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Tisch in Flammen

Mirko Schwab am Samstag den 27. August 2016

«Lebenselektronik» nennt das Bern-Luzerner Doppel Kreuzer&Brequenzer seine Kompositionen. Die Umkehrvorstellung ist durchaus makaber. Und auch zutreffend.

Zwischen Tod und Leben ist ein Tisch.

Zwischen Tod und Leben ist ein Tisch.

Schon ist die Leinwand aufgespannt für die zwei Herren: Gebuckelt hocken sie über ihrer Auslage, einem sortiert-chaotischen Wühltisch, der ikonischen Wert hat für dieses musikalische Konzept der Schlaufe. Auf der ganzen Welt stehen solche Tische, auf denen der Laie höchstens ein verkabeltes Genusch erkennt und der Kenner eine Handschrift. Weil jeder Kabelsalat ist anders.

Leben und Tod also und dazwischen ein Tisch. Und die Lebenselektronik ist hörbar auf der neuen, heute Abend aus der Taufe zu hebenden Sammlung «Stonethrow&Stoneplant». Auf vierzehn Stücken dominiert der technoide Imperativ, der mit wenigen Ausnahmen die mal verträumten und bald veralbträumten Skizzen grundiert. Die Lebendigkeit liegt in der gescheiten, langsam mäandrierenden Repetition über die verlässliche Basstrommel. Denn wenn die fiepsenden, flimmernden Kleinstmotive durchs Frequenzspektrum flackern, will die Restgelenkigkeit von uns Kindern der Dienstleistungsgesellschaft eben ausprobiert sein.

Aber der Tod ist nicht weit auf dieser aberwitzigen Frickelfahrt, er lauert gewissermassen auf die Verschnaufpausen der Drummaschine. Plötzlich kreischts und sägts und quietschs, als stünde nämlicher unser schöner Technotisch in Flammen, in erbarmungsloser Verzerrung und Rückkoppelung verglühend. Diese schrecklicksten Momente der ganzen Platte sind zugleich auch die schönsten. Sie lassen dem dialogischen Gezünsel freien Lauf, entfesselt und wild. Und witzig. Hie und da muss den beiden wohl der Schalk aufblitzen in den Augen, wenn das Gewitter unvermittelt angehalten wird und gleich wieder vom Zaun gebrochen – nur, um dem letzten verständigen Viervierteltänzer einen Knoten ins Bein zu mechen.

Kreuzer&Brequenzer taufen «Stonethrow&Stoneplant» heutnacht und zwar in der Kegelbahn zu Luzern. In Bern dann am 9. September, Solstage, Schütz. Dringende Hingehempfehlung.

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