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Frisch gepresst #10 «CAESAREAN MOONS – THY KHYBER MASS»

Urs Rihs am Donnerstag den 17. Mai 2018

Die KSB-Serie «Frisch gepresst» bringt zum Vorschein, was in feuchten Kellerstudios und synthesizerbestückten Dachböden unserer Stadt an Mukke produziert wird – vornehmlich Elektronisches, aber grundsätzlich alles, was direkt ab Presswerk bei dem Urs auf dem MK landet.

Der Schwab mal wieder, rief mich an und faselte was von hochtreibend jamenden Sauhünds an Synth und Drums mit neuer Scherbe auf BlauBlau und ich solle mir dazu hart die Kante geben, bevor ich höre und schreibe – also richtig blau-blau sein.

Na dann, dacht ich mir und knallte nach Mittag schon ein Herrgöttli zwei hinter die Binde. CAESAREAN MOONS also. Irgendwas mit Kaiserschnitt und Mondphasen? Aber durchaus sinnig, so ein ausladender Name, für dieses Zweigespann, welches sich erster Dinge dem Dialog zwischen Musik und dem ihr innewohnenden Schalk anzunehmen heisst.
Da verschafft nominell erzeugter Abstand etwas Luft. Zum Denken und zum Ordnen.

Gute zehn Stunden später steh ich dann doch im Dunst. Im Kreise guter Menschen zwar, aber immer noch im Unklaren bezüglich Takt und Art.

Szenerie Puntokeller by the way, wer noch nicht kennt, gönne sich bald, ein Sehnsuchtsörtchen.

Die beiden Menschen auf der Bühne lassen fliessen, lassen gehen. Lassen das Publikum stehen und widmen sich ihrer selbst, trommeln und drücken drauf los was das Instrumentarium hält.
Das zweite Statement richtung Rezipienten, nebst dem Plattentitel «THY KHYBER MASS» – das Plattencover, gleich einer Kreatur weit ausserhalb unseres komfortzonebedingenden Empathiediktats. Weit, weit ausserhalb.
urban DICTIONARY dazu: «The Kypher; A small creature belonging to a foreign country lacking a sharp edge or point. They often live in an underground room or vault beneath a church. They often carry infectious diseases that can cause inflammation. They often have both male and female characteristics or no characteristics of either sex. Mating rituals often involve throwing or forcefully moving their feces … »

Mindestens das verstanden hör ich also zu, trink weiter Bier und lass meinerseits mal kommen, was sich da an Assoziationen in der Oberstube zu Wolken türmt.
Serielle Musik und doch wieder Zufälliges, motorisches Kraut und doch wieder Groove, Leibowitz im Faustkampf mit Glass, La Düsseldorf auf per Du mit Thelonious Monk, oder doch nur heisse Luft?

CAESAREAN MOONS torpedieren während einer ganzen Konzertlänge, oder sagte man besser Jam-länge? Keine Zäsur während einer Stunde, dafür viel Dynamik. Keine klar umrissenen Strukturen, dafür viel Spiel(!). Und vor allem keine einzige Anbiederung mit der Zuhörerschaft – dafür viel Lust und Spass.

Da ist er also mal wieder, der Augenzwinker gegen die Bierernstigkeit, der Glenn Branca (RIP) Mittelfinger gegen die Verbunkerung in generischen Stilfestungen. Open your mind!
Dieser Reflex ist mitnichten neu, aber neuerdings wieder unter, bedenkt man die grassierende konsumistische Erwartungshaltung des Publikums bis weit in unsere «Indie-Musiksphäre» hinein.
Oder die oft an Polit-Parteistände erinnernden Merchandise-Tische so mancher Band.

Darum gibt’s THY KHYBER MASS auch einfach nur auf Vinyl – for lovers only –  und auf dem Träger klingt das Ganze dann trotz allen Live-Fabeleien klassifizierbarer. Da hat es sogar einige Auslassungen zwischen den Rillen, die sowas wie Tracks ausmachen lassen. Gut für das Nachhören am Morgen danach, denn ich war wirklich blau-blau.

CAESAREAN MOONS: So kann Musik auch und das ist so gesund wie lachen so.

The face of the “KYPHER” – don’t look in his eyes.

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