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Stöck, WOODS, Stich

Urs Rihs am Samstag den 1. April 2017

Fünf Trümpfe, drei Sichere obenabe und ein Bock. Matchblatt, zweifelsohne. Jetzt also das Pokerface, gelassen bleiben, keine überschwängliche Euphorie signalisieren. Unaufgeregt und abgeklärt – so spielt man das. Wie die WOODS am Donnerstag ihr Konzert im BadBonn.

Und wärs ein Jass gewesen, gschnuret war bei den WOODS sicherlich gar nichts. Die New Yorker kult Folker präsentierten sich melancholisch einsilbig. Silence is Golden – Zwischen den Stücken kaum Konversation, höchstens mal ein «nice to be here» und «we’re gona bring out a new record» – im Mai übrigens – sonst nur knisterndes Brummen aus den Amps, verlegene Räusperer oder das Stimmen einer Saite.

Als wollten sie sich entschuldigen. Für den Weltenlauf vielleicht, für das politische Desaster in Übersee. Sie, die doch soviel der alten Versprechen, Träume und Hoffnungen der Idee «US of A» in und auf sich tragen. Die Trauer schwingt mit bei ihrer Interpretation von Americana, und etwas Trotz. Etwas «jetzt erst recht» Haltung. Der verwaschene Weisskopfseeadler auf dem ausgebeulten Cord-Blazer, die Roots-Rock Riffs auf dem Griffbrett. Lethargische Gesichtszüge, gepaart mit einem Funkeln in den Augen, trotzdem eben, ein Silberstreifen am Horizont.

Fast demütig wirkt das und gespalten. Zwischen dem letzten Strohhalm und der finalen Desillusion. Das ist diese Bipolarität, welche die Band schon seit ihrem ersten Album «How to Survive In + In The Woods» in den Genen trägt und sie so auszeichnet. Das Elend, das Abdriften, die Wut. Da kommt der Rhythm and Blues, der Psych und der fransige Garage-Rock’N’Roll ins Spiel. 
Geteiltes Leid ist halbes Leid, wir wollen keine Entschuldigung, wir wollen mittrauern, mit den WOODS und mit Amerika – Ein Ideal auf dem Totenbett und dazu ein Lamento in schönst lärmgehülltem Falsett.

Sänger Jeremy Earl wechselt dann auch, von akustisch warmer, zu schrammelig scharfer Single Coil Gitarre. Von seiner so prägnanten – und von manchen leider geschmähten –Kopfstimme zu Geschrei. Stücke ufern aus, plötzlich, in Reverb Massaker und groovigen Drone, andere bleiben auf Radio Kurs. Perlen für den Äther und man fragt sich, warum so eine Band nicht mehr Air-Play kriegt.

WOODS sind hochverdichtet. Als würde man J.J. Cale und Neil Young eindampfen, ihre Platten an einen Haufen werfen, sie mit CBGB Livemitschnitten anreichern, dazu ein Filzchen LSD obendrauf und alles an der brennenden Wüstensonne einwirken lassen.

Logisch bedarf es da nicht vieler Worte. Wie beim Jass halt. Spielen heisst in stilsicherster Weise Würde zu bewahren. Die Spielweise als wahren Charakterspiegel. Weise wer hier zu verzichten weiss, auf Grossspurigkeiten, dicke Lippen, Floskeln und Attitüde. Wie die Woods halt. Grossmutter hat immer gesagt: «Verlieren formt den Charakter» doch noch stärker scheint, wer mit Pietät zu gewinnen vermag. Wie am Tisch, so auch auf der Bühne.

WOODS & Jass, die einfachen Dinge sind die wahren Freuden…

 

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Ein Kommentar zu “Stöck, WOODS, Stich”

  1. m. sagt:

    die ecke, die kleinen abflüge hallen noch immer heiter nach..
    fies geil!