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Roland Fischer am Donnerstag den 24. November 2016

Bern ist ein wenig überall, wenn es um Literatur geht. In Berlin, in Biel – und natürlich in Luzern. Matthias Burki vom Verlag «Der gesunde Menschenversand» rechnete in seiner Dankesrede gestern in der Progr-Aula vor, dass gut die Hälfte seiner Autoren einen Berner Bezug haben und das Verhältnis bei den publizierten Titeln sogar 70:120 beträgt, was ihn selber ein wenig überrascht habe. Dass in der Laudatio zum von der Stadt vergebenen «Weiterschreiben»-Preis zuvor einigermassen umständlich durchdekliniert worden war, inwiefern der Verlag sehr viel mit Bern zu tun hat und mehr per Zufall in Luzern ansässig ist, war allerdings ein wenig kleinkrämerisch. Kantönligeist bei der Kulturförderung: Das fände man inzwischen eigentlich gern ein wenig von gestern.

So gaben auch die anderen Preisträger Eva Maria Leuenberger, Michael Fehr und Milo Rau kurzweilige Einblicke in die Weltläufigkeit des Berner Literaturschaffens. Leuenberger mit Gedichten, die (dem Titel des Zyklus zum Trotz) sehr körperlich funktionieren, Fehr mit einem Selbstinterview, in dem eigentlich die Wörter die Protagonisten waren und Rau mit einem Traumtagebuch, das am Schluss keine Erlösung für Europa brachte. Da war insgesamt nicht viel Berner Lokalkolorit, und das war gut so. Die musikalischen Intermezzi von Simon Ho (mit eigenen Kompositionen) und André Dubois taten dazu ein übriges.

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Und was das «Weiterschreiben»-Gebot angeht, das gerade für den gesunden Menschenversand auch weiterhin ein finanziell prekäres bleiben wird, so könnte man es vielleicht auch mal mit «Weiterverschreiben» versuchen. Vielleicht sollten Bücher kassenpflichtig werden – a book a day keeps the doctor away? In England drüben weiss man jedenfalls um die gesundheitsfördernde Wirkung von Literatur:

At the School of Life in London, a cohort of bibliotherapists want to help people use fiction to change their lives on a more profound level. Bibliotherapy–more art than science–involves the prescription of novels “to cure life’s ailments,” says Ella Berthoud. Berthoud, an artist, and her friend Susan Elderkin, a novelist, met while studying at Cambridge and got into the habit of leaving books in brown paper bags outside each other’s dorm rooms to help them deal with the crisis of the week–romance problems, work stress and so on. They carried on the tradition for years and eventually decided it would be a useful service for others.

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