Archiv für die Kategorie ‘Hin & Weg’

Sonne im Herzen, vol. 4

Frau Götti am Dienstag den 14. November 2006

Seeed

Dringend muss an dieser Stelle eine neue Ausgabe der Serie Sonne im Herzen angefügt werden. Denn die ist es, die SEEED gestern im Forum in Fribourg ins Publikum gebracht haben. Die ersten Töne, ein «Hallo, wir sind S-3E-D aus Berlin», und alle drehten durch. Man kann gar nicht anders bei diesem fantastischen Dancehall-Reggae der elfköpfigen Truppe. Ragga-Gesang, Schlagzeug, Perkussion, Tänzerinnen, Bläsersatz, …und Bass.

Deshalb auch der gute Rat eines der drei so genannten Vocalcordalisten (war es Pete Fox aka Pierre Baigorry? Oder EASED aka Frank A. Dellé, oder gar EAR aka Demba Nabé? Ich entsinne mich nicht): «Wenn ihr eine Fussball-EM austragen wollt, glaubt uns, wir kennen das von der WM: Ihr braucht vor allem Bässe, viel viel Bässe.»

Reggae lebt Und die Boden brummte und bebte im Rhythmus, und die orangegelbgrünen Fahnen wehten, und die Sonne schien in dieser kalten komischen Mehrzweckhalle – die gestern aber einem einzigen Zweck diente: “Aufstehn (Rise and Shine)!“.

Das Ende der Kulturpause

christian pauli am Montag den 16. Oktober 2006

Nun da wir zurück an unseren Ferien sind, folgende Festellungen:

1.) In Sizilien sieht es frühmorgens so aus:

2.) Zwei Wochen keine Zeitung, keine CD, kein Ipod, kein TV, kein Email, fast keine sms, dafür sechs Bücher: Das Einzige was mir wirklich gefehlt hat, waren die Neuigkeiten aus dem Hause YB.

3.) Wolf Haas ist nicht zu verwechseln mit dem Liechtensteiner Wolfgang Haas, dafür Österreicher und vor allem ein toller, sehr lustiger Autor. Er liest bald in Bern.

4.) Meine Tochter wünschte nach der Rückkehr als erste CD «Tom und Scheri» zu hören. Sie meint damit den Soundtrack zu The Cat Concerto, der unglaublich genialen Episode der Cartoon-Serie Tom & Jerry, die am 26. April 1947 erstmals ausgestrahlt wurde. Tom spielt die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 in Cis-Moll von Franz Liszt, Jerry, der im Flügel schläft, übernimmt das Zepter nach einigen Minuten und schickt Tom in ein wahnwitziges Finale. Wir haben die Musik in einer Einspielung des Ungarischen Pianisten Georges Cziffra.

Jetzt aber das Ende der Kulturpause.

Festival La Bâtie

Grazia Pergoletti am Dienstag den 5. September 2006

afficheSchon alleine das Werbekonzept des Festivals für Theater, Tanz und Musik La Bâtie in Genf wäre einen ganzen Beitrag wert: ca. 40 verschiedene Plakate mit einem der FestivalmitarbeiterInnen darauf, eine Tafel in den Händen haltend, auf der z.B. geschrieben steht: “Je suis un artiste local“, “Fresst mich” oder “J’y vais mais j’ai peur”. Sätze aus den vielen Produktionen, die zu sehen sind.

Am Sonntag zum Beispiel das Junge Theater Basel mit “Leonce und Lena”, volle Hahnen uff Baseldütsch, in einer atemberaubenden Inszenierung von Rafael Sanchez. Oder Come un Cane senza Padrone von Gott Pier Paolo Pasolini, umgesetzt von der italienischen Truppe Motus: etwas geschmäcklerisch, aber ein Text, der einem durch Mark und Bein geht!

Abends um elf findet täglich eine Late Night Performance statt. Am Sonntag war der geniale Massimo Furlan aus Lausanne mit WE ARE THE WORLD an der Reihe. Nachdem er ein sehr schlechtes “Ti amo”-Playback zum Besten gegeben hatte, erklärte er, dass Berlusconi die Kultur in Italien abgeschafft und durch das Fernsehen ersetzt hätte. Jetzt müsse man Italien helfen: Unter dem Motto “Friends for Italy” interviewte er live in völlig absurder Manier 40 “Prominente” wie z.B. Ronaldinho, Sting, Isabelle Huppert, Cicciolina oder Madonna (mit Sohn Jesus). Am Schluss sangen diese Leute (irgendwelche Genfer, die irgendwie ein bisschen ähnlich aussahen, wie der Star, den sie darstellten) zusammen WE ARE THE WORLD. Um Italien zu helfen. Selten so gelacht!

Das Festival – heuer zum ersten Mal unter der Leitung des katalanischen Sympathiebolzen Maurici Farré – bietet atmosphärisch eine Alternative zum Deutsch-Deutschen Theater. Multikulti ohne Wollsockenbeigeschmack, oder wie auf einem der Plakate steht: “Tout vient du ventre”.

Noch bis zum 16. September, Infos unter batie.ch

Stadt ist gut, Land ist besser

Daniel Gaberell am Montag den 28. August 2006

Literaturfestival, Stadttheater, Reitschule, Buskers, Casino, Tanztage, Münsterkonzerte – alles schön und gut, aber doch einfach irgendwie grossstädtisch abgehobene Urbankultur.

Darum proklamiere ich erneut das ländliche Kulturgeschehen. Ganz wunderbar zum Beispiel der üppige Lottomatch des FC Wynigen, das Jahrestheater des gemischten Chor Rüschegg-Heubach, das Waldfest der Pontoniere Aarwangen, die dezemberliche Turnervorstellung in Säriswil oder die Altjahrs-Ramset im «Wilden Mann» auf dem Oberbühlknubel.

Und bitte denken Sie jetzt nicht, die kulturelle Entwicklung auf dem Lande sei stehen geblieben. Denn – wie jüngstes Beispiel aus dem seeländischen Kallnach uns beweist – auch in den ländlichen Säälis, Mehrzweck-, Turn- oder eben Konzerthallen gehen starke Shows über die Bühne.

Halten Sie sich also bereit und notieren Sie sich den nächsten Samstag in Ihrer Agenda. Nutzen Sie dieses virtuelle Forum und organisieren Sie auf KulturStattBern Mitfahrgelegenheiten und ökologisch sinnvolle Sammelfahrten.

wrestling

Ja, man kann!

Grazia Pergoletti am Donnerstag den 20. Juli 2006

Ich bin ja grundsätzlich keine Liebhaberin von Grossanlässen. Aber für Taraf de Haidouks gehe ich überall hin. Auch ans Paléo in Nyon, am Dienstagabend.

Zugegeben, Taraf habe ich da nicht gesehen, denn wir kamen zu spät am Festival an, was erst mal einen mittelschweren Ehekrach bei meiner Freundin und ihrem Angetrauten auslöste. Dafür erhaschte ich ein tolles Ohr voll Pixies, während die beiden sich fetzten.

Im Worldmusic Zelt gab es danach das Motion Trio aus Polen zu bestaunen, welches die Frage: “Kann man Techno auf drei Akkordeons spielen?“, mit: “Ja, man kann, aber man muss nicht unbedingt” beantwortete – sympathisch, aber entbehrlich. Unter anderem wären an dem Abend auch noch die Elektropopper Katerine und der gute Ben Harper zu hören gewesen, aber um die Stimmung meiner Freundin nicht weiter zu gefährden, nahmen wir’s gemütlich. Das kann man in Nyon nämlich tatsächlich!

Um halb eins dann das umwerfende Kocani Orkestar aus Mazedonien. Eine Roma-Brass-Band, die übrigens die CD mit meinem absoluten Lieblingstitel produziert hat: Alone at my Wedding. Was soll man sagen: Das Konzert war schlicht ein eineinhalb stündiger Glücksmoment. Auch meine Freundin und Gatte kriegten nach diesem Konzert das Grinsen nicht mehr vom Gesicht.

Und übrigens: Das Paléo in Nyon beantwortete die Frage: “Kann man einen Grossanlass mit Stil und Charme ausstatten?“, mit: “Ja, man kann. Und man muss unbedingt!”

Nichts für schwache Blasen

Manuel Gnos am Montag den 15. Mai 2006

Calexicos neustes Werk «Garden Ruin» ist eine leise Enttäuschung. Die Musik ist zu weit weg vom Soundtrack für das Leben eines illegalen mexikanischen Einwanderers in den USA. Momentan tönt die Band aus Tucson (Arizona) zu stark nach Coldplay. Für manch andere Formation wäre das ein Kompliment – für Calexico ist es zu wenig.

Nun war Calexico für ein Wochenende in der Schweiz: am Freitag in der Luzerner Boa, am Samstag im Volkshaus Zürich. Aufgrund ihres Auftritts vom Juli 2005 in Lörrach waren die Erwartungen hoch. Und Calexico enttäuschte nicht.

Es war sogar ein Glücksfall, dass die Band vier Songs vom neuen Album gespielt hat. Ansonsten wären es harte zweieinhalb Stunden geworden für die schwachen Blasen von so manchem biertrinkendem Konzertbesucher. So konnte man sich wenigstens zwischendurch zurückziehen – ohne das Gefühl etwas zu verpassen.

(Im Sinne einer optimalen Dienstleistung hätte dieser Artikel nach dem Besuch des Konzerts in Luzern bereits am Samstag erscheinen sollen. Leider sind auch unsere Mittel sind limitiert. Allerdings dürfen wir an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass Calexico im August am Rock Oz’Arènes spielen. Unbedingt zu empfehlen!)

Calexico