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Das Versagen der Nacht

Roland Fischer am Samstag den 15. September 2018

Remarque hat mal diesen wirklich remarkablen Satz geschrieben, im Arc de Triomphe: «Die Nacht übertreibt.» Der Protagonist versucht da in der Pariser Nacht eine einigermassen verlorene (und natürlich sehr schöne) Seele zu trösten, mit Schnaps vor allem. Und mit den Worten, dass wenig lange wichtig bleibt. Vor allem nachts.

Ja, sie nimmt sich gern ein wenig zu wichtig, die Nacht. Von ihrem Versagen, spätestens am nächsten Morgen, erzählt eine kleine feine Ausstellung von Nina Rieben im Grand Palais. Eine Serie von «Einschlafwerken» gibt es da, aber es sind wohl eher Nichteinschlafenkönnenwerke. Oder geht es Rieben um diesen Übergang vom Wachen zum Schlafen, um diese Halbwelt? Da werden Bewegungsmelder aufgeweckt und Leerstellen lächerlich gemacht. Und es werden sentimentale Notizen zu Zigaretten gedreht, halb aufgeraucht und achtlos weggeworfen. So dass Unsicherheiten auf einmal in Rauch aufgehen. Sie sind aber natürlich immer noch genauso präsent, man kann sogar sagen: sie bekommen erst so die ihnen gemässe Materialität.

Nachher noch ins Schlachthaus, wo es weiterging mit Schall und Rauch. Saisoneröffnung, zuerst mit Dorit Chrysler, dann mit Fhun Gao am Theremin (REA zum Auftakt leider verpasst). Klänge, aus der Luft gegriffen. Warmer Campari Soda dazu und Nachtgeschichten jenseits von Gut und Böse. Manchmal tut sie allerdings ziemlich grossartig und hat ja sogar recht damit.

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