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Postkarte aus Japan

Roland Fischer am Donnerstag den 12. April 2018

Tokio, du seltsames Wesen. Du magst es nicht, wenn man um 11.15 Uhr zum Toast und Café au Lait gern noch ein Schälchen Marmelade hätte, weil, sumi masen: «Breakfast is only until 11am». Du bringst das Schälchen dann aber doch, weil du es ja nicht aushältst, Menschen in Verlegenheit zu bringen. Was der Besucher ohnehin längst erledigt hat, indem er so etwas zu fragen wagt.

Du versteckst deine tollsten Beizen im obersten Stock eines unscheinbaren Bürogebäudes hinter solchen Türen, so dass man sich kaum traut einzutreten in das kleine Paradies dahinter, wo tolle Musik läuft und junge Menschen Sojamilch-White-Russians trinken und wunderbare Häppchen essen und hemmungslos rauchen dazu. Sowieso, für ein sozial irgendwie verknorztes Land hast du ein herrlich anarchisches Verständnis von Gastfreundschaft und Nachtleben: Mancherorts stapeln sich kleine Bars bis ins siebte Stockwerk hinauf (Aussicht und Cocktails werden gegen oben hin tendentiell immer besser), in deinen unzähligen Beizen essen Leute auch gern allein, wofür sie sich einfach an den Tresen setzen, ein ums andere Tellerchen bestellen und kreuz und quer zu plaudern beginnen.

Und wer lieber einen Highball als ein ordinäres Bier zum Feierabend hat: auch das hast du in ziemlich grossen Dosen vorrätig, im Convenience Store nebenan oder mit etwas Glück sogar am Getränkeautomaten. Und den Croissant am Morgen danach lieferst du auch gleich vors Haus. Essen!

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