Archiv für die Kategorie ‘#BernNotBrooklyn’

#BernNotBrooklyn

Roland Fischer am Sonntag den 10. Dezember 2017

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, beispielsweise an einem Freitagabend auf einem Hochhausdach, mit Neuer Musik und einem sich anbahnenden Schneesturm.

Ja, liebe Leser, das ist Bern. Das ist nicht Brooklyn oder Berlin oder Belgrad. Von dem grandiosen Ort am Ost-Stadtrand wird man wohl noch einiges hören in nächster Zeit.

Posten Sie Ihr Foto/Video auf irgendeiner digitalen sozialen Plattform mit dem Zusatz #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es sonntags pünktlich zum Katerfrühstück.

#BernNotBrooklyn – Tragödie an der Bushalte

Urs Rihs am Sonntag den 3. Dezember 2017

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, beispielsweise wochenends zu Katerzeit an Bushalten.

Vielleicht ist’s auch nur die brutal zügige Bise, welche mir den letzten Funken Hoffnung an sowas wie Inklusion zwischen den Knöpfen des Flanells wegpustet, aber die Stimmung an der Station Markuskirche heute Morgen ist mehr als nur im Keller –

Mädchen, in her teenage times, aufgelöst am Telefon, schreiend: «Ich schwöör dir, verdammt, diese N*#%E! …und so weiter und so fort… Ich schwöööhööör!»

Typen, gut dreissig, besoffen (hoff ich): «Man dä huere Stoney (Verteidiger Legende beim CB, jetzt Interimstrainer bei Biel) isch scho ä geilä Schwizer, eifach schad ischr o sone huere Bieler Sch@#%¦le.»

Mann, Mitte vierzig, piekfein urban casual, schweigt, liest die Weltwoche.

Zwei Frauen, wohl Ende zwanzig, Patagonia, Fjällräven: «Hey wo warst du gestern? War doch Demo gegen diesen Sparscheiss vom Schnegg!» «Ja ich weiss, aber ich war auf dem Hogant, ich brauch halt mindestens einmal die Woche richtig Natur.»

– der 20er kommt und in meiner Erinnerung scheppert was, «Eigengruppen und Fremdgruppen» und irgendwie der Weg von Stereotypen hin zu Diskriminierung – in diesem hellblaurosa Buch… lange her.
Wir steigen alle ein und die Türen schliessen sich, gemeinsam geht’s Richtung Zentrum – wenigstens der Bus ist inklusiv.

#BernNotBrooklyn ist normalerweise die Sparte wo lange Partynächte nachbrennen, manchmal aber auch für wirklich brennende Themen.

 

 

#BernNotBrooklyn – 20 Stutz oder auf den Strich!

Urs Rihs am Sonntag den 26. November 2017

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, beispielsweise die harte Realität auf der Gasse, gerade wenns wieder richtig kalt und nass wird.

Erste verbrecherisch wüste Weihnachtsbeleuchtungen, üppig süssliche Glühweinschwaden in der Luft, Schaufenster welche unter dem Druck des spätjährlichen Konusumbarocks zu bersten drohen und dazu diese modulare Besinnlichkeit – so brutal herbstet es für den Hauptstrom unter den Lauben. Der Geruch von gerösteten Maroni als einzig tröstlicher Lichtblick.

Für die Menschen auf der Gasse kommts noch weit übler.

«November, schleichend rückt er dir auf die Pelle. Tags frisst er dich, nachts erdrückt er dich. Ohne Blech überlebst du ihn nicht.» K* (Name dem Urs bekannt)

Blech meint Folie und Folie meint die Unterlage für Crack, im besseren Fall Freebase – Kokain geraucht, mit viel Dreck und Streckmittel oder eben etwas weniger – deine Zähne frisst es sowieso.
Im November ist aber niemand wählerisch, alles was knallt wird angemischt. Gesnifft, geraucht, geschossen.

Nach den letzten Tagen goldenen Oktobers scheint der Mangel an Nähe, an Beachtung, am wichtigsten Selbstachtung so richtig zu Buche zu schlagen. Mit der Kälte kommt die Psychose zurück, die Depression zurück, der Wunsch nach dem ultimativen Kick zurück.
Stoff bleibt Stoff. Einziger Garant für wenigstens einige Stunden lang, einige Minuten lang, seis nur einige Sekunden lang – Geborgenheit.

Meine warme Badewanne, seine Blutturmtreppe – deine saubere Bettwäsche, ihre Anlaufstelle.

Auf der Schütz blinken arrogant unnahbar, farbig kalte Ledlampen, rumpeln gehässig regelmässig mechanische Spassschleudern. Dahinter, dazwischen und davor wird «gemischelt» was das Zeug hält. Der Jahrmarkt offenbart Fratzen. Dieser morbide Beigeschmack der Schiessbudenromantik:  Dringliche Offenbarung der Brüchigkeit andauernder Bespassung zur Überbrückung vorherrschender Entfremdung.

Aus dem Kassenhäuschen der Geisterbahn scheppern Nachrichtenfetzen: «…Sparpaket…sozialer Kahlschlag… auf Kosten der Ärmsten… trotz Protesten… durchsetzen!»

«Hesch mr 20 Stutz, schüsch muessi ufe Strich!» Diesen Beitrag weiterlesen »

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 19. November 2017

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, zum Beispiel ein heilloses Puff die ganze Woche lang.

Rabe Clubtour, Bongo Joe Label Night, MADBALL Gig, sakrales Ghetto und dieser obskure MUMA. Nach so viel kreuz und queer rauchen zuweilen Häupter und es drängt sich der sonntägliche Wunsch nach Besinnung auf.

Was hängen bleibt ist, manchmal ist’s echt zu viel des Guten – am besten gebrochen vom prägend knapp gehaltenen «Kingdom Come» Showcase freitags in der Dampfzentrale.
Neben dem warmen aber zu leisen Dorian Wood, den enervierten aber hart zu Brei gemischten Algiers und den etwas gar orientierungslos klingenden Ventil Leuten, schlug dieses audiovisuelle Stück aus der Feder von Gazelle Twin im mürben Hirn ein, wie eine Abrissbirne in der spröden Gipswand.

Das Problem mit dem Urgesetz von Ordnung und Zerstörung, unser auf Individualinteressen fixierter Gesellschaftsdiskurs, die Frage wohin der post-postmoderne Selbstoptimierungstrieb noch alles zu wuchern vermag und die Suche nach dem Ornament in der Digitalisierung –
alles in gut einer halben Stunde und trotz dünnem Bass ein Weckruf.

Hat geknallt, das Showcase “Kingdom Come” von Gazelle Twin am St.Ghetto in der Dampfzentrale.

#BernNotBrooklyn

Roland Fischer am Sonntag den 12. November 2017

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, zum Beispiel irgendwo in einem Dachgeschoss der oberen Altstadt.

Gestern im Impact Hub: nicht wirklich ein Kulturort, aber trotzdem eine gehörige Ladung Reflektives und Performatives zu Bots and other Humanoids. Zum Beispiel von der Tanztruppe Unplush.

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 5. November 2017

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, zum Beispiel ab jetzt am Zentweg 1a.

Hochgezogene Räume, moderne Industrie, helles Holz, Beton, Glas und dazu dieser Geruch von frisch gebaut – am Zentweg, dort nahe der Autobahn, hinter der Allmend. Dort haben Leute ein Stück Paradies erschaffen.
Eine Beiz, ein Indoorspielplatz und schliesslich eine Boulderhalle. DIY ist hier keine Floskel, sondern eine fast schon religiös umgesetzte Selbstverständlichkeit. Bar, Bühne, Skaterampen, Elementbauten, Kletterwände, alles, wirklich alles ist selbstgemacht und strotzt vor Liebe zum Detail.

Schwebendes U-Boot unter der Decke, ein durch die Wand brechendes Motorschiffchen, eine Indoorfeuerstelle und und und. «bimano» nennt sich das Projekt und gestern war Eröffnung. Finanziert per Crowdfunding und scheissviel Herzblut. Vorzeigeprojekt für eine Bewegung die ein fehlendes Angebot für Kind und Kindgebliebene nicht nur beklagt, sondern einfach Hand anlegt: „they don’t just talk the talk, they walk the walk.“ Und Beleg dafür, dass es eben doch Momente gibt in denen alles stimmt. Die Idee, die Gruppe, die Infrastruktur. Wer diesem Projekt nichts abgewinnen kann, sei schleunigst der Gang zum Seelenklempner ans Herz gelegt oder der Augenschein vor Ort, denn: you will fall in love!

«ZENT» meint die Beiz, die ist aber nur Spitze des Eisbergs vom Spinnerprojekt bimano am Zentweg.

#BettNotBrooklyn

Gisela Feuz am Sonntag den 29. Oktober 2017

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, zum Beispiel am Sonntagnachtmittag im Bett von Frau Feuz. Nicht so wie Sie denken, Sie Ferkel.

«Wir müssen über Lindsay Mills sprechen», sagt die formidable Schauspielerin Katharina Behrens. Und über diese Lindsay Mills wird zur Zeit im Schlachthaustheater tatsächlich ausgiebig gesprochen. Aber eben nicht nur. Im zweiten Teil ihrer «Trilogie der Freiheit» stupft das Trio Bues/Mezger/Schwabenland eine Unmenge an Aspekten an, die sich alle um die Frage drehen, inwiefern Globalisierung und Überwachung unsere Intimität verändern. Dazu genügen zwei Figuren: Dennis Schwabenland mimt den übergewichtigen Armin, einen IT-Nerd mit bayrischer Vergangenheit, der sich im wahrsten Sinne des Wortes entpuppt und eben Katharina Behrens, welche Lindsay Mills gibt, die sich mit ihrem Freund nur über schlechte Internetverbindungen via Skype unterhalten kann. Besagter Freund ist nämlich «Pfeifenbläser» Edward Snowden und der hockt in Russland im Exil. Entsprechend heisst das Stück denn auch «Edward Snowden steht hinterm Fenster und weckt Birnen ein».

Foto © Manu Friederich

Kurz: die 90 Minuten bieten beste Unterhaltung und liefern viel Denkstoff – vielleicht fast zu viel, am Schluss schwirrte einem etwas der Kopf. Aber Frau Feuz wähnt sich diesbezüglich in einer durchaus komfortablen Situation: Wir KSB-Blogeusen können uns an einem trüben Sonntagnachmittag ja gemütlich im Bett in den Hirnwindungen herumpopeln und von dort Fragen herausgrübeln, die man nicht zu beantworten braucht. Das übernimmt dann die werte Frau Rittmeyer morgen in ihrer Stück-Analyse im Bund-Mutterschiff. Drum:

– Wie riecht es in einem Ganzkörper-Kostüm aus dem Theater-Fundus, das man anziehen kann, um richtig dick auszusehen?
– Ist ein Telefon in der Mikrowelle wirklich abhör- und ortungssicher?
– Die totale Freiheit – warum habe ich noch keinen Avatar?!
– Meine beste Freundin versteht mich immer – ist sie ein Bot?
– Mein Freund versteht mich nie – warum ist er kein Bot?
– Kann ein Putzroboter wirklich aufzeichnen, was um ihn herum geschieht?
– Bietet die Migros-Clubschule Pole-Dancing an?
– Wie viele Menschen onanieren zu Bildern von Animes?
– Hisst Musikerin Christine Hasler die Fahnen immer in gleicher Reihenfolge?
– Haben Sarah Harrison und Edward Snowden am Flughafen von Moskau denn nun oder haben sie nicht?
– Haben die Hippies die Freiheit erfunden?

«Edward Snowden steht hinterm Fenster und weckt Birnen ein» wird noch bis und mit Dienstag 31. Oktober im Schlachthaustheater gezeigt.

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#MokkaNotBrooklyn

Milena Krstic am Sonntag den 22. Oktober 2017

Das Mokka ist zwar nicht die Welt, aber ein Planet für sich.

Ich habe damals eine Statusmeldung verfasst und behauptet: «Thun isch gsi». MC Anliker war gerade gestorben und ich fühlte meine Jugend so vergangen wie nie zuvor. Was aus dem Möggu, ja, aus ganz Thun, werden sollte ohne den grantigen Patron? Ich wusste es nicht. Unter anderem deshalb war ich lange nicht mehr dort.

Bis gestern. Meine Freunde von Dirty Purple Turtle haben ihr neues Album «21 Seconds of Believing» getauft. Sie machen Musik, die nach einem Umzug in einer hellhörigen Altbauwohnung klingt, so sehr rumpelt, schleift und vibriert es da, und immer durch den Filter gezogen, mit einer dünnen Wand dazwischen. Der eine steht hinter seinem Tisch, vollgepackt mit analogen Elektronika-Grätli, und der andere sitzt hinter dem Schlagzeug. Und beide sprechen ab und an verzerrte Telefonbeantworter-Botschaften ins Mikrofon.

Ich freue mich, berichten zu dürfen, dass es dem Mokka gut geht. Dass shiny Henry jeden Morgen ins Lokal pilgert, um die Rauchmaschine zu betätigen, dazu Kaffee zu trinken und die Zeitung zu lesen. Halt so, wie es der MC zu tun pflegte. Ich freue mich, dass es im Mokka immer noch so aussieht, wie damals, als Pädu noch da war. Nur die Email-Adresse haben sie geändert: von sucks@mokka.ch zu home@mokka.

Übrigens haben DPT ein Videoclip fabrizieren lassen vom Filmemacher Yannick Mosimann. Es ist ein sinister-hübsches Stück geworden, eine Hommage an die Gemeinschaft, eine Loslösung vom kantigen Individuum, hin zu einem verschworenen Kreis. 21 Menschen, die alle an den gleichen Hebeln und Regeln wirken, und ja, die Krstic war dabei. Aber auch ohne mich dort drin würde ich Ihnen das Werk zeigen.

Einen schönen Sonntag wünscht
Die Krstic

Am Mittwoch, 25. Oktober, jährt sich der Todestag von Pädu Anliker. Im Mokka gibt es die Gelegenheit, ihm gemeinsam mit anderen zu gedenken.

#BernNotBrooklyn

Urs Rihs am Sonntag den 15. Oktober 2017

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist was los, zum Beispiel in allen wilden Gärten und sonst  artenreichen Flecken der Hood. Und der Herbst taucht die Siedlung sowieso in Gold, also raus aus euren leinenbezogenen Federn und an die Frische!

Die letzten Halme Lavendel blühen auf Balkonia.

Und für alle von der letzten Nacht Ermatteten oder sonst noch morgentlich Uninspirierten; der Klassiker wäre natürlich der BoGa unter der Lorrainenbrücke, wobei alles andere als wild. Die Warmbächlibrache hingegen – bietet Pioniere verschiedenster Couleur. Oder aber, für alle mit guter zweiter Luft, rauf in die Wälder Richtung Ulmizer, heut ist die perfekte Laubfärbung dazu!

#BernNotBrooklyn

Gisela Feuz am Sonntag den 8. Oktober 2017

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, zum Beispiel wenn am Samstagabend ein Wiener, ein St. Galler, ein Berner und ein gebürtiger Amerikaner, der im deutschen Münster lebt, zusammen in die Saiten greifen bzw. auf die Trommel hauen. So geschehen bei Joe McMahon and the Dockineers im sympathisch gastfreundlichen Planetspade in der doch eigentlich so ungastlichen Wankdorffeld-Industrie-Öde. Im Vorprogramm? Ein Schotte namens Billy Liar mit blauen Haaren. Cosmopolitan as fuck, dieses Bern.