Archiv für die Kategorie ‘Nachtleben & Freizeit’

Bananekistenturnierchen

Daniel Gaberell am Dienstag den 1. August 2006

Um es gleich vorweg zu nehmen: wir erspielten vier Siege und eine Niederlage was uns zu den eigentlichen Gewinnern dieses Turniers machen würde. Aber eben, Sieger gab es keine, nur Verlierer.

Das «Komitee für eine vielfältigere und bessere Nutzung der öffentlichen Plätze» unter der Führung von carhate, Menotti-Memorial und Pirate-Streeplay, luden gestern ab 21 Uhr zum ersten Square Soccer Tournament.

Gespielt wurde auf der Baustelle Bierhübeli und der kleine Ball flog neun Mal die Böschung runter, was zu diversen Spielunterbrüchen und Taschenlampen-Suchaktionen führte. Zwei Bananenkisten dienten als Tore, ein Team bestand aus zwei Spielern, 3 Minuten nur betrug einen Match und wer sich für Verteitigungsorgien entschied, wurde von der ansässigen Ethikkommission vom Platz gestellt.

Die vorübergehend stillgelegte Busstation «Bierhübeli» diente als SpielerInnenbank, Zuschauertribüne und Minibar. Und wenn der Platzregen einsetzte (was er mehrmals tat), wurde es zuweilen sehr eng und gemütlich im Unterstand.

15 Teams kämpften um Punkte und das nächste Tournament findet am 17. August um 19 Uhr auf dem Vorplatz des Wankdorfstadions statt. Mitmachen können übrigens alle, wirklich alle!

Soccer

Diese Berichterstattung – soviel habe ich kapiert – würde natürlich auch sehr gut ins Schwesternblog «Zum Runden Leder» passen. Aber die Absicht von Carhate ist kultureller Natur und darum empfehle ich xirah, Rrronaldo & Co. eine saubere Verlinkung zu uns rüber. Vielen Dank!

Lorraine oder Länggasse?

Daniel Gaberell am Mittwoch den 12. Juli 2006

BouleWährend die lauen Sommerabende so dahinplätschern und man sich schon ganz fest daran gewöhnt hat, sein Jäcklein auch am Abend zu Hause zu lassen, ist für die BoulespielerInnen ebenso klar, dass man sich ab 18 Uhr tagtäglich auf dem Platz trifft. Ganz ohne spezielles Abmachen, man ist einfach da.

Bloss, wo trifft man sich? Im Lorrainepärkli oder unter den Platanen bei der Unitobler?

Für die Lorraine spricht ganz klar der Publikumsaufmarsch. Die Passanten legen nicht selten kurze oder längere Pausen ein um dem Metallkugelngeschehen Beachtung zu schenken.

Auch der Untergrund, das einigermassen berechenbare Kies, spricht klar für die Lorraine. Nicht zu vergessen „Tinus OK Bar“ gleich gegenüber sowie die Bäckerei und das Restaurant Du Nord. Und natürlich gibt es keine Bäume (die Kugeln können also mächtig in den Himmel geschossen werden) und seit diesem Jahr eine fantastische Beleuchtung bis tief in die Nacht hinein.

Warum also gibt es trotzdem noch Spieler bei der Unitobler? Und das jeden Abend und zwar nicht wenige? Hat jemand dort draussen im Cyberspace eine Erklärung dafür?

Das offizielle Berner Turnier findet dieses Jahr übrigens vom 4. bis 6. August 2006 hinten bei der BEA statt. Mehr Infos gibt es hier.

Für Lang- & Kurzentschlossene

Daniel Gaberell am Donnerstag den 6. Juli 2006

Am Freitagabend, bei jedem Wetter (improvisierte Plastikdächer), wie jedes Jahr, ein schönes Fest. Und die Band: allererste Sahne!

Flyer Parterre

Nach dem Spiel ist vor dem Konzert

Manuel Gnos am Sonntag den 2. Juli 2006

Die Welt ist grad zu Gast bei Freunden. Und weil seit den 1990er-Jahren und dem «Existentialisten in kurzen Hosen» (ein Druckerzeugnis über Fabien Barthez) auch Kulturinteressierte öffentlich zur Verzückung über die runden Leder stehen dürfen, haben die hiesigen Veranstalter kapituliert und eine kulturfreie Zeit eingeläutet.

Simon Jäggi, Sänger von Dean Moriarty And The Dixie Dicks. (Bild: Manuel Gnos)

Mitten in diese Kulturlosigkeit platzte gestern Samstag das Hausfest der Berner Dampfzentrale. Das Programm war attraktiv – und für Unverbesserliche wie mich gab es sogar diverse Farbfernseher und eine Leinwand, wo sich der (hoffentlich nur vorübergehende) Niedergang des brasilianischen Fussballs mitverfolgen liess.

Doch nach dem Spiel ist vor dem Konzert. Und so betrat um Mitternacht die Berner Tom-Waits-Coverband «Dean Moriarty and the Dixie Dicks» die Bühne. Nach ihrem Bee-Flat-Auftritt in der Turnhalle war das meine zweite Begegnung mit der Band, und noch immer schaute ich ungläubig auf die Bühne, weil es schlicht nicht möglich sein kann, dass ein Mann von der Erscheinung von Simon Jäggi die rumpelnden und knorrigen Töne eines Tom Waits imitieren, ja gar mit einer eigenen Note versehen kann.

Dann war die Berliner Formation «Der Rote Bereich» an der Reihe. Ihre Version des Jazz war wunderbar anstrengend und die Ansagen des Bandleaders Frank Moebus waren wunderbar aufheiternd. Diese vertrackte Musik fand anschliessend ihre schweisstreibende Auflösung im Auftritt der Belgrader Gypsie-Rocker Kal.

Trotzdem ist ein flaues Gefühl zurückgeblieben. Nicht weil die nun folgende DJane ein Fehlbooking war, sondern weil auffällig wenig Menschen in die Dampfzentrale kamen. Lässt sich Fussball wirklich nicht mit Kultur verbinden?

Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen

christian pauli am Sonntag den 18. Juni 2006

Was ist wenn der japanische Trommler Doravideo (im Bild) bei 32 Grad am Schatten um drei Uhr Nachtmittags seine Felle traktiert, die ihrerseits die Projektionen manipulieren, die in seinem Hintergrund einen abartigen Rundgang durch die westliche Pop- und Politik-Kultur abspielen lassen?

Was ist, wenn in einer umwerfenden Ausstellung die Reaktorkatastrophe Tschernobyl einem die Augen und das Herzen streift und im Stock unten dran gleichzeitig eine verladene, verschwitzte Meute abravet?

Was ist wenn morgens um 3.30 Uhr der Amerikaner Otto von Schirach im von 30’000 Menschen besuchten Messegelände von Barcelona zu einer absurd-provokativen Performance ausholt?

Was ist wenn Senor Coconut und seine Band mitten im Gelände eine Retorten-Latinnummer nach der anderen abfeuern, derweil im Museum nebenan einem die Revolution erklärt, die der iPod ausgelöst hat?

Was ist wenn DJ Krush weit über 110 Dezibel fährt und neben Rahzel das Gleiche tut und zwischendrin beide aufeinmal?

Go to: sonar.es

Warum ich dies schreibe? Weil ich es immer ganz bemerkenswert finde, wie angenehm ruhig das Leben in dieser provinziellen, kleinen Kulturstadt Bern ist.

Sex sells

christian pauli am Dienstag den 23. Mai 2006

Poster von Beatman

Im Kopf rauschen Bilder vorbei: Legionen von adretten Mädchen mit grosszügigen Tattoos und ebensolchen Ausschnitten und Horden von endlos Bier in sich hinein schüttenden Rockjungs. Dazwischen viele Neugierige. Ein schöner, wilder Mix, der da am letzten Freitag unsereins in der Dampfzentrale aufsuchte.

Man nennt es Burlesque. Es geht um Striptease mit angezogener Handbremse. Und offenbar ein neu-altes Partyformat mit Potential: 650 Besucher/innen wollten dabei sein, als Scarlette Fever, Lucy Ferette, Nina LaFiamma und Diamondback Annie die Hüllen fallen liessen. Na ja, ich sage es hier ganz offen: Na ja. Das meine ich quasi persönlich. Ich hielt mich lieber an die göttlichen Zorros und die flotten SuperSupers, die die Party mit Verve beschallt haben. Coole Szene, die derart unterhaltsame und eigenwillige Bands produziert.

Als Veranstalter dieser Burlesque durfte ich auf einen alten Markting-Trick zurückgreifen: Sex sells. Zugegeben, das haben auch schon andere herausgefunden. Aber für mich – der noch vor einem Jahr aus dem doch eher weniger sexy Bundeshaus berichtet hat – ein Erlebnis, das mich schmunzeln liess. Und der Dampfzentrale tun ein paar sexy Bad-Taste-Nächte auch nicht schlecht, oder?

Beatman, Rob, Hope, Reni, El Tiki und Co: Haltet das Feuerchen am Kochen, Freunde. Wir haben das nötig.

Ein kleiner Streifzug bietet übrigens folgender Blog.

Russen günstig

Manuel Gnos am Dienstag den 11. April 2006

Russen günstigIrgendwo an der grünen Grenze zu Deutschland muss es einen Kulturschwarzmarkt geben. Dort werden Gemälde gehandelt, CDs getauscht, Tänzer verkauft und Bands gebucht. Vor nicht allzu langer Zeit gab es dort Russenabende im Dreierpack.

Diese Chance haben das Restaurant Du Nord, das Café Kairo und der Wasserwerk-Club genutzt. Gemeinsam haben sie das Dreierpack gekauft, das Kleingedruckte jedoch vergessen zu lesen.

Dort nämlich stand geschrieben: «Russenveranstalungen könnt ihr haben ganz günstig. Doch zwei davon sollen über euch hereinbrechen am gleichen Abend und keine 600 Meter voneinander entfernt. Der dritte Abend wird sechs Tage später an einem christlichen Feiertag sein.»

So zankten sich das Café Kairo und das Restaurant Du Nord letzten Samstag mit Rasputin beziehungsweise Russen-Ska um die Gunst der Günstlinge, der Wasserwerk-Club folgt schon diesen (Kar-)Freitag mit einer Lesung und der Russendisko à la Berlinoise.

Prost Wodka und nazda’ro:vje meinerseits!