Archiv für die Kategorie ‘Bücher & Medien’

DRS2 über kulturblog.ch

Manuel Gnos am Freitag den 1. August 2008

Wir hatten in diesen Spalten auch schon über unseren Zürcher Mitstreiter von kulturblog.ch berichtet. Nun hat er es in einen Beitrag von DRS2 geschafft. Leider erst jetzt entdeckt, aber gerne an dieser Stelle noch nachgeliefert:

Beitrag hören:
Das Tor zu Downtown Switzerland. (Bild kulturblog.ch)

INUIT – Leben am Rande der Welt

Daniel Gaberell am Dienstag den 29. Juli 2008

Logo Dieser schöne Bildband von Markus Bühler-Rasom dokumentiert mit unglaublich starken Fotos das ferne Leben der Inuits. Der Fotograf schafft es immer wieder, die triste Einöde Grönlands in zauberhaftem Licht zu zeigen. Sinnlichkeit, Poesie, Ruhe, Natur, Einsamkeit, endlose Horizonte… sind Wörter, die einem beim Durchblättern dieses 200-seitigen Buches unweigerlich im Unterbewusstsein begleiten. Diese Publikation ist kein Schnellschuss und auch keine Auftragsarbeit, dies wird dem Betrachter schnell einmal klar. Eine unglaubliche Tiefe und Echtheit setzt sich auf jeder Buchseite durch.

Schön auch die Bilderstrecken über die Einwohnerinnen und Einwohner von Qaanaag, der nördlichsten Stadt Grönlands.

Am Buch «INUIT» arbeitete der 39-jährige Fotograf während zehn Jahren. Markus Bühler war bis 2004 Mitglied von LOOKAT Photos, seit vier Jahren arbeitet er freischaffend. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgestellt und ausgezeichnet.

Hier gibt es Bilder aus dem Buch plus einen kleinen Film zu sehen.

Eisbär ade.

ISBN 978-3-906729-55-8, Kontrast Verlag, Fr. 58.-

Italienische Zeichenkunst

Frau Götti am Mittwoch den 23. Juli 2008

Ich möchte Ihnen heute den italienischen Zeichner Vittorio Giardino ans Herz legen.

Geboren als Christkind am 24. Dezember 1946 bildete er sich erst als Elektro-Ingenieur aus, sattelte aber mit 30 Jahren auf Comics um. Seinen berühmtesten Charakter, den ex-Spion Max Fridmann, schuf er 1982. Die zunächst zwei Folgen spielen in den 1930er Jahren und spiegeln die politischen Wirren dieser Zeit wider. Die erste Folge, «Rapsodia Ungherese» («Ungarische Rhapsodie»), erschien erstmals gestaffelt in der Comic-Zeitschrift Orient Express und brachte Giardino den Durchbruch in der internationalen Comic-Szene.

Szene aus der Ungarischen Rhapsodie

Sprichwörtlich ist die Langsamkeit Giardinos – aber auch begründet: Wohl niemand könnte mit solcher Liebe zum Detail auch noch schnell zeichnen. Erst 2000, 15 Jahre später, erschien ein neues Fridmann-Abenteuer: «No pasaràn» über den spanischen Bürgerkrieg, dem zwei Fortsetzungen folgten (Über die neuen Folgen ist man offenbar geteilter Meinung.)

Ich jedenfalls bin noch an der ungarischen Rhapsodie, und das auch mit sprichwörtlicher Langsamkeit. Ich versuche nämlich bei dieser Gelegenheit, meine mageren Italienisch-Kenntnisse aufzumöbeln. La Repubblica gibt verdienstvollerweise Italiens Comic-Klassiker – und es sind derer viele – neu heraus.

Fotografie und Fussball

Manuel Gnos am Dienstag den 22. Juli 2008

Beim Stöbern im Netz bin ich vor einiger Zeit auf diese wunderbare Bildergalerie des Berner Fotografen Severin Nowacki gestossen. In 18 Bildern porträtiert er dort den alternativen Berner Fussballclub Aebersold.

Das Team Aebersold aus der Berner Alternativliga. (Bild Severin Nowacki)

Wenn Sie mögen, dürfen Sie gerne Ihre Fussballbild-Trouvaillen in den Kommentaren veröffentlichen. Oder Sie schicken sie an manuelpointgnosklammeraffderbundpunktcäha. Dann stellen wir die Fotos für Sie rein.

Schöne Verpackung mit was dahinter

janna am Mittwoch den 16. Juli 2008

Es ist nicht gerade neu das Buch, das ich hier empfehlen möchte, sondern schon 2006 erschienen und wurde damals auch ziemlich häufig besprochen. Die einen oder anderen werden es also schon gelesen haben. Aber für den Rest empfehle ich «Pferde stehlen» wärmstens als Ferienlektüre. Etwas Musse braucht man, um sich in die Erzählweise des Norweger Per Petterson hineinzufinden, aber es ist ein grossartiges Gefühl, besonders im Süden bei brütender Hitze, in die kühle norwegische Landschaft abzutauchen.

Die Erzählung handelt vom 67-jährigen Trond, der die Einsamkeit sucht und dabei die geheime Tätigkeit seines Vaters im politischen Widerstand aufdeckt. Petterson erzählt spannend und schön, zwischen Vergangenheit und Jetztzeit wechselnd, die Geschichte einer Vater-Sohn-Beziehung. Eine Geschichte, die jedoch keineswegs nur der Männerwelt einen Lesegenuss bietet.

Und übrigens: Nicht nur bei CDs sondern sehr wohl auch bei Büchern ist die Covergestaltung ein erheblicher Kaufgrund. Der Buchdeckel von Pferde stehlen ist eine Augenweide und ziert jede Sonnenliege und jeden Nachttisch. Ich habe allerdings noch nicht herausgefunden, ob es sich dabei um ein Foto des Künstlers Miklos Gaal handelt oder nicht, auf jeden Fall ist es sehr passend und stimmungsvoll.

Womöglich bekomme ich auf diesem Weg eine Antwort auf diese «drängende» Frage?
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Good Time Is Better Time

Grazia Pergoletti am Dienstag den 8. Juli 2008

Ich bleibe noch kurz beim Thema schreibende Musiker/Entertainer. Heute zum Doppelpack von Studio Braun.

«Fleisch ist mein Gemüse» von Heinz Strunk kam vor einer Weile als Film heraus. Die Geister meiner KollegInnen hier am Jenaer Theater scheiden sich: Manche finden den Film furchtbar harmlos; Holger Dexne, Horst-Eckel-Darsteller in «Das Wunder von Bern», hingegen meint, die Komik sei gut übertragen.

Ich habe den Film nicht gesehen, über das Buch kann ich nur sagen, dass es zwar sehr komisch, aber alles andere als harmlos ist. Erzählt wird die Jugend des depressiven Unterhaltungsmusikers Heinz in der Provinz um Hamburg. Zum Brüllen vor Lachen und vor Schmerz, unendlich lakonisch und zusehends beklemmend.

Rocko Schamonis «Sternstunden der Bedeutungslosigkeit» scheint mir bis jetzt – ich bin noch nicht fertig – weniger klaustrophobisch, aber deswegen nicht minder tiefsinnig. Es beschreibt das Leben des Nicht-Kunststudenten Sonntag, eines «Überflüssigen», wie er sich selbst gern bezeichnet. Und zwar mit einer grossen, warmen Fähigkeit zum Mitgefühl, die sehr bezaubernd ist. Und natürlich mit viel Eleganz und Witz.

Wie sagt Heinzers Bandleader Gurki immer so schön: Swingtime is good time, good time is better time! Werden Sie haben mit diesen Büchern, mein Wort drauf.

Vom Eis seperiert

Grazia Pergoletti am Dienstag den 1. Juli 2008

An Hans Platzgumer denke ich öfters. Zumindest jedes Mal, wenn ich in der Migros das längliche Dings aufs Laufband lege, das meine Artikel von denen des nächsten Konsumenten trennt. «Seperator» nennt Hans Platzgumer dieses Dings, er nannte auch mal eines seiner Musikprojekte so. Legendär waren seine Konzerte mit H.P. Zinker im Dachstock, auch mit den Goldenen Zitronen war er mal zu Gast, und mit Convertible, einer seiner aktuellen Formationen.

Der Gitarrengott und Hans-in-allen-Gassen hat soeben seinen zweiten Roman veröffentlicht, «Weiss», ein Arktisroman und eine bemerkenswerte Parabel über die Vereisungen einer übergeschnappten Gesellschaft.

Die Hauptperson Sebastian Fehr flüchtet aus Frankfurt ins Eis der Arktis. Er flüchtet vor den Menschen, die laut und dumm sind und stinken, und die ihn immer wieder verletzen. Er will selbst zu Eis werden, er will so lange ins Weiss starren, bis es Dunkel wird um ihn. Diese Hauptfigur ist nicht vollumfänglich sympathisch und trotzdem verfolgt man Sebastians Weg mit grösster Spannung.

Auch wenn die Allegorien manchmal etwas deutlich sind, auch wenn die vielen Seitenhiebe auf allerlei Seltsamkeiten des modernen Lebens zum Teil etwas gnadenlos wirken: Hans Platzgumer ist mit diesem Buch ein rechtes Kunststück gelungen und eine hervorragende und glitzerig bezaubernde Konsumkritik. Und der Schluss ist nicht weniger als genial!

Gerhard Meier ist gestorben

Daniel Gaberell am Montag den 23. Juni 2008

Eigentlich hätte ich in der heutigen Bücherecke sehr gerne ein Werk von Gerhard Meier besprochen. Denn wie zu lesen ist, starb der 91-jährige Schriftsteller nach langer Krankheit vor ein paar Tagen in seiner Heimatgemeinde Niederbipp.

Aber mit meinen bescheidenen literarischen Fähigkeiten schaffte ich es bis heute nicht, eines seiner Bücher zu lesen. Ich besitze zwar «Ob die Granatbäume blühen» und der «Der schnurgerade Kanal» – aber meine Lesesversuche endeten mehrmals zwischen Seite 20 und 30. Ob mir seine Texte nicht liegen oder ob mir schlicht und einfach die Zeit und Ruhe für Meiers Worte fehlen – ich weiss es nicht.

Hingegen weiss ich, dass mich die Person Gerhard Meier beeindruckt. Der Dokumentarfilm «Das Wolkenschattenboot», welcher auf KSB bereits hier besprochen wurde, zeichnet ein wunderschönes Porträt des Schriftstellers. Und erst vor zwei Wochen erzählte mir ein ehemaliges Mitglied der Kantonalen Literaturkommission, wie die Kommission voriges Jahr bei Meier im Garten zu Besuch war und dieser vor Güte und Charme nur so strotzte.

Ausserdem habe Meier bei diesem Treffen im vergangenen Sommer versucht, trotz seiner Gebrechlichkeit mit lustigen und halsbrecherischen Luftsprüngen etwas höher hängende Äpfel zu ergattern, damit sämtliche Mitglieder in einen Sauergrauech beissen konnten.

Darum lebt Meier für mich persönlich eher in etwas zu hoch hängenden Äpfel als in seinen Büchern weiter. Und das finde ich ganz wunderbar.

Grassierender Alkoholismus

Frau Götti am Mittwoch den 18. Juni 2008

Also eigentlich habe ich ja «The Rum Diary» von Hunter S. Thompson nicht zuende gelesen.

Ich empfehle Ihnen das Buch trotzdem dringend zur Lektüre.

Denn nicht zuende gelesen habe ich das Buch nicht etwa, weil es mir verleidet wäre, ganz im Gegenteil. Sondern mir ist die Gelegenheit zum zuende Lesen abhanden gekommen. Weil ich das Rum-Tagebuch nämlich irgendwo in Bombay verloren habe.

Ich kann nur hoffen, dass meine Ausgabe nun einen jetsettenden Filmstar aus der Bollywood-Szene oder eine superreiche Geschäftsfrau aus der boomenden indischen Computer-Industrie ein wenig nachdenklich macht.

Ähnlich wie schon in «Fear and Loathing in Las Vegas» beschreibt Thompson die Dekadenz und Masslosigkeit einer Spass-Gesellschaft, die nicht mehr weiss, was sie noch mit sich anstellen soll. Seine Bücher spielen in den 60er und 70er Jahren – doch könnten sie sich ebenso gut auf dieses Jahrhundert beziehen. Oder finden Sie nicht?

(Unter Schurnis jedenfalls grassiert der Alkoholismus immer noch.)

Anarchie in der Ukraine

Grazia Pergoletti am Mittwoch den 11. Juni 2008

«Was für ein Buch!» jubelt Rezensentin Ilma Rakusa fast ergriffen über diesen Roman des «ukrainischen Rimbaud» – ihrer Ansicht nach ein «Ausnahmetalent».

Das Buch sei ein großer Wurf, «himmeltraurig und urkomisch, hoffnungslos und tief poetisch, pechschwarz und von einer unbändigen, zornigen Kraft», schreibt sie «zutiefst berührt» von diesem Werk, das ihren Informationen zufolge Anfang der neunziger Jahre unter kriminellen Jugendlichen im postkommunistischen Charkiw spielt. Die Rede ist von Serhij Zhadans Roman «Depeche Mode».

Den ich noch nicht gelesen habe, zum Glück! Denn was sollte ich jetzt tun, wo ich eben sein anderes, ebenfalls bei Suhrkamp erschienenes Buch «Anarchy in the UKR» verschlungen habe? Das Lesen aufgeben? So kann ich aber in die Buchhandlung eilen und mir «Depeche Mode» besorgen. Gerettet!

Denn Frau Rakusa übertreibt kein Stück: Zhadan beschert einem ein Aha-Erlebnis, etwa wie wenn man zum ersten Mal einen Murakami liest. Lyrischer noch, gleichzeitig um einiges dreckiger und auch ost-mässig machoider, zugegeben. Aber Atemberaubend!

In der Ukraine füllt Serhij Zhadan ganze Stadien mit seinen Lesungen und am Bühneneingang warten seine weiblichen Fans jeweils kreischend auf den 1974 geborenen Mann, liess ich mir sagen. Laut Literaturveranstalter Hans Ruprecht liest Zhadan nächstes Jahr auch in Bern. Mal schauen, ob ich mir das Kreischen verkneifen kann.