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Handlung Nebensache im REX

Urs Rihs am Mittwoch den 2. Mai 2018

Da läuft «A Beautiful Day» oder «You Where Never Really Here» (warum auch immer der Streifen zwei Namen trägt?) von der schottischen Regisseurin Lynne Ramsay. Klassischer Neo Noire, hat einen Haufen Vorschusslorbeeren aus dem Feuilleton geerntet und dafür gibt’s wortwörtlich schlagende Argumente.

Aber die Handlung – Birnen verhämmern & Kinder retten –  ist es nicht und deswegen nicht weiter schlimm. Hatte Taxi Driver eine Handlung oder Mad Max? – Trotzdem kult.

Es sind die Bilder und Einstellungen ikonographischer Stärke, welche A Beautiful Day seine Vehemenz verleihen, seinen Ausdruck.

Stärkste Antagonistenpaare duellieren sich während 90 bannenden Minuten. Barocke Szenerien – stellvertretend für Machtdekadenz und morbideste, postdemokratische Moral – versus schlichtesten Konsequenzialismus – als Metapher theoriebefreiter Handlungsethik.
Wer Gerechtigkeit will, muss machen, nicht labern.
Das passiert bei A Beautiful Day in klassischster Antiheldenmanier – oldschool – und die steht Hauptdarsteller Joaquim Phoenix (Her, Two Lovers, u. v. a.) wie ein massgeschneiderter Anzug italienischer Handfertigung. Obwohl er hier vornehmlich in ausgebeulten Cargos und abgewetzten Hoodies durch den Plot driftet. Einen Ablauf den er dabei gleichzeitig gewaltschwängert und mit rührender Zärtlichkeit zu durchweben vermag. Selten so existenzialistisch reduziert gesehen – ein starkes Stück Film.

(Läuft heute um 14:15 Uhr, morgen um 20:45 Uhr, freitag “”, samstag “”, sonntag “” – im REX)

Auch bezüglich Arbeitsutensilien herrscht bei “A Beautiful Day” Reduktionismus – oder ist das Ganze doch etwa mehr als die Summe seiner Gewaltszenen?

 

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