Archiv für die Kategorie ‘Elektronisches’

Stilkritik

Benedikt Sartorius am Sonntag den 10. Oktober 2010

Die FAZ hat ein lustiges Tool auf ihre Seite gepappt, das den persönlichen Schreibstil mit bekannten Schriftstellerinnen und Schrifstellern vergleicht. Wie also schreibe ich bzw. wie schreibt dieses Blog?

Sigmund FreudAnalysiert werden gemäss dem Entwickler das Vokabular, die Anzahl der Wörter, die Interpunktion, die Anzahl der Ausrufesätze sowie der Gebrauch der direkten Rede.

Der Beitragseröffner machte den spontanen Test: Als Testphase dienten die Beiträge der letzten 14 Tage und man kann schon sagen, das Unbewusste scheint Herr im KSB-Hause zu sein, denn gleich sieben Beiträge wurden gemäss dem Stilkritiker in der Manier von Sigmund Freud geschrieben.

Immerhin drei Beiträge ähnelten Johann Wolfgang von  Goethe, während fünf Autoren und zwei Autorinnen je einmal genannt wurden, als da wären: Friedrich Nietzsche, Uwe Tellkamp, Stefan Zweig, Friederike Mayröcker, Ildiko von Kürthy, Uwe Johnson sowie Peter Handke.

Letzterer Name blinkt im Übrigen auch auf, wenn alle 17 Test-Beiträge in das Tool gesteckt werden.
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Das Zertifikat zu diesem Beitrag:

Ingo Schulze

Videos in NYC

Benedikt Sartorius am Mittwoch den 29. September 2010

Schnellverlosung: Wer am Freitag der PENG! Palast-Aufführung von «Götter der Stadt oder Die 120 Tage von Sodom» im Schlachthaus beiwohnen möchte, der/die trage sich in dieses Formular bis heute um Mitternacht ein. Wir haben 2×2-Tickets zu vergeben für das Stück, das gemäss unserer unfehlbaren Signora Pergoletti «ziemlich sicher eine Entdeckung» ist.

Das Museum als Youtube-PlayerWeil mein Herz seit einem Jahr immer auch ein wenig in und an New York City hängt, wage ich den schnellen Blick rüber. Momentan erobert dort die Videoplattform für alle Lebenslagen die sogenannte Hochkultur, rief doch das dortige Guggenheimmuseum im vergangenen Sommer zur Youtube-Videoeinsendung ein.

Über 23’000 Künster und Künstlerinnen haben sich gemeldet, die ihr Clip im musealen Rahmen einmal sehen möchten. Und so machte sich die Jury – u.a. bestehend aus Laurie Anderson, den Neo-Schuhdesignern und Guggenheim-gewohnten Mitgliedern des Animal Collective sowie Darren Aronofsky – ans Werk und hat nun ihre Shortlist bekanntgegeben. 125 Videos finden sich auf dieser und das einzige bekannte scheint mir der Fischli/Weiss-Videoclip von OK Go zu sein. Auf dem Kanal zur Ausstellung lässt es sich jedenfalls trefflich (Arbeits-)Zeit vergeuden. Ich wünsche viel Vergnügen.

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«Hey, what's wrong Baby!»

Grazia Pergoletti am Freitag den 10. September 2010

er_039_cover_front_300 Unbestritten schon mal ein absolut Klassetitel für ein Album. Entnommen ist er dem Film «They Live» von John Carpenter, genauso wie einige der Songtitel auf diesem anmutigen Musikerzeugnis von Benfay, das im August bei Everest Records erschienen ist und letzten Samstag im Dachstock getauft wurde.

Benfay hat sich offenbar vergangenen Winter an einem abgelegenen Ort bei Wilen/Samen einquartiert, dort die Küchenschränke, das Plattenregal und den Umschwung durchstöbert, und ist dabei auf allerhand wundersame Objekte und Sounds gestossen, die er geloopt und in seine verwinkelten Soundräume eingebaut hat.

Dabei ist ein kaleidoskopisch funkelndes Album herausgekommen, im Winter gemacht und wunderbar in den Winter passend. Pathetisch und verspielt sind diese Tracks, eine Mischung, die ich ziemlich entzückend finde. Ein Album zum Durchhören. Was also soll falsch sein, Baby?

Schlaue Kunst, eitle Kunst

Roland Fischer am Samstag den 28. August 2010

Ein ebenso eigenartiger wie fabelhafter Fund im Netz: ein «Video-Essay» von Oliver Laric, einem jungen österreichischen Künstler (oder Kunst-Forscher, je nachdem). Laric hat ein grosses Thema, eine Obsession, könnte man auch sagen: die visuelle Wiederverwertung, quer durch die Epochen.

Seine Funde und Gedanken zur fliessenden Natur der Bilder, zu ihrem Eigenleben, ihrer dauernden Neuinterpretation und -aneignung in wechselndem Kontext, präsentiert er auf eine sehr netzgemässe Weise: als Video eben, mit frappierenden Fallbeispielen und einer begleitenden Tonspur. Bisschen schwer das ganze, vor allem die mit sonorer Stimme vorgetragene theoretische Unterfütterung, aber ungemein faszinierend zum Anschauen auf jeden Fall. Als Journalist würde man die Sache anders erzählen, aber das ist ja nicht der Punkt.

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Wimmelbild

Benedikt Sartorius am Sonntag den 22. August 2010

Für den heutigen Sonnentag empfehle ich folgendes Bild zum Ausdruck und zum Enträtseln – für Draussen und Drinnen. Es geht um Bandnamen, von denen sich eine ganze Menge in diesem Wimmelbild verstecken:

Guess the band

(Beim Klick auf das Bild wird dieses grösser.)

Falls Sie dann durch sind, dürfen Sie zum Filmwimmelbild rüberwechseln.

Ende der Freiluftsaison

Benedikt Sartorius am Sonntag den 25. Juli 2010

Die persönliche Sommer-Konzertfestivalsaison endete am Freitagabend bis auf Weiteres dort, wo sie begonnen hat, nämlich im Deutschfreiburgischen. So liess ich am Stonehill Festival in Alterswil ein wenig die vergangenen Konzert- und Eventmonate Revue passieren, freute mich nochmals über manche vergossene Glücksträne, ärgerte mich immer noch über schlechte Konzerte und zu mächtige Sponsoren-Partyzelte, schaute vorwärts auf die kommenden Konzertsaalmonate – und genoss den Moment, beispielsweise den orange gefärbten Himmel über den für Berner zwar schlecht erschlossenen, aber keineswegs unerreichbaren Voralpen:

Himmel über Ober Maggenberg

Musikalisch hielt der zweite, wettermässig kaum ideale Festival-Abend in der Provinz viel Elektronisches bereit: Der geschätzte Toro y Moi spielte mit einem gar dominanten Live-Schlagzeuger auf, beim Auftritt des wundersamen Buvette im Zirkuszelt beschlich mich der Gedanke, dieses Blog künftig BuvetteStattBern zu nennen, wenn die Stimme noch ein wenig besser geklungen hätte, während der Engländer Jon Hopkins – mit Harmoniereichtum und fliegenden und knallenden Beats für meinen bisher liebsten Electronica-Auftritt des Jahres sorgte. Eine Fussnote zum klassisch geschulten Hopkins: Einige seiner Soundscapes sind ziemlich familiär und populär, da sie zu Beginn und am Ende des Meistermachwerkes «Viva La Vida (Or Death and All His Friends)» vertreten sind.

Des Guten mehr, besuchte auch der Kompakt-Schwede The Field, dessen Äusseres ein wenig an Christoph Grissemann gemahnt, die Matte am Fusse des wiederum schön beleuchteten Broccoli und sorgte für den Schlusstanz, bevor es dann ins nahe Schlaf-Stroh ging. Geträumt wurde, im Guten wie im Schlechten, von der vergangenen Festivalsaison, ehe diverse Fliegen den süssen Schlaf vertrieben.

Buvette Buvette

Festmachen

Gisela Feuz am Sonntag den 18. Juli 2010

Ganz Bern war diese Nacht auf den Beinen. Wer nicht auf dem Gurten, am Kairo-Gartenfest oder den fulminanten Start (*hüstel*) der Young Boys in die neue Saison am Unterstützen war, der war offenbar sonst irgendwo am Feiern. Zum Beispiel mit den Festmachern, welche samt trojanischem Pferd den Vorplatz der Reitschule in Beschlag genommen haben.

festmachen(3:32h)

Beat-Man goes House

Gisela Feuz am Samstag den 26. Juni 2010

Die umtriebigen Round Table Knights haben sich Verstärkung aus der Garage geholt. Niemand anderes als Haudegen Beat-Man hat nämlich seine Stimme zum neusten Track des DJ-Gespanns beigesteuert. Man darf gespannt sein, wie dieses Experiment ankommt. Die Schreiberin wagt an dieser Stelle eine Prognose:

Der Round-Table-Knights-Gefolgschaft wirds wohl wurst sein, wer da genau über den Beat röchelt und die Garagisten und Garagistinnen, von denen viele ja oftmals eine äussert uncharmante Engstirnigkeit an den Tag legen, wenns um elektronische Musik geht, werden finden, also dieser Beat-Man würde gescheiter bei seiner Gitarre und seinem Rumpelschlagzeug bleiben.

Dieser Meinung bin ich nicht. Ganz im Gegenteil. Solche Crossover-Projekte machen Spass und tragen ja vielleicht trotzdem auch ein Bisschen dazu bei, dass sich die sonst so unvereinbaren Rock- und Elektro-Szenen näher kommen. Mir jedenfalls wippt beim Schreiben dieser Zeilen zu «Cut to the top» der Fuss unter dem Tisch ganz ordentlich mit.

Nicht nur mein Pferd mag ihn

Grazia Pergoletti am Dienstag den 22. Juni 2010

spex327_titel_klein Ich glaube um den Jahreswechsel 2002/2003 wars, als das legendäre «Komfort», der coole Club in den ehemaligen Toiletten am Casinoplatz, schloss. Ein riesiges Fest gab es da am Ende, auf mehreren Stockwerken. Ich hatte damals Besuch von Freunden aus Berlin, sie waren ganz begeistert von der einen Combo, die da spielte: Signorino TJ und Band. «Sehr begabt, dieser Kerl!», hiess es schon damals von ihrer Seite. Nicht allzu lange darauf zog dieser Kerl aus, in Richtung deutsche Hauptstadt.

Letzte Woche sass ich im HAU 2, dem Theater am Halleschen Ufer in Berlin, und erhielt einen Anruf von meinem Freund aus der Schweiz: «Musst die neue Spex nicht kaufen, ich hab sie schon. Dein Bonaparte ist vornedrauf!» Und ich freute mich und bestellte Essen vor der Vorstellung, und während dessen blätterte ich in der Zitty, dem einen Berliner Ausgehmagazin – Titelstory: Bonaparte, mit zweiseitigem Interview!

Meine Berliner Freunde kamen dann zur Vorstellung im HAU. Und erinnerten sich an das Konzert von Signorino TJ, das sie damals im Komfort in Bern gesehen hatten, und waren ganz verblüfft, dass aus ihm nun der nette Diktator Bonaparte geworden war, der zur Zeit in Berlin wirklich in aller, aller Munde ist. Und zwar zu Recht: Die neue CD «My Horse Likes You» ist einfach umwerfend!

Der Titelsong «My Horse Likes You» zum Beispiel ist – wenn man so will – typisch bernischer Bluestrash, bloss zeitgenössisch instrumentiert, «Fly A Plane into Me» schlicht ein Hit und «Rave Rave Rave» TJ at his Best. Ich freue mich sehr für dieses Berner Wunderkind (das übrigens ein bisschen aussieht, wie Tranquillo Barnetta, oder?), bin saustolz und rufe allen Berner Wunderkindern zu: Ja, genau, zieht aus!

Der Photonen-Gleichschalter

Roland Fischer am Donnerstag den 10. Juni 2010

Physikalisch-politisch gesehen dürfte man eigentlich nicht zu einem Loblied ansetzen – aber Jubiläum ist nunmal Jubiläum, da wollen wir nicht zurückstehen. Der grosse lichte Gleichschalter, gewissermassen das kommunistischste Gerät, das je ersonnen worden ist, feiert dieses Jahr den 50. Geburtstag: der Laser. Herkömmliche Lampen lassen den Photonen ihre Individualiät, sie dürfen wild durcheinander schwingen und ihren farblichen Eigenheiten frönen. Im Laser hingegen werden alle auf dieselbe Parteifarbe eingeschworen: Licht im Gleichschritt, gleiche Richtung, gleiche Frequenz, totale Kohärenz. Ein physikalisches Nord-Korea.

Aber das nur so am Rande. Zu feiern ist hier der Laser als nicht allein als technologisches, sondern auch als kulturelles Superding. Was so eine Lasershow an Effekten in die Luft zu werfen vermag, haben wir seit den gloriosen Neunzigerjahren fast schon wieder vergessen – gut dass es uns gewisse Veteranen manchmal wieder in Erinnerung rufen. Wer Aphex Twin an der Bad Bonn Kilbi sah, weiss, was gemeint ist:

Aphex Twin an der Kilbi (Bildquelle: mwae.ch/ http://kilbi.badbonn.ch/2010/bilder/26/mwae/)

Der Laser erfreut aber auch viel disreter: In jedem CD-Spieler hockt so ein kleines Ding, eine geheimnisvolle Tonnadel, die sich auf digitale Sprache versteht. Die musikalische Datenrevolution wäre also ohne Laser nicht möglich gewesen – auch wenn er in Zeiten von MP3 und Konsorten selbst wieder zum Auslaufmodell wird. Wo es keine Silberscheiben mehr gibt, da braucht es auch keine Lichtnadeln mehr.

Der Laser – von gestern? Vielleicht in der Musik, keineswegs aber im Film. Da steht er nach wie vor für die Zukunft. Die Theorie, die Ingenieure hätten mit der Erfindung des potenten Lichtpfeils nur eine Bestellung der Drehbuchautoren ausgeführt, ist nicht einfach von der Hand zu weisen. Was wäre Star Wars ohne (seltsam klingende) Lasersalven? Eine Strahlenkanone ist die logische Zukunftsvision der Schusswaffen. Unsichtbare Strahlen indessen wären für den Film komplett untauglich – also bleibt nur der Lichtpfeil (ergo Laser). Und was wäre Goldfinger ohne seine metall- und weichteil-schmelzende futuristische Laserkanone?

Eine noch schönere und weit weniger martialische Rolle hat der Laser in Gaunerklamotten und Diebstahlthrillern: Wo immer etwas geklaut werden soll, verstellen Laser den Weg, was die Kerle raffinierte Tricks ersinnen und die weiblichen Schönheiten grazile Verrenkungen vollführen lässt. Auch hier erweisen sich die glitzernden Lichtfäden als visuell äusserst ergiebig. Dass kein reales Museum eine solche Lasershow durch die nächtlichen Räume flimmern lässt, spielt da keine Rolle.
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Zum Jubiläum: Die Berner Lasertage dauern von heute bis am Samstag.