Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

«A million dollars isn’t cool. You know what’s cool? A basilisk.»

Miko Hucko am Sonntag den 15. Dezember 2013

Es muss nicht immer eine Fernsehserie sein. Und ehrlich gesagt, belasten wir unsere Augen nicht schon tagsüber genug? Zurück zum Hörspiel! Aber natürlich nicht Globi oder Chasperli oder Hörbücher, sondern etwas, das aktives Zuhören erfordert, damit der Faden nicht verloren geht. Abgedreht, Science Fiction, Horror, Alternative Universe? Tatsächlich wurde der zweiwöchentlich erscheinende Podcast Welcome to Nightvale bereits als «the news from Lake Wobegon as seen through the eyes of Stephen King» bezeichnet. Und tatsächlich bin ich mir noch nicht sicher, wie ich diese Serie einordnen soll.

Darauf gestossen bin ich beim Rumhängen auf tumblr, dort ist die Fangemeinde bereits riesig, gigantisch gar, und der dazugehörige Headcanon demenstprechend auch. Kein Wunder bei einem Hörspiel, das mystisch und undurchsichtig bleibt. Der Nachrichtensprecher, Cecil Baldwin, liest die Nachrichten für seine Kleinstadt Night Vale. So weit, so gut. Zwischendurch kommt das Wetter, das allerdings nie das Wetter ist, sondern immer ein anderer Song. Tatsächlich aber erzählt Cecil auch immer wieder aus seinem persönlichen Leben, die Handlungsstränge und Erzählebenen geraten durcheinander und in Night Vale passieren lauter ungeremeimte, unheimliche Dinge, von Grosis ohne Gesicht über Erdbeben, die niemand spürt bis hin zum Dog Park. Klingt verwirrend? Ist auch so, und wahrscheinlich pure Absicht. Etwas anderes würde ich von Schreiberlingen, die noch dazu so gewiefte Tweets rausgeben wie diese hier, auch gar nicht erwarten.

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Sie können sich die Podcasts entweder auf iTunes kaufen und herunterladen, jaja, oder aber einfach grad hier streamen.

Flash-Hinweis: Kabarettisten und andere Künstler

Christian Zellweger am Donnerstag den 12. Dezember 2013

Um Stadtpräsident Alex Tschäppät heute Abend auf der Zeltbühne (auf der Allmend, nicht auf dem Gurten) mit seinem Comedy-Programm noch zu erwischen, ist die Zeit ganz klar zu knapp. Neben dem Stapi ist heute aber noch ein anderer Berner am Werk: Der Anti-Anbiederungskünstler und Visionär (Selbstbezeichnungen) Kutti MC feiert im Casino-Theater in Winterthur die Dernière seiner «unglaublichsten Talkshow der Welt». Auch nach Winterthur reichts nicht mehr, dafür können Sie das Ganze auf der Webseite der Schwester unseres Mutterblattes im Livestream mitverfolgen. Start: 20.00 Uhr.

Ein kleiner Vorgeschmack, was Sie da erwartet, gibts zum Beispiel hier:

Von Silber bis Platin

Miko Hucko am Freitag den 6. Dezember 2013

Oder auch: BONE – Festival, der zweite Tag. Abend. Nacht, sogar, denn das Programm dauerte bis 23:30 an. Aber der Reihe nach.
Begonnen hat alles ganz harmlos, um nicht zu sagen: langweilig. Und ein bisschen Fremdschämen ist da auch dabei, als Alex Silber FOUR (False, Or: Unexpected and Real) zeigt, in der er Hüte auszieht, Gedichte vorliest und dann wieder Hüte anzieht, ganz ganz viele Hüte übereinander, als möchte er sagen: Hochhut kommt vor dem Fall, und fallen tun die Hüte dann auch.

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Die zweite Performance, ganz dem Balkan-Schwerpunkt entsprechend, ist von Ilja Šoškić, der hier zum ersten mal mit seiner Tochter Stefanija auftritt. Dieses Duett mit dem Titel Panoptikon. Second Generation. schlägt ganz andere und auch ganz gelungene Töne an, indem es lautlos zeigt, wie die Assistentin alles macht, der Vater dann aber im Scheinwerferlicht steht. Kurz, aber scharf, wie die Messer, mit denen Stefanija sich die Haare schneidet und die sie dann eins nach dem anderen an die Finger ihres Vaters klebt.

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Wenn der Bunker schwankt

Miko Hucko am Freitag den 29. November 2013

Alle Menschen san ma zwider i mechts in die Goschn haun

So klingt es im österreichischen Kabarett aus den Siebzigern. Und so klang es – als Finale eines Abends voller Witz, Schalk, und Menschenverachtung, am Bunkerschwank.

Stellen Sie sich das vor: Sie bezahlen Fünf Fränkli (sic) Eintritt, darin enthalten neben eben diesem knapp einstündigen Schwank auch ein Getränk sowie eine anschliessende Party mit DJ, der noch so gerne Klassiker auflegt. Sie begeben sich dafür in einen ausgedienten Luftschutzkeller in der Länggasse. Sie vergessen die Zeit, das Jahrzehnt gar, und dann kann es natürlich passieren, dass ihnen ein Ornithologe vom Kakapo erzählt, die L-I-T (laut vorlesen) im Eiltempo Sekt hinunterstürzt, ein Hipster sich vor ihren Augen dehnt und Peter Pan auf einer Schaukel sitzt, um seinen Feenstaub (erstaunlich weiss) auf Sie, das Publikum, zu verteilen. Gleichzeitig. Alles zugleich und begleitet von Klaviermusik. Wenn das mal kein Schwank ist. Der Untertitel: Trinktheaterabend mit anschliessender Premieren- und Dernierenfeier.

Ich habe versucht, alles auf ein Mal auf ein Bild zu kriegen – leicht zu erkennen ist lediglich, dass an mir keine Fotografin verloren gegangen ist.

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Ja, der Schwank hatte seine Längen und Grobheiten, aber wie das so ist mit Trash: Man verzeiht ihm vieles, gerade weil er sich selbst nicht ernst nimmt. Und für den Preis, die enge volle Kellersituation, die gute Stimmung insgesamt kann sich nun wirklich niemand beklagen, die Mitglieder des BeSt (Berner Student_innen Theater) haben gut gegeben. Wann (ob?) der nächste Bunkerschwank stattfindet, weiss ich leider nicht, aber auf dem Laufenden werden Sie gehalten. Es lohnt sich.

 

Kulturbeutel avant la lettre

Christian Zellweger am Sonntag den 20. Oktober 2013

Bevors dann zum Wochenstart den komplett gefüllten Beutel gibt, hier aus terminlichen Gründen schon mal der erste Hinweis:

Rollschuh-Disco

Im Wyler ist wieder was los. Kurz und heftig diesmal, die nächste Woche läuft unter dem Motto «Smooth Operations». Wie reibungslos diese Abläufe dann tatsächliche vonstatten gehen werden, muss sich noch zeigen. Den ersten Beweis wollen die Macher bereits heute Abend ab 17 Uhr antreten. Es lesen: Michael Fehr, Patrick Savolainen, Donat Blum und Flurin Jecker. Zugleich wird die Ausstellung Schafspelz & Wolfsmilch eröffnet.

Danach gibt es über eine Woche verteilt von allem ein bisschen: Musik und Film, Wein und Käse, Feuer und Flammen. Als Schlussbouquet am Samstag noch eine Rollschuhdisco. Mit dabei: Der Filmer und Musiker Fabio Friedli, der mit seinem Solo-Moniker Pablo Nouvelle Big in Britain sein soll.

Programm und Informationen hier und hier.

Streetart in Bern: Die Lorrainestrasse

Miko Hucko am Donnerstag den 17. Oktober 2013

Ja, Sie haben richtig gelesen, ich war nicht in der ganzen Lorraine, sondern nur in der Lorrainestrasse. Und das hat gereicht und hätte noch für mehr als einen einzelnen Blogpost gereicht. Denn die Lorrainestrasse ist ja quasi das Kreuzberg von Bern (ich sitze im Moment des Schreibens im echten Kreuzberg und kann diesen Eindruck nur bestätigen), und die Wände sind wirklich, wirklich voll. Allerdings musste ich dann schon ein bisschen suchen, aber eben nicht, weil’s wenig hatte, sondern weil ich mich an all den Tags und Vorwahlen und Postleitzahlen vorbeigraben musste.

Zum Vergrössern einfach auf die Bilder klicken. Neben den beiden schönen Packpapierarbeiten gefällt mir besonders der Schnauz, der von jemandem (kommentiert!) als zu hipsterig eingefahren ist und kurzerhand zu küssenden Vögeli umbearbeitet wurde. Ob sich diese Geschichte noch weiter entspinnt, mit Revanche? Wir bleiben dran.

 

 

Was ich hier gesammelt habe, ist nichts als eine zufällige Auswahl, keineswegs umfassend, und am besten gehen Sie gleich noch mal kurz selbst vorbeischauen, bevor die Lorraine weiter gentrifiziert und endgültig zum Prenzlauer Berg wird.

Foppen? Phubbing!

Miko Hucko am Mittwoch den 9. Oktober 2013

Wir kennen sie alle – oder gehören gleich selbst dazu: Die Menschen, die während eines gemeinsamen Biers oder Kafis oder Apfelsafts nichts Besseres zu tun haben, als dem Gegenüber zu zeigen, dass sie Besseres zu tun haben. Im Internet sein nämlich. Mit dem Smartphone nämlich. Chatten, Twittern, Googlen – you name it.

Doch mit etwas hätten wir nicht gerechnet: Mit Widerstand! Dieses Phänomen nennt sich nämlich Phubbing (ausgesprochen äuä so etwas wie Fabbing, nicht zu verwechseln mit Klabbing), jedenfalls laut der wunderbar hipsterig gestalteten Website stopphubbing.com. Dort lassen sich sogar Fotos von Phubber_innen uploaden um sie public zu shamen oder Poster downloaden, die Phubbing preventen sollen. Zum Beispiel so eines:

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Vielleicht was zum Aufhängen in Berns Kulturlokalen? Then again: Resistance is futile und wir phubben einfach fröhlich mit, während unsere Bekannten sich die Seele aus dem Leib singen an einem Open Mic. Phubben ist wenigstens bei solchen Anlässen ein klares Zeichen: Deine Kunst interessiert mich nicht. Wär doch mal was für den Poetry Slam. Phubbende zählen statt Applaus.

 

 

So, genug Anglizismen für heute.

 

Twitter-Gewitter aus dem Stadttheater

Christian Zellweger am Freitag den 4. Oktober 2013

Früher gab es ja noch Tage der offenen Tür und so weiter. Heute lässt man sich elektronisch hinter die Kulissen blicken.

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Diese Kulissen für einmal ganz wörtlich nehmen darf man bei der Twitter-Theater-Offensive des Stadttheaters Bern, die gestern ihre Premiere gefeiert hat.

Unter @KonzerttheaterB gibt es in den nächsten zwei Wochen allerlei Hintergründiges aus den ehrwürdigen aber sanierungsbedürftigen Mauern.

Die Kadenz am ersten Tag war bereits eindrücklich. Unter anderen lernte man dabei die neue Praktikantin Simone kennen, oder den künftigen technischen Direktor Reinhard zur Heiden. Man sah auch, wie sich die Revisoren verschanzen (siehe Bild) und welche Musik im Grafikbüro gehört wird (moderne Klassiker, die Beatles).

Man darf gespannt sein, was in den nächsten Wochen noch alles so von, von um und von hinter der Bühne ins Netz fliesst.

«When Attitudes Become Form» / «Back To The Future»

Till Hillbrecht am Montag den 30. September 2013

Nach vier Monaten Biennale 2013 tauchen wir noch einmal kurz in den venezianischen Herbst. Hüben wie Drüben ist die Berner Kunsthalle ja in aller Munde. Während sie hier unter Schliessungsdruck steht, werden in der Fondazione Prada noch einmal ihre glorreichen Tage zelebriert: Und zwar mit der legendären Ausstellung «When Attitudes Become Form» von 1969.

Die Neuauflage jener umstrittenen Ausstellung von Harald Seemann Szeemann, die damals so stark provozierte, dass sie vom Bauernverband mit einem Misthaufen quittiert wurde verspricht viel. Und hält recht wenig. Der Nachbau der Kunsthalle ist so irritierend, dass ob der Orientierungslosigkeit die Werke von Beuys, Artschwager, De Maria, van Elk, Weiner und Kollegen erst Mal in den Hintergrund rücken. In diesem Hintergrund dann liegen sie komisch zusammengepfercht da, weil die Raumdimensionen nie und nimmer die Ursprünglichen sind und das lässt den Zeitgeist gehörig aus den Werken verschwinden – falls diese überhaupt vor Ort sind. Neben einigen Originalen und vielen Replikationen fehlt ein Grossteil nämlich gänzlich und das führt zu absurden Szenen: Man ertappt sich und andere dabei wie man einen leeren, von einer Linie eingekreisten Bereich anschaut und sich vorzustellen versucht, dass da vor 44 Jahren was gehangen / gestanden / gelegen hat.

Was wirklich Interesse weckt sind die wenigen Räume, welche nicht versuchen, die Kunsthalle nachzuahmen: In denen werden wunderbare Fotos vom chaotischen Ausstellungsaufbau anno 69 und eine TV-/Presserevue gezeigt, die einem die originale Schau viel näher bringt als der verkrampfte Nachbau. Die Künstler nah an der Linse, am arbeiten. Und diese jungen Wilden sind so wie die jungen Wilden heute: Ketten-Rauchen während dem Fernsehinterview, Lawrence Weiner mit der Bierflasche in der linken, mit dem Meissel in der rechten Hand. Vielleicht hatte vielmehr dieser Umstand den Bauernverband dazu bewegt den Misthaufen abzuladen. Ist ja heute ähnlich und somit gelingt immerhin dieser Transfer in die Gegenwart. Fazit: Wenigstens belastet die venezianische Version von «When Attitudes Become Form» den Berner Steuerzahler nicht.

Meister der Fallhöhe

Christian Zellweger am Samstag den 28. September 2013

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Wenn Tocotronic-Texter Dirk von Lowtzow St.-Galler-Mundart verstehen würde, hätte er das Lied «Ich verabscheue euch wegen eurer Kleinkunst zutiefst» vielleicht nie geschrieben. Vielleicht aber doch, schliesslich ist bei Manuel Stahlberger die bei von Lowtzow offenbar mässig beliebte Jonglage nicht Teil des Programms.

Dafür sonst viel, was mit wenig Aufwand grosse Wirkung erzielt: Texte mit und ohne Musik natürlich. Aber auch fast wortlose Diashows mit verqueren Piktogrammen und modifizierten Kantonswappen, wortreicher begleitete Bilderserien aus gesammelten Zetteln mit Nummern, die man bei der Post aus dem Automaten ziehen muss, um zu erfahren, wann man an welchem Schalter bedient wird (haben die einen Namen?) oder mittelalterlichen Superheldencomics.

Stahlberger ist ein Meister der Fallhöhe, der einen Abend lang Absurditäten darbietet und dabei keine Miene verzieht.

Und mit der richtigen Fallhöhe lässt sich das Genre der Klein-Kunst auf die Spitze treiben: Da reichen eine fast leere Leinwand und ein Laserpointer um einen ganzen Saal aufs Äusserste zu amüsieren.

Auch wenn von Lowtzow wohl eher nicht zum – den Künstlern generell wohlgesonnenen Kleinkunst-Publikum – gehört, zutiefst verachten würde er den Lieblings-St.-Galler Stahlberger nicht. Bisweilen zumindest schmunzeln wohl schon. Aber eben, die Sprachbarriere.
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Für Kurzentschlossene: Heute spielt Stahlberger noch ein zweites Mal im La Cappella