Archiv für die Kategorie ‘Film & Fotografie’

In Chinas düsteren Hinterhöfen

Gisela Feuz am Mittwoch den 13. Dezember 2017

Ein bisschen wie Tarantinos Pulp Fiction, nur gezeichnet. Und genau gleich wie es Pulp Fiction in den Anfängen tat, sorgt auch der Animationsfilm «Have a Nice Day» in gewissen Kreisen für rote Köpfe, wurde der Independentfilm doch in China und Frankreich zensiert. «Have a Nice Day» ist das Werk des chinesischen Künstlers Liu Jian, welcher seine schwarze Komödie in Eigenregie schrieb und über drei Jahre lang alleine daran zeichnete.

«Ao je le» so der Originaltitel von Jians Animationsfilm, spielt im Randbezirk einer südchinesischen Grossstadt. Baustellenfahrer Xiao Zhang knöpft dem Kurier des lokalen Mafiabosses Onkel Liu eine Tasche ab, welche eine Million Yuan enthält, also rund 150’000 Franken. Mit dem Geld will Zhang seiner Verlobten eine Schönheitsoperation in Südkorea ermöglichen. Als der junge Mann in einer Imbissbude seine Nudelsuppe mit einem grossen Schein bezahlt, wird ein windiger Kerl mit selbstgebauter Röntgenbrille auf ihn und seine Tasche aufmerksam. Derweilen ist auch die Cousine von Zhangs Verlobter unterwegs Richtung Geldtasche, sie und ihr Freund träumen davon, fernab der Zivilisation ein Arbeiter- und Bauernleben nach maoistischem Vorbild zu führen. Und dann ist da auch noch Onkel Liu. Dieser ist zwar gerade damit beschäftigt, einen befreundeten Maler zu foltern, den Diebstahl seiner Geldtasche kann der Mafiosi aber natürlich nicht auf sich sitzen lassen, weswegen er einen Auftragskiller auf den Fall ansetzt. Was folgt sind Irrungen, Wirrungen, Zufälle, Stromschläge, blutige Schlägereien und ein folgenschwerer Autounfall.

Liu Jian lässt in «Have a Nice Day» eine Geldtasche zwischen Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft hin- und herwandern und offenbart dabei jeweils deren ganz persönliche Wünsche, Sehnsüchte und Abgründe. In mehrheitlich trüben Farben – der Himmel ist stets grau und die Hinterhöfe duster – zeigt Jian die Kehrseite eines urbanen Chinas, welches durch den Einzug des kapitalistischen Systems in den Grundfesten erschüttert wurden. Dank ruhigem Erzähltempo wird den ästhetischen, gemäldeartig wirkenden Bildern viel Raum gelassen. Und dank knorrigen Charakteren, verschrobenem Humor und der Liebe zum gezeichneten Detail wird «Have a Nice Day» zum durchaus vergnüglichen Neo-Noir-Animations-Abenteuer, an welchem auch Grossmeister Tarantino seine Freude haben dürfte.

Liu Jians «Have a Nice Day» läuft ab morgen 14. Dezember im Kino Rex.

Slam Shnit en miniature

Gisela Feuz am Donnerstag den 19. Oktober 2017

Während es in der Heiliggeistkirche bei der offiziellen Eröffnung des Kurzfilmfestival Shnit wohl eher förmlich zu und her gegangen sein dürfte, kamen in der Aula des Progr die jungen Wilden zum Zuge. Oder besser gesagt: Die jungen Wilden und Frau Feuz. Letztere war nämlich kurzfristig aufgeboten worden, die Slam Movie Night zu moderieren, weil dem vorgesehenen Host die Stimme abhanden gekommen war.

Die Slam Movie Night fand gestern bereits zum 10. Mal im Rahmen des Shnit statt. Grundsätzlich ist so eine Nacht eine äusserst unterhaltsame Angelegenheit, die aus zwei Teilen besteht: Im ersten Block gibts heiteres Filmeraten, wozu kurze Clips gezeigt werden, in welchen ein Team auf unorthodoxe und unkonventionelle Art und Weise eine Szene aus bekannteren oder auch unbekannteren Filme nachspielt. Im zweiten Teil traten gestern Abend insgesamt acht Kurzfilme um Ru(h)m und Ehre an. Das Publikum kann mit Buhrufen oder Klatschen dafür sorgen, dass ein Film frühzeitig abgebrochen wird oder in die Finalrunde gelangt. Im Zweifelsfall entschied die mehr oder weniger kompetente Jury bestehend aus Mister Jonny Bunko von Boys on Pills, Jessica Zuber von den KSB-Sisters-in-Crime Bärner Meitschi und einer Publikumsvertreterin. Insgesamt fünf Filme schafften es gestern ins Finale.

Sieger der Herzen war gestern Abend der gerade mal 17-jährige Nikolai Paul, der in seinem 9-minütigen Dokumentarfilm «Sans Papiers» das Leben eines Dokumentenlosen in der Schweiz skizziert. Chanelle Eidenbenz’ «Brunch» zeigt die First-World-Probleme einer Generation, die sich zwischen Avocado oder Pancakes mit Schlagrahm zum Frühstück entscheiden muss, derweilen der Animationsfilm «Swiss Made» von Sophie Wietlisbach höchst amüsant die touristische Ausschlachtung der Alpenregionen aufs Korn nimmt. Nicht weniger unterhaltsam ist der gerade mal 38-sekündige «Es mü z’äng» von Fela Bellotto und Lalita Brunner.

Den Slamy – der Oscal der Slam Movie Night – nach Hause nahm Emanuel Hänsenberger, und zwar für seinem Film «Fremdkörper». Hänsenberger hat darin die Erlebnisse seiner WG-Kollegin filmisch umgesetzt und eine kleine Ode an Fussfetischisten und Tagträumerinnen geschaffen.

Die Slam Movie Night ist so ein bisschen Shnit en miniature, bildet sie die Rahmenveranstaltung doch im Kleinen ab, indem Amüsantes, Tragisches, Animiertes, Dokumentarisches, Skurriles, Abgefahrenes und Ästhetisches gezeigt wird. Lustig wars, liebe SlammerInnen! Sorry Baze, den Job biste los, denn ich komm gerne wieder. Und nächstes Mal gelingt es dann bestimmt auch, das schmucke Schiri-Jäggli mitlaufen zu lassen.

Gestern wurde das Kurzfilmfestival Shnit eröffnet. Bis und mit Sonntag werden an diversen Spielstätten in der Stadt rund 300 Kurzfilme in Blöcken gezeigt. Alle Infos gibts hier.

You can get along fine without one*

Roland Fischer am Mittwoch den 11. Oktober 2017

Endlich wieder mal ein Grund, in ein richtig grosses Kino zu gehen! Mit richtig grosser Leinwand und vor allem: richtig grosser Soundanlage. Weil dieses Jahr 2049 dröhnt und wummert und raunt ganz gehörig, auf der Bild- wie der Tonspur. Da ist so einiges schiefgegangen, so um das Jahr 2020 rum, aber untergehen wird eine Welt wie unsere so rasch auch wieder nicht. Bloss noch ein wenig ungemütlicher wird es, in dieser Zukunft, die zwar nicht mehr so recht zwischen Gut und Böse und Mann und Maschine und Licht und Dunkel unterscheiden kann – alles irgendwie ewiges Zwielicht -, aber dafür umso klarer zwischen Stadt und Land. Und zwischen On und Off.

Die Kritiken waren ja durchaus uneins. Und ich bin auch nicht so ganz überzeugt von dieser Neuauflage, die immerhin durch die cineastischen Ozeane pflügt wie ein schwerer und selbstbewusster Supertanker und nicht (wie es Actionfilme heute ja oft tun) wie ein blödes Schnellboot, das ja dann doch jede Welle abbekommt. Das Tempo, die Ruhe, die Kraft: das stimmt alles. Und doch ist das irgendwie ein wenig zu gross und zu offensichtlich geraten. Aber vielleicht hatte das Original auch einfach den grossen Vorteil, das Seelenproblem in Zeiten der technischen Replizierbarkeit verhandelt zu haben, lange bevor die Zeitungsspalten voll mit dem Thema waren.

*a soul, that is.

 

Berührend und beschämend

Gisela Feuz am Samstag den 16. September 2017

Die Aborigines in Australien, die Pygmäen in Zentralafrika, die Tuareg in den Wüsten Nordafrikas oder die Inuit im Polargebiet: Rund vier Prozent der Weltbevölkerung gehören einer sogenannten indigenen Ethnie an, also einer Gemeinschaft, die seit langer Zeit in einem Land lebt, dort aber nicht die nationale Regierung kontrolliert. Bis 2007 erfuhren Indigene keine besondere Unterstützung auf internationaler Ebene, erst mit der UNO-Deklaration über die Rechte indigener Völker änderte sich dies. Diese Deklaration feierte diese Woche ihren 10. Geburtstag.**

Auch das Volk der Samen in Lappland gehört zu einer Minderheit, deren Alltag lange Zeit von Diskriminierung und Ausgrenzung geprägt war. Diese Woche lief in der Schwedischen Filmreihe in der Cinématte mit «Sami – A Tale from the North» ein berührender Film, der schonungslos aufzeigt, wie die kleine indigene Gemeinde, deren Siedlungsraum sich im hohen Norden von Norwegen bis Russland erstreckt, tagtäglich mit Vorurteilen, Erniedrigung und Rassismus zu kämpfen hatte.

Im Schweden der 1930er-Jahre besucht Elle Marja (ausdrucksstark: Lene Cecilia Sparrok) zusammen mit ihrer kleinen Schwester (Mia Sparrok) eine Internatsschule für Samen. Täglich wird sie auf dem Schulweg gedemütigt, beschimpft, psychisch und auch physisch versehrt. Kein Wunder träumt Elle Marja von einem «schwedischem Leben», also einem Leben in welchem sie nicht aufgrund ihrer Sprache, Kleidung und Herkunft schikaniert wird. Als sie realisiert, dass ihr Berufswunsch – Elle Marja möchte Lehrerin werden – sich nicht erfüllen kann, weil die Ausbildung an einem samischen Internat als minderwertig betrachtet wird, flieht das willenstarke Mädchen nach Uppsala, verneint fortan seine Identität und bricht mit seiner Familie.

Es ist ein starker Film, den Amanda Kernell mit «Sami – A Tale from the North» vorlegt. Einerseits besticht er mit fantastischen Landschaftsaufnahmen nordschwedischer Kargheit, andererseits zeigt er aber auch schonungslos auf, mit welchen Werkzeugen indigene Völker unterdrückt werden: Ausgrenzung und Demütigung, wobei oftmals mit «wissenschaftlichen» rassenbiologischen Untersuchungen argumentiert wird. Es ist ein Film der wehtut, ein Film der einem die Schamesröte in die Wangen treibt. Und zwar nicht einfach nur wegen den Vorkommnisse in Lappland, sondern ganz allgemein darüber, dass es überhaupt eine UNO-Deklaration braucht, die Minderheiten schützt.

Ausserdem in der Schwedischen Filmreihe in der Cinématte: «The Girl who saved my life» (SO 17.9.), neue Kurzfilme (MO 18.9.), «Eternal Summer» (22./23.9.) Stockholm Stories (24./29.9.)

** Quelle und mehr zum Thema hier

KSB-Heimatkunst, 3013 Bern

Gisela Feuz am Donnerstag den 24. August 2017

«KSB-Heimatkunst» ist eine lose Serie des hausinternen KSB-Architekturbüros. Ältere Beiträge gibts hier.

«…. Bauaufgabe dieser Grössenordnung …. Komplexität …. Ansprüche ….. qualifiziert», so liess sich der Präsident der Berner Sektion des schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins, Christopher Berger, kürzlich im Mutterschiff zitieren. Sie merkens, werte Leserschaft, odr? Herr Berger hat KSB gemeint. Weil wenn wir etwas können, dann ja wohl komplex, kompetent und qualitativ hochwertig. Ästhetisch? Unser zweite Vorname, aber Hallo! Deswegen hat sich das hausinterne KSB-Architekturbüro in mehrwöchige Klausur begeben und wird  bei einer allfälligen Ausschreibung den unten abgebildeten Vorschlag für die neue Klimaanlage im Kunstmuseum einreichen. Wir rechnen fest mit dem Zuschlag.

Wer das hier doof findet (und ergo keine Ahnung von Architektur hat) und lieber unter dem Deckmantel Kunst nackige Damen guckt, der ist bei der aktuellen Ausstellung «Van Gogh bis Cézanne, Bonnard bis Matisse» im Berner Kunstmuseum bestens aufgehoben.

#BernNotBrooklyn

Gisela Feuz am Sonntag den 13. August 2017

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, zum Beispiel wenn im dritten UG einer Industriehalle im Warmbächliareal der Trailer zu einem neuen Film gedreht wird.

Dass der Film «Heidiland» so rein gar nichts mit Swissness am Hut hat, macht spätestens der Untertitel klar: «They fucked with the wrong Heidi». Entsprungen ist das rabiate Heide der Phantasie des Berner Filmregisseurs Johannes Hartmann, der für seine derbe Heimatfilmparodie keinen geringeren als Tero Kaukomaa («Iron Sky», ja genau, Nazis auf dem Mond und so) und Valentin Greutert («One Way Trip 3D») an Bord holen konnte. Eine dystopische Horror-Angelegenheit solls werden, dieses Heidliland, in welcher sich die Schweiz hinter dicken Grenzmauern vor der Aussenwelt verschanzt hat, und eine Miliz-Armee dafür sorgt, dass niemand ins vermeintliche Paradies gerät, der die falschen Fragen stellt.

Und das Heidi? Die tritt Vertretern dieser Miliz-Armee so richtig in die Eier. Und in diverse andere Körperteile, und zwar bis das Kunstblut nur so spritzt. Es mache schon ziemlich viel Spass so viele Typen in Nazi-Uniformen zu verdreschen, sagt Schauspielerin Jessy Moravec, und grinst breit. Noch breiter grinst Special-Effect-Mann Daniel Steffen, der wahrscheinlich mehrer Badewannen Kunstblut angerührt hat für den dreitägigen Teaser-Dreh. Für die Produktion des eigentlichen Filmes, die im besten Fall nächstes Jahr beginnt, wird Steffen dann wohl einen Tanklaster anmieten müssen.

Posten Sie Ihr Foto/Video auf irgendeiner digitalen sozialen Plattform mit dem Zusatz #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es pünktlich zum Katerfrühstück. Oder auch ein bisschen später.

This Is The Funniest Metallica Shred Ever Made. Period.

Mirko Schwab am Donnerstag den 27. Juli 2017

«About the absence of women and the presence of hair.» Die Berner Buckelkatze Roger F. grätscht gesellschaftskritisch ins Stadionkonzert.

Viermal brüderliches Reiben mit Mähne.

Was ist ein Shred? Mensch nehme einen Filmauschnitt eines auf allen ebenen übersättigten Grosskonzerts, eines Events; starring zu viel weisse Mannen mit phallischen Gitarren auf einer zu kolossalen Bühne, zuviel Lichtschau, zuviel mass hysteria – und unterlege den Ausschnitt mit einer Neuinterpretation des Originalsongs in extra verschissen. Ein Attentat auf die hegemoniale Zurschaustellung der eigenen Macht im Popkanon oder auch einfach ein schadenfreudiges Spässchen.

In meiner Fantasie allerdings stecken dahinter Frauen aus aller Welt, die den licks-wichsenden Bühnenchauvis einen reinbremsen. Nicht die generationell-zyklische Lust am Vatermord also, sondern eine feministische Briefbombe wird hier in die youtube trends geschmuggelt. Und auch wenn die meisten der abertausend auffindbaren Shreds inna Interwebs wohl ein sauglatter Einfall gelangweilter weisser Kifferjungs sind, bietet dieses Digitalgenre doch einiges an politischer Projektionsfläche.

Roger F. – White Men With Guitars (Schnitt: Roger F. und Giorgia P.)

 

Wohl auch für Roger Fähndrich also known as Roger F., der gerade seinen Protestsong «White Men With Guitars» im Shredgewand ins lokale Internet abgelassen hat. Nicht einfach als Videoclip, wie er betont haben möchte, und auch mitnichten nur als weitere Metallica-Verballhornung. Nein, hier sind wir erst an der Oberfläche dessen, was Fähndrich mal wieder an subversiver Buckelkatzen-Action bereithält.

Der Text erzählt uns von der Vormachtstellung des weissen, männlichen Gitarrenhelden und seiner Inszenierung als Rebell und Prophet einer besseren Gesellschaft, besserer Werte, die nichts weiter mehr sein kann als ein billig tapezierter Marketinggag und letztlich der Selbsterhaltung ebenjener dicktatur zu dienen hat. Und also sind wir angehalten, nie!, nie mehr zu verfallen diesen white men with guitars als Marionetten von Marionetten. Besser mal das eigene Büchlein plündern und sich rausnehmen aus der ganzen Scheisse. Empfiehlt uns Roger F., weisser Mann mit Klampfe. Ein Widespruch, der keiner Auflösung bedarf und dem Protestsong verleiht, was ihm traditionell fehlt, eben auch den brusthaarigen Gitarrenhelden und ihren Verkündungen fehlt: Ironie.

Weil hier nach Aussage des Interpreten nichts verkauft werden will, kein Promo-Porno abgezogen wird, verzichten wir auf die – an dieser Stelle übliche – Verlinkerei zum Werk. Stellvertretend sei dafür auf meinen Lieblingsshred verwiesen. Und auf der Krstics Lieblingsshred.

(Appendix: Die grössten Freuden bereiten solche Filmchen übrigens dann, wenn die originale Irritation der Band, wahrscheinlich über einen Monitormix, der geringfügig anders geraten als auf den vorangegangenen 157 Konzerten der Welttournee, wenn dieser kurze Moment der Unsicherheit also mit einer besonders miesen Stelle im Shredtrack zusammenfällt. Love that.)

Kultur im Kocher

Roland Fischer am Freitag den 14. Juli 2017

So sieht es also aus, Berns niederschwelliges Kulturangebot:

Tatsächlich ist das eine schöne Initiative, dieses Parkonia-Festival im Kocherpark. Die Barcrew wirkte zwar zuweilen ein wenig überfordert, aber weil die Stimmung sonst überaus entspannt war zwischen Jonglierenden, Ping-Pong-Tisch und Bühne war das ziemlich egal. Gestern legten die Hiphopper von Churchhill einen fast schon offensiv gutgelaunten und pünktlich um zehn (die Nachbarn!) fertigen Auftritt hin. Wenn die Regeln brav eingehalten werden hilft die Stadt wo sie kann; demenstprechend poppen grad allenthalben Sommerspecials up – davon soll hier dann auch mal noch die Rede sein.

Hier bloss noch der Hinweis, dass es im Kocherpark Mitte Sommer einen fliegenden Wechsel geben wird: Die Bühne wird ab- und eine Leinwand aufgebaut. Bern bekommt endlich wieder ein richtiges Openair-Kino! Und erst noch – wie schon Parkonia – mit Gratis-Eintritt. Bisschen seltsam, oder, dass im reichsten Land der Welt Kultur immer öfter damit beworben wird, dass sie das Portmonnaie nicht belastet?

Ursula und Vreni rollen mit der Crew

Milena Krstic am Donnerstag den 13. Juli 2017

Küre zeigte auf die Zahl, welche anzeigt, wie viele Aufrufe ein Videoclip hat, und sagte: «Wie kann das sein, so wenig Klicks?» Ich drehte meine Rokies auf, lehnte mich auf meinem Bürostuhl zurück, guckte mich durch den Kurzfilm und muss sagen: Warum hat dieser Clip nicht mehr Klicks? Der ist nämlich wirklich nice.

Da haben sich Mac Daddy (Teiler Gang, du weisch) und Iver Faim eine wahrlich originelle Bildspur zum Song «Crew Rollt» ausgedacht. Es ist ja eher atypisch, dass eine Rapcrew mit einem Betagtenheim (in diesem Falle Betagtenheim Mattenhof) zusammenspannt. Herausgekommen ist ein vergnüglicher Ride in die Clubnacht, gemeinsam mit den Schauspielerinnen Vreni Brun und Ursula Gysin, die auch das dabben vorzüglich im Griff haben.

Crew rollt und Clip ab.

Fantastische Nerd-Veranstaltung

Gisela Feuz am Samstag den 8. Juli 2017

Man muss schon ein ausgesprochener Nerd relativ fest an Filmen interessiert sein, um sich nachmittags bei diesem Wetter in einen Kinosaal zu setzen. In Neuchâtel tun dies die Tage ziemlich viele Leute, dort geht nämlich das NIFFF, das internationale Fantastic Film Festival, über die Leinwand. Nebst dem japanischen Helden Takashi Miike, der seinen 101 Film vorstellte (das Mutterschiff hat hier berichtet), sind zahlreiche andere Lieberhaber*innen von Übersinnlichem, Unerklärlichem und Fantastischem aus aller Welt nach Neuchâtel gereist. Erfreulich: Die Schweizer*innen brauchen sich mit ihren Erzeugnissen keinesfalls zu verstecken. Im Gegenteil. Der Kurzfilmblock macht klar: Hier wird mit viel Ideenreichtum, stilistischer Vielfalt und auch Humor zur Sache gegangen.

Richtig lustig ist zum Beispiel «Schutzplan Vollmond» von Elias Jutzet, welcher die Verbrüderung zweier Werwölfe über den Röstgraben hinweg zeigt. Oder auch Sophie Wietlisbachs filmische Postkarte «Swiss Made», die in drei Minuten den Alpentourismus aufs Korn nimmt. Eher grimm geht es dann in Arnaud Baurs Western «Sons of Bitches» zu und her, an dem ein gewisser Quentin Tarantino bestimmt seine Freude hätte, derweilen Luc Walpoth in «One of Them» eine postapokalyptische Welt zeichnet, in welcher Menschen zu lebenden Batterien werden. Richtig übel (mit weggucken müssen) wirds dann in Izù Troins Animationsfilm «Féroce», in welchem ein junger leitender Angestellte gnadenlos durch einen Wald gejagt wird, während Bart Wasems Alptraumparodie «Zarr-Dos» mit schwebenden Riesenköpfen als Hauptfiguren an Absurdität und Nonsense kaum zu überbieten ist.

Wer dem NIFFF noch nie einen Besuch abgestattet hat, sollte dies unbedingt tun. Nicht nur gibt es zahlreiche Filme zu entdecken und zwar inmitten eines Publikums, das Werbespots mitsingt und mitklatscht und auch sonst mit Zwischenrufen für vergnügliche Stimmung sorgt, sondern auch das Rahmenprogramm unten am malerischen Neuenburgersee lässt sich sehen. Wie einer der Musiker der Rambling Wheels erklärte, welche mit ihrer Space-Rock-Oper «Interstellar Riot» das Festival eröffneten, könne man das ganze NIFFF über einfach feiern, ohne sich auch nur ein einziges Mal in einen Kinosaal zu verirren. Man glaubt ihm auf Anhieb.

Heute ist Abschlusstag des NIFFF, seit 10 Uhr laufen Filme, gucken und feiern kann man bis spät in die Nacht. Übringens ist/war auch die Berner Cervelat-Prominienz vor Ort prominent vertreten: Reverend Beat-Man hat eine Carte Blanche erhalten und durfte seine Lieblingsfilme vorstellen, derweilen DJ Biru von den Round Table Knights unten am See auf der Open Air Bühne die Plattenteller rotieren liess.