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Mad Women

Roland Fischer am Dienstag den 29. Dezember 2015

Gestern schon im Kulturbeutel empfohlen, hier folgt der ausführliche Anschauen-gehen!-Hinweis. Es braucht kein grosses Brimborium für einen grossen Film, es braucht nicht mal eine besonders grosse Geschichte. Man nehme ein bisschen Romeo und Julia, ein bisschen fünfziger Jahre-Glam und zwei tolle Schauspielerinnen – fertig ist Carol: ein kleines feines Drama, das zwar nach aussen hin sehr nach Hollywood aussieht, im Inneren aber viel eher Studiokino ist.

Die Geschichte kommt von der Plot-Teufelin Patricia Highsmith, die da wohl eine selbst erlebte Lovestory verarbeitet hat (und sie zunächst nur unter Pseudonym veröffentlichen konnte – schildert sie doch etwas so unerhörtes wie eine Liebe zwischen zwei Frauen). Das Tolle daran: Es ist alles sehr schlicht erzählt, keine wilden Twists and Turns, einfach ein sich langsam entwickelndes Glück im Unglück (oder doch eher Unglück im Glück?). Todd Haynes hat einen schon nach ein paar Einstellungen in die Story eingewickelt wie in eine warme Wolldecke – und aus der will man dann lieber gar nicht mehr hinaus, besonders als es kühl wird im Lauf des Films, in einem Upper-Class-fünziger-Jahre-Amerika, das sich gegen unkonventionelle Lebensentwürfe nur mit der groben Moralkeule zu wehren weiss. Und mit schierer Panik vor einer ehrlich gelebten Sexualität. Mad Men? Blanker Hohn, wenn man sich diese fragile Geschichte zwischen Carol und Therese anschaut.

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