Archiv für die Kategorie ‘Museen & Galerien’

Just another Brick

Roland Fischer am Dienstag den 16. Dezember 2014

Es ist ein ziemlich anspruchsvolles Ausstellungsthema, und mit dem Titel kann man zunächst mal rein gar nichts anfangen: Alphabrick. Gut, im Maison d’Ailleurs in Yverdon (sowieso eine Reise wert, die schmucke Stadt am Südwestende des Neuenburgersees) geht es standesgemäss um irgendwie höhere Sphären und andere Dimensionen, das Science-Fiction-Museum hat sich längst von seinen Wurzeln als Jules-Verne-Archiv emanzipiert, es ist gewissermassen aufgebrochen in «den Weltraum, unendliche Weiten».

alpha

In der aktuellen Ausstellung geht es um: den Cthulhu Mythos von H. P. Lovecraft, Star Wars, Lord of the Rings, es geht um Originalzeichnungen, Games und Filmsoundtracks, und es geht um: Lego. Die Austellungsmacher haben das Materialdurcheinander nämlich auf einen sehr cleveren gemeinsamen Nenner gebracht: den Baustein, aus dem man ganz verschiedene Welten bauen kann. Auf diese Weise wird aufgezeigt, welche narrativen Legosteine sich im Laufe der Science-Fiction-Geschichte als besonders praktisch erwiesen haben und in welchen Zusammenhängen sie immer wieder aufgetaucht sind. Dazwischen gibt es überall herrliche überdimensionale Legowelten zu bestaunen – und so das Kind im Mann wiederzuentdecken. Oder aber man geht sehr erwachsen durch die verwinkelten Räume und philosophiert darüber, dass alle diese ganz verschiedenen Welten aus denselben im Grunde doch langweiligen (Lego)steinchen zusammengebastelt sind. Ein Ausflug in andere Welten: eine Stunde nur von Bern und sehr zu empfehlen.

«Ich hasse Kunst»

Milena Krstic am Sonntag den 14. Dezember 2014
I Hate Art. Ian Stevenson, 2012.

I Hate Art. Ian Stevenson, 2012.

Ein Nachtrag: Am Donnerstagabend bin ich per Zufall in die Eröffnung der «Cantonale Berne Jura» gestolpert. In der Stadtgalerie des Progr zeigen neun Ausstellungsinstitutionen (übles Wort) das «aktuelle Schaffen von Künstlerinnen und Künstlern aus den Kantonen Bern und Jura». Auf der Webseite der Cantonale Berne Jura ist zu lesen: «Zur Teilnahme berechtigt sind alle professionellen Künstlerinnen und Künstler, die entweder im Kanton Bern oder Jura ihren Wohnsitz oder Arbeitsort haben oder einer der beiden Kunstszenen angehören.» Okay, aber … Reicht es nicht, «nur» Künstler zu sein? Muss man das auch noch professionell machen? Und ab wann ist der/die KünstlerIn professionell? Reicht da ein Diplom der HKB?

Ich gehe an dieser Stelle nicht auf die ausgestellten Werke ein. Nein, hier soll es um den Eröffnungs-Apéro gehen, der so steif as steif can be war. Ich kann gar nicht wiedergeben, welche Gemeinplätze da bemüht wurden, aber Küre hat sich furchtbar aufgeregt, mich am Ärmel gezupft und nach draussen in die Kälte gezogen, damit wir uns dort mit einem Härdöpfusiech, wie er an der Klangkartoffel zubereitet wird, verköstigen konnten. Während Küre in seiner mit Raclette-Käse und Cocktailsauce gefüllten Kartoffel stocherte, sagte er:
«Gell, dann tun sie immer so anti-niederschwellig und geschwollen, als würden sie den heiligen Gral beherbergen in diesen klinisch weissen Räumen und dann reden sie mit einer fruchtbaren Ernsthaftigkeit und machen möglichst viele Verweise auf andere Theorien und Texte und Werke, damit auch ja niemand sagen kann, ein Mensch alleine hätte sich so einen langweiligen Scheiss einfallen lassen können, das wäre dann doch zu komplex für ein Hirn, nicht wahr? Manche Leute müssen einfach rausgeschmissen und manche Häuser besetzt werden und einiges muss aus Ärschern gezogen werden, das wäre schon mal ein grosser Schritt, dann müsste ich vielleicht nicht mehr sagen, ich hasse Kunst.»

Die Cantonale Berne Jura dauert noch bis am 17. Januar 2015.

Museum halt.

Roland Fischer am Freitag den 5. Dezember 2014

Niemand entkommt der Geschichte – so steht es im Beiblatt zur momentan im Kunstmuseum stattfindenden Ausstellung «Im Hier und Jetzt!». Das gilt natürlich auch und vor allem für etwas, das sich schon in der Selbstzuschreibung «zeitgenössisch» nennt: wie die Kunst, wenn sie nicht von gestern sein will. Die Stiftung des Kunstmuseums, die sich um diese Kunst kümmert, heisst noch etwas kürzer «Kunst heute». Und sie sammelt seit über dreissig Jahren, in kulturhistorischen Massstäben also tatsächlich erst seit gestern. Der Blog Ihres Vertrauens hat eine Zweigenerationendelegation ins Kunstmuseum geschickt, um sich (wieder Zitat Beiblatt) zu «fragen, was das, womit wir konfrontiert sind, mit uns zu tun hat». Frau Krstic?

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Ein transformativer Blick ins neue Jahr

Roland Fischer am Dienstag den 2. Dezember 2014

Schon geht das Jahr wieder in den grossen Schlussverkauf – Grund genug, mal rasch ins 2015 rüberzulinsen. Gerade sind nämlich zwei Vorankündigungen für den Januar hereingetrudelt, die beide viel Freude machen.

Zunächst einmal ist endlich die nächste Transform-Katze aus dem Sack – und wow, so zentral war Zwischennutzung noch nie. Diesmal wird der frühere SBB Historic-Sitz am Bollwerk 12 bespielt – die Eisenbahnarchivare müssen (ein gewisser ferrophiler Liebesentzug ist das schon) raus aus dem Zentrum und ziehen nach Windisch um. Die Transformer freut’s – und uns auch. Die Versuchsanordnung 4 öffnet am 9. Januar die Pforten und dauert bis am 15. Februar. Was da genau passieren wird, ist uns zwar auch nach den Erläuterungen der Macher nicht ganz klar:

Musiker sowie bildende und darstellende Künstlerinnen entwickeln in einer experimentellen Vorgehensweise 10 Positionen zum soziogeografischen Raum rings um die Lokalität.

Aber es wird mit Sicherheit auch wieder eine nette Bar geben.

Soziogeografie und Experimente musikalischer Art bietet das Norient Festival, das vom 15. bis zum 18. Januar schon in die sechste Ausgabe geht – und erstmals auch über Bern hinaus expandiert, ins ja als Konzertlokal auch hie im Westen schon lang heissgeliebte Palace St.Gallen (shnit lässt grüssen?). Das Programm ist wieder mal eine grosse Wundertüte, eine musikalische Weltenreise. Und natürlich ist es kein Zufall, dass die Organisatoren für den Schlussabend extra das deutsch-französische Kollektiv Transforma eingeladen haben. Die könnten doch eigentlich gleich drüben im Bollwerk performen?

Poster-Bazar zwischen toten Tieren

Gisela Feuz am Samstag den 29. November 2014

Die Bar der toten Tiere im Naturhistorischen Museum geht in die zweite Spielzeit. Gestern Abend wurden die ausgestopften Vögel mit anderen Vögeln und Fischen ergänzt, so zumindest am Stand von Blackyard. Fünf Grafiker-Unternehmungen luden nämlich zum heiteren Bazar.

blackyard

Blackyard

Wie eine zuverlässige Quelle zu berichten wusste, seien bei der Entstehung der Fische und des grossen Vogels (im Bild oberste Reihe) die ganzen Sindbad-Hörspiele durchgehört worden und die seien ja nun wirklich sackbrutal. Generell will man beim Betrachten der Erzeugnisse manchmal lieber nicht zu genau wissen, wo sich die Herren Grafiker ihre Inspiration geholt haben, etwa wenn da Totenschädel noch ihre wenigen übrigen Zähne verlieren. Dann wiederum lassen andere Sujets exzessive Comics-Lektüre vermuten, wie etwa bei den Herren Efentwell und Voodoo-Rhythm-Chef Beat-Man überzeugt einmal mehr mit wunderbar schlechtem Geschmack und fotoshoppt auch mal auf eine Szene eines Louis de Funès-Films die Köpfe der Herren Monsters drauf. Claude Kuhn besticht derweilen mit schlichten Formen und warmen Farben, während es Unterhosenkönig Pantichrist knallig, psychedelisch und 60er-jahrig mag.

monsters

Louis de Funès-Monsters-Hybrid

Ein spannender Mix aus grafischen Erzeugnissen wurde da gestern gezeigt, die einen kleinen Teil der Vielfalt abbildet, die in Bern in diesem Bereich herrscht. Die Stars des Abends waren aber einmal mehr die ausgestopften Vögel, toten Eichhörnchen und schauerlichen Wandmalereien in den Schaukästen des Naturhistorischen Museums. Und den Streichelbär beim Eingang passierte wohl genau niemand, ohne den kleinen Meister Petz kurz hinter den Ohren zu kraulen. Egal, was man in diesen Räumlichkeiten veranstaltet, die Kulisse schlägt alles.

Bar der toten Tiere weitere Veranstaltungen und Gastgeber:
5. 12.: Wein-Degustation mit Cultivino, Les Amis, Tredicipercento und Urban & Ich / 19.12.: 32 Tattoo (mit live tätowieren) / 31.12: Silvesterparty mit grossem Fressen (20 Uhr) und Tiermaskenball (ab 22 Uhr) – Live-Musik mit Fai Baba (ZH) und Disco mit DJs Capital Soul Sinners, Differenz (Dubquest) und Dr. Mo./ 9. Januar: Hauptsitz / 16. 1.: de Rothfils / 23..1.: Gülsha vertont Tierfilme / 30.1.: Serge Berthoud (Chop Records) / 27. Februar: Karen Sélima Cash

Kunsthalle wohin?

Roland Fischer am Donnerstag den 27. November 2014

1. The Kunsthalle Bern belongs to the Artists.

So beginnt (und endet, die Forderung wird zum Schluss noch einmal wiederholt) ein «Manifesto for a new Kunsthalle Bern», das unlängst von den beiden Künstlern Rosalie Schweiker und San Keller gestreut wurde. Es wäre allerdings eine radikale Umdeutung der Institution Kunsthalle – und eine unverhohlene Absage an den Kurator, die Kultfigur unserer Zeit. Schweiker und Keller fordern, die Kunsthalle solle jedes Jahr zwei Künstler (plus Familie und Freunde) einladen und ihnen auf alle erdenkliche Weise Unterstützung für ihre Arbeit gewähren – eine Art Residency-Programm im Museum also. Und auch an die Künstler geht eine nicht unsympathische Forderung: ausgewählt werden sollen diese nämlich aufgrund ihrer Motivation, Kunst zu machen, und dazu aufgrund ihres Sinns für Humor.

9. The Kunsthalle Bern thinks like an artist.

Auch die Forderung hat nicht viel mit der Realität zu tun, hat man das Gefühl, wenn man von den aktuellen Entwicklungen und Plänen liest. Da wird nach wie vor am alten Nimbus des Hauses herumjustiert:

Ob man sich für Gegenwartskunst begeistern kann, ist das eine. Aber man muss verstehen, dass die Kunsthalle einer der Leuchttürme dieser Stadt ist. Unser Ziel ist es, dass die Kunsthalle unter den vergleichbaren Institutionen in Europa als eine der fünf mit den wertvollsten Inhalten gilt.

Sagt der Kunsthalle-Vereinspräsident Christian Gossweiler gegenüber dem Journal B. Aber was in aller Welt sind denn «wertvolle Inhalte»? Und wer würde messen können, welche Institutionen diesbezüglich am wertvollsten sind? Nein, so denkt kein Künstler. Da tappt er in die Falle der Markt- und Rankinglogik, die er doch eigentlich überwinden möchte:

Die Gegenwartskunst ist sehr stark ökonomisiert worden, und Bern hat Marktanteile verloren. Die Galerien blühen nicht mehr wie in den sechziger und siebziger Jahren. Wer sammelt, geht häufiger nach Zürich oder an die «Art» nach Basel.
Die Kunsthalle soll nicht versuchen, diesen Markt nach Bern zurückzuholen. Sie hat nicht die Aufgabe, die gefragtesten Künstler und Künstlerinnen zu bringen. Sie soll einen Mehrwert schaffen über das Ökonomische hinaus.

Aber zunächst einmal gibt es nach dem bevorstehenden Abgang von Fabrice Stroun ab Februar 2015 eine Übergangslösung mit der Künstlerin Donatella Bernardi, und das klingt ja dann gar nicht so weit vom Manifest entfernt:

Bernardi soll als spannendes Zwischenspiel ein Rahmenprogramm schaffen, in dem ganz verschiedene Aktionen Platz haben. Dieses Programm dauert so lange, bis die neue Direktorin oder der neue Direktor die Arbeit aufnimmt.

Oder vielleicht auch noch ein wenig länger?

10. The Kunsthalle Bern belongs to the Artists.

Everyone has the right to – ASS, TITS, TITS, TITS!

Roland Fischer am Freitag den 7. November 2014

Man entschuldige den etwas reisserischen Titel, aber so geht’s nun einmal zu in der Videoarbeit von Istvan Balogh, die derzeit im Videokunst.ch-Raum im Progr zu sehen ist, vis-à-vis der Galerie Bischoff. Es ist eine ziemlich ungemütliche Arbeit, und das hat zunächst einmal natürlich mit der wüsten Sprache des Protagonisten zu tun und der Unbezwingbarkeit, mit der die Unflätigkeiten immer wieder in die sorgsam abgelesenen Artikel der Erklärung der Menschenrechte hineinfahren. Der Mann erlaubt sich allerdings keinen Scherz mit der immer wilderen Besudelung der Menschenrechte – er hat das Tourette-Syndrom und kann nicht anders, es schiesst unwillkürlich und oft im unpassendsten Moment aus ihm heraus.

ISTVAN BALOGH « Current Status, 1. Declaration »

Und es ist eine hinterhältige Arbeit, zunächst einmal weil man zum Voyeur wird – da wird ein medizinisches Faszinosum vorgeführt, und man kann nicht anders, als zuzuschauen, wie die Deklamation springt, von ruhig zu unflätig und wieder zurück – dem Geschehen gebannt zu folgen und immer auf den nächsten Aussetzer zu warten. Das Tourette-Syndrom hat seinen festen Platz im psychiatrischen Kuriositätenkabinett, das wusste schon Oliver Sacks – die Krankheit markiert die unheimliche Grenze zwischen Komödie und Dämonie. Und da eben liegt der Clou von Baloghs Arbeit: Indem er den Tourette-Patienten nicht irgendeinen Text (der Effekt wäre überall garantiert), sondern die Erklärung der Menschenrechte vorlesen lässt, kommt es immer wieder zu einem bösen Auseinanderklaffen von behauptetem Menschenrecht und Behinderten-Realität. Natürlich: auf dem Papier hat auch ein Tourette-Betroffener alle diese Rechte, aber hier wird auf sehr augenfällige Weise vorgeführt, wie schwer seine Eingliederung in einen gesellschaftlichen Alltag tatsächlich immer wieder sein wird. Eine beklemmende Erkenntnis, die auf einmal gar nichts Voyeuristisches mehr hat – vorgeführt werden nun wir anderen.

Den Wald im Zimmer

Miko Hucko am Donnerstag den 16. Oktober 2014

Der Theaterladen im Schlachthaus hat in den letzten vier Jahren, unter dem Kuratorium von Mohéna Kühni, vor allem Kunst beherbergt, darunter einige sehr spannende Perlen. Seit Beginn dieser Saison wird hier vermittelt, was das Zeug hält: Sandra Forrer hat den kleinen Raum mit grossem Fenster jetzt schon zum zweiten Mal in eine interaktive Installation verwandelt.

Von Aussen höre ich schon die Vögel zwischtern und erhalte den Eindruck, in ein wohleingerichtetes Studierzimmer zu blicken. Liebevoll zusammengestellt sind hier nicht nur die an die Wand geklebten Zitate, sondern überhaupt der ganze Raum mit den zwei Pulten. Die jetzige Ausstellung ist, Sie ahnen es schon, begleitend zum Stück Alle Vögel sind schon da entstanden und ist jeweils eine Stunde vor und nach der Vorstellung komplett begehbar.

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Ich kann mich an einen der Tische setzen und wahlweise Ariane von Graffenried oder Matto Kämpf, den Autor_innen des Stücks lauschen, in Hintergrundmaterial wühlen, Zeitungsartikel zum Thema überfliegen. Das Stück wird so um eine Komponente erweitert, mit der Kundige und Interessierte sich gleichermassen das abholen können, was sie wollen oder brauchen. Chapeau! Und noch dazu ein Schaufenster.

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Die Dame auf der 50er-Note

Gisela Feuz am Dienstag den 23. September 2014

Haben Sie im 2010 zu denjenigen Kritikern gehört, welche den Baldachin, also die Stahl-Glaskonstruktion beim Berner Bahnhof, potthässlich fanden? Falls ja, machen Sie doch einmal einen Ausflug nach Aarau, dann wissen Sie: Es hätte auch übler kommen können. «Wie ein Blütenfächer spannt sich das transparente, im Zentrum offene Dach über den Platz», steht da im Projektbeschrieb. Der Klotz erschien der Schreiberin aber wenig blümlich, sondern vielmehr als Mischung aus Alpamare-Rutschbahn und klobigem Ufo. Architektur ist fürwahr Geschmacksache.

Der Eine oder die Andere würde dies nun natürlich auch von moderner Kunst behaupten. Solche wird zur Zeit im Aargauer Kunsthaus gezeigt, gibt es dort doch über 300 Exponate der Schweizer Künstlerin Sophie Taeuber-Arp (1889-1943) zu sehen. Die Dame, welche uns von jeder 50er-Note kritisch beäugt, war zeitlebens im Schatten ihres Gatten Hans Arp gestanden, seines Zeichens einer der bedeutendsten Vertreter des Surrealismus und Dadaismus in Literatur und Bildender Kunst. Umso schöner ist es, dass in der Ausstellung in Aarau nun endlich auch das Schaffen dieser aussergewöhnlichen Frau gewürdigt wird, denn diese war in ihrem Wirken äusserst vielfältig, beschäftigte sie sich doch mit Design, Malerei, Textilien, Zeichnungen, Plastiken, Architektur, Tanz und Szenografie.

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Die Ausstellung «Sophie Taeuber-Arpt, Heute ist Morgen» bietet die Möglichkeit, die gattungsübergreifende Denk- und Vorgehensweise dieser Künstlerin zu erkunden. So finden sich im Aargauer Kunsthaus frühe textile Arbeiten, in denen sich die Vorlieben von Taueber-Arp für Abstraktion und Ornamentik zeigen, Ölgemälden mit reduzierten geometrischen Formen, Alltagsgegenstände wie Hutständer, bei denen der Gebrauchscharakter zusehends in den Hintergrund und der Kunstcharakter in den Vordergrund tritt, schlichte Möbeln, eine Vielzahl an Zeichnungen, Reliefs und und und. Vergnüglich fidel sind dabei vor allem die Marionetten-Figuren, welche Taueber-Arp für das Stück «König Hirsch» schuf, und damit auch Pionierarbeit leistete bei der Entstehung des Schweizerischen Marionetten-Theaters. Pionierarbeit leistete sie allerdings nicht nur in diesem Bereich, sondern Taueber-Arp gehörte auch zu denjenigen Personen, welche die künstlerische Bildsprache der Moderne nachhaltig prägte und dabei keine Berührungsängste zeigte vor Materialen jeglicher Natur. Was sie wohl zum Dach über dem Aargauer Bahnhofsplatz gesagt hätte?

Die Ausstellung «Sophie Taueber-Arp, Heute ist Morgen» ist noch bis am 16. November 2014 im Aargauer Kunsthaus zu sehen.

Hotel zur fröhlichen Stunde – Zimmer des Tages: Schluss

Roland Fischer am Samstag den 20. September 2014

Für die Dauer der Biennale Bern wird das Schlachthaus von verschiedenen Künstlern des Kollektivs Bern zu einem Hotel umfunktioniert. Der Kulturblog ihres Vertrauens geht diese Woche undercover und wirft jeden Tag einen indiskreten Blick in eines der Zimmer.

Heute: die dezenten Accessoires, designt von Dominic Michel und in Auftrag gegeben von der Galerie Milieu

Dominic Michel lotet in Zusammenarbeit mit Vinzenz Meyner (Galerie/Artspace Milieu) die Grenzen zwischen angewandter Gestaltung eines Hotel-Erscheinungsbildes und fragmentierter, hypertextlicher Narration aus. Die Gestaltung tritt auf unterschiedlichem Hotelinventar in Erscheinung und referenziert das Chateau Marmont, ein von Legenden umranktes Hotel in West Hollywood, welches seit jeher von Filmstars frequentiert wird. Das Inventar umfasst einen Song, Gläser, Handtücher, Seifen, Visitenkarten, Bodylotion und weitere Objekte. Diese tauchen während der Biennale als Gebrauchsgegenstände auf und bilden als Requisiten in Kombination mit eigens verfasste Scripts die Grundlage zu den filmisch festgehaltenen Anekdoten aus dem Alltag im Hotel zur fröhlichen Stunde: Ab Anfangs Oktober auf www.hotelzurfroehlichenstunde.ch.