Archiv für die Kategorie ‘Museen & Galerien’

Besuch des Nomaden in Bern

janna am Sonntag den 6. April 2008

Alain Jenzer vor der RauminstallationUnvermittelt taucht ein Nomade auf, lässt sich irgendwo nieder und für eine kurze Zeit entsteht an einem unkonventionellen Ort Raum für Kunst.

Im Lichthof eines Wohnblocks im Berner Breitenrainquartier wird das Nomad-Projekt von Alain Jenzer zum ersten Mal umgesetzt. Durch einen dunklen Keller hindurch in einen, für die Augen plötzlich ganz ungewohnt hell ausgeleuchteten Lichthof muss man schreiten, um die Lagerstätte des Nomaden zu sehen, die von dem Künstler Nino Baumgartner «gemütlich» gemacht wurde. Nun ja, eine kuschelige Bleibe sähe wohl anders aus, ohne Glasscherben am Boden und ohne riesige Sperrholz «Carrera»-Rennbahn, aber der Nomade soll sich ja auch nicht einnisten, sondern weiterziehen.

Es ist ein tolles Bild, das sich so unverhofft in einem Berner Innenhof darbietet. Die Sperrholz-Linie windet sich, scheinbar wie es ihr passt, durch den ihr gegeben Raum und verschwindet, wie sie gekommen ist, hinter einer geschlossenen Tür. Der Himmel spiegelt sich in dem in Haufen herum- liegenden, gewaltsam zerbrochenen Glas, so dass blaue Farbflecke die Holzschleifen ergänzen, was zu einem harmonischen Gesamtbild verschmilzt.

Man kann gespannt sein, wo der Nomade Alain Jenzer sich als nächstes niederlässt und wie sein Erscheinen erneut die Wahrnehmung eines urbanen Raumes verändern wird.

Heute (!) von 13 bis 17 Uhr kann man die Installation noch betrachten: Im Keller der Moserstrasse 4 beim Viktoriaplatz.

Plattenbau ins Meer

christian pauli am Sonntag den 23. März 2008

Erinnern Sie sich? An dieser Stelle gab es mal eine heftige Debatte über die publizierten und sogleich wieder versenkten Pläne für einen Erweiterungsbau des Kunstmuseums. Keine Ahnung, was damit geschehen ist, also ich meine mit der Debatte und dem Erweiterungsbau, aber meine Vermutung ist mal: Irgendeinmal wird dort am Aarehang gebaut, aber keine/r wird es so richtig merken.

An etwas aber kann ich mich genau erinnern: An die Oberflächenstruktur des Entwurfes: Mir gefiel das, weil uneben, verschachtelt, unzentriert. Nun, kürzlich kam mir dies wieder in den Sinn, als ich auf dies stiess.

National Opera House, Oslo. (Bild adi)

Wir befinden uns in Olso. Das ist die Hauptstadt von Norwegen. Ein Land in Europa, so reich und klein wie die Schweiz.

Wir wünschen noch eine schöne Ostern.

Auftritt mit viel Tamtam

janna am Samstag den 8. März 2008

Majorett schwingende, sich zu Blasmusik bewegende Damen in luftiger rot-weisser Uniform eröffneten gestern das Grand Palais in Bern. Nein, damit ist kein neues fünf Sterne Hotel gemeint, sondern ein neuer unabhängiger Kunstraum. Ein Off-Space, der zum Ziel hat, im alten Wartsaal gute Kunst zu präsentieren, frei von ökonomischen Zwängen.

Majorett schwingende Steffisburger

Der opulente Name, so dachten sich wohl die Begründer des Kunstraumes, müsse durch eine entsprechend geräuschvolle Eröffnung gerechtfertigt werden. Denn fürwahr: das Grand Palais ist eher klein und überschaubar als gross und protzig. Und wenn eine Brücke nach Paris geschlagen werden soll, dann wohl eher eine zum Centre George Pompidou. So liefern die auffällig kreuz und quer durch die Räume führenden Heizungsrohre, nach dem man etwas über den Namen sinniert hat und gedanklich dabei ziemlich ausgeufert ist, Assoziationen in Richtung Renzo Pianos Bau in Paris.

Die beschauliche Betrachtung dieser schwebenden Röhren samt den zur Installation gehörenden Bildern der beiden Künstler Rudolf Steiner und Barbara Meyer Cesta, fand allerdings ein jähes Ende, als die Röhren plötzlich anfingen, „atemberaubenden“ Rauch auszustossen.

Ein cleverer Schachzug, denn so sah man sich gezwungen, den erwähnten Majorettes aus Steffisburg in der Kälte Gesellschaft zu leisten. Nach diesem Kälteschock sah ich im schnellen Pedaletreten die einzige Aufwärmemöglichkeit. Die sehr gute Stimmung im Grand Palais hat sicher angehalten und scheint mir gute Chancen zu haben „zukunftsträchtig“ zu sein.

Die aktuelle Ausstellung läuft noch bis zum 28. März.

So läuft man richtig „silly“!

janna am Samstag den 1. März 2008

Skurrile TraumfigurFestliche Stimmung empfing einen gestern im Progr. Die Studenten des Studiengangs Visuelle Kommunikation der Hochschule der Künste von Bern erhielten ihre Diplome und präsentierten ihre Abschlussarbeiten.

Sehr gespannt erwartete ich die Projekte der fünfzehn Absolventinnen und Absolventen. Visuelle Kommunikation beeinflusst unsere Wahrnehmung, ob man will oder nicht. Also rein ins Vergnügen um schon jetzt mal einen Blick darauf zu werfen, was die zukünftigen „Manipulatoren“ an Ideen bereithalten.

Praxisbezug schien keine zwingende Vorgabe für die Arbeiten gewesen zu sein. Gut so, denn sonst wäre uns wohl die Studie zur Weiterführung des „Silly Walks“ der Monty Python, resultierend in einer Anleitung zum Selbststudium des „albernen Ganges“, entgangen.

Daneben gibt es aber auch Ideen, die sehr wohl ihren Weg in den Alltag finden könnten. So zum Beispiel das Konzept eines Magazins, dank dem die Literatur mit multimedialen Mitteln – wie einem prosaischen Küchentuch – unserer leseverdrossenen Gesellschaft näher gebracht werden soll.

Was so lange ausgetüftelt wurde, erschliesst sich dem Besucher nicht gleich auf den ersten Blick. Wer, wie ich, gerne mal der Leseverdrossenheit frönt und sich nicht durch die vielseitigen Dokumentationen durchackern möchte, dem bietet sich die Möglichkeit von zwei Führungen die kommenden beiden Freitage.

Die Ausstellung läuft noch bis am 15. März. Geöffnet ist sie von Dienstag bis Samstag zwischen 15 und 19 Uhr.

Grosse Hasenkunst in Bern

Daniel Gaberell am Freitag den 29. Februar 2008

Kunsthasen Die Galerie Yamatuti lud gestern Abend zur Hasen-Vernissage.

Der Aufruf an die breite Bevölkerung – «malt Osterhasen!» – wurde erhört und so hängen, stehen und sitzen zurzeit ungefähr 50 kunstvolle Hasen im Ausstellungsraum.

Dazu die Kuratorin und Künstlerin Caroline Elsässer: «Hasen sind schöne Tiere. Und diese Ohren, mich beeindrucken einfach diese grossen Ohren…»

Die Kunstwerke können käuflich erworben werden. 50 Prozent der Einnahmen gehen an die Künstlerin oder an den Künstler. Die Bandbreite reicht von 20 bis 4’200 Franken.

Led Zeppelin auf Zimmertapete

janna am Samstag den 23. Februar 2008

Monster, Mysterien, Symbole, «Black Sabbat» und psychedelische Zustände versteckt hinter barocken Stilmustern. Zeitgenössische Mythen wie Totenkopf von H&M oder Keith Richards hinter bürgerlichen Dekorationen.

Verstaubte Muster aus dem 19 Jahrhundert. Schwarze Gedanken verstecken sich hinter alten verstaubten Dekorationen. Ein Versteckspiel?

Vorbild Alptraum, hinter alten dekorativen und ausgestaubten Tapetenmuster, zusammengemixt und auf malerischen Formaten ausgestellt. Doch weder die fast pornografische Darstellung der Menschenkinder, weder die beissende und giftige Schlange, noch die pflanzenfressenden Untiere, noch die menschenfressenden Ungeheuer lassen mich erschauern und nachdenken. Nein, weit gefehlt, sie amüsieren mich nicht einmal, sie schrecken mich auch nicht ab, zu versteckt sind sie. Einzig Led Zeppelin lässt mich von der Trance träumen. Surrealer aber auch nostalgischer Alptraum.

Immerhin! Zeppelin bringt mich auf die Idee, mit Janna die obligatorische Parisienne Orange zu rauchen, und die Fabelwesen hinter ihrer bürgerlichen Dekoration mal kurz alleine zu lassen und mich zu dem anderen „Wallpaper“ zu begeben, dem gesellschaftlichen.

Erneut betrete ich den Raum. Die Mythen und Fabelwesen sind gefangen, sie haben nicht die leiseste Möglichkeit hinter diesem barocken Gitter die Betrachter zu fressen, sie zu jagen und ihnen Angst und Schauer einzujagen, zu fest die Vorgabe der Dekoration. Ich schaue ob sich doch nicht ein mystifizierter und heroisierter Gedanke irgendwo in Netzstrümpfe oder blonden Haaren festgebissen hat, ich halte sogar die Kamera dicht an Frisuren und Make Up, stelle den „Flash“ ein und suche nach der Freiheit all dieser Ungeheuer.

Wir kommen gerne wieder ins Milieu, aber wie euer Name verspricht, hoffen wir, dass ihr die «Wild Animals» und «the wild Spirit» aus deren Käfig rauslasst, zuviel Deko!

Thanks for the Cigarette.
Ihr R. Paradise

«DOWNtown»

janna am Freitag den 22. Februar 2008

Collectif Fact bei Marks Blond

Wieder einmal präsentieren sich die Marks Blond Räume neu. Nachdem sie eine Schnapsbrennerei, einen Kiosk und eine Ansammlung von Kartonkisten beherbergten, stellen sie sich nun als Baustelle dar. Aber nein, das Marks Blond Intermezzo ist damit keineswegs beendet!

Einerseits Baustelle, andererseits geordnet gehängte Fotos an den Wänden: Collectif Fact, eine Genfer Kunstgruppe, spielt mit der Wahrnehmung. Die Fotos sind trügerisch, denn es handelt sich nicht, wie es auf den ersten Blick scheint, um Häuser irgendwo fern ab, sondern um Hochhäuser der Genfer Innenstadt, zusammengeschrumpft auf einen Stock. Genf mal sehr kleinstädtisch!

Nebenan versinkt man in die Betrachtung eines Autos in Spielzeugformat, dem auf wundersame Weise eine Strassenlaterne aus der Kühlerhaube spriesst. Doch nicht allein diese Tatsache lädt zur beschaulichen Kontemplation ein, mehr noch die fast sakrale Art der Aufmachung. Ein Stücken Parkplatz mit diesem einzelnen Auto, beleuchtet alleine durch die Strassenlaterne in einem sonst absolut schwarzen Raum.

Das nennt man wohl moderne Parkplatzpoesie!

Die Ausstellung läuft noch bis 22. März.

Angenehmer Rückenschauer

janna am Montag den 18. Februar 2008

Markus Schinwald im Migrosmuseum.

Ganz allein, Monsieur Paradise blieb in Bern, machte ich mich auf den Weg nach Zürich ins Migros Museum der Gegenwartskunst. Es erwartete mich dort eine Ausstellung der unheimlichen Art. Ein beschützender Monsieur an der Seite wäre ganz angenehm gewesen.

Schon beim Betreten der Ausstellungsräume empfangen einen düstere Klänge, die die Wahrnehmung der Bilder und Skulpturen massgeblich mitbestimmen.

Ein weiteres unbewusst wahrgenommenes Element beeinflusst den Gang durch die Räume wesentlich. Es sind dies architektonische Konstruktionen, die Markus Schinwald in seine Ausstellung mit einbaut. Diese L- und T-förmigen Elemente mitten im Raum stören das Sichtfeld, schaffen gleichzeitig aber auch neue, interessante Rahmungen und Einblicke, wenn man denn bereit ist, in den Museumsräumen etwas rumzuturnen.

Die Portraits an den Wänden tragen ihren Teil zur Stimmung bei. Ernst dreinblickende Gesichter mit absurden «Prothesen» für noch unbekannte (Seelen)-Krankheiten schauen einen an. Auf Podesten am Boden räkeln sich derweilen Tisch- und Stuhlbeine, als wäre das Modeln ihre Leidenschaft.

Im letzten, völlig abgedunkelten Raum der Ausstellung findet man sich schliesslich im Gruselkabinett wieder: Dauergequietsche, eine unheimlich beleuchtete Puppe und ein Film, in dem eine Frau mit hysterischen Anfällen kämpft.

Eine beklemmend schöne Ausstellung! Monsieur Paradise hat etwas verpasst.

Die Ausstellung läuft noch bis am 18. Mai.

Konfus aus der Kunsthalle

janna am Samstag den 9. Februar 2008

«I can’t explain and I won’t even try» (Stefan Brüggemann, 2003). Na gut, dann müssen es eben andere versuchen.

Monsieur Paradise in schwungMonsieur Paradise und ich gingen gestern durch die schönen Räume der Kunsthalle und fühlen uns etwas überfordert. Jede Menge Statements an allen Wänden wie zum Beispiel: «To be political it has to look nice» oder «Sometimes I think sometimes I don’t». Alleine genommen sind sie ansprechend, in ihrer Fülle aber dann wirken sie auch verwirrend und verdichten sich zum gewollten Nonsense, dem man etwas ratlos gegenübersteht.

Eine ähnliche Desorientierung erfährt man in der begehbaren Black Box, die extra für die Kunsthalle konzipiert wurde. Das Innere der Box eröffnet einem ein blitzendes, lärmendes und schwarzes Nichts. Eine intensive Erfahrung, die man am Besten selber macht.

Während Monsieur Paradise, etwas lustlos und ziemlich schnell, durch die oberen Räumlichkeiten huschte – ich keuchte hintendrein – war er von den unteren beiden deutlich mehr angetan. Das Spiel mit Widersprüchen und sich gegenseitig aufhebenden Aussagen setzt sich auch in diesen Räumen fort, nur weniger überladen.

Der offene, vordere Raum scheint auf den ersten Blick grau tapeziert worden zu sein. Bei genauerem Hinschauen löst sich jedoch das Grau in die immer gleichen Worte «conceptual decoration» auf. Ein Widerspruch in sich; konzeptionelle Dekoration? Ein erneutes Spiel ad absurdum geführter Aussagen.

Um den Kopf zu entwirren, gingen wir an die Bar, wurden dort aber, dank «pinkfarbenen» Menschen und spanischem Sprachengewirr, erneut gründlich verwirrt und verliessen schliesslich etwas konfus die Kunsthalle.

Stefan Brüggemann, Künstler aus Mexiko, stellt noch bis 20. April in der Kunsthalle Bern aus.

«Haarverlängerung am ganzen Körper (dank Laser)»

Grazia Pergoletti am Montag den 28. Januar 2008

Holzbuch von Lutz/Guggisberg Oder: «Huhnphantome geimpft (ohne Gen)». Oder: «Tausche Gelenkpfanne Methusalem TM gegen neuwertige Urne (Nickel verchromt)».

Solche und andere – der Annoncenzeitschrift Tierwelt nachempfundene – Anzeigen begrüssen einem in der Ausstellung «Leben im Riff» von Lutz/Guggisberg im Aargauer Kunsthaus. Sie sind an eine Bretterwand geheftet, die einige Zeit im Freien stand, so dass das Wetter ein bisschen an der ganzen Sache mitmalen durfte. Danach geht es weiter durch einen finsteren Raum mit grossen dunklen Vögeln – eine Kunstgeisterbahn.

An der Vernissage wurde viel und laut gelacht. Auch in der Bibliothek mit den erfundenen Holzbüchern, wie z.B. «Rokokokoketten» von Rudolf Schock, «Kochen mit alten Meeresfrüchten» der Borderline-Gourmeuse Alice Vollenweider oder Ruth Wise’s «Beyond Knowledge». Mein Lieblingsstück jedoch ist der «Globus», eine Kugel, zusammengesetzt aus verschiedenen Holzkunsthandwerkchen aus aller Welt.

Das Herz der Austellung von Andres Lutz und Anders Guggisberg bildet das «Floss», ein Wohlfühl-Wohnzimmer, das aufwärts schweben will und an dem viele kleine Tonfigürchen weiterarbeiten. Das Eso-Floss ist ausgestattet mit einer Handbremse, ebenfalls aus Ton, für den Fall, dass die Erleuchtung, oder was auch immer, zu flott voran geht. So eine hätte ich auch gerne, habe ich mir gedacht.

Christine Streulis ornament-artige, meist grossformatige Bilder sind in ihrer bunten Luftigkeit ein wunderbarer Kontrast zum philosophischen Wust von L/G. Nur über eine der drei am Samstag eröffneten Ausstellungen in Aarau zu berichten, ist eigentlich ein Verbrechen. Besuchen Sie dieses geniale religöse Cabaret von Lutz/Guggisberg. Und natürlich auch die anderen Ausstellungen! Wenn nicht gerade Vernissage ist, ist dazu bestimmt genug Musse und Platz.