Archiv für die Kategorie ‘Nachtleben & Freizeit’

Im Ghetto III

Milena Krstic am Sonntag den 22. November 2015

Den letzten Abend des St. Ghetto Festivals in der Dampfzentrale hat unter anderem die sinistre Seite von Coco Rosie bespielt: Bianca Casady und ihre gloriose Band The C.I.A.

Bianca Casady and the C.I.A.

Foto: FB-Seite der Band.

Diese aufgesetzte Raspel-Stimme, diese Kindchen-Attitüde, diese Fassade aus skurriler Schminke und wilden Klamotten: Es gäbe da schon ein paar Punkte, weshalb man sich über Bianca Casady mokieren könnte. Aber all das sind eben auch Gründe, die Kunst dieser Frau zu verehren.

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Wechselwarmer Sonntag

Saskia Winkelmann am Montag den 9. November 2015

Besser als Tatort: Motorama (RU) und Boogarins (BR) lieferten, wenn auch beide auf ihre Art, in sich geschlossene Shows am Sonntag im Rössli der Reitschule.

Eine durchaus längere Diskussion wert ist, ob Vorbands einem Abend eine Schattierung oder eher die Komplementärfarbe hinzufügen sollen. Gestern wurde im Rössli nicht unbedingt auf ein stringentes Booking gesetzt. Gitarrenmusik ist eben nicht gleich Gitarrenmusik; die beiden Bands kommen nicht nur geographisch, sondern auch in ihrer Ästhetik aus völlig entgegengesetzten Richtungen.

Motorama

Die fotografische Konzertdokumentation ist der Bloggerins Leid. Doch immerhin: Auf diesem Bild erkennt der aufmerksame Betrachter die Akteure des Abends. Vorne im Foto die Boogarins (mit guter Laune), auf der Bühne Motorama (ohne Laune). Der Abend war eher körnig schwarzweiss, wir tranken Rotwein. Synästhetisch wird hier zumindest die zweite Hälfte des Abends wiedergegeben. Die Bildqualität sei hiermit entschuldigt.

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Zweckmässiges Entfremden

Roland Fischer am Freitag den 30. Oktober 2015

Morgen also wieder Demo. Gegen die Ballenbernisierung der Stadt. Und erst noch gereimt.

Eine Stadt, in der Kinder nicht mehr spielen / Fans nicht mehr jubeln / Nachtgänger nicht mehr lachen / ihr nicht mehr atmen dürft, ist uns ein Graus. Deshalb treiben wir die bösen Geister zur Stadt hinaus.

Ja, diese Stadt hat ein Problem, wenn ein Leist-Präsident unwidersprochen so einen Quark erzählen und damit erst noch bei den Behörden punkten kann:

Als Nachtleben-Verhinderer sieht sich Hell wegen der Einsprachen nicht: «Wir sind nicht grundsätzlich gegen Clubs, die Bedürfnisse der Quartierbewohner dürfen aber nicht zu kurz kommen.»

Paraphrasiert: «Wir sind nicht grundsätzlich gegen ein städtisches Leben, aber wichtiger sind die Bedürfnisse derer, die eigentlich lieber auf dem Land leben würden, aber doch die Nähe zu Loeb, Bahnhof und Marzilibad schätzen.»

Gestern abend konnte man sich einen kleinen Überblick verschaffen, wohin das führt, wenn man die Stadt als Bedürfnisanstalt des kleinen Mannes sieht. Kultur und Nachtleben finden dann immer noch statt, bloss an ungewohnten Orten und immer nur vorübergehend, bis zur nächsten Einsprachefrist, sozusagen. Nachtleben als Katz- und Mausspiel. Ganz passend pflegt das Naturhistorische Museum das schon seit längerem sehr erfolgreich, mit der Bar der toten Tiere zum Beispiel. Gestern hatte das Museum eine Bühne unter dem Finnwal aufgebaut für ein kunterbuntes Spoken Word-Potpourri, mit Fitzgerald & Rimini, Gülsha und Hazel Brugger. Gleiches Genre zwar, aber sehr verschiedene Varianten von Textvortrag waren das, vielleicht ein wenig zu verschiedene – die einzelnen Beiträge fanden nicht so recht zu einem Ganzen zusammen.

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Danach ging’s noch weiter zum Cosmic Tiger im Monbijou, wo sich für ein paar Wochen ein Plattenladen eingenistet hat und DJ’s die Ware jeweils auch gleich zum Klingen bringen (und dabei gern auch lustige Hüte aufsetzen). Und zum Schluss landete man dann noch im Kino Rex, wo Dr. Mo im Saal die Basslautsprecher testete dass draussen die Türen vibrierten. In der Bar kommt man auch in Zukunft gern öfter vorbei, zum Beispiel wenn ein Ex-KSB-Mitglied seine Lieblingsplatten spielt.

Also: Die Kultur findet ihre Nischen. Eine Lösung für die Nachtlebenmisere können solche Initiativen allerdings nicht sein, da braucht es zumindest ein bisschen politischen Willen. Vielleicht kann dem ja morgen ein wenig nachgeholfen werden – lasst es chesslen!

Die gezeichnete Stadt zum Klicken

Christian Zellweger am Freitag den 23. Oktober 2015

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Es sind ja patente Typen, Nikolaj Vejlstrup, Rodja Galli und Basil Anliker vom Grafik-Atelier a259.ch und in Bern kennen sie sich natürlich aus.

Das persönliche Bern – von Kultur bis Kulinarik – der drei Gestalter ist nun auf einer interaktiven, handgezeichneten Karte festgehalten. Diese stammt Lea Schneider, welche das Werk während ihrem Praktikum bei a259 für ihre Ausbildung an der Grafikfachklasse in Biel gezeichnet hat.

Wo Anliker einst Burger gewendet hat, warum Galli früher Müllmann werden wollte und wo Vejlstrup in unbezahlbaren Büchern stöbert, lässt sich auf ihrer Webseite entdecken.

Flimmern #20

Oliver Roth am Mittwoch den 21. Oktober 2015

In dieser Serie präsentiert Ihnen KSB das Flimmern zur Wochenmitte.

Der zweite Teil der Video-Reihe führt fort, was der erste Teil angefangen hat, und verkettet kurze Videos. In den wöchentlich, seriell geschalteten Aufnahmen schimmert oft ein Ausschnitt aus dem grossen Ganzen durch: Das Flimmern. Es kann ein flüchtiges Lichtspiel schummriger Stunden sein, ein klares Signal oder Zeichen aber auch ein zittriges, verschwommenes Unbekanntes. Schauen sie gut hin, hören sie genau zu.

Die Videos dieser Reihe stammen aus dem Archiv unseres Autoren und sind an unterschiedlichen Orten vor allem auf Reisen und unterwegs gesammelt worden. Für Urheberrechte wird nicht gehaftet, Vorsicht vor Strobo-Licht und Schwindel.

Happy Birthday, Hildegard!

Milena Krstic am Dienstag den 20. Oktober 2015

Am Eröffnungswochenende von Bee-Flat haben Hildegard lernt fliegen gespielt. Es war toll.

Das Turnhalle-Publikum gratuliert Hildegard.

Das Turnhalle-Publikum gratuliert Hildegard.

Ja, ja ich weiss, ich komme reichlich spät mit meiner Erkenntnis: Hildegard lernt fliegen ist eine wunderbare Band. Die ganze Stadt weiss es nämlich schon, wie die ausverkaufte Turnhalle am Sonntag bewies. Sowieso sei das ganze Bee-Flat Eröffnungs-Wochenende eine wahre Freude gewesen, wie einer der Veranstalter selig verkündete.

Die sechsköpfige Hildegard, die abenteuerlichste Jazz-Band im Berner Betrieb, sorgte für einen Sonntagabend im Freudentaumel: Andreas Schaerer, der auch an der Hochschule der Künste Bern unterrichtet, ist ein Unterhalter sondergleichen, trumpfte mit Anekdoten aus zehn Jahren Bandgeschichte auf («Damals, als wir in diesem schummrigen Schuppen in Russland gespielt haben …») und singt nicht nur waghalsig, sondern gibt auch schon mal den Frank Sinatra und hat einen Charme wie Queens Freddy. Am Ende hat er noch rasch das Publikum dirigiert, vierstimmig! Fast schon therapeutisch war das. Und alle waren ganz glücklich am Ende dieser Show. Jap. So macht experimenteller Jazz Spass.

Auf mindestens weitere zehn Jahre Hildegard!

Hildegard spielen ein Momentli lang gerade nümme in Bern. Alle anderen Livedaten hier.

Flimmern #19

Oliver Roth am Mittwoch den 14. Oktober 2015

In dieser Serie präsentiert Ihnen KSB das Flimmern zur Wochenmitte.

Der zweite Teil der Video-Reihe führt fort, was der erste Teil angefangen hat, und verkettet kurze Videos. In den wöchentlich, seriell geschalteten Aufnahmen schimmert oft ein Ausschnitt aus dem grossen Ganzen durch: Das Flimmern. Es kann ein flüchtiges Lichtspiel schummriger Stunden sein, ein klares Signal oder Zeichen aber auch ein zittriges, verschwommenes Unbekanntes. Schauen sie gut hin, hören sie genau zu.

Die Videos dieser Reihe stammen aus dem Archiv unseres Autoren und sind an unterschiedlichen Orten vor allem auf Reisen und unterwegs gesammelt worden. Für Urheberrechte wird nicht gehaftet, Vorsicht vor Strobo-Licht und Schwindel.

Flimmern #18

Oliver Roth am Mittwoch den 7. Oktober 2015

In dieser Serie präsentiert Ihnen KSB das Flimmern zur Wochenmitte.

Der zweite Teil der Video-Reihe führt fort, was der erste Teil angefangen hat, und verkettet kurze Videos. In den wöchentlich, seriell geschalteten Aufnahmen schimmert oft ein Ausschnitt aus dem grossen Ganzen durch: Das Flimmern. Es kann ein flüchtiges Lichtspiel schummriger Stunden sein, ein klares Signal oder Zeichen aber auch ein zittriges, verschwommenes Unbekanntes. Schauen sie gut hin, hören sie genau zu.

Die Videos dieser Reihe stammen aus dem Archiv unseres Autoren und sind an unterschiedlichen Orten vor allem auf Reisen und unterwegs gesammelt worden. Für Urheberrechte wird nicht gehaftet, Vorsicht vor Strobo-Licht und Schwindel.

Die Szene spricht!

Oliver Roth am Samstag den 3. Oktober 2015

Gestern spielten Young Fathers in der Dampfzentrale ein energetisches, stilsicheres Konzert.

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Einige Zuschauer sind von der blasierten Haltung der Schotten aufgebracht. Ein junger Mann ist total wütend, dass die Mercury Prize-Gewinner nach ca. 50 Minuten ihr Showcase zum Ende bringen. Andere finden, exakt das sei zu erwarten gewesen, diese Kürze gäbe der stilisierten Show erst ihren richtigen Abschluss.

Es ist nicht möglich, alle Stimmen vom gestrigen Abend zusammenzufassen. Es ist deshalb angebracht, das Wort einem Vertreter der lokalen Hiphop- und Rap-Szene zu übergeben. Ein Rapper aus Bern, der gerne unbekannt bleiben möchte, war so freundlich und hat direkt nach dem Konzert für KSB einen Erfahrungsbericht geschrieben. Hören wir, was die Strasse zu sagen hat:

«Die Bässe waren furchteinflössend. Selbst Mc Bösi Ouge musste kurz die Augen schliessen. Nach einem kurzen Zucken des rechten Tanzbeines haben einige Gesänge für kurze Ernüchterung gesorgt. Aber ein Schluck Bier und – wumms – war schon wieder ein hübscher Beat da. Ich bin total zufrieden mit der Darbietung von heute Abend.

[Der Schreiber unterbricht den Bericht, um kurz die Toilette zu konsultieren.]

Falls man mich auffordern würde, ein Schlussfazit abzugeben, würde ich mich weigern. Aber da der Job in diesem Blog gut bezahlt ist, komme ich doch nicht um ein Schlussfazit herum. Es wäre unfair, wenn ich jetzt zu keinem zusammenfassenden Schluss käme. Deshalb sage ich einfach: Ja. Ich gebe ein Schlussfazit ab. Jetzt, Achtung: Kommen sie ans nächste Mc Bösi Ouge Konzert. Es ist sehr ähnlich wie Young Fathers. keep it real.»

Wir danken dem Berichterstatter und werden ihn natürlich auch entsprechend für seine Textarbeit entlöhnen!

Flimmern #17

Oliver Roth am Mittwoch den 30. September 2015

In dieser Serie präsentiert Ihnen KSB das Flimmern zur Wochenmitte.

Der zweite Teil der Video-Reihe führt fort, was der erste Teil angefangen hat, und verkettet kurze Videos. In den wöchentlich, seriell geschalteten Aufnahmen schimmert oft ein Ausschnitt aus dem grossen Ganzen durch: Das Flimmern. Es kann ein flüchtiges Lichtspiel schummriger Stunden sein, ein klares Signal oder Zeichen aber auch ein zittriges, verschwommenes Unbekanntes. Schauen sie gut hin, hören sie genau zu.

Die Videos dieser Reihe stammen aus dem Archiv unseres Autoren und sind an unterschiedlichen Orten vor allem auf Reisen und unterwegs gesammelt worden. Für Urheberrechte wird nicht gehaftet, Vorsicht vor Strobo-Licht und Schwindel.