Archiv für die Kategorie ‘Museen & Galerien’

Stairway to heaven

Daniel Gaberell am Mittwoch den 31. Januar 2007

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Möchten Sie die Stufen in den Himmel bereits zum voraus schon mal Probelaufen und schauen gehen, was da oben auf uns alle wartet? Leider kann Ihnen bei diesem Wunsch auch KulturStattBern nicht weiter helfen.

Aber bis es für Sie soweit ist, besuchen Sie doch die Jahresausstellung «Stairway to Heaven» des Studienbereichs Architektur der Berner Fachhochschule im Kornhaus. Dort führt nämlich eine rot leuchtende Treppe entlang der Fassade ins Kornhausforum und könnte vielleicht schon mal ansatzweise entsprechende Gefühle vermitteln. Gezeigt werden allerdings «nur» nationale und internationale Projekte in Indien, Shanghai, Neapel, Genf und vom Jungfraujoch.

Was mich bei diesem Projekt aber eigentlich am meisten erstaunt: wie in Bern anscheinend problemlos schreckliche Provisorien im Gerüstbau bewilligt werden.

Morgen Donnerstag um 18 Uhr findet die Vernissage statt, mehr Infos gibt es hier.

Die Treppe hoch

Kunsthalle in Frauenhand

christian pauli am Sonntag den 21. Januar 2007

Einen Hauch von Welt, gestern in der Kunsthalle zu Bern: Vernissage zur Ausstellung «Änderungen aller Art» der in New York lebenden, aus Köln stammenden Jutta Koether. Über 300 Gäste von nah und fern zählte das überfüllte Kunsthaus – so eine Vernissage hat man daselbst schon lange nicht mehr erlebt. Die Kunsthalle zeigt die erste Retrospektive der seit 25 Jahren aktiven Koether. Eine erstaunliche vielfältige Künstlerin: Ihr Spektrum reicht von schwarzen, abstrakten Bildern bis hin zu ultrafarbigen Stadt-Szenerien, von ganz dunkel gehaltenen Bilderkaskaden zu vollständig roten Porträts, von pastellfarbigen Hommagen an Ferdinand Hodler bis hin zu harten, geschnittenen Frauentorsos in Punk-Manier. Die Ausstellung mag überfrachtet sein, erschlägt einem beinahe – als Begegnung der interessanten Art können wir sie nur empfehlen.

Koether/Gordon. Bild von Karin Müller

Für wohl noch fast mehr Besuchsaufkommen hat gestern allerdings eine zweite Frau gesorgt. Koether hatte ihre Freundin Kim Gordon von Sonic Youth eingeladen, mit ihr die Vernissage zu beschallen. Und so hatte das geneigte Kunst-, respektive Avantgarderock-Publikum die nette Gelegenheit, einen Fast-Pop-Star ganz nah bei sich zu haben. Dass die fantastisch laute Sound-Performance im allgemeinen Getümmel unterging, wollen wir als nebensächlich bezeichnen.

Kunsthalle-Chef Philippe Pirotte war ganz aus dem Häuschen. Wir mögen es ihm gönnen, er bringt frischen Wind nach Bärn. Jutta Koether wiederum, die einige vielleicht auch als einstige Spex-Schreiberin erkennen, ist eine überaus feine und sympathische Frau. Wir freuen uns jetzt schon, dass sie am 3. März nochmals leibhaftig in der Kunsthalle wird anwesend sein.

Kein Vernissage-Tussi

Manuel Gnos am Dienstag den 16. Januar 2007

Einmal mehr blieb am Schluss die Feststellung: Vernissagen bringens nicht. Man steht rum, lauscht den Ansprachen vermeintlich wichtiger Menschen, dringt aufgrund der guten Kinderstube erst zum Buffet vor, wenn die besten Stücke schon weg sind, nippt im gleissenden Neonlicht an einem Glas mit lauwarmem Rotwein und sieht die Ausstellungsstücke nicht wegen all der vermeintlich wichtigen Leute, die davor rumstehen, lauwarmen Rotwein schlürfen und sich die besten Stücke vom Buffet einverleiben.

Neinneinnein, das kanns nicht sein. Trotzdem darf ich Ihnen allen empfehlen, die Ausstellung über das Shaxi Rehabilitation Project im Berner Kornhausforum zu besuchen. Ein Projekt, mit dem dem Chinesen gezeigt wurde, wie man respektvoll mit Kulturschätzen umgeht. (Auch wenn das in Anwesenheit des chinesischen Botschafters niemand genau so formuliert hätte…)

The Shaxi Rehabilitation Project, Vernissage im Kornhaus-Forum. (Bild Manuel Gnos)

Bastian in the House

christian pauli am Freitag den 12. Januar 2007

Dieser Künstler hat sich innerhalb von einem guten Jahrzehnt sein ureigenes Universum geschaffen – jetzt hat er dafür auch einen Namen gefunden: Die Bastropolis des M.S.Bastian. Gestern war Vernissage in der Berner Galerie Martin Krebs. «100 Ansichten auf Bastropolis» heisst die Ausstellung, die noch bis am 24. Februar dauert. Im Mai 2007 erscheint im Benteli Verlag ein gleichnamiges Buch.

Bastian`s Playhause (Hommage an Atak), Mischtechnik mit Collage auf Leinwand, 70 X 100 cm, 2005

Bastian ist ein Comics-Künstler: Er zerrt Pulp-, Pop- und Trash-Figuren in das noble Licht von Galerien und lässt sie in grellen Bildern Revue passieren. Micky Mouse, die Beatles, Tim und Struppi tummeln sich zu Hauf in fantastischen Panoramen und bizarren Grossstadt-Schluchten. Seine Bilder sind oft Hommagen. Poetisch oder chaotisch, winzig oder bombiastisch: Der Berner Bastian, der sich auch selbst unentwegt als Popfigur inszeniert, ist zu einer international wirksamen, unverkennbaren Firma geworden.

Ein vergleichweise gesetztes Publikum übrigens, gestern in der Galerie Krebs. Menschen mit Bildung und Kapital. Ach ja, die 77 in der Galerie Krebs ausgestellten Bilder kosten zwischen 800 und 15’000 Franken. Das eine oder andere orange Kleberli machte deutlich: Hier ist auch der Künstler ist im Geschäft. Nennen wir das Ganze Comics für die Bourgeoisie. Eine Verschränkung, die wir übrigens ganz ok finden.

Weihnachtskunst

Daniel Gaberell am Dienstag den 12. Dezember 2006

Der neue Adventskalender von «Haus am Gern» hat 17 Türchen und flatterte gestern in die Briefkästen der Schweizer Haushaltungen. Haus am Gern? Das sind Rudolf Steiner und Barbara Meyer Cesta. Haus am Gern ist ein künstlerisches Unternehmen frei von geografischen Fixpunkten. Allerdings: viele Arbeiten der beiden wurden (und sind) schon öfters in Berns einschlägigen Kunsthäusern ausgestellt.

Haus am Gern macht aber nicht nur Kunst. 17 verschiedene Publikationen sind in der Edition Haus am Gern bis heute erschienen.

Zum Beispiel Nummer 07: «Heinz baut», ein Daumenkino von 116 Seiten für 7 Franken. Innert einer Sekunde entsteht ein 15 Meter hoher Turm.

Oder die 08: 204 Seiten mit Fotos von 200 Schweizer Scheiben- und Schiessständen (45 Franken).

Auch gut: die Nummer 16 – ein Künstlerbuch von 512 Seiten. Dieses Stück bleibt unverkäuflich, kann aber für 100 Franken pro Monat gemietet werden.

Hier finden Sie das gesamte Angebot und somit dürfen Sie eine stressfreie Vorweihnachtszeit geniessen – die Geschenkfrage hat sich für Sie soeben erledigt.

Gernn

Länggass-Kultur III

Daniel Gaberell am Dienstag den 28. November 2006

Verehrtes Leserinnen und Leser, wir freuen uns, Sie erneut auf ein Kultur-Reisli mitzunehmen. Wir bleiben unserem bevorzugtem Quartier – die nördliche Länggasse – treu und entführen Sie an die Ecke Freiestrasse/Muesmattstrasse.

Gleich vis-a-vis vom Büchsenflachdrücker und Glassammelcontainer, steht der Kunstkiosk. Nicht zu verwechseln mit jenem Kiosk, der vor ein paar Jahren in der Lorraine ebenfalls Kunst zeigte. Wir vom Quartier sind sehr, sehr froh über die kulturelle Hochburg, die uns nun seit gut 40 Monaten eine abwechslungsreiche Glasentsorgung ermöglicht.

Allerdings, das sei hier deutlich gesagt, vermissen wir trotz allem auch das schier unbeschreibbare Bild des früheren Kioskbetreibers: um die fünfzig, sehr dick, mit weiten, schmutzigen Jeans die er bis auf Höhe Bauchnabel hochzog, fettiges, leicht gewelltes Blondhaar, ständig mit Bierbüchse und Zigarette in der Hand, halbhohe, sehr schmuddelige, bändellose Nike-Turnschuhe (auch im heissen Sommer).

Betreiberin dieser Kunstgalerie ist marksblond.com. Die Idee, jede Woche neue Arbeiten zu zeigen, ist zwar lobenswert, in Wirklichkeit aber – aus verständlichen Gründen – nicht umsetzbar.

Die bisher augenfälligste Installation war der Sprungturm vom Künstlerpaar Lang/Baumann aus Burgdorf und die nächste Ausstellung beginnt am 30. Nov 2006 um 19 h, der Künstler heisst Kotscha Reist und lebt in Bern.

kiosk

spielwitz & klarheit

Daniel Gaberell am Sonntag den 22. Oktober 2006

Architektur, Plakate, Architektur, Plakate, dazwischen: Grafikkunst bei Schallplatten und Printmedien, ein paar Hocker und Sessel, 1 USM, 1 Velo, ein halbdozen Tischlampen, Büchergestelle (drei glaube ich), Kaffeemaschinen die irgendwie ganz fremd in dieser Ausstellung wirken, dann noch der Film „Unikate ab 1950“ und natürlich Architektur, Plakate, Architektur, Plakate…

Für mich zeigt die Ausstellung „spielwitz & klarheit“ im Kornhausforum Bern nur Ansätze von Grafik und Design, hingegen ein paar wunderschöne Beispiele von wirklich tollen Bauten aus den letzten 60 Jahren.

So findet der interessierte Besucher Modelle und Dokumentationen von realisierten Ferienhäusern im alpinen Raum. Und ich sage Ihnen, da möchte man vielerorts gleich einziehen!

Generell aber zeigte sich, dass ich doch weit höhere Erwartungen an die AusstellungsmacherInnen hegte. Immerhin, ein paar Sehnsüchte wurden geweckt, aber möglicherweise hätte man sich besser nur auf die Architektur beschränkt.

Die Ausstellung dauert noch bis zum 7. Januar 2006 (Eintritt 12 Franken).

Ferienhaus

Fotografie unserer Zeit

Daniel Gaberell am Samstag den 2. September 2006

fototage Die zehnten Bieler Fototage wurden vor ein paar Stunden eröffnet. Nebst diversen Ansprachen, einem Stelldichein der Schweizer Fotoszene und eine wunderschönen Spätsommerabend, erlebte ich drei Höhenpunkte:

1). Die Ausstellung von Dominic Büttner im La Rotonde (Bild links). 15 grossformatige Gesichtsportraits von Menschen, die sanft lächeln und dabei an ihren ganz persönlichen Glücksmoment zurück denken (dieser Moment ist als Bildlegende beschrieben).

2). Franca Pedrazzettis wunderschöne Dokumentation in der Stadtkirche über Giulia. Giulia litt an Brustkrebs und Franca begleitete die Protagonistin auf dem Weg ihrer Genesung. Sinnlich, berührend, ruhig.

3). Die Bieler Majoretten in Begleitung einer lustigen Bläser- und Trommelkomob. Spielen konnten sie mehr laut als gut, die Uniform aber war allererste Klasse!

Dann machten noch ein paar Michael von Graffenrieds auf lonely wolf und schlichen ebenfalls entlang der Ausstellungen und hie und da gab es sogar Schinkengipfeli und ein Gläsli Twanner.

Alles in allem ein gelungener Anlass, mehr aber auch nicht.

Präventive Aktion

Grazia Pergoletti am Montag den 21. August 2006

Da gerade alle anderen Blog-MitarbeiterInnen todkrank oder frisch verliebt zu sein scheinen – was, NEIN, nicht auf’s Selbe herauskommt! – wechseln Herr Gaberell und ich uns halt ein bisschen ab…

Am Freitag war Vernissage in der Kunsthalle. Die Ausstellung nennt sich Pre-Emptive, und obwohl ich es immer schwierig finde, eine Austellung an der Eröffnung zu beurteilen, empfehle ich einen Besuch wärmstens. Zwar war ich sehr dankbar, den Artikel im «Bund» vom Freitag vorher gelesen zu haben, denn er lieferte Hintergrundinformationen, die einem an der Ausstellung selbst vorenthalten bleiben. Dies ist natürlich Absicht, denn die «Ausstellung will eine Situation beschwören, die der Verwirklichung und Möglichkeit jeglicher Kontrolle vorgreift, sie also vermeidet».

F. Reymond le cadeaux dePersönlich bemerkenswert nebst der Kunst war die gute Stimmung an diesem Abend, die Rede (sowie die Frisur) von Philippe Pirotte, und mein kurzer Tratsch mit Herrn Gartentor, der sich als Kulturblogbesucher outete. Mein Highlight lieferte schliesslich Giro Annen mit diesem Satz: «So ist es doch im Leben: Man wartet immer darauf, dass es so viel schneit, dass die Schule geschlossen bleibt.»

Bevor ich mich jetzt vollends zur Patricia Boser der Kunstszene mache, hier ein kurzer, trockener Hinweis auf eine andere Austellung. Anton «Fashion» Schuhmacher zeigt in seiner Galerie Artdirekt (Herrengasse 4) Malerei von Florence Reymond, Vernissage war am Samstag. Lieblich und unheimlich. Hingehen!

Analog hin, analog her, digital das ist nicht schwer

Daniel Gaberell am Dienstag den 15. August 2006

Es gibt ihn noch, den Nostalgiker in der Fotoszene. Das vertraute Klicken seiner alten Nikon, das komplizierte Filmwechseln seiner Contax, das «gerübelte» Gehäuse seiner Leica – all das sind heimatliche und vertraute Klänge und Empfindungen, die dem Fotografen Sicherheit und Nostalgie einflössen. Wunderbar.

Oft werben die Analogen für ihr altes Handwerk, welches im Fall gelernt sein will und nicht jeder Dahergelaufener einfach mir nichts, dir nichts schöne Fotos machen könne. Aha.

Und wisst ihr was? Ich gebe euch Recht. Denn mögen die neuen Digital-Kameras noch so viele Funktionen und Extras aufweisen, ein guter Fotograf – pardon, gute Fotografin – ist ein guter Fotograf und wird es auch bleiben, egal welches Medium er benutzt. Weil man zuerst das Sujet wählt, dann den richtigen Augenblick und alles andere kommt erst später…

Feidknecht

Deutlich wird das auch bei Alfred Engel-Feitknecht (1850 – 1899). Der Twanner Fotograf hinterliess als analoger Präsident seiner Gemeinde nicht nur eine neue Trinkwasserversorgung, sondern auch ein bezauberndes Album mit fotografischen Szenen vom Bielersee-Leben. Er betrieb ausserdem eine Fabrik, wo er fotografische Bedarfsartikel wie Kameras, Trockenplatten, chemische Stoffe usw. herstelle und weltweit vertrieb.

Eine Fotoausstellung im Twanner Rebhaus Wingreis dokumentiert das Schaffen von Alfred Engel-Feitknecht noch bis zum 27. August 2006.

Und ausserdem: am 20. Aug 2006 organisiert Markus Schürpf eine Wanderung durch die Twannbachschlucht mit anschliessender Führung durch die Ausstellung. Denn auch die Wanderroute durch die Twannbachschlucht geht auf Engel-Feitknechts Kappe.