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Peggy à la Art Basel

Roland Fischer am Samstag den 18. Juni 2016

Art Basel! KUNST! MARKT! Die Messe gibt es nun schon bald fünfzig Jahre und ist vielleicht ein wenig Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden. Denn da war eigentlich mal ein ganz anderer Grundgedanke, wie Wiki weiss:

Das Projekt war die unmittelbare Reaktion auf die erste Messe für moderne und zeitgenössische Kunst in Köln, dem Kölner Kunstmarkt im Herbst 1967. Diesen Kunstmarkt hatte der Verein progressiver deutscher Kunsthändler veranstaltet. Als „undemokratisch“ wurde damals kritisiert, dass der Verein nur ausgewählte Galerien zu der Messe einlud. Die Basler Kunsthändler entschieden sich deshalb für ein offenes Messekonzept, das die Aussteller ohne Teilnahmebeschränkung zuliess.

Ist heute nicht mehr ganz so. Ohnehin konnte man in einem schönen Essay im Bund lesen, dass die Veranstaltung «nichts mit Kunst zu tun hat». Und die NZZ protokollierte: «Ich vermisse die Tage, als alles über Kunst sprach – nicht über Preise.»

Sehr passend zu diesem seltsamen Pasdedeux kam gerade Peggy Guggenheim: Art Addict in die Kinos. Ein Portrait der vielleicht legendärsten aller Kunsthändlerinnen – das schaut man sich gern an.

Und wird dann aber ziemlich bös enttäuscht. Peggy Guggenheim war, ja, eine «schillernde» Persönlichkeit, das Wort taucht zuverlässig in jedem Text über sie auf. Das würde dann aber auch für die Machtstrukturen und Interessenlagen gelten, in denen sie sich einrichtete (und denen sie ausgeliefert war, allen frühfeminstischen Glorifizierungen zum Trotz). Sie nutzte aus – zum Beispiel die makabere Marktlage im Zweiten Weltkrieg – und wurde ausgenutzt. All das deutet der Film allerdings höchstens vage an, weil er Verklärung statt Erklärung im Sinn hat. Eine Kunsthändlerin, die, immer der Avantgarde verpflichtet, die Kunstwelt zum Besseren verändert hat: Dem Art Basel-Publikum wird die Geschichte bestens gefallen.

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