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Im Ghetto III

Milena Krstic am Sonntag den 22. November 2015

Den letzten Abend des St. Ghetto Festivals in der Dampfzentrale hat unter anderem die sinistre Seite von Coco Rosie bespielt: Bianca Casady und ihre gloriose Band The C.I.A.

Bianca Casady and the C.I.A.

Foto: FB-Seite der Band.

Diese aufgesetzte Raspel-Stimme, diese Kindchen-Attitüde, diese Fassade aus skurriler Schminke und wilden Klamotten: Es gäbe da schon ein paar Punkte, weshalb man sich über Bianca Casady mokieren könnte. Aber all das sind eben auch Gründe, die Kunst dieser Frau zu verehren.

Am gestrigen Abend hat sie ihr erstes Solo-Projekt vorgestellt, sprich: Sie ist ohne ihre Schwester Sierra Casady auf der Bühne gestanden und hat ausgelebt, was sie für Coco Rosie normalerweise zähmen muss: ihre dunkelschwarze Seite (so jedenfalls erzählt sie es in diesem Interview). Und tatsächlich fühlte ich mich, als wäre ich Zeugin einer Zirkus-Vorstellung geworden, in der die Artisten alle durchgedreht sind. Ein verzweifelter Clown schmiss sich zu Boden, tanzte im japanischen Butoh-Stil und schnallte sich Lack-High-Heels an die Hände.

Währenddessen hielt sich die Hauptverantwortliche Casady absichtlich nicht im Mittelpunkt und drückte auf einem Kassetten-Rekorder herum (das ist SO Coco-Rosie), entlockte der Drum-Machine sonderliche Klänge und sang in schamloser Vocal-Fry Manier. Diese Kreuzung zwischen Performance, Theaterstück und einem Musikkonzert war natürlich sonderlich, aber auch wunderbar einnehmend. Gerade auch wegen der Band The C.I.A., die mit Trompete, trunkenem Pianospiel, Gitarre und Schlagzeug für blendende Momente sorgte; irgendwo zwischen Hip-Hop, Rock und Gauklermusik.

So stelle ich mir das eigentlich vor, das moderne Theater, in dem die Geschlechter-Rollen unklar verteilt sind und die Stilrichtungen (musikalisch und performativ) wild durcheinandergeschmischt werden.

PS. Wie war eigentlich der Rest des Abends?

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