Jacksons «You Are Not Alone», nur bei ihr heisst das Lied «You Are Not Enough», eine zynische Referenz auf die schweizerisch-protestantische Leistungsgesellschaft.

Ein weiterer Auszug aus dem Interview:

«Ein Grund, warum ich das Projekt mache, ist, dass ich auf Reisen miterlebt habe, wie die Schweiz oft für das Paradies gehalten wird. Und gerade wenn man beachtet, wie gut wir es haben, ist es recht schwierig, unsere relativ hohe Suizidrate zu erklären. (…) Was ich versucht habe, war vielmehr, mich auf den Suizid als Kollateralschaden unserer Leistungsgesellschaft zu fokussieren. (…) Eine Rolle spielt auch unsere protestantische Ethik: Fleiss und Arbeit stehen im Zentrum; wir zielen darauf ab, etwas zu werden. Scheitern liegt nicht wirklich drin.»

Das Stück ist eine rasante Reise ins Jenseits, wo derbe Witze erzählt und Jahrmarktmusik gespielt wird. Ob Himmel oder Hölle spielt keine Rolle. Hélène in ihrem hautfarbenen Nachthemd wird zu einer netten Bekannten, in der sich eigene Abgründe spiegeln.

Am Ende des wilden Ritts, nach dem Verbeugen und beklatscht werden, da spricht Martina Momo Kunz zum Publikum, man möge doch noch hierbleiben, Fragen würden gern beantwortet, Rückmeldungen seien erwünscht. Während des Stücks hat Hélène völlig losgelöst von Verantwortung den Karren an die Wand gefahren. Das war schon ziemlich genial, wie sie das hingekriegt und somit das Publikum komplett und frei von jeglicher Gefühlsduselei in den Bann gezogen hat.

Für «Les Mémoires d’Hélène: The Beast in You» hat Martina Momo Kunz letztes Jahr den zweiten Platz am Premio Nachwuchspreis für Theater und Tanz gewonnen. Das Stück wird heute Abend und am Samstag um 20.30 Uhr im Schlachthaus Theater gezeigt.

Bern auf Probe: Mit Peter Arbogast bei den Zeugen Jehovas

Anna Papst am Dienstag den 3. Oktober 2017

Geprobt wird im Keller eines Mietshauses in Zürich, dessen erste zwei Etagen von Jehovas Zeugen belegt sind. Dominik Dusek hat sich für die Lesung seines ersten Romans «Er tritt über die Ufer» eine musikalische Untermalung gewünscht, die nur aus Bass und Effektgeräten besteht. Bekommen hat er – zum Glück, wie sich noch herausstellen wird – Patrik Küng, der ihn mit E-Gitarre, Synthesizer und den erhofften Effektgeräten begleitet. Über den und dessen ehemalige Band Kid Ikarus hat Dusek auch schon für den «Züritipp» geschrieben. Und damit sind wir dem Roman schon verdammt nahe, über dessen Lesungsprobe hier berichtet werden soll. Diesen Beitrag weiterlesen »

An der Sache vorbeigelärmt

Mirko Schwab am Freitag den 22. September 2017

Der Schweizer Musikpreis wird heute verliehen. Und natürlich darf geschossen werden. Trotzdem ist geboten, die Kirche im Dorf zu lassen. Leise Replik auf einen lärmigen Noisey-Text.

Eine der fünfzehn Nominierten für den Hauptpreis: Elina Duni, Sängerin zwischen Tradition und Avantgarde.

Wenn heute Abend in Basel die Hauptgewinnerin oder der Hauptgewinner des vierten Schweizer Musikpreises verkündet wird, sind die bitteren Zeilen längst verfasst. Kollege Riegel etwa bemängelt bei Noisey, dass nur Alte auf der Shortlist stünden, darüberhinaus noch solche aus unpopulären stilistischen Fächern. «Wieso gewinnen nur alte Menschen den Schweizer Musikpreis?» fragt sich entsprechend die gewohnt poetische Überschrift über dem Text des Musikmagazins von Vice. Blick zurück: Vor einem Jahr wurde Sophie Hunger mit demselben Preis geehrt. Alter: dreiundreissig. Handwerk: Pop. Ergebnis: Scheisssturm.

Im genannten Artikel selbst wird das nicht unterschlagen. Trotzdem verschenkt sich der Text der These, wonach der Musikpreis zunehmend zur Würdigung «hochstehende(r) Musik für alte Menschen» würde. Eines stimmt: Im Vergleich zu den Vorjahren (der Preis besteht seit 2014) ist etwas weniger Pop auszumachen im Spektrum der Nominierten. So what? Nächstes Jahr schon könnte es wieder anders sein.

Die vage Formulierung des Anspruchs, der an die Preisträger*innen gestellt wird, das Fehlen von Kategorien – sie sind gleichzeitig Fluch und Segen dieses Preises. Fluch deshalb, weil sie den Lautsprechern das beste Angebot sind, draufloszustänkern – immer verbunden mit der Anmassung, die musikalische Landschaft eines Landes in ihrer Gänze besser erfassen zu können, als es eine siebenköpfige (swiss so sweet, isn’t it?) Jury von Expertise zu leisten im Stand ist. Für eine gehaltvolle Auswahl, gerne auch mit Akzenten und Überraschungen hie und da, ist die grosszügige Auslegung freilich ein Segen.

Natürlich darf geschossen werden. Ein Preis von hundert Kisten bedarf einer feinen Begründung und ist der Öffentlichkeit ausgesetzt, Denkanstösse und Diskussion sind wichtige Korrektive. Ab er es stellt sich immer auch die Frage der Qualität solcher Wortmeldungen, wenn Kritik offenkundig verkürzt daherkommt. So gibt sich Riegel als Fürsprecher einer Generation «unter 51», Advokat eines koketten «Pöbel(s) von Noisey», der sich ums Musikschaffen in der Vielfalt nicht schert. Das ist erstens eine brüchige Position für einen Musikredaktor, selbst bei Spartenheftern wie Noisey. Zweitens falsch, weil gerade Exponentinnen wie Elina Duni oder Jojo Mayer durchaus viele Bewunderer haben in unserer Generation und als Vorbilder dienen. Und drittens und vor allem ist es: irrelevant.

Ginge es nämlich beim Schweizer Musikpreis um einen Popularitätswettbewerb, hätten auch die von Riegel als spontane Gegenvorschläge angeführten Künstler nicht die geringste Chance. Das ist die musikalische Marktlogik unseres kleinen Lands. Der echte, vielleicht Vice scrollende, kaum je Noisey lesende Pöbel nämlich zuckte mit den Schultern vor Namen wie Fai Baba, One Sentence. Supervisor oder JPTR. Allesamt verdammt gute Projekte, die den Sprung ins Ausland schafften oder schaffen werden, die also vorerst auf die Reperbahn gehören, bitte von Pro Helvetia und Swiss Music Export und den inländischen Förderinstrumenten vergoldet werden sollen. Die aber, schlicht schon aufgrund ihrer relativ kurzen bisherigen Schaffenszeit, kein Thema sein können für einen solchen Schweizer Musikpreis, der auch spezialisierten Lebenswerken von Gewicht und Länge Tribut zu zollen hat, Jürg Wyttenbach als Beispiel.

Überhaupt wird in solcher Kritik ein seltsam schwarzweisses Bild gemalt. «Wir» gegen die andern. Pop gegen die «Elite». Grosszügig übergangen wird hier aber das Selbstverständnis vieler Popmusiker*innen, Teil eines interagierenden, universalmusikalischen Ganzen zu sein. Viele der Biographien dies- und jenseits dieser fragwürdigen Grenzziehung streifen einander oder werden es noch tun. One Sentence. Supervisor taten sich jüngst für einige Konzerte mit dem Oud-Virtuosen Bahur Ghazi zusammen, beinahe die gesamte Band Fai Baba hat an einer Jazzhochschule ihr Handwerk gelernt und man wünschte sich JPTR als treffliche musikalische Zutat einer zeitgenössischen Theaterproduktion. Was der «Pöbel» dazu fände? Ist eben scheissegal.

Gegen eine laute, zickige These, die Platz findet in einer Überschrift, hat dieser Kommentar mit Sicherheit einen schweren Stand. Aber ich plädiere für eine leise und umsichtige Beobachtung dieses für die Schweizer Musiklandschaft in ihrer Ganzheit wertvollen Formats. Gerade weil es sich nicht numerisch, kategorisch oder direktdemokratisch festlegen lassen muss. Der Schweizer Musikpreis verdient es als überblickender, nicht an der aufs Jahr abgerechneten, numerischen Ausbalanciertheit aller erdenklichen Stilrichtungen interessierter Preis, dass Kritik an seiner Praxis ebenso mit ganzheitlichem Blick formuliert wird.

Also abwarten, erstmal easy bleiben und ein bisschen Demut gegenüber den Expert*innen, zwei bisschen Gönnerschaft gegenüber den Prämierten aufbringen – und die Kirche im Dorf lassen. Dorfgeschwätz wirds auch nächstes Jahr wieder zur Genüge geben.

Der Preisverleihung kann ab 19 Uhr via Livestream beigewohnt werden.

Post aus Wiedikon

Mirko Schwab am Freitag den 15. September 2017

Eine von vielen Entdeckungen am Seebahngraben: Ararpad. Verdammt hotter Beatboy aus Z.

Liebes,

Der Italo ums Eck ist authentisch grimmig und verkauft glutenfreie Pizze. Ich schreibe dir aus Wiedikon Zürich 3. Von dort aus also, wo das eingesessene Zürich aufs glutenfreie Zürich trifft, die ganze Nacht Verkehr ist und eine offene Tankstelle. Ich blicke aus meinem Aquarium hinaus auf den Seebahngraben, am unteren Ende des einzigen Reiterbahnhofs der Schweiz – und hacke dir paar Zeilen.

Ich würd dir gerne in Bern begegnen, die letzten vom blechernen Tod befreiten Nächte auf der Schütz besaufen bis das Zeug hält, bei den Eidgenossen oder im Casa Marcello verhocken bis man herausgeputzt wird, unter den Lauben stehenbleiben für ne Gruess und sich wünschen: Bis bald. Heimweh ist berndeutsch.

Aber hier gibts viel zu tun, viel schönes. Auf Einladung kommen die Freunde vorbei, Fernweh-Berliner und Heimweh-Berner und Zürcher von der Szene, stellen ihre Geräte auf, Drumcomputer, Schlagzeuge, Macbooks und Zithern, legen los. Wir dürfen ihnen dreissig Minuten durch die Kamera dabei zuschauen. Ehre genug und dreiundzwanzigmal ein Grund zur Demut. Und der Laden erst: «Bundeshaus Zu Wiedikon» geheissen, fühlt sich an wie ein amerikanischer Diner aus den Fünfzigerjahren und wird von drei herzensguten Bundesrätinnen geschmissen. Dass das Zeug hält – und ich bei mir denke: Gastfreundschaft ist universal.

Eine Woche darf das noch so sein. Geldwechseln, Pizzaholen, Bütec rauf, Bütec runter, fünf Franken easy, zehn Franken soli, Rauchpausen, Blausaufen und am morgen neben einer kiloschweren, wunderschönen To-Do-Liste aufwachen, an die man sich zwar nicht ranschmiegen kann, die einem doch das Herz entzündet.

Eigentlich wollte ich vor allem merci sagen.

XOXO
und bis bald,
mrk

BlauBlau Records Public Address: Bundeshauskonstant konzertant, jeden Abend auch ins F***book gestreamt.
Schaust du mal vorbei, Liebes?

Süss wie Coca Cola

Milena Krstic am Samstag den 9. September 2017

C. brachte den Witz mit der Sachertorte und der Wandl guckte unter der Kapuze seines weissen XXL-Pullis hervor und sagte so etwas wie: «Also, geil is’ es’ ja schon». Das war beim Abendessen, stimmiges Einstimmen im Rössli, auf einen Konzertabend der klassischen Sorte: Da tritt ein uber nicer Act auf, ist aber noch nicht so extrem bekannt, also wird auch kaum jemand erscheinen. Das is’ net so geil, aber truth hurts immer.

Sänger, Produzent, DJ, Pianist: Findet’s den Wandl auf der Bühne des Dachstocks.

Trotzdem. Wir waren dort. Und es war wunderschön. Verschleppt, vertrackt, alles nur angedeutet, unausgesprochen, charmantester Lo-Fi mit allerlei Nettigkeiten aus der Soul-Wunderplunderkiste und dazu dieser Typ, der sich ins Falsett singen kann, haucht, Töne trifft, während die Samples disharmonisch im Raum verschwimmen. Bedroom-Pop ist ein furchtbar abgefingertes Wort, aber es muss hier nochmal ran, weil der Lukas, so heisst der Wandl nämlich, den sehe ich vor mir, wie er rauchend auf seinen weissen Bettlacken herumrutscht und auf seinem Klappcomuter sweet und sexy Tunes produziert.

Mit wem wir es hier zu tun haben? Wandl ist ein Jungspund aus Wien, aufgestiegen aus dem Dunstkreis der Wiener/Salzburger Wolken Jungs: Yung Hurn, Crack Ignaz, you name ’em. Ein gehauchtes «Coca Cola» hat ihm den Ruhm über Noisey die Blogosphäre hinaus verschafft, soweit, dass er gestern Abend – ganz sanft – im Dachstock gelandet ist. Der war ganz bescheiden gefüllt, aber der Wandl hat ein verträumtes Set gespielt, am Ende den Soul verlassen und elektronische Tanzmusik serviert, so zauberhaft war das, am Bühnenrand zu stehen und in die Sorglosigkeit einer Freitagnacht zu entgleiten, mit ganz viel Raum drumherum für eigene Irrungen und Nachtwandlereien.

Reiner jedenfalls prophezeit dem Wandl den Superstar-Status. Und sobald Wandl den erreicht hat, wird er wieder im Dachstock spielen – dann aber im ausverkauften.

Wandls Album «It’s All Good Tho» gibt es auf Bandcamp zu hören und kaufen. Wer das mag, mag auch James Blake und guten Sex.

Naturschütz

Roland Fischer am Freitag den 25. August 2017

Donnerstag abend. Poesienacht im Boga, in der vielleicht am wenigsten pittoresken Orangerie der Welt. Und das ist jetzt nicht unbedingt kritisch gemeint, der Raum hat durchaus etwas für sich. Und wenn er so voll ist wie gestern (und auch schon am Mittwoch, dem Vernehmen nach), dann ist auch die Akustik einigermassen ok. Gefüllt wurde dieser Raum gestern mit allerlei lyrischem Wagemut, von jungen Autorinnen und Autoren. Und alle bemühten sich – mehr oder weniger bemüht – um einen Bezug zum Boga, zu Flora und Fauna. Würde gut auch ohne gehen, dachte man.

Dann noch weiter rüber zur Schütz, da spriesst ja auch so einiges an Kulturkraut. Und toll dass es da offenbar keinen Chef-Gärtner gibt, dass hier jede Ecke selber etwas anpflanzt und schaut, wie es gedeiht. Zuerst war da also ziemlich dunkel grundierter Jazz, auf der grossen Bühne, eine gute Ladung Sommerend-Melancholie. Und dann noch ein mächtiges Soulorgan drüben beim Roxy, wie zum Trotz. Und es zeigt sich wieder mal: Magerwiesen haben den grössten Artenreichtum.

Nessie gesichtet!!!

Gisela Feuz am Freitag den 4. August 2017

  – – BREAKING NEWS – –

Werte KSB-Leser*innen, ich habe in diesem Schottland Video-Aufnahmen machen können, welche die Existenz von Nessie ein für all Mal beweisen!!! Hier exklusiv für Sie:

 

Es erstaunt nicht, dass sich Nessie in Loch Ness bis anhin einwandfrei zu verbergen wusste. Schliesslich ist besagtes Loch mit einer Tiefe von 230 Metern der zweitiefste See der britischen Inseln, wobei der grösste Teil auf mehr als 152 Tiefe liegt und gerade mal 13.6% der Seefläch flacher sind als 30 Meter. Das heisst: Die Ränder sind sausteil, und fallen an gewissen Stellen gar in einem Winkel von 75° ab.

Wer jetzt gerade gedacht hat «ideal bei heissem Wetter für einen Köpfler, da stösst man sich wenigstens nicht die Birne», dem seien folgende Fakten nicht vorenthalten: In tieferen Lagen ist Loch Ness gerade mal fünf Grad warm, an der Oberfläche könnte der See in einem sonnenreichen Sommer (also eigentlich nie) theoretisch 12 Grad erreichen. Wer hier baden geht, ist entweder ein knallharter Hund oder strunzblau – egal zu welcher Liga man gehört, bevor fünf Minuten um sind, ist die Chance gross, dass man den Löffel abgegeben hat. Ausserdem ist Loch Ness aufgrund von Torfpartikeln tiefschwarz und soll über zahlreiche Höhlen und Ausbuchtungen verfügen – dort unten dürfte sich also tatsächlich so einiges tummeln. Aber wer weiss das schon so genau. Bis anhin waren mehr Menschen auf dem Mond als am Grunde von Loch Ness.

Sie mögen tiefe Seen? Dann machen Sie doch einen Ausflug nach Brienz. Der Brienzersee ist mit seinen 260 Metern noch tiefer als Loch Ness, in ähnlich malerischer Umgebung angesiedelt, dabei aber mit aktuellen 20 Grad temperaturmässig schon fast im Bereich Kinderplanschbecken. Und Monster gibt es dort dieses Wochenende am Brienzersee Rockfestival auch zu begutachten.

Bizarre Musikgenres Teil 26: Vokaloiden Pop

Gisela Feuz am Mittwoch den 2. August 2017

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Vokaloiden Pop.

Sie ist seit über 10 Jahren im Showbusiness, hat 2014 die Welttournee von Lady Gaga eröffnet, sass bei David Lettermann auf dem Sofa und hat Werbeartikel im Wert von ca 1 Milliarde Dollar verkauft. Und trotzdem gibt es die Göre strenggenommen nicht wirklich. Jedenfalls nicht in einer Variante aus Fleisch und Blut. Die Rede ist von Hatsune Miku, einem ewig 16-jährigen Mädchen mit langen türkisfarbenen Haaren, gekleidet in Schuluniform mit kurzem Rock und langer Krawatte.

Die Figur der Hatsune Miku wurde einst als Maskottchen für eine Software entworfen, mit welcher künstliche Gesangsstimmen erzeugt werden können. Der dazugehörige Software-Synthesizer Vocaloid2 wurde 2007 erstmal vorgestellt und gewann rasch an Popularität, so dass bis heute von Usern auf der ganzen Welt über 100’000 Songs mit der Stimme von Hatsune Miku entwickelt wurden. Dabei stehen verschiedene Variationen zur Verfügung, so etwa «enthält viele Seufzer, süss, flüsternd / ausgeglichen, leicht melancholisch / lebhaft, kräftig und hell / steif und angespannt». Aufgrund der enormen Beliebtheit der Stimmensoftware entwickelte sich die Figur Hatsune Miku bald einmal zum eigenständigen Produkt, welches als Hologramm nun Konzerte gibt. Der Name des Mädels lässt sich übrigens in etwa als «Erster Klang der Zukunft» übersetzen (Hatsu «Erster», Ne «Klang», Miku «Zukunft»). Graust Ihnen eigentlich manchmal auch vor dieser sogenannten Zukunft, werte Leserschaft?