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Postkarte aus Ghana

Milena Krstic am Mittwoch den 27. September 2017

Chale*, was geht

Ghana sei Afrika für AnfängerInnen, hast du gemeint. Damit kann ich leben.

Ghana, das ist auf besagtem Kontinenten mittig links platziert, in der Nähe von Sierra Leone. Kindersoldaten und so. Genau. Aber hey, ich habe nichts zu berichten von Hungerbäuchen, Dürrekatastrophen und Kriegen. Ich habe auf das Meer geguckt, während Küre eins gekifft hat. Ich habe dem vierjährigen Soldier applaudiert, als er den Boxwettkampf gewonnen hat. Ich habe fried plantain mit Reis gegessen und zu Kwesi Arthurs «Grind Day» gekopfnickt.

Ich bin mit dem Tro Tro an den Labadi Beach gefahren und habe von der netten Dame auf dem Markt Black Soap gekauft. Ich war im Brazil House und habe mit Steloo gequatscht und bin ihm nachgetanzt, als er sich samt seinem Soundsystem auf einem Leiterwagen durch die Strassen kutschieren liess.

Jetzt folge ich ihm auf Instagram und gucke mir seine Stories an, um mich ab und zu nach crazy Accra zu beamen.

Das Internet stillt mein Fernweh. Und vielleicht gehe ich nächstes Jahr wieder ans Chale Wote, dieses Strassenkunstfestival, das mir Afrika von einer Seite präsentiert, die ich normalerweise nicht zu sehen bekomme. Das Afrika, in dem elektronische Musik gehört wird und Künstlerinnen wie selbstverständlich fünfzig Prozent eines Festival Line-Ups ausmachen. Dieses Afrika, das sich nicht safarimässig aufhübscht für die Touris, sondern stolz, stark und staubig so ziemlich etwas vom unaufgeregt Coolsten ist, was ich in der letzten Zeit erlebt habe.

You go, Accra.

*Chale ist ein Ausdruck, der – übersetzt aus dem Ga, einer Sprache, die auf Accras Strassen gesprochen wird – so viel heisst wie «Mann», «Alter» oder «Kumpel».

Die Krstic war im August dieses Jahres am Chale Wote Street Art Festival. Die ganze Geschichte dazu ist kürzlich auf dem Lieblingsblog Norient erschienen.

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