Archiv für die Kategorie ‘Museen & Galerien’

I don’t Getty, really

Roland Fischer am Freitag den 27. Juli 2018

Wie anfangen, wenn eine Ausstellung entweder perfekter Unsinn ist oder, well: perfect sense macht? Oder vielleicht auch beides?

Von allen Museumsbesuchern, die Gradlinigkeiten und ergründliche Wege bevorzugen, müssen wir uns an dieser Stelle leider bereits verabschieden. Jedenfalls wären Sie hiermit gewarnt: Achtung, Meta.

Wer an der Gerechtigkeitsgasse 74 in den dritten Stock hinaufsteigt, begibt sich in die Ausstellung einer Ausstellung einer Ausstellung. Vielleicht sind’s auch ein paar Schachtelungen mehr oder weniger, das ist irgendwann nicht mehr so klar. Am besten fängt man wohl so an: Die Wand, an die man beim Eintreten in die Wohnung als erstes blickt, steht da eigentlich gar nicht, auch wenn sie aussieht als müsste sie genau da stehen, fein säuberlich mit einer Fussleiste versehen. Auch das Lavabo dahinter: nicht ans Wasser angeschlossen. Alles Kulisse, Teil der Reinszenierung einer Wohnung, die auch damals schon, 1974, nur der

Anschein einer rekonstruierten Wohnung als Rahmen für eine Erzählung

war. Und zwar der Lebensgeschichte von Etienne Szeemann, Harald Szeemanns Grossvater. Das Getty Research Institute in Los Angeles hat sich in den letzten Jahren durch Szeemanns Nachlass gewühlt und daraus zwei Shows destilliert, die nun auch in Bern zu sehen sind, Harald Szeemann: Museum der Obsessionen in der Kunsthalle und Grossvater: Ein Pionier wie wir am Originalschauplatz in der Gerechtigkeitsgasse.

Von der eher skurrilen Biografie-Show aus dem Jahr 1974 waren nur Bilder und in alle Weltgegenden verstreute Objekte übrig geblieben, und so fragt man sich beim Reinszenierungs-Besuch nicht so sehr, was das für ein schillerndes und geschichtsbeladenes Leben war, das dieser Coiffeur-Selfmademan gelebt hat zwischen 1873 und 1971, sondern vielmehr, welchen Teufel die Getty-Leute geritten hat, dieses nicht wirklich bedeutende Szeemann-Kapitel bis ins kleinkleinste Detail nachzubauen. Was dann zum Beispiel bedeutet, dass der ausgestopfte Hund, der leider verloren gegangen ist in den letzten vierzig Jahren, irgendwie 3D-geprintet und neu befellt worden ist. Oder dass Hollywood-Setdesigner eine Biedermann-Möbel-Kombination nachgebaut und mit unsinnigem Aufwand bemalt haben, die man mit etwas Glück sicher auch im Brockenhaus gefunden hätte. Nicht exakt dieselben Möbel, natürlich, aber spielt das wirklich eine Rolle?

Man kommt so ziemlich ins Sinnieren. Leider nicht über das, was hier ausgestellt wird, sondern über die Art und Weise, wie es ausgestellt wird – wie es von Szeemann wurde und von seinen Jüngern noch einmal wird. Eben, Meta: Eine Ausstellung übers Ausstellungmachen. Bei Szeemann wie bei Getty: Museum der Obsessionen.

Kunst im Akkord, d’accord

Roland Fischer am Freitag den 22. Juni 2018

Wer kennt das nicht: Kaum hat man von einer Ausstellungseröffnung gehört und sich eine innere Notiz hinterlegt (da muss man dann auch mal noch hin), ist sie schon wieder vorbei. Im Bieler lokal-int hat man aus der aufmerksamkeitsökonomischen Not gewissermassen eine Tugend gemacht und zeigt dieses Jahr junge Künstlerinnen und Künstler im Schnelldurchlauf. Es lohnt sich also, jeweils an die Vernissage zu fahren, denn eine Woche später ist schon die nächste Ausstellung dran. Dazu gibt es auch noch gratis Bier und gratis erläuternde Worte vom anwesenden Künstler, gestern von Gabriel Flückiger, der Fotoarbeiten und ein Video zeigt.

Ästhetische Forschungsarbeiten, im Sinne von: der Ästhetik verschiedenster künstlerischer, architektonischer wie wissenschaftlicher Szenerien nachforschen, aber auch: Forschung selbst sehr ästhetisch betreiben. Also überaus empfindsam, dem Wortsinn nach.

Und von hinten schaut sich Harald das Ganze an, mit irgendwie ironischem Blick.

 

Warum? Darum ins Kino.

Roland Fischer am Dienstag den 29. Mai 2018

Ja, man muss aus dem Haus dafür, man muss zum Beispiel runter ins Lichtspiel, furchtbar weiter Weg, schon klar. Man kann nicht einfach den Laptop im Bett aufklappen und den Copyrightern eine Linke verpassen. Man kann auch nicht mal rasch Pause drücken und aufs Klo oder eine Instagram-Benachrichtigung checken. Aber dafür bekommt man dann – heute und morgen – zwei Filme serviert, die eigentlich gar nicht laufen dürften auf kleinem Screen und denen sich knisternde, fiepende, beim Bass passende Böxchen sowieso verweigern sollten.

Heute abend «Der Klang der Stimme», ein Dokfilm, der ohne vernünftiges Soundsystem nicht wirklich Sinn macht. Apropos Sound: Der Film läuft als Begleitprogramm zur aktuellen Ausstellung im Sensorium Rüttihubelbad. Sicher auch einen Besuch wert.

Und morgen dann «Leviathan». Dazu gar nicht viele Worte verloren, ausser: Wer den noch nicht gesehen hat – viele Gelegenheiten wird es wohl nicht mehr geben, sich von diesen grossen Bildern überwältigen zu lassen. Da draussen im Kino.

Glockenspiele

Mirko Schwab am Freitag den 25. Mai 2018

Der Zytglogge leuchtet frisch frisiert. Schade: Ein weiteres mal hat es die Denkmalpflege verpasst, den Zeitgeist abzubilden im Glockenspiel. Vier Vorschläge für eine modernere Repräsentation der Sandsteinstadt.

Immer wenn der Glocken-Gockel kräht, der Narr in seinen Schellen rührt, die Bärlein tänzeln ringelreih, Chronos seine Sanduhr stürzt und ein Leu die Schläge zählt, die Hans von Thann über die Schindeldächer der alten Stadt schickt, weil es Zeit ist – immer dann also, wenn der Zwölfer nicht recht passieren kann, weil eine Traube Touristen auf der Strasse steht und der entnervte Chauffeur mit dem Gedanken spielt, so eine asiatische Reisegruppe einfach mal im Sinn der Pädagogik leicht anzufahren – immer dann vergibt man hier die Chance, wirklich etwas zu erzählen von dieser Stadt und dem wilden Leben darin. Dabei böte auch das post-millenniale Bern Stoff für Geschichten, erzählt in mittelalterlicher Hemdsärmeligkeit.

Vorschlag I
«Reit for your Reit o. der Rytglogge»

Der Hahn kräht – und trägt jetzt Igelfrisur, ach Erich zu Hesz, du alter Blasebalg – und immer immer die selbe Leier! Die Drehscheibe bringt einen Bären hervor, darauf reitet Retho Nause, der mit langer Schlangenzunge nach einem Reigen schwarzgekleideter Narren faucht. Die Narren heben das Kopfsteinpflaster aus dem Boden und werfen es dem Aargauer Tyrannen als Bsetzi-Steine vor den Latz. Wieder kräht der Hesz. Taugenichtse, Tagediebe, Trunkenbolde: ein Miniatur-Vorplatz wird gezeigt, knöcheltief im Wein tanzen Jung und Alt, stiernackige Ritter geben sich auf die Grinde, zwei Kinder stehen auf einer Scheibe, die sie ins Lot zu bringen versuchen, derweiil die Zeiger der grossen Uhr wild übers Zifferblatt wischen. Kräht der Hesz ein letztes mal, so umarmen sich die Kinder, die Balance ist gefunden und die Zeit wird angezeigt.

Vorschlag II
«Bern und die Kultur o. der Filzglogge»

Der Hahn kräht, diesmal verkörpert durch Herzog von Leduc. Die drei ersten Töne von «O VII IX», ein Lied über die verhinderte Minne, sind zu vernehmen. Die Drehscheibe zeigt den kulturellen Austausch der Generationen: Karl Tellenbach schneidet Simeon v. Hari den Schnauz, Mani «der Barde» Matter zieht Olivarius «dem Barmann» Kehrli eine Laute über die Rübe, Friedenreich zu Glausern aus dem Siechenhaus legt indes Matho Kämpf eine Krone auf. Wieder kräht der Herzog. Ein frivoler Bärentanz der Berner Kultur und ihrem Filz. Der vorderste Tanzbär wird vom folgenden am Anus geleckt, hinter dem Rücken des ersten dann dreht sich der zweite, spuckt zu Boden und lässt sich vom nächsten bedienen, der sein Zünglein spielen lässt und schliesslich spuckt – immer weiter und so fort. Das letzte Herzogs-Krähen. Die weiblichen Kulturschaffenden scharen sich um den Oppenheimbrunnen, Jeszika von Jurassien stellt eine grosse Sanduhr auf den Kopf – die Zeit ist angezählt, time’s up!

Vorschlag III
«Wolfram und Johannes o. der Heldenglogge»

Der Hahn kräht «Fuessbau-Schwizermeischter!» Ein Helden-Tableau wird angerichtet, in gold-schwarz bemalte Ritter jonglieren einen Lederball über den Köpfen ihrer Widersacher hin- und her. And just because we’re going medival: Köpfen ihre Widersacher hinterher. Rotes und blaues Blut tränkt den Heldengrund. Der Hahn kräht « Schölölö!» Der kraushaarige Ritter Wolfram Marcus Wölflîn fliegt durchs Halbrund und fängt mit seiner rechten Hand den Lederball. Der Hahn kräht ein letztes mal recht trunken, bevor der heldenhafte Mohr Johannes Petrus im Turmhelm droben – eine Minute vor der vollen Stund – an die Glocke stüpft. Sie wird in der Folge zwölfmal angeschlagen.

Vorschlag IV
«Glocke der Gastfreundschaft o. der Metaglogge»

Der Hahn lacht. Kleine asiatische Touristen erscheinen auf der Drehscheibe, zücken Stab und Telefon und fotografieren die staunende Schar asiatischer Touristen mit Stab und Telefon, die am Turmfusse sich eingefunden hat.

Draussen/drinnen

Roland Fischer am Donnerstag den 15. März 2018

War da ein wenig Frühling gestern? Kraut und Strauch in Bümpliz draussen jedenfalls fühlen ihn schon ein wenig – und die Kunst also auch:

So sah die Ausbeute nach einem Suburban-foraging-Spaziergang aus, rund um die Cabane B. Forager sind so etwas wie Gärtner des öffentlichen Raums, einfach ohne die Gartenarbeit. Wächst ja oft von selbst, dieses Gewächs. Und vieles davon kann man tatsächlich essen, wie der Workshop gezeigt hat – auch schon in den allerersten Frühlingstagen, wenn die Natur erst so langsam am Aufwachen ist.

Auf dem Helvetiaplatz dagegen sorgt die Stadt für gut gejätete Zustände. Aber auch da wachsen eigenartige Pflänzchen, das Grand Palais pflegt einen Jardin der etwas anderen Art. Da wachsen Triebe der Kunst immer mal wieder in den öffentlichen Raum hinaus, aktuell mit einer Installation der Künstlergruppe CKÖ. Irgendwie sollte das mit der neuen Emil Zbinden-Ausstellung Alpinen Museum drüben zu tun haben – weshalb es eine gemeinsame Vernissage gab, draussen in der Kälte. Die Forager hätten das weitverzweigte Wurzelgeflecht wohl gleich ausgegraben, das da unter dem Platz zwischen den Kulturhäusern wuchert. Und hätten damit ihr eigenens Süppchen gebraut.

Cantonale Angelegenheiten

Roland Fischer am Mittwoch den 24. Januar 2018

Es ist ja und war schon immer ein ziemliches Kantonsdurcheinander da im Jura hinten. Und mit dem anstehenden Kantonswechsel Moutiers wird das Durcheinander natürlich erst einmal nicht kleiner werden. Zum Beispiel das lokale Kunstmuseum: Musée jurassien des Arts. Nur einen Zughalt weiter, in Delémont, gibt es noch so eins, fast gleichen Namens: Musée Jurassien d’art et d’histoire. Bis vor kurzem verlief dazwischen die bern-jurassische Kantonsgrenze, und das reflektieren auch die beiden Häuser, wie ein kurzer Blick ins Historische Lexikon verrät: Max Robert, der Stifter in Moutier, war wohl ein erklärter Berner.

Und nun, was machen die beiden Häuser nun? Fürs erste mal zusammenspannen, zum Beispiel bei der aktuellen Ausstellung zum Lebenswerk des grossen Unangepassten Rémy Zaugg. Und apropos Chaos: Mit dem Kuriositätenkabinett (oder der Wunderkammer) hat sich auch die Cantonale in Moutier ja ein sehr passendes Motto ausgewählt.


Dieses Sammelsurium von seltenen Naturalien, wissenschaftlichen Instrumenten und Mirabilien, das so typisch ist für eine Wunderkammer, findet seinen Widerhall in der gegenwärtigen Kunst. Die 18 ausgestellten zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler nehmen diese Themen wieder auf. Vom Mikrokosmos bis zum Planeten Erde, von der Grossaufnahme bis zur Akkumulation, immer hinterfragen sie unsere Beziehung zur Natur, zum Leben und zum Wundersamen. Einige streben danach, die Welt neu zu verzaubern, andere wollen ihre Schwachstellen aufzeigen.

 

Beide Ausstellungen sind nur noch bis dieses Wochenende offen. Wer also neugierig geworden ist: nichts wie hin!

Mit spitzen Bleistiften

Gisela Feuz am Donnerstag den 28. Dezember 2017

Sie dürften gejubelt und vorfreudig die Bleistifte gespitzt haben, die Damen und Herren KarikaturistInnen, als Sebastian Kurz vor 10 Tagen zum österreichischen Bundeskanzler gewählt wurde. Schliesslich sind dessen Segelohren eine zeichnerische Steilvorlage. Dass VertreterInnne der Gilde der PressezeichnerInnen ein besonderes Auge für  hervorstechende Körpermerkmale oder Wesenseigenschaften haben müssen, wird auch in der diesjährigen Ausgabe von «Gezeichnet» klar. Einer, der gleich beides bietet bzw. über eine besonders schlagkräftige Physiognomie verfügt, ist Christian Constantin, der Präsident des FC Sion, und entsprechend oft taucht er in den rund  300 Werke von 45 KarikaturistInnen denn auch auf, welche zur Zeit im Museum für Kommunikation zu sehen sind.

Zeichnung: Gyger Graphics

Des Weiteren stehen in den Zeichnungen von Pfuschi, Orlando, Felix Schaad, Caroline Rutz, Sven und wie sie alle heissen auch Klimaerwärmung, Gletscherschmelze, Brexit, radikale Islamisten, Glyphosat, Merkel, Macron, Harvey Weinstein und natürlich einmal mehr auch der amerikanische Präsident im Zentrum. Die Vielfalt der Stile ist dabei enorm, von flächig über detailverliebt, minimalistisch oder expressionistisch ist alles dabei. Eine Gemeinsamkeit verbindet dabei die Karikaturen über alle künstlerischen Divergenzen hinweg: Hier wird bitterbös, sarkatisch und mit beissendem Humor an die Eier gegriffen den Nagel auf den Kopf getroffen.

Zeichnung: Felix Schaad

Die Ausstellung Gezeichnet mit Karikaturen aus Schweizer Medien wie 24heures, Aargauer Zeitung, Basler Zeitung, Berner Zeitung, Der Bund, Le Temps, Nebelspalter, NZZ, Tages-Anzeiger, Tageswoche u.a. im Museum für Kommunikation ist noch bis am 28. Januar 2018  zu sehen wurde wegen grosser Nachfrage bis 11. Februar 2018 verlängert.

Abgekartet

Roland Fischer am Donnerstag den 23. November 2017

Gestern im Araber, im Anschluss an die Preisfeier der städtischen Literaturpreise 2017 – herzliche Gratulation an dieser Stelle an Meral Kureyshi, Flurin Jecker, Martin Bieri und Andri Beyeler sowie ans Aprillen-Team! – gab es Gesprächsstoff. Schliesslich hat die sonst doch sehr betuliche Schweizer Literaturwelt gerade ein kleines Erdbeben erlebt, mit der munteren Tirade von Lukas Bärfuss gegen den Schweizer Buchpreis (leider hinter der FAZ-Bezahlschranke). Hat der Mann recht mit seinem Vorwurf, der Preis sei eine abgekartete Sache – keine Kunstauszeichnung, sondern ein geschickt getarntes Verkaufsförderinstrument der Buchbranche? Die sich notabene auch subtil in die Jury-Entscheide einzumischen verstehe? Man war sich nicht einig. Schiebung! meinten die einen. Ach was, kulturbetriebliche Realitäten, die anderen.

Eindeutiger gestaltet sich die Angelegenheit derzeit im Kunstraum gepard14 im Liebefeld:

Schiebung bezeichnet eine kriminelle Handlung zur Begünstigung von Freunden. Und so ist es auch – Strotter Inst. hat ausschliesslich befreundete Kunstschaffende und Musizierende eingeladen. Das in der Kunstwelt gängige Vorgehen der gegenseitigen Begünstigung wird im Diskurs euphemistisch Kanonbildung genannt.

Man muss sagen: Dieser Strotter Inst. hat einen Freundeskreis, der es mit der Adresskartei eines so manchen Kurators locker aufnehmen kann. Und er weiss auch um die kulturpolitischen Schwierigkeiten, in die er da geraten könnte: Um ein Networking und eine Verköstigung von Zaungästen zu verhindern wurde keine Vernissage durchgeführt. Eine Finissage gibt’s trotzdem, diesen Sonntag. Und schon heute abend zwei sehenswerte Elektronik-Acts: dasOrt «ultra rarer Auftritt mit Kopfkino am Ort – am Ende der Mine» und Meienberg «kühle Geschmeidigkeit, entfesselter Wahnsinn».

Postapokalyptische Kunst & Nachhaltigkeit

Roland Fischer am Mittwoch den 15. November 2017

Räume für Kultur? Gäbe es im Prinzip ja allenthalben. Zum Beispiel in den immer etwas zu mächtig geratenen Lobbies und Aufenthaltsräumen grosser Firmen. Die Mobiliar beim Hirschengraben hat sich konsequenterweise gesagt: Wir können auch ein Museum sein – und uns so nachhaltig um Kunst kümmern, mit zwei extra kuratierten Ausstellungen pro Jahr.

Die aktuelle Schau zum Thema «digital, real – Wie die Kunst zwischen Welten surft» ist eine schöne Gelegenheit, sich einerseits einen (vielleicht etwas gar wilden) Mix an Werken anzusehen,

die sich auf unterschiedliche und überraschende Weise mit digitalen und virtuellen Wirklichkeiten beschäftigen.

Und andererseits einen Blick in die architektonische Seele so eines Unternehmens zu werfen. Besser aber nicht über Mittag, dann geht die Kunst nämlich gern ein wenig unter im Lunch-Gewusel. Man kann es aber auch ganz anders machen und sich auf eine virtuelle Tour durch die Ausstellung begeben, bequem von zuhause aus – am besten mit VR-Brille.

Die Arbeit von Timo Baier und Benjamin Marland beginnt ganz harmlos und menschenleer – und endet ziemlich fern der Nachhaltigkeit, wie sie ein Versicherungskonzern meinen dürfte. Da wurde das mit der Menschenleere im musealen Raum mal zu Ende gedacht.

Zukunft Zukunst!

Roland Fischer am Donnerstag den 9. November 2017

Es zukunftet gerade wieder mal sehr, heute. Überall strienen Kinder herum und finden heraus, wo es für sie am besten eine Zukunft gibt. Da gibt sich auch Frau Schaller heute im Bund-Interview zur nächsten Legislaturperiode gern «grosszügig» (oder nun ja: sie gäbe sich – sie kann ja nun mal nicht selber darüber entscheiden, wie voll der Kulturgeldtopf letztendlich sein wird), der Bund selber indessen leider weniger, deshalb gibt es das Interview nur für Abonennten. Aber keine Sorge, Frau Schaller ist viel zu sehr Diplomatin, als dass sie da wirklich etwas Substantielles verraten würde – journalistische Zaungäste verpassen also nichts. Vielleicht also eher heute abend im Kornhausforum vorbeischauen, beim aktuellen Berner Kulturgespräch, in dem es um dasselbe Thema gehen wird? Auch da wieder keine Verlinkung, exgüse, die Veranstaltung scheint es offiziell gar nicht zu geben. Aber ist doch öffentlich? Dürfte jedenfalls spannend werden, mit dem Dampferkapitän Märki, der Freibeuterin Kretz und der Lotsin Schaller auf demselben Podium.

Und wer aber sowieso der Meinung ist, das alles bachab geht: Man kann auch rüber ins Naturhistorische Museum, da gelingt heute das Kunststück, Vernissage und Letzte Tage zu verbinden. Und zwar geht die neue grosse Ausstellung zum Thema «Weltuntergang» auf – Untertitel «Ende ohne Ende». In dem Sinn: Es wird und muss schon irgendwie weitergehen.