Archiv für die Kategorie ‘Nachtleben & Freizeit’

Circus Monti in Town

Daniel Gaberell am Montag den 20. Oktober 2008

Der Berner Samuel Müller konnte begeistern! In der bis auf den hinterletzten Platz ausverkauften Vorstellung, boten die Artistinnen und Artisten des Circus Monti wunderbar schöne und sinnliche Zirkus-Stunden. Von der ersten Minute weg, tauchen die Zuschauerinnen und Zuschauer mühelos in die Poesie der Akrobatik, Musik, Seifenblasen und Clownerie ein.

So muss Zirkus eben sein: Ein in sich schillerndes Gesamtkunstwerk, das ganz einfach glücklich macht.

Obwohl ich die Elefanten im «Knie» auch mag – fünf Gänse und ein Esel sind im Monti Spektakel genug! Ein Spektakel, bei welchem der Applaus (und zum Teil Standing Ovations) bis tief in die Nacht hinein nicht mehr enden wollte…

Hort der Gemütlichkeit

Manuel Gnos am Samstag den 30. August 2008

Heute lädt das Restaurant Du Nord letztmals zur legendären «Disko im Norden». Denn mit dem heutigen Tag schliesst das aktuelle Betreiberteam seine Zeit im Tor zur Lorraine ab. Danach ist eine kurze Pause geplant, bevor es mit neuen Leuten, frischem Wind und bewährten Ideen weitergehen wird. Hier deshalb eine kleine Würdigung unsererseits.

Der Eingang zum Restaurant Du Nord am 29. August 2008. (Bild Manuel Gnos)

Monsieur Gaberell meint:
«Das Herz des Nordens bleibt uns weiterhin erhalten. So jedenfalls wird es versprochen. Allerdings melde ich hier meine Zweifel an. Denn für mich besteht die Seele des Du Nords genau aus jenen Personen, die nun einen Abgang Richtung Süden machen. Aber natürlich lasse ich mich gerne eines Besseren belehren und werde darum weiterhin die feinen Suppen essen gehen.»

Was das Du Nord für Frau Götti war:
«Schauplatz des täglichen Morgenkaffeegenusses und sporadischen Tanzbeinschwingens.»

Was das Du Nord für Frau Götti bleiben muss:
«Zur Hälfte Hort der Gemütlichkeit mit Zeitungen, Bistro-Atmosphäre und Holztischen, zur anderen Hälfte Hort des Chaos’ inmitten schwitzender Tanzbeinschwinger und Biertrinkerinnen.»

Herr Gnos sagt:
«Das Du Nord ist für mich im Laufe der Jahre zu einer festen Grösse geworden im Berner Stadtleben und die Menschen da sind mir ans Herz gewachsen. Nicht mehr wegzudenken! Für die Zukunft wünsch ich mir: Gemütlicheres Licht, dass das Diebels im Sortiment bleibt, dass die Öffnungszeiten ausgedehnt werden, nie mehr eine Phase mit unfreundlicher Bedienung, dass die Mittagsmenüs so lecker werden wie die am Abend. Und dass der Sommertee auch im Winter ausgeschenkt wird. Rock on!»

Signora Pergolettis Worte zum Du Nord:
«Ich habe als knisternde Schwester mal mit Schorsch Kamerun zusammen im Du Nord aufgelegt. Danach trugen wir beide uns mit dem Gedanken, uns als Unterhaltungsteam auf einem Kreuzfahrtschiff anheuern zu lassen. Herr Kamerun musste aber gleich darauf die grosse Welt des Theaters erobern und auch die Signora hatte anderes zu tun. Die Disco im Du Nord blieb einzigartig und unvergesslich. Danke!»

Herr Sartorius fragt:
«Du Nord? Da war ich, aus welchen Gründen auch immer, selten anzutreffen. Den Elchtest am Weihnachtsessen der Abteilung des elektronischen «Bund» bestand das Restaurant mit der schönen Aussenbestuhlung jedenfalls mit Bravour – auch weil der nicht so Felsenau-Bier-Freund in mir das offene Diebels bestellen konnte. Die Nachbarschaft mit «Tinus O.K. Bar» und Konsorten scheint mir allerdings nicht ungefährlich.»

Herr Pauli schreibt:
«Die Bouillabaisse vorgestern war sehr gut!»

Vier Jahre lang nie Gehörtes, Unglaubliches

Grazia Pergoletti am Freitag den 29. August 2008

Trevor Jackson Morgen Samstag also eröffnet das Wasserwerk die letzte Saison unter dem Leitungsteam, das seit 2004 die Stadt mit innovativer, junger und urbaner Popkultur bereichert. Nie Gehörtes, Unglaubliches habe ich da gesehen. Und Kultiges spielte dort auf, bevor es überhaupt richtig entdeckt war, wie zum Beispiel meine geliebten Damen Miss Platnum und M.I.A.

Warum das Team um Arci Friede und Dave Marshal das Handtuch wirft? Nun, ich würde sagen, weil sie in der Tat zu wenig gewürdigt wurden für ihr inspiriertes Engagement.

Aber fragen Sie die beiden doch selbst: Arci Friede und Dave Marshal beantworten live Ihre Fragen in den Kommentaren, heute von 13 Uhr bis 15 Uhr.

Für die beiden besten Fragen gibt es gar 2 mal 2 Tickets für das Eröffnungskonzert morgen Samstag mit Trevor Jackson (Achtung, nicht der einschläfernde Schmusesouler aus Stuttgart, sondern der englische Musiker, der als Playgroup besser bekannt ist, aber auch schon zum Beispiel The Gossip produziert hat).

Steigerhubel-Quartier in Festlaune

Daniel Gaberell am Donnerstag den 21. August 2008

Morgen Freitag werden im städtischen Wohnquartier Steigerhubel die Krippen-
und Eggimannstrasse durch Gemeinderätin Regula Ritz offiziell zu
Spielstrassen erklärt, tagsdarauf spielt Zeno Tornado zum grossen Fest auf.

Eva Heinimann, du bist Mitorganisatorin des Quartierfestes; wohnt Zeno
Tornado selber im Steigerhubel oder weshalb steht der «Mann der Stunde»
ausgerechnet an eurem Fest auf den Brettern?

Nein, Mr. Tornado hat sich bis jetzt noch nicht in den Wilden Westen Berns vorgewagt. Aber Mago, sein Bassist und Google-Brother, wohnt seit einiger Zeit im Steigerhubel und hat diesen Auftritt mit der ganzen crew organisiert.

Der Steigerhubel – eingekreist von Güterbahnhof, Kehrichtverbrennung und
mächtigen Strassen – gilt allgemein als eine in sich geschlossene Oase.
Werden die Leute aus der fernen Hauptstadt trotzdem anreisen?

Warum denn nicht? Ein Oasenbesuch verspricht doch gerade für fernwehgeplagte Städter ein aufregendes Abenteuer… Wir bieten nämlich nicht nur gute Konzerte, sondern auch ein gemütliches Ambiente zwischen blühenden Gärten und frisch gemalten Spielstrassen. Wo kann man schon auf einer Rollbahn durchs Quartier rutschen, Shefali’s Spezial Tandoori Chicken geniessen oder in einer Sofa Lounge im Grünen Caipirinha schlürfen?

Und wenn es regnet?

Bei kaltem Regenwetter wird unser Caipirinha Drink erst recht zum Einsatz kommen… Im Ernst: Das Fest findet natürlich bei jedem Wetter statt und für die im schlimmsten Fall nötigen Überdachungen ist vorgesorgt. Aber bleiben wir zuversichtlich und hoffen, dass Petrus am Samstag gute Laune hat!

Das Programm vom kommenden Samstag: ab 10 Uhr Flohmi, ab 14 Uhr Kinderschminken, Puppentheater, Spiele, Hip-Hop & Breakdance, ab 18 Uhr Indisches Essen, ab 20.30 Uhr Konzerte mit «Stilltone», «Zeno Tornado & the Boney Google Brother», anschliessend Disko mit DJs Mens Meier, Rössly und Tarzan.

Steigi

Zwiespältiges in der Dampfere

Manuel Gnos am Donnerstag den 14. August 2008

Wichtige Durchsage: In einer aktuellen Pressemitteilung lässt uns die Dampfzentrale wissen, dass das Konzert von Steed Lord (IS) vom kommenden Samstag, 16. August 2008, aufgrund eines Schleudertraumas des Bandleaders Einar Egilsson abgesagt wurde. (14.08.2008, 18:42 Uhr)


Seit dem 7. August ist in der Berner Dampfzentrale täglich das Sommerfoyer geöffnet. Als ich gestern Abend dort eintrudelte, musste ich feststellen, dass es ein Fehler war, dies nicht früher getan zu haben:

Sommerfoyer in der Dampfzentrale Bern. (Bild Manuel Gnos)

Die äusserst liebevolle Dekoration, die Sofas, etwas Musik, und die Bühne in einem der schönsten Räume dieser Stadt hätten es verdient gehabt.

Etwas Stirnrunzeln erzeugten Kutti MC und Emilie Welti. Einerseits legten die beiden als DJ Nobody und DJane Nothing ein stimmiges und besterlesenes DJ-Set hin, andrerseits waren ihre litauisch gemeinten Ansagen zwar schön anarcho-dadaistisch, aber meistens kaum zu verstehen und sagten nicht allen Anwesenden zu.

Auch der musikalische Gast, die Basler Sängerin Ana Irgendwas (ich habe leider den Namen vergessen, aber Herr Sartorius wird helfen können), konnte nicht restlos überzeugen: Ihre sehr schöne, weiche Stimme ging arg im zweifelhaften Elektropiano-Spiel unter.

Heute geht es im Sommerfoyer weiter mit 20 years DJ Soulsource.

Alles super, alle lieb, immer toll

Grazia Pergoletti am Sonntag den 20. Juli 2008

So würde das Gartenfestival werden, prophezeite unser werter Herr der Ama und behielt selbstverständlich recht. Und richtig warm wars noch dazu gestern, ab und zu gab es ein bisschen seltsamen Regen: Ganz punktuell platschten riesige Tropfen vom Himmel, als handle es sich um den Scherz eines um den Schlaf gebrachten Nachbars.

Horaband, Foto: Sandra Küenzi

Die Horaband habe ich leider verpasst, doch liess ich mir sagen, dass sie ein äusserst bewegendes Konzert gegeben haben sollen, auch von der Sängerin wurde sehr geschwärmt. Lapin Machin, die leicht Gondryfizierte Kapelle aus Paris, war neckisch wie erwartet und wohlauf, nicht wie bei ihrem letzten Konzert in Bern. Das uns einen schönen neuen Song bescherte, der mit den Worten «I was sick in Switzerland» begann.

Bei Mimikry dachte ich erst «das hab ich von Chicks on Speed besser gesehen», ich gebs zu. Die drei Girls reissen einem nicht grade an sich, man muss schon ein bisschen auf sie zugehen. Das hab ich getan und es nicht bereut: Unter dem Stampfsound lugt ein cleveres Konzept hervor. Super auch, wie die drei mit Requisiten umgehen, überhaupt ist die ganze Kunst drumrum echt gut.

Da fällt mir noch ein: Was den Frauenanteil auf der Bühne angeht, auch da könnte sich so mancher Veranstalter eine Scheibe abschneiden vom Gartenfestival. Na bitte, es geht doch! Zum Schluss wurde dann getanzt und ins DJ-Pult gehechtet, was das Zeug hält. Meine Platten habens gut überlebt: Das Equipment stand auf Rädern und ist den zuckenden Körpern elegant ausgewichen.

Angenehmes im Garten

Frau Götti am Samstag den 19. Juli 2008

The Great Bertholinis Ein fantastischer Abend am Gartenfestival im Kairo mit Wetterglück und einer echten Entdeckung: Die deutsch-ungarische Band The Great Bertholinis.
Die Bertholinis führen sich auf eine ungarische nomadisierende Artistenfamilie zurück.

Mir als Balkan-Banause kommt ihre Musik zigeunerisch rein, und ein gewisser deutscher Einschlag, der das Ganze facettenreicher und bisweilen irgendwie verkopfter macht, ist nicht zu verkennen.

Hörproben gibts hier.

Zu den Dos Hermanos, die vorher spielten, kann ich leider wegen startssima-bedingten zu späten Eintreffens nichts sagen. Aber das nach den Bertholis im Kairo-Keller auftretende Frauenduo Aeberli/Zahnd war wunderbar schräg, erfrischend und Züri-90er-Jahre- mässig bitchy. Und draussen auf der Veranda konnte die warme Sommernacht aufs Angenehmste genossen werden.

Also: Den Gang an den zweiten Teil des Garten-Festivals heute Abend kann ich Ihnen nur wärmstens empfehlen. Lassen Sie sich überraschen! Und übrigens dreht unsere DJ Sister Knister alias Frau Pergoletti zum Schluss ihre Plattenteller.

Eiskultur

Daniel Gaberell am Donnerstag den 3. Juli 2008

Schleckmäuler unterwegs. Tagtäglich stehe ich am Kiosk und überlege mir, welche Glace ich mir heute gönnen soll. Verschiedene Kriterien muss ich dabei jeweils berücksichtigen:

Kalorien wegen den knappen Badehosen, Verschmelzungsgrad je nach Hitze, Sättigungsgrad dem Hunger entsprechend, Unterhaltungswert (der Stengel als Wasserpistole, Smarties, u.a.), political correctness (bio und lokal), ein- oder zweihändig unterwegs, Budget, Wasser- oder Milchstimmung, Migros oder anderswo, Jugenderinnerung (wo zB bleibt die zweistänglige Raketenglace?) und, auch nicht ganz unwichtig, die bevorzugte Geschmacksrichtung.

Die grössten Eisesser Europas sind übrigens die Schweden, die 1996 pro Kopf 13,8 Liter weggeschleckt haben. Es folgen die Dänen mit 9,9 Litern pro Kopf, die Iren (9,3), die Italiener (8,9), die Belgier (8,4) und die sympathischen Niederländer (7,4). Die Schweizer rangieren mit 7,6 Litern knapp vor den Deutschen (7,5), während man in Griechenland (4,2) und Portugal (3,6) der Eisspeise die kalte Schulter zeigt. Weltweit führend sind mit über 20 Litern Eisverzehr pro Kopf die Amerikaner und Neuseeländer.

Barocke Klänge, geschützte Gehörgänge

Frau Götti am Freitag den 4. April 2008

Die kleine Frage kann ich mir trotz allem nicht verkneifen: Ist Kultur in Bern wirklich so voll agglo und industriell und so? – Aber nein, ich will Sie jetzt nicht mit einer neuerlichen Vidmar-Diskussion langweilen.

Sondern: auf die grossartige Örtlichkeit hinweisen, die BeJazz für seinen Club hier gefunden hat.

Gestern war für einmal nicht Jazz angesagt, sondern irgendwie barocker Elekro-Pop der für die zweite CD zum Sextet formierten Morphologue um Myriam Stucki und Patrik Zeller.

Beeindruckend: die Kopfhörer der Streicher.
Womit wieder mal bewiesen wäre: Im Gegensatz zu Poppern wie wir sind Streicher angewiesen auf ein gutes, ein sehr gutes Gehör.

Wohltuende Inseln

Benedikt Sartorius am Samstag den 29. März 2008

Der Auftritt des Herrn Bonaparte wurde im letzten Beitrag bereits diskutiert, was mir zugute kommt: Wegen grosser Menschenmenge war die Kunsthalle für mich nicht mehr betretbar, der populärweltgeschichtliche Spruch «Wer zu spät kommt …», der mir der nicht so freundliche Kassierer früher am Abend entgegenwarf, traf wiederum zu.

Überhaupt ist die Museumsnacht eine verflixte Sache. Soll man überhaupt hingehen, sich in das Getümmel werfen, obwohl sich eine gewisse Menschenscheu und Müdigkeit bereits im Vorfeld anmeldete?

Gewisse Inseln finden sich dann doch. Nicht im Bundesarchiv mit der Absinthe-Brennerei (dieser Absinthe ist ja auch nicht mehr das, was er mal war) und leider nicht bei den Mondoskopen, diesen wunderschönen Guckkästen-Automaten, die vom Publikum überrannt wurden.

Adolf WölfliStill war es aber später am Abend im Kunstmuseum in der Adolf Wölfli Ausstellung, mit den vollgekritzelten Zeitungsblätter und den unheimlichen Köpfen, die ich zu noch stillerer Stunde nochmals aufsuchen werde. Dort stiess ich auf folgendes Motto:

«Wehr reisen will, durch alle Wellt:
Braucht wahrlich manchen Kreutzer Gelt:
Und manche guhte, Wurst.
Ich wohne Heutte, noch im Zellt:
Indessen noch, der Haus-Hund bellt:
Ich habe schrecklich, Durst.»

Und ich trank unverzüglich… Berührend waren auch die Art-Brut-Häkelarbeiten von Lina Cécile Colliot Schafter, die Namen wie «Leichenwagen» tragen. Das alles war schön deplatziert an diesem aufgeregten Anlass, wie auch der Liedergärtner Sarbach und das Konzert von Melomane. Letzteres fand in der Aula des Progr statt, der Sound und das Licht waren dem Ort leider gemäss und der Anlass ein anderer: Dort wurde das 20jährige Jubliäum des Kunstkanals gefeiert.