Archiv für die Kategorie ‘#BernNotBrooklyn’

#BernNotBrooklyn

Mirko Schwab am Sonntag den 9. September 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn. Aber auch in der Sandsteinstadt ist burn-out, Weltschmerz, Sonntagsdepression, ist Hoffnung und 1 Schultzerucken. Ein quasi Gastbeitrag unserer Autorin Jessica Jurassica aus dem Abseits (ihr …!)

wenn nichts mehr hilft hilft dann nur noch lyrik [palmen-emoji]

faschismus oportunismus kapitalismus polizeigewalt herrschaft unterdrückung bern chemnitz charlottesville internet / täglich / tränengas gummischrot hitlergrüsse nazitattoos machtdemonstrationen gewalt drunterkommentare / messerstiche, angedrohte ausgeführte / (sprach)bilder eingebrannt auf der netz haut / gerötet entzündet / sprache der gewalt sprache des krieges kämpferische sprache revolutionäre sprache / männer* und frauen* sprache / spreche ich 1 männliche sprache oder ist sprache eh universell geschlechtslos / spreche ich 1 sprache der gewalt / verstehst du mich / wer bin ich ohne sprache wer / bist du

sexism fascism escapeism / violence silence patience / deafness numbness faceless / labien libido lybien / hardcore normcore glencore / fuckboy sextoy tolstoy / fascism sexism violence / fear power death / deaf death / numerous deaths / verstehst du mich / wer bin ich ohne sprache wer / bist du / VERSTEHST DU MICH

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#BernNotBrooklyn

Roland Fischer am Sonntag den 2. September 2018

Bern ist zwar nicht Chemnitz/Charlottesville/Ankara, aber hey, auch in der Hauptstadt ist Krise. Beispielsweise in und um die Reitschule, an so einem ganz normalen Samstagabend.

Drinnen, nach drei Stunden Krisenbeschwörung: ein knallrotes Gummiboot lehnt an der Wand, eben standen da noch vier Sänger im Frack drin und sangen ein letztes, trauriges Lied. Draussen nimmt sich die Polizei derweil von der Schütz was sie will. Freiraum und Tränensalven. Räuber und Poly. Sehnsucht nach dem Knall.

Und drinnen Karaoke mit Livemusik. Leave ’em burning and then you’re gone.

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 22. Juli 2018

Bern ist zwar nicht BrooklynNapoli, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los. Beispielsweise auf allen Badewiesen und Uferabschnitten, welche zum Sonnen und Liegen laden.

Von den Brücken und vom Zug aus gleicht das einer fransigen Patchworkdecke.
Farbige Leinenbahnen, kalkige Frotteetücher, exotische Waxprints auf dichtem Stoff, dünnes Baumwollgewebe, alles wie Schleier über dem grasgrünen oder steingrauen Untergrund verteilt.
Darauf gebräunte Körper, viele rauchend, neben ebenfalls qualmenden Feuerstellen, spielenden Gruppen, lesenden Einzelgänger. Essen dazu, trinken dazu, viele saufen.

Vor einigen Jahren war mal so ein heimischer Film für den besten fremdsprachigen zur Nomination bei den Oscars vorgeschlagen. «Giochi d’estate» hiess der doch, Sommerspiele.
Das darin auftragende Kolorit – pastellener Coming of Age Timbre, herbere Noten Lebensmittekrise – spürt sich auf an der Aare.

Zwei Handvoll Köpfe aus der Stadt haben sich diesem Sentiment musikalisch angenommen und gestern dazu einen Soundtrack auf Kassette veröffentlicht. Toxico SUMMER TAPE, TX07.

Vornehmlich bleiche Gesichter trotz Hochsommer, vom Kunstlicht im Studio, mit diesem Leuchten in den Augen aber. Weil sie einer Fantasie Kontur verpasst haben und die Sonnenkur ihrem Sound, statt sich selbst.
Die gemeinsame Sprache: Das italienische Klub-Viermalvier der späten 80er- Anfang 90er-Jahre. Auf diesen Nenner hatte man sich bereits in den kalten Monaten geeinigt.

Sphärischer, verträumter House mit diesem Discogloss. Italienischer «Dream House», Sommernachtstraum-Verve, weil dieser Dancesound wie nichts anderes in der Klubkultur für lebensbejahende Leichtigkeit steht.

In den Staaten war House politisch konnotiert, queer an der Ostküste, farbig im Rostgürtel. Und auf der Mutterinsel aka UK sowieso immer tief im Kellerloch, selbstzerstörerisch, zerrütteter.

Die Ränder des Stiefels hingegen, mit seinen sonnenbeschirmten Promenaden und felsigen Kanten, diesem Azur der Adria und dem Türkis des Mittelmeers, das instantane Glück höchstens getrübt von einem schnell wieder verdrängten Ennui – das ist die Blaupause für Dream House.

Salzige Zungenküsse, das Wiederaufflammen einer Jugendliebe oder einfach nur ein paar verklärte
Gedanken an einst im Sand.
Jetzt alleine vielleicht, aber immerhin ein Campari Soda auf der Patchworkdecke,
in der Nacht und am Strand.

Dieser Sound lässt immer mal wieder schmunzeln auch, den eitlen Hipster-Ernst in die Ecke stellen. Er bringt Spass und Lockerheit auf die Tanzfläche, Attribute die der Klubmusik paradoxerweise so oft und so schmerzlich fehlen.

Mediterrane Inspiration, that’s the cure! Jetzt gibt’s eine lokale und auf Tonband gespulte Facette mehr davon. Bern ist zwar nicht Napoli, aber hey, auch hier klingt und fühlt sich der Sommer richtig schön.

#BernNotBrooklyn, neither Napoli, but lots of good vibes.

#BielNotBrooklyn

Roland Fischer am Sonntag den 8. Juli 2018

Eine Stunde noch sind sie dran. Gestern um vier am Nachmittag haben sie angefangen mit ihrem Raum-Zeit-Experiment mitten in der Bieler Altstadt, zwanzig Stunden Musik und Visuals am Stück. Der Raum wird sich inzwischen geweitet haben, die Zeit sehr kurz und sehr lang geworden sein. Gestern gegen Mitternacht flatterte auch mal ein Nachtfalter zwischen Luca Forcucci, Rea Dubach, Christian Zemp, Judith Wegmann umher, durch Stephan Hostettlers Projektionen tanzend. Und andere Tiere der Nacht kamen und gingen.

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 1. Juli 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, trotz König Fussball – läuft’s auch sonst rund bei uns.

Beispielsweise die Pentatonik hoch und runter. Am Mittwoch war das im Ross, mit ein paar frischen Takten der Heimfraumannschaft Honshu Wolves. Die Blue Note weiter auf Sturmposition, man freue sich auf die neue Scherbe.
Für Auswärts spielten die ANTELOIDS von der Mutterinsel, in ausgebeulten Trikots aus der Brockenstube. Verschliffener Surftwang meets New Yorker Wave Verve oder auch: The Growlers bitten die Talking Heads zum Schäferstündchen – die Jungs spielen zweifelsohne oberklassig.

Ein Trauerspiel gab’s dafür in der Dampfzentrale von den Kummerbuben, aber von der schönsten Sorte – unsere fliegende Reporterin Feuz berichtete. Apocalypse Now?
Und in der Grossen Halle fand das SQUATOPIA auch sein Ende, beschallt von der städtischen Vorzeige-Ultragruppierung NORIENT, so ruft’s selten aus der Kurve. Was für ein Schlusspfiff.

Der Fankorso zieht währenddessen das ganze Wochenende von Thun her flussabwärts und offenbart die dunkle Seite der Macht. Dekadenz ist zelebrierter Verfall und in diesem Fall vor allem Abfall.
Knitterige Dosen auf den Liegewiesen, kaputtgeschranzte Schlauchboote am Ufer und ein ätzendsüsslicher Dunst von Rauch, Sonnenöldampf und Schweiss darüber. Ich schwimme mit.
Rote Karte.

Dritte Halbzeit im Kino REX, zur Besänftigung der angestauten Gewaltfantasien. Eigentlich ausgerückt mit der Idee den Kreis zu schliessen, nochmals Blue Notes wie anfangs Woche, mit dem Dok zum Jazz-Kultlabel. Aber unter der leuchtenden Kinoanzeige treffen wir auf Fischer, mit strahlenden Augen: «Vergiss Blue Note, AKIRA läuft im Zwei. Tausch die Tickets und ab ins Hochparkett, wennschon, dennschon!»

Er sollte Recht behalten. Der Anime Epos über Machtwirrnisse in postdemokratischen Gesellschaften, Allmachtsfantasien und der drohenden Extinktion durch die H-Bombe ballert auch 30 Jahre nach seiner Veröffentlichung so ungebremst auf den Frontallappen, dass wir uns danach nur noch zu besinnen versuchen. Warum hat sich der Homo Sapiens durchgesetzt? Er war nicht der schlauste. Er war nicht der stärkste. War er der sozialste?
Hoffentlich.

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#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 17. Juni 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, beispielsweise über den Dächern am Bollwerk.

Die Sonne hämmert hart durch die Wolken, ein heftigeres Histogramm war selten gesehen – der Kontrastumfang am Anschlag – schwärzer meint Rauschen, weisser meint Ausbrennen. So fühlt auch die Birne.

Gefedert wird die Stimmung von einem Häufchen tiefenentspannter Menschen. Die zusammensitzen auf einer Terrasse. Kartenspielen, Halloumi grillen und selbstgemachte Majo zelebrieren.

Im Hintergrund rollt der Ball, auf einem viel zu dunklen Bildschirm, Nebensache.
Von der Grossen Schanze her föhnen fürchterliche Tunes, der Flamingo animiert zum Bogenhusten –  Nebensache.

In der Stadt, zu Gast bei FreundInnen – Hauptsache.

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#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 10. Juni 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los

Zum Beispiel eine wortwörtlich phänomenale Tetrapackung Performance in drei verschiedenen Wohnungen und dem Schwabhaus in der Langgeige. Am Freitag war das, mit dem HORS LITS BERN #4 – è stato fantastico!

Das Format ist völlig losgelöst, von Kunsthochschule oder Fördergeldern, ein pures Destillat der Freien Szene quasi. Und Das Konzept so einfach wie notwendig – ein starkes Netzwerk an KünstlerInnen, ein OK mit lokalem Bezug, gute Kontakte und eine interdisziplinäre Sache.

In vier verschiedenen zu Hausen, man betritt als geführte Gruppe also Privatsphären.
Was instant zu Vertraulichkeit führt, wertvoll.

Da sind sofort diese Gerüche – von Treppenhäusern, Fluren und Zimmern, von Schweiss und meinen Füssen. Körpern, von Menschen.

Eine Geruchskulisse schiebt sich vor.

Da sind intime Vorstellungen, Oden und Lieder.
Da ist physische Präsenz – welche den Geist befeuert.
Und da ist auch Kaffee, hat’s Zwiebeln und Zigaretten.

Im Luftstrom des Ventilators.
Merke – nicht alles lässt sich erklären und manchmal hilft eben auch alles nichts.

Am Schluss sitzt man zusammen bei Tisch. Isst, trinkt, redet und bläst schweren Rauch an die Stuckaturen der Schwabhauswintergartendecke.

HORS LITS 2018  – das waren: Cruise Ship MiseryONE TRAVELO SHOW, Im Ernst, wir spielen nur und Pépites – danke für diesen Tagtraum.
Da capo!

Szenerie Schwabhaus zum Schluss von HORS LITS BERN 2018 – Posten Sie Ihr Foto/Video auf irgendeiner digitalen sozialen Plattform mit dem Zusatz #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es sonntags pünktlich zum Katerfrühstück.

#ZureichNotBrooklyn

Milena Krstic am Sonntag den 27. Mai 2018

Die Krstic im Auftrag vom Urs: Bern ist zwar nicht Zürich, aber hey, auch in der Geldstadt ist manchmal mächtig was los. Beispielsweise, wenn für die Machtlosen ein Zeichen gesetzt wird. Wie gestern und vorgestern auf dem besetzten Platzspitz.

Diese Stadt, grösster Bunker privater Vermögen weltweit – Weltstadt?
Dies gebührte Anstand, Rücksicht auf die Schwächsten.
Doch Zureich geht schon lange auf Abstand – beispielhaft auf diesem Platz – spitzt sich die Lage zu.
Anfang 90er gegen die offene Szene im Park: Zerschlagen, vertrieben, Zäune hoch, basta.
Heuer gegen die Mittellosesten auf der Flucht: Die neuste Verschärfung der Asylgesetzte griff «versuchsweise» erstmals in Turicum.
Der Platzspitz ein Mahnmal – für diese Logik: Repression greift immer, weil sie meistens die Mittellosen trifft.
Zwei Tage hat man dort nun gezeltet, vernetzt, musiziert und diskutiert.
Namhaftes auf der Bühne: ALL XS, die JEANS, BIG ZIS, der Luchs, GÖLDIN & BIT – schönes Bekennungsspielen.
Einen Tropfen Solidarität in diesen Ozean an reaktionären Idealen von Grenzen gepisst.
Was bleibt? Was erster Dinge bleiben muss: “Parc sans Frontières” – ein Denk-mal.
Und jetzt denkt mal.

Der Pavillon auf dem Platzspitz. Symbolbild, möglicherweise urheberrechtlich geschützt.

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#BernNotBrooklyn

Mirko Schwab am Sonntag den 13. Mai 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn …

23. Mai

Besser Du weisst:
Omara Moctar
Mit eigentlichem Namen, doch
B. geheissen
Ist unterwegs
Nach dem Burgernziel.
Oh.

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 6. Mai 2018

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los

Beispielsweise in der Zar, der Bar deines Vertrauens im Mattenhof.

Dort lief gestern die Zeit während fünf Stangen laut.
Sitzend zwischen drei angegraut-brutalgutaussehenden Vätern.
Ihre Spunde schlecken Becher der Gelateria.
Sie rauchen Zigaretten.

Einer fehlt.

Und die Welt stand sich während fünf Kurzen näher.
Diskutierend mitten drei schweraufgeschlossenen Geistern.
Ihre Ideen recken bis in den Himmel.
Sie rauchen selbstgedrehte Zigaretten.

Einer fehlt.

Er hätte in die Runde gehört.
Er hätte sich in der Runde gefallen.
Er ist zu früh aus der Runde gefallen.

Eine hebt –
ihr Glas und sagt:
«Noch einen Letzten und ein Hoch auf einen der –!»

Epitaph: “Zum Wohl ihr Übriggebliebenen – hütet mir mein Pflaster!”