Archiv für die Kategorie ‘Nachtleben & Freizeit’

Der Weg ist das Ziel

christian pauli am Sonntag den 5. August 2007

Allein die Anfahrt zum 17. Bucheron-Openair im Thormannbodenwaldwald bei Worblaufen zu Bern hat es in sich: Im stockdunklen Wald, ganz ohne Beschilderung, trifft man zunächst ein Paar, das hilflos rumstoggelt, aber dasselbe Ziel hat.

Ein paar Minuten später dann, bei den Camping-Schrebergarten-Pontier-Wochenend-Siedlung vis-à-vis dem Löchligut, fragt der nachtwandelnde Blogger einen betrunkenen Zeitgenossen nach dem Weg zum «Waldfest», um ein paar Sekunden später festzustellen, dass der Mann eine Knarre im Gürtel trägt. Der Gunman weiss auch nichts.

Nun, das Bucheron wird dann gefunden. Man trifft Freunde und Leidgenossen, das Ziel ist der Weg, nicht wahr? Wer eine Reise tut, hat was zu erzählen. Ein grosses Feuer, ein paar Finnenkerzen, ein paar Girlanden, eine Bar und ein PA, etwas weiter der Generator. Das Bier kommt aus der Flasche und ist kühl. Ja, was will man mehr?

Despu Palliton am 17. Bucheron bei Worblaufen. (Bild Manuel Gnos)

Bacalao, Despu Palliton und Sexomodular bestreiten das Lineup: Electro meets Rock, die übliche Chausse, ganz in Ordnung. (Blogchef Gnos, der das Mini-Openair auch gefunden hat, zeigte sich freundlicherweise bereit, nicht nur ein Foto zu schiessen, sondern den einen oder anderen Satz zum musikalischen Geschehen zu liefern. Siehe Kommentare.)

Auf dem Rückweg, der früh stattfindet, weil sonntags früh die Tochter im Pfadilager besucht sein will, fällt die Kette aus dem Kranz, mitten im stockdunklen – Sie wissen schon – Wald. Was war die Rettung? Ein Zippo und der Schlüsselbund. Etwas Licht im Dunklen. So einfach ist das.

Und darüber hinaus

Grazia Pergoletti am Sonntag den 5. August 2007

Das 17. Bucheron war schön und schwierig zu finden. Siehe Bericht von Herrn Pauli.

Und wo steppte der Bär sonst noch heute Nacht? Erstens natürlich am Antifa-Festival. Mindestens Hunderte von Jugendlichen, die ihre ganz eigene Vorstellung hegen von Samstag Abend. Und vom Leben überhaupt. Und es sind wirklich viele. Super.

WW im Dunkeln

Und im Wasserwerk. Liebe Stadt Bern, lass diesen urbanen, lebendigen und nach vorne orientierten Ort nicht sterben! Auch wenn er hier im Dunkeln erscheint: Immer wieder ein Highlight!

Sommerferientipp Nr. 3 für Daheimgebliebene

Daniel Gaberell am Samstag den 28. Juli 2007

Wechseln Sie Nötlis in Kleingeld und besuchen Sie die Berner Altstadt. Schlendern Sie vom Loebegge hinunter bis zum Zytglogge, umwandern diesen, und kehren Kollbrunnerseitig wieder zurück bis zur HG (Heiliggeist Kirche). Drosseln Sie auf dieser Wanderung Ihr Tempo, verlangsamen Sie Ihre Schritte, schlüpfen Sie aus der Rolle des Einheimischen und geben Sie sich stattdessen für einmal touristisch. Unterwegs treffen Sie unweigerlich auf zahlreiche Strassenmusikantinnen und –musikanten. Je nach Qualität kommen nun die Fränklis, Füfzgis und Zweilieber zum Einsatz. Und bitte: geizen Sie nicht! Seien Sie auch zu sich selber grosszügig, kaufen Sie sich meinetwegen ein Softice, aber verweilen Sie bitte unbedingt ein paar Minuten und lauschen Sie den Klängen. Sie werden nicht enttäuscht sein, denn das schöne Wetter und die globalen Sommerferien sind mitverantwortlich, dass in Berns Lauben und Gassen erstaunlich schöne und abwechselungsreiche Musik geboten wird. Es ist eine Frage der Wahrnehmung…

KSB wünscht schöne Ferien.

letzten Samstagnachmittag.

Überaus freundliche Übernahme

Frau Götti am Samstag den 26. Mai 2007

Zürich übernimmt Bern, das wissen wir ja jetzt.

Dass dies aber nicht zwingend ein unfriedly takeover sein muss, haben die Zürcher vom Trio from Hell gestern bewiesen. Erst beim Konzert im Wohnzimmer im Les Amis, dann draussen in den Lauben Berns.

Una rosa è una rosa è Vinicio

Frau Götti am Donnerstag den 3. Mai 2007

Vicino Capossela im

Ein bisschen warten musste man ja auf den Herrn gestern. Es gab schon einzelne Pfiffe im zu einem Drittel gefüllten Theatersaal des National.

Aber dann war er da, Vinicio Capossela, mitsamt Gitarre und Klavier und Band (Saxmann, Kontrabassmann, GuitarreIImann, Perkussionsmann und einem an so einer komischen Sound-Effekt-Maschine).

Grande. Selber schuld, wer Frau Pergolettis Tipp nicht gefolgt ist. Die Selbstschuldigen sollen mal reinhören.

Vici als Medusa Einziger Dämpfer: die neuen Sachen von Capossela. Schauderhaft pompös, überorchestriert, stromgitarrig, sound-effekt-maschin-ig. Zum Glück gab der Maestro die nur zu Beginn und am Schluss zum Besten.

Und zum Glück wusste man, wann zu Ohrenstöpseln zu greifen war: Vici zog sich bei seinen neuen Liedern nämlich jeweils eine Maske über. Zum Beispiel eine Krähenmaske oder (wie im sorry unscharfen Bild) einen Medusa-Schlangenkopf.

P.S.: Kann mir jemand sagen, warum linke italienische Musiker immer, immer einen Bart tragen, einen etwas ramponierten noch dazu?

Crazy im Wohnzimmer und anderswo

Grazia Pergoletti am Donnerstag den 8. Februar 2007

Der Donnerstag Abend rockt, vor allem im Wohnzimmer vom Les Amis! Seit einiger Zeit schwingt man das Tanzbein ebendort allwöchentlich zum Heulen der Gitarren, solange bis man selber heult, weil man die falschen Schuhe trägt, so wie ich letztes Mal. Dass der Barkeeper Bündner ist und noch dazu wahnsinnig charming, tröstet aber auch über das hinweg.

crazyeventikJeweils am ersten Donnerstag des Monats wird die Unterhaltung von DJ Pistolero Pepe und einem Gastaufleger auf die Tanzfläche des «Wohnzimmers» gepfeffert. Selten so gut aufgelegt – die Musik, wie auch das Publikum! Rock’n’Roll macht einfach glücklich.

Pistolero Pepe heisst im wirklichen Leben – falls es das überhaupt gibt – Paul und veranstaltet zusammen mit seiner Freundin, der wunderschönen Carol, unter dem Label crazyeventik Partys und Konzerte schweizweit.

So auch morgen Freitagabend: Barrence Whitfield (U.S.A.) und The Seatsniffers (Bel) live, danach Disko mit Pepe und Guests, im La Spelonca an der Kramgasse. Also: Unbedingt die richtigen Schuhe anziehen und ab ins Vergnügen: Tanzen, toben, sich den Restruf ruinieren!

Quervergleich der Nebenkosten

Daniel Gaberell am Donnerstag den 18. Januar 2007

Wer in Bern die Kultur geniessen will, der wird unweigerlich Zwischenhalts für Espresso und Bier einlegen müssen. Denn das reichhaltige Angebot kultureller Leckerbissen bedarf auch in Bern regelmässig flüssiger Nahrung. Und ausserdem: Welche Berner Kultur ist typischer als jene in Berns Beizen?

PreislisteDamit die sogenannten «kulturellen Nebenkosten» für dieses Jahr ordentlich budgetiert werden können, liefert KulturStattBern seinen Leserinnen und Leser heute die aktuell gültigen Tarife für Espresso und Bier.

Und denken Sie daran: dieser wichtige Ausgabeposten kann natürlich nicht nur über das Geld sondern auch über die Anzahl, respektive über die Menge, reguliert werden.

(Sie können diese Zusammenstellung ausschneiden und immer bei sich tragen. Das Format dieser Tabelle entspricht einer gängigen Portemonnaie-Grösse.)

Mehr Feste als Proteste

Frau Götti am Samstag den 13. Januar 2007

Wer immer die Weltwirtschaftspopstars in Davos blöd findet, geht heute Abend an die Tour de Lorraine. Dort unterstützt er oder sie nämlich mit dem Eintrittsgeld die Anti-WEF-Bewegung.

«Proteschtiere scho guet, aber de ned z gääih», sagt sich die globalisierungskritische Bernerin und der linksalternative Berner. Ein bisschen was bezahlen und dann nichts wie Feiern in einem der vielen Clubs und Bars.

Ist doch auch besser so, ganz ohne Abfackeln und Maskieren und Steinewerfen.

Der womöglich allereinzige handfeste Protest fand sich heute morgen in Form einer Installation vor Frau Göttis Haustür:

Kreativ, originell, überraschend. Wipe out Welo.

Nun ist es mir leider nicht möglich, auf weitere Protest-Spurensuche zu gehen heute Abend.

Daher meine Bitte: Könnten vielleicht Sie das für mich übernehmen?

Meitschi hochkonzentriert

Grazia Pergoletti am Donnerstag den 28. Dezember 2006

Es scheint ja irgendwie so, dass meine Nachbarin und ich aus dem Festhütten-Groove im Moment nicht mehr so richtig herausfinden. Heute Nacht haben wir das Sous-Soul aufgesucht, in der Meinung, einem Kabarett im Hip-Hop-Format beizuwohnen. In Wirklichkeit sahen wir – zugegeben recht coolen – jungen Herren dabei zu, wie sie sich öffentlich betranken und dazu Songs von Gölä bis «Fuckin’ Francine Jordi (die war übrigens auch mal schwarz, wie Michael Jackson)» zum zweitbesten gaben.

Greis war diesmal nicht mit von der Party, weil er gerade sein Studium abschliesst und auf die Prüfungen lernen muss. Dies erschien mir als eine eher fadenscheinige Ausrede seinerseits, denn die Darbietung der Tequilla Boys schrie nicht gerade danach, dass ihr Probenaufwand immens gewesen wäre.

tequila boys

So standen neben den gestandenen Musikern die Rapper Diens von Wurzel 5 und Baze als Sänger mit Sombrero und aufgemaltem Schnauz auf der Bühne. Der Eintritt war 9 Franken 90 und die Stimmung wie im Skilager.

Ich fands echt lustig. Nicht, dass ich allen meinen Freunden unbedingt empfehlen würde hinzugehen. Aber das ist auch nicht nötig, denn die Veranstaltung wird ohnehin schon überrannt. Und ich war saugern mal dabei. Schon nur um zu sehen, wie Diens mit zusehends konzentrierterem Gesichtsausdruck übers «Meitschi vom Wyssebüehl» singt.

Weihnachtszeit ade

Daniel Gaberell am Dienstag den 26. Dezember 2006

Shantel Shantels Bucovina Club hatte am 25. Dez um Mitternacht die schwere Aufgabe, weihnachtsgesättigte Menschen aus der Senke zu heben und ihnen Fröhlichkeit und Ausgelassenheit zu schenken. Allerdings: Für genau diesen Auftrag stand, wie bereits letztes Jahr zu Weihnachten, ein Experte auf der Bühne…

Wenn der Frankfurter Stefan Hantel alias «DJ Shantel» zum Tanz lädt, wird’s regelmäßig turbulent, ja – ekstatisch. Seine Mixtur: Er verbindet seine eigens kreierten elektronischen Beats mit dem traditionellen Sound des alten europäischen Ostens.

Und so geriet die Meute im restlos und seit Wochen ausverkauften Kesselraum der Dampfzentrale bereits nach wenigen Minuten aus dem Häuschen. Die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit waren innert kürzester Zeit unerträglich, der Raum drohte zu explodieren.

Die achtköpfige Band gab alles (der Akkordeonist zum Beispiel hielt sich nur noch schwer auf den Beinen, wobei ich, als genauer Beobachter, dieses Wanken eher seinem übermässigen Alkoholkonsum zuschreibe) und auch als Shantel dann im zweiten Teil seine Funktion als DJ wahrnahm, tat dies der überschwänglichen Stimmung keinen Abbruch.

Es war ein feuchtfröhlicher Weihnachtsabend. Danke Shantel, danke Dubquest!