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Heilanddonner!

Miko Hucko am Donnerstag den 26. November 2015

Und andere Schimpfwörter, die mein Grosi gerne benutzt. Zum Beispiel Heimatland. Diese nicht zu angriffigen, nicht zu kritischen oder wütenden Schimpfwörter passen eigentlich ganz gut zum Schweizer Gemüt, dass halt manchmal die Dinge nicht so gut findet. Und so ein bisschen unzufrieden ist.

Heimatland, der Film, will da andere Geschütze auffahren. Also doch den Heilanddonner, irgendwie: Eine riesige Wolke bedroht die Schweiz, Unwetter Panik Chaos, alles böse, was mensch sich hinter verhaltener Hand diesem absurd töteligen Paradies manchmal wünscht. Dass dem Heimatland mal so richtig der Kopf gewaschen wird.

Das Wasser ist es denn auch, dass das Wasserschloss bedroht. Es fliesst nicht mehr durch Hähnen, sondern bald in Strömen vom Himmel. Aber so richtig durchnässt werde ich als Zuschauerin nicht. Heimatland ist ein solider Schweizer Film. Aber er bleibt eben ein Schweizer Film, obwohl der Zorn der Kunstschaffenden zu spüren ist darin. Das Konzept mit den zehn Regisseur_innen überzeugt nicht durchwegs, aber die schwächeren Geschichten werden durch die Gesamtvielfalt aufgewertet und eingebettet. Einzelne Stränge glänzen dafür – etwa der überkorrekte und latent agressive Migros-Filialleiter oder die Polizistin mit PTSD. Unterhaltungswert hoch, vor allem für mich als Bewohnerin dieses Landes.

Ein must see? Schwer zu sagen. Wenn Sie politisch links von der CVP stehen, werden Sie ein bisschen unterfordert sein. Wenn sie politisch rechts von der CVP stehen, werden Sie den Film wahrscheinlich nicht mögen. Ich verlasse den Kinosaal mit einem mulmigen Gefühl und denke über die Möglichkeiten einer doppelten Staatsbürgerschaft nach. Und bin ein bisschen unzufrieden. Aber eben nur ein bisschen.

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