Archiv für die Kategorie ‘Rock & Pop’

Ewige Jugend

michael am Samstag den 16. Juni 2007

Seit 1981 als Sonic Youth auf den Bühnen der Welt und auch am Greenfield-Festival noch kein bisschen müde: Weitaus entfesselter als Marilyn Manson & Co. gebärdeten sich Thurston Moore, Kim Gordon, Lee Ranaldo, Steve Shelley und Jim O’Rourke bei ihrem Mitternachtsauftritt im Festivalzelt.

Bassistin Kim Gordon übte sich im Ausdruckstanz und zeigte beeindruckende Pirouettenabfolgen. Die Gitarristen Thurston Moore und Lee Ranaldo liessen sich bereits bei Konzertmitte zu einer Rückkopplungs- und Instrumentetraktier-Einlage hinreissen – Praktiken, die sich kommune Rockbands fürs Schlussfurioso aufsparen.

Bemerkenswert auch das Gitarrenarsenal, welches die Band im Reisegepäck mitbringt: Während Bühnenstars gewöhnlich die Pause zwischen zwei Songs nutzen, um sich in neue Gewänder zu hüllen, wechseln Sonic Youth ihre Instrumente – Vollbeschäftigung für die Roadies.

Kim Gordon und Thurston Moore in Aktion. (Michael Fankhauser)

Schockrocker light

michael am Samstag den 16. Juni 2007

Seit 1989 verschreckt Marilyn Manson die Musikwelt mit seinem kontroversen Gesamtkonzept: Die Bühnenschau als multimediale Satansmesse garantiert fette Medien-Schlagzeilen und lockt viel neugieriges Publikum an – so auch am Greenfield-Festival.

Doch: Der androgyne Finsterling präsentierte sich für einmal überraschend handzahm. Er und seine Begleitband gaben gefälliges Liedgut und mehrheitsfähige Coversongs zum Besten, unter anderem «Sweet Dreams» von Eurythmics.

Der Teufel steckte höchstens im Detail – etwa im um ein Fleischermesser angereicherten Mikrofon (Bild) oder im bunten Pillenregen, der gegen Ende des Auftritts über die Bühnenleinwand flimmerte.

Eher grotesk als schockierend: Marilyn Manson. (Peter Schneider/Keystone)

Der Donner nach dem Regen

michael am Freitag den 15. Juni 2007

Anreise nach Interlaken im Extrazug – zwischen Zeltstangen und Bierbüchsen. Der erste Eindruck wird sich später tausendfach bestätigen: Das Publikum des Greenfield-Festivals ist jung, trinkfest und nicht übertrieben farbenfröhlich.

Die deutsche Gitarrenband Tomte um Sänger Thees Uhlmann gefällt mit subtilen Popsongs. Sie ist im Freitagsprogramm des Festivals aber die musikalische Ausnahme. Es dominieren zwischen Schynige Platte und Harder die harten Töne, aufbereitet und serviert von flächendeckend tätowierten Alptraum-Schwiegersöhnen: Slayer, The 69 Eyes und Marilyn Manson.

Durchhalten lohnt sich heute Abend unbedingt – zumal in den letzten Stunden auch der Regen der Sonne Platz gemacht hat. Die unverwüstliche New Yorker Alternative-Rock-Combo Sonic Youth wird um Mitternacht die Bühne betreten.

Viel Publikum: Rund 25'000 Dreitagespässe wurden dieses Jahr verkauft. (Peter Schneider/Keystone)

Freunde von Freunden des Hauses

Manuel Gnos am Sonntag den 3. Juni 2007

Manmchal hat man als Konzertveranstalter das Vergnügen, aufgrund glücklicher Umstände zu einem rundum gelungenen Wochenende zu kommen. Angefangen hat die ganze Sache am 3. Januar dieses Jahres mit der Anfrage von Urban Junior alias Stefan Frühmorgen:

«Hoi Manu, im April kommt mein zweites Album raus und ich würde das erste Konzert in Bern mit meiner neuen Scheibe gerne bei Euch im Café Kairo spielen?! Und Sir Beat-Man würde dann auch gleich ein bisschen Tanzmusik auflegen (er hat mir auch deinen Kontakt gegeben). Was meinst? Hochachtungsvoll, Urban Junior»

Freunde von Freunden des Hauses soll man in Würden halten und so stand die Sache nach wenigen Tagen. Wochen später dann, gegen Ende März, meldete sich mit Delaney Davidson ein weiterer Freund des Hauses. Davidson, ein in der Schweiz lebender Neuseeländer und ehemaliger Dead-Brothers-Schlagzeuger, kam gerade zurück von einer Reise in sein Heimatland, wo er The Mysterious Tape Man kennengelernt hatte. Davidson fragte an, ob sie nicht bei Gelegenheit im «Kairo» einen Abend bestreiten könnten.

Der Rest ist schnell erzählt: Beat-Man überzeugen, dass er vor dem Auflegen noch konzertiert (wozu er sich postwendend bereit erklärte, aber nur wenn Urban Junior nichts dagegen habe); Delaney Davidson den Auftrag für ein Plakat geben; die beiden Abende abwarten; geniessen. Den vielen fröhlichen Gesichtern im Publikum nach zu urteilen, bin ich nicht der Einzige, der Gefallen fand am Konzept Einmann-Band…

Plakat One-Man-Band-Wochenende im Café Kairo. (Bild Manuel Gnos)

Isches das gsii?

Grazia Pergoletti am Dienstag den 29. Mai 2007

Nachdem ich den ersten Videoclip (Dini Stadt) zur neuen Kutti-MC-Scheibe Dark Angel bei aller Liebe eher schwierig fand, bin ich vom neuesten Werk vollauf begeistert!!

Das Video zu St. Helvetia wurde unter der Regie der renommierten Filmerin Anna Luif gedreht. Es vermittelt in einfachen Bildern eine klaustrophobische Atmosphäre und eine grosse Sehnsucht. Und es ist einfach herzzerreissend. Abgesehen davon, dass Kuttis Rollschuh-Künste recht beachtlich sind.

Das kleine Bijou von einem Videoclip können Sie hier anschauen. Viel Vergnügen!

Im Süden der Seele

Grazia Pergoletti am Sonntag den 20. Mai 2007

Michael und Luca

Offenbar befinden sich sämtliche meiner Arbeitskollegen und auch die Kollegin im Süden, der als solcher, laut Herrn Gnos, ohnehin überschätzt wird.

Ich bin da geblieben und ins La Capella gesaust, um mir Michael von der Heide mit seiner aktuellen Band anzusehen und -hören. Umwerfend wars! Und zwar nicht nur, weil Herr von der Heide und sein reizender Kontrabass-Spieler Luca Leombruni wie ich zur Familie der Extremseitenscheitler gehören.

Die Texte sind Klasse und klasse gesungen und die Band groovt total. Und Michael macht sich zwar einige Sorgen, aber keine Sorgen darum, “…dass Britney Spears eine schlechte Mutter sein könnte. Denn schliesslich ist diese mit Madonna befreundet und die wird Britney im schlimmsten Fall ihre Kinder abkaufen”. Richtig super war dieser Abend und im Süden meiner Seele, wie meine Mutter so schön zu sagen pflegte.

So, und jetzt geh ich und bereite mich vor auf die allerletzte Première auf der Kornhausbühne. Some Girl(s) von Neal La Bute, Regie führte Anina La Roche (“Am Hang”).

Kurze Störung

Manuel Gnos am Donnerstag den 17. Mai 2007

Wir stören Ihre Feiertagsruhe nur ungern. Doch vor ein paar Tagen hat uns die Gurten-Crew mit einer brandheissen Medienmitteilung erfreut. Und so etwas wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten:

CLAWFINGER – EXKLUSIV AUF DEM GURTEN!
Eines ist jetzt schon klar: Der Berg wird bereits am ersten Tag des diesjährigen Gurtenfestivals beben! Neben den Donnerstag-Highlights Basement Jaxx und Avril Lavigne freuen wir uns über die aktuellste und exklusive Gurten-Bestätigung von CLAWFINGER! Die schwedischen Crossover Meister veröffentlichen ende Juli auf Nuclear Blast das Album “Life will kill you!” Die neuen Songs werden in der Schweiz exklusiv am Gurtenfestival vorgestellt und was wir bis jetzt hören durften, verspricht Schweiss, Energie, hammerharte Gitarrenriffs, klirrende Elektronik. schlicht: Pures Adrenalin! Donnerstag, 19. Juli 2007, Zeltbühne.

Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit.

Fragen Sie Dr. Dustbowl!

Grazia Pergoletti am Dienstag den 15. Mai 2007

Dottore Dustbowl

Am 25. Mai erscheint das erste ausgewachsene Album des Elektronikduos Filewile, aka Dejot und Dustbowl aus Bern. Viele illustre Gäste haben mitgetan, u.a. auch der Genrefremdling Zeno Tornado. Ich habe Nassau Massage schon hören dürfen und finde es einfach super!! Differenziertere Aussagen überlasse ich den Profis vom Musikjournalismus.

Überhaupt bin ich recht faul zur Zeit und überlasse generell die Arbeit lieber anderen. Deshalb habe ich Dustbowl aka Andreas Ryser gebeten, heute online zu bleiben und in den Kommentaren jedwelche Fragen zu Filewile, zum neuen Album, zum Wetter, zur Kulturpolitik oder zu Zuschauerzahlen gleich selber zu beantworten. Also: Fragen Sie, werte LeserInnen!

Eine Frage, die uns Fundis von der Kultur beschäftigt: Bei den Dankeschöns auf Nassau Massage wird ein gewisser WeltfussballeRRR, Bern verdankt. Wer mag das sein? Ist dies ein Indiz dafür, dass der Millionen-Deal, der bei den Rundis drüben durch den Blog geisterte, tatsächlich zustande kam?

Wie dem auch sei, die CD-Releaseparty geht am 2. Juni über die Dachstockbühne.

Eine Band ist eine Band ist eine Band

christian pauli am Samstag den 12. Mai 2007

Aus kulturpolitischen Gründen wird die Band, um die es hier geht, nicht namentlich genannt: Eine Band ist eine Band ist eine Band. Unser allerliebstes Schwesternblog hat kürzlich ein Foto zu dieser Problematik publiziert:

B**b: Sänger B**b* ist der zweite von links

Es geht also um Rock’n’Roll. Es geht darum – und dies faszinierenderweise seit einem halben Jahrhundert – mit wenigen Worten und noch weniger Griffen auf der Bühne maximal viel zu sagen. Soviel scheint mir, oh Ohrsausen, klar.

Die Band also war gut. Wahrscheinlich ist es müssig zu erklären, warum. Vielleicht ist es sogar eher so, dass eine Erklärung dafür nicht sein soll. Es ist auch egal, ob die Herren, die auf der Bühne standen, den Rock’n’Roll als ihren ureigenen Geburtsakt oder als das xte Revival der ewig gleichen Chausse durchdeklinierten.

Und nun, liebe Leserinnen und Leser im Zeitalter der virtuellen Interaktion, hier das obligate Quiz: Warum ist Bubi B**b? Für die beste Antwort (bis heute um 22 Uhr) winkt eine Freikarte für die Aufführung des Schwanensees in einem, na ja, Rockclub an der Aare.

Charmant und ausgelassen

Manuel Gnos am Montag den 30. April 2007

In der zweiten Hälfte der 80er-Jahre waren Rocker böse, hässlich und unsympathisch. Manche beschimpften das Publikum, andere kamen erst auf die Bühne, nachdem sie sich mit Schweineblut eingerieben hatten. Im Publikum standen zu 99,9 Prozent Männer, die meisten davon in Leder und Nieten gekleidet. Eine andere Farbe als Schwarz war nicht geduldet.

Favez im ISC Club in Bern. (Bild Manuel Gnos)

Erfreut stelle ich fest, dass sich das in den letzten Jahren komplett geändert hat – zu beobachten beispielsweise gestern Abend am Konzert der Lausanner Band Favez im Berner ISC.

Es war eine sehr, wirklich sehr gute Show, die Favez geboten haben. Das Publikum gab sich ausgelassen, Sänger und Gitarrist Chris Wicky führte charmant durch den Abend, die Gitarren waren laut und der Bass klang dreckig. Einzig der Schlagzeuger driftete zwischendurch in etwas wenig einfallsreiche Rhythmen ab und verleihte der Musik einen Popanteil, der manchmal störend wirkte.

Nun verzieht sich die Band ins Studio und will im September ein neues Album herausbringen. Was gestern Abend davon zu hören war, klang vielversprechend – auch im Vergleich zu den Songs vom Album «Gentlemen, Start Your Engines», das Favez gestern vollständig gespielt haben.