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It’s alive?

Roland Fischer am Samstag den 13. Januar 2018

Vor genau zweihundert Jahren erschien ein in gleich mancherlei Hinsicht bahnbrechendes Buch: Frankenstein. Mary Shelley zeigte, dass auch eine junge Frau grosse und erfolgreiche Literatur schreiben konnte (obwohl die Zeitgenossen da noch einige Zweifel hatten). Aktuelle Wissenschaft fand zum ersten Mal spekulativ-fantastischen Ausdruck, womit nicht nur ein Monster, sondern auch das Sci-Fi-Genre geboren war. Und nicht zuletzt stellte das Buch ein paar grosse Fragen, die uns noch heute beschäftigen. Zum Beispiel: Was genau heisst (a)live?

Gestern abend an der bereits 32. Ausgabe von «à suivre» der HKB-Sound-Artisten gab es insofern laufend kleine Frankenstein-Momente. Wenn Medienkünstler ein Konzert veranstalten, dann kreieren sie heutzutage wohl fast programmatisch so halblebendige Kunst-Wesen. Live oder nicht-live? Spielt vielleicht schlicht nicht mehr so eine Rolle, wenn sowieso in jeder Band ganz selbstverständlich eine Maschine mitspielt.

Neben einer Reihe von Klang- (und manchmal auch Bild)Installationen stand dann auch noch ein «Konzert» auf dem Programm, ein Potpourri quer durch die musikalischen Präferenzen der Studierenden. Manches war tatsächlich live gespielt, wie das ganz unelektronische und doch sehr heutig klingende Herumexperimentieren mit einer Truhenorgel (Helena Hegglin und Matthias Smith). Anderes kam ganz unverhohlen aus der Maschine. Dazwischen ein digital-analoger Cyborg von Demian Wyssmann, ein Flügel mit unheimlichem Eigenleben. Man or machine? Mary hätte das gefallen gestern.

«à suivre» aujourd’hui: ab 14.30 Uhr sind die Installationen an der Papiermühlestrasse zu sehen, um 17 Uhr dann wieder Konzert. Des weiteren gibt es zwei Konerte im Progr, heute abend 19.30 Uhr Rolf Laureijs und morgen 17 Uhr Boris Gétaz.

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