Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Ho ho ho! Schöne Bescherung: Teil 2

Anna Papst am Dienstag den 12. Dezember 2017

Seit 50 Jahren mit dem Liebsten verheiratet und keine Ahnung mehr, was man ihm noch unter den Christbaum legen könnte? Ihr Chef ist ein Schafseckel eine führungsstarke Persönlichkeit, die bereits alles besitzt? Ihre Schwiegermutter hasst sie und ihre neue grosse Liebe weiss noch nichts von ihrem Glück? Alle Jahre wieder entpuppt es sich als hochkomplexe Angelegenheit, für jede*n das passende Weihnachtsgeschenk zu finden. Aber keine Sorge, KSB lässt sie nicht hängen. In unserer Bescherungs-Serie wird Ihnen geholfen. Wir treffen für Sie die Vorauswahl, sie gewinnen. Einfacher gehts nicht. Heute zum Beispiel Tickets für einen “Tatort” mit einer Wasserleiche.

Hat Flipper wirklich Selbstmord begangen? Das zumindest behauptet sein Trainer Richard O’Barry. Oder vielmehr ihr Trainer. Flipper, “der Freund aller Kinder”, wurde nämlich von fünf verschiedenen Delfinweibchen verkörpert. (Warum Hollywood aus fünf Meeressäugerinnen einen Tümmlerkerl gemacht hat, darf gewerweisst werden.)

Erkennen sie den Serienstar der 60er? Peter Cripps Clark ist “Flipper”.

Eines der fünf Tiere starb in den Armen ihres Dompteurs O’Barry. Er wandelte sich daraufhin zum Tierbefreiungsaktivist und Oscarverleihungsstörenfried und gerät seither regelmässig mit dem Gesetz in Konflikt. Ist er also auf gut englisch ein reliable witness, wenn es darum geht, die mysteriösen Umstände von Flipper-Darstellerin Cathy zu klären?
Allein für die Anlage, die krude Aussage von O’Barry als Ausgangspunkt einer detektivischen Untersuchung zu nehmen, muss man Unplush schon auf die Schulter(n) klopfen. Dass die junge Berner Compagnie den Krimi aber nicht nur spielt sondern tanzt, dafür möchte man ihnen die Füsse küssen.

Am Donnerstag 14. Dezember feiert “Flipper” von Unplush Première in der Dampfzentrale. Für die Vorstellung und die anschliessende Party können sie 2 Tickets gewinnen! Schicken Sie eine Mail mit Stichwort “Cathy” bis Mittwoch, 13.Dezember 12:00 Uhr an diese Adresse.
Weitere Vorstellung: Samstag, 16. Dezember.

Ho ho ho! Schöne Bescherung: Teil 1

Gisela Feuz am Montag den 11. Dezember 2017

Seit 50 Jahren mit dem Liebsten verheiratet und keine Ahnung mehr, was man ihm noch unter den Christbaum legen könnte? Ihr Chef ist ein Schafseckel eine führungsstarke Persönlichkeit, die bereits alles besitzt? Ihre Schwiegermutter hasst sie und ihre neue grosse Liebe weiss noch nichts von ihrem Glück? Alle Jahre wieder entpuppt es sich als hochkomplexe Angelegenheit, für jede*n das passende Weihnachtsgeschenk zu finden. Aber keine Sorge, KSB lässt sie nicht hängen. In unserer Bescherungs-Serie wird Ihnen geholfen. Wir treffen für Sie die Vorauswahl, sie gewinnen. Einfacher gehts nicht. Heute zum Beispiel Tickets für einen vergnüglichen Französischkurs.

Haben Sie kürzlich auch schadenfroh gegrinst, als das Video von diesem wackeren Soldaten die Runde machte? Der arme Kerl musste bei einer Übung den Wagen von Bundesrat Guy Parmelin anhalten und diesen kontrollieren. Das tat er in schönstem Fransee Federal: «Schö dömand …. de wotre papiee …. dü ….. iiideee…. e la papiee de reson …. ghö wu pö passee …. sür set …. port.» Falls Sie gerade gegrinst haben: Wissen Sie etwa, was Steuerrad auf Fransee heisst, he? Eben. Anstatt sich wegen der Französischkenntnisse anderer einen Schranz zu lachen, bessern sie doch gescheiter ihre eigenen auf. Beste Gelegenheit dazu bietet das Westschweizer-Duo Carrousel.

Mit «Filigrane» veröffentlichen die beiden Chansonniers bereits ihr viertes Album. Wie gewohnt frönen Sophie Burande und Léonard Gogniat darauf einer Mischung aus Folk, Chanson und Pop und singen abwechselnd oder im Duett, wobei ihre Stimmen sanft ineinander verschmelzen. So bisschen wie Pastis mit Wasser. Viel Charme und Lässigkeit kommt da auf der Bühne daher. On pö fremon se …. cupeee …. ün disk de sa, he.

Am Samstag 13. Januar sind Carrousel im Bierhübeli zu Gast. Sie möchten 2 Tickets gewinnen für dieses Konzert? Dann schicken Sie hierhin eine E-Mail.

Bern auf Probe: Transkulturelle Roboter

Anna Papst am Dienstag den 5. Dezember 2017

“Ok, wir machen einen Speedy-Durchlauf. Ihr wisst, was das heisst!”, ruft Graziella Cisternino den vierundzwanzig Spieler*innen zu, die im Progr Atelier 210 darauf warten, dass die Probe von Zeitwerk Theater beginnt. Es herrscht Pausenplatzatmosphäre, man plaudert miteinander, einer fährt mit dem Skateboard durch den Raum, zwei proben Tanzschritte, eine lernt ihren Text, ein Grüppchen sitzt im Kreis und hört Musik, in der Ecke werden Kostüme an- und ausgezogen. Unter blauen, gebleichten und rasierten Frisuren lassen sich auch drei graue Haarschöpfe ausmachen. Cisternino und ihr künstlerischer Co-Leiter Christof Schüepp bezeichnen die Stücke von Zeitwerk Theater als “Transkulturelle Generationenprojekte”. Achtundzwanzig Menschen (an der heutigen Probe waren einige krank) aus Syrien Eritrea, Deutschland, Afghanistan, Portugal, Spanien, Thailand und der Schweiz stehen in der aktuellen Produktion “Interperfekt” auf der Bühne. Sie sind zwischen siebzehn und achtundsechzig Jahre alt, manche sind erst seit kurzem hier, manche haben ihr ganzes Leben in Bern verbracht. Im Stück spielt das keine Rolle und das ist gut so. Diesen Beitrag weiterlesen »

Kulturbeutel 49/17

Mirko Schwab am Montag den 4. Dezember 2017

Mirko Schwab empfiehlt:
«Versions Extended» ist Ansage nächsten Donnerstag im Ross. Heisst einerseits: schön bassbetonte Intellekto-Frikklermukke von so illustren Schattengestalten wie Uhuruku (aka nʞnɹnɥn, der mit den Kassetten tanzt), Dim Grimm (aka Dimlite) und Nkelo (nka Yung Repetto). Heisst andererseits auch: Eklektizismus und Genreverwischung mit den jazzgeschulten Ostbrüdern von Eyot. But let’s just not call it Jazzrock nor Fusion, k? Jaja – hin da, Freaks!

Fischer empfiehlt:
To be or not to be gilt ja generell für die Kunst, und vielleicht besonders fürs Kino. Wie passend, dass in der eben angelaufenen (und insgesamt grandiosen) Slapstick-Reihe im Rex in der nächsten Sonntag-Matinee ein legendärer Film namens Film läuft – und dazu auch gleich noch der entsprechende Notfilm. Ok, bisschen Namedropping noch, falls der Teaser nicht gut genug war: Beckett, Buster Keaton, Ross Lipman.

Der Urs empfiehlt:
Dinge am Rauch performen lassen – mit elektronischer Musik spielen – dabei zutanzen und abhören – abhören bis das Sehen wieder angeht: «A SICK SAD WORLD» halt, im International-Styler-Klub, am Freitag. Oder, auch dann, nach Ostermundigen aufs alte Telecom Hochhaus, und beim Erklimmen den Klängen von flash! horchen. Das verspricht eine «über 17 Stockwerke verteilte begehbare Bühne.»
Sounds like a plan to me.

Die Krstic empfiehlt:
Laranja
ist Portugiesisch und steht für die Orange und steht jetzt neu auch für ein Magazin, das mitunter von der Musikerin und Wahlbernerin Elisa Pereira Martins mitgestaltet wurde. In diesem Heft geht es – sehr zeitgenössisch und classy aufbereitet übrigens – um Kunst und Politik. Gefeiert wird am Sonntag ab 15 Uhr, im Werkhof 102, mit frischer elektronischer Musik von unter anderem Belia Winnewisser von α=f/m, unserer ehemaligen KSB-Kollegin Kia Mann und den «uncontrolled unvague unsounds» von Gray Chalk und Trillion Tapeman.

Frau Feuz empfiehlt:
Love, Love, Love! Hippiekacke? Miera. Aber zur Adventszeit darf man. Drum empfiehlt die Feuz das Minifestival «Kleinen Advent der Liebe» am Donnerstag und Samstag im Tojo der Reitschule. Zum einen bestreitet den Berns talentierteste Boyband Trampeltier of Love, zum anderen die vier gefallenen Engel bezaubernden Damen Sandra Künzi, Reg Fry, Nicolette Kretz und Sibylle Aeberli.

Der letzte erste Schnee

Mirko Schwab am Freitag den 1. Dezember 2017

Wir befinden uns im Jahre 2017 n.Chr. Ganz Ostbern ist vom Bürgertum besetzt … Ganz Ostbern? Nein! Ein von unbeugsamen Ostbernern geführter Kulturschuppen hört nicht auf, der Verödung Widerstand zu leisten.

Béatrice Graf und Martina Berther bei der Arbeit. (Photo: Jessica Jurassica)

Der Geruch vom ersten Schnee ist eine seltene Freude. Streife die dickste Jacke über, die ich finden kann. Hätte noch eine dickere im Schrank, aber die sieht scheisse aus. Im Winter bekommt man die eigene Eitelkeit am schmerzvollsten ab. Anker schmerzt auch, klebt in der Hand, doch Deal, der Saft träufelt mir wohlig wohlig inwendig den Hals entlang aufs Herz. An der Brunnadernstrasse spuckt das Tram mich aus aufs seifige Trottoir. Hier könnte die Sandsteinstadt auch Grossstadt sein. Vis-à-vis des vom Netz genommenen Tramdepots aus Zeiten, wo selbst Zweckbauten noch Seele inne war – (Notiz an Miraculix Fischer: Bitte lassen Sie diese meine etwas ordinäre Nostalgie mal kulturgeschichtlich abtropfen bei Gelegenheit. Würd mich freuen. Gruss.) – vis-à-vis dieser jedenfalls schön von der Zeit gestreiften alten Anlage halten drei Tramlinien und zwei Omnibusnummern, dass man schon meinen könnte, man sei am Brennpunkt, Adresse Platz2b, an der Rosette der Urbanität. Halten dazu noch in städtebaulicher Schnodrigkeit mitts auf der Strasse. Ein Hauch Ostberlin vermischt sich mit dem Geruch vom ersten Schnee und der Geruchlosigkeit Ostberns, als ich die letzten Treppenstufen bewältige, hinab in meinen Lieblingskeller.

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Bern auf Probe: Von allen guten Geistern umsorgt

Anna Papst am Mittwoch den 29. November 2017

Auch Schweizer Geister wohnen gerne schön

Es ist 14 Uhr, die Probebühne 3 in der Felsenau ist leergefegt. Die Morgenprobe des Musiktheaters „Alzheim“ ist beendet, Regieteam, Schauspieler_innen und Musiker_innen in der Mittagspause. Nur das Bühnenbild von Ric Schachtebeck ist noch da. Oder vielmehr: Die Probenversion davon. Schachtebeck wird in Kürze eintreffen, doch vorerst bin ich allein in seiner Szenografie. Was erzählt das Dekor über die Produktion, die darin geprobt wird?
„Alzheim“ handelt von Baan Kamlangchay, einer vom Berner Martin Woodtli gegründeten Demenzstation in Thailand, in der die Betreuten weder medikamentös beruhigt noch eingeschlossen werden. Diesen Beitrag weiterlesen »

Da grinst er dann, der Gränni

Mirko Schwab am Freitag den 24. November 2017

Il y jaja: Zuwachs am Bollwerk. Heute wird der erste Schaumwein geköpft im Gränni – und die halbe Stadt stellt sich W-Fragen. Wir haben uns deshalb noch rechtzeitig vor der Eröffnung mit einem der Drahtzieher verabredet auf ein Glas.

Storen hoch am Bollwerk 39, Auftritt Gränni.

Inventur: Eine F***book-Seite. Ein hipstoresk verzettelter Schriftzug. Eine Adresse, alles vornehm zurückhaltend in Schwarzweiss. Und ein etwas selbstgefällig windiger Kunstschul-Promotext, der mit brauchbaren Informationen geizt …

Nicht wenigen ist in den letzten Tagen und Wochen der «Gränni» untergekommen als sozialmediales Treibgut – und nicht wenige haben sich gewundert ob der zelebrierten Geheimnistuerei. Als eine bekanntere Band kürzlich ihre Spieldaten veröffentlicht hat und also dieser ominöse Gränni auf dem Tourtableau figurierte, da monierte drunter jemand einigermassen vehement: «WTF is Gränni?»

Ja, what the fuck denn nun? Ich treffe meinen hombre Valentin Hehl an besagter Adresse, Bollwerk 39, an der Hauptschlagader des hauptstädtischen Nachtlebens, schön vis-à-vis des Schandflecks of our hearts. Zwischen Diskothek und Omelettenbar versteckt sich da ein kleines Lokal hinter heruntergelassenen Storen. Hehl, ein schneidiger Mittzwanziger mit unverbrauchtem Gesicht, er geleitet mich herein. Umgeben von mattschwarz gestrichenen Wänden stehen wir dann am Tresen. Eine gleichermassen lieblich und säuberlich selbstgezimmerte Ausschenke, die programmatisch die gesamte Stirnseite des Raums beansprucht.

«Also eine Bar wird das geben» setze ich an. «Auch» hält Hehl dagegen, um dann gleich einen wesentlich fülligeren Ideenkatalog aufzufächern: Kleine Konzerte und kleine Raves, komödiantische Theaterabende und geselliges Kartenspiel, Karaoke und üppige «Tavolate» – überhaupt gastrokultureller Experimentiergeist sei es, der sie hier antreibe an der Hausnummer 39. In der improvisierten Kleinküche hinter der Bar rüsten sich derweil zwei Köche für ein Testessen. Im Publikumsraum steht schon grosszügig Beschallungstechnik bereit. Ja, denke ich bei mir, die haben einiges vor mit diesem Zimmerchen.

Schon am Anfang des Gesprächs stellt Hehl klar, dass nicht er alleine diesen Ort repräsentieren will. Und dass er schon gar nicht für alles verantwortlich zeichne, was es hier bald zu erleben gebe. Ganz generell gehe es nicht darum, die einzelnen Kulturköpfe hinter dem Projekt zu fokussieren. Ein bunter Haufen seien sie, die benachbarte «Chouette» sei zu Teilen involviert, daneben andere, befreundete Köpfe, einige davon aus Hehls angestammtem Veranstalterkollektiv «Fester», andere aus dem Dunstkreis eines weitverästelten Umfelds. Lieber aber weist er mich auf die schrullige Plastik im Eingangsbereich hin. Eine unförmige Herrennatur mit verzogenem Gesicht begrüsst jeden, der das Lokal betritt. Das sei jetzt eben der Gränni. Ein grummliger Schutzpatron und die Gallionsfigur, die im Team sonst keiner sein mag.

«Ein Gränni nur auf Zeit.» Die Sache ist befristet auf runde drei Monate genau, die am 24. Februar zu Ende gehen werden. Ich frage Hehl nach einer Zutat, die man dem Berner Nachtleben mit diesem Ort mitgeben wolle, nach einem Mehrwert, der die blosse Erweiterung vom Angebot übersteigt. Da spielten ihnen sicher die Rahmenbedingungen einer Zwischennutzung in die Karten, die das Experimentieren zulassen würden, die Spontaneität, das Ungeplante. So seien zwar die Wochenenden bis weit ins neue Jahr hinein bereits verplant, unter der Woche aber gäbs noch reichlich Platz – Platz auch für alle, die eine gescheite Idee haben und im Projekt mitmischen wollen. (So drop them Grännis a nice line.)

Wie sich der neue Schuppen im Downtown Bollwerk einleben wird, ob sich daraus eine fruchtbare Perspektivik fürs hauptstädtische Nachtleben erschliesst oder Bewährtes lediglich einen aufgerfrischten Anstrich erhält – es wird sich zeigen. Etwas Mut zur Schräglage wäre dem Projekt sicherlich zu wünschen. Eines ersten schelmischen Erfolgs jedenfalls dürfen sich Hehl und die Grännis schonmal rühmen: Studiert man nämlich das eingangs erwähnte Tourplänchen der Zürcher Band Wolfman etwas genauer, behauptet sich die kleine Kulturbar ganz schön selbstsicher neben der stolzen Luzerner Schüür, dem traditionsreichen Aarauer Kiff und dem weltgewandten Zürcher Exil.

Und da grinst er dann, der Gränni.

Vom 24. November bis zum 24. Februar. Grand opening today. Ab 17 Uhr werden die Wände vor Publikum bepinselt, danach Baile alter Schule mit der Secret Golden Pyramid Raidin’ Boom Bap Clique.

Bern auf Probe: Datensicherung auf festen Platten

Anna Papst am Dienstag den 21. November 2017

Wie wird man in hundert Jahren über die Zeit, die heute unmittelbar vor uns liegt, berichten? Lacht man darüber, dass führende Wissenschaftler vor einer Übernahme der Weltherrschaft durch künstliche Intelligenz gewarnt haben? Oder ist diese Übernahme vielmehr eingetreten und es lachen nur noch die Maschinen? Wundert man sich, warum die globalisierte Welt trotz des Wissens um die Klimaerwärmung und ihre Auswirkungen zu bequem war, rigorose Massnahmen zu ergreifen? Oder betrachtet man die Prophezeihung der Katastrophe als Akt der Hysterie? Werden die russischen Cyberattacken der letzten Jahre der Anfang einer digitalen Kriegsführung gewesen sein? Die Gruppe Theater Marie zeigt in der Forsetzung ihrer Kurzstückrevue  “Zukunft Europa” Zukunftsszenarien, die sich im Futur zwei abspielen: Was wird sich ereignet haben? Theater Marie hat fünf Autor_innen gebeten, einen Blick in die weltpolitische Glaskugel zu werfen und auf deutsch und französisch über das, was uns geblüht haben wird, zu schreiben. Diesen Beitrag weiterlesen »

Sonntagsschock in Rios Ross

Mirko Schwab am Donnerstag den 16. November 2017

Eigentlich wollte ich ja über Mario Hänni schreiben. Wie alles anders kam und ein Geheimnis. Aus der inexistenten Reihe «Das Bundesamt für Talent hat ungleich verteilt.»

Im Gegensatz zum Print können wir uns bei KSB leider keine hochaufgelösten Grafiken leisten: Mario Hänni aka Rio. (Quelle: Berner Kulturagenda. Zwinker-Emotikon.)

Eigentlich wollte ich ja über Mario Hänni schreiben, so nachhaltig geschockt war ich letzthin. Im Rössli am ersten Wintertag, ein revoltierender Magen und Kopfschmerzen from Hell zu beschwichtigen mit dem für einen kaputtgefeierten Cuerpo eben ganz okayen Rahmsaucen-Tanzpop von Pablo Nouvelle. Hänni bühnenlinks trommelte sich als König ohne Krone durch die ersten Lieder. Damit hatte ich gerechnet. Darum war ich auch gekommen und hab mich noch so gern verschnei-schiffen lassen.

Mit glänzend-gläsernen Augen musste ich dann aber beobachten, wie der Hänni langsam zum Konfektionsmikrofon mit Nierencharakteristik sich beugte, seine Lippen ansetzte, ein schelmisches Lächeln noch darauf – und zu singen begann. Klar und warm erfüllte seine Stimme die viel zu gute Luft im alten Ross, die ein sehr andächtig-anständiges Nichtraucherpublikum aus Psychologiestudentinnen und sportlichen Boys in weissen T-Hemden mit V-Ausschnitt verursacht hatte, in dieses Vakuum hinein stiess also diese Engelsstimme, dass man eine koitale Metapher jenseitiger Dimension erfinden möchte. Und doch besser bleiben lässt. Das Nouvell’sche Vokalsample-Geballer war in der Folge jedenfalls noch Randnotiz.

Eigentlich wollte ich also über diesen Mario Hänni schreiben, angewidert von all dem Talent. Zum Glück hat das die Krstic schon besorgt und auch die Rittmeyer, in treffenden Worten journalistischer Contenance haben sie die Schneise beschrieben, die er durch den hiesigen Jazz und Pop gezogen. Denn wir Kinder vom Bahnhof Blog, wir sollen ja nicht. Jaa nicht, wenn schon das Mutterschiff eben so seriös berichtet hat und jaaa nicht etwa, wenn sich sogar die Krstic from the Clique zu einem Seitensprung hat hinreissen lassen (- bei der Kulturagenda wird sie wohl wenigstens bezahlt, es ist ihr nicht zu verübeln.)

So kommts, dass mir dieser Engelshänni schon zum zweiten mal durch die schiefe Designerbrille entgegenblinzelt mit seinen stahlblauen Augen, dazu noch auf Druckpapier. Das Thema ist abgehandelt, genug gezwitschert im sandsteinernen Hauptstadtdorf.

Und eigentlich wollte ich doch über Mario Hänni schreiben.

Ohne Scheiss: 3x uneingeschränkte Hingehverordnung zur «Carte Blanche» in der Turnhalle am 22. November (als Rio), 13. Dezember und 21. Januar. Das überragende Trio Heinz Herbert dann im Februar wieder – aber das ist noch ein Geheimnis.

Bern auf Probe: Fichen im Trüben

Anna Papst am Dienstag den 14. November 2017

34’000 Fichen habe der Nachrichtendienst der Stadtpolizei Bern über die Jahre angelegt, brüstet sich der Staatsschutzbeamte. Und es wären noch mehr gewesen, hätte es nicht an Personal gemangelt. Gleich zweimal habe man den Vortrag von Giovanni Blumer über die chinesische Kulturrevolution wegen Unterbesetzung verpasst, das fuchse ihn noch heute. Dann wendet der Überwacher sich plötzlich zu der Frau, die neben mir steht und fragt: “Was meinsch, chani da so luut werde? Oder muess eine vom Staatsschutz d Fassig bewahre?”

Wären die heutigen Überwacher doch auch so leicht zu erkennen wir 1968: Stefan Hugi als Staatsschutzbeamter

Er erkundigt sich damit nicht nach der sozialen Norm, – oder nur indirekt -, sondern nach der inszenatorischen Absicht von Schauspielcoach Claudia Gerber. Sie studiert mit ihm, dem Schauspieler Stefan Hugi, den szenischen Stadtrundgang der Gruppe StattLand mit dem Titel “Bern 68” ein. Erstmals 2008 zum vierzigjährigen Jubiläum der 68er-Bewegung gezeigt, wird der Rundgang zum fünfzigjährigen Jubiläum wieder aufgenommen.
Wer bei diesem Stadtrundgang mitläuft, wird zu den verschiedenen Orten geführt, an denen im Jahr 1968 in Bern Geschichte geschrieben wurde: Zur Junkerngasse, wo im legendären Diskussionskeller “Junkere 37” bis spät in die Nacht hinein über eine neue Weltordnung debattiert wurde. Zum Lischetti-Brunnen, der eigentlich Kronenbrunnen heisst. Der Aktionskünstler Carlo Lischetti kandidierte 1971 gemeinsam mit drei weiteren “Untergründlern” für den Berner Stadtradt. Man wollte neben ernsthaften Anliegen wie der Einführung des Stimmrechts ab 18 Jahren in erster Linie die festgefahrene Stadtpolitik aufmischen. Das Wahlplakat zeigte ein Nacktbild der vier, Diesen Beitrag weiterlesen »