Archiv für die Kategorie ‘Rock & Pop’

L.I.E.G.en Sie bequem?

Manuel Gnos am Mittwoch den 11. Juli 2007

Zum Feierabend noch ein kurzer Ausblick auf morgen Donnerstag: Zwei Herren von der Low Income Entertainment Group werden Ihnen ab zirka 9 Uhr Red und Antwort stehen. Sozusagen der «KulturStattBern»-Talk Nummer zwei (Nummer eins war mit den Herren von Filewile).

Sie kennen die Low Income Entertainment Group noch nicht? Dann hören Sie sich das hier an:

L.I.E.G. – King of Shopping

7 Dollar für ein Taxi

Manuel Gnos am Sonntag den 8. Juli 2007

7 Dollar Taxi am Anyone-Can-Play-Guitar-Festival 2007 in Bern. (Bild Manuel Gnos)Irgendwann am Samstag nach 19 Uhr auf der Kleinen Schanze in Bern, die Sonne scheint, Stirn, Nase und Nacken werden langsam rot. Es ist Anyone Can Play Guitar, zum vierzehnten Mal.

Das Zürcher Quintett The Bahareebas steht auf der Bühne. Ihr Surf-Polka-Wüstenrock hatte zu Beginn mehr versprochen, als er am Schluss zu halten im Stande war – so dass jetzt der Hunger siegt und der Gang zum Bratwurststand folgt. Zurück am Platz sagt die Begleitung: «Die Band war gar nicht mal so schlecht. Aber man hatte das ganze Konzert über das Gefühl, das ist noch immer das Intro. Es ist nie richtig losgegangen.» Recht hatte sie.

Um 14.15 Uhr hatte die Berner Band Must Have Been Tokyo das Festival eröffnet. Und bis vor der letzten Band wiederholte sich, was im Jahr zuvor schon passiert war: Die erste Band war die beste – und das mit beträchtlichem Vorsprung.

Doch dann kamen 7 Dollar Taxi aus Luzern: Franz Ferdinand liessen grüssen, die 60er-Jahre waren auferstanden! Endlich stand da eine Band auf der Bühne, die lebte, sich bewegte und mit dem Publikum Kontakt aufnahm, ohne es mit mühseligen Animationen versuchen zu müssen. They really can play the guitar, und Songs schreiben können sie auch. Diese Band ist eine Wucht, sag ich Ihnen. Hammermässig!

Danke Anyone, komm bald wieder…

Sonne im Herzen, vol. 5

Frau Götti am Donnerstag den 5. Juli 2007

Das schreit einfach nach einem Beitrag in der Serie Sonne im Herzen. (Ausserdem haben sich ja inzwischen alle, alle unter uns von mir von der Wichtigkeit des Reggaes überzeugen lassen, und noch mehr ausserdem ist das Wetter wieder mal so, dass man andersweitig Sonne holen muss.)

Auf Wikipedia ist Folgendes über Mr. Rollingstone Keith Richards zu lesen:

«Ende der 1990er Jahre spielte Keith Richards bei der jamaikanischen Reggae-Band Wingless Angels mit. (…) Auf diversen Alben unterstützt Keith Richards (zumeist als Gitarrist, manchmal auch als Sänger) befreundete Kollegen. Eine Auswahl: (…) Peter Tosh (Bush Doctor, 1978)»

Fantastisch. Keith is an African. Ich muss mir gleich eine CD dieser flügellosen Engel kaufen, und das rate ich Ihnen auch.

Ein weiterer Beweis liefer das Bild: Was für ein schöner Schal.

«Er isch wichtig Mann, wie Gott»

Manuel Gnos am Donnerstag den 5. Juli 2007

OFFIZIELLE STELLUNGNAHME: Das Kulturblog Ihres Vertrauens wurde heute Donnerstag um exakt 10:28:39 Uhr von Herrn Anyone geentert. Dabei handelt es sich um einen kruden Akt der Piraterie, den wir trotz allem tolerieren werden. Viel Spass also mit den Herren Thommy F. und Anyone!

Sehen Sie sich das neuste Berner Hip-Hop-Video an. Vergessen Sie Kutti MC, Wurzel 5 oder 6er Gascho – Thommy F. stellt sie alle in den Schatten!


Den Hinweis auf dieses Video verdanken wir der Berner Gazette.

Der japanische Popmaniac

gast am Samstag den 30. Juni 2007

Bereits beim Eintritt in die Fri-Son-Halle künden ein glasklares Sounddesign und projizierte Farbflächen den Soundfetischisten und Multimedimediakünstler Keigo Oyamada alias Cornelius an.

Sein Name steht seit dem 1998 erschienenen Bastelmeisterwerk «Fantasma» synonym für ausuferndes Popspektakel. Die darauffolgenden Werke zeigen den japanischen Kontrollfreak vermehrt als Heimlifeiss, der die zunächst aalglatt anmutenden Funkflächen mit stets verwirrenden und punktgenau eingesetzten Einfällen unterläuft.

Der japanische Popmaniac Cornelius bei seinem Auftritt im Fri-Son. (Bild Sarah Stähli)

So auch im Konzert: Aus zuweilen arg gemütlichen und einlullenden Passagen stürzte das nicht sehr vielköpfige Publikum in freiem Fall in Slayer-artige Welten – natürlich alles mit mathematischer und bösartiger Präzision – ehe die Szenerie wiederum einer japanischen Karaoke-Show ähnelte.

Oyamada und seine als kommune Rockband getarnte dreiköpfige Begleitung schafften die Quadratur des Kreises: Die exakt durchkomponierte Sensuous-Synchronized-Show wirkte – auch dank den atemberaubenden Videoclips – überaus sinnlich. Sehr schöne, exotische Popoden und der wunderbar schiefe Frank-Sinatra Abschluss «Sleep Warm» wärmten ungemein.

Und wenn Cornelius mit spezifisch japanischem Akzent Star Surf, Surf Rider lispelt, ist dies schlicht beglückend.

Ihr Benedikt Sartorius

K-OS herrscht!

Grazia Pergoletti am Donnerstag den 28. Juni 2007

guter Kanadier K-OSDass Kanadier die besseren Menschen sind, hat uns ja schon Michael Moore erzählt. Wo er Recht hat, hat er Recht, auch wenn man diesem Mann nicht alles glauben sollte. Ich persönlich war von der Richtigkeit dieser Annahme schon nahezu überzeugt, als ich mich Anfang des Jahres vom kanadischen Tänzer Stephen Laks zum ersten Mal durch die Lüfte wirbeln liess.

Den letzten Zweifel ausgeräumt hat dann das neue Album «Atlantis» des HipHop-Künstlers K-OS, das vor zirka 3 Monaten erschienen ist. K-OS steht auch für «Knowledge of Self» und dass sich der 35-jährige Prachtskerl, der eigentlich Kheaven Brereton heisst, viele tiefgründige Gedanken macht, hört man seinen Texten an. Ich verstehe sie nicht ganz, gebe ich zu.

Aber die Musik! Oft wird er mit The Roots, Outkast oder Lauren Hill verglichen. Aber irgendwie ist er doch sehr anders; popiger, song-iger, manchmal kitschiger, manchmal eigenwilliger. Meine Anspieltipps auf «Atlantis» sind Fly Paper, Equalizer, Valhalla und Funky Country. Einzig Sunday Morning, dem man von weitem anhört, dass es auf Radiohit getrimmt ist, kann man getrost überspringen.

Und hier noch weitere Beispiele für die Qualität der Kanadier und Kanadierinnen: Theatergott Robert Lepage und Frau Göttis Götter Arcade Fire. Um Ergänzung wird gebeten!

Freuen wir uns auf den Herbst

Daniel Gaberell am Montag den 18. Juni 2007

MiNaJael und Luk, sozusagen das Herz der erfolgsverwöhnten Berner Band Lunik, veröffentlichen am 21. September 2007, als Duo unter dem Namen MiNa, ein neues Album mit wunderschönen Songs zum Träumen und für lange Auto- und Zugsfahrten. Eine Konzerttournee ist ebenfalls geplant.

Es stimmt schon, die Vorfreude gehört zu den schönsten Freuden. Aber hören Sie doch selbst:

Müsterchen von MiNa
[Mehr Infos: sophie.ch]

Zweiter Frühling

michael am Montag den 18. Juni 2007

«Ich will meine Band zurück, meine Songs und meinen Traum», verkündete der Kopf der Smashing Pumpkins, Billy Corgan, 2005 in einer mit viel Pathos getränkten, ganzseitigen Anzeige in der «Chicago Tribune» und liess konkrete Taten folgen: Die Smashing Pumpkins sind wieder da – und wie!

Ihr fabulöser Auftritt am Sonntagabend, übrigens einer der ersten Gigs seit der Wiedervereinigung, mutierte zum frenetisch bejubelten Höhe- und Schlusspunkt des Greenfield-Festivals. Putzmunter und quickfidel pickte die Band die Rosinen aus ihrer beachtlichen Songsammlung. «Today», «Cherub Rock», «Disarm» oder «Tonight, Tonight» sind und bleiben Ohrwürmer.

Im Juli erscheint das mit Spannung erwartete Reunion-Album der Smashing Pumpkins – zumindest das auch in Interlaken gespielte Stück «Tarantula» ist ein Versprechen.

In strahlendem Weiss: Billy Corgan. (Michael Fankhauser)

Die Wüste lebt

michael am Sonntag den 17. Juni 2007

Im Westen nichts Neues? Von wegen. Die Hauptbühne des Greenfield-Festivals bot am Samstagabend gleich zwei Rockgruppen aus Amerikas Wildem Westen eine Plattform: Den Kaliforniern Queens Of The Stone Age und The Killers aus Las Vegas, Nevada. Beide nutzten sie ihr Zeitfenster zur Festival-Prime-Time und machten beste Werbung in eigener Sache.

Der Auftritt von Queens of The Stone Age geriet zur musikalischen Demonstration. Mastermind Josh Homme und seine Kumpanen verzichteten auf überflüssigen Schau-Schnick-Schnack und liessen ihr Liedgut sprechen. Fazit: Sauberes Handwerk mit Tiefgang.

Las Vegas war ein weisser Fleck in der Rocklandschaft, bis The Killers auf den Plan traten. Diese präsentierten sich am Festival als würdige Botschafter der Glitzerstadt: Das Bandprojekt um den Sänger Brandon Flowers steht synonym für opulent arrangierte Pophymnen mit vorzüglichem Unterhaltungswert.

Schwerarbeiter an der Gitarre: Josh Homme. (Peter Schneider/Keystone)

Sweet Evan Dando

michael am Sonntag den 17. Juni 2007

Die Lemonheads setzten am Greenfield-Festival einen Kontrapunkt zu Gute-Laune-Bands wie Flogging Molly und The Hives, die zum fröhlichen Mithüpfen animierten und ihre Auftritte in eine wahre Massengymnastik-Veranstaltung verwandelten.

Völlig unaufgeregt, aber nicht minder eindrücklich gaben Evan Dando und seine zwei Mitstreiter ein höchst ansprechendes Konzert in intimer Club-Atmosphäre: Das Festivalzelt war nur spärlich gefüllt. Ganz offensichtlich sind die Lemonheads, die ihre grössten Erfolge Anfang der 1990er-Jahre feierten, einem Grossteil des jungen Publikums kein Begriff.

Evan Dando war bester Dinge, schwärmte von der Oberländer Bergkulisse und spielte sich durch sein ganzes Repertoire: Neuen Songs wie «Baby’s Home» liess er Klassiker wie «My Drug Buddy», «It’s A Shame about Ray», «Alison’s Starting To Happen» und «The Great Big No» folgen.

Lemonheads-Kopf Evan Dando. (Michael Fankhauser)