Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Jeans for Jesus am M4Music

Christian Zellweger am Samstag den 29. März 2014

Aus Zürich berichtet unser anonymer Sonderkorrespondent für die vielleicht best-begleitete Band in der KSB-Geschichte:

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Selfie mit dem Lieblings-Psychoanalytiker

Milena Krstic am Donnerstag den 27. März 2014

Er ist der Dr. Sommer für Erwachsene: Peter Schneider, Satiriker und Psychoanalytiker, der immer am Mittwoch im Bund eine Leserfrage beantwortet und er, der auf SRF 3 seine «etwas andere Presseschau» moderiert. Gestern Abend hat er im Wartsaal der Lorraine eine Lesung gehalten und ich als einer seiner grössten Fans (behaupte ich jetzt mal) war natürlich vor Ort.

Eine vergnügliche Stunde war das, hat doch der Dr. Schneider aus dem Nähkästchen gelesen und plädierte auf Interaktion mit seinem zahlreich erschienenen Publikum.

Nach der Lesung hat der Wartsaal wie versprochen Anti-Pasti serviert und ich habe meinen Lieblings-Psychoanalytiker um einen Selfie gebeten. Nach erfolgreichem Shoot sagte er «Ich liebe Bern!» und schickte das Foto gleich per Mail weiter.
Selfie Peter Schneider

Angestachelt von dieser wohlwollenden Reaktion hat sich das KSB-Team darum bemüht, eine passende Frage, wie sie an einem Mittwoch im Bund erscheinen könnte, zu stellen:

Lieber Herr Schneider
Ich habe Sie gebeten, einen Selfie zu knipsen und Sie haben ohne zu zögern Ihr Smartphone gezückt. Aber: Wie sehen Sie das (wirklich) mit diesem Selfie-Phänomen?
Die besten Grüsse
M. K. aus T.

Antwort Peter Schneider (heute morgen frisch eingetroffen):
Liebe Frau Krstic
Jaaa, ja: das Selfie…! (blickt lange nachdenklich und kratzt sich intensiv am Bart). Oder heisst es «der Selfie»? Wenn ich mich nicht täusche, war der/das Selfie das Wort oder Unwort des Jahres 2013. So betrachtet, würde ich also mal so ganz ungeschützt sagen, Selfie vermutlich nachgerade ein Leitsymptom unserer immer schnellklebrigeren Zeit ist und zugleich auch für unsere immer ich-bezogenere Gesellschaft steht sowie für den modernen Egoismus und die ständige Erreichbarkeit des Menschen und somit für seine Isolation durch Smartphones, so dass kein Mensch ausserhalb der Virtualität mehr echte Freunde hat und man, statt sich am Stammtisch oder im Sportverein mit gleichgesinnten jungen Leuten auszutauschen und zu amüsieren, lieber im Internet tummelt und sog. Filmchen (Dimunitiv!) herauf- und herunterlädt … Da ist es dann auch bis zu einem «Selfie» nicht mehr weit.

Herzlich Ihr
Peter Schneider

ein Raum für alles andere

Miko Hucko am Mittwoch den 26. März 2014

Zwischennutzung, Zwischenräume, frischer Wind, das weht ziemlich oft in Bern in der letzten Zeit, besonders im Nordquartier. Gerade gestern wurde das grosse AUAGeheimnis mit der WifAG gelüftet und gerade gestern feierte das CO-Labor die Eröffnung der schon zweiten Quasi-Forschungsstation. Situiert in der ehemaligen Pneubar in der ehemaligen Serinigarage im ehemaligen Arbeiterquartier Lorraine. Bei so viel Gentrifizierung in einem Satz wird es schon mal Zeit für was ganz anderes, dachten sich die drei engagierten Initiantinnen.

Und etwas anderes ist es auch geworden. Es züngeln die Flammen in der Feuerschale gemütlich vor sich hin, drinnen gibt’s Getränke zu erschwinglichen Preisen und leckere Minestrone gegen Kollekte. Eigentlich läuft nichts, aber es läuft alles, ein Laptop nämlich beamt an die Wand. Youtube. Kaum ein Medium, das heute verlockender ist, um den Mitmenschen zu zeigen, wo die Musik hängt, um DJ zu spielen, abzugehen, gegeneinander aufzuspielen, rumzutrashen. Es braucht nur jemanden, die mal den Anfang macht und schon geht’s rund.

Simple und ungezwungene Anlässe ähnlicher Art will CO-Labor nun bis zum Abriss des Gebäudes jeweils Dienstags durchführen. Und sonst so? Eben wirklich ein Labor.Wer keine kommerziellen Hintergedanken hat, darf den Raum einfach nutzen:

CO-Labor sieht den Raum am Platanenweg 4 als einen Ort für Viele und nicht nur für Einzelne. Der angestrebte, offene Raum wird erst durch seine vielfältige Nutzung Realität. Daraus ergibt sich das Konzept für die Zwischennutzung am Platanenweg: Neben den öffentlichen Dienstagsanlässen und der eigenen Forschungsarbeit über (kollektive) Räume soll an mehreren Tagen die Woche der Raum für externe Ideen und selbstorganisierte Nutzungen zur Verfügung stellen. Für eine Anfrage melde dich unter: colabor.bern(ät)gmail.com

Also los, hopp, melden und nicht nur das Quartier, sondern auch die KulturStadt Bern beleben.

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Kilbi-Countdown-Content (2)

Christian Zellweger am Mittwoch den 26. März 2014

Noch 65 Tage. In unregelmässigen Abständen blicken wir in Vorfreude auf die kommende Bad Bonn Kilbi, die am 29. Mai beginnt. Heute: Mit News.

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Seit gestern ist eine erste Programmergänzung bekannt. Den Donnerstag (für den es noch Tickets hat) komplettieren die Briten von den Wild Beasts. Die Falsetto-Popper mit den subtil-sexualisierten R’n’B-Lyrics bringen ihr neustes Album «Present Tense» mit in das deutsch-freiburgische Niemandsland. Das bringt dem Abend, der mit den Black Lips und Jungle ziemlich aufgeregt daherkommt, einen Hauch von kühlem Drama.

newsflash

Miko Hucko am Donnerstag den 20. März 2014

die Abteilung Hype und Gerüchte vermeldet: Müslüm-Dreh auf dem Bundesplatz. er spricht Passantinnen und Touristen an und  lässt sich von Schulklassen bejubeln. er ist wohl wieder gesund, kein Wunder bei dem Wetter!

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KSB: das KGB der Berner Kulturszene. Wir bleiben für Sie dran. (oder drin?)

la décadence is over

Miko Hucko am Dienstag den 18. März 2014

Und das goldene Zeitalter Europas auch. Geradezu mit (der) Faust wird mir dies vom neuen Wes Anderson-Film aufs Auge gedrückt: The Grand Budapest Hotel. Ein kurzes Frage-Antwort-Spiel zum wahrscheinlich hippsten Film des Jahres.

Melancholie, Nostalgie?
Ja. Aber abgeklärter als auch schon. Mit Zuckerguss überzogene Version der Europäischen Geschichte im frühen 20. Jh. Damals, als Deutsch und Französisch noch weitherum gesprochene Sprachen waren, nichts als Patriarchen weit und breit, dafür Reichtum und Grandezza.

Wes-Anderson-Slow-Motion-Szene?
Fehlt. Er hat sich schon in den letzten Filmen nach und nach davon verabschiedet und seinen Stil weiterhin radikalisiert, weg vom natürlichen, hin zum Comic, zum Tableau.

Bechdel-Test bestanden?
Nein. Frauenfiguren die reinste Katastrophe,  “es wird mit jedem Wes Anderson schlimmer” meinte meine Begleitung. Ich meine, es geht in diesem Film so fest als Metapher um den Untergang von Europa (und damit der Altmännerriege), dass dies durchaus verständlich ist, wenn auch nicht vertretbar.

Visuell?
viel Pastell, Schnee, alte grosse Häuser und Berge. Europa halt. schön.

Insgesamt?
Empfehlenswert. Ein Film, der, je länger man darüber spricht, desto besser wird. Der letzte Satz hat mir persönlich am besten gefallen (Paraphrase): “I left for a long vacation to south america, didn’t wanna lay foot on europe for a while. It was beautiful, enchanted – a ruin.”  The golden Age is over, wie schon Woodkid singt. Endlich.

 

Wer wäscht am weissesten?

Miko Hucko am Samstag den 15. März 2014

Es geht mir für einmal nicht um die Berner Kulturszene (wobei, vielleicht doch, wer weiss) oder um Geld, sondern tatsächlich um Inhalte. Oder Schauspielende, die dann unfreiwillig zum Inhalt der dargestellten Kunst werden. Ich hole ein bisschen aus, gehen wir doch mal 2000 – 10’000 Jahre zurück in der Mernschheitsgeschichte, dorthin, wo niemand mehr so genau weiss, was jetzt eigentlich wirklich passiert ist.

Dieses Jahr kommen gleich zwei Filme ins Kino, die sich mit biblischen Inhalten beschäftigen: NOAH und SON OF GOD ( der schon wieder). Finde ich natürlich schon an sich schwierig, hoffe aber, dass das reiner Zufall ist und ich in diesen Umstand nichts reininterpretieren muss wie zB. eine wachsende Tea-Party-Evangelikalen-Lobby. Item. Jedenfalls besinne ich mich doch zurück an meinen Religionsunterricht in der Schule und merke, dass hier doch geografisch etwas nicht stimmen kann. Besonders bei Son of God fällt mir sofort auf: Die spielen da irgendwo im arabischen Raum, es ist heiss und Wüste und bestimmt nicht Europa, aber die Leute sind ausnahmslos weiss, schweinchenrosa wie ich, ein bisschen Dreck auf den Gesichtern verschmiert et voilà. Dieses Phänomen hat in den letzten Jahren besonders unter jüngeren Kultur- und Sozialwissenschaftler_innen für Interesse gesorgt und nennt sich white-washing. Wir westlichen Film- und Kulturproduzierenden stellen ab und zu mal die Welt weisser dar, als sie eigentlich ist. Was ganz klar damit zu tun hat, dass wir am längeren Hebel sitzen und uns für den Nabel der Welt halten. So löschen wir nicht-weisse Menschen nach und nach aus den Geschichtsbüchern und stellen uns als eindeutige Nachfahren der Grossen Alten dahin.

Eines meiner Lieblingsbeispiele hierfür ist das alte Ägypten, das doch ganz gut in unseren Ahnenclub passt. Jedoch hatte weder Kleopatra noch Nofretete oder Tut-Anch-Amun  Haut wie Elfenbein, und doch werden sie, in unzähligen Pseudokus (Marke Die Schweizer) und Spielfilmen immer wieder von weissen Schauspielenden dargestellt. Um jetzt den Bern- bzw. Aktualitätsbezug noch mitzuliefern: Die Thuner Seespiele zeigen diesen Sommer Folgendes: Das Broadway-Erfolgsmusical Aida  erzählt die Geschichte einer grenzenlosen Liebe im alten Ägypten.” Und jetzt schauen Sie sich doch mal diesen wunderbaren Cast an. Ausser der Hauptrolle (deren Kostüm dann auch gleich als einziges historisch-ethnisch angehaucht ist) lauter weisse Schäflein.

Verlosung: «Der Bund»-Essaypreis

Christian Zellweger am Donnerstag den 13. März 2014

topelement

«Schlafes Bruder, wann stirbst Du Spielverderber endlich?» heisst das Thema des heurigen Essay-Preises unseres Mutterblattes. Den Gewinner bestimmen Sie, wenn Sie wollen. Für die Preisverleihung mit Publikumsvoting am Mittwoch, 19. März 2014 in der Dampfzentrale verlosen wir fünf mal zwei Eintritte. Einfach dieses Formular ausfüllen. Viel Glück.

Lagebericht vom Rössli: 24/5

Miko Hucko am Dienstag den 11. März 2014

Ich habe es mir kaputter, müder vorgestellt, aber, wie einer der Rösslimitarbeiter treffend feststellte, es ist ja schliesslich erst seit Sonntag früh. Das ist ja noch nicht so lange. Und längst nicht alle haben 24-Stunden-Schichten. Kurz nach Neun, als ich das Rössli besuche, ist es wirklich ruhig, entspannt, die Morgensonne bestrahlt die bestuhlte Terrasse. Ein Idyll.

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Drinnen, auf der Bühne, hat RaBe seine Station für die Morgensendung aufgebaut, und hier sieht es auch schon ein bisschen weniger idyllisch aus. Die Stimmung ist ein bisschen wie in einem Pfadilager, wenn alle wenig geschlafen haben, eng zusammenhalten und sich wieder auf den Abend freuen. Oder bereits auf den Mittag, wenn die Konzerte losgehen: Ein Gesangstrio von SLAM&HOWIE spielt zur Lunchtime auf. Ä guätä und Prost! Nur Knoblauch ist besser.

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Verknallt in Berns Donnerstagnacht

Milena Krstic am Freitag den 7. März 2014

IMG_20140306_224530Immer am ersten Donnerstag im Monat präsentiert das Hauptsitz-Team ein kulturelles Schmankerl, nennt die Veranstaltung Kultur Blind Date und verrät im Vorfeld bloss die Uhrzeit.
Und ich wusste ja, dass es gut wird, auch wenn ich keine Ahnung hatte, was passieren würde (Blind Date halt, ne). Aber dass ich mich glatt in den King Pepe verknallen würde, das konnte ich nicht ahnen. Dabei wirkte der King selbst so, als ob ihm sein eigener Auftritt peinlich wäre und er seinen eigenen Liedern misstraue. Ich fragte ihn dann, selig grinsend, ob er die Stücke extra für diesen Abend geschrieben habe. Er sagte «nei, nid würklech», lächelte verlegen und reichte mir mein Bier. Die Kultur-Welt Berns war da gerade so was von in Ordnung.

Da kam der zerzauste King Pepe aka Simon Hari an, mit nichts weiter als einer Gitarre, einem mini Spielzeug-Megaphon und einem Kassettenrekorder. Er rutschte auf dem Klavierstuhl herum, erzählte in einer Bandbreite von liebevoll bis derb Geschichten aus dem Alltag und tanzte so wunderbar ungelenk, dass es einem warm ums Herz wurde. Ein besonderes Amüsement waren diese Trash-Beats, die er vom Kassettenrekorder abspielte. Eine kleine Auswahl seiner Themen: Ein-Ton-Song, eine Nacht in einer afrikanischen Disco und eine Ode an ein Dekolleté.

Irgendwann bin ich an einem dieser «geheimen» Stubenkonzerte gelandet und habe – aus Platzgründen – von weit hinten im Raum dem Bündner Pascal Gamboni gelauscht. Das hingegen war mystisch, düster – und auch sehr schön. UnbenDASannt