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Keinzigartiges Lexikon: Folge 33

Gisela Feuz am Dienstag den 15. August 2017

Der Berner Schriftsteller Giuliano Musio spürt für KSB jede Woche einen heimlichen Verwandten eines vermeintlich einzigartigen Begriffs auf. Manuel Kämpfer illustriert ihn.

Heute: Der Fremdbrötler
Der Fremdbrötler hat erkannt, dass jeder Eigenbrötler dringend sozialisiert werden sollte. Er weiß, dass Einzelgänger lediglich vorgeben, gern allein zu sein, in Wahrheit aber sehr unter ihrer Einsamkeit leiden. Liest etwa jemand im Zug gebannt in einem Buch, befreit der Fremdbrötler ihn auf feinfühlige Weise von dieser asozialen Haltung, indem er in das Buch schielt, einzelne Sätze kommentiert und es zu zufälligen Berührungen kommen lässt. Manche Einzelgänger behaupten, sich grade nicht unterhalten zu wollen – für den Fremdbrötler ein Zeichen dafür, dass sie schlechte Laune haben und dringend über ihre Probleme reden sollten. Wenn jemand etwas länger braucht, um ins Gespräch zu kommen, verdreifacht der Fremdbrötler rücksichtsvoll seine Redezeit.

Bei besonders schüchternen Menschen signalisieren Fremdbrötler ihre Kommunikationsbereitschaft durch permanentes Anstarren.

Nächste Woche: Die Kleinmutter

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