Archiv für die Kategorie ‘Rock & Pop’

Um zehn war Schluss

Manuel Gnos am Montag den 10. Juli 2006

Flink aus Luzern am Anyone-Can-Play-Guitar-Festival in Bern. (Bild: Manuel Gnos)
Flink aus Luzern am Anyone-Can-Play-Guitar-Festival. (Bild: Manuel Gnos)

Um 21.55 Uhr bestieg einer der Anyone-Can-Play-Guitar-Veranstalter die Bühne: «Bis zehn Uhr dürfen wir noch!» Der darauf folgende Applaus bewegt die Luzerner Indipendent-Rocker Flink aus Luzern zu einer letzten Zugabe. Und dann, pünktlich um zehn, klingt das Festival auf der Kleinen Schanze mit den letzten Akkorden eines Pixies-Covers aus.

Zwei Tage danach darf festgehalten werden:

Erstens, das Festival war auch heuer ein gelungener Anlass in schöner Umgebung (auch wenn die von den Schanzen-Alkis zwischendurch verbreitete Hektik mit der Zeit etwas anstrengend wurde).

Zweitens ist es schade, dass das Festival so früh beginnen muss. Denn zu Beginn waren gerade mal 30 Nasen und 60 Ohren da, was für die Bands doch eher frustrierend sein muss.

Drittens hätten unbedingt die Spacies Googies aus La Chaux-de-Fonds (oder doch Nöschenbourrrg?, wie es der Sänger sagte) als Headliner aufgestellt werden sollen. Schlicht weil sie die beste Band des Tages waren.

But anyway: Wir sehen uns im nächsten Jahr!

Live von der Kleinen Schanze

Manuel Gnos am Samstag den 8. Juli 2006

Jetzt gerade in diesem Moment (und noch bis 22 Uhr) läuft auf der Kleinen Schanze in Bern das feine Festival «Anyone Can Play Guitar». Den Anfang haben die Spacies Googies aus La Chaux-de-Fonds mit ihrem rumpelnden, aufregenden Rock’n’Roll gemacht. Dann folgten die Berner Oberländer Seemannsgarn. Und zurzeit spielen The Unborn Chikken Voices.

Das weitere Programm: King Louis um 18:15 Uhr, Tortilla Flat um 19:30 Uhr und Flink aus Luzern um 21 Uhr. Gehet hin und habet Spass! (Auch deshalb…)

Anyone Can Play Guitar, Spacies Googies. (Bild: Manuel Gnos)
Die Spacies Googies aus La Chaux-de-Fonds. (Bild: Manuel Gnos)

Noch unschlüssig?

Manuel Gnos am Mittwoch den 5. Juli 2006

Gurtenfestival-Special-RadioSind Sie noch nicht sicher, ob das diesjährige Programm des Gurtenfestivals etwas für Sie ist? Dann haben wir hier etwas für Sie: das original Gurtenfestival-Special-Radio!

Aber Vorsicht: Auch nach dem Hören dieses Internetradios könnten Sie noch zum Schluss kommen, zwischen dem 13. und dem 16. Juli den Gurten zu meiden. Wenigstens tun Sie es dann dank fundierter Recherche. Im umgekehrten Fall natürlich ebenfalls.

Oder in den Worten der Veranstalter gesprochen: «Der Gurten ist ja bekannt dafür, dass viele Acts spielen, die noch nicht oder noch nicht sehr bekannt sind, aber sehr geilen Sound machen.» Nun denn, urteilen Sie selbst.

Wunderkammer

Grazia Pergoletti am Dienstag den 13. Juni 2006

The Dead Brothers. (adi)Ein bisschen verspätet hier eine kleine Lobeshymne auf die neueste Platte der bestaussehendsten Boygroup der Schweiz. Die Rede ist von The Dead Brothers.

Zum ersten Mal live gesehen habe ich die Dead Brothers vor etwa sieben Jahren, als sie mit einer Art Wanderzirkus im Dachstock der Reitschule zu Gast waren. Darauf haben wir sie gleich für das Baufest ins Tojo geholt, es folgte ein Konzert im Café Kairo und schon war man gemeinsam auf Tournee: In Romeo und Julia auf dem Dorfe von Gottfried Keller (in der Inszenierung von Meret Matter für das Schauspielhaus Zürich) hat Alain Croubalien den schwarzen Geiger gegeben, Pierre Omer und Denis Geiser waren als Musiker mit von der Partie.

Seither sind einige Tonträger und Theaterprojekte sowie Personalwechsel innerhalb der Band ins Land gezogen. Und noch nie klangen die Dead Brothers so herzzerreissend, erhaben und verführerisch wie auf dem Album “Wunderkammer”.

“Trust in me”, flüstert Alain schon gleich zu Beginn, und es lohnt sich, diesem Angebot zu folgen. Wie eh und je mit dabei ist Pierre Omer, diese Ausnahmebegabung von einem Multiinstrumentalisten. Und die beiden neuen Familienmitglieder Delany Davidson und Christoph Gantert sind nicht nur als Musiker, sondern auch als Sänger eine grausam schöne Bereicherung.

Und zum Schluss noch: Film ab! Oder auch: Anderer Film ab!

Sonne im Herzen, die letzte

Frau Götti am Montag den 12. Juni 2006

Marley Jetzt ist die Sonne also da, und Sie brauchen wohl meine Serie nicht mehr. Ich belästige Sie also nur noch ein einziges Mal mit Jamaika und so. (Rückfälle kann ich aber leider nicht ausschliessen, so sehr ich mich auch bemühen werde.)

Da sagte doch gestern bei Pizza und Bier im “Marzilibrüggli” das Fräulein auf der Bank vis à vis: “Also ich bin für Trinidad&Tobago…wegen Reggae und so.”

Womit bewiesen wäre: WM ist die Zeit, an der jede und jeder ungestraft Blödsinn rauslassen kann, und dies nicht nur über Fussball.

Jenen, die auch gerne mal was anderes in den Ohren haben als Plattitüden von platten Menschen, kann ich diese Klänge warm, sehr warm empfehlen.

Dub Wars Das ist Dub vom Feinsten. Ausserdem wird Frankreich-Südkorea sowieso langweilig, Sie verpassen zuhause also nichts.

Und das neuste Album von Groundation… – mal reinhören? Ja? Na dann, hier.

Sonne im Herzen, vol. 2

Frau Götti am Dienstag den 6. Juni 2006

Darf ich Sie wieder einmal mit etwas Sonne beglücken? Besonders, weil es mit dem Sommer ja noch immer ein bisschen hapert. Dürfen es auch ein paar schöne Bässe und Delays sein?

Lee Perry Dann empfehle ich dringend Herrn Lee “Scratch” Perry, der zusammen mit King Tubby als Erfinder des Dub gilt. Nebenbei hat er auch unzählige Hits geschrieben, unzählige Bands gross gemacht, das Mischpult als Instrument entdeckt und Ganja geraucht, viel, viel Ganja.

So viel, dass er eines Tages drohte, Bob Marley umzubringen. Und so viel, dass er – so munkelt man wenigstens – 1979 sein legenäres “Black Ark Studio” in Kingston anzündete und Jamaika verliess.

Und er landete im schönen Schwyzerländli zu Einsiedeln und heiratete eine Schweizerin. Welch Ehre. Und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute.

Übrigens: Wer zufällig in London vorbei kommt, kann sich davon überzeugen, dass der vitale 70-Jährige noch ganz und gar nicht gestorben ist.

I ♥ Killl, I ♥ Knut

Manuel Gnos am Samstag den 3. Juni 2006

Bad Bonn Kilbi 1«Ihr seid ein fantastisches Publikum!» Mir doch egal, denke ich und mache mich von der Zeltbühne davon. Es ist Kilbi im Bad Bonn, irgendwo zwischen Bern und Freiburg. Es droht Bodenfrost im Juni; und Blackmail – wie zuvor schon JR Ewing – vermögen dem nur wenig Erbauliches entgegen zu halten.

Mehr aus Trägheit denn aus Überzeugung verschieben wir die Heimkehr trotz Blackmail auf später. Glücklicherweise, darf man sagen, denn jetzt kommen noch Killl und Knut – und die tun gut.

Killl kommen aus Norwegen und sie spielen, man kann es nicht anders benennen, Ultra Death Metal: kreischendverzerrte Stimmen unterlegt mit elektronischem Knacken und Klirren, überschallartigen Gitarren und lärmendem Schlagzeug. Es ist Musik, die entsteht, wenn besorgte norwegische Mütter ihren teilnahmslosen Söhnen eines ewigfinsteren Wintertages raten, sich doch ein Hobby zu suchen. Die vier Herren von Killl haben eines gefunden: Sie hämmern dem Jazz den Hardcore ein.

Knut aus Genf sind typenähnlich, jedoch sind ihre Songs klassischer gestrickt und damit näher an den Vorbildern der späten Achtziger und frühen Neunziger (Napalm Death, Pungent Stench) gehalten. Die Präzision, der glasklare Sound und ein Schlagzeuger, der sein Instrument mit dem ganzen Körper zu spielen scheint, machen grosse Freude.

Fazit: Die Kilbi hat eine weiteres Mal gehalten, was sie versprochen hat. Nämlich, das wohl gemütlichste Openair zu sein, an dem man zudem musikalische Leckerbissen entdecken kann. Heute Abend bietet sich noch einmal Gelegenheit dazu.

Alpenrosen auf dem Mittelmeer

Manuel Gnos am Mittwoch den 31. Mai 2006

Zugegeben, wir sind etwas spät dran mit dieser Geschichte. Doch nach dem Durchsehen der Sendung «Kulturplatz» von SF1 zur ersten Rock- & Bluescruise auf dem Mittelmeer, lässt es sich leider nicht verhindern, hier ein paar Bilder aus dem Beitrag dazu zu publizieren.

Polo Hofer auf der Rock- & Bluescruise (Bild: SF1)

Dem Vernehmen nach schwankt es beim «Bund»-Starjournalisten Ane Hebeisen immer noch etwas. Dagegen ist nichts bekannt über den aktuellen Zustand von Initiator und Alpenrosenerfinder Polo Hofer, der laut der «Berner Zeitung» sagte: «Auf der ganzen Reise hatte ich eigentlich nie Durst.»

Aber: Sehen Sie selbst!

Schmunzeln mit Knarf Rellöm

Manuel Gnos am Sonntag den 28. Mai 2006

Knarf Rellöm«Hallo, ich bin Knarf. Ich bin von der Band, die heut’ Abend hier spielt. Dürfen wir schon mal unser Material in den Keller bringen?» Knarf darf. Also schleppen er und seine drei MitstreiterInnen Keyboards, Mikrofone und Gitarren die Treppe runter und machen ein bisschen Soundcheck. Das ist für die Gäste in der Gaststube des Café Kairo etwas unangenehm, weil laut. Doch die Band hält sich kurz, was gut zu der zuvorkommenden Art der vier passt.

Mit einiger Verspätung begannen Knarf Rellöm, DJ Patex und die beiden Herren von Saalschutz dann ihr Konzert. Ihre Musik ist elektronisch, minimalistisch und sehr tanzbar; die Texte sind meist verwirrend, angriffig. Knarf trägt etwas, das entfernt an einen Taucheranzug mit Trompetenärmeln erinnert, und ist dekoriert mit einem Paillettencowboyhut.

Ein Rätsel bleibt, wieso lediglich um die zwanzig Leute dieses Konzert sehen wollten – obwohl «Der Bund» und sogar der «Blick» darauf hingewiesen hatten. Lag es am Unifest? Am schönen Wetter? Oder daran, dass man sich nicht so gerne auf etwas Unbekanntes mit irritierenden Namen einlässt?

Wie dem auch sei: Jene, die trotzdem einen Besuch wagten, haben jedenfalls das Café Kairo mit einem Schmunzeln auf den Lippen verlassen.

Berner Rock- und Bluescruise

Frau Götti am Mittwoch den 24. Mai 2006

Sugerbabies
Sugarbabies auf hoher See. Von links nach rechts: Fehlmann, Lauener, Rufener, Stäuble, Häfliger. (Bild: rrr-press)

Ob wohl das Ganze etwas seekrank klang? Oder verschaukelt?

Das könnten einige unter uns bald herausfinden, denn nach inoffiziellen Angaben soll es eine limitierte CD von der Kreuzfahrt des Berner Musikantenstadels geben…

Bis die ersten Töne an unser Ohr dringen, tauchen wenigstens schon mal die ersten Worte bei uns auf, und zwar vom “Bund”-Exklusiv-Reporter Hebeisen Ane, nachzulesen hier.

Und ein Bild haben wir jetzt auch, denn auch KulturStattBern hat zuweilen den einen oder anderen Exklusiv-Reporter.