Archiv für die Kategorie ‘Rock & Pop’

Bitte Ruhe in der Altstadt

Grazia Pergoletti am Sonntag den 25. Februar 2007

The PussywarmersFreitag Abend mitten in der Altstadt. Ich hatte mich tatsächlich in die Menge gestürzt, genauer ins “Wohnzimmer” vom Les Amis und zwar, um ein Konzert zu besuchen: The Pussywarmers (unbedingt anklicken, supersüsse Website!) aus dem Tessin. Ich glaube, die erste tessiner Band überhaupt, in meinem Leben als Konzertbesucherin.

Soviel ich mitbekommen habe, war die Band so super, wie ihr Name – sagen wir mal – schwierig ist. Mit einem zum Teil recht ausgefallenen Instrumentarium (z.B. ein Velorad) haben sie ein wunderbares und abwechslungsreiches Set hingelegt. Am ehesten vielleicht eine Art Dead Brothers minus Todessehnsucht.

Leider konnte ich das Konzert nicht wirklich geniessen, da man ununterbrochen von bemalten Menschen angegrölt und mit Bier überschüttet wurde. Umso mehr stinkt es mir enorm, kann ich das Vergnügen nicht nachholen!

Die Pussywarmers hätten nächsten Samstag anlässlich der cd-Release-Party von The Rewinders im La Spelonca gespielt. Doch das Konzert musste kurzfristig abgesagt werden – wegen Larmbelästigung. Damit nicht genug: Sämtliche Konzerte von crazyeventik, die ebendort geplant waren, sind von den Betreibern des Lokals ratzfatz gestrichen worden. So schade! Clubbetreiber dieser Stadt zu Hilfe!

Ono? Oh no? Well, okay.

Manuel Gnos am Donnerstag den 15. Februar 2007

El Radio Fantastique im Ono in Bern. (Bild Manuel Gnos)

Mittwoch, 14. Februar 2007, Kramgasse 6, 3011 Bern, Ono, Bühne | Galerie | Bar. Auf der Bühne: Zunächst Dandelion aus Luzern, dann El Radio Fantastique aus San Francisco. Stimmung: verkrampft, irgendwie. Kunst: An den Wänden der Bar hängen wunderschöne Fotos von «Bund»-Fotograf Adrian Moser. Sound: dumpf, zwischendurch gar schwammig.

Auftritt Dandelion: nervös und deshalb unter den Erwartungen. Auftritt El Radio Fantastique: unwirklich, betörend, zwischendurch auch mal langweilig, märchenwelterinnernd. Störfaktor: der mit den Händen auf den Schenkeln und dem Fuss auf dem Boden mitmusizierende Veranstalter auf dem Stuhl neben mir. Fazit: weder Daumen hoch, noch Daumen runter.

Ende der Durchsage.

Ein Haus ist ein Haus, ein Bubi ein Boob

Frau Götti am Donnerstag den 1. Februar 2007

Überhaupt nix boob [engl. für – nebst anderem – Fehler], sondern ziemlich alles richtig gemacht. Lesestoff auf Wikipedia, Hörstoff auf Myspace und mehr von beidem auf einer sehr sexy und sehr informativen Homepage (ausser, dass ich nicht rausgefunden habe, wie ich die Endlosschlaufe ahouseisahouse auch mal unterbrechen kann, aber das muss jetzt nicht Ihr Problem sein).

Man darf sich freuen auf Boobs in Kürze erscheinendes neues Album The Ono Sessions. Jedenfalls wenn man von den vier Songs der EP A House Is a House ausgeht. Die Britishness der Songs gipfelt im Lennon-Cover Cold Turkey – das übrigens nur auf der EP zu finden sein wird.

Und dieser Herr hier, der kann singen.

Eigentlich weiss man das ja schon lange, spätestens aber seit er sich mit den Sugarbabies an Bowies Heroes herangewagt hat. Jüngstes Beispiel ist eine herrliche Rockballade namens Sleep.

Fürs neue Album hat er mit Leuten wie Christoph Kohli oder Peter von Siebenthal die Crème de la Crème der Berner Rockszene zusammengetrommelt; klar, denn er selbst ist ja gewissermassen deren Sahnehäubchen.

Und jetzt das Beste: Sie können sie ersteigern, diese sagenhafte EP. Und zwar haben Sie nicht nur eine, sondern gleich zwei sehr intakte Chancen, sie zu gewinnen.

Dochdochdoch, Sie können es mir glauben, so nette Sponsoren hat KulturStattBern. Alles, was Sie tun müssen, ist, mir diese Frage zu beantworten:

WAS IST EIN HAUS?

Polar vs. Kutti MC

Daniel Gaberell am Sonntag den 28. Januar 2007

[7.5.2006 28.1.2007: von Daniel Gaberell um 0:34 11:02]
Zuerst dachte HOFFTE ich, ojehmineh JUDIHUI, Halters Jürg ist nicht zu halten. Dann aber erlöste mich MUSIZIERTE ZUERST EINE GANZE WEILE NUR Polar! Seine Gitarre und seine wunderschöne Stimme, ein Bass, das Schlagzeug – mehr braucht es nicht (DOCH, MIT BAND WARS LETZTEN MAI DEUTLICH BESSER). TROTZDEM, HIE UND DA WAR ES SOGAR SCHÖN UND ICH WUSSTE, I ich werde es überstehen: . Dann endlich: Kutti MC! und dann Erholung mit Polar, Kutti MC und dann Erholung mit Polar, etc.

Aber plötzlich fand ich auch Gefallen an MC DER ONEMANSHOW VON POLAR. Prächtige Worte SONGS ERFREUTEN MEIN HERZ UND ER reihte und reimte DIESE IN SYMPATHISCHEM DEUTSCH (ZB «ES IST HÖHLE» ANSTATT «ES WAR DIE HÖLLE») er zu Sätzen, daraus entstand eine Geschichte und Gedichte. Klischiert zwar nimmt er sich Zeitgemässes, trotzdem aber bringt er es auf den Punkt. DURCHAUS EIN GELUNGENER ABEND.

Doch, doch, wenn schon Kutti MC, dann bitte schön mit OHNE Polar. Und wenn schon Polar, dann bitte ohne MC.

Vor einer zwölf StundeN gesehen und gehört in der Turnhalle im Progr DAMPFZENTRALE im Rahmen von „Auawirleben“ PLAN_JA.

Polar

(Foto: das NEUE Sony Ericsson stösst bei TROTZ Schummerlicht NICHT MEHR an seine Grenzen)

Schweizerische Zurückhaltung?

Manuel Gnos am Freitag den 26. Januar 2007

Kutti MC. (Bild zvg)Man mag ja von Kutti MC alias Jürg Halter beziehungsweise seiner Dicht-, Rap- und Musizierkunst halten, was man will (wie hier bei KulturStattBern bereits geschehen). Doch was am Dienstag dieser Woche passierte, hat mich einigermassen verstört.

Um meine «Fünf Fragen an» an ihn zu richten, habe ich Jürg Halter im Café des Pyrénées getroffen. Als wir uns anschliessend in Richtung Hauptbahnhof bewegten, zischte ein Passant dem Kutti MC ein schnödes «hey Schwuchtel» zu.

Eigenartigerweise schien es, als sei meine Irritation grösser als jene des Angeschnödeten. Auf meine Frage, ob ihm das öfters passiere, antwortete Halter, dass er das so alle zwei Wochen erlebe.

Ist das jetzt die – gerade von der Semiprominenz in der «Schweizer Illustrieren» – so viel beschworene schweizerische Zurückhaltung?

Nie mehr

christian pauli am Donnerstag den 25. Januar 2007

Wir werden sie in der Schweiz nie mehr zu sehen bekommen: Jochen Distelmeyer, der Sänger der Hamburger Band Blumfeld, hat deren Einstellung beschlossen. Dies verkündet die offizielle Website der Band. Das tut weh, aber nicht mehr so fest.

Blumfeld verschwindetZwar sorgten Blumfeld am 26.Oktober 2001 im ISC für eines der besten Konzerte ever, der Stern der Band begann aber alsbald zu sinken: Die beiden Alben «Jenseits von Jedem» (2003) und jüngst «Verbotene Früchte» (2006) kriegten die Kurve zwischen Indie-Wut und Schlager-Pathos nicht mehr. Die Band, die dem Pop und dem Pseudo-Indie-Pop so konsequent ein Gegenstück entgegensetzen konnte, wurde sehr erfolgreich, aber zunehmend fremd.

Ein bisschen traurig macht es schon: «Tausend Tränen Tief» oder «Die Diktatur der Angepassten» – vor Blumfeld hätte ich es nicht für möglich gehalten, solche Sätze mitzusingen. Nun wird definitiv auch nichts aus dem Konzert, das ich einst so gerne veranstaltet hätte. Am 20. April 2007 im ollen Kulturladen Konstanz: Dies dürfte der nächstliegende, letzte Termin mit dem sensiblen Jochen und seinen Mannen sein.

Quartier-Kultur IV

Daniel Gaberell am Freitag den 22. Dezember 2006

Schauplatz auch heute: die Länggasse, Berns nördlichstes Quartier.

Dann, wenn die Scheiben im Café Parterre zu nächtlichen Stunden beschlagen, wenn bei jedem Türöffnen laute Musikfetzen Richtung Falkenplatz dröhnen, dann, wenn eigentlich Schnee liegen sollte und der Heiligabend unmittelbar bevorsteht, dann spielen – wie jedes Jahr – die «Beatles jun.» auf. Die Band rund um Signorino TJ hat bekanntlich einiges drauf.

KulturStattBern traf den Beatle Signorino TJ zum persönlichen Interview:

Verstehe ich das richtig: die wirklichen Stars spielen auch auf kleinen Bühnen für kleine Leute – so wie Ihr im engen Café Parterre vor 40 Leuten?

Als wir damals auf dem Dach der Abbey Road Studios das letzte mal öffentlich spielten, da haben wir gemerkt, dass wir eigentlich im Kleinkunstbereich zu Hause sind. Wir haben darum, nach langjähriger Schaffenspause beschlossen, wieder auf Tournee zu gehen und nur an Wochenenden in Fussballstadien zu spielen. Die kleinen Bars, welche wir unter der Woche bespielen, hat unser Manager Brian Epstein anhand von akribischen Kaffee-Rests ausgewählt. Bern lag auf Platz zwei – unmittelbar hinter Roma.

Diese vier Konzerte im Parterre suchte man vergeblich auf eurem Tourneeplan. Wo habt ihr letzte Woche gespielt und welche Städte/Länder/Kontinente folgen in den nächsten Tagen?

Letzten Samstag spielten wir ein privats Konzert in London zu Ehren der Queen, nächstes Wochenende spielen wir zuerst in Shanghai und anschliessend in einem gelben Zeppelin über dem Kremmel eine Freiluftversion von “back to the U.S.S.R” für das geheime Lustkabinet des russischen Premiers.

Vielleicht noch kurz ein Wort zu euren Gagen im Parterre?

Wir lassen uns seid der offiziellen Trennung der Band nur noch in Naturalien ausbezahlen, da wir uns auch nur noch unter Einnahme starker Medikamente und dauerndem Alkoholkonsum wirklich vertragen können auf diesen engen Bühnen. Zugegebenermassen geriet die Logistik dieser kleinen Berner Bar leicht ins Rudern, als es darum ging den Überseekontainer mit Schnaps im Backstagebereich zu lagern.

Streichen Sie sich in Ihrer neuen Agenda die Vorweihnachtswoche bereits jetzt an – es lohnt sich.

beatles

Yeah: Gölä is back

Daniel Gaberell am Sonntag den 17. Dezember 2006

gola Wir haben ihn wieder gesehen, gern gesehen, unseren Marco Pfeuti, wie er ja mit richtigem Namen heisst. Ohne Haare und ohne Oberbekleidung, rockt er wieder derart über die Bühne, dass seine zahlreichen Tattoos im Schweiss glänzen als habe er sich seinen Oberkörper mit Vaseline vollgeschmiert.

Und jetzt das: Art on Ice in Zürich, Lausanne, Sheffield und St. Moritz mit Stéphane Labiel, Robin Gibb of the Bee Gees and Gölä.

Hallo Bern, schläfst du? Marco ist ein Oppliger, also ein Hiesiger. Wir haben eine Bernarena, ein neues Wankdorf und Oppligen hätte sonst sicher während den kalten Monaten eine Natureisbahn. Auch denkbar: die innovativen Bierhübeliveranstalter verlegen anstelle von WM-Kunstrasen eine richtige Eisfläche.

Bitte kommentieren und helfen Sie! Liefern Sie Argumente damit wir Art on Ice mit Robin und Marco nach Bern holen können.

Vielen Dank.

While my Guitar gently weeps

Frau Götti am Mittwoch den 29. November 2006

Georges guitar Heute vor fünf Jahren geschah das Vorhersehbare und doch Unvorstellbare: George Harrison erlag nach langer Krankheit seinem Krebsleiden. Trotz Bad im heiligen indischen Fluss Ganges, my sweet Lord und Krishna.

Hare Krishna Dies ist eine Homage an den “stillen Beatle”, der einige der schönsten Lieder der Band und überhaupt geschrieben hat.

Doch nun treibt mich eine Frage um: Hatte George mit seinem unerschütterlichen Glauben an die Wiedergeburt recht? Lebt er womöglich heute mitten unter uns, und wir sind zu blöd, ihn zu erkennen? Und wenn ja, als wer oder was wurde er nur wiedergeboren?

Haben womöglich Sie ihn gesehen? Helfen Sie mir!

Zwanzigjährig und immernoch monströs

Grazia Pergoletti am Sonntag den 19. November 2006

keine live-aufnahme

Gestern war es also soweit: The Monsters aus Bern feierten ihr zwanzigjähriges Jubiläum, und zwar in der Reithalle, wo denn sonst.

Nachdem ich mich von einem noch immer strunzfrechen Szene-Veteranen durch die unglaublich lange Warteschlange am Eingang habe durchschleusen lassen – übrigens ohne das geringste schlechte Gewissen – galt es erst einmal, mit vielen fremden Menschen zusammengepfercht in einem stockdunklen Raum, auszuharren. Zum Glück war ich in Begleitung einiger adrett aufgemachter Aargauer, die mit berechtigter Enttäuschung festhielten, dass das Publikum sich weit weniger bemüht hatte, gut auszusehen, als man das an diesem Abend hätte erwarten dürfen.

Nach zwei Vorgruppen, von denen ich die erste für extrem entbehrlich hielt und von der zweiten leider nicht viel mitbekam, weil ich blöd stand, ging es dann mit den Monsters auf eine Trash-Reise durch die letzten zwanzig Jahre. Beginnend in der Ur-Besetzung, kamen nach und nach alle ehemaligen Monstren auf die Bühne, die je in dieser Familie mitgetan hatten. So zum Beispiel Pepi am Schlagzeug, der immernoch den besten Haarschnitt der Stadt hat, Tiger, elegant wie eh und je, am Kontrabass und Robert-the Schlitzohr-Butler an der Gitarre. Dazu allerlei Anekdoten von Beatman himself. Alles in allem eine äusserst vergnügliche Show!

Danach wurde getanzt, die Musik war alt und fröhlich, das Publikum auf dem Parkett war auch bester Laune, nur draussen gab es leider Stunk mit irgendwelchen Schwachköpfen auf Drogen. Muss denn das sein, dachte ich mir und vergass es gleich wieder, da ich genug damit zu tun hatte, den nonchalant ausgeführten Cha-Cha-Cha-Schritten von Herrn Tiger Folge zu leisten. Am Schluss hatte ich Blasen an den Füssen und ein Dauergrinsen im Gesicht. Schön war’s, Danke!