Archiv für die Kategorie ‘Rock & Pop’

Sonne im Herzen, vol. 1

Frau Götti am Montag den 22. Mai 2006

Wichtige Durchsage an alle, die den Sommer bereits abgeschrieben haben: Es gibt ihn. Doch doch, ganz sicher:

trojanTrojan Records heisst der Sommer und brennt heiss und feurig. Und heiss und feurig ist auch das Land, wo das Label 1968 gegründet wurde und das da heisst: Jamaika. Zunächst diente Trojan einzig dazu, die Produktionen von Altmeister Duke Reid herauszubringen – woher auch der Name stammt: Reid pflegte nämlich sein umfangreiches Sound System in Lastwagen der Marke “Trojan” zu transportieren.

Aber bald schon weitete Trojan Records den Kreis seiner Musiker aus und wurde unter anderem zum Sprungbrett für Lee “Scratch” Perry, Dennis Brown, Ken Boothe oder Bob Marley & The Wailers.

Heute ist Trojan in London und gibt neben Reggae, Rocksteady und Ska auch jüngere Musikstile wie Dancehall und Jungle heraus. Und selbstverständlich alles aus der Dub-Küche.

Melodians Ein einziger Sommernachtstraum. Wenn Sies mir nicht glauben, gehen Sie und kaufen sich zum Beispiel dieses Wunderwerk der Tonkunst:

Und jetzt raten Sie, auf was Sie sich noch freuen dürfen, während Sie (wettermässig) auf den Sommer warten: Auf eine ganze goldene Serie “Sonne im Herzen”. Denn noch viele Geschichten ranken sich um den jamaikanischen Sommer, und man gönnt sich ja sonst nichts…

Helft mir, ich höre Country

Manuel Gnos am Dienstag den 9. Mai 2006

The Straight StoryLetzthin habe ich bei Jecklin an einem Tag drei CDs gekauft. Auf dem Heimweg schreckte ich aus der Vorfreude auf, als ich bemerkte, dass es sich dabei um drei zumindest countryeske Werke handelt. Nun war klar: Es ist passiert!

Erste Anzeichen dazu hatte es schon 1999 gegeben. Damals war ich 27 und es fing an mit Angelo Badalamentis Soundtrack zu David Lynchs Film «The Straight Story». Weil ich aber auf keine weiteren Werke von Herrn Badalamenti stiess, kam ich mit einem blauen Auge davon.

Das Unvermeidliche nahm dann aber 2003 seinen Lauf. Ein Freund kopierte mir Bill Frisells «This Land», das über Wochen meinen CD-Player blockierte. Über Bonnie «Prince» Billy, 16 Horsepower und Zeno Tornado führte dies zum Soundtrack von «Brokeback Mountain» und dem neusten Album von Howe Gelb, auf dem sogar ein Gospelchörli mittut.

Zugegeben, all dies sind keine Vertreter des astreinen Country. Sorgen bereitet es mir trotzdem. Vor ein paar Jahren nämlich, als ein damals 37-jähriger Bekannter seine heimliche Liebe zur Country-Musik offenbarte, dachte ich noch: Mein Gott, ist der alt geworden!

Polar vs. Kutti MC

Daniel Gaberell am Sonntag den 7. Mai 2006

Zuerst dachte ich, ojehmineh, Halters Jürg ist nicht zu halten. Dann aber erlöste mich Polar! Seine Gitarre und seine wunderschöne Stimme, ein Bass, das Schlagzeug – mehr braucht es nicht. Ich werde es überstehen: Kutti MC und dann Erholung mit Polar, Kutti MC und dann Erholung mit Polar, etc.

Aber plötzlich fand ich auch Gefallen an MC. Prächtige Worte reihte und reimte er zu Sätzen, daraus entstand eine Geschichte und Gedichte. Klischiert zwar nimmt er sich Zeitgemässes, trotzdem aber bringt er es auf den Punkt.

Doch, doch, wenn schon Kutti MC, dann bitte schön mit Polar. Und wenn schon Polar, dann bitte ohne MC.

Vor einer Stunde gesehen und gehört in der Turnhalle im Progr im Rahmen von „Auawirleben“.

kimc

(Foto: das Sony Ericsson stösst bei Schummerlicht an seine Grenzen)

Do you have any Einstein-T-Shirts?

christian pauli am Donnerstag den 4. Mai 2006

Nun da sie wieder in den Lüften sind, kann die zugegebenermassen nur halbbatzige Zurückhaltung vollends abgelegt werden. Here comes the bernese paparazzi:

Lou mit unbekannter Schönheit

Für Lou Reed, den wir hier mit einer unbekannten Schönheit sehen, ist die Situation natürlich nicht unbekannt, wie uns die einschlägige Presse meldet.

Der New Yorker Rockstar entpuppte sich bei seinem Berner Privatbesuch als Mischung aus stinkreichem US-Tourist, abgenudeltem Freak und begeisterungsfähigem Kind. Nun, auch Stars haben das Recht, auf ihre ureigene Façon zu altern. Sie dürfen auch bei jeder Gelegenheit einschlafen. Wie sagt doch Lou? «I don’t sleep very much. I sleep in pieces, like Einstein.»

Apropos: Die versammelte Direktion des historischen Museums weiss seit letztem Montag, dass man von einem berühmten Gast auch mit «Do you have any Einstein-Tshirts?» begrüsst werden kann.

Bümpliz-Belgrad

Frau Götti am Dienstag den 2. Mai 2006

Europa ist ein Dorf. Auch an seinem fernen Ostzipfel, in Serbien, fühlt man sich irgendwie sofort daheim und weiss nicht warum. Da stellt man im kahlen Belgrader Hotelzimmer das Radio an und seltsam vertraute Klänge schallen einem entgegen, anheimelnd und warm. Man fühlt sich mit einem Mal, als würde man in die Arme genommen. Und Bern ist mit einem Mal nahe, ganz nahe…

Eine Hörprobe dieses Stücks Heimat: hier klicken

Indira RadicAuch von der Künstlerin selbst – hier mit einem Fan bei einem ihrer strahlenden Auftritte – fühlt man sich sofort in die Arme genommen irgendwie.

Die Dame heisst übrigens Indira Radic und ist serbische Folk- und Pop-Diva.

Und wer jetzt einfach nur noch singen will, einstimmen in das grosse europäische Lied, findet hier den Songtext.

Bälpmoos: Housi Wittlin fotografiert Lou Reed und merkt es nicht

christian pauli am Sonntag den 30. April 2006

Am Sonntag durfte der Berichterstatter auf dem Bälpmoos Laurie Anderson und ihren mitreisenden Partner Lou Reed in Empfang nehmen. Ha, wenn Laurie kommt (Auftritt am 2. Mai in der Dampfzentrale), kommt auch Lou. Das hatten wir vor ein paar Tagen erfahren, entsprechend gross die Aufregung.

Aber mit diesem Zwischenfalle hatten wir nicht gerechnet: Auf dem Bälpmoos ist eben das Flugzeug gelandet, wir eilen ans Gitter und einige Sekunden bevor die Türe geöffnet wird, nehmen wir einen Mann hinter Spiegelreflexbrille wahr, der direkt hinter uns steht und seine Kamera ins Position bringt: Housi Wittlin!

Mich durchzuckt ein Gedanke: Hat der Berner Rockvater auf verschlungenen Wegen von der Ankunft des amerikanischen Urrockers erfahren? Nein, bald ist klar: Housi Wittlin fotografiert Lou Reed und merkt es nicht.

L&L im BälpmoosScheisse, scheisse, denke ich, und meine Kamera ist im Auto! Ich renne zurück und dann wieder in der Flughafenhalle. Hier versuche ich Laurie & Lou zu knipsen, wie sie aus der Zollkontrolle treten. Das Resultat ist wenig berauschend.

Nun, die Angelegenheit entspannt sich anschliessend, wir fahren smalltalkend in die Stadt, lassen den vermeintlichen Mundart-Topos und Housi Wittlin hinter uns. Später, in einem grossen Keller, spendiert Lou einen 12-jährigen Weisswein, über dessen Preis hier nichts verrraten wird. Wir sprechen über Rückenschmerzen, italienisches Essen und teure Uhren. So ist das. Ganz einfach. Fortsetzung folgt.

Punk ist nicht tot – aber kompliziert

Manuel Gnos am Freitag den 28. April 2006

TV SmithTV Smith? Im Café Kairo? Das muss irgendeine schräge Kopie einer billigen Fernsehshow sein, dachte ich mir, als ich das Plakat zum ersten Mal sah. Doch das Bild unter dem Schriftzug passte nicht wirklich dazu: Ein Mann mit Gitarre, das Gesicht nicht zu erkennen, aber aufgrund der Haltung war klar: Der Mann ist nicht mehr der jüngste und er scheint kein Jazzgitarrist zu sein. Was darunter stand, bestätigte diesen Eindruck: TV Smith war Sänger der offenbar legendären Punk-Band The Adverts.

All das sagte mir nichts, denn Punk ist irgendwie an mir vorübergezogen wie die Monbijoubrücke über den Aareschwimmer: faszinierend zwar, aber eben doch zu weit weg um greifbar zu sein.

TV Smith, Jahrgang 1956, sieht aus, wie ein Altpunker aussehen muss: etwas verlebt, dürr, gross, ein leichter Buckel, Trägershirt und Würgejeans. Die Ansagen machte Smith in Deutsch, mit einem Schelmenlächeln auf den Lippen. Die Songs sang er mit Inbrunst; sie sind kraftvoll, zum Teil angenehm hymnisch angehaucht, wenn auch nicht von Genialität getragen.

Fazit: Punk ist nicht tot – aber kompliziert. Besonders dann, als der Ur-Punker mit schlacksiger Bewegung dazu einlud, doch eine seiner CDs oder ein T-Shirt zu erwerben. Obwohl, wie TV anfügte, er nichts vom Kapitalismus halte… Die etwas mehr als zwanzig Leute vor der Bühne schienen dieses Dilemma nur allzu gut zu kennen.

Montreux am Boden

Manuel Gnos am Donnerstag den 27. April 2006

Wir unterbrechen hier die Sendung ganz kurz für eine wichtige Mitteilung: Das Programm für das «Montreux Jazz Festival» wurde heute bekannt gegeben. Und wie jedes Jahr liegt kurz danach die Festivalwebsite überlastet am Boden. Deshalb hier das Programm als PDF zum Runterladen.

Und nun zurück zur Sendung.

Ein Monster auf Rock

christian pauli am Mittwoch den 26. April 2006

DooppuängeliDie Melvins Fantomas Big Band im Frison zu Freiburg. Es gibt Menschen, denen diese Musik zu wild und abgefahren ist. Es gibt aber auch Menschen, die diese Musik freiwillig aufsuchen: Gestern warens doch fast 1000. Eigentlich erstaunlich, wenn man sich gewahr wird – und dies ganz physisch – mit welcher Wucht und Radikalität diese Super-Prog-Metal-Band zu Werke geht: Sänger Mike Patton (einst Faith No More), Gitarrist King Buzzo (Melvins) und Schlagzeuger Dave Lombardo sind das Gerüst, durch das diese seltsamer Mix aus Black Metal, Doom, Free Noise und Filmmusik-Collage gejagt wird.

AutobahnAuf der Rückfahrt nach Bern, die Autobahn liegt dunkel hinter mir, vor mir eine Spur aus Licht: Die Menschen, die solche Konzerte aufsuchen, sind stinknormal. Die Unterhaltung, denen sie sich hingeben, ist einfach ein bisschen bizarr.

Eben doch ein Popper: Sophia-Frontmann Robin Proper-Sheppard

Frau Götti am Donnerstag den 20. April 2006

«I’m not in a poppy mood», sagte Herr Proper-Sheppard beim gestrigen Autritt im Bad Bonn, Düdingen. Heute Abend könne er nur vor sitzenden Leuten spielen. Gehorsam nahmen seine Fans daraufhin auf dem Boden Platz. Und lauschten den einlullenden Klängen von Robins akustischer Gitarre. Eine sehr un-poppige, gesetzte Atmosphäre wollte Robin schaffen und sang die Sophia-Songs halb so langsam wie sonst und mit geschlossenen Augen.

Aber der Sophia-Mann ist und bleibt (zum Glück) ein Popper: Dafür sorgten effektvolle Stilbrüche, wie die ziemlich schnodrigen und ziemlich witzigen Anekdoten, mit denen er die Lieder immer wieder unterbrach. Und der zweite Teil des Konzerts, für den Robin “the boys” auf die Bühne holte – die fünf Mitglieder der britischen Band Vito. Zusammen mit denen sorgte er für harte Riffs und heisse Stimmung. Ans Sitzen dachte keiner mehr.

Übrigens: Vito kann auch alleine Stimmung machen. Dies zeigte ihr Auftritt als Vorband von Robin, nach dem das Publikum lautstark Zugaben forderte…

Pop-Beweis: die sehr eleganten Schuhe von Robin

Weitere Auftritte in der Schweiz:
Heute Abend im
Le Romandie, Lausanne
Morgen im El Lokal, Zürich