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Frisch gepresst #4 «KASPASE 7»

Urs Rihs am Donnerstag den 29. Dezember 2016

«Frisch gepresst» die Serie auf KSB. Bringt zum Vorschein, was in feuchten Kellerstudios und synthesizerbestückten Dachböden unserer Stadt an Mukke produziert wird – vornehmlich Elektronisches, aber grundsätzlich alles was direkt ab Presswerk Spulwerk auf in meinem MK Kassettenrekorder landet.

Eigentlich wollte ich zuhause nur gemütlich meine Grippe durchziehen, als plötzlich eines meiner Burner klingelte, kurzerhand den Jakob Ejersbo – LIBERTY – zur Seite gelegt und rangegangen: «Hey it’s NARCO MARCO here, I have some re-up for you Suave, tapework called ‘KASPASE 7’, get it at the spot, over and out!»
Ich werf den Knochen beim Rausgehen in die nächste Tonne, wie hat der nur diese Nummer gekriegt? Naja, auf zum Spot und die Ware begutachten, bleibt ja nichts anderes übrig, trotz üblem Katarrh, that’s business.

Die Ware ist – wie erwartet – vom Feinsten. Da gibts nichts zu husten, sauber gespult, schön geschnitten, rough street-stuff für Audiofetischisten. Die Kassette knallt, die Tonbandsättigung tut das Ihrige dazu bei, brutal warm, dicke Bässe, prägnante Höhen, leichtes Hintergrundrauschen, 80‘s style. Like riding the golden dragon…

Liebhaberhandwerk, sowieso nichts besser als das «there is nothing stronger than the heart of a volunteer nerd» hat mal einer gesagt, true shit.
Die Integrität von Enthusiasten; eines der besten Heilkräuter gegen Misanthropie. Aber Schluss jetzt mit Metaphysik und back to topic, da wummert schliesslich immer noch – schön roh und dreckig – ein neues Tape in meinem Walkman.

KASPASE 7 kommt gut portioniert daher, 2×25 Min, NARCO MARCO hat fair gestreckt: Zu ähnlichen Teilen New-Wave, Synth-Pop und Italo-Disco, das Ganze schwer stabil abgemischt. Keine Overdose, das Tonband als perfektes Setting. Man kann es rauschen lassen – es überkommt einem diese Geborgenheit, als wäre man zurück in der Kinderstube und hörte sich die alten Märchengeschichten auf dem Rekorder an. Dabei aber dieser adoleszente Signature-Sound, dieser forever-young Verve, fuck it’s so good! Das Medium trägt richtig dick auf, Assoziationsfeuerwerk im Gehirn, die Kassette ist hart mehr als blosser Boho-Schick.
Manche wird es zurück in ihre eigenen Golden-Years katapultieren. Andere, jüngere wohl, in diesen schwer zu deklinierenden Lana-del-Rey-Dystopiemodus: Seelenlos schön, in einem Meer vermeintlicher Möglichkeiten. Zur Retro-Verklärung verdammt, ab so viel gottloser Scheinfreiheit. Vielleicht ist dies die Bluenote der Generation-Y…
Dieser analoge Synth-Sound, verführerisch und kalt zugleich, zwingt uns in eine Zwickmühle, zwischen zombieeskem Jetzt und gefühlsschwangerem Früher. Macht süchtig irgendwie und hört sich verdammt relevant an.

Und dieser Typ, NARCO MARCO, fertigt solchen Stoff, macht davon nur 50 Rationen und verhökert das Minigrip für fünf Franken pro Stück, hand numbered… Goddamn, what a punk! Kein Download, keine Nachbestellung, it’s hardware or no-ware. So muss das eben, no fake that’s true school folks!

Ich, zurück unter der Bettdecke, komme langsam runter, grobe Landung auf Paracetamol und Ejersbo. Eigentlich wüsst ich es ja besser: «Never get high on your own supply» aber hey, man kriegt nicht alle Tage Lieferungen vom Gameprimus.
Na, angefixt? Tester gibt’s hier, ist aber nichts als ein digitaler Rip-off, kein Vergleich zum puren Band-Stoff.

So get this asap, at your dealer’s corner, ask for NARCO, over and out…

KASPASE oder «Caspasen sind essentiell für die korrekte Entwicklung eines Lebewesens, aber auch für die Antwort einer Zelle auf schwere Beschädigung (z. B. durch Strahlung) oder auf eine Infektion durch intrazelluläre Pathogene wie z. B. Viren.» (quelle: wikipedia) This is KASPASE 7, synthesised at night by Narco Marco, a drug to be followed…

 

 

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