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Titel und Träume

Sarah Elena Müller am Samstag den 13. August 2016

(Achtung!!! Dieser Eintrag ist teilweise fiktiv und enthält viele unbelegte Behauptungen.) Ursprüngliches Vorhaben: Zur Eröffnungsveranstaltung der Sommerakademie des Zentrums Paul Klee …

…mal schauen was die International Fellows diesen Sommer so vor haben. Diesjähriger Guestspeaker: Thomas Hirschhorn. Diesjähriger Titel: «Where do I stand? What do I want?» Die geistreiche Idee für einen Blogeintrag mit Titel: «What can I stand?» Dann Konflikt des Veranstaltungsbeginns mit eigener, kulturproduktivtätiger Übernächtigung. Also: «I can’t get up to stand somewhere and what do I want?» More sleep. Folgt ein Traum, in dem ich mit Thomas Hirschhorn an der Bushaltestelle für die PendlerInnen Tee ausschenke. Dann gehen wir in mein Atelier und ich blase ihm einen. Währenddessen schaut er sich die zahlreichen Zeitungsartikel an, die schon über mich und meine künstlerische Arbeit geschrieben wurden, einer davon trägt den Titel: «Ich wäre gerne eine Idealistin.» Ich versuche Thomas zu erklären, dass mich der Journalist falsch verstanden habe. Seine Frage: «Me chönnt sie also als Idealistin bezeichne?» Meine Antwort: (lachend) «Das wär i öppä gärn…» Das findet Thomas Hirschhorn einen gelungenen Wortwitz. Ich wache völlig versabbert auf und bin natürlich zu spät für die Eröffnungsrede, ganz nach dem Motto: «I can’t stand to do what I want. (Maybe I don’t want it then.)»


Stattdessen mache ich einen Ausflug in Ottos Warenposten, wo ich zwei identische Agenden kaufe, eine für meinen Freund, eine für mich. Mein Freund weiss gerne, « when do I stand where and what do I do there? » und ich befürworte auch etwas mehr gegenseitige Kontrolle, also tragen wir unsere Termine jeweils in beide Agenden ein. Heute Abend steht bei mir: «Buskers anstatt Zentrum Paul Klee» Der Freund ist froh, als er merkt, dass es sich bei diesem Eintrag nicht um einen seiner Termin handelt. You ghostwrite for me? «But he doesn’t want.» Ich fahre also in die Innenstadt, wo schon zur frühen Stunde minderjährig anmutende Jungs ihren Mageninhalt neben den Festbänken auf dem Pflasterstein platzieren. Titel: «Where do I barf?» Ich drücke mich eine Weile in den Mengen herum, bis ich schliesslich zu der Performance der Gruppe Figurenkombinat gelange, die das Wort «kafkaesk» in ihrem Beschrieb stehen hat. Eine Gruppe in Betten schlafender PerformerInnen verwandelt sich in Insekten, die in farbenfrohen Kostümen halb introvertiert, halb publikumsintegrativ sind. Ich beobachte gleichzeitig einen kleinen Hund, der eine Art Tiefenmeditation macht, vermutlich um der Situation zu entfliehen. Er drückt die niedlichen Augen ganz fest zu und spricht in Gedanken das Mantra: «I stand at the beach and that’s all i want.» Die kafkaeske Performance ist fast vorbei, als ich zusammen mit dem Hund aus den Feriengedanken gerissen werde, die Besitzerin zieht ihn angewidert von mir weg, mein verklärtes Grinsen in ihre Richtung hat sie verunsichert, vielleicht wurden ihr auch die tanzenden Insekten zu viel. Hinter mir höre ich zwei International Fellows miteinander tuscheln: «… kafkaesk, that term is like «biodynamic», you can label almost every product «biodynamic», and no one can tell, what it actually means. I can’t stand it!»

(Was aber wirklich faktisch belegt und sehr wohl ernst gemeint ist, ist der seinerseits nicht todernste Film Toni Erdmann, eine Tragikkomödie, die ich wärmstens allen empfehle, die sich amüsieren, die fantastisches Schauspiel um die  einfühlsame Gratwanderungen einer aussergewöhnlichen Tochter-Vater Beziehung miterleben wollen. «What do I want? More Power to Jokes!»)

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Ein Kommentar zu “Titel und Träume”

  1. Ronja sagt:

    Liebe Frau Müller haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht das es viel “Mut”braucht sich in einen “Käfer”zu verwandeln? Es ist nicht zu vergleichen mit der Verwandlung in eine “Maus” zum Beispiel, da ist der Stresslevel einfach ein anderer! Ich bin froh das mit Ihnen geteilt zu haben und wünsche Ihnen viel “Mut” für die Zukunft ! Übrigens ist Ihr “literarischer” Schreibstil eine Zumutung für alle die keinen ” Zugang” dazu haben für andere jedoch das einzige das es sich zu lesen lohnt… Mit liebstem Gruss die Räubertochter