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Keinzigartiges Lexikon: Folge 9

Gisela Feuz am Dienstag den 28. Februar 2017

Der Berner Schriftsteller Giuliano Musio spürt für KSB jede Woche einen heimlichen Verwandten eines vermeintlich einzigartigen Begriffs auf. Manuel Kämpfer illustriert ihn.

Heute: Das Geheuer
Rein äußerlich unterscheidet sich das Geheuer kaum vom Ungeheuer. Geheuer – auch Getüme genannt – legen jedoch wenig Wert darauf, herumzubrüllen, Häuser niederzutrampeln oder Menschen den Kopf abzureißen. Obwohl sie Feuer speien können, halten sie sich damit dezent zurück. Sie zeigen ein kultiviertes und höfliches Verhalten und fallen im Alltag, zum Beispiel in U-Bahnen, Kinos oder Restaurants, so gut wie gar nicht mehr auf. Gelegentlich kommen Geheuer in angenehmen Träumen oder in Wahnvorstellungen von Langweilern vor. Wie man seit Kurzem weiß, gibt es auch ein Geheuer von Loch Ness, das für eine touristische Vermarktung allerdings viel zu uninteressant wäre.


Kaum einer erschrickt heute noch, wenn im Café am Nachbartisch ein Geheuer seinen Espresso trinkt.

Nächste Woche: Das Passivtrinken

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